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10.11.1903 Erstes Blatt
 
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Nr. 5864

vrfchetnß täglich außer Sonntags.

Dem G »ebener Anzeiger werden tm Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Eichener Kamillen- blätter viermal in der Woche bergelegt.

NolaUon-drvck n. Ver­lag bei VrÜhl schen Univech-Buch- »».Stein» btuctetei (Pietsch tirtben) tRtixiftlun, ErpediNo» und Druckerei:

Schnlstratze ?.

Ilbrefje für Deveschenr Anzeiger (Sieben.

Aerniprechantchtuß Vit. 51.

Dienstag 10, November 1SV3

Erstes Blatt

153. Jahrgang

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Ve-ngSprelSr monatl,ch75Ps^ oierteb jährlich Mk. 2.20; durch Abhole-» u. Zweigstellen monatlich 65 Ps.; durch die Post Ack. 2.viertel» sährl. auSschl. Bestellg. Annaymr von Anzeigen für Oie Lagesnummer bis vormittags 10 Uhr. ZeUenprriS: total 12 Pl^ auSevärtS 20 Psg. ttStM«!werlltdb *ftr der» ih>. and allgem» teil. P. vLitik». für »Stadl unO üanb* und -GenchtSsaal*. August Götz, füi Den An­zeigenteil Pan 4 Beck.

Bekanntmachung.

Wegen Vornahme von Kanalisationsarbeiten wird die Wettergasse von heute an bis auf weiteres für den Fuhr- .wecks- und Fahrradverkehr gesperrt.

Gießen, den 10. November 1903.

Großherzogliches Volizeiamt Gießen.

Hechler.

Die Krankheit des Kaisers.

Hebet die Vorgeschichte und den Verlauf des Leidens des Kaisers meldet man solgende Einzelheiten: Der Kaiser litt schon vor Wochen an Unbequemlichkeiten im Halse. Eine Untersuchung gab das Vorhandensein eines gutartigen Polypen, dessen Entfernung opportun erschien. Daß die Operation nicht sofort, insbesondere nicht vor der Zu­sammenkunft mit dem Zaren erfolgte, ist darauf zurückzuführen, daß der Kaiser selbst den Aufschub an ot dnete, weil erjetzt keineZeit habe". Der Kaiser habe während der Operation sowie vorher und nachher völlige Ruhe bewahrt. Er gab den strengen Befehl, daß rückhaltlos über den Charakter seines Leidens Aufklärung erfolgen solle und ferner, daß auch die Oefsentlichkeit sofort dem Befunde entsprechend verständigt werden solle. Der Geh. Medizinalrat Bros. Orth, der Leiter der pathologi­schen Anatomie an der Berliner Universität, der aus Befehl des Kaisers die mikroskopische Untersuchung des entfernten Polyp ausführte, äußerte sich dahin, daß auch nicht der leiseste Verdacht für eine irgendwie bedenk­liche Bildung vorliege. Es handle sich um eine Er­scheinung, die sich bei Personen, welche, wie dssr Kaiser, oft sprechen, häufig vorsinde. Derartige Bildungen müßten entfernt werden, weil sie hinderlich seien. Geheimrat Orth glaubt sagen zu können, daß der Kaiser bereits in etwa 8 Tagen wieder im Vollbesitz seiner Stimme sein werde.

WieW. T. B." von verläßlicher Seite erfährt, ist das Befinden des Kaisers auch weiter durchaus zufrieden­stellend. Der Kaiser arbeitete am Montag längere Zeit mit dem diensttuenden General ä la suite v. LÄven- fcld. An den König von England richtete der Kaiser zu dessen Geburtstage ein längeres Glückwunschtelegrarnnr. Zu heute (Dienstag) sind zu Vorträgen bestellt der Chef des Militärkabinetts, der Chef des Admiral stab es und der Chef des Marinekabinetts.

