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9.5.1903 Erstes Blatt
 
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Nr. 108

Erschein täglich außer EonnlagS.

Lern (Bitfreier Anzeiger werden im Wechsel mit dem brsslschea Landwirt die ftlefretttt LawUten- blätter viermal in der Woche betgelegL Hotattontbrud il Ber- lag der Brühl 'schea Unu>ers.-Buch- u-Sien» druckerel (Pietsch ltrdech RedakNon, tptbinoe und Druckerei: echulßraße 7.

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Erstes Blatt.

158. Jahrgang

Samstag «.Mail 008

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger v

Amtz- und Anzeigeblatt für den Kreis Gietzen

yezngdpreidr monatlich 7b Pl^ oierteU jährlich Mk. A20, durch Abhole- il Zweigstellen inonatltch 6o Pf.; durch diePost TtL 2.viertel- jährt. audschl. Bestellg. Annahme von Anzeige» ür die Lagednummcr bil vormutags 10 Uhr. ^eUenprett: lokal 12Ps^ aueiDürte 20 Psg.

Verantwortlich füt den pollt und allgem. Teil P. ötttto: für »Stadt und Uanö* und .GertchlSjaaC: August Götz, lür den An­zeigenteil: Kan« Beck.

Politische Tagesschau.

Tnmltllantif$e Informationsreisen.

Ein Berliner Mitarbeiter schreibt uns:

ßu der Informationsreise deS preußischen ssflnan^- Minister- Frhrn. v. Rheinbaben nach bat Vereinigten Staa­ten hat dem Vernehmen nach der Kaiser die Anordnung gegeben. (£6 soll dies bei einem der Hoffeste des ver­gangenen Winter- geschehen sein. Schon andere hervor­ragende Persönlichkeiten, in neuerer Zeit Frhr. v. Los, ein schlesischer Wortführer desBundes der Sanbttrtrte", joroie Graf Bernsdorfs, der Poli^eivräsident von Potsdam, haben aus Veranlassung deS Kaisers zu informatorischen Zwecken der Union Besuche abgestattet. Sie fuhren alsKaijergäste", d. h auf Grund der vertragsgemäß dem Hofmarschallamt für bestimmte Zährten seitens der Hamburg-Amerika-Linie in beschränkter Zahl zur Verfügung gestellten SchiffsbllletS. Ter Kaiser pflegt diese Karten selbst zu verteilen, und zwar vorwiegend an Militärs oder an Persönlichkeiten vom di- vlomattschen und Verwaltungsdienst. Ter Kaiser wünscht, daß die betreffenden Herren durch solchen Anschauungs­unterricht ihren Gesichtskreis erweitern. Frbr. v. Rhein­baben scheint allerdings nicht auf einKaijerblllet" ge­reist zu sein, denn er stach auf einem Llohddampfer in See.

Gegen Delcaffs.

Lin anderer Berliner Dill ar beit er schreibt unterm 8. Mai:

LS ist ein seltener Fall, daß sich ein Preßorgan des Reichskanzler-, wie dieNordd. Allg. Ztg." es ist, in so scharfer Weise gegen die offiziöseA g en c e H a v aS" wendet. Die Treibereien gegen Deutschland, die übrigens nicht neueren Ursprungs sind, rechtfertigen die Zurechd- Weisung. ES konnte nicht unwiderspiwchen bleiben, wenn dieAgence Havaö" verbreitete, die Art des Kais er­be fuchs beim Papst habe in offiziellen italienischen Kreiseneinen peinlichen Eindruck gemacht, der immer mehr zunehme." Indem dieNordd. Allg. Ztg." auf daseigen­artige Gepräge" der französischen Ausstreuungen hinweist, da dteAgence fywad" bekanntlich in der Pariser Publizistik eine besotidere Stellung einnehme, wird zu verstehen ge­geben, Herr DelcassS, der französische Minister des Aus­wärtigen, könnte vielleicht her Tendenzmeldung nicht ganz sernstehcn. Es ist in der Tat nicht ausgeschloffen, daß man in Paris den Engländern eine Neine Aufmerk­samkeit zuaedacht hat, indem man die politischen Ergebnisse des Kaiserbesuchö in Rom hämisch bestritt.

