Tanger, 7. April. Der englische Kreuzer „Cormvran" -ist hier erngelanfen, um die marokkanischen Abgesandten an Bard zu nehmen, die sich nach Gibraltar begeben sollen, um dort den König von England im Auftrage des Sultans van Marokko zu begrüßen.
OPorto, 7. April. 115 unsrchere Kantonisten vom 18. Infanterieregiment sollten gestern nach Aveiro abgcschoben werden. Auf dem Wege von der Kaserne nach dem Bahn ha brachten die Mannschaften Hochrufe auf die Republik aus, und als der führende Offizier einschritt, wurde er tätlich angegriffen, einige Zeitungen behaupten, geohrfeigt.
Konstantinopel, 7. April. Der deutsche Kronprinz und Prinz Eitel Friedrich besichtigten trotz des schlechten Wetters alle Sehenswürdigkeiten und gaben nachmittags bei allen Botschaftern chre Karten ab. Abends findet ein Galadiner im Vildizpalast statt.
Aus uni» fanö.
Gießen, am & April 1903.
** Fürstliche Reisende. Prinz und Prinzessin Hein» eich von Preußen nebst Gefolge und Dienerschaft passietten heute früh im Salonwagen mit dem V-Zuge 7,61 von Kiel kommend, unsere Stadt. Das vorher in der Bahnhoftestau- ration bestellte Frühstück wurde im Wagen eingenommen. Die Reise ging nach Darnistadt zum Besuche des Groß- Herzogs.
"Personalien. S. K. H. der Großherzog haben den Oberlehrer an der Volksschule zu Mainz, Wilhelm Judith, zum Kreisschulinspektor zu Heppenheim, die Elise Geist zu Offenbach a. M. zur Assistentin bei den Gewerbe- Inspektionen Offenbach und Darmstadt mit dem Wohnsitz in Offenbach, die Albertine d'Angelo zu Mainz zur Assistentin bei den Gewerbe-Inspektionen Mainz, Worms und Gießen mit dem Wohnsitz in Mainz ernannt. — Dem Hausverwalter und Bademeister Franz Kissel zu Bad Nauheim ist die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihm von dem Fürsten zu Schaumburg-Lippe verliehenen Silbernen Verdienstkreuzes erteilt worden.
** Das Großh. Regierungsblatt, Beilage Nr. 6, zuSgegeben am 6. April d. I., enthält: Oeffentliche Anerkennung einer edlen Tat. Es wurde vom Großherzog dem Schüler Wilhelm Peter zu Großen-Linden in Anerkennung der von demselben am 12. Dezember v. I. mit Mut und Entschlossenheit bewirkten Rettung des Schülers Wilhelm Konstanz von Großen-Linden vom Tode des Ertrinkens, eine Geldprämie verliehen. — Dann steht noch u. A. darin eine Bekanntmachung, die Erhebung der allgemeinen Kirchensteuer betr.
** Die Vereidigung der neu eingestelltere Ein- fährigen fand heute vorniittag statt.
*• Die Weiterführung des im vergangenen Jahre hergcstellten Promenadenweges vor dem Neustädter Tor, von der Bichler'schen Privatstraße bis an die Gießener Gemarkungsgrenze, das ist beinahe bis zu der Straße, welche von der Rodheimer Chaussee nach Heuchelheim abbicgt, wird demnächst in Angriff genommen. Die Feldbereinigung hat bereits das zu dieser Verbreiterung erforderliche Gelände zu Verfügung gestellt.
W. Regulierung der Kcofdorferstraße. Durch die Bereinigung des Neustädter Feldes ist die Geradelegung der Straße nach Krofdorf und zwar die direkte Verlängerung der Schützenstraße bis zu dem Viadukt vor Krofdorf möglich geworden. Die Straße ist bereits in dieser Richtung abgesteckt und fall in diesem Jahre noch ausgebaut werden.
