Ausgabe 
9.5.1903 Erstes Blatt
 
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hin: der Familie Humbert statt. Tic Voruntersuchung gilt sonach als abgeschlossen und die Hauptv er Handlung dürfte demnächst beginnen.

* Paris, 8. Mai, In der letzten Nacht wurde auf einen Expreßzug zwischen Orleans und Etambes ein Attentat verübt. In der Nähe von Larby wurden große Steinblöcke Quer über die Schienen gelegt. Tie Lokomotive und einige Wagen entgleisten, m.hr.re R.is.nde wurden ver­letzt. Die Urheber des Attentats sind noch nicht bekannt.

* Wien, 8. Mai. Tie seit mehreren Tagen in der hiesigen technischen Hochschule zwischen Deutsch-Natio­nalen und klerikalen Studenten stattgehabten Schlägereien haben heute vormittag größere Di­mensionen angenommen, sodaß in der Aula, wohin sich die Schlägereien fortsetzten, ein starkes Wacht-Aufgebot ein- schreiten mußte und zahlreiche Verhaftunoen vorgenom­men wurden. Laut Bekanntmachung des Rektors wurden die Vorlesungen und Hebungen an der technischen Hoch­schule bis auf weiteres sistiert.

* Petersburg, 8. Mai. Ter Schnellzug Wir- öallen-Petersburg ist nach Mitternacht zwischen Laga und Gatschina entgleist. Tie Ursache ist eine Ver­legung des Gleises durch Schwellen. Ter Lokomottvführer, beide Maschinisten und ein Passagier namens Turner sind leicht verle tzt, und in ein hiesiges Hospital gebracht worden. Tie Gleise sind gesverrt.

* Das jüngste sächsische Prinzeßchen. Wie derMünch. Ztg." aus Salzburg gemeldet wird, verlautet am dortigen Oberhofmeisteramt, daß das Befinden der neu­geborenen Prinzessin noch immer besorgniser­regend sei, da das Kind sehr schwächlich ist und nur sehr wenig Nahrung zu sich nimmt. Wegen des schwächlichen Zustandes des Kindes sei die Taufe noch am Tage der Geburt vorgenommen worden.

* Die Amtsenthebung des ersten Bürger­meisters von Eisenach, Dr. v. Fews'on, hat, wie schon gemeldet, der Eisenacher Gemeinderat beim Ministe­rium zu beantragen beschlossen Zunächst wurde, als man zur Erledigung dieser Angelegenheit schritt, eine geheime Sitzung des Gemeinderates anberaumt. Als nach einiger Zett die Oeffentliehkeit wieder hergestellt worden war, setzte der Vorsitzende, Gech Justtzrat Tr. Wernick, den Gemeinde­rat davon in Kenntnis^ daß fettens des Gnoßh Staats­ministeriums die einstweilige Amtsenthebung des ersten Bürgermeisters verfügt worden ist, bis das gegen ihn erkannte gerichtliche Urteil Rechtskraft erlangt hat. Tes wetteren gab er bekannt, daß auch der Finanz­ausschuß des Gemeinderats sich mit dieser Sache besaßt habe, und den Standpunkt einnehme, daß es gleichgtttig sei, ob v. Fewson später freigesprochen werde ober nicht. Habe er sich doch, wie aus dem Prozesse zu ersehen sei, so grobe Pflichtverletzungen zu schulden kommen lassen, wie 1. die laxe Behandlung der Polizeisachen, und 2. die Ausstellung eines äußerst günstigen Zeugnisses für den wegen Wurstdiebstahls bestraften Polizeiwachtmeister Rich? ter, daß diese Tatsachen vollauf genügen, das Ministerium zu ersucheii, Tr. v. Fewson seines Amtes als 1. Bürger­meisters der Stadt Eisenach zu entsetzen. Nach unwesent­licher Debatte wurde dieser Antrag fast einsttmmig ange­nommen. Bemerkenswert ist es, daß Tr. Wernick dein L Bürgermeister von dem Beschlüsse des Finanzausschusses schriftlich, Mitteilung machte, um diesen zu veranlassen, einem ungünstigen Gemeinderatsvotum durch den frei­willigen Rücktritt von seinem Posten zuvorzukommem Doch hat Tr. v. Fewson diesen 6d)ontt nicht getan, sondern er­klärt, daß er die Entscheidung dem Gemeinderat an­heimgebe.

