folge» durch ihre Eltern. Man glaubt, daß die Priw- zessin sich diesem Ultimatum unterwerfen werde.
Die „Dr. N." schreiben: Von viel tieferer und einschneidenderer Bedeutung für die weitere Entwickelung und das Endergebnis der Angelegenheit der früheren Kronprinzessin als alle anderen Vorgänge nach ihrer Flucht dürfte sich die Tatsache erweisen, daß sie jetzt Aufnahme in einer Heilanstalt für Gei st es- und Nervenkranke gefunden hat. Menschlich betrachtet wird es für Tausende wie eine Erlösung klingen, daß die oft ausgesprochene Annahme geistiger Störung hierdurch Bestätigung findet. Die Prinzessin erscheint nun weniger als eine sittlich schwer belastete, sondern vielmehr als kranke Person, die mehr Mitleid als Abscheu verdient. Für den aufs Schwerste betroffenen Gatten, die Familie und alle, die ihr Jahrzehnte lang Sympathieen entgegengebracht haben, liegt — so furchtbar traurig auch die Annahme einer geistigen Erkrankung ig't — hierin etwas Tröstliches. Aber diesem Lichtblicke steht unerbittlich die Gefahr gegenüber, daß mit dem begründeten Argwohn gegen die geistige Zurechnungsfähigkeit der Prinzessin die Rechtslage der ganzen Angelegenheit total verschoben ist, wodurch ihre Zuendeführung in unabsehbare Ferne gerückt wird. Ob der Gang des Ehescheidungsprozesses selbst von der Aufnahme der Prinzessin in die Heilanstalt berührt wird, ist nicht leicht zu übersehen. Es kommt hier in Betracht § 56 der Zivilprozeßordnung, welcher bestimmt: „Das Gericht hat den Mangel der Pro- zetzfähigkeit von Amtswegen zu berücksichtigen", sowie 8 612, der bestimmt: „In Ehesachen ist ein in seiner Geschäftsfähigkeit beschränkter Ehegatte prozeßfähig." Be- schräntte Geschäftsfähigkeit, wozu natürlich auch die eigene Bestellung von Prozeßbevollmächtigten gehört, tritt ein bei wegen Geistesschwäche unter vorläufige Vormundschaft gestellten 'personen; außerdem ist aber zu berücksichtigen, daß das dem Ehescheidungsprozeß zu Grund liegende Delikt monatelang vor der Flucht der Prinzessin und den nachfolgenden Unternehmungen liegt, die die Annahme einer geistigen Störung, zumal im Zustande der vorgeschrittenen Mutterschaft, rechtfertigen können. Ein für das Gericht ausreichendes ärztliches Gutachten wird bis zu dem morgen stattfindenden Termin nicht zu erlangen sein, denn es kann sich nur auf längere Beobachtung stützen. Bedeutsam dürften wohl auch die durch die jetzige Aufnahme der Prinzessin in die Anstalt begründeten Zweifel an der Zurechnungsfähigkeit für die materielle Auseinandersetzung mtt ihren Familienangehörigen sein, weil der Nachweis zu erbringen sein wird, daß die geistige Störung nicht schon vorgelegen hat, als die für die Zukunft der Kronprinzessin hochbedeutsamen Rechtsakte der letzten Wochen von ihr mitbollzogen wurden.
Die Großherzogin von Toskana ist mit ihren Töchtern in Men ein getroffen und in der Hofburg abgestiegen.
Deutsches Deich.
Berlin, 9. Febr. Der Kaiser und die Kaiserin wohnten gestern abend mit Prinz und Prinzessin Hein- rid) der Aufführung von „König Heinrich V." im Schau- spielhause bei, zu welcher der Kaiser an den großbritannischen Botschafter und dessen Tochter sowie an die Herren und Damen der großbritannischen Botschaft Einladungen hatte ergehen lassen. Heute morgen fuhr der Kaiser beim Reichskanzler vor und hörte von 10 Uhr ab Schloß den Borttag des Stelwertreters des Chefs des Zivilkabinetts Geh. Oberregierungsrat v. Balentim.
— Ter Reichskanzler Graf Bülow hat dem Grau- senzer „Geselligen" für seinen Kais er s geb urts-Ar- tikel in einem Schreiben gedankt, in dem er sagt:
„Aufrichtig danke ich Ihnen für die ftische, warme, im Vesten Sinne liberale Würdigung unseres Kaisers in dem Geburtstagsartikel des „Geselligen", dessen tüchtige Sprache mir ost gefallen hat. Es wäre für mich keine kleine Genugtumig, wenn meine von Ihnen so bereitwillig anerkannten Aeußerungen im Reichstage (Sitzung vom 21. Januar. D. Red.) dazu beittagen würden, in allen nationalen Kreisen den Sinn für eine vorurteilslose Beurteilung unseres Kaiserlichen Herrn zu beleben."