Aus London wird gemeldet: In einer Ansprache, die der Lord ob errichtet Alv erftonc bei dem Empfang des Lord­mayors im Gerichts gebäude hielt, berührte er die Erkrank­ung des deutschen Kaisers und sagte, er fühle sich gedrängt, der Dankbarkeit Ausdruck zu geben, welche er über die Nach­richt empfinde, daß das Befinden des der englischen Königs- samilie eng verbundenen Monarchien günstig sei. Anläß­lich der an Kaiser Wilhelm vorgenommenen Operation schreibt derGlobe": Das englische Volk erfuhr mit nicht minder großer Ueberraschung wie das deutsche, daß der Kaiser sich einer Operation unterzogen hat. Der Kaiser hätte infolge der ihm eigentümlichen Selbstbeherrschung weder durch, Worte noch durch Taten das Vorhandensein irgend einer Ursache zur Besorgnis verraten. Es sei für die königlichen Verwcudten in England und für das allge­meine Publikum beruhigend, zu hören, daß das Befinden des Kranken so gut sei, wie man nur hoffen könne. Alle Klassen der Bevölkerung brächten der Kaiserin und der kaiserlich,en Fanrilie, sowie dem deutschen Volke große Tctt- nahme entgegen. DieSt. James Gazette" sagt: Wenn es, von unserem König abgesehen, einen Monarchen gibt, für den das englische Volk aufrichtige, umvandelbare Ächt­ung und Zuneigung hegt, ist es der deutsche Kaiser. Die Nachrichten über die Operation werden daher in England mit tiefstem Bedauern und wirklich besorgter ehrerbietiger Teilnahme aufgenontmen. Das Blatt wünscht dem Kaiser baldige Genesung mrd chetont, daß das englische Volk diesen Wunsch teile. Auch dieWestm. Gazette" hebt hervor, daß jedermann in England die Nachrichten ans Berlin mit größter Teilnahme verfolge und dem Kaiser rasche und völlige Wiederherstellung wünsche.

Aehnlich sprechen sich zahlreiche österreichische Blätter «ns:

Wien, 10. Nov. Man erfährt aus Hofkreisen, daß Kaiser Franz Josef nach dem vor einigen Wochen stattgehabten Besuch Kaiser Wilhelms in Wien zu seiner Umgebung Besorgnisse über das Aussehen und die schon damals wahrnehmbare Heiserkeit seines Gastes äußerte. Man setzte indes diese Erscheinungen aus Rechnung des Aufenthaltes Kaiser Wilhelms in dem sumpf­igen Jagdgebiet von Bellye.

Kopenhagen, 10. 'Nov. Die Nachricht, daß Kaiser Wilhelm sich einer Operation unterzogen habe, veran­laßte trotz, der telegraphischen.beruhigenden Versicherungen allerlei Vermurungen. Ueberall hörte man nur Ausdrücke der aufrichtigen Teilnahme. Hervorragende Kopenhagener Aerzte erklärten jedoch sofort, daß die vorliegenden Nach­richten keinen Grund zu einer Beunruhigung enthielten.

Von ärztlicher Seitewirdunsg^schrieben:

Tie Stimmlippenpolypen sind kleine Knötchen, die oft am freien Rande der Stimmbänder sitzen, sie rönnen die Größe von Erbsen oder Bohnen erreichen; in pathologisch- anatomischer Hinsicht sind sie verwandt mit den sehr häufig vorlommenden Nastnpolypen und nehmen wie 'diese eine Mittelstellung zwstchcm Entzündung und Geschwulst ein. Ihre Farbe i ^gewöhnlich, weiß oder auch rötlich, sehr häufig erfolgen Blutungen in dieselben hinein, dann wird ihre Farbe dunkelrot oder braunrot. Prof. Rtoritz Schmidt

