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10/09/1903 Zweites Blatt
 
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Zweites Blatt.

153. Jahrgang

Donnerstag iv.Tepremver 1903

teilt U öittfo: für .Stadt und Lan-E und ,®ertd)t3|aole: August Götz; für den An- zetgenteUr Han« Veck.

Gchnlyratze 7.

«treffe für Depeschen: Anzeiger Gießen.

Fernfprechanfchluß Nr. 61.

Nr. 21«

Erscheint tLgltch außer Sonntag».

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Gießener Kamillen, blätter viermal in der Woche bcigclegt

Rotationsdruck u. Ver­la« der Brühl'jche« Untvers.-Buch-u. Stein* b rudere i (Pietsch (Men) -Redaktion. Expedttto»

ietzenerAnzeiger

w General-Anzeiger v

Amts- und Anzeigeblatt str den Kreis Gießen

vezngdpretSr monatlich 7b Vf^ viertel­jährlich Mk. W; durch Aohole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Mk. 2.viertel- jährl. auLschl. Bestellg. Annabme von Anzeigen ür ble TageLnummer jiS vormittags 10 Uhr. Letlenprrwt lokal 12Pf^ auswärts 20 Pfg.

Ale Heutige Wummer umfaßt 12 Seiten.

Aie taudwirtfchaftliche Movinzial- Ausstellung.

LL

Gießen, 10. September.

Die Aukmlst Sr. Kouigl. HoheU des Großherzogs in Begleitung der Herren Generaladjutant Generalmajor von Wachter und Flügeladjutant Hauptmann Freiherr Schäffer v. Bernstein, erfolgte um 11 Uhr 53 Mm. Als der Extrazug einlief, hatten sich die Herren Provinzral- direktor Dr. Breidert, Polizeiamtmann Hechler, Oberbürgermeister Mecum, Ä. Magnificenz Universitäts- Rektor Prof. Dr. Krüger und Bezirkskvmmandeur Lckerft- leutnant v. Mosch eingesunden.

Ter Landesfürst bestieg seine eigene Equipage, die bereits vorgestern hier eingetroffen war. Neben ihm nahm der Staatsminister Dr. Rothe Platz. Vor dem Bahnhof hatte sich eine himdertköpfige Menschennrenge eingefunden, die Se. Kgl. Hoheit mit begeisterten Hochrufen begrüßte. Se. Königl. Hoheit trug duntlen^Zivilanzug und Cylinder. Das Aussehen des hohen Herrn ist vortrefflich, die Gesichts­farbe sehr frisch. Die lebhaften Begrüßungen seitens des Publikums schienen ihn sichtlich zu erfreuen, er grüßte lächelnd nach allen Seiten. Den zweiten Wagen bestiegen ProvinHialdirektor Dr. Breidert und Polizeiamtmann Hechler, den dritten Oberbürgermeister Mecum und S. Magirifizenz Rektor Prof. Dr. Krüger.

Es folgte nun die Fahrt durch die Bahnhosstraße, Alice- straße, LuDwigstraße, Ludwigsplatz, Grünbergerstraße nach dem Ausstellungsplatz.. Auch auf der Fahrt wurde der Groß- Herzog von dem Publikum, das überall Ausstellung ge­nommen hatte, lebhaft begrüßt.

Ter Bahnhof war außerordentlich schön geschmückt mit Fahnen, Guirtanden und Tannengrün, mehrere Ehren- psorten mit Lenr hessischen Wappen unbi Willkommensprüchen waren am Bahnhof und den zu passierenden Straßen er-- richtet. Die Stadt selbst und die öffentlichen Gebäude hatten reichen Flaggenschmuck angelegt.