Aus und Kund.

Dießen, 9. Mai 1908.

w Personalien. S. K. H. der Großherzog haben dem Fabrikarbeiter Adam Rinkenberger in EinartShausen, in Diensten der Eisengießerei FriedrichShütte bei Laubach, das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift »Für treue Arbeit' verliehen. Das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren wurde verliehen den Mitgliedern der freiwilligen

Feuerwehr zu Hechtsheim Wilhelm Schneider VL, Franz BeiSmanu III. und Heinrich Johann Wahl. S. Maj. der Kaiser haben dem Eisenbahnbetriebskontrolleur a. D. Fischer zu Eberstadt bei Darmstadt den Roten Adler-Orden 4. Klasse verliehen.

** Taschen-Fa hrplan. Unsere geehrten Leser, denen wir im Laufe dieser Woche den Taschenfahrplan zustellen, wollen darin berichtigen, daß der abends 9,56 Uhr in der Richtung nach Kassel fahrende Schnellzug 1.3. Klasse führt. Die Züge ab Gießen 8,2 Uhr vormittags und ab Frankfurt 8,45 Uhr abends sind nicht mehr D-Züge, sondern Schnell­züge mit L8. Klasse.

** In der Gemälde-AuSstellung am Brand bat diese Woche wieder ein vollständiger Wechsel der Gemälde stattgefunden. An Stelle der Gemälde der Kunst- Genossenschaft Karlsruhe ist eine Kollektiv-Ausstellung von Robert Büchtg er-München gekommen, welche über hundert Gemälde ausweist. Weiter sind noch drei Gemälde von Prof. Eugen Br acht-Dresden neu ausgestellt. Den Mitgliedern des Kunstoereins können wir nun mitteilen, daß das BereinSblatt, eine Radierung von Prof. P. Halm-München, ,Motiv bei Tarmsladt", in den ersten Tagen zur Verteilung gelangt. Neueintretende erhalten für ihren Jahresbeitrag (10 Mk.) neben freiem Zutritt zu den Ausstellungen für sich und ihre Angehörigen und der Teilnahmeberechtigung an der diesjährigen Verlosung von Kunstwerken ebenfalls noch ein Vereinsblatt

** Stad ttbeater. Am Freitag wurde die an an­sprechenden Melodien reiche und deshalb seit den 25 Jahren ihres Daseins auch stets wieder gern gesehene OperetteNanon" von Richard Genee gegeben. Da die Besetzung der wesentlichsten Rollen zulänglich und die Leitung bis auf ein paar kleine Unregelmäßigkeiten nicht viel zu wünschen ließ, so wurde die Aufführung von den ob de» fatalen RegenwetterS leider wieder recht spärlich erschienenen Besuchern mit lebhaftem Beifall ausgenommen. Als Nation, die Wirtin vom goldenen Lamm, dieses niedliche Urbild der Weißen Rößlwirtin der Herren Blumenthal und Kadelburg, wußte die Benefiziantin, Frl. Stöger, ihren liebenswürdigen Humor ebensowohl wie ihre klangvolle, schöne, umfangreiche und gut ausgebildete Stimme zur Geltung zu bringen. A.» ihrem Ehrenadend zeigte sie ihre erstaunlicl-e Beweglichkeit natürlich mit ganz besonderer Freude, und wie immer traf fie Ton und Art, Tempera­ment und Wesenheit deS vom Librettisten mit verschwende­rischer Laune köstlich ausgestotteten beherzten Fräuenzim- merchens überall S glücklich. Tas Ereignis des AbendS war die Ueüerreichung eines Bouketts an die graziöse Bene­fiziantin. Am Abend vorher, dem Benefiz des Frl. Barll, erinnerten wir uns des Goethe Wortes:Wenn wir mit Menschen leben, die ein zartes Gefühl für das Schickliche haben, so wird es uns angst um ihretwlllen, wenn etwas Ungeschicktes begegnet." Tas Ungeschickte des Vorabends war also diesmal glücklich vermieden. Sonst machten sich noch verdient um den Erfolg des Abends die Damen Bartl, die freilich als Ninon de lEnclos sich nicht in ihrem kurzgeschürzten Elemente befand, und Schredt, die

als Page recht niedlich aussah, sowie die Herren Som­mer, Gehring, Nolte, Brück und Ganzer!.

