mtb dem Achlelzuckeu der anderen Parteien nicht zurück- schrecken.
Deutsches Reich.
Berlin, 7. Okt. Das Athener Blatt „Akropolis" meldet, KaiserWilHelm habe seine Schwester, die Kron- Prinzessin Sophie vonG riechenland, und ihren Gatten eingeladcn, nach der D arm st ä d t e r Hoch» zeits feier einige Tage in Berlin zu verbringen. Das kronprinzliche Paar, das sich von Darmstadt zunächst nach Friedrichshos begibt, wird daraufhin — wie auch seinem eigenen Wunsche gemäß — den Berliner Denkmalsenthüll- ungen beiwohnen.
— Die Llrt mrd Weise, wie Kaiser Wilhelm em Ansuchen des französischen Deputierten Etienne erwidert hat, wird in hiesigen diplomatischen Kreisen be- sprochen. Etienne hat auf dem statistischen Kongreß in Hamburg eine etwas chauvinistisch. gefärbte Rede gehalten. Als er sich nun an die französische Botschaft in Berlin wandte, und diese bat, ihui die Erlaubnis zur Besichtigung des Marinearsenals in Kiel zu verschaffen, wurde ihm geantwortet, daß diese Erlaubnis mit Rücksicht auf jene Rede aller Wahrscheinlichkeit nach verweigert werden würde. Etienne ließ sich dadurch nicht abschrecken und erbat sich die Erlaubnis zur Besichtigung direkt vom kaiserlichen Marinekabinett. Es kam umgehend die Antwort, daß Kaiser Wilhelm verfügt habe, Etienne den Zutritt zum Kieler Arsenals zu gewähren und ihm alles zu zeigen, was er zu sehen wünsche.
— Der Studiengesellschaft für elektrische Schnell- fahrten ging folgendes Telegramm des Kaisers zu: ,^Jch danke für die Meldung von der Erreichung der Geschwindigkeit von 200 Kilometern^und gratuliere der Studiengesellschaft und der Firma Siemens zu dem schönen Erfolge, Den deutsche Tatkraft und Beharrlichkeit damit errungen hat."
— In einer Polemik gegen die „Frkf. Zta.", welche behauptete, daß unter der Ministerpräsidentschaft des Grafen Bülow der Mitellandkanal nie zu srande kommen würde, hatte die „Nat.-Ztg." behauptet, daß Konservative undSozialisteutöter in letzter Zeit mit allen Mitteln auf denSturz desGrasenBülowhinarbeiten, um an dessen Stelle einen „starken Mann" zu bringen. Darauf antwortet nun die ,Freuzztg.":
,Hier wird allgemein den Konservativen „Minister- stürzerei" vorgeworsen. Es widerspricht aber den konservativen Grundsätzen, direkt oder indirekt die Stellung eines Ministers zu untergraben. Die Ernennung und Verabschiedung von Ministern muß der Initiative Seiner Majestät des Königs Vorbehalten bleiben. Es gibt allerdings einige agrarische Kreise und auch leider Vereinzelle Konservative, die aus verschiedenen Gründen auf Einsetzung eines anderen Ministerpräsidenten dringen. Konservativ ist dieses Verhallen nicht, und die Partei muß sich verbillen, für solche Wünsche verantwortlich gemacht zu werden."
— Der Bundesrat HÄt morgen seine erste Sitzung nach der Sommerpause ab. Er dürste \\&y u. a. auch mit der Frage wegen Ernennung eines neuen Reichsgerichts- Präsidenten beschäftigen.
— Die „Dtsch. Volkswirtsch. Lorr." behauptet, in Frei- Händlerkreisen trete immer unverhüllter die Meinung zutage, daß die Regierung, um den Abschluß neuer Handelsverträge zu ermöglichen, unter die Minimalzölle für Getreide herabgehen solle, und fügt hinzu, man könne die handelspolitische Stellung der Reichsregierung gegenüber dem Auslande durch nichts mehr untergraben, als indem man die Meinung zu verbreiten suche, daß die Festlegung der Getreidezölle in dem neuen Zolltarifgesetz nur eine Komödie gewesen sei. Hierzu sagt die „Freihändl. Corr.", daß die Freihändler gegenüber den Verhandlungen mit Rußland Zurückhaltung beobachten und es der Regierung überlassen, der Schwierigkeiten Herr zu werden, in die sie trotz aller Warnungen von steihändlerischer Seite geraten ist.
