Ausgabe 
10.6.1903 Zweites Blatt
 
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durch Erdro

Telephonischer Kursbericht.

. 101.80 3J/o Mexikaner

Tendenz: schwach.

371% 8%

3 */,% 3°/o

371%

91.40 I

101.85

91.45

101.20

100.60

192.00

100.45

101.75

103.60

50.30

32.10

33.85 13L8U

45.10

Reichten leihe do.

Konsole . do. . .

Heesen Oberhessen

Ermordete wurde vom Täter oft mißhandelt und tnefer ist oft dafür bestraft worden. Er ist verhaftet und geständig.

K a n n st ad t, 10. Inin. Die Daimler M o t o r fab r i k ist heute größtente ils abgebrannt. Tie Waren- Vorräte und wertvolle Modelle wurden vernichtet. Acht

Kein neuer Pestfall!

Zu der verdächtigen Erkrankung des Wärters, der 6en an der Pest verstorbenen Dr. Sachs in der Chants zu Berlin gepflegt hat, ist zu melden, daß sich das Befinden des Mannes wesentlich gebessert hat. Das Fieber ist bereits ganz geschwunden, die Körpertemperatur auf 37 Grad gesunken. Abgesehen von diesen günstigen äußeren Erscheinungen haben auch die heute nacht vorgenommenen bakteriologischen Blut- Untersuchungen den Pest verdacht nicht bestätigt. Das starke Fieber, von dem der Kranke befallen war, ist zurückzu­führen auf eine schwere Erkaltung, die sich der Wärter während der Pflegezeit zugezogen hat. Auch das Befinden der übrigen in den Baracken Beobachteten läßt nichts zu wünschen übrig, so daß e§ also aller Wahrscheinlichkeit nach bei dem einen traurigen Opfer des jungen Gelehrten bleiben wird. Gestern trat der ständige Ausschuß von Sachverständigen und Ver­tretern der Behörden im Reichsgesundheitsamt wieder zu einer Sitzung zusammen. Ebenso fand im preußischen Kultus­ministerium eine neue Beratung statt. Der Bundesrat wird sich am nächsten Samstag, den gesetzlichen Bestimmungen ge­mäß, mit den Abwehrmaßregeln beschäftigen. Die ganze WirtschaftSeinrichtung der Familie, bei welcher der verstorbene Dr. Sachs wohnte, ist konfisziert und ver- brannt worden. Die Frage, wer den betroffenen Leuten Entschädigung leisten wird, ist durch Reichsgesetz, betreffend btt Bekämpfung gemeingefährlicher Krankheiten vom 30. Juni 1900, geregelt. Danach ist für Gegenstände, welche auf polizelliche Anordnung vernichtet worden sind, volle Ent­schädigung zu leisten. Als solche soll der gemeine Wert des Gegenstandes gelten und zwar ohne Rücksicht auf die Minderung des Wertes, welche sich auS der Annahme ergiebt, daß der Gegenstand mit Krankheitsstoff behaftet sei. Wird der Gegenstand nur beschädigt, z. B. durch Desinfektion, oder teilweise vernichtet, so ist der verbleibende Wert auf die Ent­schädigungssumme anzurechnen. Die Zahlung erfolgt nur auf Antrag der Geschädigten. Die Kosten der Entschädigungen fallen der S t a a t S k a s s e zur Last. Der Entwurf eines preußischen Ausführungsgesetzes zu diesem Reichsgesetz be­stimmt, daß die Auszahlung nach Anhörung von Sachver­ständigen durch die Ortspolizeibehörde zu erfolgen hat. Gegen die Entscheidung dieser Behörde ist für Berlin nur die Be­schwerde beim Oberpräsidentcn der Provinz Brandenburg zu­lässig. Deffen Entscheidung ist endgiltig. Für die Per­sonen, die infolge der notwendig gewordenen Isolierung in ihrer erwerblichen Tätigkeit zeitweilig beschränkt werden, be­stimmt das Reichsgesetz die Art der Entschädigung. Anspruch auf eine solche haben überhaupt nur Personen, die der In­validenversicherung unterliegen. Bei der Berechnung des ihnen entgangenen Verdienstes wird als TagcSarbeitsverdienst der dreihundertste Teil des für die Invalidenversicherung maßgebenden JahrcSarbeitsvcrdienstes zugrunde gelegt.