Besihwechsel. Das Anwesen von Fräulein Julie Franz, Wetzsteingasse 6, ging tn vergangener Woche für den Preis von 7500 Mk. an den Kaufmann Heinrich Heyne über.

Rhein-Main-Gastwirte-Verband. Der Der- bandstag deS Rhein-Main-Gastwirte-VerbandS, dem bekannt­lich alle Gastwirtvereine des ganzen GroßherzogtumS Hessen angehören, und welcher, wie erinnerlich, int vergangenen Jahre so glanzvoll in Gießen abgehalten wurde, findet in diesem Jahre am 19. und 20. Mai in Darmstadt statt. Auch die diesjährige BnndeSvcrsammlung des Bundes deutscher Gastwirte wird in Hessen und zwar vom 20.23. Juli in Mainz abgehalten.

** Der Deutsche Verband Kaufmännischer Vereine versendet seinen Jahresbericht für 1902/1903 gleichzeitig mit der Tagesordnung für die am 13. Juni d. I. in dwrnberg stattsindende Hauptversammlung. Dem Be­richte entnehmen wir, dag der Verband zurzeit 106 Vereine mit 86 312 Mitgliedern umfaßt, davon 20591 Prinzipale, 61485 Gehülsen, 1885 Lehrlinge und 2851 Nichtkau stellte. In allen wichtigen Standesfragen hat der Verband stets mit in erster Linie gestanden zur Lösung derselben im Sinne modern sozialer Anschauungen und wir Hebung des Kauf­manns- und insbesondere des Gehülsenstatides. So sanden z. B in Sachen der Kaufmannsgerichte eine Reihe wich­tiger Beratungen statt, sowohl im Verbatide selbst, als in Gemeinschaft mit anderen größeren kaufmännischen Ver­einigungen, und es wurden Petitionen an den Bundesrat geridjitet behufs Gestaltung des Gesetzes nach den Wünschen und Forderungen der Kaufmannschaft. Die Tagesordnung der nächsten Hauptversammlung weist wieder eine Reihe hochwichtiger Punkte auf: Kauf man nsgerichte, Ermittlung der Arbeitszeiten in den Kontoren des Großhandels, Prak­tische Ausbildung der Lehrlinge, Jnvaliditäts- und Alters- jürforge für kaufmännische Angestellte, Urlaubsverhältnisse im Handelsgewerbe u. a. m.

W. Bad Nauheim, 8. Mai. Trotz des ungewöhnlich rauhen und kalten Aprllwetters waren bis zum 1. Mai, dem Tage der Eröffnung des Bades, bereits 2036 Kurgäste eingetroffen und wurden 6774 Bäder verabreicht. Jetzt ist die augenblickliche Frequenzziffer der vorjährigen ziemlich gleich. Es ist charalteristifch, daß die vornehme Well des Auslandes, namentlich Englands und Amerikas, sich im Mai hier ein Rendezvous gibt, und so scheint es auch, in diesem Jahre wieder der Fall zu sein.

Vermischtes.

* Wiesbaden, 8. Mai. Der König von Däne­mark trifft Mille Juni zu längerem Aufenthalt hier ein. Von hier begiebt sich der König zum Besuch der Ciunber- land'schen Familie nach Gmunden und erwidert aus der Rückreise nach Kopenhagen in Berlin den Besuch Kaiser Wilhelms

Paris, 8. Mai. Gestern fand das endgillige Ber»

Justus von Lieöig.

(Qfeb. 12. Mai 1803 zu Darmstadt gest 18. April 1873 zu München.)