— Zum Antrag Hehl bemerkt die „Natl. Korr.": „Durch eine große Reihe von Zeitungen geht die Nachricht, oaß Zentrum und Nationalliberale den Antrag betreffend den 10 stündigen Maximalarbeitstag für weibliche Arbeiter and die Hinaufsetzung der Allersgrenze von 16 auf 18 Jahre für jugendliche Arbeiter eingebracht hätten. Wir stellen demgegenüber fest, daß außer dem Herrn Frhrn. von Hehl zu Herrnsheim nur drei nationalliberale Abgeordnete sich zur Unterzeichnung des Antrages bereit gefunden haben, der somll nicht als von der nationalliberalen Fraktion ausgegangen bezeichnet werden kann."
— Auf Einladung der Deutschen Landwirt- schafts gesell schäft fand heute zur Besprechung der Vertretung der deutschen Landwirtschaft bei der Weltausstellung in St. Louis 1304 eine Versammlung statt, in der nach einem Vortrag des Reichskommissars Geh. Oberregierungsrates Lewald eine Resolution gefaßt wurde, welche besagt: „Die Versammelten sind der Ansicht, daß eine möglichst reichhaltige Beschickung der Ausstellung mit geeigneten landwirtschaftlichen Erzeugnissen im dringenden Interesse der deutschen Landwirtschaft liegt. Tie Hergabe reichlicher Mittel für die Förderung der Ausstellung seitens des Reiches und der Einzelstaaten erscheint daher als durchaus gerechtfertigt. Die weitere Förderung dieser Angelegenheit, soweit rein landwirtschaftliche Interessen in Betracht kommen, dürfte am Besten dem Direktorium der deutschen Landwirtschaftsgesellschaft zu überlassen sein, welches sich zu diesem Zwecke mit dem Reichskomncissar in Verbindung zu setzen hätte."
— Der preuy. „Staatsanzeiger" veröffentlicht einen königlichen Erlaß von: 5. Januar, nach welchem der Ausschuß zur Untersuchung der W a s s e r v e r h ä l t n i s s e in den einer Ueberschwemmungsgefahr besonders ausgesetzten Flußgebieten, nachdem er die ihm gestellten Aufgaben erledigte, aufgelöst wird und bei den Arbeiten der Landesanstalt für Gewässerkunde seitens der Minister für Landwirtschaft usw. und der öffentlichen Arbeiten ein Beirat von drei Laienmitgliedem zu beteiligen ist.
— Der Ausschuß des deutschen Aerztebundes hat auf den 7. März einen Aerztetag in Berlin einberufen, um gegen die gänzliche Nichtbeachtung der Wünsche der Aerztc im neuen Krankei,tassen-Gesetzenlwurf zu protestieren.
Schleswig, 9. Febr. Bei der heutigen Reichstag s st i ch w a y l im Wahlkreise SchlcSwrg-Eckernförde wurden bisher gezählt für Speth mann (fr. Vp.) 8252, für Hoffmann (Soz.) 2317 Stimmen
Ausland.
London, 9. Febr. „Reynolds News Paper", welche Beziehungen zum Hofe haben, sind in der Lage, mitzuteilen, daß der Zu st and des Königs trotz aller Dementis bed en kl ich ist.
— In Burenkreisen verlautet nach einer Meldung aus Kapstadt, daß die zwischen Dewet und Chamberlain entstandenen Differenzen schlimme Folgen zeittgen können. Es scheine nicht ausgeschlossen, daß Chamberlain Dewet unter irgend einem Vorwande verhaften lasse, was voraussichtlich einen Aufruhr der Holländer in der Kapkolonie nach sich ziehen würde.
Tanger, 9. Febr. Nachdem der Prätendent seine Truppen wieder gesammelt hat, erhielt er Verstärkung eitens des bekannten in Figig weilenden Häuptlings der Saharastämme Bu-Amema, der ihm seinen Sohn mit an» geblich zweitausend Dtann schickte. Falls dieses Gerücht sich bestätigt, ist die Ausdehnung der Revolution über Südost- Marokko und bis zur Grenze von Algier sicher, und damit ist die Sache des Sultans wesentlich verschlechtert.
