Nr. 59
Erstes Blatt
Mittwoch 11. März l 903
153. Jahrgang
außei Sonitiag»
Dem Gietzene, Anzeige» tcrtbrri tm Wechsel mit txm kesstlchea Landwirt di« Gießener Zomilien. blätter viermal m bei Woche beigelegt.
Ototaiionebrud u. Der» lag bei Biühl 'leben Univett-Bixb- u.Stein» brudereitliietld) (i tb«n) Kebuftion, <tiyeöiiu>» unb Druderet:
Ochulftr « fee 7. tlöi eite tüt Develcheni Anzeiger Wiefern. frfrntprfÄanldilnfe ‘Jh 51
nt% gleichaiüi^ toaS btt eW dettö. lLachrn br> billigt, ebenso eilte
ere Derathung auf
Gießener Remu»isce«-en aus a.ter Zeit.
Bon W. H.
(Nachdruck verboten.)
Wie stirbt der Mensch? In einer juristisch en Prüfung fragte der Examtnät or, ein hiesiger Uni- oiersitäts-Prvfcssor: „Wie stirbt der Mensch?" Tie etwas ungewöhnliche Fragestellung wußte keiner befriedigend zu beantworten. Ter eine tagte: „Entweder im Bett oder ins dem Schlachtfelde"; der andere: „Entweder aus dem Jmibc oder zur See." Der Dritte, der^etwas fhakespearisch rrigehauchl war, meinte: „In seiner sünden Maienblüte." ,-XIIcd falsch", entgegnete der Examinator, „ich will's Fhnen sagen: entweder ab teftato voer ab intestaro!" (Ent- iv-eder mit Hinterlassung eines Testaments oder ohne ein icilches.)
Für den „Tod" kein Kraut gewachsen ist. Si n Universiiatsdiener, Namens Tod, hatte in seinem Garten Allerlei Gemüse zu seinem Bedarf gepflanzt. Uebermütige 3::ubentcn stiegen eines Nachts in seinen Garten, rupften tüite Anzahl Pflanzen aus und hinierließen einen Zettel, au-f dem geschrieben stand: Für den Tod kein Kraut ge» lAtchsen ist.
Sich eines größeren Fleißes — befleißt- jfltn. Es gab eine Zeit, wo unsere Herren Studierenden ,e:ii littcris weniger oblagen, oder, wie es im Kommers-- jiudje heißt, lieber beim Bierglas als bei dem Tintenfaß fa’en. Iul| e'me Beschwerde des Senats erschien ein Beamter, der .iet Studenten aller Fakultäten vor s.ch lud und eine fulmi- .ioflnie Strafrede hielt, die mir den Worten schloß: „Dir .rauschen, daß die Herren sich fortan eines größeren De ißes — befle.ßigen möchten." Ob dieses lapsus hnnguac entitmid große Heiterkeit.
einen Hering! Als der berühmte Professor Jhering, später in Göttingen, hier docierte, beklagte er sich einem Kollegen gegenüber, daß man in Gießen nicht einmal einen Seefisch erhalten könnte. (Heute kann man Seefische aller Art kaufen, aber damals mag es wohl so gewesen sein.) Der schalkhafte Kollege bemerkte darauf, da,; er zu jeder Zeit einen Seefisch hÄen könne und schlug ihm eine Wette vor. Sie begaben sich beide in das „Hotel Einborn", und der Kollege rief mit lauter Stimme: „Kellner, bringen Sie dem Herrn Professor Jhering einen Hering". Die Wette
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.M unb RelimoM Ment Stoet! hierher er Kon ervativen auf die ■ 1,LWI.dne °"bere S Dienstzeit bst Traf SSalberfee hat durchaus betoährl habe.
baß die „Mmubenci everwaltunq nicht geklaqr ilage zu scheuen. Zn dem ungen durchaus aufrecht zweite Kompagnie des 3 sein sollte, n.
