Ausgabe 
9.9.1903 Zweites Blatt
 
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lmrdS verübt worden, und zwar in der Nacht vom 2. d. M. m BelostoL Während der Polizeimeister Mettenko vom Brande eines großen Hauses heimkehrte, feuerte ein Indi­viduum auf ihn zwei Revolverschüsse ab, ohne ihn jedoch ernstlich zu verletzen; der Kutscher, welcher den Wagen des Polizeimelfters lenkte, wurde dagegen schwer verwundet. Dem Attentäter gelang es, zu flüchten und sich in Sicher­heit zu bringen. Im Auftrage des Generalgouverneurs von Wilna, Fürsten Sujolopolk-Mirskij, wurden die ener- chschsten Maßnahmen zur Ergreifung des Täters ergriffen.

Newyork, 8. Sept. Schon wieder ein Attentats- Versuch soll gegen Roosevelt geplant gewesen sein. Aus Syracufe (Newyork) meldet das Reutersche Bureau: Tie Polizei verhaftete am Atontag nachmittag in seiner Wohnung einen vor 12 Jahren aus Deutschland eingewan- verten Mann, Namens John Miller, welcher von einer Frau beschuldigt wurde, die Drohung ausgestoßen zu haben, daß er den Präsidenten Roosevelt bei dem ihm zu Ehren veranstalleten Umzuge der Arbeiter erschießen wolle. Miller wurde eine Stunde, bevor der Präsident auf dem Platze ankam, von wo er die Parade der Briefträger ab­nehmen wollte, verhaftet. Bei dieser Parade sollte angeblich der Schuß fallen.

Volitische Tagesschau.

Schlimme Tumulte m der syrischen Hafenstadt Beirut hat das Erscheinen des amerikanischen Ge - schwaders verursacht. Die Unrul)en haben sich am Sonn­tag ereignet. Die erste authentische Nachricht bringt die französische offiziöse DepeschenagentnrAgence Havas", der aus Beirut gemeldet wird: Am vergangenen Sonntag kam es hier zu einer Schlägerei zwischen Christen und Mo­hammedanern, bei der es zahlreiche Tote und Ver­wundete gab. Nach einem Privattelegramm waren in Konstantinopel Gerüchte im Umlauf, daß in Beirut beim Eintreffen des amerikanischen Geschwaders Unruhen aus- gebrochen seien, die zu einem Massatre der christlichen Be- völlerung durch die Türken geführt hätten. Konsulats­depeschen geben die Zahl der Getöteten bis Dienstag früh aus dreißigan, darunter mehrere Europäer. Zahl­reiche Personen wurden verwundet, größtenteils durch das Gewehrfeuer. Walt Reschidh Bey, welcher zum Sommer- aufeuthall in Libanon weilte, ist nach Beirut zurückgekehrt. Er leitete eine Untersuchung ein. Emige Chefs der diplo­matischen Missionen in Konstantinopel erhoben bereits Vor­stellungen bei der Pforte. Wie verlautet, wollen einige Großmächte Kriegsschiffe nach Beirut entsenden. Die Nach­richt von dem Zusammenstoß überraschte in diplomatischen Kreisen Konstantinopels keineswegs, da in der jüngsten Zeit die Konsuln bereits wiederholt über die Verübung von poli­tischen Morden, sowie die gereizte Stimmung und Droh­ungen der Mohammedaner gegen die Christen berichteten. Die Lage in Beirut und der neueste Vorfall sollen durch die Haltung der Walls herbeigeführt sein.

Hauptversammlung ves Wervandes der deutschen Kewerbevereine.

Mainz, 7. September.