in Frankfurt, der Operateur des Kaisers, gibt der Meinung Ausdruck, daß die Bildung dieser einfachen Polypen durch einen falschen Ansatz der Stimme, durch das Pressen sehr begünstigt werde. Man beobachte aus dem gleichen Grunde bei Sängern oft Rückfälle, während man durch llmschulung der Gesangsweise ost im stände sei, solche zu verhindern. Stimmlippenpolypen treten aber oft auch bei Personen auf, die ihre Stimme gar nicht überanstrengen, sogar vielfach bei Kindern, bei welchen sie später von selbst wieder verschwinden. Sie Symptome, welche die Stimm­lippenpolypen machen, sind abhängig von ihrer Größe und ihrer Ausdehnung, meist handelt es sich um Störungen der Stimmbildung, oft machen sie auch gar keine Erschein­ungen, Schmerzen und Schlingbeschwerden bestehen niemals. Tie Polypen haben ihren Sitz am häufigsten an den Stimm­bändern und zwar am freien Rande derselben; über chre Gestalt und ihr Aussehen giebt die Untersuchung mit dem Kehlkopfspiegel Aufschluß. Da das Erkennen, ob es sich um eine gutartige oder bösartige Neubildung handelt, manchmal Schwierigkeiten macht, so muß im Zweifelsfalle ein Stückchen der Geschwulst ausgeschnitten,und mikroskopisch untersucht werden. Kehlkopfpolypen gehören durchweg zu den harmlosen Erkrankungen, denn ihre Entfernung geschieht, dank der überaus fortgeschrittenen Zlunst der spezialisten, vom Kehlkopfe aus; die Prognose ist um so günstiger, je kleiner die Geschwülste sind, weil die Entfern­ung in der Regel ohne jede weitere Verletzung vorgenommen werden kann. Wenn sis vollständig entfernt sind, so kommen Rückfälle höchst s e l t e n zur Beobachtung; unter diesen Umständen hat solche Prbs. Schmidt bei der großen Anzahl der von ihm behandelten Fülle überhaupt nicht gesehen. Von großer Bedeutung ist die Frage, ob gutartige Ge­schwülste des Kehlkopfes sich in bösartige um­wandeln können. Da dies bei den Geschwülsten der äußeren Haut nachgewiesen ist hat man doch aus Warzen Krebsgeschwülste hervorgehen sehen! so wäre die Wahrscheinlichkeit nicht von vornherein von der Hand zu weisen. Man hat sogar behauptet, daß gerade nach Operationen im Kehlkopf infolge des durch dieselben gesetzten Reizes dieser Vorgang beschleunigt werde. Turch, Sammelforschungen ist nun aber sestgestellt worden, daß allerdings ein Uebergang von gutartigen Geschwülsten in bösartige vorkommen rann, daß dieses Ereignis jedoch au ß er st selten eintritt. Daß durch Eingriffe im Kehl­kopf dieser Uebergang verschuldet wurde, davon hat man überhaupt keinen positiven Beweis erhalten. Was die Ent­fernung der Stimünlippenpochpen anlangt, so können die­selben durch Einblasungen und Aetzungen behandelt wer­den. Am sichersten geschieht aber ihre Entjernmrg nach Moritz Schmidt durch ixe Wegnahme mit der Zange. Wie alle operativen Eingriffe, so verlangt auch dieser eine sichere und geübte Haird des Operateurs und ruhiges Ver­halten und Entgegenkommen des Patienten. Eine allge­meine Chloroformnarkose ist bei derartigen Operationen nicht anwendbar, doch hat rnan jetzt in dem Cooain ein vorzügliches Mittel der lokalen Betäubung; durch Ein­pin selung einer 15 bis 20prozentigen Lösung wird der Kehl­kopf unempfindlick) und man kanrt jetzt eine Operation in einer Sitzmrg beendigen, zu welcher man früher LLochen und Aionate gebrauchte. In der Nachbehandlung muß der Patient sich so lange des Gebrauches der Stimme ent­halten, bis die Heilung vorüber ist. Er darf in dieser Zeit mit seiner Umgebung nur schriftlich verkehren. Durch lokale Anwendung geeigneter Arzneimittel kann üb­rigens die Heilung beschleunigt werden.