Hier trafen die Wagen um 1/4 nach 12 Uhr ein. Am Eingang au der Grünbergerstraße gab es eine kurze

Begrüßung

pos hohen Herrn. Oekonomierat Sch lenke richtete fol­gende Worte an S. K. Hoheit:

Ew. SUnigL Hoheit wollen mir alleranädigst gestatten, Namens osr Landwirte der Provinz Oberheffen Ew. Königl. Hoheit aller- untertänigst begrüßen zu bürjen und den Dank der Bevölkerung auszusprechen dafür, daß Ew. Königl. Hoheit die Gnade hatten, unsere landwirtschaitliche Provinzialausstellung zu besuchen. Dieser hohe Besuch wird sür uns ein Ansporn sein, sortzufahren in dem Bestreben, das landwirtschastliche Gewerbe zu iördern zum Wohl des ganzen Hessenlandes. Wir sehen in Ew. Königl. Hoheit den hohen Schutz- und Schrnnherrn auch des landwirtschasllichen Ge­werbes und sprechen alleruntertänigst den Dank aus für das hohe Interesse, welches Ew. Königl. Hoheit durch den Besuch der Aus­stellung für unser Wohlergehen bet unten.

Daraus nahm der Wnigl. Landrat v. Heimburg aus Biedenkopf im Namen der preußischen Kreise das Wort zu folgender Ansprache:

Euere Königliche Hoheit wollen in Gnaden gestatten, daß ich tm Namen des Verbandes unserer Herdbuchgesellschaften, insonder­heit namens der preußischen Teile derselben, die hier im Groß- herzogtum eine so gastliche Aufnahme gefunden haben, unseren untertänigsten Tank ausspreche für die hohe Ehre, welche uns durch den Besuch Eurer Königlichen Hoheit zu teil geworden ist. Das Wohlwollen, welches Eure Königliche Hoheit stets dem Viehschlag unserer heimatlichen Scholle entgegengebracht haben, den Vogels­bergern, welche alles leisten, was der Landwirt unseres Höhenlandes nur verlangen kann, ist uns ein steter Ansporn gewesen, in der Reinzucht und Veredelung unseres heimischen Viehes ständig weiter fortzuschreiten. Möchte die heutige Ausstellung, aus der wir unsere züchterische Arbeit der letzten Jahre vor Augen führen wollen, dieses Wohlwollen Eurer Königlichen Hoheit uns auch ferner erhalten.

Schließlich brachte Oekonomierat Schienke noch ein begeistert aufgenommenes Hoch auf S. K. H. ben Groß- Herzog aus, worauf der hohe Gast, geleitet von der: Herren des g eschüftsführenden Ausschusses, einen

Ruudgang durch die Ausstellung unternahm. Zunächst betrat Se. Kgl- Hoheit Die Stallungen für das Vogelsberger Vieh, dann sah er sich die Simrnen- thaler an; ferner die Pferde, die fti-egen re. re. Zum Sastuß begab er sich durch den Maschinenpark zur wissenschaftlichen Abteilung.

Als man am Kleinvieh vorbeiging, wobei das Publi­kum ganz nahe herantreten durfte, richtete Se. Kgl. Hoheit auch an einzelne Aussteller verschiedene Fragen, die ihre prompte Alttwort sanden. Die Dampsmaschtnen waren größtenteils in Betrieb. Der Rundgang dauerte länger als beabsichtigt war; es war bereits nach i/22 Uhr, als man am Hauptgebäude anlangte.

Dem Rundgange folgte im Hauptgebäude des Aus­stellungsplatzes das Festmahl.

Das Festessen brachte folgende Speisenfolge: Königin-Suppe, Zanderfilet ä la Cardinal mit Kartoffeln, Boeuf ä la mode mit SJtaccarom, Junger Hahn mit Salat und Kompott, Eis, Käse und Butter.

Links von Sr. Kgl. Hoheit dem Großherzog saßen folgende Herren: Oekonomierat Schiente, Univ.-Rektor Prof. Dr^ Krüger, Geh. Negierungsrat Federath, Oberbürgermeister Meeum, Landrat Ley (Weilburg), Oberstleutnant v. M 0 sch (Gießen), Landrat Dr. Sartorius (Wetzlar), Korn-Rat Gail (Gießen) und Major Zahn; rechts vom Großherzog: Fürst Solms zu Hohensolms- Li eh, Oberpräsidialrat M eurer, Landgerichtspräsident Kullmann, Geh. Rat Professor Dr. Gaffky, General v. Waälter. Landrat v. Wussow, Oekon.-Rat Dett-

