Ausgabe 
9.9.1903 Zweites Blatt
 
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Brüssel, 8. Sept. Em grauenerregender Mord wurde hier entdeckt. Knaben fanden in dem Flusse Senne eine geschlossene jle, worin sich die Leichen zweier Kinder befanden. Wie verlautet, soll der Mörder gestern abend Selbstmord verübt haben.

* Mailand, 8. Sept. In der Seidenspinnerei Serlini in Ospitaletto bei Brescta vernichtete ein Schaden­feuer Cocons im Werte von 800 000 Lire.

B ern, 8. Sept. Aus Chamounix wird gemeldet, daß in einer Gletscherspalte eine Frauenleiche gefunden wurde, in der man die seit Monatsfrist vermißte Tochter des Bonner Professors Büchler zu erkennen glaubt.

* Beim Baden in derRhone ertrank in Pougny bei Geueve die aus Petersburg stammende Studentin OlgaBragucine. .

"Zu einer schweren Massenerkrankung an Trichinose ist es nach derRheim-Westf. Ztg." in Hom­berg (Bez. Kassel) gekommen. Dort liegen gegenwärtig 120 Personen an Trichinose darnieder. Die Krankheit trat schon vor mehreren Tagen bei einer Llnzahl Leuten auf, die aus ein und demselben Metzgerladen herrührendes Schweinefleisch genoffen hatten; man nahm indessen anfäng- llch au, daß es sich um eine einfache Fleischvergiftung handle. Genaue Untersuchungen haben jedoch nun ganz unzweifelhaft ergeben, daß Trichinose vorliegt. Auf dem Hüttenwerk Holz­hausen bei Homberg sind allem über 50 Arbeiter schwer er­krankt, sodaß der Betrieb zum Teil eingestellt werden mußte. Die Staatsanwaltschaft hat eine umfassende Untersuchung ein- geleitet.

Kunst und Wissenschaft.

München-Gladbach, 8. Sept. In Rheydt brach ein Aerzte-Streik aus, weil die Ortskrankenkasse einen Statur- heilkundigen ohne die satzungsgemäße Karenzzeit anstellte. Die Aerzte werden künftig Krankenkcffsenangehorige. nur in besonderen Notfällen behandeln.

Sport.

Hundesport. Auf der am 6.7.Septbr. in Leipzig stattgehabten Ersten großen internationalen Ausstellung von Hunden aller Raffen erhielt Herr Georg Forbach auf rauhhaarige Pinscher- Hündin einen 1. und einen 2. Preis, Kaufmann Nassauer aus Leonberger Rüden einen L und einen 2. Preis, Herr Louis Rosenthal auf rauhhaarige Pinscher Rüden zwei 1. Preise.

Gerichtssaal.

Kiel, 8. Sept. In dem Prozeß H ü s s e n e r fft der Termin zur neuen Hauptverhandlung vor dem Oberkriegsgericht der Ostseestation auf den 21. September angesetzt.

Neueste Meldungen.

Origirrnl-rahtmelduugen des Gießener Anzeigers.

Berlin, 9. Sept. Ein großer Fehlbetrag ist bei dem Konsum-Verein Vorwärts in Köpenik festgestellt worden. Durch einen gerichtlichen Bücher-Re­visor ist ein Defizit von 30000 Mark ermittelt wor­den. Jedoch ist eine genaue llebersicht über die geschäftliche und Vermögenslage des Vereins bei der mangelhaften Führ­ung der Bücher unmöglich. Es scheint, daß Unterschteife durch falsche Eintragungen verschleiert worden sind. Die Hauptschuld trifft den seit kurzem schwer erkrankten lang­jährigen Kassierer des Vereins, Kaufmann Larsen, der sich bereits zum Ersatz des größten Teiles der fehlenden Summe verpflichtet hat. Die sozialistische Fraktion hat wegen des Schulaussalles bei Paraden bei der S^tverordneten-Versammlung folgenden Antrag eiuge-

bracht: Die Versammlung ersucht den Magistrat um Aus­kunft, ob und welche rechtlichen Vorschriften bestehen, wo­nach der Polizeivräsidmt von Berlin in der Lage sei, den Vertretern städtischer Schulen Anweisungen über den Aus­fall des Unterrichts zu erteilen. ImFalleLeidhatdas Kammergericht nicht nur den Fluchtverd acht, dem Vor­wärts zufolge, verneint, sondern es hat auch ausdrück­lich betont, daß die konfiszierten Kaiser-Jnsel-Notizen nicht derart gehalten seien, daß dringender Verdacht der Majestätsbeleidigung behauptet werden könne.