— Auf dem Deutsch-sozialen Parteitage in Hamburg behandelte der Vorsitzende des Deutsch-nationalen Handlungsgehllfenverbandes ,Schack-d^amburg, das Thema „Die Nationalsozialen und der neue Liberalismus" und geißelte vor allem den Abfall' der National- sozialen von ihren antijemitischeu Idealen. Oberamtsrsch- ter Brmidis-Braunschweig sprach über die Stellung der deutschsozialen Partei zu den christlichen Religionsgemeinschaften. Eine seinem Vorschläge gemäß angenommene Resolution verlangt, daß seitens des Reiches, der Einzel- staaten, der politischen Gemeinden, der kirchlichen Behörde alles getan werde, was zur Abschwächung des konfessionellen Gegensatzes zwischen Protestanten und Katholiken geschehen tonne. lieber die Frage der Aufhebung des § 2 des Iesuitengesetzes traten verschiedene Meinungen zutage. In der dritten und letzten Versammlung sprach Abg. Gras Reventlow-Wulfshagen über Licht Und Schatten in der modernen Arbeiterbewegung. Man müsse in die Sozialdemokratie wahres soziales Denken und Empfinden hinein- tragen. Das müsse mit unermüdlichem Liebeswerben unter der Arbeiterschaft geschehen. Tie Arbeiter und die anderen Stände müßten sozial reformiert werden. Die Lösung der Arbeiterfrage sei unsere wichtigste Aufgabe. Die Arbeiterbewegung müsse gehoben und vervollkommnet werden. Kultur fortschritt in der breiteren unteren Schicht bedeute Kulturj'ortjchritt des ganzen Volkes. (Lebh. Beifall.) Als zweiter Redner sprach Reichstagsabg. Liebermann v. Son- .nenberg über „Das Deutsche Reich mit und ohne Bismark. Mit einem Ausfluge nach Friedrichsruh und einer Huldigung vor dem Sarkophage Bismarcks erreichte nachmittags der Parteitag sein Ende.
— Nach einer Mitteilung der „Frkf. Ztg." hiell der Weitere Ausschuß der Deutschen Volkspartei in Frankfurt a. M. eine aus Baden, Bayern, Preußen und Württemberg gut besuchte Sitzung ab. Es kam zu einer eingehenden Aussprache über die gegenwärtige Lage und die zukünftige Stellung der bürgerlichen Linken. Es wurde einstimmig beschlossen, dem demnächst zusammentretenden Parteitag folgenden Antrag zu unterbreiten:
„Der Parteitag erklärt es angesichts der immer mächtiger anwachs enden Reaktion für eine zwingende Notwendigkeit, daß die Gruppen derbürgerlichen Linien zur energischen Bekämpfung der rückschrittlichen Bewegung einen en g er en us am m e n s chl u ß suchen. Er erklärt sich namens der Deutschen Voltspartei bereit, zu einem solchen Versuch nach Kräften mitzuwirken."
Der Parteitag der Deutschen Volkspartei tritt am 14. und 15. November in Heilbronn zusammen.
München, 7. Okt. Die Kammer der Abgeordneten beendete die Besprechung der Interpellationen über die Verstaatlichung der Pfälzischen Bahnen.
Ministerpräsident Frhr. v. Podewils wies nochmals alle Ein- würft zurück, welche gegen den Aufschub der Verstaatlichung v orgebracht sind.________________________________________
Yeucs vom UaiLa».
Das Gefecht von Demir kapu wird nun nach offiziösen Meldungen nicht als Kampf zwischen den regulären Truppen der Türkei und Bulgariens, sondern als ein Zu-- sanmienstoh zwischen Insurgenten mid türkischen Soldaten hin gestellt. Einige Aufständische, welche aus bulgarisches Gebiet flüchteten, wurden, wie es in dieser Meldung weiter heißt, von bulgarischen Behörden ergriffen und entwaffnet, diäheres über die beiderseitigen Verluste ist noch nicht bekannt.
Eine Mitteilung der Pforte an die österreichisch-imga- rische und russische Botschaft besagt, daß nach Nachrichten, Die dem dritten Korps komm ando in Salonik zugegangen sinö, die neuen im bulgarischen Grenzgebiet versammelten Komiteebanden sich den jüngst einberufenen bulgarischen Reservisten mrschliehen und daß die Banden sich anschicken, die Grenze zu überschreiten; ferner, daß in Bulgarien weilenden türllschen Untertanen die Verabfolgung von Pässen für die Heimkehr verweigert wird. Weiter heißt es, daß die Komitees von Varna und Burgas in Grabowo und Elena Munition anferllgen lassen.