Heitere Nachklänge zu den römischenKaiser- tagen. Daß die deutsche Sprache eine schwere Sprache ist und besonders schwer für die Romanen, dürfte allgemein be­kannt sein. Allerlei Mißgeschick ist mit den hatten nordischen Worten vor und nach der abfälligen Kritik durch Riccaut de la Marlinißre in Lessings .Minna von Barnhelm" schon Hundetttausenden widerfahren. Man denke nur an den be­rühmten .General Stab" der Franzosen. Jetzt kamen die Italiener an die Reihe, denen in ihrer ehrlichen Begeisterung gelegentlich der Festlichkeit zu Ehren Kaiser Wilhelms in Rom auch manche spaßhafte Fehler beim Uebertragcn deutscher Worte und Begriffe untergelaufen sind. Der Münchener Allg. Ztg. wird hierüber geschtteben: Der Gesandte beim Vatikan v. Rotenhan hatte ganz unbekannte Herren zu dem Kaiserfrühstück eingeladen. Das Giornale d'Jtalia nennt wenigstens unter den Anwesenden auf dem Ehrenplatz neben

Disziplin in Deutschland die Chemie zu einer lebendenNatur- wissenscl)aft umzuwandeln. Dadurch übernahm Deutsch­land die Leitung dieser Wissenschaft auf lange Jahre hinaus.

Durch A. v. Humboldts Vermittelung erhielt I. v. Liebig 1824 die Professur der Chemie in Gießen. Acht­zehn Jahre hat Liebig an unserer Landesuniversttät gewirkt mid hier hat er jene außerordentliche Tätigkeit entwickelt, aus der für die Wissenschaft und für das Wohl der Mensch­heit so große Erfolge hervorgehen sollten.

Hier in Gießen war damals gerade die außerordent­liche Professur für Chemie frei geworden. Alexander von Humboldt und Schleiermacher verstanden es durchzusetzen, daß das Doktordiplom der bayr. Universität Erlangen in Hessen anerkannt wurde, und nach einem Examen Dor der philosophischen Fakultät verzichtete man auch auf den Nach­weis des bestandenen Abiturientcnexamend. So ward Liebig außerordentlicher Professor und 18 Monate später wurde er zum Ordinarius ernannt Me Professoren der Gießener Universität befürworteten seine Ernennung, nur der Professor des Hebräisck>en versagte seine Zustimmung.

Nachdem Liebig auf dem Seltersberg (jefrt Liebig- straße), neben der alten Klinik, die vordem Kaserne unseres Regiments, vor seiner Uebersiedclung nach Osfenbach ge­wesen war, in vier nackten Wänden sein heute noch allen Gießenern wohlbekanntes Laboratorium eröffnet hatte, strömten bald von allen Seiten gelehttge Schüler herbei, um seinen Worten zu lauschcii und die Kunst des Analysierens von ihm zu erlernen. Tie Kurse hatte er im Jahre 1824 mit zwei Hörern begonnen. Allerdings verstand er nne wenige, seine Hörer an selbständiges Denken und Ar­beiten zu gewöhnen; denn er war, wie Kolbe im ,Journal für praktische Chemie" sagt, ,»nicht Lehrer im gcmöljnlicben Sinne. In außerordentlichem Maße wissenschaftlich pro­duktiv und reich an dientifetjert Gedanken, teilte er diese seinen reiferen Schülern mit, veranlaßte sie, seine Ideen experimentell zu prüfen und regte so allmählich zu eigenen Gedanken an. Er zeigte ihnen den Weg und lehrte die Me­thoden, wie chemische Fragen und Probleme an der Hand des Experimentes zu lösen sind."

