TeBephomsches" Kursbericht.
1903.
. 27.10
. 92.50
99.50 . 103.95 . 204.60 . 191.00 . 140.50 . 150.10 . 157.40 , 139.50 . 16.30 . 191.50 . 229.25 . 185.85 . 191.25
• Die Statistik der Nnglücksfälle in dein 2( [ p e n g e b t et, Jura, Schwarzwald und Riesengebirge 1903 ergab insgesamt 148 Katastrophen, wobei 196 Menschen beteiligt waren; hiervon wurden 136 getötet aufgefunden, 60 verletzt, außerdem werden 10 vermißt»
• Ein seltsames Duell. In einer südschwedischen Garnison stand zu Beginn des vorigen Jahrhunderts als Offizier ein Freiherr v. Barneckow, ein sehr stattlicher Herr trotz vorgerückten Atters und Verlustes von einem Auge, der aber in jener Zeit unmittelbar nach dem schwedischen StaatL- banfrott in drückenden Schulden und großer Armut lebte. Eine wohlhabende ältere SLiftsdame wünschte ihm zu Helsen und machte ihm einen Heiratsantrag, den er akzeptierte. Nach den Flitterwochen entsandte sie den Gemahl mit voller Börse nach Kopenhagen, um sich dort zu amüsieren. Der „junge" Ehemann nahm einige Kameraden mit und begann das Amüsement mit Einnahme eines reichlichen Diners; von dort begab man sich in den Kopenhagener Tiergarten, wo des Sommers damals noch mehr als jetzt beständiges Volksfest mit Musik, Tanzsalon und Schießbuden stattfand. Die in Zivil befindlichen schwedischen Herren sahen zu, wie ein dänischer Marineoffizier sich Preis auf Preis herausschoß; mit den gutmütig gemeinten Worten: „So hättet ihr nur 1807 auf die Engländer schießen sollen, dann hättet ihr eure Flotte noch", klopfte ihm Herr von Barneckow auf die Schultern. Ergrimmt kehrte sich der Däne um unb schlug den Schweden ins Gesicht. In dem Bewußtsein, Schuld zu haben, bot Herr von Barneckow die Hand zur Versöhnung, die aber der ergrimmte Kapitän Grove zurückwies. Der Vorfall kam an das Regiment in Schonen und Herr von Barneckow erhielt den Abschied. Das Duell war schon damals in beiden betreffenden Armeen und Marinen verboten, und zwar nicht in der Form, wie bei uns, sondern überhaupt und drakonisch. Trotzdem bestand der für den stumpf gewordenen Karl XLEL das Regiment führende schwedffche Kronprinz Bernadotte auf dem Duell, und trotz allem Schwedenhaffe sah König Friedrich VI. die Notwendigkeit ein. Man schlug sich dann auf der Oeresundinsel Saltholm unweit Kopenhagen. Auf beiden Seiten des Sundes war die Spannung sehr groß; elektrffche Telegraphen gab es damals nicht, aber man telegraphierte durch Zeichen. Die erste Kugel traf den Kapitän Grove, der für tot niederfiel. Vor der lauernden dänischen Polizei sprang Herr von Barneckow schleunigst in sein Boot und fuhr im Sturm nach der schwedischen Küste hinüber, wo er mit Begeisterung empfangen wurde. Aber die kalte Seefahrt hatte dem erhitzten Manne eine Lungenentzündung zu- gezogen, an der er binnen wenigen Tagen starb. Dem Kapitän Grove war die Kugel des Gegners auf einen Unisormknopf geprallt, und der Stoß hatte ihn umgeworfen, wobei ihm das Blut aus Mund und Nase strömte. Später kam der für tot gehaltene zu sich und hat noch mehrere Jahre
. 102.05 . 90.60 . 101.85 . 90.70 . 102.20 . 99.50 . 101.80
100.85 . 99.65 . 103.80 . 51.75 . 31.75 . 37.00 . 133.00
. 44.10
Z"/g Mexikaner 4*/2% Chinesen . . Electric. Scbnckert . Nordd. Lloyd . . Kreditaktien . . . Diskonto-Kommandit. Darmstädter Bank Dresdener Bank . . Berliner Haudelsges. Oeste-r. Staatsbahn . Lombarden ... Gotthard bahn . . . Laurahüite .... Bochum.....
