Ausgabe 
7.9.1903 Erstes Blatt
 
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trauen der Regierung übertragene Pflicht zur Leitung des Unterrichtswesens bald in höchster Vollendung erfüllt werde.

Zum Schluß spricht noch Handwerkskammersekretär Engelbach über die schon beschlossene, aber durch das neue Reichsversicherungsgesetz notwendig gewordene ander- weite Untnxmbluug der Sterbekasse für Mitglieder des LandeSgewerbeverelns. Damit war die interessante Tages­ordnung geschlossen.

An dem sich anschließenden Festmahl beteiligten sich etwa 150 Personen. Oberregierungsrat Hölzinger toastete aus Kaiser und Großherzog, Regierungsrat Noack auf die Stadt Aiainz und deren Gewerbeverein, Regierungsrat Dr. Steeg-Mainz auf den Landesgewerbeverein, d.w zweite Vor­sitzende des Mainzer Gewerüevereins, A. Allendorf, auf die Großh. Zentralstelle und den Vorsitzenden Regierungsrat Noack, Fabrikant Jochem- Worms auf die Großh? Staats­regierung. Während des Essens konzertierte die Kapelle des Jnf.-Regts. Nr. 88.

Am Abend fand imHeiligen Geist" Begrüßung der Verbandsmitglieder der deutschen Gewerbevereine statt, der gut besucht war und einen fidelen Verlauf nahm.

Aus Sind! uni) Kmw.

Gieß en, den 7. September 1903. -rachrichten über bemerkenswerte Vorkommnisse in Stadt und Land werden stets gern entgegengenommcn und angemessen honoriert!

** Se. Königl. Hoheit der Großherzog wird, wie man uns mitteilt, gelegentlich feiner Anwesenheit hier am 10. d. Mts. folgende Straßen und Plätze passieren: Bahnhofstraße, Alicestraße, Ludwigstraße, Ludwigplatz, Gründergerstraße; demnächst Moltkestraße, Ostanlage, Mar- bu^gerstraße und alsdann Ostanlage, Südanlage, Frank­furterstraße, Liebig- und Bahnhofstraße. Tie Bewohner der Stadt werden somit in die Lage kommen, zu dem festlichen Tage ihre Käufer mit Fahnen zu schmücken.

** Die Tr anun g der Prinzessin Alice von Battenberg mit dem Prinzen Andreas von Griechenland findet, wie uns eine Frankfurter Korrespondenz meldet, der wir auch die VerarMvortung dafür überlassen müssen, sowohl nach protestantischem wie griechisch- katholischem Ritus statt.

** Vom Manöver des 18. Armeekorps. Tie Brigadebesichtigungen finden in dieser Woche durch den kommandierenden General von Lindeguist und dem Divisions­kommandeur Frhrn. von Gall statt, und zwar hat die 49. Infanterie-Brigade (115er, 116er, 168er) ihre Besichtigung heute, am 7. Sept, auf dem Exerzierplatz bei Dcrrmstadt- Griesheim, die 50. Infanterie-Brigade (117er, 118er) am 9. Sept, bei Rechtenbach, die 25. Kavallerie- und 25. Artillerie- Brigade in der Gegend Wetzlar-Ehringshausen. Die Artillerie- Brigade (25er, 61er) ist schon seit der verflossenen Woche im Manöoergelände; die 61er hatten am 3. und 4. Sept., die 25er haben am 8. Sept. Scharfschießen bei Hermannstein. Die Kavallerie-Brigade hat in den letzten Tagen Darmstadt verlassen und befindet sich auf dem Marsch im Quartier in Friedberg und Umgegend. Im Manöver wurden die 24er Dragoner der 49., die 23er der 55. Infanterie-Brigade zu- getellt. Die 49. Jnf.-Bngade (115er, 116er, 168er) verläßt am 10. Sept, früh Darmstadt-Griesheim und wird per Bahn über Frankfurt und Gießen nach den Kreisen Marburg und Biedenkopf verbracht, die 116er steigen in Sarnau aus. Von hier aus rückt die Brigade südwärts gegen die 50. Brigade (117er, 118er). Diese verläßt am 9. September nach der Besichtigung die Kaserne in Gießen, bezw. ihre Quartiere bei Hörnsheim und Rechtenbach, die 117er kommen nach Weil­münster, die 118er nach Burgsolms und Braunfels; am 10. Sept, haben die 118er Blwack bei Ehringshausen. Die 50. Jnf.-Brigade marschiert am 11. Sept, ab nordwärts bis Offenbach und Gladenbach, wo die Gefechte gegen die 49. Brigade stattfinden. Am 18. Sept, haben die 117er, 118er, die Dragoner und Artillerie Biwack südlich von Altenkirchen; am 19. und 20. konzentriert sich die ganze Division uni Wetzlar, der Stab kommt nach Burgsolms, um von hier aus am 21. Sept, über Meerenberg gegen die 21. Division zu rücken, welche aus der Gegend Rommrod im Westerwald und Hadamar erwartet wird, wo sie ihre Brigademanöver hatte.