Washington, 9. Febr. Bowen stattete gestern dem englischen Botschafter Herbert einen Besuch ab, um zunächst in das englische Protokoll Einsicht zu nehmen, dem er bis aus wenige Einzelhellen zustimmte. Speck von Sternburg und der italienische Botschafter des Plauch es hatten ebenfalls eine Besprechung mit Bowen. Der Vertreter Italiens ersuchte um Aufnahme eines Arttkels in das Protokoll betteffend Aenderung des Freundschafts- verttages zwischen Italien und Venezuela in dem Sinne, iiaß Italien die Meistbegünstigungsklausel, ähnlich wie sie die übrigen Mächte besitzen, gewährt werde. Bowen erklärte ich bereit, seinen Einfluß hierzu zu gebrauchen, erhob jedoch Einwendung gegen mehrere Bestimmungen des italienischen Protokolls. Der italienische Botschafter berichtete über die Angelegenheit nach Rom. An dem deutschen Protokoll wurden mehrere Aenderungen vor-> genommen.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 10. Februar 1903.
* * Omnibusfahrscheine. Die Rückseite der Fahrcheine der hiesigen Omnibusgesellschaft, die sich als ausgezeichnetes Reklamemittel bewährt haben, waren seither an auswärtige Geschäfte gegen ein entsprechendes Entgelt verpachtet. Der Termin hierfür läuft am 15. Februar ab, und der Vorstand hat deshalb beschlossen, bevor weitere Angebote berücksichtigt werden, das Recht der Benutzung der Fahrcheine zum fragt Zweck hierorts auszuschreiben. (Siehe Inseratenteil.)
* * Tagesordnung für die Sitzung derStadt- verordneten-Versammlung am Donnerstag, den 12. Februar 1903, nachmittags 4 Uhr. 1. Einführung des unbesoldeten Beigeordneten Kommerzienrat Heyligenstaedt. 2. Mittellungen. 3. Gesuck des Kaufmanns Berdux wegen Anbringung einer Lampe an seinem Hause in der Bahnhof- ttaße. 4. Gesuch des Schlossermeisters Leyerzapf wegen Anbringung eines Firmenschildes, Asterweg. 5. Baugesuch für das Grundstück Neustadt 30 Ecke Sandgasse; hier: Fluchtlinie. 6. Durchführung des Fluchtlinienplanes für das Grundstück Seltersweg 75; hier: Enteignung. 7. Regulierung der Lichersttaße und des Schiffenbergerweges. 8. Betreten von Bahngelande; hier: Uebernahme der Haftpflicht für städtische Beamte. 9. Genehmigung von Rechnungen. 10. Lieferung von Basalt-Grob- und Feinschlag. 11. Sielbauten ; hier: a) Lieferung von Sohlsteinen, b) Sicherhellsleistung der Firma Jäger u. Rumpf. 12. Teilung des Zeichensaales in der Stadtknabenschule. 13. Antrag wegen Uebernahme der Pensionen der Oktroibeamten von 1910 ab auf das Reich 14. Jnvalidenversicherungsgesetz; hier: Festsetzung des durchfchnittlichen Tagelohnes. 15. Anttag )er Gemeinde Lollar wegen Beteilgung am Gewerbegerich Gießen. 16. Einrichtung eines städtischen Wohnungsnachweises im Anschluß an den Arbeitsnachweis.
* * Zu d en kommenden Reichstagswahlen. Man schreibt uns: „Gestern fand im Gasthaus zum Löwen hier eine Vorbesprechung der Vertrauensmänner der deutsch- sozialen Reformpartei des Wahlkreises Gießen-Grünberg zwecks Aufstellung eines Kandidaten für die kommende Reichstagswahl statt. Die endgiltige Regelung der Kandidatensrage bleibt einer demnächst einzub e- rufenden Vertraue ns männer-Versammlung überlassen; jedoch ist ein int Wahlkreise ansässiger KandidatinAussicht genommen." — Aus Marburg wird uns geschrieben: In einer am 9. d. M. hier abgeha- tenen, sehr stark von Handwerkern aus Marburg und den umliegenden Kreisen besuchten Versammlung der freien Gewerbevereine besprach man nach Erledigung der Handwerkskammerangelegenheiten auch in ausführlicher Weise die kommende Reichs- und Landtagswahl. Einstimmig war die Versammlung der Ansicht, daß es Pflicht der Handwerker sei, nur für einen Kandidaten zu stimmen, der sich verbürge dafür, daß er die Forderungen der deutschen Handwerker nach allen Richtungen Dertrete. — Aus Wetzlar wird uns geschrieben: Der Bund der Landwirte hat in der Zeit vom 2. bis 13. Februar bereits in 16 Gemeinden unseres Kreises Versammlungen angekündigt Dieselben nehmen am äußersten Ende des Kreises, zu Erda, ihren Anfang, worauf die Gemeinden im Hüttenberg und an der Lahn bis Odenhausen besucht werden sollen. „Die wirtschaftspolitische Sage", über welche ein Referent vom Bundesvorstand aus Berlin sprechen wird, steht u. a. als Vortrag auf der Tagesordnung.