Von Trnova werden ernste Ruhestörungen gemeldet. Anhänger der bulgarischen Regierung überfielen Anhänger der vereinigten Opposllion, die den bulgarischen Minister Präsidenten Dr. Danew sowie die anderen Parteü- chess nach einer Wahlversammlung zur Bahn begleiteten. Es entspann sich ein S tr a ß en t amps, bei. dem Revolver schüsse abgegeben -vurden. Militär wurde requiriert. Ein Oberst und ein Hauptmann wurden verwundet.
Gegenüber türkischen Erklärungen wird von bulgarischer Seite behauptet,daß in Raslog mehr als 800 Männer, Frauen und Kinder von den türkischen Truppen hingemorde t sind. Infolge der Kämpft zwischen den Türken und Flüchtlingen konnten 5000 Bewohner vor dem Blutbade aus bulgarisches Gebiet flüchten. Weitere Tausende sind in die Berge entwichen. Sie versuchen von dort, die bulgarische Grenze zu erreichen.
Die sonst im Januar übliche Einberufung von 24 000 Rekruten der bulgarischen Armee ist auf den 8. Oktober a. St. festgesetzt worden. Ferner werden sämtliche Unteroffiziere aller Reservellassen zu einer dreiwöchentlichen Waffenübung einberufen. Geschützmuniton ist vom Auslande eingetroffen.
Von angebllch zuverlässiger Quelle wird gemeldet, daß in Sofia. ein Schreiben Boris Sarafows ein ging, wonach die Einstell ung des Ausstandes beschlossen sei, um die für die Macedonier gegenwärtig günstigenTisposllionen der Großmächte nicht zu stören.
Aus Stadt unö Sani).
Gie ß en, 8. Oktober 1903.
* * Personalien. Se. Kgl. Hoh. der Groß Herzog haben den Prinzen Andreas von Griechenland, Königliche Hoheit, ä la suite des 1. Großh. Hess. Dragoner- Regiments (Garde-Dragoner-Regiments) Nr. 23 gestellt. — Dem Kirchendiener Heinrich Schmidt I. in Winnerod wurde das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift: „Für 50jährige treue Dienste-* verliehen.
— Aus dem Bureau des Stadttheaters. Nochmals sei auf die morgige Aufführung des so originell auk- gestatteten Blumenthal-Kadelburg'schen Lustspiels hingewiesen, das auf vielseitiges Verlangen als 2. Freitags-Abonnements- Vorstellung wiederholt wird. — Am Dienstag den 13. Oktober geht als erste Volksvorstellung Lessings „Minna von Barn Helm* in Szene. — Da von vielen Seiten nach der günstigen Aufnahme der Leistungen der neuen Direktion noch nachträglich feste Wochentags-Abonnements gewünscht wurden, so sei darauf hingewiesen, daß solche vorläufig noch ausgegeben werden und für bereits versäumte Vorstellungen Gutscheine erteilt werden, die für eine beliebige andere Abonnements - Vorstellung ohne Aufschlag verwertet werden können. Besonders im Freitags-Abonnement sind noch gute feste Plätze frei.
* * Selbstm ord. Der Rendant Ludwig Seip aus Birstein hat sich heute nacht im Arresthaus erhängt.
* * Etwas vom Bier. Im abgelaufenen Jahre waren, nach den Mitteilungen der Großh. Hessischen Zentralstelle für Landesstatistik, im Großherzogtum Hessen 125 Bierbrauereien im Betrieb, gegen 129 im Vorjahr. Im ganzen wurden in diesen Brauereien 1 567 134 Hektoliter Bier gebraut, gegen das vorhergehende Jahr eine Minderproduktion von 6953 Hektoliter. Sämtliche Brauereien haben nur untergähriges Bier hergestellt; die im Vorjahr noch bestandene einzige Brauerei, welche obergähriges Bier bereitete, ist seitdem eingegangen. An steuerpflichtigen Braustoffen wurden im Jahr 1902 30 697 641 Kilogramm geschrotenes Gerstenmalz und 21 652 Kilogramm sonstiges Getreide, an Malzsurrogaten 121 520 Kilogramm Reis und 160 Kilogramm Zucker aller Art verwendet. Gegen das Vorjahr kamen 767 731 Kilogramm Gerstenmalz und sonstiges Getreide und 3899 Kilogramm Malzsurrogate weniger zum Verbrauch. An Brausteuer sind im Großherzogtum im Jahr 1902, nach Abzug von 5151 Mk. Steuervergütung für ausgeführtes Bier, 1 229 521 Mk. eingegangen, 30 109 Mk. weniger als im Vorjahr. Die drei höchsten ©teuerbeträge wurden mit 200 980 Mk., 89 488 Mk. und 88 070 Mk. entrichtet.