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Möchte, könnte, dürfte. Als sich die Stattsttt noch in ihren Anfängen befand, wollte ein RegiemngK- beamter die Sterblichkeitsziffern einer Ortschaft ermittelt wissen und richtete an den Bürgermeister eines benachbarten Landstädtchens die Aufforderung, ihm zu berichten, wieviel Personen durchschnittlich im Fahre in seiner Gemeinde sterben möchten. Der Bürgermeister schrieb: „Nach Umfrage möchte hier niemand sterben." Darauf erfolgte eine erneute Anfrage: wieviel Personen jährlich sterben könnten. Antwort des Bürgermeisters: Tas ließe sich auch nicht sagen; sterben könnten hier alle, das stehe in Gottes Hand. Nunmehr kam die dritte Anfrage, wieviel Einwohner des Ortes jährlich sterben dürften. Die prompte Antwort des Vorstehers lautete: Zu sterben dürfte man niemand verbieten, das könnte auch nicht der gehorsamst unterzeichnete Großherzogliche Ortsoorsteher.
Du Mißgebirt. Unter diesem Worte verstand man hier nicht immer ein Monstrum, eine abschreckende Gestatt, sondern bezeichnete auch ein ungewöhnliches Talent damit. Ein Mann aus Wieseck war vor vielen Jahren nach Newyork ausgewandert; eß glückte ihm nicht, dort eine geeignete Arbeit zu finden. Ms er eines Tages auf und ab ging, begegnete ihm die herkulische Gestalt eines Negers, und verwundert rief er aus: „Du Mißgebirt!" In demselben Augenblick ging ein Herr vorüber, der das Wort hörte, stehen blieb und den Landsmann anredet. „Woher sind Sie?" „Aus Wiesig bei Gieße." „Haben Sie schon eine Beschäftigung gesunden?" „Leider nein!" „Tann kommen Sie morgen zu mir, hier ist meine Adresse." Ter Landsmann fand rünti und wurde in dcm Depot einer großen Cmn . s-^esellschaft angestel.t. Ein Heimat- liches Wort verhalf ihm also zu einer Brotstelle.
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Ker frankfurter Kongreß
Frankfurt a. M., 10. März.
In der heutigen Bormittagdfimaig des deutschen Kongresses zur Bekämpfung der Ge,cylechtskrankheiten führte Geh. Rat Pros. Tr. N e i sse-Bceslau den Vorsitz. Das erste Referat erstattete Stadtarzt Dr. Pfeiffer-Hamburg über „Tas Wohnungs-Elend der Großstädte und seine Beziehungen zur Verbreitung der Geschlechtskrankheiten und zur Prostitution". Ueber das nämliche The/na referierte Herr P. Kampfmeyer- Cronberg L T. Die Vorträge kamen ziemlich tauf dasselbe hinaus: zu verwerfen und zu beseitigen sei das Zusammenwohnen und Zusammenschlafen der Eltern und Kinder in einem Zimmer, das Zusammenschlafen Erwachsener mit Kindern in einem Bett, das Zufammenschlafen älterer und jüngerer Gc- schwister beiderlei Geschlechtes in einem Bett, die durch Schlafgänger und Schtafgängerinnen erzeugten Uebel- stände, das Wohnen Prostituierter in demselben Hause oder Stockwerke mit Kindern. Staat und Gemeinde hätten zur
Parlamentarisches aus Hesse».
Eine neue Regierungsvorlage betrifft den Entwurf eines Gesetzes zur Ae n d e r u n a deS Gesetzes vom 30. August 18.9, die Ausführung des deutschen Gerichtskost en* je setz es und der deutschen Gebührenordnungen für Gerichtsvollziehe r und für Zeugen und Sachverständige. Danach soll dem Artikel 11 des Gesetzes folgende Bestimmung beig.sügt werden: Dem Fiskus anderer Staaten, sowie den öffentlichen Anstalten undKassen, tote für Rechnung eines anderen Staates verwaltet werden loder diesen gleichgestellt sind, kann die Gebührenfreiheit gewährt werden, wenn der betreffende Staat dem Groß- iherzogtum gegenüber die gleiche Rücksicht übt.
Abg. Dr. David beantragt, die Regierung zu ersuchen, Die Beseitigung der Vorschulen an den mittleren Lehranstalten baldigst in die Wege leiten zu wollen.