** Der Herr im Damenkoupee. Auf dem Haupt­bahnhofe zu Kopenhagen spielte sich, wie wir in einem Ber­liner Blatte lesen, folgende Szene ab. Ein Eilzug sollte in einigen Minuten abgehen, als ein eleganter Herr in einem Damenkoupee Platz nahm. Die schon darin sitzenden Damen protestierten und riefen den Schaffner, der den Herrn auf diese Verletzung des Reglements höflich aufmerksam machte. Der Herr wollte jedoch trotz wiederholter Aufforderungen nicht aussteigen, und der Schaffner war genötigt, den Bahn­hofsvorsteher zu rufen. Dieser vermochte auch nichts aus­zurichten. Zuletzt reichte der Fremde ihm seine Visitenkarte und der Inspektor las:C. Hage, Verkehrsminister." All­gemeine Verwunderung, von Entschuldigungen gefolgt. Die Damen wurden ersucht, in einem anderen Waggon Platz zu nehmen, und der Zug setzte sich in Bewegung. In Kopen­hagen ist man über den Vorfall (mit Recht) sehr entrüstet. Man muß jedenfalls annehmen, daß ein Unbefugter mit der Karte des Ministers Mißbrauch getrieben hat. Bei uns zu Lande nehmen bisweilen Elsenbahnbeamte auch nicht ge­nügende Rücksicht auf Insassinnen von Damenkoupees. So wird^ uns erzählt, daß gestern mittag auf dem Hauptbahnhofe zu Frankfurt in einem Damenabteil, in dem sich bereits ein paar nach Gießen reisende Damen befanden, von dem Schaffner ein sehr umfangreicher Herr (nicht Exz. Budde) einen Platz angewiesen erhielt. Als die Damen sich dagegen auflehnten mit den Worten, das fei doch vorschriftswidrig meinte der Schaffner barsch: ,2er Herr Bahnhofs­vorsteher weiß das doch wohl besser als Sie!"

Langgöns, 6. Sept. Im Beisein des Provinzial- oirektor Dr. Breidert-Gießen fand dieser Tage eine Besichtigung des hiesigen Bahnhofsviadukts statt Es wurde cm Beschluß dahingehend gefaßt, mit der Kos Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. em Abkommen zu treffen wonach die Eisenbahndirektion den alten Viadukt bis zur Scheitelhöhe erweitert und den neuen Viadukt in Eisenkon­struktion herstellt. Als Gegenleistung verlegt der Kreis Gießen bezw. die Gemeinde Langgöns die Kreisstraße Langgöns- Neuhof in der Weise, daß diese nicht mehr läiigs der Bahn herunterführt, sondern in vorteilhafter Weise durch das Feld

führt. Der Kreisausschuß, der Gemeinderat, die Oberbahn­behörde, sowie Schuchardt-91euhos waren zugegen.

r. Langsdorf, 5. Sept. Heute abend wurde hier durch Bürgermeister Köhler-Langsdorf und Turnlehrer Langsdorf aus Lich ein Turnverein begründet, dem 28 Mann als Mitglieder beitraten. Mehr als die doppelte Anzahl Mitglieder wird innerhalb der nächsten 14 Tagen dazukommen. 1. Sprecher ist Gastwirt Heinrich Koch, Schrift- wart Otto Fritz und Rechner Hermann Bender I. Die regelmäßigen Hebungen werden jeden Sonntag abgehalten.

