Ausland.
London, 7. Juni. Anläßlich der jährlichen Sonntagskollekte in den Kirchen zu Gunsten der Hospitäler wohnten der König und die Königin, Prinz und Prinzessin von Wales, der Herzog von Cambridge, Herzog und Herzogin von Connaught mit ihren Töchtern und andere Mitglieder der königlichen Familie dem Nachmittaasgottesdienste in der St. Paulskatbedrale bei. Tie ^Majestäten fuhren mit der Prinzessin Viktoria in einem offenen Vierspänner und wurden von der Volksmenge begeistert begrüßt. Am Westportale der Kirche wurden sie von der Geistlichkeit, dern Lordmayor und den Stadträtcn empfangen. Ter Lordmayor schritt dem König mit dem Staatsschwerle voraus und führte ihn zu seinem Sitz, vor welchem ein Tisch stand, auf den der Lordmayor das Staatsschwert legte, bevor er sich aus feinen Platz zurückbegab.
— Tie Budgeteinnahme n für das am 31.März ablaufende Etatsjahr belaufen sich auf 150511697 Lstr., weisen mithin eine Mehreinnahme von 33 Millionen Lstr. auf. Bei den Ausgaben figuriert die Marine mit 3117OOOU Lstr. und die Armee mit 69 440 000 Lstr.
Paris, 7. Juni. Tie französischeSchiffahrts- gesellschaft „Compagnie de Messager des Maritimes" verlangt von der Türkei eine Entschädigung von drei Millionen Franks für die Zerstörung des Dampfers „Guadalquivir". Von dieser Summe sind U/a Millionen für das Fahrzeug, 1 Million als Entschädigung an die Passagiere und Rheder und Y2 Million für die Opfer bestimmt. Tas französische Botschafter wird diese Forderung bei der Pforte persönlich vertreten.
— König Viktor Emanuel wird am 10. oder 11. November in Paris eintressen. Von hier begibt sich der König nach London, wo sein Empfang am 15. 9ioDember statt find en wird.
Rom, 7. Juni. Ter Papst erließ ein Breve betreffend eine möglichst großartige Feier des nächstjährigen fünfzigsten Jahrestages des Togmas der unbe- sleckten Empfängnis Maria. In Rom findet ein großer, internationaler, marianischer Kongreß statt. Für den ganzen Erdkreis wird empfohlen, während des ganzen nächsten Jahres eigene Missionen und Pilgerfahrten zu Marienkirchen und besondere Wohltätigkeitsveranstaltungen zu Ehren Mariä.
Bern, 7. Juni. Tie Sozialdemokraten beschlossen, der Vorlage der Bundesversammlung betr. die Neubewaffnung der Artillerie zuzustimmen, sie verlangen ober, daß das Referendum Vorbehalten werde.
Wien, 7. Juni. Ter König von Italien gedenkt Kaiser Franz Josef in Ischl zu besuchen und dieser wird wohl den Besuch in einer mittelitalienischen Stadt, aber nicht in Rom erwidern.
— Es steht fest, daß Zar Nikolaus im September nach Wien kommen wird.
Aus Stadt und Kund.
Gießen, 6. Juni 1903.
LU. Promotionen. Im Monat Mai 1903 wurden an der Landes-Universität promoviert:
Zum Dr. phil. honoris causa der Direktor Karl Pi stör in Flix (Spanien).
Zum Dr. med.:
Wilhelm Schiffer, approbierter Arzt aus Bedburg-Broich, Robert Bruder, approbierter Arzt aus Pekin (M-Amerika), Uzuhiko Mayeda, Arzt aus Nagoya (Japan),
Helmuth Happe, approbier Arzt und Ajsistent am anatomischen Institut i)u Gießen,
Max Schwienhorst, approbierter Arzt aus Telgte.
