Ausgabe 
9.4.1903 Zweites Blatt
 
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fruchtbarer Arbeit war aber, das; die Mitglieder im Laufe der vergangenen drei Jahre sich vollständig in den zu be- handelnoen Stoff einarbeitcten und allen Fragen mit vollem Verständnis gegenübertraten. Es wird deshalb die Sache des Handwerks nur fördern können, wenn bei den Ersatzwahlen auf die Tatsache Rücksicht genommen und in allen Wahlbezirken darnach gestrebt wird, die seither wohl bewährten Männer, die sich in uneigennütziger Weise in den Dienst des Ganzen gestellt haben, wiederzuwählen zum Wohle des Hessischen Handwerkerstandes.

-g- Reiskirchen, 9.April. Gestern abend brachte der Gesangverein ,Harmonie" seinem Dirigenten einen Fackelzug mit Ständchen, um ihm zum 43. Geburtstage zu gratu­lieren. Der Präsident Jünger drückte ihm in einer An­sprache das Vertrauen und die Dankbarkeit des Gesangvereins, sowie der Gemeinde aus, und ernannte den Lehrer Bürst le in zum Ehrenmitglied. An die Feier schloß sich eine gemütliche Zusammenkunft in der Wirtschaft von Ferd. Guntrum.

g. Friedberg, 8. April. Die Gründung einer höheren Töchterschule ist zurzeit in unserer Stad-t die wichtigste Tagesfrage. Nachdem eine öffentliche Bürger­versammlung den Stadtvorstand einstimmig um Errichtung einer solchen gebeten hat, überwies der Stadtvorstand die Angelegenheit einer Kommission. An der Obstbau - schule findet der diesjährige Lbstbaukursus für Geistliche, Lehrer und sonstige Freunde des Obstbaues vom 27. April bis 2. Mai statt. Tie Großh. Taubstummenanstalt hielt am 3. d. M. unter Leitung des Direktors Wodäge eine öffentliche Schlußprüfung ab. Die Anstalt zählt gegen 60 Zöglinge, im Schuljahr 1901/02 54 Zöglinge und 8 Lehr- iräste. Die Mathildensti stung Friedberg-Butz­bach hat vom 1. Juli ab den Zinsfuß für Spareinlagen auf 3i/s, für Darlehen auf Hypotheken aus 4 und für Schuld­scheine auf 41/2 Prozent festgesetzt.

- i- Darmstadt, 8. April. Im ersten Quartal d. I. wurden in die Ernst-Ludwig-Heilstätte (Lungen­heilstätte der Jnvalidenversicherungs-iAnstalt Gr. Hessen) 114 Pfleglinge neu ausgenommen und 100 Pfleglinge im gleichen Zeitraum wieder entlassen. Am 31. v. M. befanden sich noch 89 Kranke in der Heilstätte. Wegen der ftarEen Belegung der Heilstätte mußte die Anstalt in Eberbach bei Reichelsheim i. O. wieder in Betrieb gesetzt und chr vom 1. März ab 7 Pfleglinge zugeteilt werden.

Bingen, 9. April. Ein frecher Einbruch wurde in die Bierzehnnothelser-Kapelle auf dem Jakobsbecge bei Ockenheim verübt. Die Monstranz in der Sakristei wurde zertrümmert, ein Reliquienkreuz herausgerissen, Leuchter, Bilder und Statuen zerbrochen und zertrümmert. Opferbüchsen wurden ausgebrochen und das darin ent­haltene Geld gestohlen.

Frankfurt a. M., 8. April. Die Stadtverordneten haben mit allen gegen eine Stimme dem Gesetzentwurf über die Bebauung ehemaliger Frankfurter Wallgrund- stücke zugestimmt und den Magistrat ersuch!, diesen Beschluß zur Kenntnis des Landtags zu bringen.