Unter außerordentlich zahlreicher Beteiligung von Ver­tretern der deutschen GewerBevereine aus allen Dellen­des Reiches und der Landesverbände von Bayern, Baden, Elsaß-Lothringen, Mecklenburg-Schwerin, Thüringeniessen, Ostpreußen, Schlesien, Hannover, Württemberg und der Pfalz trat heute vormittag imKasino zum Gutenberg" der Verband deutscher Gewerbevereine zu seiner zwölften Hauptversammlung zusammen. Als Vertreter der Großh. hessischen Staatsregierung waren Ober-Reg.-Rat Dr. Höl- zinger und Reg.-Rat Dr. Müller-Darmstadt, als Vertreter des preußischen Handelsministers Ober-Regierungs-Rat von Gyzicki-Wiesbaden, als Vertreter des badischen Ministe- rlluns des Innern Regierungs-Rat Viattenllot-Karlsruhe erschienen. Vom Ministerialpräsidenten v. Stößer war ein Schreiben eingelaufen.

Der Vorsitzende, Reg.-Rat Noack, erstattete den Ge­schäftsbericht. Einleitend betonte der Redner, daß auch unter der neuen Geschäftsführung die alten bewährten Grundsätze im Gesamtoerbande aufrecht erhalten bleiben sollten. Ter Verband sei ebenso sehr Gegner einer zügel­losen Gewerbefrechell, wie er auf der anderen Seite Gegner reaktionärer Machenschaften sei, die darauf hinzielten, das Handwerk und Gewerbe in seiner Entwicklung zu hemmen und zu schädigen. Deshalb sei auch seine Existenz dringend notwendig, obgleich zünfllerische Kreise dies oft bestritten. Tie Mllgliederzahl des Verbandes stieg von 100 096 auf 109 606, die Zahl der angeschlossenen Vereine von 889 auf 964. Von den Mitglledern sind 73 739 (67 v. H.) Hand­werker. Neu hinzugetreten sind die Laridesverbände von Schlesien und Ostpreußen, der Beitritt der sächsischen und westpreußischen Vereine steht in Aussicht. Dem vom Kassie­rer Götz-Darmstadt erstatteten Kassenbericht des Ver­bandes ist zu entnehmen, daß die Gesamteinnahmen 10 822 Mart, die Ausgaben 10 627 Mark betrugen.

, Zum ersten Punkt der Tagesordnung:P e n s i o n s - lasse für selbständige Gewerbetreibende" be­richtete der Vorsitzende der Jnvalidenversicherungsansta.lt für das Großherzogtum Hessen, Reg.-Rat Dr. Dietz- Darmstadt: Er trat dafür ein, daß die Reichsinvaliden- versicheruug auf alle Handwerker ausgedehnt werde. Die Meinung über eine Handwerkerpensionskaffe sei ge- tellt; verschiedene Städte seien dagegen, Mainz dafür und Darmstadt im wesentlich,en auch. Aus den spärlichen Aeußer- ungen über die Frage sei kein bestimmter Schluß über die Ansicht der Handwerter zu ziehen, aber das sehe man wohl doch ein: der Wunsch, seine Zukunft sicher zu stellen, sei auch beim Handwerker vorhanden. Zunächst müsse man sehen, welche Mittel jetzt für die Zukunft des Handwerkers sorgen. Tie Kranken- und Unfallversicherung töune er als unwesent­lich yrervet übergehen. Die Versicherung könne einmal er­folgen durch die Privatgesellschaften oder durch Anschluß an die Reichsinvalldenoersicherung. Tie Privat- oder frei­willige Versicherung stehe aber in Handwerkerkreisen auf sehr schwachen Füßen; das erkenne man am besten aus der sreiwllligen Tellnahme an der Reichsinvalidenversicherung. In gan- Deuffchland wurden letzthin 2785 Karten gezählt; in Hessen im Jahre 1902: 107 Karten, die aber auch nur Gemeindehebammen betreffen, sodaß also nur knapp ein Dutzend selbständige Handwerker in Hessen freiwillig ver­sichert sind. Taraus ergebe sich, daß trotz aller Mühe und Aufklärungsarbeit jy gut wie gar nichts erreicht sei. Aehulich stehe es auch bei der Arbeiterversicherung. Viele Leute scheuten sich nur vor dem WortZwang", aber zu was fei der Mensch im Leben nicht alles gezwungen. Es handle sich hier um die Sicherstellung der wirtfchastlichSchwächeren. Tie Frage sei nun, ob etwas Neues geschaffen werden solle, oder ob es sich empfehle, sich arr Vorhandenes anzu- scWeLeu. Nach seiner Ansicht ser das beste der Anschluß

