Montag ^.Dezember 1903
Nr. 287
153. Jahrgang
Zweites Blatt«
General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen
Berlin, Zentrum im die Mitglieder acht Tage vor
Verantwortlich für den allgemeinen Teil: P. Witt ko; für den Anzeigenteil: H. Beck.
Rotationsdruck und Verlag der Brü h l'schen Universitätsdruckerei (Prerfch Erben), Gießen.
und tiefer Religiosität zurück auf die den Mühseligen und Beladenen gebrachte Heilsbotschaft Christi. Der Ruf nach scharfem Durchgreifen der Polizei ist vollends geschmacklos, denn unser Volk ist reif genug zu eigenem Urteil und braucht keine polizeiliche Bevormundung in derlei Dingen. Darum ist die Zurückhaltung der hessischen Polizei gerade als taktvoll höchst rühmenswert.
— Um zu verhüten, daß die Gymnasiasten zur Ab» legung ihres Abiturienten-Exa mens erst mit 23 bis 25 Jahren befähigt sind, hat der preußische Kultusminister angeordnet, daß fortan für die aufzunehmenden Schüler folgende Altersgrenzen streng innezuhaltcn sind: Für die Sexta 12 Jahre, für die Quinta 13 Jahre, für die Quarta 14 Jahre. Ergiebt sich nach der Prüfung, daß der aufzlinehmende Schüler die bezügliche Grenze überschritten hat, so ist von der Aufnahme unter allen Umständen Abstand zu nehmen.
Olmütz, 6. Dez. Wie der hiesige „Pozor" aus guter Quelle berichten zu können behauptet, haben die römischen Kongregationen, welche die Untersuchung gegen den Erzbischof Tr. Lohn führten, in aller ihm zur Last gelegten Vergehen, namentlich der Verletzung des Beichtgeheimnisses für schuldig befunden, und es wird nunmehr über die Bestrafung desselben beraten.
Kirche und Schute.
Im ,Hess. Kirch en blatt" meint ein Einsender, Gorki's „Nachtasyl" im Woogsplatztheater zu Darmstadt am Totensonntag und in dec Landestrauer habe sich eigentümlich ausgenommen, und fügt den Wunsch hinzu: „Wenn doch nur die Polizei einmal scharf durchgriffe!" — Der Herr Einsender urteilt mit diesen Worten über eine Dichtung, die er offenbar nicht kennt. Sie greift in echter
parlamentarisches.
5. Dez. Rach der „Germania" brachte das Reichstag einen Gesetzentwurf ein, nach dem des Hauses, so lange dieses versammelt ist, der Eröffnung und nach Schluß freie Fahrt
Ganz allgemein ist voranzustellen, daß der Offizier i in seinen sämtlichen Ausgaben, seien es auch die kleinsten, anfangen soll, zu rechnen — rechnen, nicht knausern. Es j ist sehr wohltuend, wenn man auf das Gelo nicht zu achten braucht; man kann damit leicht liebenswürdig, namentlich , ein vortrefflicher Gesellschafter und Kamerad sein. Aber in dieser glücklichen Lage befinden sich nur die allerwenigsten Offiziere. Die anderen sollen sich vor allen Dingen mit der Empfindung erfüllen, daß es für den Kavalier keine Schande ist, wenn er einmal erklären muß, das Geld für 1 eine Ausgabe nicht zu haben. Es ist nicht leicht, sich von ' gemeinsamen Veranstaltungen auszuschließen; denn der ein- । zelne ist dabei mancher Neckerei, manchen abfälligen De- t merkungen ausgesetzt. Wer sich «gbcr klar macht, daß namentlich der junge Offizier den größten Teil des Geldes, das er ausgibt, nicht selbst erwirbt, sondern von Eltern oder Verwandten erhalt, der wird auch dazu kommen, das Eingeständnis der Armut nicht zu scheuen. Unehrenwert ist es, auf anderer Leute Kosten nobel zu sein. Das ist des Hochstaplers Geschäft; ihm wollen wir es auch lassen. — Sehr viel können die Regimentskommandeure in dieser Beziehung tun, wenn sie in ihren Offizierkorps gemeinsame Vergnügungen schlichter Art, wie kleine Sommeraus- lüge, an den ohnehin knapp bemessenen freien Tagen an- regen. Die Hauptsache bleibt, daß im Offizierkorps jede ätsche Scheu vor der Armut und materiellen Dürftigkeit wieder, wie einst, verschwinde, und daß der Ossizierstand sich der schönen Ausgabe bewußt werde, mit diesem guten Beispiel den übrigen Ständen voranzugehen. Er kann sich damit, den inneren Gefahren gegenüber, die unser Volksleben bedrohen, ein ebenso großes Verdienst erwerben, wie gegenüber der äußeren Gefahr mit dem Schwerte in der Hand. Keine Mühe darf daher gescheut werden, den Offizier wieder mit dem Stolze der Armut zu erfüllen, den einst der
Ordensritter empfand, als er dieser Göttin mit bloßem Haar und nackten Füßen die ewige Treue schwor.