Z Butzbach, 6. Sept. Der Sedantag ivurde von unserem Kn eg er verein heute vormittag durch einen ge­meinsamen Kirchgang nut der Fahne gefeiert. Am Nachmittag wurde bei prächtigem Wetter ein von dem hie­sigen Turnverein veranstaltetes Sommerfest im nahen Zipfenwald abgehalten. Um 2 Uhr bewegte sich vom Wetz­larer Tor ein stattticher Zug unter Musik durch die Stadt nach dem Walde, wo auf dem schönen Festplatze die Kapelle des Infanterieregiments Nr. 117 konzertierte. Alsbald be­gann auch das Wetturnen der Turner und Schüler, dem sich ein Schauturnen der Mädchen und verschiedene Kinderspiele anreihten. Gegen 7 Uhr ging es wieder im Zuge unter Musik in die Stadt. Nach 8 Uhr fand im Saale desHess. Hofes" Konzert, Schau- und Wetturnen nebst Preisverteilung statt, worauf ein Tanzvergnügen folgte.

§ Ni oder-Weisel, 6. Sept. Heute nachmittag wurde auf der als Festplatz Hingerichteten Vorderweide das Ab- turnen des hiesigen Turnvereins abgehalten. Es sanden volkstümliche und Geräte-Uebungen statt, worauf die Preis- verteilung folgte.

r. Eber stad t, 5. Sept. Bei einer in dieser Woche stattgehabten Hasenjagd wurde als Seltenheit ein beinahe weißer Hase geschossen. Dem alten schlauen Tier wurde schon feit vier Jahren nachgestellt. Das Gewitter am Freitag morgen brachte uns den stärksten Regen in diesem Jahr e. Glücklicherweise ist alle Körnerfrucht ein­geerntet und nur das Grummet naß geworden.

Aom Hessischen Kewerve.

Ter Großh. Hessische Gewerbe-Verein hak sein 67. Ver­einsjahr mit einem sehr ausführlichen Jahresbericht aus der Feder des Großh. Gewerberates, Ferdinand Reuter, angetreteu. Ter Bericht entwirft ein Bild von dem An­wachsen des jetzt aus 116 Ortsgewerbeverettien und 10 688 Mitgliedern bestehenden stattlichen Bundes, in welchem die Erkenntnis von dem Werte des Zusammenschlusses und der Berufsbildung auch außerhalb der Werkstatt glänzende Fortschritte zeigt.

Nicht ohne Grund wird auch hervorgehoben, daß dem Hessischen Landesgewerbeverein in diesem Jahre die Bor- ortschast des Verbandes deutscher Gewerbevereine, die elf Jahre lang in den Händen des Kölner Gewerbevereins lag, übertragen worden ist, unter folgendem Verbandsvorstand, wohnhaft in Tarmsladt: Noack, Regierungsrat, 1. Vor­sitzender; Reuter, Gewerberat, 2. Vorsitzender; Berndt, geh. Baurat, ord. Professor; Gantz, Maurermeister; Attrr- kus, Lithograph; Schaub, Zimmermeister; Schlager, Fa­brikant; Wiener, Dr. und ord. Professor; Mahr, Revisor, Verbandssekretär und Götz, Verbandsrechner.

Von BereinSpietät zeugt die Liste der im letzten Jahre verstorbenen 74 Mitglieder des Gewerbevereins. Auch den geschäftlichen und gewerblichen Klagen aus den Vereinen wird gebührende» Beachtung geschenkt.

