Ausgabe 
10.3.1903 Drittes Blatt
 
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nicht ftjun, so ist er nnch meiner Ueberzeugung und Kennlniß der ! Hrc

Verhältnisse durchaus im Jrrthum. in dc

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ßonc militärische AuZbildung einer Kritik unterzogen und fick dabei midi auf daS Urtheil bon Sachverständigen bezogen. Ja, kritisiren ist furchtbar billig; schaffen ist aber schwer. Wir stehen fest auf dem Boden, den ein1,einen Mann auszubilden, und nicht, wie einer der von Herrn Bebel angezogenen Sachverständigen will, eine Schlachtenmasse auszubilden. Sie Gleichmäßigkeit, die wir durch unser System erzielen, bildet die Grundlage unserer Armee. Was Herr Bebel von der Kritik des Herrn von der Golt; sagte, scheint mir zu zeigen, daß er diese Sache nicht richtig aufgefaßt hat. Es handelte sich da um die Frage: Soll der sogenannte Drill des Kam- mando-s auch auf die Schützenlinie übertragen werden? Man läßt eben bei unS im Militärwochenblatt verschiedene Meinungen zu, weil durch den Widerstreit derselben sich die Wahrheit ergiebt; aber deshalb, weil ein Artikel eine abweichende Meinung äußert, gleich zu sagen: unsere ganze Armee taugt nichts, das scheint mir doch nicht angängig.

Herr Bebel hat auch von den Manövern gesprochen. In der Heutigen Zeit scheinen sich die Manöver der besonderen Gunst aller Kritiker zu erfreuen. Ich habe in meinem langen Leben viele Manöver mitgemacht, von 1866 ab. Damals hat Niemand geahnt, daß man solche Manöver, wie die heutigen überhaupt werde machen können, daß es möglich sein werde, derartige gewaltige Truppen- massen zu dirigiren, durcheinander zu werfen und das Terrain in dieser Weise aszunutzen. Wenn man unsere Manöver kritisirt, so meine ich: mag doch einer der Kritiker solch ein Manöver uns nach- wachen! Ich kann sagen: Die Leistungen sind hervorragende, die Truppen zeigen sich in augezeichnetem Licht. Besonders abfällig beurtheilt worden sind die Kavallerieattacken. Wir lernen gerade ruf diesem Wege am besten den Werth der Kavallerie schätzen. Feder weiß, auch die entscheidende Stelle, daß eine einfache Attacke kn der Front ohne Ergebniß verlaufen und nur Verluste bringen muß. Die Hauptsache ist, daß wir einen Marsch machen mit der Kavallerie und dann, wenn wir den Marsch gemacht und die Attacke rn der richtigen Stelle ansetzen, dann ist der Erfolg da. Die Kavallerie muß aufklären, die Verhältnisse des Feindes kennen fernen; sie muß mit einem Marsche einsetzen und später mit der tlttacke. Das haben wir bei diesen Kaisermanövern gelernt. Daß )as Ausland uns lobt, das ist gar nicht nöthig. (Beifall rechts.)

Abg von Tiedemann lReichs.): Wir sind gewöhnt, jedes Jahr ine Bebelsche Rede zu hören. Ich höre sie ganz gerne, da sie meistens doch wenigstens eine Aregung bietet. ' Von der heutigen Hebe kann man dies nicht sagen. Er hat über die Duelle gewettert »nd gar nicht gewußt, daß neuerdings unter den aktiven Offizieren ächt ein einziges Duell vorgekommen ist. Man mag über das Duell senken, wie man will, cs wird aber immer Fälle geben, wo jemand sich nicht anders helfen kann, um seine Ehre wieder- «erzustellen, als durch ein Duell. Und ich würde den Tag ^dauern, an dem es in Deutschland anders würde. (Sehr Nchtig!) Daß es unter den vielen Tausend Unteroffizieren -roch einige rohe Patrone giebt, leugnet keiner. Mer was beweist das? Denkt Herr Bebel denn gar nicht an die Mißhandlungen, Jne bei StrikeS gegen Arbeitswillige vorgekommen sind? Diese Fälle md doch eben so schlimm. Den Kriegminister möchte ich fragen ob m der Frage der Errichtung von kleinen Garnisonen in der Provinz Posen etwas geschehen ist. Keine Maßregel würde so zur Hebung )cs Mittelstandes und zur Germanisirung geeignet fein wie diese. Verfall.)