andieReichsinval-idenversicherung. Ueber die geringe Altersrente sei ja mit Recht gespöttelt worden, und man hätte sie 1899 bei der letzten Beratung des Gesetzes am besten ganz beseillgt rnrd dafür die Invalidenrente erhöht. Jedenfalls sei der Anschluß an die Reichsinva- liden Versicherung nur zu empfehlem Und wenn es sich um die Frage handle, in welchem Umfang das Handwerk der Versicherung unterworfen werden solle, so könne es nur heißen: das gesamte Handwerk müsse der Versicherung unterworfen sein, auch um das Gefühl der Zusammenge­hörig kell zu erhallen.

Zum Schluß seiner Ausführungen empfahl Redner fol­genden, von Geißler-Kempten gestellten Antrag zu genehmigen:Die Hauptversammlung des Verbandes deutscher Gewerbevereine zu Mainz beschließt: A) Die Ver­einsvorstände zu ersuchen, mit allen zu Gebote stehenden Mllteln dahin zu wirken, daß die selb stündigen Handwerker von dem Rechte der Selbstversicherung beziehungsweise Weiterversicherung gemäß § 14 des Jnvalidenversicherungs- gejetzes Gebrauch machen; B) An den Herrn Reichskanzler (Reichsanll des Innern) die Bitte äu richten: 1) Die Frage der Erstreckung der Invalide nversicherungs- pslicht auf alle selbständigen Handwerker einer eingehenden Prüfung zu unterzlehen und die zu ihrer Herbeiführung erforderlichen Maßnahmen in die Wege zu leiten, indem durch Gesetz das Jnvalidenversicherungsgesetz vom 13. Juli 1899 auf alle selbständigen Handwerker aus­gedehnt wird; 2) für den Fall der Ausdehnung der Ber- sicherungspflicht auf selbständige Handwerker ferner in Er­wägung zu ziehen, ob nicht durch Schaffungweiterer L o h n k l a s s e n (§ 32 des Jnvalidenverftcherungsgesetzes) auch Renten von höherem Betrage gewährt werden können." r. Mainz, 8. September.

Die heutige zweite Sitzung wurde mit einem Be­richt des Genossenschaftsdirectors Paesch-Darmstadt über die praktische Anleitung zur Gründung von Handwerksge­nossenschaften eröffnet. In Deutschland bestehen 500 Hand­werksgenossenschaften, denen noch nicht 1 Prozent der Hand­werker angehören. Um etwas Ersprießliches im Genossen­schaftswesen zu erreichen, müsse eine energische, planvolle Agitallon betrieben werden, an der es bis jetzt ganz ge­fehlt habe. Direktor Paesch besprach eingehend die einzu­leitende Agitation zur Gründung leistungsfähiger und lebensfähiger Genossenschaften und empfahl die Gründung einer einzigen Handwerker-Zentralgenossenschaftsbank für die süddeutschen Staaten, der vom Staate ein Äedit bis zu einer gewissen Höchstgrenze zur Verfügung zu stellen sei. Tie nächste Aufgabe der Handwerker sei, Rohstoffe-, Werk- und Magazingenossenschaften zu errichten. Mit Direktor Paesch einverstanden ist Dr. Alberll, Direktor des Ver­bandes der Erwerbs- und Wirtschastsgenossenschaften vom Mittelrhein, der auch der Ansicht ist, daß die Genossen­schaften dazu bestimmt seien, für das Handwerk noch großes zu leisten. Handelskarmnersekretär Engelbach berichtete sodann über die Verbandssterbekasse, deren Entwurf noch dem Reichsamt vorliegt. Die verschiedenen Unterverbände in Süddeutschlarrd wollen sich sämtlich der Kasse anschließen. Wie Schindler-Göppingen bemerkte, habe man in Württem­berg sich allsellig der hessischen Sterbekasse angeschlossen. Die austretenden Mitglieder des Vorstandsrates wurden wieder und Regierungsrat Dr. Sack-KönigDberg und Nieder­bühl-Rastatt neugewahlt und zum Schluß zur Abhaltung der 13. Hauptversammlung Straßburg bestimmt.