§ Bad-Nauheim, 8. Okt. Zu dem Einbruch, der sich am Dienstag in einer hiesigen Villa ereignete, meldet die , Franks. Ztg." heute, daß es sich um einen Raubmord handele. Das ist nach unseren Erkundigungen aus bester Quelle unzutreffend. Der Einbrecher hat nichts gestohlen, hat aber die beiden Damen der Villa, die eine leicht, die andere schwer, mit einem eisernen Instrument verletzt und ist dann entkommen. Verdächtig ist ein Koch aus Frankfurt, Karl Schott, und außerdem ein Mensch, der am Nachmittag zuvor in einer gegenüberliegenden Villa erschienen ist. Die eine schwerverletzte Dame befindet sich tatsächlich in der Klinik in Gießen.
Darmstadt, 7. Okt. Bei dem Rout, den die Prinzlich Battenbergschen Herrschaften am Dienstag abend gaben, waren die Kaiserin von Rußland in einem meergrünen, mit Silber durchwirkten und mit Brillanten benähten Kleide er^ schienen. Dazu trug sie eine Brillant-Krone, em doppeltes Brillant-Kollier und zwei lange Ketten von riesigen Diamanten.
Den Abschluß des ausgeschnittenen Kleides bildete ein wasser- grüner Edelstein von ganz außerordentlicher Größe. Die Großfürstin Sergius trug ein hell lila silberdurchwirktes Kleid mit Brillanten. Der Ausschnitt und die Nähte waren mit Smaragden, die in Brillanten gefaßt waren, benäht, dazu hatte sie ein desgleichen Kollier, taubeneigroße Ohrringe und ein Diadem in altrussischer Form von Brillanten und Smaragden angelegt. Prinzessin Heinrich war in einer rosa Robe mit einer Brillantkrone, die Königin von England in einer weißen Robe und hohen Brillanttrone, die Königin von Griechenland in einer Crömerobe und Brillanttrone erschienen. Die Prinzessin Viktoria von Battenberg trug eine weiße Damastrobe und eine Brillantkrone. Die Braut, die in einem duftigen weißen Kleid mit weißen Blumen auf dem Kleid und im Haar erschien, war besonders liebreizend. Großfürstin Helene trug eine weiße Robe, Prinzessin Franz Joseph von Battenberg ein Orange-Samtkleid mit Spitzen.
sä. Darmstadt, 8. Okt. (Eigener Drahtbericht.) Die Königin von England, sowie das griechische Königspaar werden morgen, Freitag, abend um 7.30 mittelst Sonderzuges von hier nach Frankfurt reisen und alsdann mit dem fahrplanmäßigen Schnellzuge um 8.45 (der um 9.50 abends in Gießen eintrifft. D. Red.) direkt nach Schloß Fredensborg in Dänemark sich begeben. Heute trafen das Großfürstenpaar Dimitri und die Großfürstin Pawlowna von Rußland hier ein. Die Großh. Hofhaltung wird am Montag nach Schloß Wolfsgarten übersiedeln. Am Samstag findet hier noch ein Hos- ball statt.
Nieder-Jngelheim, 6. Okt. Die Fäces-Dünger- fabrik von Ed. Jak. Hahn brannte vollständig nieder. Als Entstehungsurfache wird Selbstentzündung angenommen. Die Nachbarhäuser schwebten anfangs in großer Gefahr. Fabrikant Böhringer ließ durch feine Leute die erste Hilfe leisten, indem er Schläuche an die Hydranten legen ließ, womit die Dächer der benachbarten Häuser bespritzt werden konnten.
fc. Frankfurt a. M., 8. Okt. (Eigener Drahtbericht.) Auf dem hiesigen Postamt wurde ein als unbestellbar bezeichnetes Packet amtlich geöffnet und darin die Leiche eines Kindes entdeckt. Das Packet ist in Wiesbaden der Post zur Beförderung nach Gießen aufgegeben worden, aber der Adressat konnte nicht ermittelt werden, da die Adresse eine fingierte war, und es wurde das Packet als unbestellbar deshalb zurückgesandt und hier geöffnet. Inzwischen sind in Wiesbaden eine Frau, sowie deren Tochter, die Mutter des Kindes, und der Bräutigam der letzteren ermittelt und verhaftet worden.