Harpenor ....
Tendenz: fest
Neueste Meldungen.
Original-rahtmeldungen des Gießener Anzeigers.
Marienwerder, 8. Okt. In Unterberg bei Neuenburg wurde der Eigentümer Nadunski beim Hinabsteigen in einen Brunnen von Gasen betäubt, ebenso seine Ehefrau, die ihn zu retten versuchte. Beide sind an Gasvergiftung gestorben.
Dresden, 8. Okt. lieber den Ausfall der sächsiMen Landtagswahlen liegen bisher nur vereinzelte Ml- Resultate vor. In Dresden, worauf sich- das Hauptinteresse konzentriert, wurden im 1. Bezirk, der bisher konservativ vertreten war, 4 konservative, 60 sozialistische und 100 liberale Wahlmänner gewählt. Der glänzende Sieg der Nationalliberalen ist völlig gesichert. Wauen verlieren die Nationalliberalen an die Freisinnigen.
Haag, 8. Okt. Auf dem Zuidersee herrscht ein furchtbarer Sturm. Eine Fischerbarke ist gesunken. Ob die Besatzung gerettet werden konnte, ist noch nicht bekannt.
London, 8. Okt. Hiesige Blätter berichten am Washington, daß die Polizei dort wiederum ein mit zwei Messern bewaffnetet Individuum verhaftete, welches versuchte, in die Wohnung Roosevelts einzudringen.
L. Brüssel, 8. Okt. Die vier belgischen Offiziere, die zu Instruktoren der macedonisch-en Gendarmerie ernannt worden sind, reisen am Dienstag nach Konstantinopel ab. Der Sultan hat um Beschleunigung der Abreise ersucht.
Lille, 8. Okt. Gestern abend ram es wieder zu Ru h e- störungen seitens der Str eikend en. Die Ausständigen verübten an verschiedenen Stellen groben Unfug. Auch mehrere Geschäfte wurden von chnen gestürmt und geplündert. In Fonrmes bei Tourcoing sind die Arbeiter sehr aufgeregt und werden sich, wahrscheinlich, den Streikenden ,an- schließen.
Szeged in, 8. Okt. Die Erregung dauert fort Die Stadt durchziehen Polizei- und Militär-Patrouillen. Alle Kasernen werden scharf bewacht, da weitere Angriffe der Menge erwartet werden. Es ist erwiesen, daß das Militär bei der gestern abgegebenen Salve in die Lust geschossen hat, wodurch die geringe Zahl der Verwundeten erklärlich wird. Abends zogen die Demonstranten vor die Wohnung des Abg. Polszner, von dort vor das Koffuth-Denkmal, indem sie unterwegs die Fenster des Staatsbahnhofes und anderer Gebäude einwarfen. Die Polizei wurde abermals mit Steinen bombardiert. Ein Polizist ist schwer, mehrere andere leichter verletzt worden. Schließlich stellte Militär die Ruhe wieder her.
Sport.
Ver ein „Hund esport"-Gießen. Die von diesem Vereine für nächsten Sonntag ausgeschriebenen öffentlichen Preisschliefen werden sich einer regen Beteiligung hiesiger und auswärtiger Kynologen zu erfreuen haben. Ter neue Sportplatz am Mittelwege hier, in nächster Nähe von Philosophenwald und Liebigshöhe belegen, ist in tadelloser Ordnung und mit allen modernen Einrichtungen versehen, sodaß der Besuch dieser Veranstaltung am nächsten Sonntage auch weiteren Kreisen bestens empfohlen werden kann, zumal da auch für die Restaurierung der Anwesenden alle Vorkehrungen getroffen sind. Als Preisrichter werden die Herren Orth und Proesler aus Frankfurt a. M. fungieren, und bei den zahlreich eingegangenen Meldungen Dürften die Prüfungen sich bis zu den- Abendstunden ausdehnen, obwohl der Beginn schon für den Vormittag auf 8V2 Uhr pünktlich angesetzt ist.
gelebt.
