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7.8.1903 Zweites Blatt
 
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Nr. 183

Erscheint täglich außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Kesfifchen Landwirt die Siebener Familien« blätter viermal in der Woche betgelegt.

Siolattonsdruck u. Ver­lag der Brühl'schen Untvers.-Buch- u. Stein- druckeret (Pietsch Erben) Kedaktion. Erpedttton und Druckerei:

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Zweites Blatt.

153. Jahrgang

Freitag 7. August 1903

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger v

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Giehen

Bezugspreis» monatlich75Pi., viertel, jädrlich Mk. 2.20; durch Aohole- u. ZwergsteUen monatlich 65 M.; durch die Poft Mk.2. vrertel- jahrl. ausschl. Destellg. Annahme von Anzeigen ür öie Tageörrummer ju$ vormittags 10 Uhr. ^etlenprel®: lokal 12 Ps, auswärts 20 Pfg.

Verauiworlttch für den poltt und allgem. Teil: P. Wttrko- für .Stadt und Land^ und .GerlchtssaatE; August Götz, iüi den An­zeigenteil: yan« Beck.

Die Heutige Yummer umfaßt 8 Seiten.

Mill. Mk. entfallen nicht weniger als 685 Mill. Mk. auf Getreide und Hülsenfrücht, ferner 144 Mill, auf Kaffee, 110

Die Reichsfinanzett und der künftige Zolltarif.

Wie die Zolleinnahmen des Deutschen Reiches unter dem neuen Zolltarif sich gestalten werden, darüber wird man sich erst nach dem Abschluß der neuen Handelsverträge ein annäherndes Bild machen können. Denn erst durch die Ver­träge werden die Zollsätze geschaffen, die eigentlich auf die Wareneinfuhr in Anwendung kommen sollen. Erst dann

Mill, auf Schmalz, 115 Mill, auf Eier, 57 Mill, auf Fleisch u. s. ro. In der Gruppe der Rohstoffe ist der Anteil der zollpflichtigen Gegenstände am geringsten, entsprechend dem Grundsatz, daß der einheimischen Industrie der Bedarf an ausländischem Rohmaterial nicht durch Zölle verteuert werden soll. Von dem Wert der eingeführten Fabrikate entfallen nicht ganz zwei Drittel auf die zollpflichtige Einfuhr. Es ist hierbei zu berücksichtigen, daß zu dieser ©nippe auch zahl­reiche Halbfabrikate gehören, die im Interesse der inländischen

äußert

Ssu-

mittel fallenden Einfuhr besteht somit der weitaus größte

Europas auf gleichen Fuß zu stehen kamen. Ist es nun

)t:gen vorteilhaft für uns, dieses Recht unserem Nachbar gegenüber 17851 verlieren, und ist es zugleich st'ir Deutschland Vorteil-

Wert in Mill. Mk. Nahrungs- und Genußmittel 1968 Rohstoffe für Jndustriezwecke 2560

Auch hier springt d?r große Anteil der ersten Gruppe an den Zolleinnahmen ins Auge. Rund 73 Prozent des gesamten Zollertrages rühren aus den Rahrungs- und Ge­nußmittelzöllen her. Allein auf Getreide und Hülsenfrüchte entfallen schon 159 Millionen Mk. oder annähernd 30 Proz., ferner auf Tabak 54 Millionen Mark, gleich 10 Prozent, auf Kaffee 12.8 Prozent, auf Wein 3 Prozent u. s. ro. Im Durchschnitt beläuft sich der Zoll in der Gruppe der Nahrungs­und Genußmittel aus 20 Prozent, in der Gruppe der in­dustriellen Rohstoffe auf 1 und in der Gruppe der Fabrikate auf 10 Prozent des Wertes, während die gesamte Waren­einfuhr des Zollgebietes einem durchschnittlichen Wertzoll von 9.6 Prozent unterworfen ist. Auf den Kopf der Bevölkerung kommen ungefähr 9 Mk. Zoll, wovon etwa 2 s/4 Mk. als Zoll auf Getreide und Hülsenfrüchte, 11/i Mk. als Petroleum­zoll, 1.20 Mk. als Kaffeezoll, annähernd 1 Mk. als Tabak­zoll zu rechnen sind.