Kriegsminister von Goßlcr: Es kommt ganz auf die Verhältnisse in. Wir haben schon die kleinen Garnisonen vermehrt und Seine NLajestat rst geneigt, dies auch weiter zu thun. Doch bietet dies

Einen Gesetzes zi 1879, die gesetzes für Ger Zachvers setzes folger anderer 2ta die für 9icC oder diesen gewahrt wi Herzogtum

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rieriglciten und wird große Kosten verursachen, weil c:i Städten oft riebt die geeigneten KcUernementS da

r scharf gerügt, daß wegen Ungehor , und die Omziere keine Wohnung finden. Deshalb werden Zu- "* ' - chüfse aus der Reichskasse nörhig fein.

Avg. Hug ((Scntr.) wünscht eine Befserstellung der Militär-

^egicrung jchaftlich öer $cooin^

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Aus Stadt und Sand.

** Personalien. Bestätigt wurde am 6. März der von dem Grafen Kuno zu Stoiber g-Roßla auf die evangel. Pfarrstelle zu Mittel-Seemen, Dekanat Schotten, präsentierte Pfarrverwalter O t t o R e p p. Ernannt wurde der Steuer­aufseheraspirant August Stephan aus Urbach zum Steuer­aufseher. Verliehen wurde am 24. Februar dem Forst- Wart der Forstwartei Hirschhorn 2, Förster Karl Sommer- lad zu Hirschhorn aus Anlaß feiner Versetzung in den Ruhestand das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift Für treue Dienste".

** Tagesordnung für d i e Sitzung der L-tadtverordneten-Versammlung Donners- t a g, d e n 12. M ä r §, nan.)mittags 4 Uhr. 1. Mitteilungen. 2. Gesuch des Ludwig Schneider um Erlaubnis zur Vor- nähme von Lauvcränderungen an seinem Hause Neustadt 18. o. Das Gesetz vom 27. August 1902 über die Polizei­posten; hier: die militärische Organisation der Schutz- mannschast. 4. Festsetzung von Preisen für die Ausführung unvori)ergesehcner larbeucn bei der Kanalisation, ä B^- ichllfsung von K nah geräischafeen. 8. Die Straßen-

reinignng uno ^chrichiab.ui)^; hier: Verkauf von 9JiüIL Zutage eines nei.en oho (es; - icr: a AufjrLitung eines -aai).ri, i- ; b ,. ..i,. c.hc- Leicheitwagens. 8. Er> lan einer ano äoniS».r äung: h.er: P izei-

Der Kroßherzog in Indien.

Rach- Mitteilungen, die derDarmst. Ztg." über den Aufenthalt Sr. K. Hoheit des Großherzogs in Indien weiter zugegangen sind, trafen Se. K. Hoheit am 5. Februar mittags in Abu Road ein und begaben sich zu Wagen nach Mount Abu, wo in der Residenz abgestiegen wurde. Einige Tempel daselbst wurden besichtigt. Nächsten Tags fuhren Seine Königliche Hoheit der Großherzog nach einem Spaziergang den 16 englische Meilen langen 2Beg nach Mount Abu.zurück, um dort den Zug zu besteigen.

Am 8. Februar früh wurden Seine Königliche Hoheit Ixt Ajmere vom Residenten empfangen und nach der Resi­denz geleitet Seine Königliche Hoheit nebst Gefolge be­sichtigten später einige Moscheen und Tempel, das Ge­fängnis und das Ajmere Eollege, machten eine Rundfahrt durch die Stadt und speisten bei dem Residenten. Tags darauf fand ein Treiben auf Panther in der Jungle in einiger Entfernung von Ajmere statt. Am Abend fuhren . Seine^ Königliche Hoheit der Großherzog nach dem See Foy Sangar und kehrten zum Souper nach der Residenz zurück.