Berlin, 9. Sept. Im vorwärts" veröffentlichen die in Frage kommenden Redakteure abermals eine E r k l ä r u n g in der bekannten Bebel schen Angelegenheit, in der sie il a. gegen die leidenschaftlichen Angriffe sich richten, die der Abg. Stadthagen auf dem Berliner Partei­tage gegen die Redaktion desVorwärts" erhoben hat. Im Anschluß daran werden nunmehr die beiden Erklärungen Bebels intVorwärts" ab gedruckt, deren Aufnahme der­selbe bekanntlich ursprünglich verweigert hatte.

Frankfurt a. M., 9. Sept. Tas Attentat auf denD-ZugbeiMülheima. M., wo dieser Tage abends eine 10 Zentner schwere Schiene über das Geleise gelegit wurde, hat sich; jetzt durch die Untersuchung der Staats­anwaltschaft dahin aufgeklärt, daß der Hilfsbahu- Wärter Kaiser, der die Tat entdeckte, selbst der Ur­heber des Attentats ist. Er hat die Tat begangen, um feste Anstellung und eine hohe Belohnung zu erhalten. Ter Mann wurde gestern abend in Haft genommen.

L. L o n d o n, 9. Sept. Der SchnelldampferDeutsch­land" von der Hamburg-Amerikalinie hat den Rekord der Fahrt nach Westen wiederum um 29 Minuten gedrückt. Er hat, wie aus Newyort gemeldet wird, den Atlan­tischen Ozean in5 Tagen 11 Stunden 54 Minu­ten durchquert. Seine Durchschnittsleistung betrug 22,15 Seemeilen in der Stunde, die beste Tagesleistung 583 Seemeilen.

L. London, 9. Sept. Flüchtlinge aus S m i l e w o gaben dem Daily-Mail-Korrespondenten in Monastir fol­gende Schilderung der Vorgänge bei der Wiedereroberung der Stadt durch die Türken. Eine aus Soldaten pnd Baschi- bozuks bestehende Streitmacht umzingelte plötzlich den Ort, die Häuser wurden angezündet, und auf diejenigen, die zu flüchten versuchten, wurde geschossen. Dann plünderten die Baschibozuks die Stadt, während die Soldaten über die Einwohner yerfielen und 330 von ihnen töteten. Kin­der wurden vielfach von den Soldaten in die Flammen geworfen. Eine Anzahl Frauen wurden von den Sol­daten in einem großen Haufe eingeschlossen und dieses dann mit Petroleum begossen und angezündet. Durch das Verbrennen der Frauen sollte verhindert werden, daß sie etwas über die verübten Greuel erzählten. Die Eingeschlossetren wurden jedoch noch rechtzeitig von den Baschibozuks befreit.

Johns buch, 9. Sept. Der Tourist Otto Laubheimer ist infolge Abbröckelns eines Felsens vom Hochtor ab- g e stürzt. Zu seiner Rettung wurde eure Expedition aus­gesandt.

Wien, 9. Sept. Es verlautet in dem Dresdener Hofe nahestehenden Kreisen, König Georg wünsche, daß sich Kronprinz Friedrich. August wieder vermähle, weil es nicht angehe, daß Sachsen dereinst ohne Königin bleibe. .Der Kronprinz, der noch immer an seiner geschie­denen Gemahlin hängt, habe sich bis jetzt ablehnend ver­halten. Man glaubt, daß König Georg den Kronprinzen nur deshalb zu seinen Lebzeiten wieder vermählen möchte, um eine Zurückberufuug der Prinzessin Luise, für welche auch die Volksstimmung sehr günstig wäre, end- glltig zu verhindern.

Belgrad, 9. Sept. Infolge der fortgesetzten Offi­zier s-V erh astun g en ist ein neuer Aufruf der serbi­

schen Ofsiziere ergangen, in welchem nunmehr von der Ne­gierung die unnachsichtliche Ausrottuug der an dem Königsmord b e tili g t en O f fi zi er e gefordert wird. Falls diese Forderung in einer bestimmten Frist nicht erfüllt wird, ist der Austritt sämtlich erlauf Ehre haltenden Offiziere aus der ser bischen Ar­mee angekündigt. Wie verlautet soll der General Magdalenitsch seiner Ofsiziercharge für ver­lustig erklärt werden. Der Präsident des Journalisteu- Vereins erhob beim Minister des Inneren Beschwerde dar­über, daß die Journalisten fortgesetzt durch die am Königs­mord beteiligten Ofsiziere bedroht werden.

Oran, 8. Sept. In dem G ef e ch t bei El Mungar zählten die Marokkaner 3 bis 4000 Mann. Ihre ersten Selven richteten große Verheerungen unter denMannschasten an, welche, obgleich erschöpft und vor Durst fast umZom- mend, doch ihre Toten und Verwundeten heldenmütig ver­teidigten. Die Verluste der Marokkaner sind sehr groß. Das Schlachtfeld war fast einen Kilometer von Toten und Verwundeten bedeckt, die die Marokkaner bei ihrem Rück­züge nicht mitnehmen konnten. Leutnant Selch- Hausen und ein Unteroffizier sind an den bei El Mungar erhaltenen Wunden gestorben. Sämtliche nicht bei der Fahne weilenden Offiziere der Fremdenlegion haben Befehl erhalten, zu dem Swrps zurückzukehren.