Die gesamte Wareneinfuhr verteilt sich ihrem Wert nach mit 35 Prozent auf Nahrung?- und Genußmittel, mit 45 Prozent auf industrielle Rohstoffe und mit 20 Prozent auf Fabrikate. Vom gesamten Zollertrag brachte die erste Gruppe 73 Prozent, die zweite 5, die dritte 22 Prozent. Sehr er­heblich wird sich dieses Verhältnis der drei Gruppen zu einander unter dem neuen Tarif und den neuen Handels- verträgen wohl nicht ändern.

Davon zollpflichtig Mill. Mk. Proz.

1785 91

359 = 14

689 ----- 62

Volltische Tagesschau.

Zum deutsch-russischen Handelsverträge sich das MonatsjournalRußkoje

wird sich auch erkennen laffen, ob und welche neue Ein­nahmequellen zur Besserung der Reichsfinanzen zu erschließen sein werden. Bekanntlich trägt die Finanzwirtschaft des Reiches, im Gegensatz zu derjenigen der Bundesstaaten, einen ausgeprägt steuerlichen Charakter. Während die Einnahmen der Bundesstaaten zum größten Teil aus Erwerbseinkünften herrühren Preußen z. B. zieht aus Erwerbseinkünften nahezu 88 Prozent seiner Staatseinnahmen, aus den Staats­eisenbahnen allein 54 Prozent, entfallen im Reich nach dem Voranschlag für 1902 nur 564 Millionen Mark auf Erwerbseinkünfte (Reichseisenbahn, Reichspost und -telegraph, Reichsdruckerei, Anteil des Reiches am Geschäftsgewinn der Reichsbank und des Reichs-Anzeigers), hingegen 1054 Mil­lionen Mark auf Steuern (Zölle und indirekte Steuern, so­wie Stempelabgaben).

Unter den Reichssteuern nehmen die Zölle den ersten Platz ein. Der gesamte Zollertrag aus der Wareneinfuhr in das deutsche Zollgebiet im Kalenderjahr 1902 berechnet sich nach den hierüber vorliegenden Nachweisen auf 539 Millionen Mark. Es ist vielleicht ein großer Irrtum, wenn angenommen wird, unter dem neuen Zolltarif werde sich der Ertrag aus den Zöllen bedeutend steigern. Erhöhte Zoll­sätze können ebensogut zu einer Minderung der Einfuhr und demgemäß auch der Zolleinnahmen führen wie zu einer Vermehrung de§ ErttageS. Jedenfalls wäre es verfehlt, in dieser Richtung ein allzu optimistisches Urteil zu fällen. Darauf wird indessen mit ziemlicher Sicherheit zu rechnen sein, daß die Verteilung der Einfichrwaren auf die drei großen Gruppen NahrungS- und Genußmittel, Rohstoffe für Jndustriezwecke, Fabrikate unter den neuen Tarifverhältnissen sich wenig ändern wird.

Im Kalenderjahr 1902 belief sich der Wert der einge­führten zollfreien und zollpflichtigen Waren aus 5631 Mill. Mark. Davon entfielen 2836 Mill., also rund 50 Prozent, auf die zollpflichtige Wareneinfuhr. Selbstverständlich ist dieser Anteil ein ganz verschiedener, wenn man jede der vor­stehend genannten Warengruppen für sich in Betracht zieht. Die Gesamteinfuhr verteilt sich wie folgt:

dochodstwo":Angesichts der Erneuerung des Handels­vertrags zwischen Rußland und Deutschland wird nicht selten die Frage erwogen, wie es für uns vorteilhafter sei, uns unserem Nachbar gegenüberzustellen: ob wir uns gegen- seittg durch Repressalien schlagen oder durch beiderseitige Zugeständnisse eine Verständigung herbeiführen sollen. Der Vertrag vom Jahre 1894 war aufgebaut aus dem Grundsätze der Meistbegünsttgung, sodaß wir mit allen Großmächten

Teil in zollpflichtigen Waren, ja diese Gruppe liefert nahe­zu zwei Drittel (genau 63 pCt.) der gesamten zollpflichtigen

Wareneinfuhr. Von den vorstehend nachgewiesenen

Industrie teilweise zollfrei eingehen.

