Ausgabe 
9.7.1903 Zweites Blatt
 
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geschädigt werde. Wir bitten also diejenigen, die unter der Ge­hässigkeit der Gegner um ihrer polittschen Ueberzeugung willen zu leiden haben, ihre Adresse (wenn gewünscht, wird Diskretion zuge­sichert) an die Redaktton gelangen zu lassen, und uns ferner mit Darlegung der Verhältnisse und sachgemäßen Vorschlägen zu unter­stützen".

Frankfurt, 9. Juli. (Eigener Drahtbericht.) Der Großherzog von Luxemburg ist mit Gefolge hier eingetroffen.

Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Rachbarstaaten. Das Fest der goldenen Hochzeit feierten Rendant i. P. Weigel und seine Ehefrau in Fried­berg. Weigel steht im 80. Lebensjahr. Aus Mainz schreibt man: Vor kurzem erhielten die älteren Subaltern­beamten der Post besondere Auszeichnungen und zwar goldne Schnüre je nach dem Dienstalter. Die Freude über diese Auszeichnung wurde dieser Tage dadurch getrübt, daß jedem der Ausgezeichneten eine Gebühr von Mk. 2.30 für die Verleihung der Schnüre in Anrechnung gebracht wurde. Der aus Grund des neuen Weingesetzes von der hessischen jRegierung ernannte Kellerkontrolleur Oekonomierat jweiler-Da rmstadt hat sein Amt niedergel egt.

Vermischtes.

Berlin, 8. Juli. Der Buchhalter Roehr einer Holz- /handlung flüchtete nach erheblichen Unterschlagungen.

Heidelberg, 8. Juli. Einem amerikanischen Touristen wurden 15 000 Mark gestohlen. Der Dieb wurde ver- > hastet.

* Graz, 8.Juli. Neuer Schnee bedeckt die Kärntner Alpen.

Bruch einer Talsperre in Pennsylvanien. Bei Oalfordpark brach am Abend des 5. Juli der Damm der dortigen Talsperre. Etwa 150 Personen sollen dabei umgekommen und nahezu 200 mehr oder weniger schwer verletzt sein. Der Dammbruch war die Folge eines Wolken­bruches. Durch die Bruchstelle ergoß sich ein Strom von zwanzig Fuß Tiefe auf sechs kleine Dörfer, die vollständig zerstört wurden.________________________________________________

Sport.

* * Gießen, 9. Juli. Am Sonntag hatte sich die I. Mann­schaft desGießener Fußballklubs 1900" nach Siegen begeben, um gegen die L Mannschaft desSiegener Fußballklubs" das Retourspiel auszusechten. Gießen spielte nut Ersatz, während Siegen seine vollständige L Team ins Feld stellen konnte. Trotz- dem, und obwohl die kleinen Dimensionen des Siegener Platzes für die ein größeres Spielfeld gewohnte Gießener Mannschaft sich ziemlich uachtettig bemerkbar machten, gelang es Gießen, nach scharfem, aber fairem und flottem Spiel mit 2:0 Goal zu siegen. Die hiesrge Mannschaft verdankt ihren Erfolg in erster Linie dem guten und schnellen Zusammenspiel der Stürmerreihe und der pals-Backs, während andererseits die Backs und der recht vielver­sprechende Gralmann die Siegener Stürmer nicht auftommen ließen. Dieses Wettspiel hat gezeigt, daß die Gießener Mannschaft bei fleißiger Uebung einen nicht zu überschätzenden Gegner abgeben dürfte. Es sei auf die am 12. Juli, 4 Uhr nachmittags, auf dem Trieb ftattfindenden Lauf- und Springkorikurrenzen hingewiesen, an die anschließend im Schützenhaus ein Kommers stattftndet, zu dem alle Freunde und Gönner des Klubs willkommen sind.

Hannover, 8. Juli. Als Festort für das n ä ch st e im Jahre 1906 stattfindende Bundesschießen wurde in der heute mittag abgehattenen Sitzung des gesamten Hauptausschusses M ü n ch e n gewählt. Einladungen waren außer von München noch von Hamburg und Düsseldorf ergangen.

Kunst und Wissenschaft.