3m Kischinewprozeß
drückte der G«ouver:untentsoeamte Buchalo feine Empörung darüber aus, daß die We i n h a n d l u n g des David Feldstein, welche sich gerade gegenüber dem zweiten Polizeirevier befand, vollständig zerstört wurde, während die Polizisten zuschauten. Am Marktplatz sei es nur deshalb nicht zu Ausschreitungen gekommen, weil die dort angesammelten jüdischen Lastträger die Exzedenten abwehrten. Besonderes Interesse erweaten die Aussagen des christlichen Arztes Dr. Doroschewsry. Er hörte am Ostersonntag in Odessa von Ruhestörungen und kehrte mit dem Kurierzug nach Kischinew zurück. Tags darauf ging alles br unter und drüber. Doros chewsky hatte als Spital- arzt den Verwundeten die erste Hilfe zu leisten. Der Anblick der Verwundeten war derart furchtbar, daß er ihn mit Worten nicht schildern kann. An den Leichen sah man, daß sie lange gemartert und dann grausam verstümmelt waren. Bei einer Leiche fehlte ein Ohr, bei anderen war das Gesicht zur Unkenntlich leit entstellt. Einem einäugigen Manne war auch das zweite Auge ausgeschlagen. Ern Kollege sagte ihm, einer Leiche sei der Bauch auf» geschlitzt und mit Federn gefüllt worden. Der Schuster Audrusjew erzählte ihm, er habe in Gegenwart des Untersuchungsrichters einer Leiche zwei eiserne Nägel aus der Nase gezogen und dem behandelnden Arzte übergeben. Der Gerichtshof beschloß, diese Zeugen vorzurufen. Doroschewsky hat kurz nach den Exzessen in einem russischen Blatte die ihm zur Kenntnis gekommenen Schündliajkeiten veröffentlicht, woraus der Gouvernementsoberarzt Pretfatkowitsch zu ihm kam und ihn ausforderte, seine Mitteilungen zu widerrufen, da sich sonst für ihn unangenehme Folgen einftellen würden. Auf die Frage, wann er seines Postens als Spitalarzt enthoben wurde, antwortete Doroschfewsky: am 16. Mai; auf die weitere ^age, wann ihn der Untersuchungsrichter Freynat vernommen hätte, sagte Doroschewsky: am 14. Mai, Freynat habe aber seine Aussagen entstellt wiedergegeben. Der Konfektionär Fischmann erzählt sehr aufgeregt, wie am Ostermontag bei seinem Geschäft die Rollläden aufgebrochen, fein ganzes Warenlager herausgezerrt, mit Füßen getreten, zerfetzt und verdorben wurde. Dabei hatten sogar der Bizcgouverneur Ustrugow und der Oberst Chausenkow sowie Polizisten und Soldaten zu- geschaut. Dieser Zeuge hat gehört, wie der Notar Pissartschewsky zum Stadtrat Sinardmo laut sagte: „Das ist einmal ein Festtag!" und zu der Menge gewendet: „Gehet heim und legt Eure Sonntagskleider an!" Der Student Malaij rief mit lauter Stimme: „Rasch zur Arbeit, die Zeit ist kurz!" Hieraus wurden die Familienmitglieder der getöteten Opfer vernommen. Auf die Frage, ob er die Mörder erkennen würde, sagt Barancwiisch: „Sie sind hier unter den Angeklagten anwesend; Kicjka, Marasjuk, Koles- nitschenko und Tscyemesko haben Galanter sowie meinen Sohn bestialisch erschlagen; mein Kind schrie herzzerreißend um Hilfe. Mir riefen Sie zu: „Rühr' Dich nicht, oder wir machen auch Dich wie einen Hund tot!" Er selbst wurde nur durch das Dazwischentreten von Soldaten gerettet . Als er sich nach den übrigen in einem Stall verborgenen
Familienmitgliedern umsehen wollte, trat der Polizei- prtstaw Solowkin in den Hof und fragte ihn: „Warum weinst Du, hier ist doch niemand gemordet worden?" Baran owitjch zeigte ihm die Leichen, worauf Solowkin nur „Richtig!" sagte und dann feine Aufmerksamkeit seinen , Stiefeln widmete, mit denen er durch eine Blutlache geschritten war; er veranlaßte nichts zum Schutze der Bedrängten. ______
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„Anzeige, viermal wöchentlich beigelegt. Der M B WL, B l'L W, §3 W
„hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal. V IS V V V XZ M W v V
Aus Hlürt und &anik
Gießen, 7. Dezember 1903.
