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9.7.1903 Erstes Blatt
 
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Amts- uni) Anzelgeblatt für den Kreis Metzen

Wohl Eurer Majestät des

rmgSverhLltniffe der unbemittelten Klaffen geschehen ist. Als der bestgeeignete Weg, sowohl für das Reich wie für den Staat und die Kommune, den minder bemittelten Bevöller- ungsklaffen billige und allen billigen sanitären Ansprüchen genügende Wohnungen zu schaffen, wird der der Anwendung deS Erbbaurechts anzusehen sein. Nur wenn Reich, Staa und Kommune in dieser Weise dauernde Eigentümer des Grund und BodenS bleiben, und wenn auf dem Wege der Genossenschastsbildung billige Wohnstätten für die unbemittelten Klaffen errichtet werden, wird es möglich sein, der Grundstücksspekulation in der Umgebung der Städte, namentlich der Großstädte, wirksam und dauernd entgegen- zutreteu.

Valitische Tagesschau.

Wohnungsgesetzgebung im Reiche.

Die ersten Grundzüge des vor einigen Tagen bekannt gewordenen Entwurfes eines Wohnungsgesetzes für Preußen sind im preußischen Staatsministerium bereits vor Jahr und Tag sestgestellt worden. Für den Reichstag wird jetzt eine Denkschrift ausgearbeitet, in der zur Darstellung gelangt alles, was m den Einzelstaaten zur Verbesserung der Wohn-

Tetl: P. ©Utto: sür »Stadt und tiontr und -Gerichts! aal": August Götz; für den An- zeiqerrteil: HanS Beck.

' Unter dem Mißverstehen, dem Unterschätzen oder dem gleichgültigen Uebersehen der dramatischen und der Schmr- jpiel-Kunst leidet das deutsche Theaterwesen überhaupt die neue, hoffentlich wirklich echt künstlerische Leitung des Gießener Theaters wird noch obendrein unter besonders ungünstigen Umständen zu arbeiten haben. Schwer ist es, keine Satire über das Aeußere und die Einrichtungen unseres Musentempels zu schreiben, der ja für allerhand andere Zwecke zweifellos und anerkanntermaßen sehr brauchbar ist und bleiben wird. Die architektonische Anordnung des Ganzen trägt rein ästhetischen Gesichtspunkten gewiß nicht Rechnung und das Ganze entspricht wahrlich sehr wenig feiner künstlerischen Bestimmung, Man mochte das Haus eher für eine Mennonitenkirche, eine bedachte Reitbahn, als für ein Theater halten. Wennin diesen heiligen Hallen" einmal ein Sarastvo sein Zauberflötenlied vorzu­tragen hätte, dann würden wir uns nicht wundern, wenn er nicht bis zum tiefsten E, sondern bis zu einem musikalisch noch nicht erfundenen O sänge. Die Dimensionen sind ja nicht ganz unbedeutend, faßt doch das Theater-Auditorium unter Umständen 750 Menschen (bei den gewöhnlichen Vor­stellungen im vorigen Muter freilich kaum einige ^Dutzend), zeigen sich aber doch oft bei Theatervereinsvorstellungen als zu klein. Und das ist ein gutes Zeichen für das Inter­esse, das viele in Gießen an der Kunst im allgemeinen nehmen.

Am schwerwiegendsten sind ja wohl die Verhältnisse hinter den Kulissen". Diese müssen nach dem Gebrauche ausgerollt werden, ftatt daß sie, wie in anderen Theatern, glatt in die Höhe gezogen werden können. Durch das Rollen und das dabei unvermeidliche Zerknittern werden die Kulissen recht bald unansehnliche und unbrauchbar. Daß so ettvas Geld kostet, leuchtet ein. Die Summen, die dadurch aufgebroucht werden, könnten unter anderen Umstünden wesenllich bessere Verwendung finden.

Dazu kommt die Kleinheit der Bühne. Franz Moor, König Lear und andere wilde Theatermänner können hier wahrlich nicht nach voller Luft rasen, und auch nicht der allergeringste Tell von so was wie einer Kavallerie könnte über diese Bretter galoppieren. Die ganze Maschinerie ist höchst altertümlich und schwerfällig, und eine Reparation des Dekorationsbestandes wie der Maschineneinrichtungen im allen Hause wäre llägliches Stückwerk.

