Ausgabe 
10.1.1903 Zweites Blatt
 
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KamNrer für Handelssachen, mit dem Sitz in Mainz» ent­hoben. Ernannt wurden am 3. Januar 1903 der Kauf­mann Hermann Hetz in Mainz zum Handelsrichter, der Bankier Dr. Franz Bamberger in Mainz und der Kauf­mann Heinrich Schwarz in Main^ zu Ergänzungsrichtern <nt der beim Großh. Landgericht der Provinz Rheinhessen gebildeten Kammer für Handelssachen mit dem Sitz in Mainz sämtlich für die Zeit bis zum 31. Dezember 1903. AuS dem Staatsdienst wurde entlassen am 7. Januar 1903 der KaMtän des RegierungsdampfersHstsfta" Peter Frank zu Mainz auf sein Nachsuchen mit Wirrung vom 1. Februar d. I. an.

** Das Landesmifsionsfest, das die evange­lische Kirche Deutschlands am 6. Januar, dem Epiphanias (Erscheinungs- oder Dreikönigstag) oder, wie in Hessen, am ersten Sonntag darnach, begeht, lenkt unsere Gedanken auf die Tätigkeit der Ausbreitung des Christentums unter den Heiden, wie sie von der christlichen Kirche von jeher, an unseren Vorfahren schon vor 1600 Jahren, von der evangelischen Kirche wenigstens seit dem Anfang des 18. Jahrhunderts geübt wird. Es ist wirklich der Mühe wert, sich damit zu beschäftigen, denn die Geschichte der evangelischen Mission füllt ein ganz besonderes leuchten­des Ruhmesblatt des an Erfolgen so reichen 19. Jahr­hunderts, das man deshalb nicht mit Unrecht das Jahr­hundert der Weltmission genannt hat. Eine wie groß­artige Entwicklung die evangelische Mission im vorigen Jahrhundert genommen hat, mögen kurz einige Zahlen illu­strieren. Im Jahre 1800 gab es in der gesamten evangeli­schen Christenheit 6 Vereinigungen zum Betrieb der Heiden- mission und zur Aussendung von Missionaren. Im Jahre 1900 waren es deren ca. 150. 1800 beliefen sich die Gaben für die Heidenmission auf ca. 300000 Mk., 1900 sind sie auf 55 Millionen Mark angewachsen. Aus etwa 120 Missio­naren, von denen der größte Teil der Herrnhuter Brüder»- gemeinde angehörte, sind in dieser Zeit etwa 6000 ge­worden, denen noch etwa 4000 unverheiratete Missions­arbeiterinnen und 680 Missionsärzte zur Seite stehen. Ta^u kommen noch an 4500 eingeborene Pastoren und an 70000 eingeborene Lehrer und Helfer, die Zeugnis ablegen nicht bloß von der religiösen Wirksamkeit der Mission, sondern von der Weckring und Entfaltung der geistigen Fähigkeiten in den wilden Naturvölkern, die sie leistet. Sind doch auch über 500000 Schüler in den mancherlei Schulanstalten der Mission, von der einfachen Volksschule bis zur höheren Schule und zum Seminar, gesammelt. Die Gesamtzahl der heute in der Pflege der evangelischen Missionen befindlichen Heidenchristen beträgt 4i/2 Millionen gegen etwa 70000 im Anfang des vorigen Jahrhunderts. Der Anteil der deutschen evangelischen Kirchen an dieser Arbeit und an diesen Erfolgen ist verhältnismäßig be­scheiden, da Deutschland ja erst sehr spät in den Welt­verkehr nut eingetreten ist. Freilich waren es deutsche Missionare, die schon im Anfang des 18. Jahrhunderts nach Indien ausZogen, und schon 1732 begann die Herrnhuter Brüdergemeinde ihre gesegnete Missions arbeit, die sich jetzt über alle Erdteile erstreckt. Ihr folgte aber erst im Jahre 1815 die für unser Hessen am meisten in Betracht kommende Basler Mission. Jetzt sind es in Deutschland 23 selbständig arbeitende Missionsgesellschaften, die auf 551 Hauptplätzen 880 Missionare und 96 Missionsarbeiterinnen unterhalten, neben denen 136 ordinierte und 4169 nicht ordinierte ein­geborene Gehilfen in der Arbeit stehen. In ihren Schulen werden 90000 Schüler mit