Frankfurt a. M., 8. April. Heute verschied hier Dr. Emil Ferdinand Speyer, Generalpostdirektions-Sekre­tär a. D., im Alter von 83 Jahren. Der Verstorbene war wohl einer der letzten Beamten, der noch der ehemaligen Fürstlich Thurn und Taxis'schen Postverwaltung angehörte. Rach dem Jahre 1866 trat er in die ReichS-Postverwaltung ein, wo er als juristisches Mitglied der Oberpostdirektion bis zu seiner vor wenigen Jahren erfolgten Pensionierung tätig war. Bis in die letzten Tage hatte er sich die volle Frische seines Geistes gewahrt.

Vermischtes.

Berlin, 8. April. Ter 20jährige Leutnant beim 4. Garde-Regiment zu Fuß, v. Cranach, der dem Regiment erst seit einem Jahre als Offizier angehört, hat am Montagaberid aus seinem Zimmer ui der Kaserne feine Geliebte, eine 19jähcige Arbeiterin aus Frankfurt a. O., durch einen Revolverschuß schwer verletz t und sich bann selbst erschossen.

* Saalfeld, 8. April. Tie hiesige Maschinenfabrik von August Reißmann ist in der vergangenen Nacht voll­ständig niedergebrannt. Der Schaden ist bebeutenb, 120 Arbeiter sind brotlos.

Orsowa, 8. April. In hiesiger Gegend entluden sich in den letzten Tagen mehrfach, heftige Gewitter mit starken Schneefällen unö Blitzschlägen.

* lieber den Kindersegen der Berliner Fa­milienmütter geben die nüchternen Zifsernr.ihen einer Tabelle interessante Aufschlüsse, die das Statistische Amt der Stadt Berlin über die Geburten im Jahre 1901 ver­öffentlicht. Darnach hat den Rekord an Kinderreichtum eine Mama, die im Alter von 45 Jahren stand, mit dem 28. schreibe: achtundzwanzig st en Kinde erreicht. Ihr am nächsten stand eine Familienmutter, die mit 41 Jahren bereits 23 Kinder der Welt geschenkt hatte; drei andere beglückten im Alter von 40 bezw. 43 und 46 Jahren ihre Gatten mit dem 21. Kinde. Mehr als ein Dutzend Kinder (13 bis 20) konnten im genannten Jahre 246 Berliner Frauen ihr eigen nennen, falls nicht der Tod die Zahl ge­lichtet halte; gerade ein dutzendmal hatte sich der Storch bei 169 Müttern eingestellt. In 4355 Ehen mürbe das 4. Kind geboren, in 1926 das 6., in 804 das 8. und in 399 das 10. Kind. Dell jugendlichsten Müttern, Damen im Alter von 16 Jahren, von denen 11 ihres ersten, eine ihres zweiten Kindes sich erfreuten, standen zwei Damen im Alter von über 50 Jahren gegenüber, von denen die eine ihr Erst­geborenes, die andere <hr viertes aus der Taufe heben konnte.

"Das Elchwild stirbt aus. AuS Ostpreußen kommt die Nachricht, daß der sorgsam gepflegte Bestand an Elchwild den letzten Winter gut überstanden hat und eine nicht unbedeutende Vermehrung dieses interessanten, aber leider im Aussterben begriffenen Tieres zu erwarten ist. Obgleich eS duvch geeignete Maßnahmen gelungen ist, den im Jahre 1849 bis auf 11 Stück zusammengeschmol^enen Bestand auf ca. 150 Stück 5.11 vermehren, so geht dieser seltsame Nachkomme eines einst in * Deutschland zahlreich vorhandenen Wildes dem gänzlichen Aussterben entgegen. Ter ausgewachsene Edelhirsch ist 2.53 Meter lang, die Länge des Schwanzes etwa 10 Ctm., die Höhe am Wider­riste 1.92 Meter. Bevorzugt werden von dem Elch als Aufenthaltsort sumpfige Niederungen mit angrenzendem Wald. In den Oberförstereien Jbenhorst, Gauteden, Tapiau, Fritzen, Sternberg, Greiben und Bludau, sämtlich in der Provinz Ostpreußen, haben die Elche alle ihre Scheu vor Menschen verloren.

