Nr. 28S
Erscheint täglich auver Sonnlag«.
Dem (Lietzener Anzeiger werden tm Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siebener Kamillen- blätter viermal tn der Woche bcigelegt /tokalionSdruck u. ©erlog bei Brühl 'schen Unlvers.-Buch- u. Stern- bruderet (Bietsch (fcrben)
Nedaktton. Gxpedtttoa und Druckerei:
Erstes Blatt.
153. Jahrgang
Mittwoch N.Dezember 1903
VervgspretKi monatlich 75 Pt^ eiertet- jährlich Mk. 2L0. durch Abhole» u. Zwelgstellep monatlich 65 Pt.; durch die Post Mk. 2.—viertel- jährl. auSschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen üi die Tagesnummer Jtfl vormittags 10 Uhr. ^etlennreiS: total 13 ©U auflroärtfl 80 Big. ti3<ta*lt»ortlidb tüt den poltt and aUgem. Teil V. Ötitto für , Stabt and taub* und .GerichlSsaaf: August GÜtz. für den An- zeigentetl: Han- veck.
Strafbestimmungen.
Artikel 33 des Gesetzes.
Wer es, den bestehenden Bestimmungen zuwider, unterläßt, die nach den Tarisnummern 10, 11, 35, 41, 47, 48 50, 58, 87 erforderlichen Erlaubnisscheine und Karten zu lösen, verfällt in die in Art. 41 Abs. 1 bestimmte Strafe *) Tie Vorschriften des Art. 31 Abs. 3, 3 finden entsprechende Anwendung.
Tie hinterzogene Stempelabgabe ist voll demjenigen uachzuentrichten, der im Falle der Lösung des Eclaubnis- schernes oder der Karte zur Zahlung des Stempels ver- pfllchtet gewesen wäre. Die Einziehung der Abgabe erfolgt nach Maßgabe der Vorschriften des Artikels 26.
*) Die verwirkte Strafe kommt dem vierfachen Betrag des hinterzogenen Stempels gleich, beträgt aber mindestens 3 Mark.
Gießen, den 30. November 1903.
Betr.r Wie oben.
Tas (Aofcherzogliche Krkisaml Gießen an die Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises.
Tie vorstehende B-ekanntmachrng sollen Sie wiederholt ortsüblich veröffentlichen.
Tr. B r e i d e r t.
Bekanntmachung.
Betr.: Tie Ausführung des Gesetzt des Gesetzes über den stempel vom 12. August 1899; hier Besteuerung der Automaten und Musikwerke.
^.Unter Hinweis auf Art. 33 des Gesetzes vom 12. August sowie auf die nachstehend abgedruckten Ausftihrunas- bestlmmungen wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß die Erhebung des Stentpels und die A. S tellung der Jahreskarten für 1904 für Verkaufs- und W a g. a u t o m a t e n, für a u t o m a t i s ch e Kraft- messer, für öffentlich aufgestellte Klaviere oder sonstige Musikwerke im Monat Dezember 1903 und zwar an jedem Werktage vormittags von 10—12 Uhr un Regierungsgebäude (Brandplatz 9, Zimmer Nr. 5) statt- findet. '
werden* ^bmpel kann auch mittelst Posteinzahlung entrichtet
Tie Besitzer von Automaten und Musikwerken, bei welchen die Absicht besteht, für das kommende Jahr keine Jahreskarten mehr zu lösen, werden besonders aufmerksam gemacht, daß die Abmeldung im Monat Dezember l I jedenfalls ober vor dem 1. Januar 1904 bei uns zu erfolgen hat, widrigenfalls sie zur Zahlung der Stempel- abgabe für das Jahr 1904 weiter verpflichtet sind.
Gießen, den 30. November 1903.
Großherzognches Kreisamt Gießen- Dr. B r e i d e r t.
1. Wer in Bahnhöfen, öffentlichen Wirtschaften oder an anderen öffentlichen Orten oder Plätzen einen Verkauss- oder Wagautomat oder automatischen Kraftmesser, sowie wer in einem öffentlichen Wirtschastslokal ein Klavier oder- sonstiges Musikwerk aufstellen will, hat zuvor bei dem Kreisamte seines Wohnortes oder Aufenthaltsortes, oder des Ortes, an welchem die Aufstellung erfolgen soll, eine Erlaubniskarte zu erwirken und für Lösung dieser Karte die in Nr. 10 des Tarifs vorgeschriebene Stempelabgabe zu entrichten.