weil er, RegierungSrat Dr. Wagner, Polizeiamtmann Hechler, Regierungsrat Dr. Heinrichs und Regiemngs- afsessor Draudt; gegenüber links: Kreisrat Dr. Wallau, Oberlandesstallmeister v. Willich, HanL Riedesel Frhr. zu Eisenbach (Lauterbach), Landrat Frhr. Schenk zu Sch meins berg (Kirchhain), Kreisrat Dr. Melior (Als­feld), Hauptmann Schäffer v. Bernstein, Kreisrat Fey, Regierungsrat Frhr. v. Starck, Kreisamtmann Kranz­bühler, Dr. v. Peter, Kreisamtmann Spamer; gegenüber rechts: Staatsminister Dr. Rothe, Landrat v. Heimburg und Provinzialdirektor Dr. Breidert.

Reden wurden bei dem Essen nicht gehalten.

Die Tafel war herrlich geschmückt. Die Wände der Fest­balle waren hübsch hergerichtet mit Wappen rc.; am Dache hingen Guirlanden rc.

Die Tafel des Großherzogs war von dem übrigen Teil der Halle durch Blumenstöcke rc. getrennt. Frankfurter Kellner bedienten.

Tie Tafelmusik wurde ausgeführt von der Kapelle des Infanterie-Regiments Nr. 116 unter Leitung des Großh. Musikdirektors C. Krauße. Der Spielplan brachte an erster Stelle eine Originalkomposition, ,^Hesse Darmstädter sain wir", Jubelfestmarsch zur Hundertjahrfeier des 2.Bataillons, komp. von Dir. Krauße. Weiter gab's noch u. a. ein Solo sür Posaune von. Trinks.

Nach Aushebung der Tafel überreichten die Wirte Trescher u. Schroedel dem Großherzog zum An­denken an den Tag einen prächtigen Obst- und Blumen- korb.

Nach dem Diner begab sich Se. Kgl. Hoheit in seiner Equipage nach der Wohnung des Provinzialdirektors Dr. Breidert zum Thee. Geladen waren hierzu außer dem Gefolge des Großherzogs die Herren Oekonomierat S ch l e n k e, Kreisrat Dr. Wallau und Landrat v. Heimburg- Biedenkops.

Um 4.45 Uhr nachmittags hat Se. Kgl. Hoheit Gießen wieder verlassen.

Es hat einen ganz eigentümlichen Reiz, diese Aus­stellung in ihrer bunten Zusammensetzung von lebenden und toten landwirtschaftlichen Produkten zu übersehen, die doch eine einheitliche, eindringliche und so gemütlich un­mittelbare Sprache redet. Tas alles, was uns da sich Leigt, ist ja kein totes, aufgespeichertes Material, wie in den meisten andersartigen Ausstellungen, sondern eine Fülle lebender und fortlebender Erzeugnisse, die uns in ein bewegliches Getriebe frischer Kräfte der Natur hinein­stellt. Wir hören das Wiehern der Pferde, das Brüllen des Viehes, wir sehen die Bereitschaft der Maschinen, die nur daraus zu warten scheinen, daß der Landmann sie in seine Hände nehme, um die Felder damit zu bestellen. Und die vielen Menschen, die da auf dem Platze umher­eilen, da sehen und hören, dort rufen und die Angebote sür Hunger, Durst und Bequemlichkeit in Anspruch nehmen, scheinen sich alle zu freuen und dieser frischen, bäuerischen Atmosphäre sich bewußt zu werden.

Wir unternehmen von der mit Tannenzweigen über­deckten und geschinückten Festhalle aus einen Rund gang durch den Platz und betreten zunächst den langen P s e r d e^ stall, der über 50 prächtige Rassepferde enthält. Die wohl­genährten Tiere, die auf beiden Seiten in reinlichen Ein­zelpferchen angefesselt sind, bieten einen herzerfreuenden Anblick; die Stuten mit ihren runden, glänzenden Formen ebensowohl wie die feurigen Hengste, die den gleichzeitigen Durchgang einer größeren Menschenmenge beinahe gefähr­lich machen könnten. Gestern nachmittag mußte ein solches lebhaftes Tier, als es mit den Husen gegen die Bretter­wand donnerte, aus seiner etwas zu engen Behausung ent­fernt werden.