** Die stille Woch e. In unseren Tagen ist man in erster Linie den Aufgaben und Zielen des praktischen Lebens zugewendet. Die Hebung der äußeren Volkswohlfahrt steht bei allen Parteien im Vordergrund des Interesses. Den schweren Kamps um die befriedigendere Gestaltung der sozialen Veryättnisse, der unser ganzes Volk bewegt, hat aber auch der einzelne zu sichren, in seinem engeren Beruf. Wie viel Sinnen und Sorgen kostet diese Aufgabe, kostet der Kamps um das eigene Dasein! Da fehlt unserem Volke nur zu ost die Sammlung zur Einkehr und Vertiesung in die christlichen Wahrheiten. In der sttllen Woche verbietet freilich die gesetzliche Ordnung zum Teil wenigstens lärmende Vergnügungen; aber die äußere Ruhe bewirkt noch nicht das Verständnis der großen Tatsachen, welche die stille Woche uns vor unser Gewissen stellt. Und doch könnte uns gerade in der Mühsal des eben jetzt sich immer schwerer gestaltenden Lebens die ernste Beschauung des Dulders von Gethsemane und Gol- aatha von hohem Werte sein. Mut und Freudigkeit, Ge- >ould und Ausdauer, wie er sie in seinen Leiden bewährte, icntjiammcn bei ihm dem Gehorsam, mit welchem er den Willen seines Vaters im Himmel erfüllte. Von dem „Haupte voll Mut und Wunden" hat der Menschheit die reinste, heiligste Liebe erbarmend entgegengelcuchtet. Ihr Sttahl will in allen Herzen verzeihende und duldende Liebe entzünden. Unter dem Druck dieser Tage müßten unsere Mitmenschen reicher werden an der Liebe, welche sich nicht erbittern läßt und nicht nach Schaden ttachtet. Und je häufiger uns Armut und sittliches Elend um Hilfe anruft, um so erbarmungsreicher und opserwilliger und ausdauernder sollte unsere Liebe werden. Die äußeren und inneren Sctstiden der Zeit, aus chren letzten Grund geprüft, legen dem Volk und dem einzelnen die Pflicht der Selbstprüfung nahe. In den Tagen ernster Krisen erwachte nicht selten in den Völkern die Erkenntnis eigener Schuld und der Ernst der Buße, manchmal fteilich so spät, Latz schwere Heimsuchungen doch nicht mehr aufgchalten werden konnten. Akochte unserem deutschen Volke die Ein- sicht in seine ttefgehenden sittlichen Schäden nicht zu spät erst kommen! Möchte die stille Woche dieses Jahres dazu Frucht bringen!
r. Lich, 7. April. Gestern traf zum Besuch des hiesigen Fürsten deffcn Schwager, der Fürst von Stol- berg-Wernigerode, hier ein. Seine Familie weilt schon längere Zeit hier. — Der schöne Schloßpark wird eben vergrößert und verschönert; der ftühere breite Schlamm- Graben, welcher den Park umzog, ist ausgefüllt und nut prächtigen Coniferen-Sträuchergruppen bepflanzt worden. Der neue Eingang zum Schloßpark vom Bahnhof her wurde vorerst nut einem provisorischen Lattentor versehen, während für nächstes Jahr der Bau eines steinernen Portals geplant ist.