• Deutsche Pläne. Ein ungarisches Blatt ist in der Lage, zu berichten, daß sich Prinz Eitel Friedrich zur Annexion Ungarns bereit häll. Damit ist aber nur ein unwesentlicher Teil des deutschen Annexionsprogramms verraten. Da über kurz oder lang der Vorwärts doch diese Beweise der uferlosen Annexionspolitik Kaiser Wllhelms im Auswärtigen Amt stibitzen lassen und veröffentlichen wird, sieht die Münchner Jugend nicht ein, weshalb sie sich die Sensation dieser Meldung entgehen lassen sollten. Also: zunächst ist es auf Böhmen abgesehen. Der deutsche Kronprinz Friedrich Wilhelm wird nach der nächsten Parade auf dem Tempelhofer Feld nicht mehr nach Berlin zurückkehren, sondern mit den Truppen gleich rechts abschwenken, mit ihnen das Königreich Böhmen er0bern, sich dort die Wenzelskrone aufs Haupt setzen und später einmal das schöne Land und seine sympathische Bevölkerung durch Personalunion mit dem Deutschen Reiche verbinden. Prinz Adalbert wartet nur daraus, daß die Bulgaren ihren Ferdinand entthronen und sofort wird er in Sofia erscheinen, um König der Bulgaren zu werden; das Königs-Patent dazu hat ihm der Zar bei seinem letzten Geburtsfest schon geschickt. Prinz August Wihelm wird Serbien annektieren, sobald König Peter abgehaust hat, Prinz Oskar wird dazu vorbereitet, nach erlangter Volljährigkeit die Schweiz an sich zu reißen und sich dort als Selbstherrscher nach russischem Vorbild zu installieren. Prinz Joachim aber ist bereits heimlich zum Islam übergetreten und wird, wenn erst der kranke Mann Abdul Hamid auSgerungen haben wird, Beherrscher der Gläubigen in der Türkei. Wenn dann der ganze Balkan mit Hohenzollern besetzt jft, wird auch die Balkankrise ein Ende haben. Ueber eine häßliche Jntrigue, die darcht umgeht, den Zaren von seiner prinzenlosen Gemahlin zu trennen und mit der Prinzessin Viktoria Luise zu verheiraten, kann die Münchener „Jugend" noch nichts näheres verraten. Ist der Bestand an preußischen Prinzen erschöpft, so kommen die Prinzen und Prinzessinnen der übrigen deutschen Herrscherhäuser an die Reihe, bis schließlich der ganze Erdkreis auf solche Weise teutompert ist!
Jfc'riuikturt a. J*., 8. Oktober
Vermischtes.
• Wien, 7. Okt. Im Moedlinger Sanatorium beging 6er zweite Hofkapellmeister Bruckner in einem Anfall von Geistesstörung Selbstmord.
* Wien, 7. Okt. Die in Abbazia gestohlenen Wertsachen des Erzherzogs Ludwig Viktor sind in Pola entdeckt worden. Die Diebe wurden verhaftet.
* Cincinnati, 7. Okt. Der Theaterdirektor Josef Mong er hat in einem Anfalle von wahnsinniger Mordlust die Mitglieder seiner Truppe mit einem Revolver angegriffen und dreien von ihnen leichte Schußwunden beigebracht. Nach einer Vorstellung im Robinson Opera House hatte Monger die Mitglieder seiner Truppe zu sich gerufen, um, wie er sagte, mit ihnen wegen ihrer fälligen Gagen zu sprechen. Kaum hatten sich die Damen und Herren der Truppe erwartungsvoll zusammengefunden, als der Direktor in ein Nebenzimmer Jrat und mit zwei Revolvern zurückkam. Dann feuerte er Schuß auf Schuß auf die Umstehenden ab, bis er überwältigt und entwaffnet wurde. Der Schauspieler Bert Haverly, seine Frau, und der Komiker Longfellow trugen Schußwunden davon, die jedoch nicht gefährlich sind. Monger soll schon seit längerer Zeit ein seltsames Benehmen gezeigt haben. Er wurde in eine Jrren- angebracht.