Wenn man auf den Vesuv kraxelt. Wie baSDerl. Tagebl." aus Rom berichtet, wurden bei einer Besteigung des Vesuvs der Abg. Bagnasco und sein Führer durch Lavasteine schwer verletzt.

Ein Theater streik. DieNarodni Listy" teilen aus Eger mit, daß es dort am Sonntag zu einem Streik des Theaterpersonals bei Aufführung vonMonna Vanna" kam. Es handelte sich um bie Denefizvorstetlung des Fräuleins Barthelemy. Vor Beginn der Vorstellung erklärte in den Garderoben das gesamte Personal zu streiken, da Fräulein Barthelemy bereits die zweite Beneftzvorstellung in dieser Saison bewilligt erhalten habe, so daß sich die übrigen Darsteller verkürzt fühlen. Die Vorstellung mußte infolge dessen abgebrochen und dem Publikum die Än- trittsgelder zurückgegeben werden.

* Ein Teil der Bahnt inie der Süd-Pacific- bahn an der nördlichen Seite des großen Salzsees in Utah beginnt im Flugsand zu versinken, der sich erst kürzlich unerwartet gebildet hat.

Am Karfreitag.

Mit Wehmut grüße ich den Tag der Weihe, Des Wellerlösers ernslen Todeslag;

O, daß ich still, in Goll ergebener Treue, Rtil frommem Sinn ihn würdig feiern mag 1 Du Heil der Welt l hör' meines Herzens Flehen, Neig' mir Tein Haupt im Tornenkranze zu. Nur unter Deinem Kreuze will ich flehen, Niem einziger Gedanke sei nur Du!

Was mir das arme slücht'ge Leben bietet, Tas sättigt meines Herzens Sehnsucht nicht, Tu aber hast, was jeden Schmerz vergütet, Bür Sehnsucht Ruh', für dunkle Stachle Licht.

gieb, daß ich bei Tir nur such' und stnde Was meinem innern Leben notig ist, Daß deutlich ich's im Innersten empfinde, Wie Du allein des Friedens Geber bist. O, Heiland, nimm mich auf in Deinen Armen, Sei Tu mein Führer und verlaß mich nicht. Laß Tu an Deinem Herzen mich erwärmen, Ser Tu in Sturm mein Hort, in Nacht mein Licht, Tann werd' ich noch, bis zu den späl'sten Jahren, Des heui'gen Festes göttlichen Gewinn Zu stetem Segen treu in mir bewahren, Dann führt mein Pfad gewiß zum Himmel hin. So scheid' ich neugestäckt von Deinem Kreuze, Tie Well vergeht, der Himmel tut sich auf. Gern geb' ich hin des Lebens flüchl'ge Reize, Und lenke froh zu Dir den Lebenslaus.

Bei Dir allem find' ich den wahren Frieden, Su Dir erheb' ich glaiibensvoll den Blick, nb schlägt die letzte Stunde mir hienleden, Kehr' ich zu Dir, zum Vaterhaus z»>rück.

Kunst und Mscnschast.

In Halver sladt bewilligte die Stadtverordnetenversamm­lung für den Bau eines Stadttheaters 45 000 Mk. Halber­stadt zählt ca. 45 000 Einwohner.

* Richard Wagner-Festspiele zu München. Die Nachfrage nach Eintrittsbillelen für die heurigen Richard Wagner- Festspiele im Prinzregenten-Theater, welche vorn 8. August bis 14. September statlsinden werden, ist bereits, wie man uns aus München schreibt, außerordentlich rege. Besonderes Interesse er­weckt der Ring des Nibelungen. Mit 28 eingehenden Studien­proben ist die Walküre tm Vortrage rote szenisch fertiggestellt und es beginnt nunmehr die Einstudierung des Siegfried. Alle Haupt­rollen sind doppelt besetzt. Tie Oberleitung der allwöchentlich drei­mal ftattfinbenben Proben liegt in den Händen des Intendanten von Possart.