Johannesburg, 8. Sept. (Reuter.) In einer Mit­teilung an die Arbeitskommission schätzt die Minenkammer die auf die Dauer zur Verfügung stehende Anzahl der ein­geborenen Arbeiter auf 235 600, während der gegenwärtige Bedarf 350700 betrage. Der jährliche Dividenden­verlust der Min en in du strie wird aus 2925000 L str. geschätzt. Die Kammer kommt zu dem Schluß, daß die einzige Lösung darin bestehe, die Etuführuug brauchbarer ungelernter Arbeiter zu gestatten.

Washington, 8. Sept. Admiral Cotton meldet, der blutige Zusammenstoß zwischen Mohamedanern und Christen in Beirut sei herbeigeführt durch die Feindselig­keit der ersteren gegen die Christen und die Unfähigkeit der türkischen Behörden, Verbrechen hintanzuhalten., Cotton fügt hinzu, die türkisechn Behörden hätten ihn Der seinen Nachforschungen unterstützt und versprochen, 1000 Mann nach Beirut zu schicken.

Telephonischer Kursbericht*

Fra»klart a. 9. September i«03.

3V2% Reichsanleihe . . 101.05 3% do. ... 89.45 3V,% Korisolß .... 101.04 3% do......89.55

31/2°/o Hessen .... 100.00 3x/a% Obc-rhessen . . . 99.02 4% Oesterr. Goldrente . .. 4ll6% Oesterr. Silberrente 100.06 4% Ungar. Goldrente . . 100.00 4°/o Italien. Rente . , . 102.06 4Va% Portugiesen ... 50.05 S°/c Portugiesen.....30.95

1 % C. Türken « 33 65

Türkenlose......126.06

4% Grieoh. Monopol.-Anl. 43.08 41/, % äussere Argentiner 42.01

3% Mexikaner .... 26.85 41/a°/o Chinesen .... 92.35 Electric. Schuckert . . . 97.04 Nordd. Lloyd . . . . 101.05

Kreditaktien.....201.07

Diskonto-Kommandit. . . 186.09 Darmstädter Bank . . . 136.06 Dresdener Bank .... 146.04 Berliner Handelsges. . . 152.07 Oesterr. Staatsbahn . . . 139.06 Lombarden ..... 16.06 Gotthardbahn.....189.00

Laurahütte...... 220.06

Bochum ....... 186.00 Harpener......182.00

Tendenz: ruhig.

Schiffsnachrichten.

Red Star Linie.

Der PoftdmnpferFinland" der Red Star Linie m Ant^ werpen ist laut Telegramm am 6. «September wohlbehalten in Newyork angekomnren.

. ß J Sammle, Velvets,

vOi0811'STOll 0M^verlMge Slaster.

Elten & Keussen, Krefeld.

Aimkursverfahreil.

Das Konkursverfahren über oas Vermögen des Gastwirts Wilhelm Weidtmanu m Gießen wird nach erfolgter Abhaltung des Schlußtermins hierdurch aufgehoben. [6754

Gießen, den 5. Sept. 1903. Grobherzogliches Amtsgericht. Bekanntmachung.

In das hiesige Handels­register Abt. A wurde heute bezüglich der FirmaGebrüder Berdux" zu Gießen eingetragen: Die offene Handelsgesellschaft ist durch die Ausscheidung des Tellhabers Hrch. Berdux am 24. 8. 1903 erloschen. Der Ehefrau des Inhabers Julius Berdux, Elisabeths Berdux geb. Lang zu Gießen ist Prokura ertellt. 6756

Gießen, am 5. Septbr. 1903. Großherzogliches Amtsgericht.

Verdingung

lwrr Grabenarbelten.

Für die Feldbereinigung Gießen rechts der Lahn soll die Herstellung von Flutgräbeu, veranschlagt zu 6082 Mark, im Wege schriftlichen Angebotes öffenllich vergeben werden.

Voranschläge, Pläne und Be­dingungen liegen bei der unter­zeichneten Behörde zur Einsicht auf. Angebote haben in Pro- zeMen des Voranfchlages zu er­folgen.

Die Offerten sind verschlossen und mit entsprechender Aufschrift versehen, postfrei bis Samstag den 12. d. Mts., vorm. 11'/, 'Uhr, bei der unterzeichneten Be­hörde einzureichen, woselbst auch deren Eröffnung um die an­gegebene Zeit in Gegenwart der etwa erschienenen Bieter statt- üidet.

Zuschlagsfrist 14 Tage.

Gießen, den 3. Sepwr. 1903. Hrotzy. KuttuUuspeütiou Hießen.

Wißmann. 6658

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Gießen, den 8. September 1903.

Seipel, Gerichtsvollzieher.

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