Ausgabe 
9.5.1903 Zweites Blatt
 
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Deutsches Reich.

Berlin, 8. Mai. Der Kaiser hat gestern wahrend der Eisenbahn fcchrt die Vorträge des Chefs des MMtärkabinetts tmb des stellvertretenden Chefs des ZivillaLinettS entgegen- geuovnnen.

Die Kaiserin traf mit dem Kronprinzen nnd oem Prinzen Eitel Friedrich beute nachmittag in Potsdam ein und begab sich nach oem Kabinettshause.

Auf einen Wunsch des Kaisers hat der Pavst /kardinal Kopp beauftragt, ihn bei der Ein weih un g oer neuen Fassade der Metzer Kathedrale offiziell zu ver­treten.

Reichskanzler Graf Bülow traf heute abend wieder in Berlin ein.

DieNordd. Mlg. Ztg." meldet: In den nächsten Lagen wird auf Veranlassung des Reichsjustizamts der Ent­wurf eines Gesetzes über den Bersicherungsvert rag nebst Begründung veröffentlicht. Der Gesetzentwurf ist be­reits den Bundesregierungen zur Prüfung zugegangen. Bevor derselbe in seiner jetzigen Gestalt festgestellt wurde, fand eine gutachtliche Beratung mit Sachverständigen statt, an der außer Vertretern von öffentlichen und privaten Ver­sicherungsanstalten auch Sachkundige aus der Mitte der Versicherten, namentlich Vertreter von Handel, Industrie, Landwirtschaft und Hausbesitzer teilgenommen haben. Die bevorstehende Bekanntmachung bezweckt, allen beteiligten Kreisen Gelegenheit zur Prüfung der in Aussicht genom­menen Vorschriften zu geben und die öffentliche Kritik für die wichtige gesetzgeberische Arbeit zu verwerten.

Nach den ,^9. N. N." hat das Reichspostamt infolge günstiger Versuche beschlossen, das Pollaksche Schnell- Telegraphen-System im brieflichen Postbetrieb auf der Strecke Berlin-Frankfurt a M. demnächst ein­zuführen.

Hamburg, 8. Mai. 27 Delegierte des Zentralaus­schusses hamburgischer Bürgervereine beschlossen die Gründ­ung eines Komitees zur Errichtung eines Kaiser Fried­rich-Denkmals in Hamburg.

Schwerin i. 50L, 8. Mai. Die Jubelfeier der 100 iährigen Wie de rzu g e h orig ke i t Wismars zu Mecklenburg findet am 19. August, dem Tage der lieber gäbe, unter großen Festlichkeiten statt. Unter anderem wird ein Festzug in alten historischen Kostümen veranstaltet.

Wahl-Bewegung.

Fc. KreiSrat Dr. Wallau-Lauterbach lehnte die ihm angetragene Reichstagskandidatur für den dritten oberhessischen Wahlkreis Alsfeld-Lauterbach-Schotten end- giltig ab.

-Ausland.

London, 8. Mai. Das Kanalgeschwader erhielt Befehl, an der großen Flottenparad e vor dem König in Spithead im Monat Juli teilzunehmen. Ein italie­nisches, ein j apanisches und vielleicht auch ein fran - zöf isches Geschwader werden erwartet. Das Datum der Flottenparade fällt mit dem Besuch des Königs von Italien zusammen, der zwischen dem L und 16. Juli erwartet wird. König Viktor Emanuel wird von einem großen Geschwader auf seiner Reise nach England begleitet werden.

Paris, 8. Mai. Es heißt, daß Präsident Lonbet seine Reise nach London für die zweite Hälfte des Monats Juni und die nach Rom für Anfang Juli be­schlossen habe. Angeblich steht bereits fest, daß Loubet den Papst nicht besuchen werde.

Angesichts der kcttischen Lage in Marokko hat Delcassö im letzten Ministerrate die Frage der Entsendung eines französischen Geschwaders nach den marokka­nischen Gewässern aufgeworfen. Dieselbe wurde beschlossen und dürfte bei erster Gelegenheit verfügt werden.

Rom, 8. Mai. Das demokratische BlattCa­faro" bringt eine überaus sympathische Studie über den Kaiser, der mit Ausnahme Napoleons L unter den modernen Monarchen seine Aufgabe am eifrigsten aufsasse. Wilhelm bertrete die Nation, der Italien Dank schulde, denn es vergesse nicht, daß ohne Königgrätz Venedig und die Städte zwischen dem Mincio und Jsonzv noch nicht frei wären. Der Arttkel schließt mit einem Hymnus auf das junge Deutschland als Pionier des Fortschritts in der Wissen­schaft, Kunst und Philosophie.