Eppertshausen, 6. April. Der 18jährige Pflästerer Äugust Müller von hier ging gestern abend in Begleitung zweier anderer hiesigen Burschen nach dem benachbarten Münster und kehrte in einer Wirtschaft dort ein. Hier tarn es zwischen Burschen aus Eppertshausen und Münster zu
einem heftigen Streite, in desien Verlauf auch das Meffer eine Rolle spielte. Die Eppettshäuser Burschen wurden aus der Wittschaft hinausgedrängt. Während die zwei Begleiter des Müller die Flucht ergriffen, wurde letzterer selbst festgehalten, und so setzte sich der Streit zwischen diesem und seinen Verfolgern im Freien hart an der hochgeschwollenen Gersprenz fort. TaS Ende des Streites ist in feinem weiteren Verlaufe bis jetzt in Dunkel gehüllt. Müller ist bis jetzt spurlos verschwunden. Die loSgeriffene Uhr wurde in der Wirtschaft aufgefunden. Die sofott allgemein geäußerte Vermutung, daß Müller in der sehr stark angeschwollenen Gersprenz den Tod gefunden, hat mittlerweile insofern eine Bestätigung gefunden, daß der Hut Müllers in der Nähe der Roßkopf'schen Mühle aus dem Waffer geftscht wurde. Die Großh. Staatsanwaltschaft zu Darmstadt wurde bereits telegraphisch von dem Vorfall in Kenntnis gesetzt. (D. T. A.
R* B. Darmstadt, 8. April. Ihre König!. Hoheiten Prinz und Prinzessin Heinrich von Preußen, sowie die beiden jüngsten Kinder Si eg es mund und Heinrich lind heute früh 10 Uhr 10 Min. auf dem Main-Neckar- Bahnhof eingetroffen. Zur Begrüßung hatten sich eingefunden S. 5k. H. der Groß Herzog, der Großh. Generaladjutanr Generalmajor v. Wachter und Flügeladjutant Freiherr Röder von Diersburg. In der Begleitung des Prinzen- paareS befanden sich der persönliche Adjutant v. Egidy und Hofdame v. K lenk er er. Nach herzlicher Begrüßung fuhren die hohen Herrschaften in einem Wagen nach dem neuen PalaiS. Die Kinder und ihre Begleitung folgten in einem anderen Wagen.
Darmstadt, 7. April. Ihre Großh. Hoheit Prinzeß Elisabeth, wird, wie die »Neuen heff. Vbl.* schreiben, nächsten Freitag den 10. April morgens 5 Uhr aus Daoos hier eintreffen, um für längere Zeit bei chrem hohen Vater zu verweilen.
sd. Darmstadt, 7. April. Zur Reich stagSwahl Darmstadt-Groß-Gerau fand am Sonntag eine Vertrauensmännerversammlung des Bundes der Landwirte und beS hessischen Bauernbundes in Darmstadt statt, zu welcher auch namens der ersteren Landtagsabg. Sens- felder und für den Bauernbund Abg. Hirsche! erschienen waren. Man beschloß nach eingehender Debatte einstimmig, ein gemeinsames Vorgehen mit den Nationalliberalen abzulehnen, da deren Kandidat Herr Rechtsanwalt Dr. Stein in keiner Weise genügende Erklärungen in betreff seiner Stellung zu den landwirtschaftlichen Fragen gegeben hat. Aus diesem Grund entschloß man sich, selbständig vorzugehen und einen eigenen Kandidaten aufzustellen. Es wurde eine Kommission von 6 Mitgliedern aus beiden Vereinigungen ernannt, welche sich mit der Kandidatenfrage beschäftigen soll.
Mainz, 7. April. Gegen einen jungen Mann und einen Bekannten desselben ist eine Untersuchung wegen chwerer Verletzung des Stiefvaters des einen eingeleitet worden. Der junge Mann beschuldigte den Stiefvater, ihm eine Zither entwendet und verkauft zu haben. Auf der Straße fielen die beiden mit Meffern über den alten Mann her und brachten ihm einen Stich in die Seite und einen in den Kopf bei. Der Schwerverletzte wurde daraufhin in das Hospital verbracht, während die beiden rohen Burschen verhaftet wurden.