Aus Sluö! und Saud.

Gießen, den 9. September 1903.

Nachrichten über bemerkenswerte Vorkommuiffe in Stadt und Land werden stets gern entgegengenommm und angemessen honoriert!

* * Ernennung. S. K. H. der Groß Herzog hat, wie uns drahtlich gemeldet wird, am 5. Sept, den Grafen Ernst zu Solms-Laubach in Darmstadt zum AUtglied der 6. ordentlichen Landessynode ernannt.

* Personalien. Ernannt wurde der Gerichtsvollzieher- Aspirant in Seligenstadt, Richard Robert Albert Loth, zum Gerichtsvollzieher mit dem Amtssitze in Seligenstadt. S. K. H. der Großherzog haben der Kammerchoristin Sophie Roßmann zu ihrem fünfzigjähngen Dienstjübiläum am 8. September 1903 die Goldene Medaille des Ludwigs-Ordens verliehen.

* * Omnibusverkehr. Wegen Sperrung des Selters­weges für die Känalisationsarbeiten werden die Wagen der Omnibusgesellschast (Linie B. Grünbergerstraße-Bahnhof) bis auf weiteres wieder über die Südanlage fahren, während die Linie A, Marburgerstraße-Bahnhof nur einspännig und durch die Bahnhofstraße gefahren wird. Die Linie D. nach Wieseck wird während der Dauer der landwirtschaftlichen Ausstellung überhaupt eingestellt. Von und nach der Ausstellung fahren die Wagen vormittags und abends von und nach den Zügen, nachmittags und abends auch Marktplatz-Trieb und um­gekehrt. Fahrpreis ab Markt-Ausstellung 20 Pfg., Bahn­hof-Ausstellung 30 Pfg.

** Die Besichtigung der 50. Infanterie- Brigade fand heute vormittag auf dem Uebnngsgelänbe zwischen Rechtenbach, Münchholzhausen, Allendorf und Lützellinden statt. Sie geschah durch Exzellenz v. Linde- quist, den komm. General, im Beisein des Brigadekomman- deurs Freiherrn v. v. Ledeb our. Die 118er, welche seit­her in den hiesigen Kasernen im Quartier lagen, verließen diese heute früh halb 6 Uhr, um nicht mehr zurückzukehren. Um 8 Uhr nahm die Brigade Paradeaufstellung, woran sich ein Gefecht gegen anreitende Kavallerie und gegen Artillerie reihte. Gegen 10 Uhr erreichte die Besichtigung ihr Ende. General v. Lindequfft war von Wetzlar hierher gekommen. Zur Besichttgung hatte sich ein zahlreiches Pu­blikum aus Gießen, Wetzlar, Rechtenbach und Umgegend eingefunden. Tie 117er lagen seit fast 14 Tagen in Hörns­heim, Dutenhofen, Lützelliirden im Quartier. Sie hatten nach der Besichtigung einen siebenstündigen Weg bis Weil­münster zurückzulegen. Tie 118er beziehen in Braunfels, Oberndorf und Burgsolms Quartier. Unser Infante­rie-RegimentKaiser Wilhelm" verläßt morgen früh 4 Uhr per Bahn den Truppenübungsplatz bei Gries­heim-Darmstadt und begiebt sich über Frankfurt, Gießen, Marburg, Sarnau, Wetter ms Manövergelände. Auf dem hiesigen Bahnhofe tteffen die Bataillone zwischen 8 und 9 Uhr ein und fahren nach kurzem Aufenthalt weiter.