Man sagte einst von dem allen Wiener Bürgt Heater, daß esder schauerlichste und feuergefährlichste Kasten sei, mit dem inan jemals das zahlende Publikum bedrohte". Mas sollen wir Gießener dann von unserem Theater sagen! Sollen die jahrelangen, mehr oder minder, oder eigentlich nur mehr, berechtigten Klagen über unser Theater nicht endlich einmal zum Verstummen gebracht werden können durch ein neues Theater?!

Die Platzsrage unterliegt ja keinen Schwierigkeiten. Mr haben bekanntlich den sog. Schüler'schen Garten dazu zur Verfügung. Eine andere Frage ist die pekuniäre. Der Bau dieses Schauspiel- und Konzerthauses mit allem, ivas dazu gehört, soll er unserer aufblühenden llniversitäts- und Industriestadt würdig sein, wird selbstverständlich viel Geld kosten. Mit einer halben Million Mark frinn ettvas Hervorragendes nicht erreicht werden. Bei bem Neubau muß auch auf das stetig zunehmende Wachstum Gießens Rücksicht genomuten werden. Rehmen wir einmal an, 700800 000 Mark wäre die Summe, mit der als ettvas Feststehendem zu rechnen wäre.

Wer soll diese Summe aufdringcn? Die Stadt als solche wird ohne eine starke Belastung der Steuerzahler eure folche Summe nicht auf ihren Etat

DaS Zentrum in Hessen.

DieKöln. Volksztg." besaßt sich in einem längeren Artikel mit den hessischen Reich s tagsw ah len und kommt zu einem von ihrem Standpunkt aus recht pessimistischen Ende, nachdem das Zentrum auch das letzte hessische Man­dat, das zu Mainz, verloren hat. Von der Zukunft erwartet das führende rheinische Zeutrumsblatt nichts, wenn nicht die Katholiken srch in Mainz-Oppenheim aufraffen und au eigene Füße stellen. Jetzt steht es dort so, daß bei 50 000 Katholiken und ungefähr 30000 Protestanten nur mehr 2700 sichere Zentrumswähler vorhanden sindein er­schreckend schlechter Stand in der Bischossstadt eines von Kelleler", meint die£ Vztg.", sie fährt dann wörtlich fort:

Nr. 158

Erscheint täglich außer Sonntag».

Dem Gießener Anzeiger werden tm Wechsel mit dem »elfischen Landwirt die Gießener Kamillen» blätter viermal In der Woche betgelegt.

RotalionS druck tu Ver­lag der Brüh l'scheu Unioerj.-Buch- u. Stein- bvuiletti (Pietsch Erdens Redaktion. trpebttio* und Druckerei:

Gchnlpratze 7,

Adresse für Depeschen: Anzeiger Gieße«.

Fernsprechanschluß Rr. 6L

schlingen können, und wir haben die Gewißheit, so für oas Wohl Eurer Majestät und für dasjenige beider Länoer zu wirken. Ich trinke auf das Wohl Eurer ; ~ Königs, Ihrer Majestät der Königin, Ihrer KönigLuben Hohellen des Prinzen und der Prinzessin von Wales, oer

Präsident fandet in Koglaud.

London, 3. Juli.

