6.
8.
AoMische Lagesschau.
Eine reichsoffiziose Stimme über die Wahlresultate.
<£Uiü ^iüül und Kand.
Gießen, 7. Juli 1903.
Vermischtes.
* Berlin, 6. Juli. In der Sonntagsnacht gerieten in dem Bororte Britz der Barbiergehilfe Bogel und der Arbeiter Hoffmann in einem Schanklokal mit dem Glaser- gehilsen Kvrolcwski in Streit, wobei letzterer sich eures Messers bediente. Hoffmann wurde am Arm verletzt, Bogel erhielt Stiche in die Brust und Gurgel, woran er am folgenden Morgen starb. Der Täter wurde verhaftet.
* New York, 5. Juli. Das neue amerikanische Telegraphenkabel durch den Stillen Ozean, das die Bereinigten Staaten über Honolulu und Guan mit den Philippinen verbindet, wurde heute eröffnet. Der Präsident der Kabelgeselljchast, Mackay, der sich gleich Roosevelt in Oysterbay im Staate Newyork befindet, sandte ein Telegramm um die Welt an die Adresse des Präsidenten, das diesen nach zehn Minuten erreichte.
* Pittsbürg, 6. Juli. Der See bei Oaksord, einem Beranügungsorte in der Nähe von hier, trat infolge eines Regen sturmes über die Ufer, durchbrach den Tamm und strömte das Tal hinunter. Etwa 50 Menschen sollen ertrunken sein. Es ist ein großer Schaden an Grundeigentum angerichtet worden. Die nächstgelegenen Städte sind überschwemmt, die Pennsylvaniaeisenbahn ist unterwaschen. ___
Sport.
— Der Großherzog von Mecklenburg-Schwerin estattete dem deutschen A u t o m o b r l-K l u b, das Gordon- > e n n e t - R e n n e n 1904 in seinem Lande a b z u h a l t e n.
(Hessen) zw. Darmstadt u.-Heidelbg. Hotel z. Krone. Pens. 2l!lu0ll(y v. Mk. 3.50 ab. Prospekt u. Führer gratis. G. Diefenbach.
in der Diätenlosigkeit wenigstens für einen Teil M Reichstages, namentlich für die Süddeutschen, eine der llrsarlsen des Absentismus zu erblicken sei. Freilich fordert das konservative Blatt Kompensationen in Form von Aender- un gen des Wahlgesetzes, und zwar ohne A.ende r u n g der versafsungsm äßig en G r u nd l a g e d e s R e i ch s t a g S w a h l r e ch t s und voller Aufrechterhaltung des allgemeinen, gleichen und geheimen Stimmrechts. Nach dem Vorgänge Bayerns sei z. B. eine bestimmte Zeit deS Aufenthalts für die Ausnahmesährgkert in die Wahllisten vorzuschreiben. Ferner tritt die „Poft" für die Einrichtung einer ständige^ Wählerliste nach englischem Muster ein. Die „Post" fordert die Regierung aus, ihrerseits eine derartige Gesetzesvorlage einzubringen, da man aits der Initiative des Reichstages selbst heraus zu einer solchen niemals gelangen könne.
Frankfurt a. M.
W o rm s, 4. Juli. Die Stadtverordnetenversammlung wählte an Stelle des nach, Nauheim berufenen Dr. Kayser Herrn Dr. Wcv e rs aus Itzehoe zum ersten Bei geordnete ii.