Im Verhältnis zum Wert der eittgeführten Waren haben sich die Zollerträge folgendermaßen gestaltet:

Einfuhrwert Zollerttag Wertzoll

Mill. Mk. Proz.

Fabrikate 1103

Von der in die Gruppe der Nahrungs- und Genuß-

Nahrungs- und Genußmittel .

1968

396

20

Rohstoffe für Jndustriezwecke . .

2560

28

1

Fabttkate . ........

1103

115

10

Zusammen:

5631

539

9.6

Hast, den Nutzen einzubüßen, den es aus dem ungeheuer großen russischen Markte zieht? Die 10jährige Wirksam- samkeit des Vertrages von 18 9 4 hat einige Uebel- stände, welche der Vertrag für uns mit sich brachte, an den Tag gelegt, und wir hoffen, daß der neue Vertrag diese Uebelstände beseitigen wird. Ungeachtet der seitens Deutschland erhobenen hohen Zölle ist unsere Ausfuhr nach Deutschland im Wachsen begriffen: wir haben im Jahre 1892 für 138 Millionen Rubel nach Deutschland ausgeführt und im Jahre 1900 für 188 Millionen Rubel. Unsere Ein­fuhr nadii Großbritannien, wohin unsere Waren zollfrei gelangen, betrug früher 200 Millionen Rubel, während diese Ziffer im Jahre 1900 sich auf 140 Millionen Rubel redu­zierte. Für die gleichen Jahre betrug unsere Einfuhr: aus Deutschland im Jahre 1892 102 Mill. Rubel und aus Groß­britannien 101 Mill. Rubel, im Jahre 1900 aus Deutsch­land 217 Mill. Rubel und aus Großbritannien 127 Milk. Rubel. Märkte erobert man sich nicht leicht, daher ist es unmöglich, die Meistbegünsttgung aufzugeben."

Hebet Bismarcks sozialpolitische Anschauungen

schreibt Heinrich von Poschinger:Ein Aufsatz des Hof­predigers a. D. Stöcker hat die Frage, wie sich der erste Reichskanzler zur sozialpolitischen Frage verhalten habe, wieder aufgerollt. Ich bin in der Lage, auf Grund einer Auszeichnung, welche von dem Fürsten Msmarck seinerzeit durchgesehen und mit mehreren Zusätzen und Abänderungen versehen worden ist, hierüber nachstehendes mitzuteilen: An dem Vorwurf, Msmarck sei ein Feind der Arbeiterschutz­gesetzgebung gewesen, ist nur so viel wahr, daß er von denjenigen Forderungen, welche Eingriffe in die persönliche Unabhängigkeit des Arbeiters und seine Rechte als Fa­milienoberhaupt bilden, indem sie ihm oder den Seinigen verbieten, zu arbeiten, wann er will, nichts wissen wollte. Tie Schaffung eines Normalarbeitstages und eines Nor­mallohnsatzes hielt er für undurchführbar, aber auch die Verbote der Frauen- und Kinderarbeit usw. zurzeit nur erfüllbar, wenn alle Kulturstaaten dieselbe befriedigen würden. Deutschland hat aber keinen seiner Nachbarn zur Zusage oder Nachfolge bewegen können, und eventuell würde nur Deutschland das Abkommen gewissenhaft durchführen und seine Industrie die Kosten tragen. Ganz von der Hand des ersten Reichskanzlers ist eine mit Bleistift an den Rand einer ihm gemachten Vorlage geschriebene Bemerkung zum Alters- und Jnvaliditätsgesetz, welche besagt:Sein In­teresse an der Sache war nacht mehr das ursprüngliche von dem Augenblick an, wo dem Arbeiter Beiträge zu seiner Altersversorgung zugemutet wurden; er hatte eine Ver­sicherung auf Staats- und Reichskosten in Aussicht ge­nommen und empfohlen, die Mittel dazu eventuell aus dem Tabakmonopol zu nehmen. Tie von ihm erstrebte polittsche Wirkung war nur durch diese Gratisversorgung zu erreichen. Lohnabzüge im 18. Jahre behufs knapper Pension nach einem halben Jahrhundert lagen nicht in dem Plan, der ihm bei seiner Initiative vorschwebtt."