Zum Dr. med. vet.:
Heinrich Fauerbach, approbierter Tierarzt aus Offenbach a. 9JL,
Max Müller, approbierter Tierarzt aus Straßburg i. E., Albert Ross le, approbierter Tierarzt aus Eßlingen.
ZllNi Dr. phil.:
Eduard St 0 hr, cand chem. aus Gießen.
Ludwig Spilger, cand. rer, nat. aus Lallbach.
" Empfang bei Hofe. S. K. H. der Großherzog empfingen am 6. Juni u. a. den Oberst v. Graevenitz, Kommandeur des Infanterie-Regiments Kaiser Wilhelm Nr. 116 und den Hauptmann Koettschau von demselben Regiment.
• * Personalien. S. K.H. der Großherzog haben die Regierungsaffcfforen Ernst Pull mann aus Groß-Umstadt, Friedrich Kratz aus Laubach, Dr. Philipp Jost aus Allertshofen und Jakob Hofmann aus Groß-Rohrheim zu Steuerkontrolleuren ernannt. — Der Bezirkskassier in Zwingenberg Friedrich Bitsch wurde an die Bezirkskaffe in Schlitz, der Bezirkskassier in Alzey, Rendant Albert Scriba an die Bezirkskaffe Zwingenberg, der Bezirkskassier in Schlitz PHUipp Jakob Göbel an die Bezirkskaffe Alzey versetzt. — Der Hauptsteueramtsassistent bei dem Hauptsteueramt Mainz Richard Müller wurde in gleicher Diensteigenschaft an das Hauptsteueramt Darmstadt versetzt; die Finanzaspiranten August Wenzel aus Gießen, Hermann üeinberger aus Stuttgart und Karl Wilhelm Schneider aus Darmstadt zu HauplsteueranitSassistenten bei dem Hauptsteueramt Mainz ernannt. — Der Steuerkontrolleur Regierungsaffeffor Heinrich Schwarz zu Worms wurde zum Steuerkommiffariats- afsistenten in Worms ernannt. — In den Ruhestand wurde versetzt der Lademeister in der Hessisch-Preußischen Eisenbahn- gememschaft Jakob WernerSbach zu Darmstadt wegen geschwächter Gesundheit mit Wirkung vom 1. Juni 1993 an.
Ernennung. Der frühere Lehrer an der hiesigen Gewerbeschule, Architekt Wilhelm Mühlberger, ist zum Direktor einer rheinischen Großmetall- und Ofenindustrie-Ge- sellschaft ernannt worden.
* * Versetzung. An Stelle des verstorbenen Kaffen- Rendanten Helmers wird der frühere Stations-Einnehmer 2enz, jetzt Güteroomehcr in Wetzlar, zum 1. Juli als Kaffen-Rendant nach Gießen versetzt.
— Rach dem neuen Saal bau hatten gestern zwei große Konzerte, ausgefühn vom Musikkorps des 2. Würtemb. Jnf.-Regt. aus Ulm, 44 Mann, unter Direktion des Stabs- Hoboisten G. Stork zahleiche Musikfreunde gelockt, die sich an dem Programm baß ergötzten. Es wurden zur Freude der lebhaft interessierten Anwesenden dieselben Kompositionen geboten, die am 5. Juni vor dem Kaiser bei dem Sängerwettstreit in Frankfurt von dieser ÄapeQc gespielt worden waren.
* • Der Eisenbahn-Verein Gießen machts feine SommerauSflüge mit je zwei Sonderzügen am 14. und 21. Ium nach Dillenburg (Kurhaus), wozu den Vereins- miigliebem und deren Angehörigen freie Fahrt bewilligt wird.
Die Dillenburger Stadtverwaltung wird den Teilnehmern die Besteigung des Wilhelmsturmes und Besichtigung der in ihm untergebrachten historischen Sammlungen gegen ein ermäßigtes Eintrittsgeld gestatten. Die Preise für Speisen und Getränke sind vom Veremsoorstand nach Vereinbarung festgesetzt worden.