(Fortsetzung felgt)

Rampolla einen Signore ReuShanzler. Man fragt sich zuerst, wie kommt der Herr dazu, bis man entdeckt, daß der Herr Reichskanzler" gemeint ist Und das tfi noch nicht das Schlimmste. Nach dem Popolo Romano trank der Kaiser Graf Bülow zu, da gerade der Reichskanzler sein 50- jähriges Dienstjubiläum feierte. Da Graf Bülow 1849 geboren ist, muß sich das Giornale wohl geirrt haben. Deutsche Uniformen und Orden verursachten den ttalienischen Berichtetttattern auch viel Schmerzen. Bald hatte Graf Bülow Feldmarschallsumform an, bald Graf Waldersee die Uni­form eines Ulanenmarschalls. Der römische Präfekt hat den Schwarzen Adlerorden mit dem Stern zum roten Adler bekommen und ein Stationschef gar den Schwarzen Adlerorden 4. Klasse.

Universitüts-Nachrichtru.

Ein Professor der Journalistit Professor Dr. Adolf Koch in Heidelberg hat unter außerordentlich starkem Andrange seine Vorlesung über das .Wesen und die Bedeutung der öffentlichen Meinung, der Preffe und des Journalismus in Deutsch­land^ begonnen. Es hatten sich so viele Hörer leingefunden, daß der in Aussicht genommene Hörsaal nicht genügte. Tie Zahl der Hörer düttte mit 100 hier eine ungewöhnliche Stätte nicht zu hoch gegriffen sein; auch eine Tarne war erschienen. Pros. Koch leitete mit der Bemerkung ein, daß er immer noch der einzige Lehrer aus deutschen Hochschulen fei, der es wage, über ein Thema dieser Att zu lesen; es würde ihn besonders freuen, wenn auch viele Juttsten anwesend waren. Vielleicht würden dann die Fälle seltener werden, in denen im Preßprozeffe Urteile gelallt werden, die mit den Forderungen des gesunden Menschenverstandes nicht mehr in Einklang zu bringen sind.

Aus Heidelberg wird geschtteben: Musikdirektor Professor Wolfrum, der Komponist des bei uns in Gießen wohlbekannten .Weihnachts-Mysteriums', bat wahrend seines Aufenthaltes in Italien eine größere Komposition fertiggestellt, die bei dem bevor­stehenden UniversitätS-Jubiläum ihre erste Aufführung erleben soll. Zum o. Professor für indische Philologie an der Universität Halle ist der in Otocamund in Btttisch-Jndien wirkende Indologe Eugen H u 1 t s ch aus Dresden ernamu worden.

~ _ Der C. C., der Verband der sarbentragenden Sängerschaften, welcher sich auS 14 stud. Korporationen der verschiedensten deutschen Universitäten zusammensetzt, veranstattet, wie man uns schreibt, vorn 17.IS. Ium in Wei mar ein großes Fest, das in einem großen Konzert im Hoftheater seinen Glanzpunkt finden wird. An diesem Konzert, das der bekannte Leipziger Prof. Zöllner dirigieren wird, und an dem sich ca. 450 Studenten betei­ligen, wird der Großherwgliche Hof teilnehmen. Das vorläufig festgesetzte Programm sieht für den 17. Juni abends um halb 9 Uhr den Einzug der Studenden in Gestalt eines Fackelzuges vor. Am Marktplatz Begrüßung durch die städtischen Behörden. 11 Uhr Begrüßungsabend in den Raumen der Armbrustgesellschaft. Am 18. Juni halb 12 Uhr mittags Generalprobe im Hostheater, nach­mittags o Uhr Festkonzert, abends 9 Uhr Festkommers im Brau­hof. Am brüten Tage, den 19. Juni, vormittags um halb 12 Uhr Frühschoppen auf dem Marktplatz, 3 Uhr Wagenfahrt nach Schloß Ettersburg, Waldfest im Ettersburger Walde. 11 Uhr Schlußtrunk im Brauhof. Zu diesem Feste hat sich bereits ein Festausschuß ge­bildet, zusammengesetzt aus den Spitzen der Behörden. Den Vorsitz desselben hat der weimattsche Staatsminister Dr. Rothe über­nommen. Ca. 10001500 Personen werden zu den Festtagen in Weimar erwartet.