Der nächste Tag, 10. Februar, brachte vormittags Linen Ausflug zu Wagen nach dem heiligen See von Puschtar aus. Nach der Rückkehr irach Ajmere besuchten Seine Königliche Hoheit noch vor der Abfahrt nach Udaipur einen Jain-Tempel. Am 10. Februar traf der hohe Landesherr in Udaipur ein und nahm mit Gefolge beim Residenten Wohnung. Da Seine Hoheit der Ma- harana wegen tiefer Trauer den Palast' nicht verlassen durfte, begaben sich Seine Königliche Hoheit dorchin zur Begrüßung und nahmen dann die ausgedehnten Palast­bauten und Gärten in Augenschein. 'Nach dem Lunch wurde eine Bootfahrt auf dem See zur Besichtigung der Schlösser und Paläste auf den Inseln unternommen; dann wurden Seiner Königlichen Hoheit dem Großh rzog wilde Tieriämpfe vorgeführt und später die Rückfah^ nach der Residenz angetreten.

Am 11. Februar begaben sich Seine Königliche Hoheit der Großherzog mit Begleitung auf eine Einladung des Maharanas Yin nach einem 30 englische Meilen von Udaipur am Dhibar-See errichteten Jagdlager, das nach fünf­stündiger Wagenfahrt erreicht wuroe. Seine Königliche Hoheit waren in dem Jagdschloß untergebracht, während die übrige Jagdgesellschajl Zelte bezog. Am Abend wurde eine Bootfahrt veranstalret und mehrere Aussichtspunkre besichtigt. Die drei nächstfolgenden Tage fanden Treiben !n ken umliegenden Jungten statt, wobei Seme Königliche Hoheit der Großherzog unter anderem einen Pancher schossen.

In der Frühe des 15. Februar fuhren Seine Königliche Hoheit nach Udcupur zurück und von da mit der Dahn nach Chitorgash, wo cm mehrstündiger Aufenthalt dem Besuche der dortigen Sehenswürdigkeiten galt, um am Abend die Reise fortzusetzen.

Arbeiterbewegung.

Bremerhaven, 6. März. Loie der Norddeutsche Lloyd den hiesigen Blättern mitteilt, beabsichtigt er, wenn es in Bremerhaven zu größeren Streikbewegungen kommen sollte, welche die Aufrechterhaltung des Betriebes gefährden, einen Teil des Betriebes nach Nordenham und anderen Hafenplätzen zu verlegen.

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Verordnung. 9. Straßenbeleuchtung der Licherstraßc bis zum Siechenhaus. 10. Den Voranschlag des (ÄrS- und Wasser- Werks für 1903/04. 11. Den Voranschlag des Elektrizitäts­werks für 1903/04. 12. Die Mathildenstiftung für die /Provinz Ober Hessen. 13. Gesuch des Karl Kobel um Er­laubnis zum Gastwirtschaftsbetrieb im Hause Liebigstraße 9 (Riegelmann). 14. Gesuch des .Kaspar Müller um Er­laubnis zum Branntweinausschank im Hause Lindenplatz 12 (Gerhard). 15. Gesuch des Ludwig Feldhaus um Er­laubnis zum Betriebe einer Gastwirtschaft im Hause Frank- furterstraßc 23 (Russischer Hof).

** Der Be amten verein beging am Samstagabend in Steins Garten die Feier seines 10. Stiftungsfestes. In längerer schwungvoller Rede gab der Vorsitzende den zahl­reichen Festteilnehmern einen Rückblick über das verflossene Decennium, dabei die Mitglieder zu weiterer lebhafter Unterstützung des Vereins ausmunternd. Ein gewählte- Prvgramm, bestehend in Instrumental- und Vokal-Konzert, einem flott gespielten Theaterstück und einem anschließenden Ball, sorgte für abwechslungsreiche Unterhaltung. Be­sonders hervorgehoben seien die von der Gesangsabteilung des Vereins zum Vortrag gebrachten Männerchöre mit OrchesterbegleitungAm Wörther See" von Thomas Koschat. Chor und Orchester, letzteres stellte die Kapelle Dauer, er­hielten unter der Leitung des Lehrers Görlach wohlver­dienten Beifall. Ein offizieller Frühschoppen im Cafö Ebel und ein gut besuchter Ausflug nach dem Windhof bildeten den Abschluß der wohlgelungenen Feier.

m. Bersrod, 10. März. Unser Mitbürger Ludwig S p a ar feierte heute sein 2 5jähriges Dienstjubi- läum. Er ich 15 Jahre als Polizeidcener und 10 Jahre als Forstwart im Amt gewesen.