Mainz, 7. April. Der 4. Verbandstag westund süddeutscherVereine fürrömisch-germanische Altertumsforschung wird vom 15. bis 17. April d. I. hier abgehalten. Die Tagesordnung enthält u. a. eine Be- ichtigung des römisch-germanischen Zentralmuseums und der Sammlungen des Mainzer Attettumsoereins, einen Besuch des Gutenbergmuseums und Besichtigung der Altettümer in der Stadt. Angemeldet sind folgende Vorträge: Profeffor Dr. Dragendorff (Frankfurt a. M.): Der Stadtplan des römischen Trier nach den bisherigen archäologischen Ergeb- niffen der Kanalisation. Profeffor Dr. Fabricius (Freiburg i. B.): Die römischen Bäder in Badenweiler. Geh. Hofrat Dr. Hang (Mannheim): lieber die Gigantensäulen. Korreferat: Herr Professor Dr. Sixt (Stuttgart.) Museums» direktor Dr. Kenne (Metz): Die letztjährigen Altertumsfunde in Lothringen. Sanitätsrat Dr. Koehl (Worms): Ein neues Hockergrabfeld bei WormS. Dr. Küster (Hanau): Ueber neolithische Funde bei Hanau. Pfarrer Pettermann (Brugg, (Kt. Aargau): Römische Funde in Windisch. Professor Dr. Pfaff (Heidelberg): Neolithische Siebelungen in unb um Deibelberg. Hofrat Dr. Schliz (Heilbronn): Unterschiebe in Anlage und Zweck der als .Wohngruben* bekannten prä- sistorischen BesiedelungSreste. Museumsdirektor Dr. Schuch- Hardt (Hannover): Bericht über eine archäologische Studienreise nach England. Dr. Karl Stehlin (Basel): Ueber die röniische Befestigung von Basel. Profeffor Dr. Wolff (Frank- urt a. M.: Die wichtigsten neuen Entdeckungen auf dem Gebiete der rechtsrheinischen Altertumsforschung.
Frankfurt, 7. April. Seit einigen Wochen werden auf dem Terrain des städtischen Schwimmbads wieder Ver- uche zur Ausbeutung von Quellwasser gemacht. ES ;andett sich dabei nicht um neue Bohrungen, sondern um die Ausnutzung eines vor Jahren angelegten Brunnens, der einerzeit unbefriedigende Resultate geliefert hatte. Die neuen Versuche haben insofern überrascht, als sich befriedigende Mengen Waffer zeigten. Das Quellwaffer ist 13 bis 16 Grad warm, während das bis jetzt ausschließlich zur Verwendung gelangte Leitungswaffer nur 8 Grad Wärme besitzt, also bedeutend höhere Heizungskosten notwendig macht als das wärmere Quellwaffer. In den nächsten Tagen werden die Versuche mit einer Mammutpumpe fortgesetzt. Auch ist der Gedanke angeregt worden, auf einem Nachbargelände, daS der Stadt gehört, ebenfalls einen Brunnen anzulegen, um hier weitere Versuche anzustellen. — Nach einer Meldung des Polizeiberichts hat ein junger Mensch am Samstag abend einem von den Eltern fortgeschickten Knaben in der Schnur- gaffe gewalsam 2 Mk. 70 Pfg. abgenommen. Nach der Darstellung des Knaben hat der Täter ihn in einem Hausflur geknebelt.
Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Mainz fiel in der Aktienbrauerei einem Maurer ein eiserner Kübel auf den Kopf infolge Zerreißen des SeileS. Ter Mann war sofort tot. — Auf der ^rupp'schen Grube in Essershausen wurde durch zu ftühes LoSgehen eines Schusses einem italienischen Arbeiter der
rechte Oberschenkel zerschmettert. Der Verunglückte wurde nach Gießen in die Klmck gebracht.
Vermischtes.
* Essen, 7. April. Tie Polizei hob in einem Hotel eine Spielergesellschaft auf. Zahlreiche Herren der besseren Kreise find in die Affaire verwickelt.