Geh. Rat Prof. Tr. Ntoritz Schmidt in Frankfurt, der die Operation am Kaiser voruuhm, ist bekunntlich einer unserer ersten Kehlkopfspezialisten. Er war unter jenen Aerzten, die eürst an das KrankOrlager des nachmaligen Kaisers Friedrich nach San Remo berufen wurden, und er yar jenen Bericht mitunterzeichnet, durch welchen zum erstennral' die wahre 9tatur des Leidens gmtlich fest­gestellt wurde. Dieser Umstand ist unseres Erachtens ge­eignet, heute die Gemüter zrr beruhigen. Wir dürfen an­nehmen, daß, wenn zu ernstlicherer Besorgnis Anlaß vor­handen sein sollte, dem Geh. Rat Dr. Schmidt dies nicht entgangen wäre, und daß weder er noch die mitunterzeich­nenden Aerzte sich dazu verstün.'den, die Wahrheit zu ver­schleiern.

Das letzte Telegramm lautet:

Neues Palais, 10. Nov. Das Bulletin von henke vor­mittag lautet: Die langsame Besserung im Aussehen der linken Stimmlippe hatt au. Der Kaiser nimmt heute morgen wieder seinen gewohnten Spaziergang im Freteu auf.

Votitische Tagesschau.

Ersparuissr in den Kolonien.

Der frühere Gouverneur von Teutsch-Ostafrika, Generals major Lieb ert, hat einen Artikel über Ersparnisse in der Kolonialverwaltung veröfferrtlicht, der mit Recht einiges Auslehen erregt. General Liebert faßte seine Vorschläge für eine sparsame Gestaltung der Verwaltung in folgenden Grundsätzen zusammetr:

1. Marr dezentralisiere von oben nach unten, ver­mindere das Schreibwesen, die Berichterstattung über alles und jedes, man vereinfache das verzwickte Ab- rechnungswefen und es würde ein Teil der Beamten in Berlin und in den Gouvernementsbueraus überflüssig. 2. Man führe, wo irgend angängig, Z i v i l v e r tv a l r - u n g ein. 3. Alan vermindere oder st r e i ch e ganz den Bauetat, der bedentliche Summeu verschlingt. Ich habe als Gouverneur vergeblich gegen die Pracht­bauten angekämpst. 4. Mmr versuche an den aller­

Deutsches Keich.

Berlin, 9. Nov. Me Vereidigung der Rekruten der Garnisonen Berlin, Spandau, Charlottenburg und Groß- Lichterfelde wird am 20. November im Beisein des K a i s e r s im Lustgarten vor dem Königlichen Schlosse stattsinden.

DerNationalztg.^ wird zuverlässig bestätigt, daß entgegen der in den letzten Tagen verbreiteten Nachricht, eine neue Militärvorlage nicht zu erwarten sei. Die Friedenspräsenzstärke bleibe e i n st w e i l e n die alte, und was tfuur ärmeren militärischen Gebieten an Reforrnen angebahnt ist, wird teils im Etat, teils in besonderen Vorlagen erscheinen.

Die Einberufung des K o l o n i a l r a t e s ist auf den 30. November in Aussicht genommen.

Aus St. Thomas wird gemeldet Kapitän z. S. Schieber habe denPancher" und dieGazelle" nach St.

dings sehr hohen Kosten der Schutztruppe Er­sparnisse zu erzielen."

Eine Vermcnderung der Kosten der Schutztruppe glaubt er berbeiführen zu können durch allmähliche Abstoßung der Sudanesen, die viel zu hoch bezahlt werden, durch Be­seitigung der Stellung ihrer Offiziere, der Esfendi, ferner durch Verminderung der Zahl der Kompagnien der Schutztruppe oder Herabsetzung des Etats der Kompagnien, endlich durch Ver­minderung des europäisch,en Personals an Offizieren und Unteroffizieren. Er gibt zum Schlüsse dem Wunsche und der Hoffnung Ausdruck, daß es gelingen möge, ohne die Autorität des deutschen Gouverneurs zu beein­trächtigen und ohne die Ruhe des Landes zu gefährden, 500 uOO Mark an Verwaltungskosten zu sparen und diese Summe für den unbedingt notwendigen Eisenbcchnbau zu verwenden.