Generalmajor von Einem erwidert, daß die Verwaltung bereits mit der Absicht umgehe, die bedeutendsten dieser Kapellmeister im Range zu erhöhen. In welcher Weise dies geschehen solle, könne er noch nickt sagen. AuS Mangel an Mitteln sei die Sache aber noch unterblieben.

Abg. von EzarlinSki bemerkt, auch der KriegSminister hätte der polnischen Jugend kein Verbrechen nachwcisen können. Ihre Nationalität würden die Polen allerdings nicht aufgeben, sonst wären sie die miserabelsten Schurken.

Abg. Kuncrt (S03.) ergänzt seine Ausführungen vom Sonn­abend und beginnt wieder die Anordnungen des Kaisers bei den Kaisermanövern zu kritisiren, das müßte im Reichtag doch ge­stattet sein.

Präsident Graf Ballestrem: Was im Reichstag gestattet ist oder nicht, darüber bestimmt die Geschäftsordnung und nach dieser, wenn sie nicht etwas Besonderes vorfckreibt, der Präsident. Und dabei bleibt'S, und wenn Sie dreimal sagen: sic volo, sic jubeo. Der Präsident wird immer daS thun, waS ihm sein Gewissen und seine Amtspflicht vorsckreibt. Ich bitte Sie nochmal«, die Anord­nungen des Kaiser? nicht zu kritisiren.

Abg. Kunert (fortfahrend): Dann werde ick mich fügen. Mer ich koustatire, daß man hier wohl den Namen GotteS anrufen darf, aber nickt den Namen Wilhelm II.

Präsident Graf Ballcstrcm: Sie haben eben in durchaus unge- gehöriger, durch nichts zu rechtfertigender Weise den Namen deS Kaisers in die Debatte gezogen und meine Geschäftsführung kritisirt. Ich rufe Sie deshalb zur Ordnung.

Mg. Kuncrt (fortsahrend): Die Redefreiheit ist das Palladium des Reichstags und der Präsident ist dazu da, um sie zu schützen, nicht um sie zu zertrümmern. (Unruhe.)

~ Präsident Graf Ballcstrcm: Wegen dieser Aeußerung rufe ich Sie zum zweiten Male zur Ordnung und mache Sie auf die ge­schäftsordnungsmäßigen Folgen eines dritten Ordnungsrufes auf­merksam.

Abg. Kuncrt (fortfahrend): Nach dem, was ich vorgestern er­lebt habe und heute erleben mußte, genireu mich Ihre Ausführungen gar nicht. (Große Unruhe und Rufe des Unwillens und der Empörung bei den übrigen Parteien.)

Präsident Graf Ballestrem: Ich rufe Sie jetzt zum dritten Male znr Ordnung wegen Ihrer fortgesetzten Widerspenstigkeit und werde, falls Sie Ihre Rede noch nicht beendet haben, das Haus fragen, ob es Sie noch weiter hören will.

Abg. Kuncrt (fortwährend): Ich habe kein Bedürfniß mehr zu reden.

Abg. Graf Noou (kons.): Herr Bebel hat ganz Recht, wenn er Mißstände vorbringt, aber die Art und Weise, wie er sie vorbringt, kann ick nicht billigen. Man thut Unreckt, wenn man die Sache immer so dreht, als wenn von unserer Armee nur Schlechtes zu sagen wäre und wenn man das Große von unserer Armee verschweigt. Rohheiten kommen überall vor, auch auf Arbeitsplätzen, aber wir legen keine Sammlung von solchen Fällen an und sagen nicht: Alle Arbeiter sind rohe Menschen. Herr Bebel will mit seinen Ausführungen die Achtung vor unserer Armee herabsetzen. An dem Begnadigungsrecht der Krone können wir keine Kritik üben. Der Kaiser weiß besser, was für die Armee gut ist, als Herr Bebel, und darum sollte Herr Bebel ich ruhig schlafen legen. (Lachen bei den Sozialdemokraten.) Hostentlich werden wir bald zur dreijähriaen Dienstzeit zurück- kehren. Dann werden manche Mißstände verichwinden. Die zwei­jährige Dienstzeit ist ein verfehltes Experiment.