Der Großherzog von Baden ernannte den Maler Professor Wilhelm Trüoner in Frankfurt a. M. zum Professor an der Meisterabteilung der Akademie der bildenden Künste in Karlsruhe.

Petersburg, 8. April. Ter deutschen Abteilung der inter­nationalen K 0 stüma u 8 stelluna wurden von der Jury zehn große unb zehn kleine goldene Medaillen, neun silberne, eine broncene Medaille und ein Anerkennungsschreiben zuerkannt. Die Verwaltung des Berliner Zeughauses erhielt eine goldene Medaille. Dem preußischen Handelsmimster Möller wurde von der Jury der Kostümausstellung für besondere Mühewaltung bei der Orga­nisation der Ausstellung die goldene Medaille zuerkannt.

Universiläls-Aachrichlen.

An Stelle des nach Gießen berufenen Professors Dr. Mittermaier ist der Kammerschreiber am Berner Ober­gericht, Dr. Th. T h 0 r m a n n, xum außerordentlichen Professor für Strafrecht und Strafprozeß an der Universität Bafel ernannt. Der Lektor der englischen Sprache an der Universität Straß­burg, Professor Dr. I. G. R 0 b e r t f 0 n, hat einen Ruf an die Universität London als ordentlicher Professor der deutschen Philologie erhalten und wird demselben Folge leisten. In Lüttich wurde der 5. Kongreß der Jnternatioi»alen Bereinigung für Anatomie eröffnet. Aus Deutschland sind u. a. Waldeyer (Berlin), Edinger und Weigert (Frankfurt) anwesend.

Gerichlssaal.

Magdeburg, 8. April. Ter im Jahre 1883 fahnen­flüchtig gewordene jetzige Schmiedemeister Ludewig wurde vom Kriegsgericht zu 1 Jahr Gefänanls verurteilt. Er hatte 17 Jahre unter feinem Namen in der Altmark gearbeitet, ehe er entdeckt wurde.

Die Notwendigkeit eines Erlasses gegen die Soldatenrnißhandlunaen, rote ihn soeben bekanntlich der Erbprinz Bernhard von Sachs en-M einig en als Kom­mandeur des 6. (schlesischen) Armeekorps gegeben hat, zeigt fol­gender Kriegsgerichtsfall, der sich in Breslau abge­spielt hat. In eben jenem Bereich, von dem der prinzliche Erlaß berührt roird, vor dem Breslauer Kriegsgericht der elften Division, standen angeklagt der Musketier Koy vom Infanterieregiment 156 in Brieg des Beharrens im Ungehorsam und tätlichen Angriffs gegeit einen Vorgesetzten in zwei Fällen, die Unteroffiziere Bleul und Sergeant Fischer, beide von demselben Regiment, der Miß­handlung dieses Untergebenen. Am 12. März fehlte der Angeklagte Koy beim Einteilen der Kompagnie. Der Unteroffizier Bleul be­fahl dem Mann, auf den Korridor zur Jnstruknen zu gehen. Des Weges kommende Mannfchafien haben nun gesehen, daß der Un­teroffizier Bleul den Mann inS Gesicht geschlagen und der Sergeant Fischer habe ihn auch mißhandelt, daß der Musketier blutete. Ter Geschlagene, der vom Fegen kam, roill mm der Schläge roegen den Besenstiel vorgehalten haben, die angeklagten Unteroffiziere aber behaupten, der Mann habe tätlichen Angriff verübt. Als dieser Akt vorüber roar, begab sich der Musketier auf die Stube, das Blut abzuwaschen. Unteroffizier Bleul, der ihm befohlen, zur Instruktion zu gehen, roard böse, warf den Mann ztir Erde, stieß ihn mehrere male mit dem Fuß. AlS der Musketier aufstehen wollte, roarf ihn der Unteroffizier wieder hin mit den Worten:Dir werd' ich es auSreben, zu oer­greifen/ Der als Zeuge vernommene Hauptmann v. Schlieren bekundet, daß bei Bcrncbmung des Angeklagten Koy dieser ihm Augegeben, er habe den Unteroffizier mit der Hand gestoßen beim Abwehren. Der Vertreter der Anklage, Knegsgerichtsrcu Willcke, beantragt Freisprechung des Musketiers und rügt die un­schöne Art der Handelsweise deS Unteroffiziers Bleul, deffen Vor­gehen gegen den Mann er roh und nicht zu rechtfertigen nennt, ferner Verurteilung des Unteroffiziers Bleul zu drei Monaten Gefängnis und Degradation, da er sich unwürdig ge­zeigt, weiter Vorgesetzter zu sein, und deS Sergeanten Fischer zu drei Wochen Minelarrest. Rechtsanwalt Bick als Offizialverteidiger des Musketiers bezeichnet die Angaben der Unteroffiziere als be­wußte Unwahrheit und beantragt mit dem Anklagevertreter Frei­sprechung. Ta» Kriegsgericht erkannte gegen den Musketier auf