* Hamburg, 7. April, uine grd ßliche Bluttat wurde am Winklersplatz in Altona verübt. Dort logierte die 24 Jahre alte Anna Schmidt, die feit mehreren Jahren unter polizeilicher Sittenkontvolle steht. In der Nacht um 2 Uhr hörte ihr Logiswirl ein eigentümliches Röcheln aus dem Zimmer der Sdjmibt heroordringen. Dieses veranlaßte chn, em Streichholz anzuzünden und in das Zimmer Hinern- zuleuchten. Hier sah er nun zu Einern Schreck, daß bie Schmidt mit durchschnit lener Kehle auf dem Bett lajj, das stark mix Blut besudelt war. Als er in den Hausflur kam, sah er hier einen jungen Mann in einer Ecke zusammengekauert. Dieser bat ihn, chn hinaustzulafsen, denn er sei im Hause zu Besuch gewesen und habe feinen Schlüssel, um die Tür öffnen zu können. Der Logisioirt öffnete aus Furcht. Der junge 'Mann lief nun so schnell, wie er nur konnte, davon, doch verfolgte der Logiswirl ihn unter dem Ruf: ,galtet den Weder!" Irl der Großen Gärtnerstraße lief er zwei Wachtern direkt in die Arme, wurde ergriffen, zunächst nach der Polizeiwache und dann nach dem Polizeigefängnis gebracht. Nack-dem die Kriminalpolizei in Alarm gebracht loorden war und diese fcftgeftellt ljatte, daß die Schmidt bereits ihrer Verlegung erlegen war, wurde der der Tat verdächtige junge Mann einem längeren Verhör unterzogen. Der Verdächtige ist der 24 Jahre alte Hausknecht Oswald Mailau, der in Bonn geboren ist. Er stand bei einem Schlächter in Hamburg in Ar beit. Er sagte bei seiner Vernehmung folgendes auS: Die Schmidt habe ihn auf der Straße angesprochen und er sei bann mit nach chrem Logis gegangen. Hier habe ihm diese fein Portemonnaie mit 60 bis 70 Mk. gestohlen. Darüber habe er die Schmidt energisch zur Rede gestellt und nun sei sie frech geworden. In der Aufregung habe er ihr einen Stich versetzt. Das Portemonnaie ist tatsächlich bei der Leiche der Schmidt vorgefunden worden, nicht aber das Geld, das er ihr gegeben haben will- Die Polizei glaubt nicht, daß die Darstellung des Mailau über die Tat richtig ist, vielmehr nimmt sie an, daß es sich um einen regelrechten Lustmord hanoelt, der eine große Ähnlichkeit mit den Morden hat, die an der Ahlen in der Heinrict)- sttaße in St. Pauli und an der Wüppcr in der Großen Gärtnerstraße in Littona verübt wurden. Don einem einfachen Stich kann gar nicht die Rede sein, denn der Schmidt ist die Kehle bis auf den Wirbelknochen durchschnitten wor- den. Mailau ist bereits wegen Diebstahls mit zwei Jahren Gefängnis besttaft worden.
* Neustadt a. d. Hardt, 6. April. Der Tagner Philipp Franz Rämrnele rourb'e gestern in seiner Wohnung erhängt aufgefunden. Die gepflogene Untersuchung hat ergeben, daß sich Rämrnele mcht selbst erhängt hat, sondern daß er mit einem Handtuche erdrosselt unb mit diesem dann an einen Nagel am Türpfosten gehängt wurde. 9115 der Tat verdächtig erscheint die Ehefrau RämmelS und ein junger Mann aus KönigSbach, der mit der Rämrnele schon seit längerer Zeit in intimen Beziehungen stand. Als sie heute früh vor die Leiche ihres Mannes geführt wurde, konnte sie ich eines Lachens nicht enthalten, was für die Tatsache prcchen dürste, wie wenig Anhänglichkeit die Frau zu ihrem Manne hatte, der hier als ein sehr solider und fleißiger Mann geschildert wirb. Die Frau ist verhaftet worden.
* Fiume, 7. April. Ein aus der Fahrt nach Ballon begriffener Segler wurde vom Sturme umgeworfen. Von den 11 Insassen ertranken drei Frauen und ein Mann.