37s% Reichsanleihe . . 3% do. .
37«% Ktmeols . . .
3°/o do......
372% Hessen . . . . 8%% Oberhessen . . . 4% Oesterr. Goldrente . . 47s% Oesterr. äilberrento 4% Ungar. Goldrente, . . 4°/o Italien. Rente . . . 47,56 Portugiesen . . < 8%. Portugiesen. . . . . 1% C. Türken . . . . Türkenlose......
4% Grieoh. Monopol.-Anl.
47,96 äussere Argentiner
Arbeiterbewegung.
Budapest, 7. Oft Ausständige Setzer veranstalteten Kundgebungen vor 2 Redaktionen, warfen Feufter ein und fcfyleuberto1 Steine gegen die Polizei. 21 Ruhestörer wurden verhaftet.
Gerichtssaal.
() Lich, 7. Okt. (Schöffengericht.) Der Tagelöhner Richard M. soll bei einer Frau St. nachts ein- gestiegen sein und dabei Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung verübt haben, während der Ehemann auswärts war. Das Gericht sprach den Mann indessen freu — Der seither unbestrafte Metzger Hermann P. wird wegen Nahrungsmittel v er s ä l schung mit 20 Mark Geldstrafe belegt, da er der Fleischwurst Stärkemehl zugesetzt hat. — Der Schweinehändler Karl D. wurde mit einer Geldstrafe von 20 Mark belegt, weil er entgegen Bekanntmachungen des Kreisamtes Gießen nach Ausbruch der S ch w e i n e p e st Schweine in Oberhörgern verkaufte, ohne einen Gesund- hertsschein, der die vorgeschriebenen Voraussetzungen enthielt, nämlich daß die Schweine die zwölftägige Quarantänezeit durchgemacht und auf abermalige. Untersuchung gesund befunden worden seien. — Ernster liegt der Fall des Feld schütz en Martin Sch von G wegen öffentlicher Beamtenbeleidigung des dortigen Lehrers I., well er gesagt hat, er wolle nicht mehr haben, daß seine Kinder von I. das Lügen lernten, was er auch vor Gericht behauptet. Ein 9 jähriges Mädchen sagt aus, von I. wegen schlechten Lernens z'wei Ohrfeigen erhalten zu hoben, so daß ihm die Nase blutete. Der Lehrer legte den Kindern dann, ■.. v Beweisaufnahme zufolge, nahe, das s)tofenb luten bomme eher vom zu langen Aufbleiben des Abends, vom
UnioerMs-Uachrichte«.
— Die Zürichsche Erziehungsleitung erteilte dem Redakteur der „Züricher Post", Dr. Wettftein, die venia legendi für Geschichte und Technik der Presse, Preßrecht und journalistisches Praktikum. Dr. Wettstein wird Ende Oktober mit seinen Vorlesungen beginnen.
Kaffetrinken und vom Sitzen am heißen ö)eu. TMius ent- stcrnd das Gerede vom Lügen lernen. Das Gericht spricht den Vater, der zwei Linder bei demselben Lehrer in die Schule gehen hat, frei, und betont bei der Urteilsverkünd-, ung, daß die körperliche Züchtigung von, Schulmädchen als unzulässig zu erkennen sei.