(Nachdruck verboten)

Dem Manne der Wissenschaft und des Leberts diese Worte könnte man als Aäotto den nachstehenden Zellen vor­ansetzen, war doch I. v. Liebig gleich ausgezeichnet als Theoretiker wie alS Praktiker. Freilich hat er ein eigentltch klassisches Studium nicht durchgemacht, und das hat er später oft bitter beklagt, aber doch hat wohl niemand diesen Mangel in so glänzender Weise gut gemacht als gerade er. Cfcie je eine Stllübung gemacht zu haben, schuf er sich einen eigenen Stll, Qar, feurig, voll innerer lleberzeuguna von der Wahrheit feiner Satze. Die Unmittelbarkeit der Anschau­ung, dte scheinbare Hintansetzung der grammatischen Ord­nung (z. B.: Der Sauerstoff, e r tffc der ewig nagende Zer­störer alles Lebenden) erregt in besonderem Maße die Auf- merffamkell des Lesers und erinnert ihn daran, daß hier etwas Bedeutendes ausgesprochen wird. Ter schlagende Er­folg seinerEhemischen Briese" i(ft ein beredtes Zeugnis, daß Liebig den rechten Weg gefunden hat, schwere wissenschaftliche Wahrhellen in populärer, allgemein ver­ständlicher Weife, dar^ustellen; die Brieße wurden in alle lebenden Sprachen übersetzt und sind ein dauerndes Denk­mal der geistigen Größe des Verfassers und ein Stolz unseres Volkes. Die chemischen Briefe waren von Liebig allerdings nicht als Populärschrift gedacht. Liebig war selbst schon lange Pwfessor, als ihm dar Professor der Chemie in Marburg, W u r z e r, eine alte hölzerne Tischschublade zeigte, welcbe von drei zu drei Dionaten Quecksilber zu erzeugen vermochte: derselbe Professor besaß einen Apparat, dessen Hauptbestandtell ein langer tönerner Pfeifenstiel war; damit verwandelte er Sauerstoff in Stickstoff. Wenn berartigeö heutzutage kein Bauer mehr glaubt, so verdanken wir das zum größten Teil der Unterrichtsreform Liebigs.

Justus Liebig wurde zu T-armstadt geboren als der -sahn des kleinen i'uilerial- und Farbenwarenhändlers Geoäg Liebig. Seine Farben und Firnisse fabrizierte dieser selbst Jusms Mutter ersetzte ihre mangelnde Bildung mit der Kunst des Schreibens soll sie wenig vertraut ge­wesen sein - durch angeborene Klughell. Wohl angeregt durch den Beruf seines Vaters, erwachte in ihm früh In­teresse an chemischen Experimenten, ein Interesse, das sich tchr lebhaft auf Kosten seiner Schularbeiten betätigte. Große

Freude muß der Leine Bursche seinen Ellern nicht bereitet haben, auch die Lehrer haben recht weidlich auf dem Zungen herumgeprügell, dessen ganzer Ehrgeiz darin zu bestehen schien, den letzten Platz in der Klaffe zu behaupten. Er teilte mit seinen Nachbaren auf der Schulbank, dem nach­mals so berühmt gewordenen Geschichtsforscher Gevvinus und dem späteren Lapellmeister der Wiener Hofoper Reu- ling, das gar manchem auf dem Humanistiichen Gymnasium begegnende Unglück, für unbefähcgt zu gelten, well er dem Studium der diaturwissenschaften größeres Interesse abge- wann als den mageren Reizen der lateinischen Gram­matik und des äolischen Tigammas, und erhielt samt den Genannten von seinem Klassenordinarius die llöstliche Ver­sicherung:Na, aus euch wird mal was Schönes werden." Wahrend er so mit den klassischen Sprachen in stetem Kampfe lag, beschäftigte er sich auf das eingehendste mit chemischen Versuchen. Ganz besonders interessierten ihn die explo­siven Verbindungen, und es ist für die Anlagen eines vier­zehnjährigen Knaben bezeichnend, daß er einem Jahrmarkts- lünstler die Herstellung^von Knallerbsen abguckte und seinen Vater dadurch in den Stand setzte, dieses vielbegehrte Prä­parat fortan selbständig zu fabrizieren.