Eine Vorstellung der staatlich bestätigten Aorstwarte fn Kommunalfvrstwarleien besagt im wesentlichen folgendes: Durch das Gesetz vom 17. Januar 1901, betreffend die Dienst- . eziige der staatlich bestätigten Forstwarte, sind die Geulte neu geordnet, und zlvar finö die Höchstgehalte darin :stgesetzt, die Bestimmung der einzelnen Gehalte wird jedoch in diesem Gesetze dem KreiöauSschuß, beziehungsweise item P iv v in z ialan s s chu ß in höchster Instanz überwiesen. Die orstwarte erachten sich durch diese Bestimmungen beein- icächligt und bedroht, und zlvar namentlich durch die . eberweisung der ausschließlichen Forstbehücde. Diese, der ieither die entscheidende Mitwirkung zustand, sind durch das besetz aus aller Einwirkung auf die Entscheidung gesetzt, «ährend sie doch am ersten dazu berufen sind. Die Borst ellung schließt mit den Worten: „Unsere Hoffnung, Aufbesserung unserer Besoldungsverhältnisse, wie auch Stellung der Uniform unb besondere Vergütung durch Abgabe t«o.i Brennholz zu erhalten, setzen wir auf unsere höchste Behörde unb bie hohe zweite Ständekammer, deren Fürsorge mir stets banfciib anerkannt haben. Wir bereinigen ums in der untertänigsten Bitte: Hohe zweite Stände- bammer wolle unsere vorstehenden Anliegen gütigst ent- Legennehmen unb das Weitere zur Abhttfe unserer billigen Wünsche gnädigst veranlassen."
Dte Abgg. Morell unb Genossen beantragen, dieGroßh. Regierung toolle der Einrichtung genossenschast- s ch a f t l i ch e r H e n g st h a l t u n g e n an geeigneten Orten Oer Provinzen naher treten.
Die Abgg. Langenbach unb Genossen fragen die Großh. Staalsregierung, ob sie nach Prüfung der Sachlage geneigt ist, den Landständen demnächst eine Vorlage zu machet», nach der nur solche Bewerber zum Lehramt für den kauf- niännischen Fortbildungs-Unterricht eine Anstellung finden können, welche stch auf einer Haube ls-Hoch-
war für den Herrn Professor verloren.
Nicht ein Haar, sondern eine ganze Perücke. Einem Pfarrer war seine Frau gestorben. Ein Bekannter fragte ihn gelegentlich, warum er sich nicht wieder verheiratete, da er doch sozusagen noch ein Mann in den besten Jahren sei. „Sie haben wohl ein Haar in der Ehe gesunden?" „Nein", meinte der ehrliche Pfarrer, „nicht bloß ein Haar, sondern eine ganze Perücke."
Heßche, laß Dich köpfen: Em Raubmörder war zum Tode verurteilt worden. Als die Stunde kam, da der Henker seines Amtes walten sollte, hatte sich eine große Menschenmenge vor dem Gelängnisgebaude versammelt, aber der Delinquent wollte durchaus nicht die Zelle verlassen. Erst dem Zureden des Seelsorgers — desselben Pfarrers, den wir vorhin erwähnten — gelang es, den Delinquenten zu bewegen, den schttmmen Gang anzutreten. ,^Heßche", sagte er, „laß Dich köpfen, sieh, die Leut' warte schon drauße."
Wir haben hier auch klima. Zwei Nimrode fuhren im Winter nach einem Orte im Vogelsberge, um dort dem Waid werke obzuliegen. Als sie ausstiegen, wurden sie von dem Förster freundlich begrüßt. Der eine der Herren fand es schauderhaft kalt auf Dem Vogelsberge. ,^Ja,
BringenSiedemHerrnProfessorZheringl mein S^err", entgegnete der Förster, „wir haben hier auch c> vt R « r, « A I 9ff£ Kor <TlrnfOlv»riwn( Klima."
schule, einer Handels-Akademie oder einer gleichwertigen Anstalt die nötigen Kenntnisse erworben und ein Fakul- täts><Examen oder eine staatliche Prüfung bestanden haben.