• • Der Wetterwitzbold Falb stellt für die nächste Zeit folgende überraschende Prognose: 9. bis 13. Juni: Die Trockenheit hält an. Der 10. ist ein kritischer Termin dritter Ordnung, der jedoch wegen der herrschenden Trockenheit nicht zur Geltung kommt. 14. bis 22. Juni: Es treten bedeutende Niederschläge ein. Im Süden ereignen sich Gewttter. Auf den Höhen fällt Schnee, namentlich in den ersten Tagen. — Es muß auch solche rtrocfenen* Prophetenkäuze geben 1
§ Heuchelheim, 5. Juni. Eine Kleinkinderbewahranstalt wird hier in aller Kürze eröffnet werden.
- e- Lollar, 8. Juni. Gestern fand hier die Gau- turnfahrt des Gaues Hessen, verbunden mit volkstümlichem Wett-Turnen statt. Zum Wettkampfe waren 198 Turner angemeldet, von denen 144 zum Turnen antraten. Bei den etwas ungünstig gewählten Lieblingen war es nur 15 Turnern vergönnt, Preise zu errii gen. Es erhält den 1. Preis Fr. Junge-Kirchhain, den 2. Preis Al. Münch- Wetzlar, den 3. Preis A. Nicolai-Usingen, den 4. Preis C. Schneider-Lollar, den 5. Preis L. Peppler-Gießen (T.-V.), den 6. Preis Er. Koch-Alsfeld, den 7. Preis I. Hof-Gießen (T.-V.) und G. Rösing-Marburg, den 8. Preis E. Richter-Marburg und L. Schmalz-Gießen (T.-V.), den 9. Preis Karl Möller-Lauterbach und Karl Burgmann-Wetzlar, den 10. Preis W. Schmidt- Launsdach, H. Rees-Butzbach und Bender-Alsfeld. Das Fest wurde unangenehm gestört durch den Wirbelwind, der sich gegen Abend erhob und die Halle der Brauerei Bichler umstieß.
x. Fronhausen, 7. Juni. Das Kriegerverbands- f eft, welches heute hier stattfand, erfreute sich zahlreicher Beteiligung seitens der Vereine und vieler auswärtiger Gäste. Der Festzug, welcher gegen 2 Uhr nachmittags die Straßen des festlich geschmückten Ortes passierte, bot ein schönes Bild und wurde insbesondere verschönt dadurch, daß sich junge Mädchen in Hessentracht am Festzug beteiligten.
8 Butzbach, 7. Juni. Heute fand in der St. Wendels- kirche hier zur Erinnerung an die bis vor mehreren Jahren auch weltlich gefeierte Kirchweihe ein gut besuchter Nachmitags- gottesdienst statt, wobei der wertvolle Reliquien schrank des Sankt Wendel mit den goldenen Oechslein gezeigt wurde, welcher eine kunstvolle Schnitzarbeit aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts ist und von nachstehender Sage umwoben wird: Sankt Wendelins Gebeine seien mit einem von Ochsen gezogenen Wagen bis in hiesige Gegend gefahren worden; plötzlich sei ein Rad gebrochen und dies wäre den beglettenden Mönchen ein Zeichen gewesen, daß der Heilige hier begraben fein wolle, worauf dessen Gebeine an diesem Orte der Erde anoertraut wurden. Diese Legende ist ist auf der einen Seite des Wendelinschreines durch Relief- siguren geschickt illustriert, während die anderen Seiten mit Szenen aus dem Leben des St. Wendel und sonstigen Bild^ Malereien geschmückt sind.
(ff) Bürbach, 6. Juni. Tie Teilnehmer an dem hessisch - bayerischen archäologischen Anschauungskursus besuchten gestern die prähistorischen und römischen Anlagen der Umgegend, so aus dem Schrenzer, Kastell Hunnenburg, die Hatt)tattnieberlassungen und die Limesanlagen unter Führung des Ministerialrats Soldan- Tarmstadt. Heute vormittag wurde die Sammlung des Friedberger Geschichts- und Altertumsvereins beslchttgt, woran sich ein Besuch der Saalburg bei Homberg schloß.
