Erstes Blatt. '
153. Jahrgang
Mittwoch 8. September 1903
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Gietzener Anzeiger
** General-Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Meis Gießen
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Sept. erfolgt der Abtransport sämtlicher Fußtruppen von den Bahnstationen Diez, Hamad ar und Limburg. In Diez in der Nähe des Bahnhofes wird eine Kriegskochküche errichtet, wo die abgehenden Stäbe und Bataillone, die in Mainz stehen, gespeist werden. Die berittenen Waffen beziehen am 23. September zunächst in der Gegend südlich der Lahn Unterkunft, am 24. September ist Ruhetag und alsdann treten sie den Marsch in die Standorte an. Ein Teil des zum 18. Armeekorps gehörenden Trainbataillons hat Verwendung zur Bildung einer Proviantkolonne im Ä'aisermanöver gesunden, es ist dem 11. Armeekorps zu-» geteilt worden. Von den Reservisten des 18. Armeekorps werden die Infanteristen zumeist am 24. September, die berittenen Mannschaften nach Rückkehr in ihre Standorte entlassen. Erwähnt sei noch, daß am 21. September ein schweres Feldhaubitzenhalbbataillon (Fußartillerie mit Bespannung) in Limburg zusammentritt und an den drei Manüvertagen teilnimmt, es wird keine Scharffchießübung wie im Vorfahre vornehmen. Zwei schweizerische Offiziere, der Kommandant des Jnf.-Regts. Nr. 11, Oberstleutnant v. Erlach, und der Stabschef der 4. Division, Major Psyffer, werden an den Manövern des 18. Armeekorps teilnehmen.
Berlin, 8. Sept. Gegenüber einer Blüttermcldnng über die angebliche Neu-Uniformierung der Armee mit feldgrauen Stoffen will eine hiesige Korrespondenz von maßgebender Seite erfahren haben, daß an die Einführung einer vollständig neuen Uniform, die übrigens vielfach gewünscht werde(??), einstweilen nicht zu denken sei. Wohl würde man aber im Falle einer Mobilmachung alles Auffallende der jetzigen Uniform nach Möglichkeit zu mildern suchen, etwa in der Weise, daß Knöpfe und Metallbeschläge in dunklerem Ton gehallen würden und daß die Husaren-Regimenter in Litewken, die Kürassiere in blauem stall in weißem Koller aus rücken.
Königsberg, 8. Sept. Der „K. Hart. Ztg." zufolge sind auf dem Manövergelätrde Tollach 32 Mann meist vom Regiment König Friedrich Wilhelm I. schwer erllanll. Drei Soldaten sind im hiesigen Spital gestorben. — Me aus Guttstadt gemeldet wird, kamen gestern bei einer mllitärischen Hebung bei All-Wartenburg
Politische Tagesschau.
Gründe für Einführung der Berufung.
In den Beratungen der Sachverständigen über Fragen der Refornl desStraf verfahrens ist jetzt eine längere Pause eingetreten. Im weiteren Verlauf der Besprechungen wird auch die wichllge Frage der Einführung der Berufung an die Reihe kommen. Man darf auf das Ergebnis gespannt sein. Tie Einführung wlld von hervorragenden Theoretikern und Praktikern immer wieder empfohlen. Gerade in unserer Zeit muß es als wünschenswert bezeichnet werden, gegen Strafkammerurteile Berufung einlegen zu können, einmal weil in diesem vielleicht öfter, als vom sozialpolitischen Slandp-tMkte aus gerechtfertigt erscheint, bei der Bemessung der Sllafe abgesehen wird davon, ob nicht das Strafmaß sich einigermaßen in Widerspruch setzt mit der wirtschaftlichen Lage des Schuldigen. Ferner fehlt auch bisweilen den Mitgliedern der Strafkammern das Augenmaß, um zu erkennen, ob nicht bei einer einmaligen oder aus Lage der Dinge nicht besonders erheblichen Zu- widerhandlung gegen die Strafgesetzgebung für die Bemessung der Sllafe mehr Milde angebracht sei, als vielleicht aus den ersten Blick für richtig gehallen wird.
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Kirche und Schule.
Der DeutscheVereinfürKnabenhandarbeik hält am 3. und 4. Oktober in Bremen seine 22. Hauptversammlung ab. Em Ortsausschuß hat sich unter Vorsitz des Senators Dr. Ehmck gebildet und die Vorbereitungen für die Versammlung getroffen. Der Vorstand des Vereins sandte uns soeben Programm und Einladung der Ver-
Keer und Alotte.