Berlin, 9. Juli. Professor Kossel vom Reichsgesundheitsamt berichtete gestern abend in der Berliner medizinischen Gesellschaft über die Arbeiten der im Anschluß an die Koch-Schütz'schen Ver­suche eingesetzten Tuberkulose-Kommission. Kossel faßte

die Ergebnisse der Versuchsreihe so zusammen: Die Menschen - Tuberkulose kann aus das Rind übertragen werd en und umgekehrt. Unentschieden bleibt noch die praktische Frage, welche Uebertragung die häufigere und wie groß die Gefahr der Uebertragung ist.

Gerichtssaal.

Braunschweig, 8. Juli. Die L Zivilkammer des Land­gerichts verkündigte die Entscheidung in der seü dreißig Jahren schwebenden Alimentenklage, welche die Erben der ver­storbenen Gräfin Civry, einer natürlichen Tochter des Herzogs Karl von Braunschweig, gegen den König von Sachsen und den Herzog von Cumberland als Erben des Herzogs Wilhelm und gegen die Stadt Genf als Uni­versalerbin des Herzogs Karl angestrengt hatten. Die Klage for­derte 300 000 Mk. als Alimente. Die Zivilkammer erkannte auf Abweisung.

Chemnitz, 8. Juli. Vor dem hiesigen Schwurgericht wurde heute der 25 Jahre alte Schweizer Kamprath wegen Doppel­raubmordes, begangen am 1L Juni am Gutsbesitzer Müller und dessen Wirtschafterin, zweimal zum Tode verurteilt.

Kirchliche Nachrichten.

Hottrsdrrnst drr israelitischen Keligioasgesellschafi.

Sabbathfeier am 11. Juli 19 03.

Freitagabend 8 Uhr. Samstag Vormittag 8 Uhr. Nachmittag 4 Uhr.

Sabbathausgang 9.20 Uhr.

Wochengottesdienst: Morgens 6 Uhr, abends 8 Uhr.________

Neueste Meldungen.

Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers.

Berlin, 9. Juli. DieNat.-Atg." wiederholt heute ihre Forderung vom 25. v. M., daß die im Prozeß gegen die Pommerbank wiederholt genannte Geheimliste der Angeklagten Schulz und Romeick mit den wirklichen Namen der bestochenen Elemente zur Veröffentlichung gelangt. Das Blatt hält die Erfüllung dieser Forderung durch den Gerichts­hof für einen Akt der Loyalttät gegenüber der Berliner Journalistik, welche ein Recht darauf habe, eine Verdächtigung abzuwehren, die, solange sie sozusagen in Bausch und Bogen erfolgt, das Ansehen des Gesamtstandes zu schädigen ge­eignet sei.

Essen, 9. Juli. Der jüngst gewählte Zentrums-Abg. Stützet ist von einem Schlaganfalle betroffen worden.

London, 9. Juli. Nach dem Besuche beim Minister Lansdowne begab sich Präsident Loub et gestern abend nach dem Buckinghampalast, wo das Königspaar chm zu Ehren einen Ball gab. Am Eingang empfing der König den Prä­sidenten, welcher der Königin den Arm bot und mit ihr an der Spitze des sich ordnenden Zuges die Festräume durch­schritt. Der Präsident, der sich nicht am Tanze beteiligte, kehrte um 1 Uhr morgens nach dem Saint Jamespalaste zurück. Der Erste Lord der Admiralität, Lord Selborne, gab gestern den Offizieren des amerikanischen Ge­schwaders, welches augenblicklich vor Portsmouth liegt, ein Festmahl. Darauf wohnten die Offiziere dem zu Ehren des Präsidenten Loubet veranstalteten Ball bei, wo sie König Eduard vorgestellt wurden. In Portsmouth wur­den 500 amerikanische und 1300 englische Seeleute vom Bürgermeister bewirtet.

Die Krankheit des Papstes.

München, 9. Juli. Die päpstliche Nunttatur erhielt heute ein Telegramm von Kardinal Rampolla aus Rom, demzufolge der Puls des Papstes schwächer geht, das All­gemeinbefinden und die Stimmung sich aber etwas gehoben haben.

Rom, 9. Juli. DerVoce della verita" zufolge hat der Papst die Nacht ruhig verbracht. Die große Schwäche hält an.