(!) Bad-Nauheim, 6.Juni. Auf dem Hofgut Haffel- heck zwischen hier und dem Winterstein ist die Schweinepest in verheerendster Weise auf getreten; es sind über 150 Schweine an der Seuche verendet.
() Friedberg, 7. Juni. Tie Enthüllungs - und Einweihungsfeier des Kriegerdenkmals findet am 19. Juli, dem Gedenktag der Mobilmachung 1870, statt. Montag wird mit der Errichtung des Sockels begonnen. Tas Denkmal selbst wird anfangs Juli eintreffen und von den beiden Künstlern Qartig aus Aachen und Hammer- schmidt-Tüsseldorf aufgestellt. Es ftellt einen jungen Krieger oar, der den Gedenkstein der in 1870/71 gefallenen Kameraden schmückt. Tie Rücksette trägt die Namen der Gefallenen, die beiden Seiten die Reliefs Wilhelms I. und Ludwigs IV. Auf dem Gedenkstein thront ein nach Westen schauender Adler. Tie Kosten des Denkmals stellen sich auf ca. 15000 Mk. Mit der Enthüllungsfeier ist ein Ge- neralappell der vor 1870 hier garnifonierenben hessi- schen Jäger verbunden, deren letzte Zusammenkunft 1897 hier stattfand. Wie verlautet, wird auch der Großherzog zu der Feier ein geloben.
)( Dortelweil i. d. W., 6. Juni. Gestern brach auf unaufgeklärte Weise in ber Scheune ber Frau Fauerbach Feuer aus. Tem Mieter ber Scheune, Karl Hensel, verbrannten mehrere landwirtschaftliche Maschinen, die nicht versichert sind. Ta anfangs empfindlicher Wassermangel herrschte, so griff baöjitemcnt rasch um sah; es brannten zwei Scheunen nebst Stallungen und Holzschuppen nieder. Ter Brand dauerte von 11 Uhr bis 5 Uhr abends.
8 Schotten, 6. Juni. In hiesigem Kreise greift die Schweinepest immer mehr um sich. Wie verlautet, wurde sie durch verseuchtes Vieh aus Oesterreich eingeschleppt.
Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Heddernheim geriet der Bauer Vogl mit seinem Pferd, daL er in die Nied zur Schwemme geritten hatte, in eine Untiefe und ertrank. Auch das Pferd kam in den Fluten um. — In Frankfurt erhängte sich ein lljähriger Knabe in der elterlichen Wohnung aus Furcht vor Strafe, die ihm von seiner Stiefmutter angedroht war.
Vermischtes.
Magdeburgs. Ium. Ter Gerichtsvollzieher Haxt wurde heute mittag mit einer Schußwunde in der Zunge tot in einem Graben aufgefunben. Es liegt Selbstmord wegen zerrütteter Famitienverhältnisse vor. Er konnte die großen Ansprüche seiner Familie nicht befriedigen. — Wegen schlechten Geschäftsganges e r h a n g t e s i ch in seiner Backstube der Konditor Konrad.
* Halle, 6. Juni. In Pruch ertranken ber ackttährige
unb ber zehnjährige Waisenknabe Marschke im Gänseteich, als ber ältere Bruber ben jüngeren Bruber retten wollte.
* Hamburg, 6. Juni. An Borb bes Dampfers „Coban", auf ber Fahrt von Sibney nach Montreal, würben durch eine Explosion 3 Mann getötet Das Schiff ist stark beschädigt , t t
Rybinsk, 6. Juni. Tas Bahnhofs geb aube ber Mos- kau-Windau-Rybinsk Eisenbahn ist bis auf ben Grunb n ie- bergebrannt. Tas Feuer ist burch Explosion einer Kerosin lampe verursacht worben.