5>ct Krohyerzog in Indien.
Von der Reise S. K'. Hoheit des Großherzogs gehen der „Tarmst. Ztg." folgende weitere Mitteilungen zu:
S. K. Hoheit der Großherzog verbrachten Montag, den 16. Febr., auf der Dahn, um Toulatabad am 17. vorrn. zu erreichen. Tort wurden S. K. Hoheit durch einen Vertreter des Nizarn von Hyderabad begrüßt unb zu Wagen nach Ellora begleitet, wo bas Bungalow S. Hohett uir Aufnahme der Reisegesellschaft vorbereitet war. Nach Dem Luncheon besuchten S. K. Hoheit die Höhlentempel unb fuhren zum Tiner nach dem Bungalow zurück. Am folgenden Tag, am 18. früh, begaben sich S. K. Hoheit nochmals in die Tempel und fuhren bann über Roza, wo das Grab des Kaisers Aurungzeb besichtigt wurde, nach Daulatabad. Hier bestiegen S. K. Hoheit das Fort und nahmen dort das Luncheon; um 5 Uhr nachmittags erfolgte bann die Abreise nach Bombay, wo der Zug am Donnerstag, 19., früh eintraf.
S. K. Hoheit wurden auf dem Bahnhof von dem deutschen Konsul, Grafen Pfeil empfangen und fuhren nach Malabar Hill, um im Gouvernement House Wohnung zu nehmen, wo bald darauf auch I. K'. Hoheiten der Herzog unb die Herzogin von Eonnaught zu mchrtägigem Aufenthalt anlangten.
Am Nachmittag machten S. K. Hoheit eine Rundfahrt durch die Stadt unb erschienen am Abend zum Diner bei Lord Northeote, dem Gouverneur von Bombay.
Am Freitag, 20., besuchten S. K. Hoheit bie „Türme bes Schweigens" ber Parsees unb folgten bann einer Einladung bes deutschen Konsuls zum Frühstück, bei welchem auch mehrere Angehörige ber deutschen Kolonie in Bombay anwesend waren. Nachmittags wurde dem naturgeschichtlichen Museum ein Besuch abgestattet, und begaben sich S. K. Hoheit bann zu einem Fest im Government House.
Samstag, den 21., erfolgte die Abreise. S. K. H. fuhren in der Government Steamlaunch nach dem Dampfer „Pers.a" der Peninsular and Oriental company, auf welchem die Rückreise nach Suez angetreten wurde. Die „Persca" legte am Donnerstag, den 26., in Aden an unb traf am Sonntag, den 1. März, nach günstiger Ueberfahrt in Suez ein, woselbst sich S. K. Hoheit, empfangen von dem deutschen Konsul, nach der Quarantäne-Station an den Mosesquellen begaben, um vor der Weiterreise nach Kairo die vorgeschriebene Quarantäne von etwas mehr als vierundzwanzig Stunden zu erledigen.
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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen MZZ
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6fkflinitmfld)ung.
Der Sch meiner oi lauf im föchßft des Peter Aff III. m Saasen ist erloschen. Die Gehöstesperre ist aufge» loben.
Gießen, den 9. März 1903.
Großyerzoalickes Kreisamt Gießen.
Tr. Breidert.
gflininitinadjung.
Die Wattthorstraßc zwischen Hunos- unb Brandgaffe wird wegen Vornahme von Kanalisationsarbeiten vom 12. b. ab bis auf weiteres für den Fuhrwerks- unb Fahrrabverkehr gesperrt.
Gießen, den 10. März 1903.
^coßyerzogti.' > uzeiamt Gießen.