Nachdem wir auf dem mittleren Durchgang durch den Stall den Ausgang erreicht haben, stehen wir vor der Pforte eines anderen Stalles: für Simmentaler Rind. Was sind das alles für prächtige, hellfarbige Tiere! Tas ist denn doch eine andere Art wie die, mit dec wir gewöhnlich aus unseren heimischen Feldern unsere Bauern pflügen und ackern sehen! Wir haben gestern be­reits mehrere dieser Simmentaler Tiere auf dem Weg nach dem Ausstallungsplatz gesehen, auf dem sie langsam und von den ungewohnten Anstrengungen sichtlich ermüdet, dahinschritten. Als dann in der: Ställen chr lautes Brüllen offerrbar auf Hunger deutete, ließen einige der Aussteller, die die Tiere während der Ausstelllmg selbst verfüttern, vernehmen, daß der Futtertransport noch nicht an gelangt sei. Heute scheint diese Kalamität beseitigt zu sein.

Der nächste Stall zeigt uns das braunfarbige Vo­gelsberger Rind. Auch hier fallen prachtvoll ge­staltete Tiere ins Auge. Besonders einzelne Bullen, junge und alte, sind in Prachtexenrplaren vertreten. Da steht so ein Alter wir meinen da gerade einen aus O b e r - Hörgern mit mächtigem Vorderbau, fett und zottig, wie ein Büffel, mit einem ungeheuren, langen Körper, und die edle gerade Linie vom Nacken bis zum Schwänze kennzeichnet seinen Wert. Ta liegt so ein junges Tier mit ganz charakteristischem, oben breiten und 311 den Kiefern fein zugespitztem Kopf, mit den runden, tlotzeu- den Augen und den kurzen Stierhörnern. Ein Tiermaler müßte jubeln beim Anblick dieser Kraftstrotzen: den Ver­tretern des Tierreichs.

Und mm kommen wir zu dem Heineren, gluckenden, gackernden, blökenden, meckernden und grunzenden Getier. Alle diese durch ihre Stimmen, über, tufert wohllautendste Eigentümiicyte-en sich nachdenken und streiten läßt, fest- gejtellten Haustiere treffen wir nacheinander rund um den Platz an. Mancher bevorzugt die Hühner, mancher

die Tauben, ein anderer die Schafe; unserem Begleiter hatten es die Ziegen angetan; aber ist nicht auch das Schwein, so fett und faul es auch immer ist, ein liebes, 'gutes Haustier? Uns waren alle Gattungen gleich teuer. Und den Züchtern, die sie gastlich hier zu­sammengebracht haben, gebührt, auch wenn sie nicht alle Preise bekommen, gerechte Anerkennung.

Von den Schweinekofen gehen wir weg auf der gewöhn- lichen Straße über den Trieb zu dem Tell der Ausstell­ung, der die landwirtschaftlichen Maschinen, Geräte und Bedarfsartikel beherbergt. Erne große Anzahl von Neuheiten der Erfindungen und Konstruktionen tritt uns da entgegen. Wir müssen diese Sammlung der zwar meist eisernen, aber leichten und beweglichen Geräte noch einmal genauer untersuchen und später eingehender darauf zurückkommen. Die Geschirr- und Wagenfabrik von Au g. Kilbinger hat sogar Pferde auf Rollen ins Geschirr gesteckt, die uns wie lebend anmuten.

Wir besuchen noch ein Zelt, in dem Erzeugnisse der Bienenzucht ausgestellt sind, gefüllte Honiggläser in allen Größen, auf hübschen Gestellen geschmackvoll arrangiert. Der Honig selbst ist auch geschmackvoll und wird während der Ausstellilngstage von den Imkern zum Verkauf feilgeöoten.

Nachdem wir unsere Schritte noch zu der Obstaus- stelllung aus der Liebigshöhe gelenkt haben, die sehr reichlich und verlockend beschickt worden ist, sind wir mit unserem Rundgang zu Ende. Vom Musikpavillon ertönen die Klänge der 11b er Kapelle und drüben, vom Jux platz her hören wir den Jubel der Belustigungen, die schon flott im Gange sind.

Ausland.