Hilfe von 2610 eingeborenen Lehrern unterrichtet. Tie Einnahmen betrugen im Jahre 1900 5 367 000 Mk. Jin Tauftmterricht befanden sich schon wieder 35000 Eingeborene. Von den gwßen Missions'- geseltschasten sind als solche, die aus unserem Lande unterstützt werden, noch hervorzuhehen: die Berliner (Ber­lin I), gegründet 1823, die Rheinische (Barmen), gegründet 1828, die u. cl auf Sumatra arbeitet, wo Tr. Winkler, der Schwiegersohn von Pfarrer Schlosser, als Missionsarzt in ihren Diensten steht, die Leipziger lutherische Mission, ge­gründet 1836, die Hermannsburger, gegründet 1849, der Allgem. evang. Protest. Missionsverein, gegründet 1884, und die Ostafrikanische Missionsgesellschaft (Berlin III), gegründet 1886. Unsere Basler Mission steht gegenwärtig vor ernsten Entscheidungen. Einerseits ist es im Werk, die Mission in Togo an die dort schon arbeitende Norddeutsche Missions gesellschaft abzutreten. Andererseits soll sie die von den Amerikanischen Presbyterianern in Südkamerun betriebene Mission übernehmen, und das' angesichts eines starken De fizits aus dem vorigen Jähre, und noch mehr angesichts des Aufschwungs, den die Mission in China gerade infolge der über sie hereingebrochenen schweren Verfolgungszeiten zu nehmen beginnt. Sie kann sich der neuen Aufgabe nicht entziehen, muß aber darauf rechnen, daß ihre Freunde sic nicht im Stich lassen. Das' wird auch hoffentlich nicht gr schehen. Denn hier ist hoffnungsvolle Saat für die Zu­kunft zu säen. Wenn wir da untere Schuldigkeit nicht tun, dann werden uns unsere Urenkel verklagen, daß wir so kurzsichtig den Zeitpunkt versäumten, an dem die Entscheid düng fiel, ob einstens in der Welt draußen deutsch-evange­lischer Geist die Herrschaft führen, oder ob er da ins Hinter treffen geraten soll. Wir brauchen auch nicht zu fürchten, daß über den Missionsopfern die Nöte in der Heimat ver­nachlässigt werden. Grade an der Heidenmission hat dic evangelische Christenheit erst das 6cn und Opfern ge­lernt. Aus dem durch die Heidenmission geweckten Opfer­sinn sind dann die großartigen Werke der heimischen Liebes­tätigkeit erwachsen. Als bie Basler Mission im Jahre 1875 ihre Arbeit begann, war von all den Anstalten und Vereinen christlicher Liebe noch nichts vorhanden. Heute übersteigen sie die Leistungen der Heidenmission vielleicht um das Zehnfache. Aber es gilt, wie gesagt, über der Gegen­wart die Zukunft nicht zu vergessen. Die liegt auch hier überm Wasser.

* Verkehrsverein. Eine am 4. Dezember abge­haltene Versammlung hiesiger Einwohner hat in der Er­kenntnis, daß die Vorzüge unserer Stadt nach außen hin viel zu wenig bekannt sind, daß die Vermittelung dieser Kenntnis aber nur einer auf breitester Grundlage ruhenden und zweck­mäßig geleiteten Organisation gelingen könne, einstimmig be­schlossen, einen Verkehrsverein ins Leben zu rufen. Seine Aufgabe im einzelnen will er darin finden, die Vorzüge der Stadt, die Schönheit ihrer Umgebung und die Annehmlichkeit des Lebens in Gießen in den weitesten Kreisen bekannt zu machen, alles zu fördern, was den Fremdenzuzug zu heben geeignet ist, Mißstände zu beseitigen, die den Aufenthalt in Gießen unangenehm machen können, und zu diesen Zwecken mit allen Vereinen, deren Interessen in gleicher Richtung liegen, zusammenzuwirken. Es ist sicher, daß von den deutschen Städten gleicher Größe wenige solche Annehmlichkeiten nicht nur für vorübergehenden Besuch, sondern auch für dauernden Aufenthalt bieten, wie dies Gießen vermöge seiner günstigen Lage, seiner herrlichen Umgegend, seiner zahlreichen und vor­