Hechler.
wirksamen Bekämpfung ber G.schlechtskrankheiten ber lieber- füllung der Wohnräume vorzubeugen unb zwar durch eine einschneidende Wohnungsgesetzgebung, die an die Benutzung der Räume zum Wohnen bestimmte Minimalforderungen vom sanitären unb moralischen Stanbpunkte aus stellt, durch eine direkte staatliche und lommunale Wohnungsproduktion ober wenigstens burch eine Förberung der genossenschaftlichen und gemeinnützigen Wohnungsprobuktion von feiten des Staates und ber Gemeinde. Staat unb Gemeinde sollten aus der gleichen Ursache auch dem Abvermieten von Wohn- räumen unb Schlafstellen an unverheiratete Personen durch Familien energisch zu Leibe gehen, vor allem durch den biretten staatlichen oder kommunalen Dan von Logier- Häusern ober wenigstens durch eine Unterstützung der gemeinnützigen Errichtung derartiger Häuser. Eine Wohn- ungs-Konlrolle bei den Geschlechtskranken und bei den Prostituierten sei dringend notmenbig . Redner empfiehlt die Schaffung von Ledigenheimen durch die Krankentassen und Errichtung von Walberholungsstätten für Geschlechtskranke. — Oberbürgermeister Beck-Mannheim stimmte dem Referate im wesentlichen zu. Tie Wohnungsnot hänge auch damit zusammen, daß im Budget ber Arbeiterfamilien mehr für Putz unb Tand, Alkohol unb Vereinsausflüge vorgesehen sei, als für Wohnung^miete. Redner wendet sich Wetter gegen das Schlafstellenwesen und empfiehlt Errichtung von Logierhäusern. Beigeordneter Sch w a n d e r-Straßburg hält die Wohnungsnot für eine Folge des Mißverhätnisseö zwischen Arbeitslohn unb Mietpreis. In Straßburg würden in den städtifchen Wohnhäusern die Mietpreife nach dem Einkommen ber Familie festgesetzt. Großes Interesse beanspruchte der nächste Vortrag. Geh. Medizinalrat Prof. N e i ß er-Breslau sprach über bie Frage: „Nach welcher Richtung läßt sich bie Reglementierung ber Prostitution reformieren?" Tie Rede kritisiert das gegenwärtige polizeiliche System als ungenügenb und hygienisch schäbigend. Eine neue gesetzliche Regelung der Materie sei bringend erforderlich. Tas polizeiliche System müsse in ein sanitäres umgewandelt werden. Eine Sanitäts-Kommission aus Aerzten, Richtern und sachverständigen Laien bestehend, soll an Stelle der Polizei treten. Die Polizei könne auch bei dem jetzigen System schon mehr tun, wie bisher geschehen. Frl. A. Pappritz-Derlin sprach zu dem gleichen Thema unb hielt bie Einrichtung von Sanitäts-Kommissionen nicht für möglich. Die Prostitution unb bamit b*e Venerie seien nur zu bekämpfen durch soziale erzieherische unb gesetzliche Reformen, da das bisherige Reglementter- ungs-System sich als schädlich erwiesen habe unb eine Reform desselben wenig Zweck hoben werde.
In der Nachmittagssitzung, in der Professor Dr. Lessen- Berlin, den Vorsitz führte, fand die Diskussion über die Reglementierung der Prostitution statt. Frau Sche ven-- Dresden wendet sich gegen die Bordelle, Direktor Schäfer aus Mannheim sprach über die badischen Prostitutions- Verhältnisse. Assessor C l a u s n e r aus Köln ist für Staatsober Kommunat-Bordetle. Oberlandesgerichts^at Sch möl- ber aus Hamm streift die Prostitution im allgemeinen, Tr. Bl o k-Hannover teilt mit, daß 60 Prozent der in Hannover auf der Straße aufgegriffenen Prostituierten geschlechtskrank feien. Beigeordneter Schwenoer aus Sttaßburg i. E. sieht die Ursache der Prostttution in mangelhafter Natur unserer Gesell,chofts-Orbnung begründet. Tr. Galewski-Berlin betont, die Männer seien nicht so schlecht wie sie gemacht würden. Es gebe viele Frauen, die sich an Männern versündigten. Das müsse hier doch hervorgehoben werden. In Dresden seien vor zehn Jahren auf den Wunsch einer hohen Frau bie Dor- belle aufgehoben, später aber wieder eingerichtet worden. Frau Fürth-Frankfurt will die Prostituierten an ihrer Ueberwachung selbst interessieren. Wetter sprachen Dr. Sack-Heidelberg unb Cohen-Frankfurt. Polizeiarzt