In die Reihe der Schtttte zur Gleichstellung der ver­schiedenen jüngeren Typen von Hochschulen mit den Univer­sitäten, zu denen die Verleihung des Promotionsrechtes an die Technischen Hochschulen und die Verleihung des Titels .Rektor Magnisicus' an die Leiter der Technischen Hochschulen gehört, bart man auch bie jetzt aus Dresden bekannt werdenden Aende- rungen tn der Organisation der dortigen Tierärztlichen Hochschule rechnen. Der Leiter dieser Hochschule, der bisher den Titel Vorsitzender des Direktoriums führte, ist zum .Rektor' er­nannt worden, und an Stelle des bisherigen ^Direktoriums' tritt derSenat'. Zum Rektor und zwar auf bte Zeit vom 1. Mai 1903 bis dahin 1906, ist vom König der bishettge Vorsitzende des Direktoriums, Vorstand des physiologischen Instituts und der physiologisch-chemischen Versuchsstation, Geh. Medizinalrat Prof. Dr. med. h. o. et phit. Wilhelm Ellenberger ernannt.

Kunst und Wissenschaft.

.Sokrates der Sturmgesell', Hermann Suder­manns neues Bühnenwerk, wird als eine der ersten Novitäten der nächsten Spielzeit im Leffing-Theater zu Berlin zum ersten Male aufgeführt werden.

Kandel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Berliner Börse vom 8. Mai 1908.

(Mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Gießen.)

Auf die schlechten politischen Nachttchten hin setzte die Börse bereits aus bedeutend matterem Kursnweau ein: matte Londoner und Pariser Kursmeldungen trugen im wetteren Verlause noch dazu bei, die allgemeine Tendenz zu verstauen. Der Verkehr war aus den meisten Märkten ein geringer und infolgedessen genügten kleine Abgaben, um bie Kurse zu brücken. Eine gewiße SBiberftanbd- sähigkeit hatten Tiskonto-Kommandit-Anteile zu verzeichnen, bie- felben würben von erster Sette in großen Posten aus bem Markt genommen; sonstige Banken ber Gesamttenbenz entsprechend matter. Auf bem Rentenmattt vollzogen sich ebenfalls im Einklang mit ben auslänbischen Börsenplätzen Kursabbröckelungen. Kaffaindustttewerte meistenteils niebriger.

Privat-Diskont 3 Prozent.

Anfangs- u. Schlußkurse.

Oest. Krebit.... 211,40 211,00

Deutsche Bank . . . 210,60 209,87

Darmstädter Bank . . 140,40 140,00

Bochumer Guß . . . 182,75 181,50

Harpener Bergbau . . 183,90 183,50

Schluß-Tendenz: abwartend.

Märkte.

Gießen, 9. Mai. Bei bem am 5. und 6. Mai abgehaltenen Diehmarkt waren aufgetrieben 1709 Stück Rindvieh und 1677 Schweine. Der nächste Mattt findet am 19. und 20. Mai statt; am letzteren Tage auch Krarnermattt.

Arbeiterbewegung.