lieber die Manöver des 18. Armeekorps sei heute zusammenfassend folgendes mitgeteilt: Nach den vorhergegangenen Brigadebesichtigungen ist in der Zeit vom 11. bis 14. September Manöver der gemischten öO. Brigade, der das Tragonerregiment 23 und oas Feldartillerieregi-- ment 25 zugeteilt ist, in der Gegend von BraunfetS. In der gleichen Zeit werden abgehatten: die Manöver der 49. Jnfanteriebrigade, des Tragonerregiments 24 und des Feldartillerieregimeuts 61 in der Gegend von Bieden-
Sammlung, worin es u. a. heißt: „Die Bestrebungen für den Unterricht in der erziehlichen Knabenhandarbeit haben t'.AOOS. in den letzten Jahren nach der Richtung ihres inneren Aus-
'baues erhebliche Fortschritte gemocht. Von dem Gedanken ausgehend, daß sich das Bedürfnis nach erweiterter technischer Bildung, welcher die Volkserziehung Rechnung zu tragen hat, aus erziehlichen wie volkswirtschaftlichen Gründen, immer schärfer geltend macht, ist eine Reihe unserer besonders tätigen Freunde mit großem Erfolge bemüht gewesen, den wissenschaftlichen Nachweis für die Notwendigkeit der erziehlichen Knabenhandarbeit im Rahmen der Gesamterziehung zu liefern. Bei dem Nachweis hierfür tritt überzeugend hervor, wie die erwellerte technische Bildung auch von wesentlicher, ja grundlegender Bedeutung für die Geistes- und Willensbildung ist. Was die gegenwärtige Ausbreitung der erziehlichen Knabenhandarbeit betrifft, so ist das Ausland, besonders in den Staaten, mit denen Deutschland auf dem Weltmarkt hervorragend im Konkurrenzkämpfe steht, wie in Franlleich, England und "Nordamerika, in den letzten Jahren ganz außerordentlich vorangeschritten, während die Entwicklung in Deutschland, die schon feit den letzten fünf Jahren etwa tausend Jugendwerk st ätten nachwies, infolge der bei uns noch immer herrschenden einseitigen Bevorzugung der abstrakt geistigen Bildung im ganzen nur einen geringen Zuwachs gesunden haben dürfte. Diesen gegenwärtigen Stand der "Bestrebungen im In- und Auslande darzulegen, wird den Hauptgegenstand der Versammlung am 4. Oktober bilden, wo der Seminardirektor Dr. Pabst-Leipzig das Thema behandeln wlld: „Die Stellung des Knabenhandarbeitsunterrichts im Erziehungswesen Deutschlands und anderer Ländell. Ein Vortrag aus der Praxis der Knabenhandarbeit von dem Leiter der Handfertigkeitsschule Ed. Grimm-Bremen wird, in Verbindung mit einer Probelektion am Nachmittag des 3. Oktober vorausgehen, auch soll eine Ausstellung von Schülerarbeiten ein Bild von der praktischen Ausführung dieses Unterrichtszweiges geben. Außer den Mitgliedern des Deutschen Vereins und seiner Landes- und Provinzialverbände sind auch alle nicht dem Verein angehörende Freunde der Besllebungen bestens eingeladen. Dabei sei bemerkt, daß zeitlich der 7. Deutsche Fvrtbildungsschultag am 2. und 3. Oktober in Hamburg unmittelbar dieser Versammlung vorausgeht, sodaß es den Teilnehmern am Fort- blldungsschultag leicht ermögUdjt ist, am 4. Oktober auch der Versammlung in Bremen beiwohnen zu können. Weitere Programme wird auf Wunsch der Vorsitzende und Geschäftsführer des Deutschen Vereins, Herr v. Schenckeudorsf in Görlitz, versenden, wahrend Auskunft über Wobnungsver- hältnijse in Bremen Herr H. O. Reddersen daselbst, Bessel- jtraße 23, gern erteilen wird.