Heute empfing der Papst etwa 600 deutsche Pilger. Vorher hatte er in Privataudienz die Deputation der Zentrumsfrakttonen empfangen. Dem Abg. Dr. Porsch erklärte der Papst unter großen Lob sprächen auf das Zentrum, dasselbe sei eine starke Stütze der ganzen katholischen Welt. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß das Zentrum aus den Reichstagswahlen, einig, gestärkt und vermehrt hervorgehen werde.

Wien, 8. Mai. Der Zollausschuß nahm die Ge­treidezölle unter Zurückstellung der Positionen Ger ste und Mais unverändert nach der Regierungsvorlage an, sowie einen Antrag aus zollfreien Bezug besttmmter Mengen Mais für Bukowiner. Der Ausgleichsausschuß nahm unverändert den Artikel 7 des Zoll- und Handelsbünd­nisses an, während er die Art. 8 und 9 bett, das Eisen­bahnwesen zurück stellte.

Budapest, 8. Mai. Gestern abend durchzogen in Agram zahlreiche Demonstranten die Sttaßeu unter dem Rus:T o d d e n M a g i a r e u!" Polizei und Gendarmerie säuberten die Straßen; 22 Personen wurden verhaftet, mehrere zum Tell schtvcr verletzt.

Als in der kroatischen Ortschaft Oxlovac das Stand­recht verkündet wurde, wandten sich die von fremden Agi­tatoren aufgewiegelten Einwohner gegen das Militär, das von der Waffe Gebrauch machte. Sieben Personen wurden schwer verwundet, eine getötet. Aus der Menge feuerten mehrere auf das Militär, wobei ein Offizier verwundet wurde.

Washington, 8. Mai. Beim Staatsdepartement sind heute amtlidje Nachrichten eingegangen, welche die Meldung oon einer Verstärkung der russischen Garnison in der Chinesensiadt Niu l schwan g bestätigen. Dem Ver­nehmen nach ersuchte Staatssettetär Hai) Roosevelt um die Genehmigung zu einer gemeinschaftlichen Aktion der Unionstaaten mit England undJapan gegen das russische Vorgehen in Niutschwang.

Die Vertreter Deutschlands, Englands und Italiens unterzeichneten heute mit Bowen als Vertreter Venezuelas Eiuzeiabkommen über die zur Fest­stellung der beutfdjcii. englischen und iralünischen Rekla- mationen berufenen gemischten Kommißionen. einseitig

wurden oon den Vertretern Einzelabkommen geschlossen, nach denen die Frage der berechtigten ober gesonderten Se S'ebiguiig der Reklamationen aus den von Venezuela zur rfügung gestellten Zollernkünften durch das Haager Schiedsgericht entschieden werden soll.

Newyork, 8. Mai. Es hat sich ein amerikanischer Flottenverein nach dem Muster der englischen und deutschen gebildet zum Zweck einer Flottenvermehr­ung und der Schaffung von Seereserven.

Aus Stadt und Land.

Gießen, am 9. Mai 1903.

LU. LandeSuniversilät. Bis Freitag, den 8. Mai, haben sich neu eingeschrieben 264 Studierende, darunter 21 Theologen, 39 Juristen, 86 Mediziner, 23 Veterinär­mediziner, 146 Angehörige der philosophischen Fakultät. Die zwecke Immatrikulation hat heute mittag stattgefunden, die dritte (letzte) ist auf den 16. Mai angesetzt.

* * Handelskammersyndikus Schloßmacher hat soeben, wie mir hören, die ihm angettagene Reichstags­kandidatur für den Wahlkreis Gießen-Grünberg-Nidda ablehnen muffen, da die Offenbacher Handelskammer ihm die Annahme eines Reichstagsmandats versagt hat. Es schweben jetzt anderweitige Verhandlungen, die in den nächsten Tagen zum Abschluß kommen werden.