Bremen, 8. Mai. In der heutigen Sitzung deS Arbeitgeber- Verbandes, welchem sämtliche Wersten und andere große Betriebe an ber Unlerroefer angehören, wurde beschlossen, gegen das Vor­gehen ber Fachoereine gegen, bie Wersten Tecklenburg in Geeste- münbe und ben Bremer Vulkan in Vegesack energisch Front zu machen und die vereinigten Betriebe so lange zu schließen ober einulschranken, bis die Arbeiter bie von ben betreffenben Wersten geforderten Arbeitsbedingungen angenommen haben ober bie von ben verichiedenen sZachoereinen über bie genannten Wersten ver­handle sperre anigehoben ist.

Ai c l b o u r n e, 8. Mai. Nachbern ber Derbanb derStaatS- e i Je n b a h n arbeitet in einer Anzahl von 11 000 Mann bie Forderung der Regierung abgelebnt har, welche verlangte, baß er bte ^rbinbung mit bem unter dem Namen Trabes Hall bekannten Zeniial-Arbeilerverband lose, kündigte ber Verband der Lokomotiv- fuhrer für heute Mitternacht den Ausstand an. Sämtliche Lo­komotivführer werden ihre Maschinen bann an dem Ort lassen, wo sie sich grabe bepuben Tie Regierung verspricht den Nichtaus- ftanbigen bopccüc Löhnung. Das Publikum ist entschieden auf Setten der Reglerung. 1

Gerichtssaal.

D üss eld ors, 8. Mai. DaS Schwurgericht ©«urteilte heute den früheren Ulanenleutnant Frhrn. v. Loew wegen wissentlichen Meineids zu anderthalb Jahren Zuchthaus. Als strafmildernd wurde § 157 befl Strafgesetzbuchs berücksichtigt.

Altona, 8. Mai. Graf 6 an8 v. Kalkreuth aus Wien wurde von dem hiesigen Schöffengericht wegen Diebstahls zu 6 Wochen Gefängnis verurteilt. Er hatte auf dem Bahnhofe einem Barbier das gesamte Reisegepäck gestohlen. Ter Graf, em zwanzigjähriger Mensch, ist schon einmal wegen Betrugs bestraft worden.

Assfig im dn StMesimtsreziSmi in Strit Gitter.

Aufgebote.

Den 2. Mai. Friedrich Wilhelm Christian Bach, Dachdecker dahier mit Anna Margarethe Müller dahier. Richard Wilhelm Christian Andreä, Lagerist dahier mit Albine Särve dahier. Den 4. Mai. Georg Eisenbrandt, Fabrikarbeiter dahier mit Anna Er­ling, gen. Schäfer dahier. Den 5. Mai. Wilhelm Meister, Tag- löhner m Frankfurt a. M. mit Marie Katharine Dietzler dahier. Den 6. Mai. Ludwig Henfz, Lokomotivheizer dahier mit Luise Wilhelmine Elifabethe Euler dahier. Johann Heinrich Bolz, Sergeant dahier mit Anna Elisabeth Eurich dahier. Tr. Fritz Emft Karl Julius Cuttchmann, prakt. Arzt in Buchholz Charlotte Katharina Hedwig Emilie Theodore Mathilde Marie Martha Güngerich dahier. Ten 7. Mai. Johann Theodor Heinrich Karl Ferdinand Georg Bauer, Musiker und Justrumentenmacher dahier mit Marie Fischbach dahier. Albert Loew, Kaufmann in Rrefelif mit Bertha Meyerhofs dahier. Den 8. Mai. Jakob Best, Wirt dahier Lina Elijabetha Musch in Stammheim.

Eheschließungen.

Den 8. Mai. Adam Nickel, Gärtner dahier mit Elisabeths Henriette Auguste Weiß.

Geborene.

Ten 29. April. Dem Sattlermstr. Christian Spieß ein Sohu. Den 1. Mai. Dem Hilfs Weichensteller Heinrich Bechtold ein Sohn, Wilhelm. Dem Bäckermeister Johannes Müller eine Tochter, Luise Elifabethe. Dem Gastwirt und Spezereihändler Johann Matter eine Tochter, Alma Frieda. Ten 3. Mai. Dem Dach­decker Hermann Meier ein Sohn, Theodor Friedrich Heinrich. Dem Taglöhner Franz Rentmeister eine Tochter, Franziska Luise Anna Margarethe. Dem Fuhrmann Heinrich Abel ein Sohn. Den 6. Mai. Dem Bäcker Karl Alexander Berg ein Sohn. Dem Bahnwärter Wilhelm Nickel eine Tochter, Wilhelmina Anna Luise.