** Personalnachrichten. Am 30. November d. I. wurde der Pfandmeister für den Beitreibungsbezirk Alsfeld, Jakob Hummel, auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen treu geleisteten Dienste mit Wirkung vom Tage des Dienstantritts seines Nachfolgers an in den Ruhestand versetzt und erhielt das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen. — Ernannt wurde am 2. Dezember d. I. die Gefangenwärterin am Landeszuchthaus Marienschloß, Wilhelmine Zier le in, geb. Biebncher, zur Gefangenaufseherin an dieser Anstalt.
**DieAllgemeine Sterbekasse Gießen hielt am 6. d. M. ilrrc Hauptversammlung in der Restauration Albold. Die Kasse trat damit iw rhr 15. Geschäftsjahr. Nach dem vom Kassierer Bruchhäuser erstatteten Geschäftsbericht zählt die Kasse 1199 Mitglieder; im verflossenen Jahre hatte sie einen Zuwachs von 105 Mitgliedern. Es schieden aus 12 (9 durch Tod, 3 durch Ausschluß). Während seines Bestelens zahlte der Verein an Sterbegeld: an 15 Mitglieder je 75 Ml., an 15 je 100, an 24 je 120, an 23 je 150, an 10 je 170, an 14 je 185, an 13 je 200, an 12 je 210 und amI 9 Mitglieder je 230 Mk. Außerdem besitzt der Verein einen bei der Gewerbebank angelegten Neservefoud von 5348 Mk., sodaß er im stände ist, auch in außergewöhnlichen Fällen seinen Verpflichtungen nachzukommen. Vom 1. Januar 1904 ab wrrd das Sterbegeld auf 250 Mk. erhöht. Bei jedem Srerbesall werden pro Mitglied 25 Psg. erhoben. Wegziehende Mitglieder können der Kasse weiter angehören, wenn diesbezügliche Mitteilung an den Vorstand erfolgt. Das Eintrittsgeld ist nach dem Beitrittsalter abgestuft; es beträgt 1 Mk. für Mitglieder im Alter von 16 bis 25 Jahren und steigt von 5 zu 5 Jahren Lebensalter bis zu 7 Mk. bei 40 bis 45 Jahren alten Mitgliedern. Bei jeder Ausnahme ist ein Sterbefallbeitrag von 25 Psg. zu entrichten. Der Vorstand besteht nach der in der Hauptversammlung vorgenommenen Vorstandswahl aus nachf- stehend verzeichneten Mitgliedern: H. Seidewand (1. Vorsitzender), Emil Noll (2. Vorsitzender), H. Bruchhäuser -Rechner), G. Beckmann, K. Stadler, August Bock (Beisitzer), K. Bonarius (Schriftführer), L. Schnecko, Gustav Holtberg, Herrn. Müller, Heinr. Fourier, Daniel Linker (Aufsichtsratsmitglieder). — Die Einnahme betrug im Jahre 1902/03 3059.93 Mk., die Ausgabe 2719.38 Mk., sodaß ein Ueber- schuß von 340.55 Mk. verblieb.