Die ^Nationalztg." meldet: Das Befinden der wegen des Pestfalles in der Charito beobachteten Personen war bis zum Dienstag abend ein gutes. Im Verwaltungsgebäude ist eine ständige Polizeiwache, bestehend aus einem Wachtmeister und zehn Schutzleuten. Der Polizeipräsident von Berlin wies die Magistrate von Charlottenburg, Schoneberg und Rixdors an, darauf zu halten, daß ständig Jsolierhäuser und Baracken vorhanden sind und diese nicht zu anderen Zwecken benutzt werden.

4% /6 Chinesen . , Electric, bctuckert . Nordd. Lloyd . , Kreditaktien

Dih Konto-Komm an di t. Darmstädter Bank . Dresdener Bank . . Berliner Handelsges. Oesterr. Staatebahn . Lombarden . . . Gotthardbahn . . . Laurauütre . . . . Bochum.....

Harpener . . . .

. 26.10 . 92.60 . 93.10 . 98 80 . 208.00

184L0 . 135.60 . 146.23 . 153.40 . 145.60 . 17.26

189.20 . 215.75 . 173.00 . 177.60

Temperatur der Lahu und der Luft

am 10. Juni 1903.

Rach Rcaumur gemessen mittags zwischen 12 und 1 Uhr.

Wasser 16°, Lust 18°.

Albert Rübsa » ea.

4 Oesterr. bilberrente 4% Ungar. Goldrente, . , 4% Italien. Rente . . .

47,54 Portugiesen . . , 8°/ Portugiesen. . . . l?o C. Türken . . .

Türkenlose.....

4% Griech. Monopol.-Anl.

41.. % äussere Argentiner

Aus AM uni) Land.

Gießen, 10. Juni 1903.

Personalien. S. K. H. der Großherzog haben den Registrator am Landgericht der Provinz Rheinhessen August Leichner zum Rechner am Landeszuchthaus Marlen­schloß ernannt. In den Ruhestand wurde versetzt der Wagenwärtcr in der Hessisch-Preußischen Eisenbahngcmein- schaft Jakob Haas zu Darmstadt auf sein Nachsuchen.

* Sitzung des Provinzia 1 ausschusses. Am Samstag, den 13. Iunr 1 903, vormittags 8» Uhr, findet im Sitzungssaale des Regierungsgebäudes hier eine öffentliche Provinzialausfchußfitzung mit folgender Tagesordnung statt: 1. Durchführung des Fluchtlinien, planes für den Seltersiveg Nr. . > in Gießen: hier: Ent­eignungsantrag der Stadt Gienen En: gnung von lande zur Erweiterung des Bahn he Lollar zweck«? Ein­führung der Nebenbahn LollarLondorf: hier: llrteilsver-

Dndigung. 3. Reklamation gegen die

zu Burgbracht. 4. Klage des Ortsarmenverbandes Hanau gegen den Landarmenverband Friedberg wegen Ersatz von Pflegekosten für d«en Schweizer Peter Gaber von Essen; hier: Urteilsverkündigung. 5. Gesuch des Abraham Hammel zu Nidda um Erlaubnis yir Errichtung einer Fettsiederei; hier: Urteils Verkündigung.

Hessisch-Thüringische Staatslotterie. Bei der heutigen Ziehung der 2. Klaffe fiel die Prämie von 50 000 Mk. auf die zuletzt mit 300 Mk. gezogene Nr. 31407 nach Mainz), ferner fiel ein Gewinn von 3000 Mk. auf Nr. 66984 (nach Saalfeld), ein Gewinn von 2000 Mk. auf Nr. 14494 (nach WormS), zwei Gewinne von je 1000 Mk. auf Nr. 64937 (nach Offenbach), und Nr. 74866 (nach Det­mold), vier Gewinne von je 4000 Mk. auf 9h:. 59562 72341 95710 47225, acht Gewinne von je 300 Mk. auf Nr. 11386 26326 43228 62381 63927 65620 75515 90460. (Ohne

Gewähr.)