* * Au§ dem Theaterbureau. Infolge Erkrankung des Fräulein Würtemberg ist die für Dienstag angesagte Vorstellung von „Donna Diana" auf Donnerstag den 12. d. Mts. verlegt worden. Morgen Mittwoch findet eine Wiederholung des gestern als Theateroereins-Vorstellung auf» geführten und von durchschlagendem Erfolge begleiteten Ma eterlinck'schen neuesten Schauspiels „Monna Vanna" statt.
• * Der Turnverein hielt am Samstag den 7. er. seinen diesjährigen Maskenball unter großer Beteiligung ab. Es waren prächtige Masken erschienen; allgemein wurde bedauert, daß die schönsten Masken nicht prämiiert wurden, was hoffentlich im nächsten Jahre der Fall sein wird.
" Der Fechtverband Gießen-Lahr hielt am vergangenen Sonntag seinen ersten diesjährigen Maskenball ab. Ein äußerst großes Publikum hatte sich eingefunden, zeitweise war der Saal überfüllt. Unter den Gruppenaufführungen fand besonders der holländische Bauernbrüdertanz großen Beifall. Am Fastnachtsdienstag ist eine Wiederholung dieser Aufführungen geplant. — Am Sonntag, den 15. d. Mts.
findet ein großer Ausflug mtt Muflt nacy oem uymogoT statt, wohin alle, die den Maskenball besucht haben, höflichst eingeladen sind.
- Seitens des Hessischen Landwirts chafts- rateS ist eine Beteiligung an der Au § stellung in Hannover (Juni 1903) projektiert. Die Beteiligung ist in Aussicht genommen für Pferde (Kaltblüter), Rinder (Vogelsberger) und Ziegen. Wahrscheinlich erfolgt auch eine Teilnahme am Wettbewerb in Apfelwein und ist die Errichtung eines eigenen Ausschanks hessischer Aepfelweine während der Ausstellungstage event. in Aussicht genommen.
" Vom Bahnbau Grebenhain-Gedern. Du Arbeiten sind an diesem Bahnbau immer noch nicht in Angriff genommen. Es wird, wie uns von unserem ba.-Korres- pondenten geschrieben wird, behauptet, daß nur einheimische Leute zu diesem Bahnbau angenommen werden sollen, was jedoch nicht gut möglich sein wird, da die Arbeitskräfte in hiesiger Gegend zur Sommerzeit sehr fehlen. Viele auslän- dische Arbeiter, die sich schon in hiesiger Gegend niedergelassen hatten, sind, da keine Arbeit vorhanden, wieder abgereist. Mit dem Bau der Bahn soll im Frühjahr begonnen werden, obwohl der Winter diesmal gar nicht zu strenge ist. — Die an der Chaussee von Grebenhain nach Hartmanns- Hain errichtete Kantinen-Wittschaft erfreut sich schon jetzt eines großen Zuspruchs, was als Beweis für das rege Interesse gelten kann, das allgemein dem Bahnbau entgegen gebracht wird.
§ Butzbach, 9. Febr. Der hiesige kaufmännische Verein (D. H. V.) hielt gestern abend im großen Saale des Hessischen Hofs seine dieswinterliche Vereinsfeier ab, welche sich eines großen Besuchs erfreute. Das reichhaltige Programm, das u. a. schöne Konzertstücke und die Aufführung des Schwankes „im Riesengebirg" brachte, fand außer- ordentlichen Beifall und endete mit einem Tanzkränzchen. — Gleichzeitig veranstaltete unser Arbeiter-Unterstützungs- verein im kleinen Saale des Hessischen Hofs einen gut besuchten Ball, welcher ebenfalls sehr gemütlich verlief.
t. Friedberg, 9. Febr. Die hiesige Ortsgruppe des deutschen Flott en Vereins hat bei den jüngsten Flottenvorstellungen einen Ueberschuß von rund 300 Mk. erzielt. Die Mitgliederzahl hat bereits bedeutend zugenommen.
§ Eschenrod, 9. Febr. Am 14. Juni d. I. hält dei Bezirkskriegerverband „Vogelsberg" in unserem Dorfe ein Bezirkskriegerfest ab. Schon jetzt werden umfassende Vorbereitungen dazu getroffen.