Hanau, 6. Okt. In der Gemarkung des Nachbardorfes Wachenbuchen ist in letzter Zeit die Sicherheit des Publikums durch das Jagdhandwerk ausübende Schützen mehrfach ernstlich gefährdet worden. So erhielt dieser Tage ein Bewohner Wachenbuchens von einem solchen Jäger einen Schuß ins Bein, zwei Tage darauf bekam ein mit Kärtoffelausmachen beschäftigter Arbeiter eine Schr otladung teils in die Hand, teils ins Bein und bald darauf wurde ein 76 jähriger Landwirt ins Gesicht geschaffen.
s. Aus dem Kreise Biedenkopf, 7. Okt. Mit dem 1. Oktober ist auch die bisher in den übrigen Kreisen des Regierungsbezirks Wiesbaden geltende Baupolizei-Verordnung für unser ehemaliges hessisches Hinterland (Llreis Biedenkopf) m Kraft getreten. Das Bekanntwerden dieser Bestimmung jagte vielen Bewohnern des Kreises nicht geringen Schrecken ein, da man sich bis dahin gegenüber den „Nassauern" bezüglich des Bauens sehr großer Vergünstigungen erfreute. Nun sind selbst bis in die kleinsten Dörfchen unseres Kreises noch im Laufe dieses Sommers viele Neubauten in Angriff genommen worden, um nicht von den neuen Bestimmungen betroffen zu roeröen.
Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Infolge Unwetters ist in der Gegend von Gelnhausen Hochwasser eingetreten.
Erster Deutscher Kverlehrertag.
Halle a. S., 6. Okt.
Heute nachmittag trat hier der erste Deutsch-e Ober» lehrertag zusammen, der den Zusammenschluß der bestehenden 34 Gymnasiallehrervereine, die 14 000 Mitglieder umfassen und sich über das ganze Deutsche Reich erstrecken, &u einem die Interessen des akademischen Lehrerstandes vertretenden Deutschen Oberlehrerverband herbeiführen soll.
9lach dem dem heutigen Abgeordnetentage vorliegend den Statutenentwurs wird die Aufgabe des neuen Verbandes durch § 1 wie folgt bestimmt.
„Der „D. O.-V." hat die Aufgabe, für die gemeinsamen Interessen des deutschen höheren Lehrerstandes zu wirken, insbesondere für Schaffung eines nach Vorbildung, Titulatur und Rangstellung einheitlichen höheren Lehrerstandes, sowie für Gleichstellung der höheren Lehrer mit den entsprechenden Kategorien der übrigen akademisch gebildeten Stände in Rang und Gehalt." § 2: „Der „D. O.-V." erstrebt die Lösung seiner Aufgabe a) durch den in der Regel alle zwei Jahre wiederkehrenden Deutschen Oberlehrer tag, der möglichst in Verbindung mit der Versammlung Deutscher Philologen und Schulmänner abgehalten wird; b) durch Unterstützung aller der Erreichung der Verbandsaufgaben dienenden Bestrebungen".
Die heutige Versammlung war so stark besucht, daß der Saal sich als zu klein erwies.
Professor Block-Gießen eröffnete die Versamm» lung mit einem Rückblick auf die Entstehung der Oberlehrerbewegung. Den Anstoß hat der großartige Ausfall der Schröder,listung gegeben, deren Schaffung zum ersten Male die Oberlehrer des ganzen Reiches zusammengeführt hat. Neben dem hessischen Gl)mnasialverein gebührt das Hauptverdienst an dem Zustandekommen dieses ersten Oberlehrertages dem sächsischen Gymnasiallehrerverband, dem Philologischen Verein in Stettin und dem Vorstand des Preußischen Verbandes. Unsere Berufsverhältnisse zwingen uns, bei aller wissenschaftlicher Arbeit, den Zusammenhang mit der Welt und dem Leben nicht zu vergessen. Rttlgsum sehen wir im wirtschaftlichen und politischen Leben die Berufsstände sich zusammenschließen; es sei nur an den Deutschen Aerzteverbcmd erinnert. Wir sehen, welche Macht der Zusammenschluß den seminaristisch vorgebildeten Lehrern gegeben hat, eine Al acht, die gefährlich werden kann — vielleicht auch uns Oberlehrern — wenn nicht