Aus dem Biebertal, 5. Juli. An die Burg Betz- berg knüpft sich die Sage von Jungferraub durch Ritter Holzappel vom Vetzberg, welche für weitere Kreise von Interesse sein dürste. Auf der Burg zu Dillenburg wohnte vor mehr als vierhundert Jahren Graf Johann IV. von Nassau-Dillenburg. Er hatte ein liebreizendes Töchterlein, zu dem Ritter Holzappel von Vetzberg in heißer Liebe entbrannte. Vergebens bestürmte der Vetzberger den Grafen mit Bitten, das Edelfräulein auf seine Burg heimsühren zu dürfen. Nicht vermochten die Tränen der Jungfrau und das Geständnis der Gegenliebe zu dem Edelmanne auf I der Burg am Lahntal daS Herz des Alten zu rühren, der sein Töchterlein für einen Grasen, aber nicht für einen wenig begüterten Edelmann bestimmt hatte. Da gute Worte nichts halsen, so suchte Holzappel von Vetzberg mit Ge- lvalt sich den Besitz des Edelsräuleins zu erzwingen. Er sammelte seine Mannen, und im raschen Trabe ging's über die Höhe des Dünsbergs ins Dilltal. Durch List gelang es ihm, die Jungsrau von der Burg zu entsühcen, und heim- lvärts ging's bergauf, bergab nut der kostbaren Beute. Doch kaum war das Edeiftaulein entsührt, als der alte Gral die Freveltat erfährt. Mit seinen Getreuen fliegt er im Sturme davon, bietet unterwegs das Volk in den Dörfern auf, um dem Räuber nachzujagen. Am Fuße des Vetz- berges werden die Flüchtlinge eingeholt. Es entspinnt sich ein heißer Kampf. Trotz tapferer Wehr und trotz der heißen Gebete, die die Jungfrau für den geliebten Mann und das Glück seiner Waffen zum Himmel sendet, muß die kleine Schar der Vetzberger der Macht der Dillenburger erliegen. Tie Jungfrau wird znrückgejührt wid muß hinter düsteren Klostermauern ihr kühnes Wagnis sühnen.
Lrüstdeut c£oul)d in ßugland.
Der französische Präsident Loubct hcu am Dion tag vor- mittag seine Reise nach England angetreten. In seiner Begleitung befindet sich der Minister des Aeußeren Del- casss. In der französischen Hafenstadt Boulogne wurde er von den Behörden begrüßt und gab in seiner Antwort der tzofsnung Ausdruck, daß seine Reise ebenso wie die früheren von gutem Ersolge für die Wahrung des Weltfriedens begleitet sein nwge und die Befestigung der Freundschaftsbande, die bereits zwischen Frankreich und dem großen Nachbarn beständen, ivwie für Erweiterung der Handels- und industriellen Beziehungen, an welchen alle Franzosen lebhaften Anteil nehmen müßten, denen die Groge Frankreichs und der Republik am Herzen liege. Dann be- aab er sich, von der Menge lebhaft begrüßt, an Bord de» Kreuzers „Guichen", der gegen 12 Uhr nach Dover m See ging. In diesem englischen Hafen lcuidete er um 1% Uhr. 2lls das französische Gejchwader in Sicht kam, danipften ihm englische Torpedobootzerstörer entgegen und feuerten einen Salut von 21 Schufjen, während die Mannschaften aufgeentert waren. Die Höhen, auf denen die Stadl liegt, waren mit Zuschauern besetzt. In Erwiderung auf die Begrüßungsansprache des Aiuyors iBür- aermeisters) von Dover führte Loubet aus, er komme im Namen Frankreichs auf die liebenswürdige Einladung des Königs und bringe dem großen Nachbarvolke einen öffentlichen Freundschaftsbeweis, England uiid Fr-ankreich hätten nicht allein Inter essen gründe, um zusarnrnenzugeheu uni) einer Verständigung in gelangen : beide Länder hätten das gleiche Bepreben, üen Frieden zu erhalten. Ihr Einvernehmen nutze nicht nur ihnen selbst, sondern auch dem Fortschritte bei Zivilisation und der Wohlfahrt der Menschheit-
Ju Loudon kam Loubet um llhr an und wurde vom Lönig und den Mitgliedern der königlichen Fauiitie aus dem Mchuhos empfangen, Lonbct und der Woiug fuhren alsdann mü dem Gefolge nach dem Yort-vouse. Aus dem ganzen Wege durch die geschmückten Straßen wurden he herzlichst begrüßt. Lei der Ankunft im York-House, feinem Absteigequartier, sprach Loubet dem Könige Herz- lichen Dank für den in Dover und London zuteil gewor- denen Empfang aus. Dann begaben sich Loubet und Mr» nifter Teleassö nach dem Buckingham-Palast, um dem König ehren Besuch abzustatten. Tie vor dem Palast angesammelte Volksmenge begrüßte sie lebhaft.