Abg. Südekum (Soz.) stellt fest, daß gegen dieMünchener Post", dte dem bairischen Hauptmann Feilitzsch Feighett vorgeworfen

Pariamenrartsches.

* Die Kaiserin im preußischen Abgeord ttetenhau | e? In einem süddeutschen Blatte leien wir Der Nutzung deS Avgeorduetenyau,es, in welcher bie nativ nalliberale Interpellation wegen des T r i c r e r Schul streites verhandelt wurde, hat die K a i f c r i n beige

S' Dem Lc

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habe, nicht, wie hier im vorigen Jahre behauptet sei, Straf- Antrag gestellt worden sei. Der Hauptmann Feilitzsch, den di, preußische Armee übernommen habe, babe in Ebina sich feige be­nommen. Weiter bringt Redner einen Fall bon Soldatenmißhandlung aus der zweiten Kompagnie des hannoverschen TrainbataillonS Nr. 10 zur Sprache. Der Mißhandelte sei schließlich als geisteskrank entlassen worden, während der Vater auS Kummer über daS Schicksal seines SohneS an gebrockenem Herzen starb. Der Mann sei von seinen Kameraden schon lange für geistesgestört gehalten worden: trotzdem aber habe man es zur Katasttophe kommen lasten. TieS beweise doch, daß manches faul in der Armee sei.

Kriegsminister von Gossler: Der Vorredner hat dem Hauptman» v Feilitzsch Feigheit vorgcworfen, außerhalb des HauscS würde er daS wohl nicht tbun. Gegen den Hauptmann liegt nicht daS Mindeste vor. Dir sind stolz, einen Manu wie ihn in der Armee zu haben. In dem Falle aus Hannover bezweifle ich, daß da§, waS der Vorredner sagte, richtig ist.

Abg. von Oldenburg (kons.): Ich kann nur meiner Freude über die Begnadigung des Leutnants Hildebrandt Ausdruck geben. Sowohl er als sein Gegner haben ihr Leben eingesetzt für die Auffassung, die unsere Armee zrn ersten der Welt gcmackt hat. _ Ick freue mich ferner, daß weder die Presse noch die öffentliche Meinung einen Einflirtz haben auf die Deurtheilung bet Handlungen deutscher Offiziere an maßgebender Stelle. Ohne Duelle würde der Geist unserer Amee leiden. (Zuruf links: Sic sind ja gar nicht mehr Mitglied des Reichstags I) Darüber hat doch wohl nur da? Plenum zu entscheiden.

Abg. Bcbcl: Die Kommission bat die Wahl des Vorredners einstimmig für ungiltig erklärt, weil er überhaupt gar nicht ge­wählt ist. Wenn einem von uns das passirt wäre, hätte er sckwn aus Ehrgefühl sein Mandat niedergelcgt. Unser Ehrgefühl ist also feiner als das Ihre. Ich habe eS nicht gerügt, daß ein Duellant begnadigt ist, sondern eS nur konstatirt, daß so ziemlich alle Duellanten begnadigt werden, kein einziger sitzt seine Strafe ab. Herr b. Tiedemann erklärte das Duell für erlaubt, und die Rechte stimmte ihm zu. Das sind dieselben Herren, die unS immer Ungesetzlichkeit vorwerfen. Wenn eS sich um daS Duell handelt, dann treten Sie Ihre Grundsätze von Recht und Religiosität mit Fußen. Es ist rickttg, daß ich nur kritisirt habe, aber meine Wähler haben mich gerade zu diesem Zweck hierher ge- schickt. Interessant waren die Angriffe der Konservativen auf die zweijährige Dienstzeit, hoffentlich verbergen sie diese Ueberzeugrmgen auch ihren Wählern nicht. Da würden sie wohl eine andere Antwort erhälten, als sie sie erwarten. Die dreijährige Dienstzeit bekommen Sie im Leben nicht mehr, selbst Gras Waldersee hat gesagt, daß die zweijährige Dienstzeit sich durchaus bewährt habe.

. Abg. Dr. Südekum konstatirt nochmals, daß dieMiinckencr Post" nidöt angeHacjt sei, daß die Militärverwaltung nicht geklagr habe, beweise, daß sie Ursache habe, eine Klage zu sckcuen. In dem Hannoverschen Fall halte er seine Behauptungen durchaus aufrecht. Nach seiner Ueberzeugung werde die zweite Kompagnie deS 10. Trainbataillons nicht so geführt, wie es sein sollte.