* Breslau, 6. Juni. Ein Beamter der hiesigen großen Bankfirma E. Heimann hat Unterschlagungen in Höhe von 120 000 Mark begangen. Wahrend seiner Urlaubsreise wurden die Veruntreuungen entdeckt.
*Straßburgi. E., 7. Junt Die Hagenaner Garnison wurde allarmicrt wegen eines Großfeuers in den Stallungen bes Dragonerregiments 15. Tas 60 Meter lange Futtergebäude ist völlig niebergebrannt Bei ben Löschungsarbeiten sinb 3Solbaten verunglückt unb ein Feuerwehrmann ab gestürzt Die Verletzungen, die sie erhalten haben, sinb nicht lebensgefährlich. Das Pferbematerial ist unversehrt.
* Paris, 6. Juni. Em Degenduell fand zwischen dem nationalistischen Deputierten Guyot Villeneuve, einem ehemaligen Offizier, und dem radikalen Deputierten Betteaux im Börsensaal statt. Im siebenten Gange wurde Guyot am Vorderarme verwundet
* Paris, 7. Juni. In St. Möen zerstörte eine Feuersbrunst diese Nacht die dortige Irrenanstalt Es gelang jedoch, alle Insassen zu retten. Ein Feuerwehrmann wurde verletzt. — In dem nahe gelegenen Vieguehies zerstörte diese Nacht eine Feuersbrunst die dortige große Wollkämmerei. Ter Schaden ist sehr bedeutend. Zirka 200 Arbeiter sind brotlos.
* Dl a r) e i 11 e, 7. 5uni. Ter Dampfer „Insulari ber Gesellschaft Fraissinet stieß heute mit dem derselben Gesellschaft gehörenden Tampfer ,Libau" aus der Höhe der Insel Diairc zusammen unb brachte ben)eiben zum Sinken. Tie Passagiere des ,Liban" würben vom „Jn- sulair" ausgenommen und hierher gebracht. Nach weiteren Dlitteilungen sind zahlreiche Personen ums Leben gekommen. Bis heute nachmittag 5.30 Uhr wurden bereits 29 Leichen geborgen. „£ibau" ging von Marseille nach Bastia, „Jnsulaire" kam von Toulon und Nizza. Ter Zusammenstoß fand um 121/3 Uhr mittags statt. Der Lotsen^ dampser „Blechamp", welcher sich in der Nahe ber Unglücks- stätte befand, leistete mit einem anderen Lotsenboot und dem österreichischen Kanonenboot „Balkan" sofort Hülfe. „Libau" sannk in 17 Minuten nach dem Zusammenstoß. Acht Leichen, unter letzteren fünf Frauen, zwei Männer und ein Kind, wurden gleichfalls von ihm geborgen. Tie Zahl ber Reisenden auf dem ,Libau" betrug etwa 200. Die Hälfte wird als verloren angesehen. Tas Bureau ber Gesellschaft ist geschloffen, eine offizielle Liste noch unbekannt. Etwa 40 Reisenbe wurden vom „Bechamp" unb bem österreichischen Dampfer „Chasocsy" gerettet, 40 anberc unb 17 Matrosen vom „Balkan" ausgesammelt. Als bas erste Rettungsboot auf etwa 40 Meter an den „£ibau" herankam, neigte sich bieser plöklich settwärts. Die Masten schlugen auf iy> Meter vom Rettungsboot entfernt ins Wasser. Ter Dampfer versank mit ber Menge, bie sich an ben Lettern festklammerte. Ein herzzerreißenber Schrei würbe gehört, bem bald Totensttlle folgte. Tie Diaschinen explobierten unb verursachten ein Zischen bes Wassers, das fünf Minuten anhielt.
* Newyork, 7. Juni. Em Wolken druck ist über Spartanburg (Sübkarolina) niedergegangen und überflutet bas Lanb. Baumwollmühlen sinb zerstört. Ein Torf ist fast vollstänbig zerstört. Es wird gefürchtet, baß viele Personen ertrunken sinb.