- Sturz aus dem Fenster. Ein junges Mädchen kürzte sich am Montag abend Ecke Walltorstraße und Brau- gaffe aus dem Fenster auf die Straße. Sie erlitt komplizierte Knochenbrüche und Verletzungen und wurde unter furchtbaren Schmerzen, die sie aushalten mußte, in die Klinik verbracht. In Liebeskummer sollen die Motive zu dem schrecklichen Ent­schluß zu suchen sein.

** Riesen kin ematograph. Tas schon angekün- digte kinematographische Unternehmen wird von anderen Zeitungen sehr gelobt und ist auch, wie wir uns über­zeugen konnten, im Besitz vieler anerkennender Schreiben von Schuldirektoren und ähnlicher Dienststellen. Die Vor- tellungen werden morgen auf Oswalds Garten eröffnet. Es ind täglich zwei Vorstellungen, mittags und abends. (Siehe Inserat.) Wie uns der Direktor des Unternehmens mit­teilte, wird morgen nachmittag um 3 Uhr am Eingang des Selterswegs bei der Anlage eine n e ue Au fn ah m e tattfinden, deren tinematograpyische Wiedergabe dann für >as hiesige Publikum äußerst interessant sein wird.

Bad-Nauheim, 9. Juni. Beider Einführung und Vereidigung unseres neuenBürgermeisters Dr. Kayser, sprach Kreisrat Fey in einer längeren^Rede von den Wirkungen der neuen in Kraft tretenden -städteord- nung und schloß mit folgenden Worten an Bürgermeister Kayser:Verehrter Herr Bürgermeister, Sie kommen, wie ich weiß, mit dem besten Willen, inöge Gott Ihren Be- trebungen stets das beste Gelingen geben. Atögen Sie, Mild n der Form, aber fest und bestimmt in der Sache, Ihres Amtes walten zum Gedeihen und zum Besten der schönen Stadt Bad-'Nauyeim!" Bürgermeister Kai)ser antwortete mit Worten des Dankes und richtete an die versammelten Vertreter der Stadt eine längere Ansprache.

Darmstadt, 9. Juni. Die Enthüllung des von dem Darmstädter Journalisten- und Schriftsteller-Verein im Darm­städter Herrengatten errichteten Goethe-Denkmals von Habich und Zeller ist, wie die ^Darmst. Ztg," schreibt, für Dienstag, 30. Juni, nachmittags 5 Uhr, in Aussicht genommen.

r. Riainz, 9. Juni. Der bei dem vor wenigen Wochen stattgehabten Ingelheimer Automobil-Unglück, bei welchem der Ingenieur Albett aus Biebrich ums Leben ge­kommen ist, arg in Mitleidenschaft gezogene Monteur Sa ater ist von den erlittenen Verletzungen jetzt so wett geheilt, daß er das hiesige Spital verlassen und sich in seine Heimat be­geben kann. Bezüglich des bei dem Unfall durch einen der Hilfeleistenden verübten Geldraubes an dem ver­unglückten Albett verdichtet sich, wie verschiedenen Blättern aus Ingelheim geschrieben wird, nuninehr der Verdacht gegen emen in Ingelheim wohnenden Herrn besseren Standes in der schwerwiegendsten Weise.

benachbarte Häuser sind stark beschädigt. Ter Schaden ist bedeutend.

L o n d o n, 10. Juni. Die Erklärung des Schatz tanzlers Ritchie gegen die Zollpolitik Chamberlains hat ungeheure Sensation erregt. Dies in Verbindung mit der Erklärung des liberalen Führers Rosebery in einer in Bishops Stontford bei Eröffnung der landwirtschaft­lichen Ausstellung gehaltenen Rede, daß niemand wisse, was im Parlament bevorstehe, und daß überraschende Vor­gänge jeden Augenblick zu erwarten seien, hat die Gerüchte von einer baldigen Parlaments-Auflösung neu gestärkt. Tie Lage der Regierungspartei wird allgemein mit der Spaltung der liberalen Partei durch Gladstones Homerulc-Projekt verglichen. Chamberlains Aus- ichten auf Erfüllung seiner Plane gelten für stark ne­nnt en. Nach Ansicht von wohl ^informierten Stellen. wird es zu keinerlei Kabinettskrise kommen. Chamber­lain wird nicht demissionieren. Ueber sein Pro­jekt wird vorläufig nichts lveiter verlauten bis zum Herbst, dann wird es definitiv eingebracht werden.