Ausführlichen Einblick in die Mittel und Wege zur Förderung der Berufslehre für Meister, Gesellen und Lehr­linge gewährt der Bericht durch Aufzählung der Lehrwerk­stätten, Meistersachkurfe und Luchhaltungskurfe, sowie der Vereinsbibliothek, der Umlaufsmappen und Vereinssamm- lungen, auch der Vereinszeitschrift, des Hessischen Gewerbe­blattes imfro. und die hierfür aufgebotenen eummen ge­reichen der Grotzherzoglichen Zentralstelle für die Gewerbe zur höchsten Ehre. Tas Gewerbeblatt, redigiert von Ge­werberat Reuter, erscheint zur Zeit in einer Auflage von 11100 Exemplaren.

Von den oben erwähnten 116 O r t s g e w e r b e - Ver­ein e n entfallen 19 auf Rheinhessen, 26 auf O b e r h e s s c n und 71 aus Starkenburg. Die tleinste M it g l i e d e r z a h l eines Vereins beträgt 14 (in Neustadt i. O., Rumpenheim und Sensbach), die größten 206 (in Bingen), 317 in Gießen-, 410 (in Worms), 492 (in Offenbach am Main), 516 (in Mainz) und 616 (in Darmstadt).

Tas gewerbliche Unterrichtswesen in Hessen erfreut sich hoher Blute, denn außer der Technischen Hochschule in Tarmstadt stehen folgende Anstalten im Dienste von Ge­werbe und Industrie: 1. die Großh. Landesbaugewerbeschule in Tarmstadt; 2. die Großh. Fachschule für Elfenbein­schnitzerei in Erbach i. O.; 3. die Großh. Web schule in Lauterbach; 4. die Kunstgewerbeschule und Handwerterschule in Mainz; 5. die'technischen Lehranstalten in Offenbach a. M.; 6. die Baugeweri- und Gewerbeschule in Bingen; 7. zehn Gewerbeschulen: in Alsfeld, Alzey, Bensheim, Bü­dingen, Tarmstadt, Friedberg, Gießen, Michelstadt, Nidda und Worms; 8. 113 Lonntagszeichenschulen, teilweise mit Wochenunterricht, und 9. 42 gewerbliche Fortbildungsschulen für die nicht zeichnerischen Fächer.

Sämtliche Anstalten stehen unter Leitung der Großh. Zentralstelle in Tarmstadt, unterstützt durch eine Hand­werkers chul-Kommissiori. Tie Gesamtzahl der Schüler be­trägt 10 150 und die ihrer Lehrer 346. An der Spitze der Zentralstelle stehen Regierungsrat Noack und Gewerberat Reuter.

Vermischtes.

* Breslau, 5. Sept. Tie Frau des Hefefabrikanten Jung wurde gestern in ihrer Wohnung durch einen in Frauerikleider gehüllten M ann mit einem Stein niedergeschlagen, sodaß sie den ganzen Tag über bewußtlos war. Es fchemt sich um einen sorgfältig vor­bereiteten Raub überfall zu handeln. Ter Wagen- meister Büttner wurde gestern mittag von der Maschine eines einlaufenden Zuges erfaßt und so schwer verletzt, daß er bald darauf starb.

* P a r is, 6. Sept. Ein Du e l l soll heute zwischen dem Mg. Gerault Richard und dem Direktor des Blattes L'Action wegen einer Zeitungspolem.it stattgesunden haben.

* Paris, 5. Sept. Infolge Versagens der Steuerung rannte gestern in der Nähe von Corbeil ein Automobil mit solcher Heftigkeit gegen eine Telegraphenstange, daß zwei. Insassen oes Fahrzeuges, Frau und Schwägerin des Besitzers des Automobils, aus demselben her ausge- jchleudert wurden und so schwere Verletzungen erlitten, daß sie kurz darauf verstarb en.

"Brände. In Siegburg wurde die Kattunsabrik vormals Rolfs u. Co. teilweise durch einen Brand zerstört. D-ie Strafanstalt und mehrere andere Gebäude standen eine zeitlang in Gefahr, auch von dem Feuer ergriffen zu werden. Verschiedene Arbeiter wurden schwer verletzt. In M eide- rich brannte auf der elektrischen Kraststation ein Wagen­schuppen vollstänoig nieder. Ein Wagenmaterial im Werte von 400 000 Mk. ist vernichtet. Ter Gesamtschaden beziffert sich auf eine Million Mark. Der Staatsbahnverkehr ist völlig unterbrochen.