Offenbach, 7. Okt. Die letzte Neujahrsnacht in Nreder-Roden zählte, wie Blättern gemeldet wurde, zu den krllischen Tagen erster Ordnung. Ein Haufe von mehr als zwanzig halbwüchsigen Burschen durchzog die ganze Nacht johlend und schreiend die Straßen unseres ftüher so friedlichen Dorfes. Doch nicht genug damit, unterhielt die hoffnungsvolle Jugend ein regelrechtes Feuern mit Re v 0 lvern. An dem Hause eines Katholiken wurde Halt gemacht und nun begann ein vollständigeA Bombardement. Kugeln pfiffen den erschreckten. Bewohnern um die Ohren, durchlöcherten die Scheiben und schlugen Stühle und Möbel in Trümmern. Ncur durch glücklichen Zufall ist es gekommen, daß nicht Menschenleben zu Grunde gingen. Der Bürgermeister, dessen Sohn ein Hauptbeteiligter war, stellte amtlich die Sache als ganz harmlos hin; der Nachtwächter, welcher ftüher einige Personen erkannt haben wollte, weiß plötzlich gar nichts mehr von Bedeutung. Einige Burschen, darunter der Sohn des Bürgermeisters, sind jetzt zu je acht Tagen Gefängnis verurteilt worden.
Nürnberg, 7. Okt. Die Strafkammer verurteilte den Goldschläger Simmerlein, der 12 Kaiserbilder auf dem Rathaustorridor zerschnitten hat, zu einer dreijährigen G e fängnis strafe.
eine Macht ba ist, den Uebertreibungen entgegenzutreten. Diese Uebertreibungen zeigen sich besonders in der Bild- 1 ungsfrage. (Sehr richtig! Zustimmung.) Verlangt man < doch jetzt sogar schon, daß die Seminarblldung mit ihrer } einen Fremdsprache, die drei Jabre hinourch betrieben ist, ( der Maturitas gleichgestellt werde! (Lachen.) Gegenüber derartigen gefährlichen Bestrebungen müssen wir einen festen Zusammenschluß haben. Hätten wir denselben schon früher gehabt, so wäre gewiß die Lösuna der Schulreform- > frage wesentlich beschleunigt worden. (Lebh. Beifall.) Wir 1 hoffen, dnß das Mißtrauen, das gegen unsere Bewegung noch an einzelnen Stellen obwaltet, bald schwinden wird. (Beifall.) Wohl wollen wir mit festem Rückgrat, furchtlos , und treu, unsere Standesinteressen vertreten, aber gleich- . zeitig auch der Erkenntnis stets Rechnung tragen, daß vorgesetzte Behörde und Beamte Zusammengehen müssen. (Lebhafter Beifall.) Wir wollen dahin wirken, daß der Titel Oberlehrer ein Ehrentitel wird und daß wir überall in deutschen Landen bekennen dürfen: Ich. bin ein deutscher Oberlehrer! (Stürm. Beifall.)
Es wurde hieraus zurKonstituierungdesDeut- ichen Oberlehrertages geschritten und es wurden zu Vorsitzenden gewählt: Professor Block-Gießen, Professor Lortzing-Berlin und Prof. Hartmann-Leipzig ; zu Schriftführern Oberlehrer Ritzert-Darmstadt, Oberlehrer Müller-Berlin und Professor Schmidt-Würzburg.
Nach längerer Debatte wurde die Gründung des Deutschen Oberlehrerverbandes beschlossen. Die endgiltige Fest- setzung der Satzungen soll im nächsten Jahre erfolgen.
Mädchenschule und Arauenöeweguug.