London, 10. Juni. Tie Morgenblätter kommentieren lebhaft die gestrige Debatte im Uiuerhause. Fast alle Ab­geordnete hatten sich eingefunden, da man sich auf irgend einen Coup Chamberlains hinsichttich seines Zollprojektes gefaßt gemacht hatte.Morning Leader" undTally News" erklären, Chamberlain sei augenblicklich in polittscher Hinsicht ein toter Mann. Es sei ihm unmöglich, alle Konservativen zusammenzuhalten, die zur Opposition hin­neigen.

Rom, 10. Juni. Graf P., ein hervorragendes Mit­glied der katholischen ^lristokratie, wurde auf Antrag des Grafen Pecci, des Neffen des Papstes und neuen Kom­mandanten der 9kobel-Garde aus dem Korpsausge- stoßen, well er zwei Tamen der liberalen Ari­stokratie in seiner Dienstwohnung im Vatikan zum Tee geladen hatte.

Rom, 10. Juni. Ter Pap st empfing französische Pilger und hielt eine längere Ansprache an sic.

SimonStown, 9. Juni. Tie deu tsche antark­tische Expedition ist hier heute an Bord derGauß" eingetroffen. Tas Schiff wird 9lusbesserungen vornehmen und nach etwa drei Wochen nach Deutschland zurückkehren. Tie Expedition hat ein n e u e s L a n d entdeckt, dem sie den 9tarnen Kaiser Wilhelm U.-Land gegeben hat.

Pretoria, 9. Juni. Ter (Gesetzgebende Rat nahm am 9k ach mittag einstimmig den Antrag, den Tingaans- tag als Burenfeiertag mit in die Liste der öffent­lichen Feiertage aufzunehmen, an. Tie holländischen Mit­glieder dankten den übrigen herzlich für dieses Zeichen des Entgegenkommens und sagten, dies nütze mehr, als alle Reden über die Aussöhnung.

Antrag CH aplin. Im Ärnfe der Debatte erklärte Ritchie, die Regierung halte die Anstellung einer Unter­suchung über die Frage der Dorzugstmllfe für notwendig. Er würde überrascht sein, wenn eine solche Untersuchung irgend ein praktisches Mittel bar tun würde, eine solche Politik au^uführen. Er sei ein überzeugter Frei­händler, und wie er gegenwärtig beraten sei, könne er sich nicht zu einer Politik bekennen, welche er für schädlich für dre Interessen Großbritanniens und seiner Kolonien halte. Es besteht Grund zu der Annahme, daß diese Erklärung Rllchies das Ergebnis einer im heutigen Kabinettsrat über den Gegenstand erfolgten Beratung ge­wesen ist, und die Erklärung vorher den Ministerkollegen Ritchies unterbreitet worden ist.

Paris, 9. Juni. Die Zollkommission setzte den Zoll für Hopfen auf 60 Frcs. im Minimaltarif fest.

Römische Berichte an hiesige Blätter und Politiker stellen den Zustand des Papstes als bedenklich hin und warnen davor, die günstigen Darstellungen Dr. Lapponis und der amtlichen vatikanischen Kreise wörtlich zu nehmen. Hämorrhoidalblutungen hätten den Papst sehr ges chwäch t

Konstantinopel, 9. Juni. In der Kriegsschule in Achiret, wo die Söhne vornehmer Leute, insbesondere auch die Söhne vornehmer Scheiks und anderer Führer außereuropäischer Stämme auf Kosten des Sultans erzogeii werven, um später als Hauptleute in die Armee eingestellt zu werden, brach eine Revolte aus. Die Schüler überfielen die vorgesetzten Offiziere und ver­letzten einige von ihnen schwer. Polizei und Militär mußten einschrellen, doch konnte erst Ordnung gestiftet werden, als 50 Schüler verwundet waren. 150 der unbotmäßigen jungen Leute wurden in Haft genommen.