London, 9. Sept. Nach einer Meldung desDailh Telegraph^ gedenkt die Königin Wilhelm in a der Niederlande mit ihrem Gemahl den Z a r e n z u besuchen. Die Reise dürfte jedoch nicht vor nächstem Frühjahr unter nommen werden.

Basel, 9. Sept. Die von der Inte rnativnalerv Vereinigung für gesetzlichen Arbeiter schütz eingesetzte Kommission versammelte sich hier heute nach­mittag. Anwesend waren 30 Delegierte, darunter die Re- gierungsvertreter Oesterreichs, Belgiens, Frankreichs, Ita­liens, Luxemburgs, der Niederlande und der Schwerz. Die Kommission nahm in der Frage des Verbotes der Nacht­arbeit der Frauen einen Beschlußantrag Mille- rand-Berlepsch an. Das Bureau der internationalen Vereinigung für gesetzlichen Arbeiterschutz solle den schwei­zerischen Bundesrat ersuchen, eine intetnationale Regier­ungskonferenz einzuberusen. Wegen eines besseren Schutzes der in gesundheitsschädlichen Betrieben beschäf­tigten Arbeiter wurde eine Resolution angenommen, welche den Abschluß eines internationalen Vertrages betreffend das Verbot der Verwendung weißen Phosphors in der Zünd­warenindustrie verlangt.

Budapest, 10. Sept. Gestern abend demonstrierten in Großwardein die Sozialdemokraten, denen die Abhaltung einer 'Protestversammlung gegen die Zurückbe­haltung der Drittjährigen verboten wurde. Die Demorr- ftranten durchzogen die Straßen und zertrümmerten die Fenster vieler öffentlichen Gebäude durch Steinwürfe. Aus die einschreitende Polizei wurden aus der Menge auch Re­volverschüsse abgegeben, wodurch drei Polizisten ver­wundet wurden. Nach Vornahme mehrerer Verhaftungen wurden die Demonstranten auseinandergetrieben.

Aus Stad! und Kund.

Gießen, den 10. September 1903.

** Neuer Roman in den Familienblättern. Heute beginnen wir in den Familienblättern mit dem Ab­druck des RomansDas Fischermädchen von der Bretagne" von B. W. Howard. Die Heldin der überaus fesselnden und spannenden Erzählung ist Guenn Rodellec, ein einfaches Fischermädchen und, wie der berühmteste deutsche Nooellendichter der Gegenwart, Paul Heyse, urteilt, ,eines jener dichterischen Geschöpfe, die sich mit unauslöschlichen Zügen der Erinnerung eingraben." Das Buch hat uns in vieler Hinsicht an den in vielen Millionen von Exemplaren in der ganzen Welt verbreiteten RomanTrilby" des Fran­zosen Du Mouriez erinnert, den er, was den unterhaltenden und menschlich nahegehenden Inhalt anlangt, noch übertrifft. Sicher werden alle unsere Leser den Roman bis zur letzten Zeile mit außerordentlicher Spannung lesen und denselben Eindruck haben, den wir mit Paul Heyse empfanden, welcher dem Verfasser nach der Lektüre des Buches schrieb:

Seit ich es zu Ende gelesen, hat mich der tiefe Eindruck dieser in all ihrer Einiachheit so ergreifenden Geschichte nicht ver­lassen, und es drängt mich, Ihnen zu sagen, wie aufrichtig ich Ihr Talent der Eharakreristik, der glücklichere Gruppierung und Hon- iraslierung der Gestalten, der Beherrschung aller Darstellungsmittel bervurrdere."

Der Roman wird, dessen sind wir gewiß, in allen Kreisen die günstigste Aufnahnre finden. Die nächste Nummer der Familienblätter erscheint am Samstag nachmittag.

** Das Großh. Regierungsblatt Nr. 46 enthält folgende Verordnung, die Zulassung von VolkSschul- lehrern zu akademischen Studien betreffend:Volks­schullehrer und Schulamtsaspiranten, die in der Entlassungs- prüfung an einem hessischen Schultehrerseininar die erlte, in der Desinitorialprüfung die erste oder die zweite Note erhalten und sich im praktischen Schuldienst bewährt haben, können, sofern sie mindestens drei Jahre an öffentlichen Schulen des