Die 18. Hauptverffammlnng des deutschen Vereins für das höhere Mädchenschulwesen hat dieser Tage in Danzig stattgefunden. Der letzte Verhandlungstag war der Airs- einandersetzung der höheren Mädchenschule mit den Forderungen der modernen Frauenbewegung gewidmet. Zwei Redner behändellen das Thema: Direktor Doblin- Hagen und Frl. Auguste Spr eng el--Berlin. Doblin ging davon aus, daß die Frauenbewegung eine Kulturerschein- ung sei, aus der Notlage so vieler Frauen entstanden. Be- reHigt sei das Bestreben, int Weibe den Menschen heranzubilden, bis zur Entfaltung der geschlossenen, selbständig>en Persönlichkeit, ebenso das Streben, die Frau zur Arbeit und zu wirtschaftlicher Selbständigkell zu erziehen. Es sei zuzugestehen, daß die höhere Mädchenschule in ihrer jetzigen Form diese berechtigten Forderungen nicht erfüllen könne. Deshalb sei eine Reform anzubahnen, die dahin ziele, diese Schule soweit weiterzuentwickeln, daß sie unmittelbar an die Pf orten de r Hochs chu le führe. Dies solle geschehmi durch einen dreijährigen Oberbau auf die zehnklassige Vllidchenschule, durch Einftchrung mathematischnaturwissenschaftlichen Unterrichts, Beschränkung der literarisch-ästhetischen Ausbildung, fakullativen Lateinunterricht. Dagegen will Direktor Doblin genreinsamen Unterricht von Knaben und Mädchen ablehnen, ebenso eine Gabelung der Oberstzufe nach zwei Richtungen hin; praktische technische Ausbildung feri besonderen Anstalten zu überlassen. Frl. Sprengel vertritt die gemäßigte Richtung der Frauenrechtlerinnen, sie verteidigte den deutschen Mädchenschulverein gegen Vorwürfe und Angriffe von jener Seite her. Der Verein, der anfänglich, d. h .vor etwa 25 Jahren, einseitig betont habe, die hhhere Mädchenschule gehöre der ntännlichen Lehrerschaft, fei mit der fortschreitenden Zeit selbst fortgeschritten; er verlangt jetzt gemischten Lehrkörper auf allen Stufen. Obwohl Doblin einen von ihm ausgestellten Fächervertellungsplan für alle 13 Klassen, die er fordert, vorgelegt hatte, ihn eingehend begründete und verteidigte, obwohl die Nollvendigkeit einer Reform allseitig anerkannt wurde, gingen doch über das Verfahren die Ansichten sehr weit auseinander. Geheimrat v. Sallwürk-Karls- ruhe zeigte, daß igt Baden die gemein s ame Erziehung von Knaben und Mädchen tatsächlich bestehe, wenn auch unter der Beschränkung, daß jeder einzelne Fall, wo ein Mädchen in einer höheren Knabenschule Aufnahme begehre, von der oberen Schxllbehörde genau vorher zu prüfen und zu genehmigen sei. Direktor Keim- Karlsruhe, der Leiter des dortigen Mädchengymnasiums, erklärte, daß nach feinen Erfahrungen fakultativer Lateinunterricht durchaus nicht genüge, es müsse vielmehr in vielen wöchentlichen Stunden Latein für alle verbindlich gelehrt werden, und auch das Griechische müsse zu seinem Rechte kommen. Desselberger-Heilbronn führte aus, wie auch in Württemberg in kleineren höheren Kn abenschulen M ädchen mitunterrichtet würden. Bon mehreren Seiten wurde betont, daß kleinere Städte überhaupt nicht an die Einrichtung so umfassender Mädchenschulen denken könnten, aud) sonst wurden noch zahlreiche Schwierigkeiten geltend genracht, insbesondere auch die finanziellen und die politischen Schwierigkeiten, eine so völlige Umwälzung des weiblichen Erziehungssystems in die Wege zu letten. Schließlich einigte man sich, indem man die Einzel- yeiten der Reform vorläufig außer acht lleß, aus folgende Erklär ung: „Die Frauenbewegung fordert erstens Vertiefung der Bildung der Frau für ihre allgemeine Bestimmung, zweitens Vorbereitung der Frau aus das Uni- verfttätsftudium. Der Deutsche Verein für das höhere Mädchenfchulwesen teilt diese Forderungen und hall eine Erweiterung bezw. Umgestaltung der höheren Mädchenschule in diesem Sinne für nötig."