Gutsbesitzer Müller sein fünfundzwanzig, jähriges Jubiläum als Besitzer des Gutes und gab deshalb seinen sämilichen Arbeitern em großes Fest- essen. Der Gesangverein Leihgestern brachte ihm nach, mittags ein Ständchen. Arbeiter, welche schon zehn Jahre auf dem Oute tätig sind, wurden mit Geldgeschenteii bedacht.
Bad-Nauheim, 4. Juli. Folgeiide Unterhaltungen werden in dieser Woche stattjinden: Mittw oche nachmittags und abends, Konzert der Kurkapelle. Abends „Seine Kaminerjungfer". — Donnerstag, Nachmittags und abends, Konzert der Kurkapelle mit Einlagen des Tyroler Ensembles Alpenblume. Abends Tanz. — F r e . - tag, nachmittags und abends Konzert der Kurkapelle. Abends unter Mitwirkung der Kürkapelle: „Die Fledermaus". — Samstag, nachmittags und abends Konzert der Kurkapelle. Abends „Die Madonna". Hierauf Vor- Krüge. Znm Schluß: „Monna Vanna". — Sonntag Konzert der Kapelle des 9. Württemb. Jnf.-Regts. Nr. 127 aus Ulm. Abends Symphoniekonzert der Kurkapelle unter Mitwirkung der Konzertsängerin Theo Drill-Oridge au3
♦♦ Personalien. DaS Ehrenzeichen für Mitglieder ' freiwilliger Feuerwehren wurde verliehen dem Mitglied der t freiwilligen Feuerwehr zu Lollar Jakob Läufer, den Mit-1, gliedern der freiwilligen Feuerwehr zu Heuchelheim: Karl , Steinmüller 1., Jatöb Kreiling VI., Phil. Germer III., Wilhelm Hofmann II., Philipp Rinn XV., Wilhelm Ruppert und Georg Volkmann.
*♦ Tagesordnung für die Sitzung der Stadtver ordneten-Versammlung Donnerstag, den 9. Juli 1903, nachmittags 4 Uhr. 1. Vergebung von Arbeiten uno Lieferungen für die ^relbauten. 2 Vergebung von Unterhaltungsarbeiten in der städtisck)en Kaserne. 3. Nenchaussierung der Hammstraße von der Unterführung an der Westanlage bis zur Wieseckbrucke; hier: Vergebung der Pftasterarbeiten. 4. Baugesuche der Baugenofjensck>aft des evangelischen Arbeitervereins für den Wetztarerweg; hier: Fluchtlinienplan. 5. Fluchtlinienplan für die Neuen Baue. 6. Verbreiterung der Niarburger-1 praße: hier: Gelaiideerwerb. 7. Gefuch des Konrad Rüb-i [amen um Ueberlasjung eines Teiles des Schweinemarltes zum Lagern von Kies. 8. Ansckftuß des neuen Friedhofs, iowie des Arinen- und Hochbauaniteö an die Fernsprech- leituiia 9. Preis der elektrischen Energie für den Staat. 10. Herstellung eines Schutzgeländers am Schwungrad der 300pferdigen Maschine im Elektrizitätswerk. 11. Verlänger--1 ung der Gasleitung in der Rodheünerstraße. 12. Verlängerung der Gas- uiid Wasserleitung in der Landmannstraße. 13. Beleuchtung des Platzes hüiter der Johanneskirche. 14. Vergütung der Schutzmannschaft für die Perjonenitands- üuhialjuie. 15. Ferien der Stadtverordnetenversammlung. 16. Gesuch des Friedrich Kopp dahier um Erlaubnis zum Wirtschaftsbetciev im Hause Bismarckstraße 30. 17. Gesuch des Philipp Hoftuann dahier tun Erlaubnis zum Flaschen- bierausjchank im Hause (Scheuer) Wetzsteüigajse 14.