** Hessisch-Thüringische Staatslotterie. Bei der heute begonnenen Ziehung der 6. Klasse fielen zwei Ge- loirtnc von je 30 000 Mk. auf Nr. 18702 (nach Friedberg), 76303 (nach Koßwig), Gewinne von 5000 Mk. auf Nr. 10152 (nach Mainz), 26911 (nach Büdingen), 74523 (nach Alzey), 79146 (nach Darmstadt), 88340 (nach Jena), 88904 (nach

Darmstadt), 97878 (nach Deflau), Gewinne von 3000 Mk. auf Nr. 17400 19314 23359 25983 30279 40557 40730 56595 60558 68815 66771 72926 75524 87225 87634, Gewinne von 2000 Mk. auf Nr. 3100 10209 18034 22708 (nach Schotten), 24799 26283 33443 41962 44676 46180 46920 51294 58668 59811 59987 59335 73818 7H451 80989 88432 90502 98013 (nach Butzbach) 99229, (Ohne Gewahr.)

** Zu dem verbrecherischen Anschlag auf den Frankfurt-Berliner V-Zng, über den wir berichtet haben, wird mitgeteilt, daß die Kgl. Eisenbahndirektion auf die Ermittelung der Täter eine Belohnung von 300 Mark ausgesetzt hat. Die Untersuchung hat die Vermutung bestätigt, daß mehrere Personen die Hande im Spiel gehabt haben. Der Bahnwärter Kaiser hatte kurz vor Passieren des B- Zuges, welcher 80 Kilometer in der Stunde fährt, ein ver­dächtiges Geräusch auf der Strecke gehört. Sofort eilte er nach der Stelle, und dort sah er vier bis fünf Männer eiligst entspringen.

)( Lützellinden, 9. Sept. Einem Metzgergesellen des Herrn Hinterlang-Klein-Linden scheute in hiesigem Orte das Pferd, es rannte mehrere Gewehr-Pyramiden um und be­schädigte eine Anzahl Gewehre.

B a d - N a u h e i rn, 8. Sept. Nächsten Montag, den 14. September, treffen hier die Teilnehmer der dritten ärzt­lichen Studienreis e, ca. 150 Aerzte des In- undi Auslandes, zum Besuche unserer Badestadt hier ein. Diese Studienreise tritt am 9. September in Mainz zusammen und besucht eine Anzahl Bäder, Luftkurorte und Heilanstal­ten. Von Ems kommend, erfolgt der Besuch unserer Stadt. Als Programm für diesen Tag ist vorgesehen: Rundgang und Besichtigung der Kureinr ich tun gen, der Quellen, Bade­häuser, des Inhalatoriums usw. Nachmittags 5 Uhr findet eine wissenschaftliche Sitzung statt, in welcher Vorträge von Geh. Rat Prof. Dr. Riegel-Gießen überEinleitung zur Demonstration der Nauheimer Einrichtungen, Geh. Rat Dr. Abee-Bad-Nauheim überHeilmittel SLauheims und ihre Indikationen", Oberbergrat Prof. Dr. Ehelius-Darmstadt überDie geolog. und tecton. Verhältnisse der Wetterau und des Vogelsberges in ihren Beziehungen zu den Mineral- und Soolquellen" gehalten werden. Anschließend findet ein von feiten des Ministeriums uni> der Kurverwaltung ge­gebenes Diner im Kurhause statt. Die Stadt und der^Aerzke- Verein hat die Teilnehmer zu einem Bier-Abend imSprudel- Hotel eingeladen. Am nächsten Morgen erfolgt die Abreise nach Wildungen. (W. Anz.)