* St. Louis, 7. Juni. Ter Mississippi steigt noch immer. Ter Personenverkehr auf den nach St. Louis gehenben Sttecken ist ernstlich gefährbet. Man nimmt an, baß bie Eisenbahneinnahmen in bieser Woche um fünfzig von hunbert zurückgegangen sinb.
* Die Affäre bes Juristen Weber. Heber bie bereits kurz gemelbete Duell-Affäre in Innsbruck, bie für ben einen ber Beteiligten den Verlust bes Reserveoffiziers-Charkters nach sich zog, bringen bie „Neuen Tiroler Stimmen" eine ein- gehenbe Darstellung, ber wir folgendes entnehmen: ftub. jur. Weber, ber Senior ber sich nicht schlagenden katholischen Verbindung „Austria", hatte im vorigen Oktober ein Rekon tr e mit ftub. Joerg, Mitglieb ber akademischen Verbindung „Brixia", in dessen Verlauf letzterer von Weber einen Schlag erhielt. Die Folge dieses Renkonttes war, baß Joerg, welcher Kadett-Aspirant ist, ben Reserve- Kabetten Weber zum Duett forberte, bieser jedoch bie Herausforderung nicht annahm. Infolge dessen kam es zu einer dreifachen Klage: bei Gericht, beim akabemischen Senat unb vor bem militärischen Ehrenrat. Bei Gericht würbe Weber zu 10 Kronen, Joerg zu 20 Kronen Gelb strafe verurteilt. Der akabemische Senat verhängte über Weber bie Disziplinarstrafe ber Rüge burch ben Rektor vor bem versammelten Senat, welche Strafe auch vom Unterrichtsministerium beftatigt würbe. Langwieriger gestaltete sich bie Untersuchung vor dem militärischen Ehrengerichte. Dem Kadett-Aspiranten Joerg wurde die Würdigkeit zur Ernennung zum Reserve-Kadetten, beziehungsweise Reserve-Offizier unb zugleich ber Titel „Kadett-Aspirant" aberkannt. Er hatte als Reserve-Ober- jäger bei der ersten Ersaükompagnie zu verbleiben. Stub. jur. Weber hingegen wurde infolge des Urteiles des Mi- tttär-Ehrenrats, das vom Äriegdminifterium beschäftigt wurde, „gemäß ber §§ 31 unb 34 ber Vorschrift für bas ehrenrätliche Verfahren seiner Kabetten-Auszeichnung verlustig erflärt unb gleichzeitig als Reserve- Jäger zum 4. Regimente ber Tiroler Kaiserjäger transferiert." Ter Beschluß bes Ehrenrates hat nach bem oben zitierten Blatte folgenben Wortlaut: „Der bei ber k. unb k- achten Infanterie - Truppen - Division zusammengesetzte Ehrenrat für Lberoffiziere unb Kabetten hat über bie wiber ben Reserve-Kadett-Feldwebel Arthur Dlaria Weber des Jnfanter ie-Regiments Ernst Ludwig Großherzog vonHessen unbbei Rhein Nr. 14 erhobene Anschuldigung der tätlichen Mißhandlung eines Reserve-Kadett-Aspiranten unb Satisfak- nonSccriDCigcrung nach ber am 16. März 1903 stattgehab- icn ^cylußverhandlung erkannt: Ter Beschuldigte Reserve- jtab;.i-3-cibroebel Arthur Maria Weber des Jnfanterie- Reglments Ernst Ludwig Großherzog von Hessen unb bei Jifyein Nr. 14 hat bie Standesehre dadurch verletzt, daß er einen Reserve-Kabett-Aspiramcn öffentlich miMi) anb cltc, unb hierüber zur Satisfaktion aujgc- jarbeit, dieselbe auf Grund seiner nichtofriziers- mäßigen Anschauungen verweigerte."