Gestorbene.

Den 2. Mai. Johann Georg Adami, 82 Jahre 6 Monate alt, Kaufmann dahier. Den 4. Mai. Heinrich Zahrt, 58 Jahre 9 Mo­nate alt, Taglöhner dahier. Den 5. Mai. Georg Zindel, 41 Jahre 7 Monate alt, Taglöhner dahier. Den 6. Mar. Margarete Weiß, geb. Storch, 74 Jahre 2 Monate alt, Witwe des Schlossers Ferdi­nand Weig dahier. Johann Adam, genant Georg Lesch, 7 1 Jahre 11 Monate alt, Bahnarbeiter dahier.

imniluiiiliutjnüjtEn.

Geboren: Herrn Oberbibliothekar Dr. Alfred Schulze in Marburg ein Sohn.

Schiffsnachrichte n.

Red Star Linie.

Der Postdampser .Pennlanb" ber Red Star Line in Ant« roerpen ist laut Telegramm am 6. Mai wohlbehalten in Phila- belphia angekommen.

Meteorologische Beobachtungen

iebttgste

Ü o

7.-8.

cr-

2

3,0' C.

Wetter

8.

8.

Mai 1903.

738,7

739,2

740,5

2 9"

16,5

11,5

10,4

7,7

9,7

8,9

56

97

95

Beb. Himmel Beb. H. Regen Beb. Himmel

E, W. W.

5# 2 CD

der Station Gießen

--C s 5

c

Temperatur am 7.8. Mai 17,9U C,

Das Kaiserliche Anssichtoamt für Privatverfichernng ist am 1. Januar 1902 in Wirksamkeit getreten. Abgesehen von ben öffentlichen Anstalten, ben Hülss-, UnterstützungS- unb Knappschafts- Kassen, unterstehen bem Amte nicht bie Transport- und Rückver­sicherungs-Gesellschaften, bie Versicherung gegen Coursverluste, so­wie bie Gesellschaften, beren Geschäftsbetrieb sich auf einen Bundes­staat beschränkt. Die Kosten des Amtes tragt das Reich, jedoch werden von ben seiner Aufsicht unterstellten Unternehmungen all­jährlich Gebühren erhoben, bie annäbemb die Hälfte der Kosten ausmachen sollen, sodaß also auf bas Reich und die Versicherungs- Gefellschaften je die Hälfte der Kosten entfällt Jetzt ist ben Gesell­schaften zum ersten male die Rechnung präsentiert Die Gebühren für das Jahr 1902 sind berechnet nach den Prämieneinnahmen ber Gesellschaften im Jahre 1901 aus ben im Deutschen Reich laufenden Vettichcrungen abzüglich der zurückgewährten Gewinnanteile. Tie Kostenvertettung gibt einen sicheren Maßstab für bie absolute Größe der einzelnen vom Amte zu deauffichtigenden Gesellschaften, ohne Rücksicht auf die Art ber Dersicherungszweige. Tie gejamte ge­bührenpflichtige Prämieneinnahme aller beteiligten Unternehmungen beträgt Mk. 554 017 055, davon entfällt nach der Festsetzung des Amtes auf die Victoria Mk. 55 749 557, also mehr als der zehnte Teil. So beweist die Kostenverteilung wieder, was auch sonst hinlänglich betanni ist, daß z. Z. die Victoria die größte deutsche Verlicherungs-Gesellschaft ist. Die nächste Gesellschaft zahlt noch nicht die Hälfte, ist also noch nicht halb so groß, wie bie Victoria. 3821

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