züglichen BildungSanstalten, seines regen geistigen Lebens und seiner angenehmen gesellschaftlichen Verhältnisse kann. Wenn diese Vorzüge bisher noch nicht nach Gebühr gewürdigt worden sind, so liegt dieS daran, daß der Fremde, dem kein kundiger Rat zur Seite stand, sie nicht von selbst aufzufinden ver­mochte, andererseits aber kann, wer ehrlich sein will, sich nicht verhehlen, daß unserer in rasch aufftrebender Entwickelung begriffenen Stadt noch manche Schlacken einer überwundenen rückständigen Periode anhaften. Hier soll der neue Verein fördernd und abhelfend eingreifen. Wie er den Jntereffen aller hiesigen Einwohner dient, kann er andererseits seinen Zweck nur erfüllen, wenn er beruht auf dem fteudigen Zu­sammenarbeiten aller Kreise. Um jedem hiesigen Einwohner die Mitgliedschaft möglich zu machen, ist vorgesehen, daß der Jahresbeitrag bei dem niedrigen Mindestsatz von 2 Mk. der Selbsteinschatzung des einzelnen zu überlasten ist. Wir laden also jeden, der eS mit der Entwickelung Gießens ernst meint, ein, seine Kräfte in den Dienst des Vereins zu stellen. Eine Liste zur Einzeichnung wird in den nächsten Tagen in Umlauf gesetzt. Im übrigen verweisen wir auf die Anzeige in unserer heutigen Ausgabe.

* * In der Gemälde-Aus st ellung am Brand, findet kommende Woche ein vollständiger Wechsel der Ge­mälde statt; nur das große Gemälde von H. Koperstein- Berlin bleibt noch zirka 8 Tage ausgestellt. Es sei daher nochmals auf die gegenwärtige Ausstellung hingewiesen. Vom Dienstag an bleibt die Ausstellung wegen des vorzunehmen­den Wechsels der Gemälde 4 Tage geschlossen.

""Kammermusik-Abende. Der für morgen, Sonn­tag, vorgesehene musikalische Abend ist auf Freitag, den 30. Januar, verlegt worden.

""Die Anlagemusik findet morgen wie gewöhnlich statt. Gespielt werden: 1. Hochzeitsmarsch, Gounod. 2. Valse leue, Margis. 3. Griechischer Piraten-Marsch, Alvars. 4. Fantasie überVerlaßen", Reindel.

* * AuS dem Theaterbureau. Sonntag, den 11. Januar findet nachmittags 4 Uhr wiederum eine Kinder­vorstellung statt und zwar wird das hübsche Goerner'sche MärchenFrau Holle" zum zweiten Male in Szene gehen. Abends 8 Uhr wird zum letzten Male und zwar zu ermäßigten Preisen das dreiaktige LustspielIm bunten Rock" von Franz v. Schönthan und Frhr. v. Schlicht zur Aufführung gelangen. Montag den 12. Januar wird auf allgemeinen Wunsch eine Wiederholung vonPreciosa" als 11. volksthümliche Vorstellung unter Mitwirkung der Regimentskapelle stattsinden. Die Schlierseer, die in den letzten Jahren zu ganz besonderer Berühmtheit gelangt sind und wiederholtAuf Allerhöchsten Befehl" vor dem Kaiser-Paare spielten, kommen für drei Abende an das ©tabtteater in Gießen. Der Spielplan dieser 3 0 oberbayerischen Gäste bringt am ersten Abend, Mittwoch den 14. Januar, ein neues Volksstück mit Gesang und Tanz (Schuhplattler")'8 Glöckerl von Birkenstein". In der zweiten Gastvorstellung am Donnerstag den 15. Ja­nuar spielen dieSchlierseer" ihr wirksamstes und populärstes Stück, den ,Herrgottschniher von Ammergau", der nach dem Urteil der gesamten deutschen Preste trefflicher nicht wiedergegeben werden kann. Freitag, am Abschiedsabend, wird Xaver Terosal, der in allen Vorstellungen her­vorragend beschäftigt ist, seine Glanzrolle, denBader Zangerl" imJägerb lut" darstellen.