** Aus dem Bureau des Stadttheaters. Auch an dieser Stelle fei darauf hingewiesen, daß die für heute annoncierte Renaissance-Vorstellung nicht stattsind et. Aus Rücksicht für den Bazar findet die nächste Abonnementsvorstellnng erst am Freitag, den 11. d. M'., statt. Dienstag, den 8. Dezember geht als 5. Volls-vorstell- ung L'Ärronges beliebtes BoWstück „H a s e m a n n s T ö ch- ter" in Szene. Für Mittwoch, den 9. Dez., nachmittags 3V2 Uhr ist eine Schülervorstelluna angesetzt, die Goethes „Geschwister" uni) Schillers „Wallensteins Lager" bringt. Die Preise für diese Vorstellung betragen 1 Mk. für Loge, 60 Psg. für Sperrsitz und 40 Psg. für alle andern Saalplätze. Gallerte kostet 20 Pfg. Sämtliche Plätze mit Ausnahme von Gallerte sind nummeriert. Das Ende dieser Vorstellung, die selbstverständlich auch für Erwachsene zugänglich ist, ist gegen 5*4 Uhr.
** Ein Weckdieb. In der Ludwigstraße wurde heute in der Frühe gegen 8 Uhr ein Weckdieb auf frischer Tat erwischt und zwar in Gestalt eines Jagdhundes, der gegen die tzaustüre sich auf geteilt hatte, mit festem Ruck tue an dem Türdrücker hängenden zwei 2M6eutel abriß und mit der Beute davonjagte. Ein ihm nachgeworfener Prügel hatte zur Folge, daß das Tier den einen Weckbeutel fallen ließ. Früher schon voraesundene defekte Weckbeutel lassen üermuten, daß der Wcckfreund diesen Beutezug schon länger betreibt.
♦* Vervielfältigungsapparat Tipp Topp. Die Firma P. Henning, Frankfuri a. M., Taunusstr. 30, wird, wie man im§ mitteilt,, den in Nr. 281 unseres Blatt.s> ausführlich besprochenen Vervielfältigungsapparat „Tipp Topp" Ende dieser bezw. Anfang nächster Woche den Interessenten selbst vorführen. Weitere Anfragen sind direkt an die Firma zu richten.
Darmstadt, 6. Dez. Die Großfürstin Sergius von Rußland ist heute früh nach Petersburg zurückgereist. Zur Verabschiedung hatte sich der Großherzog am Bahnhof eingesunden.
auf den Eisenbahnen und für die Dauer ihrer An- j r 'senheit in Berlin Anwesenhetsgelder von 20 9)1 f. j fü den Tag erhalten sollen. Der Anwesenheit in Berlin ist i glüch, wenn der Abgeordnete durch Arbeiten für den Reichs- : tag verhindert ist, in Berlin anwesend zu sein. Event. Land- 1 tagsdiäten werden davon abgerechnet.— Die Reich Spartei • hat im Reichstag den Antrag eingebracht, den Reichskanzler j zu ersuchen: 1. angesichts der bei den letzten preußischen Land- , tagswahlen vorgekonunenen Ausschreitungen auf eine Er- , Weiterung und Verschärfung der im § 107 des Strafgesetz- । buchs zum Schutze der Wahlsreiheit getroffenen Be- i stimmungen im Wege der Gesetzgebung hinzuwirken; 2. Maßnahmen zu treffen, um die Wählerlisten gegen fahrlässige - Auslassungen und mißbräuchliche Eintragungen zu sichern und betrügerische Ausübungen des Wahlrechts unmöglich zu ! machen. Dieser Antrag hat wohl zunächst den Zweck, eine Debatte über die Vorgänge bei den letzten Wahlen herbeizuführen, die sich zu einer Sozialistendebatte auswachsen dürfte.