r. Mainz, 8. Sept. Nach einem üoraiivyegangenen, gut verlaufenen Begrüßungsabend im Restaurant des Heilig Geist"' wurde Die internationale Ausstell­ung für Photographie und graphische Künste heute nachmittag durch S. K. H. den Großherzog, der um 3 Uhr von Darmstadt angekommen war, in Anwesenheij der Spitzen der Behörden, der Festausschüsse und einer An­zahl der geladenen Gäste feierlich eröffnet. Als Protektor der Ausstellung nahm Der Großherzog Die Eröffnung vor, worauf er unter Führung von Herren des Festausschusses einen Rundgang unternahm, bei welchem sich der Landes­fürst wiederholt in höchst anerkennender Weise über die Ausstellung äußerte. Besichtigung der Ausstellung bestieg der Grogherzog unterhalb Der Straßenbrücke einen von Der Mainzer Reedereigesellschaft Thomä, Stenz und v. Meetem zur Verfügung gestellten, festlich geschmückten kleinen Dampfer und machte in Gesellschaft mehrerer ge­ladener Gäste eine Rheinfayrt bis unterhalb Eltville. Nach 6 Uhr verkündeten Böllerschüsse die Rückkunft des Dampfers mit dem Großherzog, welcher alsdann einer Einladung des Oberbürgermeisters Dr. Gaßner zu einer musikalischen Soiree Folge leistete. Tie Ausstellung, die in drei Abteilungen, Photographie, graphische Kuwst und photographische In­dustrie »'ungeteilt ist, hat einen ausgesprochenen intimen Charakter. Schon beim Eintritt empfängt der Besucher den Eindruck, daß ihm hinter diesen zum Teil mit Malereien versehenen Wänden etwas ganz Apartes gebeten wird. Der Leiter des Ganzen ist. Tirektor Emmerich aus München, der bereits fünf Derartige Ausstellungen in der Vorbereitung und Ausführung leitete. Zur Innendekoration stand Di­rektor Emmerich Herr Hans Friedmann aus München zur Seite. S. K. H. Der Großherzog wirD im Palais übernachten und Mittwoch vormittag der Schülerarbeiten-Ausstellung aus der Kunstgewerbeschule einen Besuch abstatten, wonach Die Rückkehr nach JagDschloß Wolfsgarten erfolgen wird.

Kleine Mitteilungen aus Hessen und Den Nachbarstaaten. In Biedenkopf wurde am 6. d. Mts. im Beisein des Landrats v. Heimburg die neue Ge­werbeschule eingeweiht. Unserem gestrigen Bericht über das Gustav Adolf-Fest in Langgöns ist der Name eines Mannes nachzutragen, welcher bis zum vorigen Jahre 25 Jahre hindurch die Rechnung in uneigennützigster Weise ge­führt nnd dadurch die Hauptarbeit geschafft hat; das ist Herr Rendant Döring.

Uermischtrs.

Berlin, 8. Sept. In Rixdorf brach in der letzten Nacht in einem Modewarenhaus Feuer aus, welches die Warenvorräte vollständig vernichtete. Aus dem Schau­fenster schlugen die Flammen nach der ersten Etage empor und gefährdeten die Mietspattieen. Der Feuerwehr gelang es jedoch, die Bewohner zu retten. Der ziemlich beträchtliche Schaden ist durch Versicherung gedeckt. Die Ursache des Brandes konnte noch nicht festgestellt werden. Der Inhaber des Warenhauses wurde unter dem Verdachte der Brand­stiftung verhaftet.

* Berlin, 8. Sept. Am Schalter des Postamts 100 verhaftete man den 21jährigen Postgehilfen Seger, gen. Seibring, der am 5. d. M. nach Unterschlagung eines ihm anoettrauten Betrages von 4200 Mk. aus Duisburg flüchtig geworden war. Er wollte am Schalter einen post­lagernden Brief in Empfang nehmen.

* Danzig, 8. Sept. Professor Kirstein aus Marien­burg, der im Dorfe Kossi mit Familienangehörigen weilte, wurde von Ausflüglern im Walde hinter Kossi als Leiche aufgefunden. Der Leiche fehlen Uhr und Kette. Obern Unglücksfall oder ein Verbrechen vorliegt, muß erst durch die sofort eingeleitete genchtliche Untersuchung festgestellt werden.

* Niedermoschel (Pfalz), 8. Sept. Heute früh brannte das Anwesen einer Wütwe nieder, wobei ihre zwer Söhne im Alter von 17 und 19 Jahren den Tod fanden. Nur mit Mühe tonnte man die alte Frau daran hindern, sich in die Flammen zu stürzen.