Tiese Abgabe beträgt jährlich:
a) für ^jeden Automaten je nach der Größe, dem Ankaufspreise und der Leistungsfähigkeit desselben 10 bis 40 Mark,
b) für jedes Klavier oder sonstiges Musikwerk je nach der Größe, dem Ankaufspreise und der Leistungsfähigkeit desselben 10 bis 40 Mark.
Für besonders leistungsfähige Instrumente kann die Stempelabgabe bis aus den zweifachen Betrag erhöht werden.
Unter Leistungsfähigkeit ist die finanzielle Leistungsfähigkeit oder Ergiebigkeit zu verstehen.
Musikwerke, welche nur verschlossen und unbenutzt an einem öffentlichen Orte stehen, sind nicht abgabepflichtig.
I Tie Aufstellung von Autoniaten für Bahnsteigkarten ist stempelfrei.
2. Tie Abgabe ist von einer und derselben Person, auch bei einem Wechsel des Automaten oder des Instrumentes oder des Aufstellungsortes innerhalb des Kalenderjahres stets nur einmal für das ganze Kalenderjahr und zwar erstmalig vor der Aufstellung des Automaten oder des Instrumentes und sodann alljährlich im Monat Dezember für das darauf folgende Kalender- lahr bei dem Kreisamte zu entrichten.
3. Tas Kreisamt trägt die Anmeldungen unter fortlaufenden Nummern in ein Verzeichnis ein, erhebt die vorgeschriebene Abgabe und erteilt dem Anmeldenden eine mit amtlichem Stempel versehene Karte, welche die Nummer des Verzeichnisses, Vor- und Zunahme, Stand oder Gewerbe und die Wohnung des Anrneldenden, den angeineldeten Gegenstand, den Tag der Anmeldung und Stempelmarken im Betrage der entrichteten Abgabe enthält. Tas Kreisamt hat die Stempelmarken der Karte aufzukleben und vorschriftsmäßig zu entwerten. Die Kart e ist nur für das Kalenderjahr gUtig, für welches sie ausgestellt ist.
6. Wer einen Automaten oder ein Klavier oder sonstiges Musikinstrument, welches an einem der unter Ziffer 1 ermähnten Plätze aufgestellt ist, von diesem Platze entfernt, ohne denselben oder dasselbe auf einen anderen der unter Ziffer 1 erwähnten Plätze aufzustellen, hat dies bis zum nächsten 1. Januar dem Kreisamt anzuzeigen, widrigenfalls er zur Entrichtung der Abgabe weiter verpflichtet bleibt. Tiese Anzeige (Abmeldung) ist in das nach 3. zu führende Verzeichnis einzutragen und dein Abmeldenden auf Verlangen zu bescheinigen.
Strafbestimmungen.
Artikel 33 des Gesetzes.
Wer es den bestehenden Bestimmungen zuwider unterläßt, die nach den Tarifnummern 10, 11, 35, 41, 47, 48, 50, 58, 87 erforderlichen Erlaubnisscheine und Karten zu lösen, verfällt in die im Artikel 31 Absatz 1 bestimmte Strafe.*) Tie Vorschriften des Art. 31 Absatz 3 und 4 finden entsprechende Anwendung.
Tie hinterzogene Stempelabgabe ist von demjenigen nachzuentrichten, der im Falle der Lösung des Erlaubnisscheins oder der Karte zur Zahlung des Stempels verpflichtet gewesen wäre. Tie Einziehung der Abgabe erfolgt nach Maßgabe der Vorschriften des Artikels 26.
§ 19 und 20 der Verordnung.
Zuwiderhandlungen gegen die Vorsrchiften über die Entrichtring der Stempelabgaben werden nach dem Gesetz vom 12. August 1899 über den Urkundenstempel bestraft.