* Stadt-Thea ter. Herr Heinrich Ger lach, unser geschützter und fleißiger Heldendarsteller, hatte sich für gestern, zu seinem Benefiz, Kleist'S Kätchen von Heilbronn ausgesucht. Andere Darbietungen hatten auf den Besuch der Vorstellung ungünstigen Einfluß geübt, das Haus wäre sonst sicher gefüllter gewesen. Gerlach bot als Wetter Graf vom Strahl eine schön abge­rundete Leistung, kraftvoll gab er die kernige Gestalt des Grafen wieder, ebenso glückten ihm die weicheren Töne der Liebe in den Szenen mit Kätchen. Die anderen Personen traten zu weit gegen die des Grafen zurück um besonders crwähnt werden zu können, interessiert hat uns noch Frl. Mannstädt als Kätchen. Ms Novize gab sie recht Beachtenswertes und glauben wir ihr, bei fleißigem Weiter­arbeiten und aufmerksamster Beachtung ihrer Bewegung, eine freundliche Zukunft auf der dornigen Laufbahn der Schauspielkunst vrophezeien zu können.

** Fortbildungsschulen. In den ländlichen Fortbildungsschulen ist die Einrichtung von landwirt­schaftlichen Unterrichtskursen angeregt worden. 3m vorigen Winter 1901/02 hat man diese Neuerung bereits in Langsdorf, Kreis Gießen, praktisch erprobt. Bei der Schlußprüfung waren außer den Herren von der Kreisschul- lornrnission der Vertreter der obersten Schulbehörde an­wesend. Die allgemeine Einführung dieser vorteilhaften Einrichtung für ländliche Fortbildungsschulen wird noch erwogen.

)( Grünberg, 9. Jan. Heute erbangte sich hier die von außerhalb stammende Eheftau des Landwirts H., der in guten Verhältnissen steht. Der Grund zu dieser Tat ist unbekannt; jedoch dürste die Frau erblich belastet ge­wesen sein, da auch ihre Schwester und ihr Vater sich selbst entleibt haben. Die brave Familie wird hier all­gemein bedauert.

() D a r m st a d t, 9. Jan. Heute ist dahier der lang­jährige verdienstvolle Präsident der Evangelischen deut­schen Kirchengesangvereine, Wirklicher Geheimrat Exzellenz Ludwig Hallwachs, in hohem Wer gestorben. H. war längere Zeit Vorstand der Justizabteilung im Großh. Hess. Ministerium mit dem Titel Geh. Staatsrat. Er war bann bis zu seinem Lebensende Mitglied der ersten Kammer der Stände.

Vermischtes.

* Lern berg, 9. Jan. In den Petroleumgruben in Borislaw ist in der Nacht zum 8. Jan. wieder eine Feuers­brunst auSgcbrochen, die große Ausdehnung annahm. Nach den bisherigen telegraphischen Nachrichten sind 27 Schächte mit den Bohrtürmen, den Werkzeugen und dem Rohöl ab­gebrannt. Es sind auch viele Häuser auf der Potoker Straße dem Feuer zum Opfer gefallen.

* Borislaw, 10. Jan. (Tel.) Bis heute ist es noch immer nicht gelungen, den großen Brand völlig zu löschen. 37 Schächte, darunter die allerergiebigsten, sind VöNig aus­gebrannt. Ter Schaden wird auf mehrere Millionen ge­schätzt. Wenn der Bettieb wieder aufgenommen werden kann, ist.gtänzlich ungewiß.