Kunst und Wissenschaft.

* * Von den Wimpfen er Festspielen. Ein Herr- sicher Septembertag lag am 3. September über dem bis in die kleinsten Gassen festlich gefepmüeften Städtchen Wimpfen, das die Freude und Ehre hatte, seinen Lau d es Herrn zur Feier der hundertjährigen Z u g e h ö r i g k e i t z u Hessen begrüßen und ihm das Festspiel vorfuhren zu dürfen. Nacl)dem S. K. H. der Großhcrzog am Morgen die eben restaurierte Stiftskirche, dieses Kleinod frühgotifcher Baukunst, wie es nicht viele im deutschen Lande gibt, be­sichtigt und das ühm von der Stadt gegebene Frühstück im Mathilden bad eingenommen hatte, begab er sich in das Festspielhaus, das von einer festlichen Menge dicht besetzt war. Die Festvorstellung zeichnete sich von den an­deren durch die eigens hierfür koniponierte Musik des Reallehrers 51. Dotter aus, die von der Kapelle des 4. württembergischen Infanterieregiments unter des Kom­ponisten Leitung ausgeführt wurde. Besonders gefiel das Vorspiel zum zweiten Stück:Unruhige Ostern" und das Soldatenlied aus dem 30 jährigen Kriege, welches das dritte Stück eröffnete. Die Spieler taten ihr Bestes vor ihrem Landesherru und spielten so flott, daß es eine Helle Freude war. Reicher Beifall des Großherzogs und seines Gefolges sowie des Publikums lohnte die Darsteller. In den Pausen ließ sich der Großherzog von Darstellerinnen im Kostüm einen Ehrentrunk reichen, unterhielt sich mit ihnen auf das freundlichste und spendete den Spielern volle Aner­kennung. Am gestrigen Sonntag sand eine Wiederholung statt. Die letzten Aufführungen sind am 9., 12. und 1$ September.

Der bekannte Lustspieldichter Gustav v. Moser, der sich jetzt zur Kur in Warmbrunn befindet, ist sehr leidend; das Gehen wird ihm schwer.

Brüssel, 5. Sept. Ter internationale Kongreß für Hygiene sprach sich in Resolutionen aus für Ernennung einer- internationalen Kommission zur Prüfung der Sera, schärfere Maß­regeln gegen M i l ch f ä l s ch u n g e n, Verbot verfälschter Konserven, Kontroile kalkhaltiger Brunnen, gesetzliche Aiaßregeln zum Schutz der Bleiarbeiter, Ersetzung des Bleiweiß durch eine harnrlose Sub­stanz, Ernenlumg von Schulärzten und Gründung von S c() ulen für a no rm a l eK i n d e r, Absonderung derNialaria- kranken und Verbesserung des irrenärztlichen Studiums. Beinahe alle Delegierten verwarfen die These Kochs über die Ungefährlichkeit der Tiertuberkulose für d e n M e n s ch e n. Die Sektioii für Tuberkulose nahm mit großer Aiehrheit einen Kompromißantrag an, der besagt, die Tuberkulose sei speziell ü b e r t r a g b a r vom Atenschen auf den Menschen. Nichtsdestoweniger liege beim gegen­wärtigen Stande der Forschung Anlaß vor, hygienische Maß- nahnien zur Verhinderung der Uebertragung von Tiertuberkulose auf Atenschen vorzuschrelberi.

Universitüts-Nachrlchlcil.

Ter ordentliche Professor Geh. Kirchenrat D. Ferdinand Katlenbusch zu Gießen ist zum ordentlichen Professor in der theologischen Fakultät der Universität zu Göttingen ernannt worden. Der außerordentliche Professor Dr. Erich Jiing zu Gießen ist zum aiißerordentüchen Professor in der juristischen Fakultät der Univ. Greifswald ernannt.

Gerichts saal.

. D a r m st a d t, 6. Sept. (Kriegsgerichtssitzung vom 3. Sept.). Der Atusketier K. L. von der 10. Kompagnie Infanterie-Regiments Nr. 116, wegen unerlaubter Entfernung vor­bestraft, ist am 16. August wiederum ohne Grund einen Tag voii der Kaserne weggebliebeii und wird dafür zu 4 Wochen strengen Arrest verurteilt und in die zweite Klasse des Soldatenstandes ver­setzt. Ter Alusketier H. B. aus Maulbach von der 3. Konipagnie Infanterie-Regiments Nr. 116 hat einem Oberleutnant der Reserve, zu dem er als Bursche kommandiert war, bei drei verschiedenen Gelegenheiten Geldbeträge aus der Hose gestohlen und verschiedene kleinere Beträge, die er zu verschiedenen Ausgaben verwenden sollte, für sich verbraucht. Er wird wegen Diebstahls zu 3 Mo­nate Gefängnis verurteilt und in die zweite Klasse des Soldaten­standes versetzt.

Frankfurt, 6. September. Kriegsgericht. Die am 15 August vertagte Verhandlung über den T o d d e s U l a n e n I m m e l wurde gestern fortgesetzt. Obwohl über 30 Zeugen und em halbes Dutzend Sachverständiger vernommen wurden,' gelanc es nicht, volle Aufklärung über den Vorfall zu schaffen und na-' mentlich den Täter zu ermitteln. Am 21. Juni, als das Thürmg Ulanenregiment Nr. 6 in der Artilleriekaserne zu Gonsenheim bei Mainz emquartiert war, kam es im Kasernenhos zu einer Schlägerei. Jmmel von der 2. Schwadron war mit Leuten von der 1. Schwadron in Streit geraten und hatte blank gezogen. Ein Kamerad führte ihn ab; er riß sich aber los und drang auss Neue mit dem Säbel auf die anderen ein. Nun wurde er zu Boden geworfen und er­hielt drei Alesserstiche in die Brust, die so tief gingen, daß er am 17. Juli verstarb. Obwohl noch m der Nacht mit den Vernehm­ungen begonnen wurde, konnte nicht festgestellt werden, wer ge­stochen hat. Der Gerichtschemiker Dr. Popp hat die Messer der Beschuldigten untersucht und keine Blutspuren daran gesunden. Fest steht nur, daß die Ulanen Kirchner und Sauer auf Jmmel knieten und Sauer ihm den Säbel abnahm. Tas Kriegsgericht spricht deshalb Beide nur der Beteiligung an einer Schlagerei, durch welche der Tod eines Aieirschen verursacht wurde, schuldig und verurteilt sie zu je 15 Monaten Gefängnis. Außer ihnen ivareli noch die Ulanen Johann Weißenberger mid Philipp Popp angeklagt. Das Gericht iiahm an, daß sie ebenfalls an der Schlägerei beteiligt waren uiid erkaniite gegen jeden von ihnen auf 9 Monate Gefängnis. Sämtliche Verurteilte, die bisher inibestraft waren, meldeten sofort die Berufung an.

Handel und Verkehr. Kolkswittschasl

Berliner Börse vom 5. September 1903.

(Mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Gießen.) Privat-Diskoni 31/» Prozent.

Anfangs- u.

Oest. Kredit .... 202.60

Deutsche Bank . . . 211.40

Darmstädter Bank . . 136.25

Bochumer Guß . . . 185.10

Harpener Bergbau . . 180.00

Schluß-Tendenz: ruhig.

Schlußkurse.

202.60

211.25

136.25

185.80

180.50

Märkte.

Grünberg, 5. September. Friichtmarkt. (Durchschnitts­preis pro 100 Kilo.) Weizen 15.75 bis 16. Mk., Korii 13.50, bis 14.00 Alk., Gerste 00.00 bis 00.00 Hafer 12.00 bis 12.50 Alk. Erbsen 00.0000 Mk., Linsen 00.00 Mk., Lein 00.00 Alk., Wicken 00.00 Mark, Samen 21.5000 M., Kartoffeln 8.00 bis 00.00 Alt.