Zuwiderhandlungen gegen die übrigen Vorschriften dieser Verordnung werden, sofern nicht nach anderen Strafbestimmungen höhere Strafen verwirkt sind, auf Grund des § 366 Ziffer 10 des ReichAstrafgesetzbuchS mit Geldstrafe bis zu 60 Mark oder mit Hast bis zu 14 Tagen bestraft.
*) Die verwirkte Strafe kommt dem vierfachen Betrag des hinterzogenen Stempels gleich, beträgt aber mindestens 3 Mark.
Gießen, den 5. Dezember 1903. Betr.: Me oben.
Tas GrohherMiche Krcisamt Gießen an die Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises.
, Wir beauftragen Sie, vorstehende Bekanntmachung in geeignet scheinender Weise mehrmals ortsüblich zu publizieren.
Dr. B r e i d e r t.
Gießen, den 4. Dezember 1903.
Betr.: Die Jahresberichte der Großh. Gewerbeinspektionen.
Das Groscherzogliche Kreisamt Gießen
an Großh. Poiizeiamt Gießen
und die Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises.
Wir erinnern Sie daran, daß nach unserem Amtsblatt Nr. 8 vom 7. August 1896 die von Ihnen geführten beiden Verzeichnisse über die auf Grund der §§ 105 c. Abs. 4 und
cklärt sich aus der unter ihnen ausge- ie Expedition verfolgte die Chunchusen ■5trecfe westlich vom Liauflusse; als sich isen dann nochmals zum Liauflusse hin- lerfolgung wieder ausgenommen, wobei •m in hohem Grade Mut und Ausdauer
3. Dez. Einer Depesche aus Willemstad a 15 000 Gewehre und 10 Millionen
Es heißt, Venezuela bereite einen nbien für den Fall vor, daß es zwischen .rika wegen der Panama - Angelegenheck '.men sollte.
Dez. Das Blatt „Mindritte" veröffent- 3, nach der die Annektierung von von der chilenischen Regierung genese Nachricht ist ungenau. Es handelt form der inneren Verwaltung, die den dieser Landstriche befindlichen chilenischen ollmachten gibt.
Monate auf der Zugspitze" igung des von uns bereüs erwähnten l Cand. A. Pepp ter in der Jahres- der Alpenvereins sektion r un zahlreiche Gäste erfreute. Redner die Verdienste des D. il Oe. Alpen- nchtung des Zugfpitzobservatoriums und wart und Ausstattung. Er pries dabei it des Erbauers, Kommerzienrat Wenz, lufsichtssührung es allein zu danken ist, cht bereits ein jähes Schicksal, ähnlich title, erreichte. So hatten z B. in feiner beiter entgegen seiner ausdrücklichen Au- oeren Eisenanker, die zur sesten Verbind-
Mauerwerkes mit dem Felsen dienen, n; Wenz ließ sie sofort wieder heraus- nd sich,, daß die gewissenlosen Leute die an gen Anker bis auf etwa ein Viertel- chnitten hatten, um sich der Mühe zu :r tiefe Löcher in den Felsen zu arbeiten, t dann, wie er am 14. August 1901 durch über den Höllentalferner frohen Mutes inem 2965 Meter hohen Posten unter» Tage leistete ihm sein bekannter Vor- r noch Gesellschaft und gab ihm manchen seiner Erfahrungen. Einen tief erschüt- mußte es aus den neuen Ankömmling 4. September den ihm befreundeten Jn- Der Versuche mit drahtloser Telegraphie ihrt hatte, auf gemeinschaftlicher Kletter- felwandspitze von seiner Seite in eine w stürzen sah. Am 30. September wurde )em an das Observatorium angelehnten
geschlossen, der Hüttenwart und die -Ten Abschied und nun begann der Winter en und seiner Einsamkeit. Me nächste öglichst gemütlichen Herrichtung des im .rmes gelegenen Wvhnraumes (der zweite Laboratorium) und der ordentlichen Auf- »ensmittel. Da stellte sich denn zu höchst wschung heraus, daß grobe Nachlässig- ig und Verpackung des Proviants vorvieles erwies sich als ungenießbar, Brot schimmelt, ein Teil des Weines in den nung versehenen Kisten aufgefroren. Am ästiger Sturm ein, der sich gegen Abend steigerte. In dem furchtbaren Toben Hort nicht mehr zu verstehen, ein tele-
lustigen drängen: Blumen jeder Art, fgewäckne, Erikagebinde, auch Alpen- en Zelten befinden sich! hübsche Passagen, 'ime hat man Tannenschmuck errichtet und .eUt.