-h- Burkh ards, 8. Febr. Der seit vorigem Herbst hier anfäffige Metzgermeister Jean Groth aus Wenings kam vorige Wpche mit dem Abendzuge von Frankfutt in Gedern an und begab sich bald auf den Heimweg. Am Schnittpunkte des Burkhardser Weges und der Chauffee Schotten-Gedern wurde er plötzlich von drei unbekannten Personen überfallen und seiner Barschaft im Betrage von 480 Mk. beraubt. Die Gendarmerie zu Gedern, welcher G. am nächsten Tage den Vorfall meldete, hat schon eifrig Recherchen ange» stellt, jedoch fehlt von den Tätern bis jetzt jede Spur. Vor einigen Jahren wurde an derselben Stelle ein hiesiger Müller überfallen.
Darmstadt, 9. Febr. Der WahlprüfungS-AuSschuß der Zweiten Kammer verurteilte das Prinzip, daß zur Wahlberechtigung neben dem Erwerb der hessischen Staatsangehörigkeit die Aufgabe einer früheren nicht erforderlich sei.
Mainz, 9. Febr. Der Kassierer der Betriebskranken» kaffe der Aktiengesellschaft für Handel und Schiffahrt H. A. Disch in Mainz, Willy Datz, ist nach Unterschlagung von mehreren Tausend Mark flüchtig geworden.
Mainz, 8. Febr. Auf ihre Denkschrift an den preu» ßjschen Minister der öffentlichen Arbeiten und das hessische Ministerium der Finanzen in Sachen der Tarifbegün- ftigung der Nordseehäfen gegenüber den Rheinhäfen ist der hiesigen Handelskammer von letzterer Stelle ein Bescheid zugegangen, wonach die Hessische Regierung unter Betonung ihres Interesses an dem Gedeihen der im diesseitigen Gebiet belegenen Umschlagplätze und der Rheinschifffahrt, ihre Anschauung dahin zum Ausdruck gebracht hat, daß es nach Lage der Verhältniffe auch im nationalen Interesse begründet erscheine, die Rheinhäfen in eisenbahntariflicher Beziehung nicht gegen die deutschen Nordseehäfen zurückznsetzen. Darunter verstehe das Ministerium, daß die Gesamtfrachten ihnen ermöglichen, innerhalb eines gewissen Absatzgebietes konkurrenzfähig zu bleiben. Das Ministerium der Finanzen hat ferne» au§ der inzwischen seitens des Ministers der öffentlichen Arbeiten gegebenen Antwort die Ansicht gewonnen, daß man auch in Berlin die Absicht habe, das Interesse der rheinischen Hafenstädte mit den Gesamtintereffen möglichst in Einklang zu halten.
Wiesbaden, 9. Febr. Falsche KouponS, bfc meist auf Mk. 17.50 lauten, werden in letzter Zeit von emei anscheinend weitverzweigten Schwindlergesellschaft umgesetzt — Hier ist schon wieder eine Poliz eiaffärc zu ver. zeichnen. Am Sonntag Morgen hat der Schutzmanr Kühn auf einen steckbrieflich verfolgten Deserteur von 117. Regiment aus Mainz einen Revolverschuß abgefeuert. Der Polizist hatte zur Führung des Revolveri keinerlei dienstliche Befugnisse. Der Deserteur wurde nich getroffen; es gelang, ihn nachher auf andere Weise zi arretieren.
WormS, 10. Febr. Freiherr Heyl zu Herrnsheim feiert heute seinen 60. Geburtstag.
Frankfurt a. M., 9. Febr. In Niederrad ist feit gestern früh die 80 jährige Witwe Seibett, Mutter des gleich« namigen Gastwirts, spurlos verschwunden. Auf ihre Auf« findung sind 1500 Mk. Belohnung ausgesetzt. — Die Rot« Kreuz-Schwester Lilli L o et her, die sich vorige Woche ge meinsam mit einer anderen Schwester vergiftete, ist heut mittag im Kranken hause gestorben.
Kassel, 9. Febr. Einen raffinierten Mordanschlai führte ein Husarenunteroffizier nachts aus. Er macht- einen Spaziergang mit ferner Geliebten am Fuldaufer. Plötzlich faßte er feine ahnungslose Begleitenn und warf sie übe die hohe Renthofsn'.auer in den Fuldafluß hinab. Mädchen ist gerettet, der Täter wurde festgenommen.
Kleine Mitteilungen a u s H e s s e n^u nd der Nachbarstaaten. Am Sonntag feierte in Steinberc bei Gießen der Gesangverein „Jugendfreund" fein löjahngej