Rom, 9. Juli. Beim Papst ist eine Harnstoff- Vergiftung infolge des Versagens der Nierentätigkett ein­getreten. Die Nieren-Funktion hat sich indeß plötzlich wieder eingestellt. Als die Aerzte 8en Kranken wieder untersuchen wollten, bat dieser flehentlich, ihn ruhen zu lassen. Er sei so müde und sehne sich nach Ruhe. Professor Eardarelli von der Universität Florenz, den die behandelnden Aerzte wegen der bedenklichen Symptome der Nierenlähmung zuziehen wollten, hat den Rus an das Krankenlager Leos dankend abgelehnt. Das gesamte Personal des Vatikans ist infolge der bestehenden Alarm-Gerüchte und Nachtwachen total er­schöpft. Der major domus Eagiano liegt schwerkrank dar­nieder. Mons. Volpini, der als Sekretär des Eouclave fungieren sollte, erlitt im Vorzimmer des Papstes einen Schlaganfall und hat bereits die Sterbesakramente erhalten. Die französische Regierung hat hinsichtlich der Pariser Reise des Königs geantwortet, daß sie sich den Er­wägungen betreffend Aufschub der Reise anschließe. König Viktor dürste daher, wenn der Papst stirbt, erst Ende Juli nach Paris reisen. Bei den Erörterungen über den Auffchub der Reise des Königs im Ministerrat wollte die Mehrheit der Minister von dem Auffchub nichts wissen. Der Auf­schub der Reise um des Papstes willen hieße so.viel, wie Italien in eine Abhängigkeit vom Vatikan zu versetzen.

Berlin, 9. Juli. Die Nachricht, daß der Kaiser wegen des Ablebens des Papstes seine Nordlandreise verschieben werde, fft nicht richtig. Der Kaiser und die Kaiserin werden des außergewöhnlich guten Wetters wegen noch einige Tage in den Gewässern der Insel Rügen segeln. Dann wird der Kaiser die Nordlandreffe programm­mäßig antretcn.

Rom, 9. Juli. Dec Papst schlief diese Nacht ruhig. Das Allgemeinbefinden ist ziemlich gut. Der Zusland des Kardinals Volpini ist sehr gefährlich. Die ganze linke Sette ist gelähmt.

Telephonischer Kursbericht.

3V«o/o Reichsanleihe . . 3% do. . . .

3V8% Konsole . . . .

8°/o do......

3*/2°/n Hessen . . . .

3*4% Oberhessen . , .

4% Oesterr. Goldrente . .

4lj6% Oesterr. Silberrente 4% Ungar. Goldrente, . . 4°/j Italien. Rente . . . 4%% Portugiesen . . . 3°/ Portugiesen. .... 1% C. Türken . . . . Türkenlose......

4% Grieoh. Monopol.-AnL 4Vf% äussere Argentiner

Frankfurt a. JA., 9. Juli 1903.

102.20

9L30

102.25

91.30

101.00

100.00

102.90

105.40

101.80

103.30

49.70

31.20

33.90

3% Mexikaner .... 26.75 fVgVü Chinesen .... 92.60 Electric. Sohuckert ... 92.25 Nordd. Lloyd . . , . 99.20

Kreditaktien..... 207.60

Diskonto-Kommandit. . . 186.10 Darmstädter Bank . . . 136.60 Dresdener Bank .... 147.00 Berliner Handelsges. . . 153BO Oesterr. Staatsbahn . . . 143.30 Lombarden.....18.00

Gotthardbahn.....191.70

Laurahütte ...... 214.00

130.20 Bochum ....... 173.00

44J)0 Harpener......177.75

. Tendenz: schwächer.

Die allseitig als äußerst reichhaltige und kunstvoll arrangierte Deutsch-Koloniale Jagd-Ausstellung wurde, um vielfachen Wünschen zu entsprechen, vom 15. Juli brs 10. August ausgedehnt. Hierdurch wird die mit dieser Ausstellung verbundene Lotterie, welche nach Schluß derselben vorzunchmen ist, erst am 1L August er. in Karlsruhe gezogen. Bet dieser Lotterie werden 2328 Gewinne mit 40 000 Mk., wovon der Hauptgewinn 10 000 ML, 3 i 1000 Mk., 4 ä 500 Mk., 20 ä 100 Mk. rc. bar ohne Abzug zur Verlosung kommen. Lose zu 1 ML, Porto und Liste 25 Pfg. find, so lange Vorrat, vom Generalagent I. Stürmer, Straßburg L E-, und allen inserierten Losverkaufsstellen zu beziehen. Das Nähere ist aus den Inseraten rc. zu ersehen.

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