sechs Monate Gefängnis, gegen Unteroffizier Bleul zro er Monate Gefängnis, gegen Sergeant Fischer auf Freisprechung. Das Gericht hat eergeant Fischer Glauben geschenkt. Koy ist em schwer zu behandelnder Untergebener, der schon tu militärischen Strafen Anlaß bot, und dem die Tat zilzurrauen ist. Es war ihm aber der Schutz des § 98 zugebilligt, da er durch Mißhandlung gereizt. Dem Angeklagten Bleul fei kein Glauben geschenkt, da et fich in Widerspräche verwickelt. Koy ward sofort üerbaiteL

Arbeiterbewegung.

Bromberg, 8. Avril. In der Angelegenheit bet Cram­berger BauarbeiterauSstandes sanden Einigungsoerhandlungen vor dem Geroerbegericht statt. Tie Arbeitgeber lehnten jedes Zuge­ständnis ab Tie Arbeitnehmer erflärten fich zur Aufnahme der Arbeit zu den früheren Bedingungen bereit Die Arbeitgeber be­reiten sich die Entscheidung vor.

Basel, 8. April. Nachdem die Verhandlungen des Einigung^. amteS resullatlos verlaufen sind, beschloß eine von 3000 Maurern besuchte Versammlung die Fonsetzung des Streiks.

Luzern, 8. April. Nachdem die gestrigen Verhandlungen zwischen der Direktion der Gotthardt-Bahn und der Lohnkommiffion des Personals zu keiner Einigung führten, sah sich btt Verbands- Behörde deS Verbandes des Personals schweizerischer Transpon- Anstalten veranlaßt, angesichts des Ernstes der Situation ver­mittelnd einzugreifen. Dieselbe unterbreitete der Direktion gestern nacht einen Vermittelungsoorschlaa, der in der Konferenz von heute Mittag von der Gesellschaft in vollem Umfange acceptiert worden ist. Durch die in letzter Stunde gemachten Zuaeständniffe etfolgt« sodann die Beilegung des nun beinahe 5 Monate andauernden Lohnkampfes.

Madrid, 8. April. Auch gestern dauerten in vielen Pro­vinzstädten die Kundgebungen fort In Saragossa, BurgoS und Cadix fanden neue Tumulte statt. In Gijon ist heute em General­streik zum Zeichen des Protestes ausgebrochen.

Budapest, 8. April. Ta die Forderungen der Angestellten der Straßenbahn nicht erfüllt wurden, ist im Laufe des heu­tigen Vorniittags der größte Teil der Angestellten in den Streit eingetreten. Tie Gesellschaft wird den Verkehr mit den treu ge­bliebenen Angestellten und Ersatzleuten aufrecht erhalten.

Zandcl und Verkehr. Volkswirtschaft.