Der Wortlaut des von König Eduard bei dem Fest­mahl im Buckingharnpalast auf Loubet ausgebrachten Trinkspruchs wird nunmehr veröffentlicht. Der König sagte:Seien Sie, Herr Präsident, willkommen. Die Königin und ich sind sehr glücklich, daß Sie uns Ihren Besuch haben abstatten können, da wir wohl die größten Schwierigkeiten kennen, die sich infolge Ihrer zahlreichen und bedeutenden Pflichten Ihrer Abreise aus Frankreich entgegenstellten. Ich hoffe, daß der Empfang, den Sie heute gefunden haben, Sie von der wahren Freundschaft, ich kann sagen von der Zuneigung überzeugt hat, die mein Land für das schöne Frankreich empfindet Ich für meinen Teil vergesse niemals den Empfang, der mir erst kürzlich dort berellet worden ist. Die Gefühle, welchen ich Ausdruck gebe, habe ich immer für Frankreich empfunden. Ich hege die Hoff­nung, daß nnjere beiden Länder stets zu einander die innigsten Beziehungen und tiefste Freund­schaft bewahrt werdeu Ich trüike auf das Wohl des Präsioenten der Republik, ich trinke auf seine Gesundheit aus dem Glase, das mir bei meinem Besuche im Hotel de Ville überreicht worden ist, und das ich sorgfältig aus­bewahre als Erinnerung an jenen glücklichen Anlaß."

Präsident Loubet er w id erte:Der mir von Eurer Majestät bereitete Empfang ist für mich von umso höherem Werte, als ich weiß, daß er an die französische Ration gerichtet ist. Der Besuch, den Eure Majestät in Paris ge­macht haben, wird die glücklichsten Ergebnisse haben; er hat dazu beigetragen, die Bande der Freundschaft zwischen beiden Nationen enger zu knüpfen. Der Besuch des Präsidenten in England und der Empfang, den er dort gefunden hat, werden diese Bande nur noch enger

werden genügen können. Man hat daran gedacht, daß zu diesem Zwecke anno 1907 eine Fe st halle von Staats­wegen werde errichtet werden müssen, deren Kosten sich vielleicht auf 2030 000 Mark belaufen würden. Dieses vom Staate aufzubringende Geld aber würde besser einem ständigen Gießener Schauspiel-und Konzerthause zufließen, das ja dem Universitätsfeste in ganz anderer Weise dienen könnte als eine Festhalle, und aus dem nicht nur die ganze akademische Welt Hessens, sondern ganz Oberhessen infolge der günstigen Gießener Bahnverbindungen dauernden geistigen Profit ziehen würde.

Die Notwendigkeit eines Theater- wie Saalbaues ist ja seit Jahren anerkannt, und es hieße Bäume in den Wald tragen, wollte man sie im einzelnen nachweisen. Erst die gestrige an sich freilich sehr würdevolle Aufführung der Haydnschen Jahreszellen in der Turnhalle und die dortigen aller Beschreibung spottenden Garderobenoerhältnisse haben ja das dringende Bedürfnis eines Saalbaues wieder außer­ordentlich nahe gelegt. Don unserem Theaterwesen aber erhoffen wir besonderes Aufblühen nach dem Abschluß des Vertrages mit dem neuen, in Künftterkreisen in gutem Rufe stehenden Direktor Steingötter und der von uns seit Jahren immer wieder und wieder angeregten, nun endlich zum Abschluß gekommenen Vereinigung mit Marburg und Bad Nauheim (auch in Dillenburg werden vielleicht alljährlich gegen Exttahonorar Vorstellungen stattfiuden).

Freilich, den erzieherischen Wert des Theaters und wir sprechen hier nicht nur von unserer Stadt verkennt der größere Tell des Publikums, dem das Theater ein Ort ist, an dem man sich ausschließlich vergnügt Der Ge­schmack des Publikums und sein Einfluß, der sich zum Tell in der Besuchsfteudigkell äußert, muß für die meisten Theaterleitungen maßgebend sein, ohne besondere Rücksicht darauß daß das Theater erzieherisch zu wllken die Auf­gabe und die Macht hat, und darauf, daß es sich bei der dramatischen Kunst nicht um einen Zeitvertreib für müßige Leute, nicht um Befriedigung der reinen Genußsucht handell, sondern daß das Theater ein Institut von eminenter Be­deutung für unser modernes gesellschaftliches Leben ist. Nicht mit Unrecht wird das Theater der Spiegel der Zell genannt

Sin gekündigt« Kandelsvertrag.

Man schreibt uns aus Berlin, 7. Juli:

Es ist bekanntermaßen der Zweck von Hande iS Ver­trag en, durch zollpolllische Abmachungen den Waren­austausch zu erleichtern und danllt zu erweitern. Doch nicht immer erfüllen sich die an ein solches Abkommen geknüpften Erwartungen. Ein Beispiel hierfür bieten Frankreich und Brasilien. In dem vor kurzem be­kannt gegebenen Budgetentwurs für 1904 teilt der ftan- zösische Finanzminister Rouvier mit, daß das vor drei Jahren mit Brasilien geschlossene Handelsabkommen fran- Mischerseits zum Januar 1904 gekündigt worden sei, well die auf brasilianischen Kaffee gewährte Zollvergünstigung und die als Gegenleistung bewilligte Zollermäßigung auf ftanzösische Produkte den Export Frankreichs nach Brasllieu nicht nur nicht gehoben habe, sondern einen Rückgang dieses Exports um fast 50 Prozent nicht einmal habe hindern können. Die alleinige positive Wirkung des Zollnachlasses sei ein Einuahmeausfall für die französische Staatskasse von jährllch 17 Millionen Franks gewesen^ den andauern Lu lassen kein Grund vorliege, weshalb sich die Kündigung des Handelsabkommens empfehle. Der Rückgang her fran- zösllcheu Einfuhr nach Brasllieu ist selbstverständlich nicht heiweigeführt durch die Zollvergünstigung. Es haben zu dieser Entwicklung offenbar verschiedene Umstände beige* tragen, wie die allgemeine wlltschafttiche Depression der letzten Jahre, die verminderte Aufnahmefähigkeit Brasiliens, wohl auch geringere Güte der ftanzösischen Fabrikate gegen­über denen der anderen Einfuhrländer. Die letztere Ntög- lichkell ist sogar wesenllich und beachtenswert, denn sie ließe wiederum erkennen, daß Handelsverträge die wirtschaftliche Bewegung eines Landes nur dann günstig beeinflussen^ wenn dessen industrielles, gewerbliches und kaufmännisches Können auf der Höhe steht, was bei Frankreich nicht durch­weg der Fall sein mag. Das erkennt wohl auch Herr Rouvier, ein erfahrener Volkswirt, der als Minister der Finanzen das begreifliche Bestteben hat, bei solcher Sachlage wenigstens die Staatskasse vor Schaden zu bewahren.

ganzen königlichen Familie und der englischen Nation." Der König sagte hierauf zum Präsidenten:Ich danke Ihnen aufs wärmste für Ihre gütigen Worte."

Präsident Loubet ist vormittags von London nach Windsor abgefahren. Nach dem Frühstück im Schlosse Windsor begab sich Loubet nach dem Lönigl. Mausoleum in Fragmore, um am Grabe der Königin Vittovi-a einen Kranz niederzulegen.

Loubet wohnte in Gegenwart des Königspaares, des Prinzen von Wales, des Herzogs von Connaught, des Feld­marschalls Roberts und eines glänKendes Stabes von Offi­zieren der Besichtigung von 16 000 Mann Truppen aller Waffen bei. Die Infanterie zog im Schritt vorbei, die Artillerie und Kavallerie im Galopp. Die Musikkapellen spielten die englische Nationalhymne und die Marseillaise. Tie Truppenschau hatte eine große Me^ischenmenge an- gezogen, die den hohen Herrschaften einen glänzenden Emp- fang bereitete. Das Wetter war ausgezeichnet.

Gießen, 9. Juli 1903.

Gießen muß ein eigenes Theater haben." Diese Tatsache wurde bereits vor zwei Jahren in einer Bersamnrlung des Theatervereins einsttmmig anerkannt. Heute haben wir be- rells die Mitte des Jahres 1903 überschritten, und nichts ist inzwischen geschehen, was diese Einsicht der Realisierung näher gebracht hat Den gestergerten Anforderungen an ein zeitgemäßes Theater entspricht der sog. Leibsche Fest­saal wahrhaftig nicht Die Vergrößermrg der Stadt, die Zunahme der Frequenz unserer llniversität, der wachsende Fremdenverkehr, den ja ein Sonderverein Gießens nach besten Kräften zu fördern als Zweck seiner Existenz be­zeichnet, das lebhafte Interesse, das immer weitere Kreise für die Bühne bewegt, sodann das 1907 zu feiernde Uui- versitätsjubelfest, das großer Räumlichketten unbedingt be­darf, das alles sind Gesichtspunkte, die den Beschluß der am Dienstag abgehaltenen Generalversammlung des Theatervereius, der Frage der Errichtung eines Theater- und Saalgebäudes näherzutreten, vollauf rechtfertigen. Man vertrat in jener Berjarmnlung die Ansicht, daß es sich em­pfiehlt, einen Bau zu errieten, der einen Theater- und einen Konzertsaal in sich vereinigt bei möglichst gemeinsamen Nebenräumlichketten, als da sind Garderoben, Foyer re. re. Die zahlreichen Künstler- und großen Vereins- kouzerte, die Kommerse, Stiftungsfeste re. verlangen an.- erkanntermaßen Lokalitäten, die wir hier in Gießen schlech­terdings nicht besitzen. Das Iub iläums fe st her Uni* versität vollends beansprucht RÄumlichketteu, von denen die vorhandenen nicht im entferntesten den Ansprüchen

Matt. ISS. Jahrgang Donnerstag 9. Juli 1903

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Gießener Anzeiger

° General-Anzeiger

Früher ging von Mainz die katholische Bewegung aus, und heute ist es dahin gekommen, daß wohl in keinem Wahlkreis von der Bedeutung des Mainzer Kreises ein Rückgang des Zentrums zu verzeichnen ist wie hier. Wenn auch die großen Mainzer v. Ketteler und Moufang nicht mehr sind, so müssen doch besondere Umstände obwalten, die einen solchen einzig dastehenden Rückgang verschuldet haben. Welches sind dieselben?

Zunächst ist die Organisation des Vereinslebens nicht genügend; sodann fehtt das Beispiel: die einflußreichen Katholiken betelligeu sich zu wenig am polttischen Leben. Wenn nichts geschieht, so werden schließlich nur noch der kleine Wrgerstand, die katholischen Männervereiue und christlichen Arb etter vereine das Zentrum Hochhalten. Selbst die Sohne hervorragender Katholiken, die jur Kultur- kampfszett offen zur Fahne gestanden haben, fehlen in der kacholischen Bewegung der Gegenwart Selbst die ka­tholischen Stadträte kümmern sich außer bei den Wahlen wenig um die Sache und halten keine Fühlung mit bem Volke: wie soll man da erwarten, daß sich das Volk mit der nötigen Begeisterung für ihre Stadtratssitze inter­essierte! Bei der letzten Reichstagswahl mußte gar einer ans Wahlen erinnert werden! So ist die Zahl der katholi- Ben Stadträte (Zentrum) gewiß nicht ohne eigenes Ver- ulden auf fünf gesunken, während die Partei noch vor zwei Dezennien die Mehrhett im Stadttat besaß. Heber* all ein Rückgang der Zentrumspartei, an Vertretern und natürlich auch an Einfluß.

Nach der Wahl ist jetzt hier wieder über allen Wipfeln Ruhe! Man fügt sich ins Unabänderliche, freut sich, wenn man im ganzen einige hundert Stimmen mehr bekommen hat und schiebt alle Schuld den Liberalen zu, die nicht geholfen haben. Man sollte doch wissen, daß auf fremde Hilfe kein Verlaß ist und man um so weniger auf sie rechnen kann, .je weniger Stimmen man selbst in die Wagschale wirft Wie anderwärts, jo dürfte besonders hier die polttische Arbett nie stille stehen. Man a nicht erst vierzehn Tage vorher mit der Wahlagitation _ nnen, sich nicht mit einigen Hauptversammlungen und wenigen kleineren in dem Männerverein begnügen, son­dern in allen Stadtbezirken muß ständig und ruhig im kleinen gearbeitet werden."

Der Artikel schließt mit einem sehr lebhaften Appell an die Katholiken Hessens zu einemenergischen Aufrasfen aller Kreise".

Gießens zukünftige Theaterverhältuiffe.