Aie Keidelberger Nniversttälsfticr.

Heidelberg, 6. Aug.

Der erste Hauptfestakt begann am Vormittag 11 Uhr in der Aula der Universität am Ludwigsplatze. Der prächtige Saal, der 1896 renoviert wurde Kuno Fischer hält hier seine Vorlesungen, da selbst der große Pandekten­saal nicht ausreicht, um die Zuhörerschaar zu fassen bot ein farbenprächtiges Bild. Unter dem Hauptgemälde, das den Einzug der Minerva in die Stadt Heidelberg dar-

Feuilleton.

Erinnerungen aus dem deutsch-französi­schen Kriege veröffentlicht jetzt der General F a v e r o t imGaulois". Am 16. Juli, also 3 Tage vor der Kriegs­erklärung, begegnete er in Saint-Cloud, wo damals der Hof sich befand, dem eben aus Berlin eingettosfenenObersten Stoffel. Ehe dieser beim Kaiser vorgelassen wurde, der hoch seinen Morgenanzug vollendete, frühstückte er mit einem Spiegel-Ei. General Bourbaki, der an jenem Tage diensttuende' Adjutant des Kaisers, war ebenfalls zugegen und fragte:Sagen Sie uns doch die Wahrheit, Stoffel, ganz runter uns: wer wird Haue kriegen?"

Darauf kann ich Ihnen ohne Bedenken antworten", erwiderte der Oberst.Ich glaube fest, Frankreich wird die Oberhand behalten, nur bilde man sich nicht ein, daß dies leicht sein werde. Preußen ist großartig vorbereitet, der Kampf wird lang und mörderisch sein." Dann ging Stoffel auf Einzelheiten bei einem Vergleiche beiden Heere ein. Er sagte u.ia ., die deutsche Artillerie sei schwerfälliger, als die unserige, weil ihre jgroßen Kanonen mit 6 Pferden bespannt werden müssen, die unserigen dagegen nur mit 4 usw. Von dem Berichte, den Oberst Stoffel dem Kaiser selbst dann erstattete, findet man einen Abglanz in der Proklamw- tion, die Napoleon III. von Saint-Cloud aus an das fran­zösische Volk erließ, ehe er zum Heere ab ging.

Der Kaiser hatte den General Faverot für die Dauer des Krieges zu seinem Oberstallnreister ernannt. Am Tage vor dem Abgänge zum Heere dejeunierte er mit einem Ordonnanz-Ofsizier des Marschalls Mac Mahon, Robert de Vogüe, der bei Reichenhosen fallen sollte. Dieser tefilte ihm mit, der Marschall ;ei b uh erfreut darüber, daß der Kaiser ihm gestattet ha^e. ?.vm großen Teil ans afrika­nischen Truppen besteh -a'.-es . ver zu bilden.Sobald es mobilisierbar ist, ziehen wir über den Rhein und marschieren auf Berlin los. Es wird ein kühner Streich sein, aber damit : trenn en wir alle Pläne der Moltke il Co." Um ausmar-, Mieren zu können, frchr General Faverot fort, bedarf es I

der Truppen, der Munitionen, des Proviants. Die Truppen waren lange nicht beisammen, Proviant war nicht zur Stelle und traf nicht zur richtigen Zeit ein. Als die Ost-Armee bald darauf um Metz konzenttiert wurde, mußte sie liegen bleiben, weil man niichts von allem hatte, was notwendig gewesen wäre, um eine kühne und rasche Offensive zu er­greifen. Am 29. Juli dinierte ich an der Tafel des Gene­rals Bourbaki, Befehlshabers der kaiserlichen Garde. Wäh­rend der Mahlzeit flüsterte ich ihm die Frage ins Ohr: Warum marschieren wir denn nicht auf den Feind los? Worauf warten ivir noch?" Ich kannte ihn als den toll­kühnsten unserer Generale. Er flüsterte mir zurück:

Es gebrichit uns an allem Nötigen, um vorzudringen. Fragen Sie mich nicht weiter. Ich rase innerlich wie Sie selbst." e

Die Musiksäle der neuen Stadt Halle zu Heidelberg sollen durch ein dreitägiges Musik- fest und zwar in der Zeit vom 24. bis 26. Oktober 1903 eröffnet werden, unter Mitwirkung eines Festorchesters, deis Bachvereins und eines HeidelbergerVolkschores", einen: Kammermusikvereinigung, verschiedener Solisten, unter der Leitung von Prof. Dr. Wolsru m. Richard Strauß und Max Schillings haben ihre Mitwirkung als Dirigenten zu­gesagt.

Die Enthüllung des Jun g-G o e th e-D en k- mals, das in Straßburg vor der Kaiser Wilhelms- Universität zur Aufstellung gelangen wird, ist auf den 31. Oktober in Aussicht genommen.

Friedrich Spiel Hagen, Romane Neue Folge. Wohlfeile Lieferungsausgabe in 50 Heften ä 35 Pfg. (Ver­lag von L. Staackm: im in Leipzigs. Die Lieferungen 15 bis 22, welche uns vorliegen, bringen die Fortsetzung und den Schluß der NovelleS u s i", sowie den hauptsächlichen Um­fang des RomansOpfer". Der RomanOpfer" trägt deutlich das zeitgeschichtliche Kolorit des letzten Jahrzehnts. Es fehlt nicht dieGoethegesellschast" und derVorwärts", nicht die Proletarierfamilie und die Erbschaft aus Amerika, nicht die aufgelöste Volksversammlung und der durchge-

Brannte Kassierer, nicht christlich-soziale Tättgkert und Mag- dalenen-Arbeit. Auch der Buddhismus hat feine Liebhaber. In buntem Gemisch wirbeln verschuldete Offiziere und reiche Lebemänner, Dirnen der Straße und des Salons, intrigante Witwen und mildtätige Frauen und Jungfrauen, hier der getaufte Bankier, dort der eifrige Pastor, am Auge des Lesers vorüber.

Hermann Levi. Erinnerungen von Ernst von Possart. München, C. H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung. Diese Erinnerungen an Hermann Levi, einen der berühm­testen Söhne unserer guten Stadt Gießen, sind in einem hübschen kleinen Buche zusammengefaßt, dem ein vortrefs- liches Bild Levis, Heliogravüre nach einem Lenbachschen Porttät, beigegeben ist. Possart schildert besonders, wie Levi zu seiner Lebensstellung, den Kapellmeisterposten der Münchener Hofoper, kam. Franz Lachner und Hans von Bülow waren da seine Vorgänger, und schwer lastete an­fangs auf dem Epigonen die große Tradition. Aber Levi wußte sich frei zu machen von dieser Last und zeigte sich in Kürze den großen Vorgängern ebenbürttg. Hermann Levi, der hervorragende Kapellmeister, der intime Freund Wagners, der erste Parzival-Dirigent, lebt im Gedächtnis aller Musikverstänbigen: und im besonderen ist mit seiner Geburtsstadt Gießen und mit der Geschichte Bayreuths sein Name für immer verknüpft.

Gustav Meyrink, Der heiße Soldat und andere Geschichten. Umschlagzeichnung von Bruno Paul. Geheftet 1 Mk. Verlag von Albert Langen in Mün- djen. (Kl. Bibl. Nr. 62.) Meyrink ist zuerst durch seine Geschichten im Simplieissimus bekannt geworden. ..Der heiße Soldat" ist das erste Buch. das von ihm erscheint. Meyrinks origineller, am ehesten an amerikanische Autoren erinnernder Humor ist von einer grotesken Kemik. Mey­rinks Fantasie ist von einer Fruchtbarkeit, die fabelhaft anmut ei . Und dabei bieten diese (beschichten nicht etwa nur ein stoffliches Interesse; Meyrinks Stil ist künstlerisch und dabei originell und persönlich.