spruch aufzuweisen. Aber heute hat diese Herrlichkeit ein Ende und die rührigen Verkäufer müssen noch einmal für einen Tag ihre Geschäfte einstellen, denn der Matz ist heute für den öffentlichen Besuch geschlossen. Heute muß alles fertig werden; in den Abendstunden soll die elektrische Beleuchtungsanlage probeweise in Funktion treten. Die Festhalle wlld, da sie ca. 500 Sitze auf mit Tuch überspannten Bänken enthüllen wird, allen Ansprüchen gerecht werden. Der kommende Tag wird die Pforten des Platzes für den offiziellen Anfang des Festes wieder öffnen, und die allgemeine Begrüßungsformel, ehe man sich guten Tag sagt, wlld bei uns in Gießen in den nächsten Sfigen sein: „Waren Sie schon in der Landwirtschaftlichen Ausstellung?" lind es wlld sich niemand der angenehmen Verpflichtung entziehen, zum Trieb zu wallfahrten und die dort ausgestellten Wundertiere und Wunderdinge auzu- schauen. A propos Wundertiere! Da sagte gestern ein Neullum, das Gigerl: „Sprechen von Wunderlleren! Mir holde Wundermädchen und Weinstube lieber als Vieh!" Wer die Liebe geht bekanntlich durch den Magen--
Und schließlich Wein- und Bierstuben gibt« da oben auch, und der vom Schauen Ermüdete wird genug Erfrischungen finden. Erzähll doch der stattliche Katalog, der soeben sertiggestellt worden ist und nicht weniger als 186 Seiten zählt, auch von Aepfel- und allerhand Beerenweinen. Ganz süße Leute können sich Honig in Sttömen fließen lassen. So wird für jeden Geschmack bestens gesorgt sein, und Tausende werden dieser Tage beste Stunden auf das angenehmste dort oben verbringen. Von Freitag ab wlld der Ausstellungstag um 8 Uhr bereits beginnen,
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köpf, die der 42. Jnsanteriebrigade, des Ulanenregiments Nr. 6 und des Feldartillerieregiments 63, in der Gegend von Hadamar, und die Manöver der 41. Brigade, Jusanterie- regimenter 87 und 88, das Husaren-Regt. 13 und Feldart.- Regt. 27 in der Gegend von Westerburg. Der romman- dierende General v. Lindequist wohnt vom 11. bis 14. Sept, abwechfelnd dem Exerzieren der Brigaden bei. An die Brigademanöver schließen sich, die Div i s ion s m an ö v er au. Die 21. Division, bestehend aus der 41. Jnfanterie- brigade, der 21. Kavolleriebrigade (Husarenregiment 13 und Ulanenregiment 6) und der 21. Feldartilleriebrigade (Feldartillerieregimenter 27 und 63) hält ihre Manöver vom 15. bis 19. September in der Gegend von Limburg und Marienberg ab, während die 2 5. Großh. hessische Division, bestehend aus der 49. und 50. Jnsanteriebrigade, der 25. Kavalleriebrigade (Dragonerregimenter 23 und 24) und der 25. Feldartilleriebrigade (25. Großh. Hess. Artilleriekorps mit reitender Batterie und Feldartillerieregiment 161) vom 15. bis 19. September in der Gegend zwischen Wetter bei Marburg und Wetzlar manövriert. Der kommandierende General wohnt am 15. und 16. September den Manövern der 21. Division und am 18. und 19. Sept, den Manövern der 25. Division bei. Am 17. und 20. Sept, sind Ruhetage. Sodann beginnen bic drei Tage dauernden Korps rnanöver. Arn 21. und 22. September werden unter Leitung des kommandierenden Generals Manöver der gemischten 21. Division gegen die gemischte 25. Divislln ausgesührt. Am ersten Tage sind Führer der 21. Division Generalmajor v. Festenberg-Pcukisch, der 25. Division Generalmajor v. Bredow, am zweiten Tage leitet die 21. Division Generalleutnant v. Hagen, Die 25. Division Generalleutnant Frhr. v. Gall. Am 23. Sept, ist ebenfalls unter der Lellung des kommandierenden Generals ein Manöver des gesamten Armeekorps gegen einen markierten Feind in dem Gelände nördlich der Lahn in der Gegend von Limburg. Hiermit sind die Manöver beendet. Am 23.
3>ie laudivirlschaMche ^roviuzittt - Ausstellung tu Aießeu.
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Wir geben heute zur Orientierung unserer Leser einen üb ersichtlich en Lageplan der Ausstellung wieder, ap Hand dessen des Genaueren zu erkennen ist, was da draußen auf dem Trieb alles zu erwarten ift Tie letzte landwllt- schaflliche Provinzialausstellung in Gießen 1895 hat auf Oswalds Garten stclltgefunden. Man dachte auch diesmal zunächst daran, dort die Ausstellung zu veranstalten, aber bei näherem Zusehen hat er sich als zu klein erwiesen. Ein größerer Tell von Oswalds Garten, cm der Stelle, wo heute die Turnhalle sich befindet, steht nicht mehr zur Verfügung. So kam man denn allgemein zu der Ansicht, daß der Trieb, wo Raum im Ueberfluß vorhanden ist, der geeignetste Platz für eine solche größere Veranstaltung sei. Betritt man von der Gründergersttaße aus den eingefriedigten Platz, so hat man auf der Sllaße über den Trieb hinweg linker Hand den Juxplatz, während auf den übrigen größeren Tell des Platzes die Zelte für die landwirtschaftlichen Ausstellungsgegenstände und für die Ws- steller sich verteilen.
Ter Platz hat schon in diesen Tagen, vor der Ausstellung, einen recht ansehnlichen Besuch aufzuweisen gehabt. Neugierige aller Gattungen gingen dort spazieren und sahen den noch, rüstig mit der Ferttgstellung der Bretterbauten und Zelte Beschäftigten bei der Arbeit zu. Und den besonderen Wünschen dieser Vorgäste wurde schon sorgsam Rechnung getragen: Waffelbäckereien hatten gestern bereits chren dampfenden und wohlduftenden betrieb eröffnet und Zuckerwaren und Süßigkeiten lagen zum Verkauf offen. Das Restaurant Liebighöhe hatte {juteit Zm-
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zahlreiche Hitzschläge vor. Es sollen zwei Mann t ot jein und mehrere krank ins Hospital gebracht wor-