Krieskasten der Redaktion.

r.. Zur gefälligen Notiz! Diezweite und letzte Er- La n ® ' £emt Prof. Dr. Biermer kann in unserem Urteil über den Herrn und seine Handlungsweise gegen denGießener Anzeiger nichts ändern; wir ballen dasselbe im vollen Umfange ausrecht. Seine persönlichen Invektiven und unrichtigen Dar­stellungen werden wohl zur Genüge charakterisiert durch seine Nwberen drohenden Aeußerungen, daß er unser Blatt in jeder Weise zu diskreditieren sich bestreben undkeine Mühen und keineKosten scheuen" werde, um die Haltung unseres Blattes in seiner Weise zu .be­leuchten". Dieser Vorsatz, den er jetzt mit allem Eifer ausfubrt, und auch in seinemVorwort" in verschiedenen unzutreffenden Behauptungen trotz rechtzeitig erfolgter Richtigstellung zur An­wendung gebracht hat, sowie die ganze Art seiner Polemik ver­bieten uns allein schon, auf seine unhaltbaren Auslassungen an oiefer stelle näher einzugehen. Wir sind aber gerne bereit, jedem gntereyenten durch Einsichtnahme in die barüber vorliegenden Schrillstücke volle Aufklärung über die ganze Angelegenheit zu geben.

Lich. Für die Lilly Lehmann-Notiz besten Dank.

Vlnmeugeschäft. Ihr Fall ist allerdings recht eigenartig, schreiben, daß Sie ans dem Schaufenster beS bett. Blumen- ge)d,)afte§ ein?h Strauß von Flieder und Rosen kaufen wollten, daß die Verkäuferin Ihnen die Rosen auch präsentierte, plötzlich aber mit der Behauptung, es seien acht Rosen bestellt, die schönsten w .nu§ dem Glase entfernte und Ihnen, der erstaunt dabei stand, dann die übrig gebliebenen Rosen zum Kauf anbot. Un­seres Erachtens hätte die Verkäuferin Sie erst wählen lasten muffen; e§ mußte Sie zweifellos peinlich berühren, daß die Verkäuferin vor Ihren Augen die schönsten Rosen entfernte und Ihnen den Rest an bot. In einem reellen Geschäfte müssen die Käufer gleich behandelt werden; es darf nicht vorkommen, daß der beste Teil von emer Ware, noch dazu in so verletzender Form, für die einen Kunden herausgesucht und aufbewahrt wird, während die anderen Kunden sich mit dem, dann entschieden minderwertigen Reste be° en 'ür alle Rosen oer gleiche Preis gefordert wurde, auch die Menge der vorhandenen Rosen groß genug war, um beide Käufer zu befriedigen, hatten Sie bei der Auswahl als der An­wesende unbedingt den Vorrang und Sie haben durchaus richtig gehandelt, wenn Sie das Geschäft ohne Weiteres verließen.

Neueste Melöiingeii.

Originaldrahtrneldurrgen des Gießener Anzeiger.

Berlin, 10. Jan. Nachdem der Bundesrat die Etatsberatung abgeschlossen hat, geht, denBerl. Polit. Nachr." zufolge, der Reichshaushalt-Etat dem Reichstag am Samstagabend zu.

Berlin, 10. Jan. Der Kommandeur der Eisenbahn- Brigade, Generalleutnant v. Schubert, Schwiegersohn des verstorbenen Freiherrn v. Stumm, ist in Genehmigung seines Abschiedsgesuches mit Pension zur Disposition ge­stellt worden.

London, 10. Jan. Tie Zeitungen melden aus Pre­toria vom 8. d. M.: Gelegentlich der Uebevreichung der Burenadresse an Chamberlain kamen die Geldsen­dungen, die während des südafrikanischen Krieges von Transvaal nach Europa abgesandt sein sollen, zur Sprache. Hierbei erklärte Sch al k Bur ger, er wüßte nichts davon, daß Geld nach Europa abgesandt sei, er glaube vielmehr, daß das Geld, welches aus der Beschlag­nahme der Minen gewonnen fei, für die Kosten des Krieges verbraucht worden sei. Wenn ein Ueberschuß geblieben sei, wolle er gern die Bestrebungen unterstützen, um ihn wiederzuerlangen. Chamberlain sagte barauf, daß die Bücher Über die Mrechnungen mit dem Gelde nach Europa gesandt worden seien, doch kenne man die Adresse nicht. Ohne die Bücher aber könne man keine Mrechnungen vornehmen.