Eisenwerke Hirzenhain und Lollar, Aki.-Ges. Lollar. Die Bilanz für 1902 ergiebt, wie uns mitgeteüt wird, einen Bruttogewinn von 400 620 Mk. li. V. 769 998 Mk.j. Die Abschreib­ungen erfordern 210 898 Mk. (275008 Mk.j. Tie Reserve erhalt 8939 Mk. [12 090 Mk.j. Tie Tantiemen betragen 14 530 Mk« [28 519 Mk.j, als Gratifikation werden 7500 Alk. [8410 Mk.j ver­teilt und die Prioritätsaktien erhalten 6 pEt. [w. i. V.j Dividende, 53 752 Mk. [10 930 Mk.j werden vorgetragen [i. V. erhielten außer­dem die Stammaktien 4 pEt.j. Gleichzeitig genehmigte der Auf­sichtsrat den Verkauf des Hirzenhainer Werkes zum Buchpreise von 1840 000 Mk. Die Zahlung erfolgt mit 190 000 Mk. bar und 1150 000 Mk. in Stammaktien. Ter Generalversammlung wird vorgeschlagen, das Aktienkapital um insgesamt 1890 000 Mk« Stammaktien zu reduzieren und die restlichen 86ü 000 fUtt. Stamm­aktien den Prioritätsaktien gleichzustellen. TaS Aktienkapital wird alsdann 2 110 000 Alk. in gleichberechtigten Aktien betragen. Turch diese Transaktion werden 240 000 Alk. buchmäßiger Gewinn er­zielt, die zu Abschreibungen rc. verwandt werden sollen. Weiter wurde beschloffen, die derzeit bestehende Anleihe von ursprünglich 1250 000 Mk. zur Rückzahlung aus den 10. Oktober d. I. zu kün­digen. Dagegen hat die Gesellschaft eine neue 4,5prozenNge An­leihe von 1100 000 Mk. ausgenommen, die an erster Stelle aisiden Besitz der Gesellschaft in Lollar hypothekarisch sicher gestellt wird. Tie Anleihe ist innerhalb 27 Jahren ab 1904 zu 102 pEt. rückzahl­bar. Tie Anleihe wurde von einem Konsortium, bestehend au» den Bankhäusern Sal. Oppenheim jr. u. Co. in Köln und Baß u. Herz ^n Frankfurt a. SDL und der Deutschen Genossenschaftsbank vou Soergel, ParrisiuS u. Co. in Frankfurt a. M. fest übernommen. Die Gesellschaft wird, nachdem das Hirzenhamer Werk adgesloßen ist, in Zukunft die Firma (iifenuyte Dollar, Aktien-Gesellschan. annehmen. "

Eingesandt.

(Für Form und Inhalt aller unter Dieter Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Wie unS anS Nr. 82 des .Gieß. Anz/ bekannt ist, tft für die Spaziergänger des Philosophenivaldes betreffs der Musik der Re- gimentsspielleute Sorge getragen worden, aber für die Anwohner der Wetzsteingasse bis jetzt noch nickt. Tenn der riesige Schmutz liegt noch im vollsten Maße da. Es wäre deshalb sehr wünschenswert, wenn die Besengarde auch einmal an die Stelle gesetzt würde, wo eS am nötigsten ist. Wenn auch die An­wohner arm sind, Heben sie doch die Reinlichkeit. Mögen diese Zeilen zur Reinigung der Wehsteingasse beitragen.

Mehrere Steuerzahler.

Krieskasten der Redaktion.

(Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt.)

3- G. Erschöpfende Auskunft über alle Ihre Fragen erhalten Sie von hiesigem Großh. KreisgefundheitSarnt. Eine Broschüre, wie Sie sie sich wünschen, von ganz geringem Umfange bat der hiesige Universitätsprofessor Dr. H. Walther im Verlage von Staube in Berlin erscheinen lassen, die Sie durch jede Buchhandlung be­ziehen können.

Familien Nachrichten.

Gestorben: Fanny Fabricius, geb. Conradi, 52 Jahre alt, in Wöllstein in Rheinh.

Meteorologische Beobachtungen

ööchste Temperatur am 7.-8. April + 8,1° 0.

Niedrigste , , 7.8. , + 2,3" C.

8.

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Wetter

6,5

5,4

4,9

738,8

741,4

743,7

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WSW. NW. WNW.

April 1903.

+ 7,5 + 5,2 + 3,7

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der Station Gießen

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