Hiermit schließt die Diskussion.

Persönlich bemerkt:

Abg. voit Oldenburg: Es ist mir ganz gleichgiltig, was der Abg. Bebel über mein persönliches Ehrgefühl dentt. (Lachen bei den Sozialdemokraten).

Der TttelKriegsminister" wird bewilligt, ebenso eine Reihe weiterer Titel.

Das Hans vertagt die weitere Derathung auf Dienstag 1 Uhr.

Schluß 6k Uhr.

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Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers.

Si). Darmstadt, 10. Dlärz. Getieralmujor von Wachter, Generalavjatan.t S. M. ^). Großh^rävgs, der

die Jndienreise rnckgemacht hat, ist gestern aherto halb 12 Uhr, S. K. H. dem Großh^r^oge vorauseileiw, wohl­behalten h^er ecng>.troffen. Die Ankunft S. St H. des Gr 0 A- Herzogs ist, rote schon gemeldet, nichtvorEndeMärz zu erwarten.

Bertcn, 10. März. Der Fabrikarbeiter Lüttke, der befchulo.gt toiib, am 12. Juni 1902 feine Frau erschoßen zu haben, wurde zum Tode verurteilt.

Prag, 10. März. Gestern naäjnukag um 3y< Uhr wurde ui Asch ein Erdstoß wahrgenommen.

Re i cho w, 10. März. Tas chilenische Torpedoboot Jujeniero Mey ist bei ^an Anoonro gescheitert. Die Mannschaft wurde gerettet.

Gegen Lchnnpscn: Korman-Acthcr-2üatte (Dose 30 Pfg.).

Herr Bebel hat c5 ferner .

sar'5 gewein.-r Soldaten -u stteuge Bestrafungen stattfi-.'den. Er hat den Fall der beiden Halberstadter Kürassiere angeführt. Er! hat aber den Schluß vergessen: Tas Urtheil gegen diese beiden § kapeflmeister. Leute ist von der oberen Instanz aufgehoben worden. (Hört, hört! rechts), und die Sache schwebt noch. Herr Bebel hat endlich die

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wohnt. Sie war im strengsten Inkognito erschienen. Auch der Präsident hatte sie nicht begrüßt, und Graf Bülows der dreimal das Wort ergriff, schaute, was er doch sonst so gern tut, nicht ein einziges Malhinauf in die Hohe". Und doch war es wohl zum ersten Male, daß die Gemahlin des Kaisers einer Debatte des Abgeordnetenhauses, ja daß sie überhaupt einer Parlamentssitzung beigewohnt hat; sie blieb bis zum Schluß auf der Tribüne." Anderswo haben wir nichts darüber gefunden, und möchten bis auf weiteres die Richtigkeit der Angabe stark bezweifeln.

Berlin, 9. März. Im preuß. Abgeordneten­haus e wurde heute die zweite Beratung des Kültus-Etats fortgesetzt. Die Beratung kam nicht zu Ende und wird morgen fortgesetzt. Kultusminister Dr. Studt erwiderte auf eine Anfrage, daß die Erwägungen über die Abtrennung der Medizinal-Abteilung vom Kultusministerium noch nicht zum Abschluß gekommen seien. Zur gesetzlichen Regelung der Schülp f l ich t sei der gegenwärtige Augen­blick nicht geeignet. Eine Revision des Besoldungsgesetzes verhindere die schlechte Finanzlage.

Wahlbeweguug.

Darmstadt, 9. März. Die hiesigen National­liberale n haben in Dr. Willy Merck, den Mitinhaber des Welthauses Merck, einen Kandidaten für die Reichstags­wahl gefunden. Dr. Merck hat die Kandidatur unter .Vor­behalt angenommen.

Mainz, 8. März. Die heutige Wahlkreiskonferenz der Sozialdemokraten des Bezirks Mainz-Oppenheim stellte einstimmig Dr. David als Reichstagskandidaten auf.

Worms, 9. März. Frhr. Heyl zu Herrnsheim hat erneut eine Kandidatur zu den bevorstehenden Reichstagswahlen für den Wahlkreis Worms-Heppenheim- Wimpfen angenommen.