London, 10. Jan. Es wird berichtet, daß laut einer aus Trinidad in Newyork eingcgangenen Depesche Frank­reich wahrscheinlich der Blockade der venezolant-, scheu Küste sich anschlteßen werde, weil Venezuela es unterließ, die erste Ratenzahlung zu leisten, welche es für französische Forderungen schulde.

Wien, 10. Jan. Wie die Morgenblätter melden, ver- anstalteten gestern nachmittag Arbeitslose im städti­schen Arbeitsvermittelungsamt lärmende Kundgebungen gegen die angebliche Protekttonswirtschaft. Nach Sperrung des Amtes durch die Polizei wurden die Kundgebungen auf der Straße fortgesetzt. Die Wache mußte einschreiten und nahm 20 Verhaftungen vor. Tie Ruhe wurde wieder hergestellt. Mehrfache spätere Ansammlungen wurden von der Polizei Polizei ohne Zwischenfall zerstreut.

Wien, 10. Jan. Von unterrichteter Seite wird mit­geteilt, der beabsichtigte Besuch des ch sis ch en Kron­prinzen beim Kaiser Franz Josef bezweckt hauptsächlich die Mißstimmung zu beseitigen, die am Wiener Hofe herrscht, weil man ihn von allen die Affäre der Kronprinzessin be­treffenden Vorgängen bis zum letzten Augenblick in Un­kenntnis ließ, denn sonst wären von hier aus entsprechende Schritte unternimm eit worden^ um es nicht zum äußersten kommen zu lassen.

Preß bürg, 10. Jan. Es wird gemeldet, daß im Familienräte der tos kanisch en Familie beschlossen sein soll, dem Erzberzoa Leopold Ferdinand eine Abfindung von drei Millionen Kronen anzubieten, wenn er einen Revers unterzeichnen würde, daß er auf das Erb­recht bei den Familiengütern verzichte.

Caracas, 10. Jan. Ter amerikanische Gesandte Bowen schisst sich am Sonntag an Bord des amerikani­schen Dampfers Albany ein. Bowen hat von Castro auch den Auftrag erhalten, die von Venezuela gegen England erhobenen Klagen geltend zu machen, besonders die be- tteffend der Unterstützung der Rebellen seitens der eng- lischen Kolonie.

Telephonischer Kursbericht*

S/jjO/o Reichsanleihe . . 102.95 so/o do. ... 91.80

3/,% Konaols .... 102.60

8% do.....91.80

B'/ßO/n Hessen .... 101.30 3 96 Oberhesspn . . . 99 80 496 Oeaterr. Goldrente . . 103.40

41'3 96 Gestern Silberrente 101.20

496 Ungar. Goldrente . 101.70

40/ Italien. Rente . . . 103.60 41/, 96 Portugiesen . . . 50.10 °/ Portugiesen.....31.30

196 C. Türken ....--

Türkenlose......124.20

4% Grieoh. Monopol.-Anl. 44.80

4' .96 äussere Argontiner-

3% Mexikaner . . . 25.10 4«/27o Chinesen . . . 91.60 Electric. Seb ackert ... 79.50 Nordd Lloyd . . . . 95.80

Kreditaktien .... 21790 Diskonto-Kommandit. . . 192.60 Darmstädter Bank . . . 136. Dresdener Bank .... 146.10 Ber iner Handelsges. . . 159 10 Oesterr Staatsbann . . , 148.90 Lombarden . . . . . 15.30 Gotthar lbahn .... 181.

Laurahütte......217.

Bochum ...... . 183.50

Harpener..... 172.10

Tendenz; ruhig.

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