* Petersburg, 7. 9lpril. In diesen Tagen fand ein großer Arbeiterkrawall in den großen Jaz briken in Nischny-Nowgorod statt. Artillerie mußte eingreifen. Sie schoß auf die Tumultuanten. Biele Per-- onen wurden getötet und verwundet.
* 3m 111. Lebensjahre starb in St. Pcters Port auf der Insel Guernsey 'die ätteste Engländerin, eine Dame, die drei Jahrhunderte kennen gelernt hat. Mrs. Margaret Anne Neve wurde am 18. Mai 1792 geboren; sie lebtr in außerordentlich günstigen Vermögensverhältnissen, war fett mehr als 50 Jahren Witwe unb hatte feine Kinder. Zwei alte Richten leisteten ihr auf ihrem stattlichen Wohnsitz ellschaft. In ihrer Jugend genoß sie eine ausgezci.hnete Schulbildung und beh rrschte mehrere Sprachen vollständig. Als junge Frau machte sie in Begleitung ihres Mannes große Reisen. Mtt Vorliebe erzähtte sie von der Besicht tigung des Schlachtfeldes von Waterloo, welches fie mit ihrem Mann fast unmittelbar nad) dem Kampfe sah. Sie sammelte dort Andenken an die Gefechte. Als Blücher England besuchte, wurde sie ihm vvrgestellt. Ihre Vorliebe ür das Reisen veranlaßte sie im Atter von 90 Jahren, zur Enthüllung eines Denkmals des von chr lebhaft bewunderten Kosciuszko eine Fahrt nach Polen zu machen. s)lod) mehrere Jahre, nachdem sie das hundertste Lebensjahr Überschritten hatte, legte sie den Weg zur Kirche stets zu Fuß zurück. Sie beschäftigte sich gern mit Politik, und zwar be- onders mit Kolonialpolitik. Die Aerzte schreiben ihr langes Leben der Regelmäßigkeit ihrer Lebensweise zu. Jeden Morgen erhob sie sich zu früher Stunde, das Mittagessen and genau um 12 Uhr statt, und sie nahm dabei alten Sherry. Zum Abendessen genoß sie etwas Whisky und Wasser, trank aber niemals zwischen den Mahlzeiten. Ihre Hauptbeschäftigung suchte sie in ihrem Garten. Erst im letzten November begann sich ihr Geist etwas zu verdunkeln, und jetzt ist sie sozusagen eingeschlafen.
* Eine spir11isti sche Millionärin, welche ihr ganzes Leben nach chren spirittsttschen Phantasien eingerichtet hatte, wurde in Neuilly ermordet unb beraubt Madame Lagsze, eine 56jährige Rentnerin, Witwe und Mutter mehrerer Kinder, welche sie in Instituten und Pensionaten untergebracht hchte, bewohnte in Neuilly ein sechsstöckiges Haus ganz allein, hatte alle Mieter und sogar den Hausbesitzer verabschiedet, um mit den Geistern aanz allein ui ein, welche sich ihr offenbart hatten. Vergebens wurde sie von ihrem Sohne gewarnt, jedoch es half nichts. Die Frau erwiderte, ihre Beschtümer brächten chr 50000 As. Rente jährlich ein, welche sie nicht verbrauche, da die Geister sich nicht als sehr kostspielib erwiesen. Jede drei Monate erlegte sie ihre Ersparnisse bei dem 'Jiotar. Frau Lagöz« wurde morgens im Flur ihres Hauses tot ausgefunden. Mörder hatten sie erwürgt. Obwohl Habsucht sicherlich bad Motiv der noch unentdeckten Mörder gewesen ist, haben diese nicht viel rnitnehrnen können. Ter große Geldschrank war umgestürzt, doch hatten ihn die Diebe nicht erbrechen können und sich mit kleinen Summen begnügen müssen. Das ganze Haus starrte vor Schmutz. In verschtedenen Zimmern lagen
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