— Die nationalliberale Reichstagsfraktion hat folgende Initiativanträge rtngebracht: 1. Antrag Dr. Hiebe r-Be ck-Heidelberg: Der Reichstag wolle beschließen: die verbünbeten Regierungen zu er- juchen, baldigst dem Reichstage einen Gesetzentwurf vorzulegen zur Abänderung des Gesetzes vom 1. Juni 1870 über den Erwerb und Verlust der deutschen Reichs- und Staatsangehörigkeit, demzufolge ein Deutscher diese Rechte in der Regel nicht gegen seinen Willen verlieren tarnt, der Wied er erwerb der Reichs- und Staats- angehörigteit seitens früherer deutscher Reichsangehöriger unb die Diaturalifation von Nachkommen von Deutschen erleichtert, dagegen die 9caturalisation von Ausländern erschwert wird. 2. Antrag Dr. Hieber-Jrbr. v. Heyl- Dr. Paascye: Der Reia)stag wolle beschliepen, die verbündeten Negierungen zu ersuchen, dem Reichstage tunlichst bald einen Gesetzentwurf vorzulegen, welcher bezüglich der Gehilfen der Rechtsanwälte, Notare und Gerichtsvollzieher, ferner der Beamten und Angestellten der Krankenkassen über die Arbeitszeit, die Kündigungsfristen, die Sonntagsruhe, die berufliche Aus- und Fortbildung die gleichen oder ähnlichen Schutzvorschriften enthält wie das Haitdelsgesetzbuch und die Gelverbeordiiung hinsichtlich der Handelsaugestellten. 3. Antrag Beck- Patzig-Tr. Hi eher: Der Reichstag wolle beschließen: die oerbünbeteu Regierungen zu ersuchen, dem Reichstage baldigst einen Gesetzentwurf vorzulegen, welcher das Vereins- und Versammlungsrecht für alle Bunde s st a a t e n einheitlich ordnet, soweit dasselbe nicht schon durch das Bürgerliche Gesetzbuch getroffen wird. 4. Antrag Wallbrecht: Der Reichstag wolle beschließen: den verbündeten Regierungen baldigst einen Gesetzentwurf wegen Sicherung der Bauforderungen vorzu- leaon 5. Antrag Dr. Sattler, der den am 8. Mar 1901 VE Reichstage mit großer Mehrheit angenommenen Gesetzentwurf, betreffend die Anwesenhertsgelder als Initiativantrag ausnimmt. Der früher vom Abg. Basser- mann und der ge,amten Fraktion wiederholt eingebrachte und vertretene Antrag auf Einführung kaufmännischer Schiedsgerichte findet seine vorläufige Erledigung durch den in der Thronrede an gekündigten, im Laufe der jetzigen Session zu erwartenden Gesetzentwurf der Re- gierung.
^Mische Tagesschau.
Das Befinden des Kaisers.
Obgleich^ erst jetzt in der Thronrede amtlich festgestellt worden ist, daß die Heilung des Kaisers in durchaus erfreulicher Weise fortschreitet, werden rmAus- land vielfach entgegenfte^ube und beunruhigende Mllterl- ungen verbreitet. Demgegenüber ist, so liest man m der Köln W', sesHustellen, daß die behandelnden Aerzre nach> L vor über^ den gnt °r ti g en C h°r a kte r der Ertränkung keinen AugenblrckrmZwelsel sind, daß die Heilung normal verläuft und daß das Ge,amtbe. finden des Kaisers, wenn ihm auchi dre erzwungene Schonung naturgemäß unbequem ist, nrchts zu wünschen übrig läßt. ^ur Dotation 961^6« werden sollte, hat der Kaiser seme ausdrualiche W.llens- meinung den zugezogenen Aerzten nicht nur dahm ausgesprochen, daß sie ihrer wissenschaftlrchen Mbcrzeugung chm gegenüber rückhaltlosen Ausdruck geben sollten, sondern daß auch der Oeffentlichkeit gegenüoec kernerler lber- tuschungs- oder Beschönigungsversuche gemacht werden sollten. Diesem Befehl entsprechend rst verfahren worden, und in den ausgegebenen Krankenbericht ten wurde jederzeit der volle, wir kltche Tatbestand wahrheitsgemäß d a r,ge st e I I t. Wenn 1 pater die Berichte eingestellt wurden, so hatte das offenbar leinen Grund darin, daß der normale Verlauf der Speilung eine weitere Berichterstattung unnötig erscheinen lle^. Dieser Zustand dauert auch heute noch an, und me öffentliche I-ieinung hat keinen Grund, srch durch, p e s f r - mistische oder sensationelle Nachrichten ,n Beunruhigung versetzen zu lassen.
Erneral v. d. Goltz über die Dertcnerung der OffirierNansbah!-.
Mr erwähnen in unserer heutigen „Polnischen Wochen- lckau" daß oer kommanLierenbe General des 1. Armee- orvs Freiherr ti. b. Goltz, der durch seine Resormtattg eit n türlifchen Diensten rühmlich bekannt geworden rst, sich über den Luxus im deutschen Heere und besonders über dre sunelMcnd« VerteuerunA der chfizierslaufbahn ausgelassen hat. ^Er ,g!ibi den Offneren fotzende srnanzrellen Imt- 'chläge:


