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7.9.1903 Zweites Blatt
 
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Nr. 5809 Zweites Blatt. 153. Jahrgang Montag V. September 1903

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LZZd W General-Anzeiger SSg!

-Ssr Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen WWZ

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Air Heutige Wummer umsaßt 8 Seite«.

Aer Kaiser iu Sachse«.

Leipzig, 5. Sept.

Heute vormittag 10 Uhr begann bei Lindenthal die Pa­rade des 19. (2. Sächsisch es j Armeekorps unter dem kom­mandierenden General v. Treiffchke. Der Kaiser, König Georg und die übrigen am Manöver teilnehmenden Fürst­lichkeiten wohnten ihr bei. Nach dem Abreiten der Fronten erfolgte ein zweimaliger Vorbeimarsch, Hierauf führte der König von Sachsen fern Regiment Nr. 106 vor. Prinz Eitel Friedrich, in der Uniform eures Oberleutnants dieses Regi­ments, ritt hinter dem König. Prinz Johann Georg von Sachsen führte das Regiment Nr. 107, der Kronprinz von Sachsen das Regiment Nr. 104. Beim zweiten Vor­beimarsch kam die Infanterie in Regimentskolonnen, die Kavallerie im Trabe vorbei. Die Fürstlichkeiten kehrten sodann mittelst Sonderzuges nach Leipzig zurück.

Bei dem heutigen Paradediner im Palmengarten brachte König Georg folgenden Trinkspruch aus:

Abermals darf ich mir gestatten, meinen tiefgefühl­testen Dank Eurer Majestät darzubringen, heute namens des 19. Armeekorps, welches heute zum erstenmale die Ehre hatte, vor Ew. Majestät zu erscheinen, um sein militärisches Können darzulegen. Dieser Tag ist ein Tag der hohen Weihe für das Armeekorps und ein würdiger, schöner Abschluß für alle Bemühungen der Errichtung und Ausbildung des Armeekorps. Ich darf wohl namens des Armeekorps aussprechen, daß dieser Tag ihm ewig eindrücklich bleibt, daß sein stetes Bemühen sein wird, sich die Zufriedenheit Ew. Majestät, als des obersten Kriegsherrn, zu erwerben, und es den besten Armee­korps Euerer Majestät herrlicher Armee gleichzutun. Ich, bitte die Gläser zu erheben und aus das Wohl des Kaisers und der Kaiserin Hurra! Hurra! Hurra!

Der Kaiser «rr widerte:

Darf ich Euerer Majestät nochmals meinen herzlichsten Glückwunsch zum heutigen Tage zu Füßen legen und dem Armeekorps nochmals von Herzen meine vollste An­erkennung aussprechen für die mustergiltige Art und Weise, mit der es sich bei 6er heutigen Parade gezeigt hat. Unter den Korps das jüngste, hat es in seinen Parade­leistungen es den ältesten und besten schon gleich getan. Das verspricht Gutes für die Zukunft, es verspricht auch, daß, wenn Ew. Majestät rufen, das Korps drauf gehen wird, wie das älteste. Indem ich mein Glas auf das Wohl des Korps erhebe, trinke ich zugleich auf das Wohl des Königs Georg. Hurra! hurra! hurra!

Nach dem Zapfenstreich verließen die Fürstlichkeiten den Palmengarten und fuhren durch das Rosental nach dem Bahnhof in Leutzsch, wo König Georg sich von dem Kaiser verabschiedete, der alsbald nach Merseburg zurückkehrte.

Merseburg, 5. Sept.

Der Kaiser begab sich heute vormittag nacy dem Exer­zierplatz bei Merseburg, wo ein feierlicher Feldgottesdienst stattsand. Die Kaiserin fuhr mittelst Sonderzuges nach Halle.

Hakle, 6. Sept.

Tie Kaiserin traf heute vormittag ein. Am Bahn­höfe, wo eine Ehrenkompagnie des 12. Infanterieregiments aufgestellt war, hatten sich die Spitzen der staatlichen und städtischen Behörden zum Empfang eingefunden. Die Kai­serin fuhr dann, begleitet von einer Eskorte der 10. Husaren, zu der feierlichen Einweihung der Pauluskirche. Vor der Kirche stand eine Ehreukompagnie des Füsilierregi- meuts Generalfeldmarschall Graf Blumenthal (Magdeb. Nr. 36), ferner waren die Vertreter der Geistlichkeit er­schienen, an der Spitze die beiden Generalsuperintendenten der Kirche, geführt von dem Prinzen Albrecht von Preußen. Pfarrer Bach hielt dann die Weiherede. Nach der kirchlichen Feier fuhr die Kaiserin zum Bahnhof, wo der Kaiser mit dem Prinzen Eitel Friedrich von Merseburg eintraf. Beide Majestäten fuhren hierauf wiederum mit Eskorte durch die Feststraße, die überaus reich^geschmückt war und an welcher Vereine, Innungen und Schulen Spalier bil­deten. Tie Kriegervereine standen vor dem Kaiser Wil- Helm-Tentmal, an welchem die Wagenfahrt der Dtajestäten vorüberführte. Am Eingang der Moritzburg-Ruine hatte das Corpus Academicum Aufstellung genommen. Rectormagnificus Geh. Regierungsrat Professor Dr. Stammler richtete an die Majestäten eine Ansprache, auf welche der Kaiser freundlichst dankte. Auf dem ganzen Wege wurden die Majestäten mit stürmischen Kund­gebungen begrüßt, die auf dem Marktplatz vor dem Rat­haus ihren Gipfelpunkt fanden. Hier hatten vor der Ehren­pforte die Vertreter der Stadt Aufstellung genommen. Ober­bürgermeister Staude begrüßte die Majestäten im Namen der Stadt und bot dem Kaiser den Ehrentrunk aus einem von einem Mitbürger gestifteten Ehrenbecher dar. Der Oberbürgermeister sagte u. a. mit gutem Verständnis für die vom Kaiser gepflegte historische Tradition: Hier hul­digte einst die Bürgerschaft von Halle dem Ahnherrn Ew. Majestät, dem großen Kurfürsten. Was die Bürgerschaft ihrem Landesherrn damals an Treue und Ergebenheit ver­sprach, das will die Bürgerschaft auch in der Gegenwart halten. Er brachte alsdann ein Hoch auf die Majestäten aus.

Ter Kaiser erwidertes er freue sich sehr, daß er fern Versprechen, nach Halle zu kommen, nach so langer Zeit endlich habe erfüllen können. Traurige Um­stände hätten ihn damals verhindert. Er freue sich, am heutigen Tage Gelegenheit zu haben, sich von der güu- stigen Entwicklung der Stadt zu überzeuget!. Er habe in diesen Tagen Teile unseres Heeres gesehen; nur unte-r dessen Schutz jeisolche Entwicklung der Stadt möglich gewesen. Er sei erstaunt und freudig überrascht

über den herrlichen Schmuck, den die Stadt angelegt habe. Tie herzliche BegMßung seitens der Bevölkerung habe ihn und Die Kaiserin überrascht und gerührt. Ter Oberbürger­meister möge der Bürgerschaft seinen und der Kaiserin herzlichsten und innigsten Dank übermitteln. Es werde ihm jederzeit eine Freude sein, seine Hand über der Stadt schützend halten zu können, damit sie sich weiter entwickeln könne, wie auch seine Ahnherren ihre Hand über der Stadt gehalten hätten. Hiermit trmte er auf das Wohl der Stadt Halle.

Hieraus begrüßten die Majestäten auch die Vertreter und Vertreterinnen der Halloren, die die Salzblume über­reichter!. Tie Ehrenjungfrauen brachten der Kaiserin einen Blumenstrauß dar. Tie Fahrt der Majestäten bewegte sich dann durch die Franckeschen Stiftungen. Am Denkmal des Stifters, August Hermann Francke, begrüßte der Direktor Geheimrat Fries die Majestäten, woraus der Kaiser dankte. Um 12 Uhr 40 Min. kehrten die Majestäten dann nach Merse­burg zurück.

Merseburg, 6. September.

Bei den Majestäten fand heute abend im Schlosse Tafel statt, woran außer den Umgebungen der Majestäten (Gefolge und Ehrendienst) u. a. teilnahmen: die Prinzen Eitel Friedrich, Friedrich Leopold, Albrecht von Preußen, der Herzog von Aosta, Prinz Leopold von Bayern, der Her­zog von Sachsen-Koburg-Gotha, ferner Feldmarschall Graf Waldersee, Kriegsminister v. Einem, der sächsische Kriegs­minister v. Hausen, der Führer des Wagens der Kaiserin Leutnant v. Hartrott und die Orgonnanzosfiziere, Ober­leutnant v. Rabenau und Oberleutnant Frhr. v. Fritsch.

Der Kaiser telegraphierte dem spanischen Könige, daß er das Regiment besichtige, dessen Ehrenoberst der König ist. Ter König sandte hierauf ein Danktele­gramm. _______________________

Politische Wochenschau.

Vom verflossenen Katholikentag gab es noch ver­schiedene Nachklänge, die zu der Harmonie zwischen Zen­trum und der preuß. Regierung stimmten. So hieß es, der Abg. Justtzrat Trimborn habe für das angekündigte preuß. L-chuldotattonsgesetz auch Eingriffe in die innere Schulordnung .im Sinne des Klerikalismus vorausgesagt, dieKreuzztg." predigte die Liebe zum Zentrum als höch­stes politisches Gebot, und der preuß. Kultusminister regt sich Über Krittk katholischer Einrichtungen in evangelischen Schulen aus, denn darauf scheint ein der Form nach neu- ttaler neuer preuß. Schul-Toleranz-Erlaß vorwiegend ge­richtet zu sein. Um so mehr stutzte man, als dahinein Plötz­lich bombenarttg Kaiser Wilhelms Rede auf dem Festmahl des s ä ch s i-s ch e n P r o v in z i a l l a n d t a g e s in Merseburg platzte, die L u t h e r alsden größten Deutschen feierte, der für die ganze Welt die größte befrei­ende Tat getan hat." Es ist schwer, zwei Gegensätze hier zu verneinen! Auf der einen Sette wird also der Protestantismus gefeiert, der heute so ost als Aschen­brödel an die Wand gedrückt wird; auf der anderen geht die allgemeine Politik entgegengesetzte Wege. Man Hut sich ja nun freilich daran gewöhnt, in den Kaiserreden vorwiegend Ausflüsse der augenblicklichen Sttmmung nicht polittsche Programme zu sehen; anderseits wechseln ja auch die politischen Programme. Das Zentrum pflegt diese Freundlichketten gegen den Protestantismus zwar mit sauersüßer Miene, aber mit jener Beherrschung ent- gegenzunehmen, die einer Ausschlag gebenden Partei leicht fällt.Auf uns nimmt heute alles Rücksicht" so hörte man kürzlich auf der Kölner Jubelfeier.

Ter im Trauerhause des Breslauer Generalsuperinten­denten Nehmiz plötzlich am Herzschlag dahingeraffte und am 4. d. M. beerdigte Präsident des preuß. evangelischen Oberkirchenrats Dr. Bark Hausen konnte einer milderen dogmatischen Richtung zugezählt werden. Es würde für die Zukunjt der evangelischen Kirche nicht allein in dem führenden deutschen Bundesstaate, sondern im ganzen Reiche von Wert sein, wenn bei der Ernennung seines Nachfolgers das Wort von derWeiterbildung der Reli­gion" im Sinne des alten Herder nicht ganz ausfiele, damit die an sich natürlich durchaus unberechtigte Kluft zwischen Bildung mrd Religion nicht erweitert werde. Mit der Vertretung ist vorläufig der Wirkt. Oberkonsisto- rialrat D. Freiherr von der Goltz beauftragt worden. Ein hübsches Geschichtchen teilte dieSaaleztg." dieser Tage mit: Der Jesuitenpater Ehrle betrachtete die Veröffent­lichung der von Prof. Schulte, dem Direktor des deut­schen historischen Instituts zu Rom, übrigens einem An­hänger des Zentrums, im vattkanischen Archiv gefundenen Ablaßrechnungen von 1517 als durchaus harmlos. Gras Bülow aber war päpstlicher als der Papst und tele­graphierte auf die bedenkliche Anfrage Schultes bei seiner vorgesetzten Behörde:Ignorieren!" Vielleicht veröffent­licht der Jesuit Ehrte selbst noch die interessanten Ur­kunden.

Wer wollte leugnen, daß der soeben zu Grabe ge­tragene Nationalsozialismus der deutschen Polittk Wege vorzeichnete, die sicher an einer von manchen ge­fürchteten Katastrophe vorbeifübren würden. Leider hat sein Untergang in Göttingen und das Verschwinden seines größeren Teiles in der freisinnigen Vereinigung den Be­weis geliefert, daß es noch hochintelligente Kreise in Deutschlmrd gibt, an denen die Kunst unseres realpoliti- scheu Lehrmeisters Bismarck gänzlich zu schänden ge­worden ist. Sie warfen ihr Schisflem aufs Meer, sie stellten das Steuer ein und heizten das Schiff, aber es fehlte ihm die Hauptsache, das Glerchgewicht, die richtige Verteilung des Ballastes, des Ballastes an egoistischen In­teressen, seien es solche moralischer oder rein materieller Natur, die zu den allgemeinen Idealen notwendig hinzu­

kommen müssen, um ein seefähiges Parteischiff zustande zu bringen. Für Einigung des Liberalismus hat die Göt- ttnger Verschmelzung, so erfreulich sie zur Klärung der Parteiverhältnisse beigetragen hat, leider wenig geleistet. Eugen Richter rückt infolge dieser Verschmelzung noch weiter von der freisinnigen Vereinigung ab. Der Libera­lismus hat heute wahrlich Ursache, das Einigende dem Trennenden voranzustellen!

Ter türkische Minister des Aeußern, Tewfik Pascha, erklärte in den letzten Tagen mehreren Botschaftern, der Sultan habe nunmehr derartige Maßnahmen gegen die bul­garischen Banden verfügt, daß binnen Kurzem mtt diesen aufgeräumt sein werde. Im Wilajet Monastir seien bereits fast alle Banden zerniert. Es steckt recht viel Optimis­mus in dieser Nachricht. Jedenfalls stützt aber auch das deutsche Reich die Politik, die König Eduard mit dem Kaiser von Oesterreich, dem er den ersten Besuch in Wien gemacht hat pnd der, wie es heißt, im nächsten Frühjahr erwidert werden soll, verabredet hat, und mit der auch Rußland übereinstimmt: Niederhaltung der ma- cedonischen Banden. Jetzt wird in diesem Sinne sogar eine erneute gemeinsame Aktion aller Mächte gegen­über der Türkei in Aussicht gestellt. Wie Pariser Blätter berichten, erklärte der französische Minister des Aeußern, Deleasse, in der letzten Ministerratssitzung, daß die Dinge in Maeedonien eine sehr bedrohliche Wend­ung genommen hätten und sprach sich zu Gunsten einer sofortigen energischen Intervention aus. Mehrere andere Minister und Präsident Loubet waren dagegen und viel­mehr der Ansicht, daß die Sache noch etwas Geduld er­fordere. Es wurde ferner beschlossen, die ftanzösischen Strettkräfte in der Levante zu verstärken. Infolgedessen werden zwei französische Panzerschiffe demnächst nach den türkischen Gewässern ab gehen. Und wahrlich, dort wttd die Situation immer unheimlicher und verwickelter. Die macedonijche Organisatton in Sofia, der ja allerdings nicht recht zu trauen ist, erhält s chr e ckliche Nachrichten aus dem Monasttrgebiet. Türkische Truppen legten durch Feuer alle Dörfer in den Kasas Resen, Ochrida,' Srruga, Kruscbewo und Dibre in Schutt, zerstörten Klöster und Kirchen und zündeten die Wälder an, wo die geflüchtete Bevölkerung unterging. Die in den Dörfern ge­bliebenen Menschen wurden nieder gemetzle 1t. In Konstantinopel ist derHilfs-Dragoman der russi- schen Botschaft, Hadjibian, aus offener Straße von der türkischen Polizei verhaftet worden, da er stark kompromittiert" sein'soll. Das wird sich Rußland natürlich nicht so ohne weiteres gefallen lassen. Ferner wird von einem neuen Anschlag aus einen Dampfer aus Konstarttinopel gemeldet. Darnach soll der deutsche Levante- dampserPyrgos" auf hoher See explodiert sein. Auf der Agentur der Levante-Linie in Konstarttinopel ist hiervon allerdings nichts bekannt; der Tampfer soll vielmehr un­beschädigt sein. Der Dampfer ,^V a s k a p u", der vor einigen Tagen bei Varna in die Luft gesprengt wurde, hatte an Bord 21 Passagiere, von denen 17 abgängig sind. Von der Bemannung sind 11 Personen, darunter 3 Kom­mandanten, tot.

Auch die Serben beweisen immer von neuem wieder, wessen man sich von Balkanstaaten zu gewärtigen hat. Ob­wohl sie mit sich selbst genug zu tun Ijctben, demonstrierten sie doch in einer Riesenversammlung zu gunsten der Freihett der Macedonier. Zu den bulgarischen Kriegshetzern, mit denen der nach Sofia zurückgekehrte Ferdinand alle Hände voll zu tun und der soeben die Sv b ran je aufgelöst hat, sind nun auch die serbischen gekommen. Für den Balkan­bewohner sind Abenteuer das Normale, Ruhe das Wnorme. Darum wunderte man sich nicht sehr, als die Kunde kam von der Verhaftung einer großen Reihe von Offizieren, die in einer Proklamation gefordert hatten, daß gerade die Offi­ziere die der Ofsiziersehre durch die Ermordung des Königs Alexander angetane Schmach nicht dulden dürften, und ver­langten, daß jene Verschwörer, Die an der Ermordung des Königs beteiligt waren, aus dem Offizierkorps ausgestoßen würden, wenn dies aber nicht erfolge, sie gewaltsam ent­fernt werden müßten. Wie nun neuerdings aus Nisch ge­meldet wird, hat Der Bruder des Königs, Prinz Arsen, es übernommen, die beiden feindlichen Lager des Offizier­korps zu versöhnen. Tie Verhaftung von Offizieren in Msch erfolgte, so heißt es, bevor Die Regierung Stellung ge­nommen hatte. Tie Regierung bestehe auf einer gelinden Bestrafung der verhafteten Offiziere wegen Insubordination. Jedenfalls müsse die Abfassung geheimer Aufrufe und die unerlaubte Sammlung von Unterschriften als mit dem militärischen Geiste und der Disziplin in Widerspruch stehend besttaft werden, zumal da einige Offiziere Die vorgesetzten BehörDen hintergangen Hütten, indem sie den ihnen zur Herstellung ihrer Gesundheit gewährten Urlaub zu Agi­tationsreisen in einzelne Garnisonen benutzten. Seit ein paar Tagen s ind aber in ganz Serbien die Truppen kon­signiert. In allen Garnisonen geht es lärmend zu. Es besteht kein Zweifel, daß die weitaus überwiegende Mehrheit der Offiziere gegen die ehemaligen Verschwörer Stellung nimmt. Uebrigens werden Die in Nisch verhafteten Offiziere schon deshalb, weil Der dortige Divisionsgeneral Jankowitsch mit ihnen eines Sinnes ist, rücksichtsvoll behandelt. Mehrere von ihnen sollen nur Stubenarrest erhalten haben. Nach neuesten Meldungen sollen die verhafteten Offiziere sogar schon wieder freigelassen worden sein. Aus Der Unsicherheit Der Lage entstehen die seltsamsten Gerüchte. Es soll Die Absicht bestehen, Die ganze Angelegenheit vor Die Skupt- schina zu bringen, Die zu Diesem Behufe unmittelbar nach den Wahlen zu einer außerordentlichen Tagung einberufen werden soll.

Schwierig liegen auch die Armeefragen in Ungarn.