* Die Kommissäre für die ReichStagSwahl. Zur Leitung der am 16. Juni stattsindenden Wahlen der Abgeordneten zum Deutschen Reichstage sind folgende Wahl- fommiffäre bestellt worden: für den ersten Wahlkreis (Gießen-Grünberg-Nidda): Provinzialdirektor Dr. Breideyt; für den zweiten Wahlkreis (Friedberg-Vilbel- Büdingen) : KreiSrat Fey in Friedberg; für den dritten Wahl­kreis (Alsfeld-Lauterbach-Schotten): Kreisrat, Geh. Regier- ungSrat Schönfeld in Schotten; für den eierten Wahlkreis (Darmstadt-Groß-Gerau) :^Prooinzialdirektor Frhr. v. Senar- clens-Grancy in Darmstadt; für den fünften Wahlkreis (Offen­bach-Dieburg): Kreisrat von Hombergk zu Vach in Offen­bach; für den sechsten Wahlkreis (Bensheim-Erbach): Kreis­rat Geh. Regierungsrat Gros in Bensheim; für den siebenten Wahlkreis (Heppenheim-Worms-Wimpfen): Kreisrat Dr. Kayser in Worms; für den achten Wahlkreis (Bingen-Alzey): Kreisrat, Geh. Regierungsrat Spamer in Bingen; für den neunten Wahlkreis (Mainz-Oppenheim): Provinzialdirektor, Geheimrat Freih. v. (Sagem zu Mainz.

* Von der Meister-Prüfungskommission. An die Stelle des ausgeschiedenen Beisitzers auS dem Schloffer- gewerbe, Schloffermeisters Christian Noll zu Gießen, trat Schloffermeister Karl Krailing zu Gießen.

# * Eisenba hnv erkehr in Gießen. Welchen Umfang der Eisenbahnverkehr in Gießen in den letzten Jahren an­genommen hat, geht daraus hervor, daß hier mit Einschluß der Biebertalbahn täglich 84 Personenzüge ein-, 86 auS- laufen. Die meisten Züge, 44 bezw. 42, werden auf der Main-Weserbahn abgefertigt. Auf der Sttecke GießenKöln laufen 9 Züge ein, 10 fahren auS, auf der Linie Gießen Coblenz die gleiche Anzahl, auf der Strecke GießenGeln­hausen fahren 6 Züge ein und 7 aus, auf der Strecke GießenFulda kommen an 6 Züge und fahren ab 7 Züge. Die übrigen Züge verkehren auf der Biebertalbahn.

'* Einführung deS Grabgeläutes. Mck der neuen Friedhofsordnung, resp. mit der bevorstehenden Er­öffnung des Friedhofes am Rodberg, werden wir in Gießen wieder ein Grabgeläute bekommen, wie man dies anderswo auch kennt, und das auch die Feierlichkeck einer Beerdigung wirkungsvoll erhöht. Welche Umstände die Veranlaffung waren, daß man seit ca. 40 Jahren das Trauergeläute bei Beerdigung nicht mehr hätte, konnten wir nicht erfahren. Es lag wohl daran, daß der Turm hinter der Stadtkirche im Besitz der politischen Gemeinde ist. Nach dem Erstehen der Johanneskirche, also vor ca. 10 Jahren, war es die Absicht des evangelischen Kirchenvorstandes, durch die wunder­bar tönenden Glocken der Johanneskirche das Trauergelaute wieder einzuführen, jedoch sprechen gewichtige Gründe da­gegen und so unterblieb die Wiederbelebung der sehr schönen Sitte, welche nunmehr die polckische Gemeinde unserer Stadt vom Turm der Friedhofskapelle aus wieder einfühtt. Uebttgens kennt man in Gießen auch nicht die Sitte, bei der Vollstreck­ung der Todesutteile die Armesünderglocke zu läuten, wie wir Gelegenheck hatten, bei den beiden Hinrichtungen der letzten Jahre zu beobachten. Früher soll die Glocke der Fried- hofSkapelle am Nahrungsberg diesem Zweck gedient haben.

ud. Hessisch-Thüringische Staatslotterie. Bei der heutigen Ziehung -der 1. Klaffe fielen 1000 Mk. auf Nr. 67446, 400 Mk. auf Nr. 24121 36832 88187, 300 Mk. auf Nr. 9964 41293 86622. Ohne Gewähr.

** Besitzwechsel. Bauunternehmer Winn hat das Grundstück, auf dem das Reibersche Möbelgeschäft be­trieben wird, zum Preise von 98 000 Mk. käuflich erworben. Das Geschäft wckd vorerst in der alten Weise weitergefühtt.

Wegen Veruntreuungen soll, wie wir hären, der Verwalter I. hier verhaftet worden sein. Er befindet fich zur Zeit, wie es heißt, in ärztlicher Behandlung.

** Anlagemusik. Morgen Sonntag um 12 Uhr ist Promenanekonzett in der Südanlage mit folgendem Pro­gramm: 1. Ouvertüre zur OperNorma* von Bellini. 2. Alice Roosevelt! Gavotte von Schneider. 3. Valeo bleue oon Margis. 4. Fantasie über Koschats »Verlassen * von Reindel.

Konzert. Sonntag Nachmittag spielt unsere Regi- mentSmusik zur Eröffnung der Sommer-Saison im neuen Saalban (fr. Steins Gatten). Vor unbeständigem Wetter ist das Publikum durch den geräumigen Saal geschützt.

(Babelsberger Stenographenverein. Am Donnerstag abend hielt der (Babelsberger Stenographenverein in dem Vereinslokale, Cafo Ebel, seine diesjährige Haupt­versammlung ab. Der Kassebericht deS Rechners und ber Jahresbericht für das abgelaufene Vereinsjahr zeigten ein erfreuliches Bild reger Tätigkeit, insbesondere auch auf dem ©ebiete deS Unterrichts, der trotz der Schwierigkeiten, die in­folge der durch den Berliner Stenographentag im vorigen 3nbre beschlossenen Aendcrungen der alten Schreibweisen sich anfangs in den Weg zu stellen schienen, recht fleißig besucht wurde, -ter Vorstand konnte, mit Ausnahme des auf sein Nachsuchen ausscheidenden zweiten SchttftführerS, wieder ge­wählt werben^ Von den übrigen zur Verhandlung gekommenen Punkten der Tagesordnung wollen wir nach dem überaus anregenden Vortrag des zweiten Vorsitzenden über die ver- id)ic den en A i" trage, betreffend die Einführung von Prüfungen tur praltyche und Gelchaftsstenographen erwähnen, die m be« stimmten Zwischenräumen von besonders für diesen Zweck zu

ernennenden Prüfungskommissionen abzuhalten sind. Die Versammlung konnte von dem Vorsitzenden mck fester Zu­versicht für die Zukunft geschloffen werden.

** AuS dem Theaterbureau geht unS noch folgende aufmerffame und aufmerksam machende Mitteilung zu: Aus die heutige volkstümliche Vorstellung »Der Vogelhändler* zu ganz billigen Preisen wollen wir nochmals Hinweisen. In der morgigen Abschiedsvorstellung »Die tolle Nacht* hat neben Herrn Siegfried Bruck auch Herr Oskar Ganzert eine großartige Rolle, und zwar die der Madame Meyer; in dem Polizeiwachtstubenbckd hat er Gelegenheit, ordentlich auf die Zwerchfelle zu mitten. Um dem Publikum die Heber» raschung nicht zu nehmen, können wir von dem Stück nichts mehr derraten, besonders nichts von dem 3. Bild, baS in Berliner Chambres aeparees spielt unb komische Effekte sonber- gleichen aufzuweisen hat. Im letzten Akte hat Herr Bruck noch bie oerschiebensten Tänze arrangiert, wobei Fräulein Stöger unb Frl. Bartl mck prachtvollen Kostümen glänzen werben.

** Zu ber Stadtverorbnetensitzung vom 7. Mai ist nachzutragen, baß ein Erbbegräbnisplatz in bevorzugter Lage an ber Mauer 200 Mk. kostet. Für alle übngen Erb­begräbnisse ist ber Preis eines Platzes 100 Mk. Der An­trag Haubach, bie Steuergrenze, biS zu welcher Reihen­gräber umsonst abgegeben werben sollen, von 1600 Mk. auf 900 Mk. herabzufetzen, würbe von bem Antragsteller mck dem Beispiel begrünbet, baß Mitglieder einer Sterbekasse bei ihrem Tode den erheblichen Betrag von der Kaffe mecker vererben würden, ohne daß von diesem Bettag bas Grab bezahtt werben müsse. Herr Haubach schlug beshalb bte Grünbung einer stäbttschrn Sterbekaffe vor, bamit bie Versicherten burch Zahlung nur kleiner Beiträge in ber Lage fein könnten, bei emtretenbem Tobesfall bie nicht unerheblichen Kosten zu becken.

Offenbach, 8. Mai. Zum Direktor des Gym« nasiums ist, nachbem bie Trennung zwischen Gymnasium unb Oberrealschule ftattgefunben hat, ber bisherige Direktor deS Gymnasiums unb der Oberrealschule Dr. Wilhelm H en- s e l l ernannt worben.

Dieburg, 7. Mai. Wie bie »Statt. Nachr.* mittecken, ist Herrn Bürgermeister Krausmann auf Anfrage vom General- kommando des XVIII. Armeekorps mitgeteiü worden, daß an dieser Stelle von der Erttchtung eines Jägerbataillons nichts bekannt ist.

Fc. Mainz, 8. Mai. Der ehemalige Kassierer bet Mainzer Volksbank Herrmann geftanb ein, wo er bie noch fehlenben 20000 Mk. versteckt hat.

sd. Mainz, 8. Mai. Der Maurerstreik hätt jetzt schon vierzehn Tage an, und noch ist keine Hoffnung vor­handen, daß die Streikenden zur Arbeit zurückkehren werden. Von den auswärtigen Zentralarbeitsoerbänden fließen den Streikenden viele Unterstützungen zu, so daß vorläufig an ein Nachgeben von dieser Secke nicht zu denken ist. Sämtliche Baugewerbe werden durch diesen Maurerstteik in unangenehme Mitleidenschaft gezogen unb liegen zum größten Teil fast ganz lahm. BesonberS bie Zimmerleute unb bie Tüncher müssen notgedrungen feiern. Von den hier auSgespertten Maurern haben zitta 300 Mann in Wiesbaden unb Frank­furt Arbeit gesucht, bie meisten sind aber unverrichteter Sache wieder hierher zurückgekehrt. In einer der belebtesten Straßen von hier, auf dergroßen Bleiche", wurde gestern zur Hellen Mittagszeit in einem Hause, in welchem sich ein frequentes Bierrestaurant unb mehrere belebte Geschäfte be­finden, von der Straße aus ein Einbruch verübt und em Kaffenschrank auSgeplündett. Während sich die Geschäftsinhaber zu bem Mittagessen begeben hatten, schloffen bie Einbrecher vor den Augen eines Mllckärposten von ber Straße auS mittelst Nachschlüssels die Komptoittür auf, räumten den Kassenschrank aus und entfernten sich unbemerkt auf dem- selben Wege, nachdem sie vorher die Komptoittür wieder forgfältig verschlossen hatten. Die Polizei hat alSbalb er­mittelt, wer den Einbruch verübt, dagegen ist eS ihr noch nicht gelungen, die Einbrecher, die sich nach dem begangenen Diebstahl zunächst vollständig mck neuen Kleidern equipiert hatten, festzunehmen.

Mainz, 8, Mai. Ein Besuch deS Kaisers ist für den 10. Juni in Aussicht genommen. An diesem Tage fin­det auf dem großen Sande daselbst in Gegenwart des Großh erzogS eine T ruppenschau statt, welcher auch der Kaiser, von Wiesbaden kommend, beizuwohnen gedenkt.

Frankfurt, 8. Mai. Die Stadt Frankfutt hat der hiesigen Firma Eckstein, welche seither baS Plakatwesen gepa chtet hatte, ben Vertrag gefünbigt unb mit einer an­deren Firma Abschluß gemacht. Eckstein glaubte, er brauche sich das nicht gefallen zu kaffen und prozeffiette. DaS Ge­richt gab der Stadt Recht und ettlätte das Urteil für voll­streckbar gegen die übliche Kaution. Die Stadt hinterlegte diese Kaution in Frankfutter Obligationen unb bie Firma Eckstein hat nunmehr bieseS Depot als unzuläffig bezeichnet Ihr finb offenbar bie Frankfurter Obligationen nicht sicher genug. Tie kaiserlichen Prinzen mit Gefolge, ber Reichskanzler unb anbere hohen Herrschaften trafen heute auf der Rückreise von Rom mck verschiedenen Zügen hier am Hauptbahnhof ein. Es erfolgte hier ein längerer Aufenthalt, weil die Herrschaften wünschten, daß em Speise­wagen in den von hier auS nach Berlin gemeinschaftlichen Sonderzug eingeschoben würde. Auffehen erregten die Hünengestalten deS Gefolges, fast lauterZwei-Meter-Männer", bie auf bem Perron promenierten. Von ben Herrschaften selbst äh man nichts, sie verließen ben Zug nicht.

Frankfurt a. M., 8. Mai. Die alte Reichs- unb KrönungSslabt rüstet sich zum fesülchen Empfang beS Kaisers. Mit Riesenkräften wird besonbers an ber äußeren Fettig- tellung des RathauS-KomplexeS gearbedet. Die Bauten sind vollständig von Gerüsten befreit; recht interessant präsentiert Uch der figürliche Schmuck der Faffaden. Gegenwärtig wirb bie Bethmannstraße höhergelegt, mit Schienensträngen versehen unb in Slanb gesetzt; gänzlich fertrggeslellt ist ber bie norb- weslliche Seite beS Bauwerks flankierende »lange Franzi, eine getteuliche Nachahmung be5 ehemaligen Sachsenhäuser Brücken- turmey. Auch an bem Festbau für den Gesang-Wettstreck und seinen Anlagen wird ftramm gearbeitet, desgleichen wird bie Kaiserstraße asphaltiert. Eine mtenfioe Tätigkeit herrscht auch in ben Frankfurter Gesangvereinen, bie in verschiebenen großen Lokalitäten, wie Stabthalle, Turnsälen re., fleißig