Kein chemisches Buch der Hofbibliothek seiner Vaterstadt gab es, das er nicht bis zu seinem vierzehnten Jahre aelejen Halle und das er sich nicht durch Experimente anschaulich zu machen gestrebt Halle. Immer bewegte er sich in dem kleinen Laboratorium seines Vaters, von wo er dem Seifen­sieder auf dem Nachbar grundstücke gern zu sah. Er Halle wäh­rend der Schulzell immer andere Gedanken im Kopf, und was er gar in seinen Taschen alles mit herum steppte, war ein ganzes 'Museum. Als aus seinem Schulranzen während des Unterrichts eines Tages vlötzlich eine riesige Flamme emporloderte, Halle die Geduld seiner Lehrer em Ende, er mußte das Gymnasium verlassen. Sein Entschluß, Chemiker zu werden, wurde nun verwirklicht. Zwar in der Apotheke in Heppenheim, in die er mit 15 Jahren als Lehrling trat, hielt er nur 10 Monate aus. Seinem Prinzipal gefiel es sehr wenig, daß der Lehrlmg auf eigene Hand chemische Experimente machte, und als eines derselben, die Darstellung von Knallsllber, eine heftige Explosion zur Folge hatte, war es mll Liebigs Apotheker­laufbahn zu Ende. Er wurde aber doch nicht vom Glück ver­lassen. Ter Für prache des Hofbib^iochekars Heß, der den Knaben schon jeii Jahren mll chemischer oder überhaupt naiurwifsenschasllicher Lektüre versehen halle, verdanlle es Justus, daß Gro ßherzog Ludwig I., der an ihm In­

teresse nahm, ihm Mittel gab, in Bonn und Erlangen che­mische Vorlesungen zu hören. Justus besaß noch sieben Geschwister, und der Vater hätte dieses teure Studium nicht ermöglichen können. Sein Lehrer m Bonn und Erlangen war Pros. Kastner. Er und der Gooßh Kabinettssekretär Schleiermacher verwendeten sich auch weiterhin beim Großherzog für den jungen Liebig. Denn auf den beiden genannten Hochschulen war für die Naturforschung nicht viel zu lernen, well dort jene naturpbllosophische Richtung herrschte, in welcher man glaubte, ohne genaue Kenntnis der Natur durch die eigene Größe des Geistes die Gesetze der Natur a priori ableiten zu können, fid^ anlehnend an die Ideen zur Philosophie der Natur von Schelling, welche neben der gröbsten Unwissenheit in Physik und Chemie die absurdesten Theorien entyielt Liebig hat später diesem Treiben in seinerAgrikullurchernie" eine derbe Rüge er­teilt. So entsandte ihn denn der Großherzog auf feine Kosten nach Paris. Dort begann eine neue Phase in Liebigs Schaffenskraft. Mll Alexander v. Humboldt trat er in Paris 11822) in Berührung iuib dieser hat es bewirkt, daß Liebig vald einen akademischen Lehrstuhl einnehmen konnte. Dafür ist dieser ihm stets dankbar geblieben, und in der Vorrede zur ^Agrikullurchernie" sagt Liebig u. a.Diese Unter­haltung (mll A v. Humboldt) ist der Grundstein meiner Zukunft gewesen, ich halle den für meine wissenschaftlichen Zwecke mächtigsten und liebevollsten Freund und Gönner gewonnen." A o. Humboldt eröffnete Dem jungen Forscker das sonst sehr schwer zugängliche Privat-Laboratorium des vorttefslichen Gay-Lufiae, eines der bedeutendsten Experi­mentatoren seiner Zell. Gemeinschaftlich vollendeten sie die Arbeit über die Knallsäure, wodurch Gay-Lussac den wiß­begierigen Gchüler ehrenvoll in die Wissenschaft einführte. Auch diesem Gönner bat Liebig Treue und Dankbarkell sein Leben hindurch bewahrt; so ist es interessant und bezeich­nend zugleich daß er kurz nach dem deutsch-französischen Kriege in einer ausführlichen Rede vor der bayerischen Aka­demie alles hervorhob, was die gelösten Bande internatio­nalen Verkehrs wieder anknüpfen konnte, und gerade da besonders betonte, wieviel wir Temsche überhaupt und er im speziellen von den Franzosen gelernt haben. In Gay- Lussacs Laboratorium mag ihm auch wohl der Gedaicke gekommen sein, e-> als eine Hauptaufgabe seines Lebens zu betrachten. Die Vorteile, Die er selbst genießend erkannte, seinen deutschen Landsleuten im eigenen Vaterlande zu schaffen: der Gedanke, das erste deutsche chemische Labora­torium zu gründen und damll aus der toten philosophischen