Kiew, 9. Juni. Als am 8. Juni der Chef des Gen­darmeriebezirks, General Novitzky, politische Verbrecher verhaftete und die j ü d. i s ch e H e b a m m e F r u m k i n ver­hörte, stürzte diese plötzlich mit einem im Gewände ver­borgen gehallenen scharf geschliffenen Messer auf ihn los und brachte ihm eine Wunde dicht an der Halsschlag­ader bei, ohne ihn jedoch ernstlich zu verletzen.

Gerichlssaal.

RB. Darrnstadt, 9. Juni. Schwurgericht. Zur Ver­handlung stand heute ein zweiter Fall von Brandstiftung. Ter Taglöhner und Landwirt Joh. Adam Boll von Radheirn, fathol, 26 Jahre all, ist beschuldigt, baS feinem Schwager gehörige An­wesen vorsätzlich in Brand gesteckt zu haben. Boll lebte mit seinem Vater und dem Schwager längere Zett m Unfrieden; der Vater hatte vor mehreren Jahren die chni gehörige vosratte an seinen Schwiegersohn Teborn käuflich überlassen, während der Angeklagte ein Kapital von 5001)11. erhalten sollte. Tie Auszahlung desselben verzögerte sich und der Angeklagte nahm infolge einiger Wahr­nehmungen an, daß leine Verwandten stch bemühten, ihn zu ent- mündigen und somit die 500 TIL vorzuenthalten. AuS Aerger und Rache zimdete er in der Nacht vom 16. zum 17. Februar, nachdem er Schon tagelang vorher sich dem Truirk ergeben hatte, die mit dem Wohnhaus in Verbindung stehende Scheune seines Schwagers an. Tos Feuer griff schnell um sich und zerstörte auch das Wohn- Haus, soivie eine benachbarte Scheune, sodaß em Gebäudeschade»

Vermischtes.

Köln, 9. Juli. Im Eifelgebiet sind schwere Ge­witter niedergegangen. Viel Vieh wurde vom Blitze erschlagen und von den Fluren fortgescbwemmt. Tas Getreide ist vernichtet. Zahlreiche Häuser sind unterwaschen uni> dem Einsturz nahe.

Breslau, 9. Juni. In dem Breslauer Expedittons raum der Breslauer Spritsabrik explodierte ein großer eiserner Behälter. Die Mauerwölbung wurde durchschlagen. Vier Personen wurden schwer verletzt.

Breslau, 9. Juni. TemB. G.-A." zufolge stürzte heute früh auf dem Bahnhof Gellendorf der Maurer Scholz, der auf einem bereits in Bewegung befindlichen Eisen- bahnzug aufspringen wollte, ab. Ter Verunglückte, dem beide Beine abgefahren wurden, war sofort tot.

*Nieder-Preschka u in Böhmen, 9. Juni. Ter Geldverleiher Vater wurde von dem Glasschleifer Richter bei dem Einkasfieren eines Wechsels erschlagen. Der Mörder und dessen ganze Familie wurden verhaftet

Agram, 9. Juni. Ein Gymnasiast verletzte durch einen unvorsichtig abgegebenen Schuß ein 20jähriges Mäd­chen schwer.

Rostow a m T o u, 10. Juni. Als der DampferMos­kwa" nach einer Vergnügungsfahrt auf dem Ton in Asow landen wollte, drängte sich die Döenge auf die Schi f f s- brücke. Diese brach durch. Die Zahl der Opfer soll groß fein.

Peking, 9. Funi. Tie ausgedehnten Gebäude des Steueramts und des Ritenamts, die an den Stadtteil mit den ftemden Gesandtschaften grenzen, wurden heute von einer Feuersbrunst heimgesucht. Tie Gebäude des Steueramts, in denen vier Millionen Taels aufbewahrt ivacen, wurven vollständig vernichtet. Tie ausländischen Truppen, welche angesichts der gänzlichen Unzulänglichkeit Der chinesischen Feuerwehr hilfreich eingriffen, rissen die Gebäude des Ritenamts ein, um ein Uebergreifen des Feuers auf die Fr-emdenstadt zu verhüten.