Einige iuleresiante Aenßeruugeu des Papstes

über die Lage der Katholiken in den wichtigsten Kultur­staaten sowie insbesondere über die religiös-poli­tische Haltung Kaiser Wilhelms werden auf dem Umwege über Paris bekannt. Dem Matin-Redatteur Henri des Houx gegenüber äußerte der Papst, die Katholiken Deutschlands und der Vereinigtert Staaten befänden sich weit besser, als die jen erLänd er, in denen, wie in Spanien, Frankreich und Oesterreich, die Katholi­ken die überwiegende Majorität bilden. Vom Kaiser Wilhelm sagte der Papst: Die katholikenfreund­liche Haltung dieses Monarchen ist zielbe- wu ß t. Was der Kaiser anstrebt, ist lediglich das Wohl des von ihm weise geleiteten Staates. Die Interessen der Dynastie und des Volkes hängen innig zusammen. Der Fanatismus der Sekte hat keine Macht über Kaiser Wil­helm. Tie Katholiken in den alten katholischen Ländern, besonders in Frankreich haben harte Prüfungen zu er­dulden. Tie französische Politik ist wahrhaft gottesschän- derisch geworden. Es wäre aber unrichtig, die republi­kanische Staatseinriästung dafür verantwortlich zu machen; es hat auch schon sehr schlechte Könige und Kaiser gegeben.

Studeuteukämpse in Wien.

Jähr für Jahr kourmt es in den Vlovembertagen auf der Wiener Universität zu regelrechten Kämpfen zwischen d kst t s ch n a t i o n a l e n und jüdischen Studenten einer­seits, katholischen Studenten cutdererfeits. Diesmal war die Vivisektionsdebatte im uiederöstreichischen Land­tag Anlaß. Am Freitag verteilten jüdische und deutsch- nationale Studenten Zettel mit der Inschrift:Kommili­tonen, erscheinet zahlreich beiur morgigen Bummel, ge­denket des Lmrdtages!" Der Rektor machte daraufhin einen Anschlag, in welchem er in Erinnerung brachte, daß die Benutzung des Bummelplatzes ein althergebrachtes Recht der farüentragenden Korporationen uirp den nicht farben­tragenden Studertten das Betreten des Bummelplatzes ver­boten sei. Samstag 1/2I2 Uhr zogen die katholischen Ver­bindungen Noriea, Arrstria, Rudolfina, Kürnberg und Nord­gau ohne Störung auf. Doch bald war ihr Bummelplatz von Hurrderten jüdischer und deutschnationaler Studenten gefüllt. Als die katholischen Strrdenten nach Beendigung des Bummels die Universität verlassen wollten, wurden sie mit Pfeifen und stürmischen Rufen, wie:Pfaffen- hunde",^..klerikale Schweinehunde", usw. em- pfangerr, und nach alter Gewohnhett begann ein regel­rechter Kampf. Die katholischen Korporationen faßten bei der Rektoratsstiege Postv und hielten dort anderthalb Stunden lang 5em Ansturm stand, wobei ztvei steinerne Ballustraden der Stiegen in Trümmer gingen. Der Rektor versuckste vergebens die Ruhe wiederherzustellen. In Pfui- und Abzugrufen gingen seine Worte unter, nur einzelne Sätze waren vernehmbar, so der Zuruf: ,^JHr Be­nehmen ist das von Tumultuanten und nicht das von aka­demischen Jüngern!" Auch der Hochschulausschuß, der die nationalen Verbindungen vertritt, versuchte vergebens Ruhe zu schaffen. Man rief ihn: zu:Klerikale 5^andlanger." Endliche foiuite sich ein Mitglied dieses nationalen Aus­schusses vernehmbar rnachen; er forderte die deutsche Stu­dentenschaft auf, nicht an der Sette der Juden zu demon­strieren. ©in Teil der deutsche-nationalen Studenten folgte der Aufforderung, urrd nun konnten die katholischen Stu- dentert in vollen Farben durch die Aula abziehen. Alle Versuche, abermals ein Handgemenge herbeizuführen, wur­den von den nationalen Zwuleursrudenten entschreden unter­drückt. Auf der Straße begleiteten Hunderte von Studenten die äbziehenden katholischen Verbindungen und wollten danrr vor dem Rathause demonstrieren, woran sie aber von der Polizei gehindert wurden.