cen langen Wand liegen nebeneinander buden, die sich wie ein richtiger C h r i st- räsentieren. Man kauft allerlei Weih- und Christbaumschmuck, und die Hände ^rinnen ordnen rastlos in den Sachen < Hestern eine gute Kasse gemacht haben. ' Weißbärtige in dunklem Gewände, ging -den Weihnachtsengeln bei ihren Arbeiten
werde schon gefesselt von einem verführerischen Augenpaar, das sich indessen nach Empfang der kleinen Münze, die ich der Lieblichen in die Hand drücke, von mir abwendet und mit der vorbeihuschenden Spenderin verschwindet. Ich suche nun mit meinen Augen etivas weiter zu dringen, das festliche Gepränge zu Überblicken, dessen Buntheit und Mannigfaltigkeit mich betäubt. Farben, Formen, lebendiges Getriebe vieler heiterer Menschen, der Atem zahlloser duslig gekleideter Damen versetzt mich mit einem Male in eine Welt des Genießens; —- schon trete ich freudig und voll heimischen Gefühls der Vertrauten entgegen, die ich hier anzutrefsen dachte, die mia- bereits erblickt hat und mir lachend ihre Präsentierplatte darreicht, auf dem ein Häschen neben einem Bällchen aus Papier, eine Fledermaus neben einem Becherchen, und dergleichen mehr, friedlich beisammen gelagert sind. Ich kaufe den Ha,en, und sie schwatzt mir iwaj die Fledermaus auf, ich habe eine kleine Abneigung gegen das Bällchen, allein }ie drückt
Geschäft verwickelt. Mit der Gescywlnoigreu oes Einmaleins hat mir eine der schönen Orientalinnen 2 Liköre verabreicht. Nun erst trete ich etwas zurück und erkenne in dem orientalischen Bauwerk einen Kiosk, der von den bereits genannten Obelisken und den Herren des Hauses, 2 Eghptern mit wallenden Gewändern und weißen 'Kopftüchern zum Schutz gegen Wüstenbrand, bewacht werden. Tas sind prächtige Gestalten, und unter ihren Fittichen walten reizende Frauen, ich glaube 4 an der Zahl, des LabathandelS, des -Geschäftes mit Zigarren, Zigaretten, Lon- pfeischen, Strcichholzschächtelchen und bergt, und seinen Likören
Bald bin ich nicht mehr allein. Ein Freund hat sich mir zugesellt und ist bemüht, niid} sogleich in die „feuchte Ecke" zu ziehen, was ich ihm ausrede, da mich ein großer, von cm er mächtigen Palme gekrönter Blumen p av illon angelockt hat. Ein Dach von Ehry- iantenen, Brn.men- und Laubgewinde birgt die Schätze, um
unfrtujnge gegenstände mannigfaltigster Art werden da feilgeboten; große Buchstaben mahnender Inschriften fallen dem Schaulustigen ins Auge, allerlei Einladungen ziehen den Vorübergehenden an. In einem kleinen Zelr verkaufte man unter anderen Postkarren auch solche mit Ansicht der verschiedenen, kleinen Prinzessin Elisabeth.
Meine Einkäufe haben sich vermehrt; ich trage Pfeifchen mit getupftem Tabaksbeutel, Blumen, einen antiken Topf, T-oilettejeife, Aschbecher und viele andere Knddel- muddelchen in meinen Händen und weiß bald nicht mehr, wohin damit. Mein Begleiter hat ebenfalls reichlich Gelegenheit gehabt, seine wunderlichen Neigungen zu be- fiiedigen uni) führt mich nun zu einer Niederlage Oberst einer Ach atgegen ft ä n de, die von schönen Augen mid zierlichen Händen angepriesen werden. Wir erwerben um ein Billiges Schnurrbartbürsten und Manschettenlnöpse und bewundern mit den freundlichen Verkäuferinnen all die angelegten netten Sachen in Federhaltern, Vorstecknadeln,