Neuelle Ktiewungeii.

Lriginaldrahtmeldungeu des Gießener Anzeigers.

L. Berlin, 10. Juni. AuS Arllaß des Pest fall es in Berlin tritt am Samstag dieser Woche den Reichs- gesetzen gemäß die ärztliche Kommission des BundeSrats zusammen. Tie Enrsckstidigung an alle die­jenigen, die durch den Pestfall Schaden erlitten haben oder noch erleiden, hat dem Vernehmen nach die Stadt Char­lottenburg zu bezahlen, da Dr. Sachs dort gewohnt hat.

Berlin, 10. Juni. Eine Versammlung von Handlungs-Angestellten, in welcher Reichstagsabg. Singer eine Wahlrede hielt, wurde polizeilich auf­gelöst. Es waren gegen 4000 Personen erschienen, dre ich aus Sozialisten und Mitgliedern des denisch-nativnalen Handlungsgehilfen-Verbandes zusammensetzten. Als der Redner sich bereits dem Ende seiner Rede näherte, ent­standen tttmultuarische Szenen, welche den überwachenden Beamten veranlaßten, die Versammlung aufzulösen.

Grossen a. O., 10. Ium. In Schwirze ermordete > e r Landwirt Laub e seine 77jährige Mutter s s e l u n g mit einer Schnur im Bette. Tie irbe vom Tätser oft mißhandelt und dieser

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4% Oesterr. Goldrente . .

von 8168 Mk. und ein Mobiliarschaden von ca. 1400 5H. eniftttnb. Der Angeklagte gestand m der heutigen Verhandlung die -tat reu­mütig und unumwunden ein, sodav auf einen-teil ber 3euqai oer- zichtei werden konnte. Ter Verteidiger, Rechtsanwalt Neuschaffer, versuchte in längerer Begründung darzutun, day der Angeklagte bei Begehung der Tat nicht die volle Zurechnungsiähigkeit belaß, auch könne hier nicht, wie der Staatsanwalt Tr. '^olff verlangte, der s 306 zur Anwendung kommen, sondern nur § 308, da der An­geklagte nicht ein zur Wohnuiig von Menschen dienend^ Gebäude, ondern nur die Scheune in Brand gesteckt habe. Die Geschworen«! verneinten die Schuldsraae der vorsätzlichen Brandstillung nach ( 306, bejahten aber die ^chuldsrage nach § 308 und lehnten die :3eroinigung mildernder Umstände ab. Tas Gericht erfannte für die Tat, die der Vorsitzende als eine höchst verruchte und gemem- gesährliche brandmarkte, mit drei Jahren Zuchthaus, wo­von 3 Monate auf die Untersuchungshaft angerechnet werden, und 5 Jahren Ehrverlust. Ter Staatsanwalt hatte 4 Jahre 6 Monate Zuchthaus beantragt. .

Gnesen, 9. Juni. (Geheimbundprozeß.) Smmmat- kommissar Günther-Posen entnahm aus dem Kassenbuch und den onftigen Aufzeichnungen, daß die Gnesener Schülerverbindung, aus Anleitung der polnischen Nationalliga 1894 gegründet, zur polnischen Gesamtgeheimorganisation gehörte, Kongresse beschickte und polnisch-revolutionäre Zeitungen hielt, d,e Tür gewaltsame Wiederaufrichtuna Polens eintraten. Ter Staatsanwalt hält die Angeklagten im Sinne des § 128 des Strafgesetzbuches tut schuldig und beantragt 1 bis 2 Monate Gefängnis,^ die Verteidiger bean­tragen Freisprechimg. Schließlich wurden Schwemm und v. Po- wicki zu je sechs Wochen, Grozeriewicz und Danielewski zu je drei Wochen, Grodzki zu zivei Wochen und 11 Angeklagte zu einer Woche bis zu einem Tage Gefängnis verurteilt. Drei Angeklagte erhielten einen Verweis, fünf wurden freigesprochen.