*♦ Schlachtviehversicherung. Das Ministerium hat soeben sämtlichen beteiligten Berujsgruppen den kürzlich fertiggestellten Enllvurs eines Schlachtviehversrchermigs- aefetzes für das Großherzogtum Aur gutachtlichen Aeußerung unterbreitet. Der Landtag soll sich bereits im Herbst dieses Jahres mit der Beratung des Enllvurses besajsem
♦* Der Fernsprechverkehr zwischen Gießen und Hannover nebst den össentlichen Spcechstellen Bornum lHannover), Haiuivver-Lmden, Ricklingen mid Waldhausen lBez. Hannover) ist zugelafsen worden, jedoch mit Aus- ichluß der Zeiten von 9—12 vornu und 3—7 nachm. an Werktagen. Die Gesprächsgebühr beträgt 1 Mk.
(I) Wetzlar, 6. Juli. DaS Wett-Turnen beim 30. Gauturnfest am Sonntag und Montag war von dem prächtigsten Wetter begünstigt und nahm einen echt turnerischen Verlaus. Nachstehend bringen wir die Sieger zur Kenntnis: Musterriegen am Sonntag: 1. Preis T.-V. Gießen
1 35,53 Punkte, 2. T.-V. Butzbach 35,08, 3. T.-V. Lich 34,65, f 4. T.-V. Marburg 34,33, 5. T.-V. Friedberg 33,16, n : <£,93. Wetzlar 32,50, 7. T.-V. Großen-Linden 32,03, I £,93* Launsbach 31,95, 9. T.-V. Bad Nauheim 31,70, 10.1 £,93* Wetzlar 31,49, 11. T.-V. Gießen 31,11, 12. T.-V. Langgöns 30,90, 13. T.-V. Wetzlar (Damennege) 30,41, 14. T.-V. Alsfeld 30,04, 15. T.-V. Krofdorf 29,33, 16. Männ'er-T.-V. Gießen 29,28, 17. T.-V. Alsfeld 28,90, 18. T.-V. Grünberg 28,15, 19. T.-V. Ober-Mörlen 27,42, 20. £-93. Klein-Lmden 27,32, 21. T.-V. Grünberg 26,83, 22. u. 23. T.-V. Niederweifel 26,75 u. 26,63, 24. T.-V. Lollar 25,36.1 —' Am Montag: Oberstufe mit 15 Teilnehmern: 1 Preis K. Salzmann, T.-V. Bad-Nauheim, 57% Punkten, 2 Anton Berghof, T.-V. Gießen, 55%, und I. Lippert, T.-V. Butzbach, 55, 3. K. Schmidt, T.-V. Gießen, 55, 4* Ludwig Bepler, T.-V. Gießen. 53%, 6. I. Hof, T.-V. ! Gießen, 51%, 6. K. Rees, T.-V. Butzbach, 51%, 7. Ehr. Rösing, T.-V. Marburg, 50%. — Unterstufe mit 120 Teilnehmern: 1. Preis Robert Köhler, T.-V. Wetzlar, 64% Punkten, 2. Hans Krämer, T.-V. Butzbach, 63, 3. Georg Fischer, T.-V. Marburg, 62, 4. Albert Münch, T ,93. Wetzlar, 614 6, 5. Philipp Hörr, T.-V. Launsbach, 60, 6.' Gustav Vomhos, T.-V. Biedenkopf, 59%, 7. Friedrich Jung, T.-V. Klein-Linden, 59%, 8. Max Günther, T.-V. Lollar, 58%, 9. Ludwig Dechert, T.-V. Gießen, 57%, 10. L. Schmalz, T.-V. Gießen, 57%, 10. Friedr. Schmidt, T.-V. Marburg, 67%, 11. Jak. Otto, T.-V. Wetzlar, 57% 12. Karl Bender, T.-V. Krofdorf, und Karl Dickhaut, T.-V. Alsfeld, je 572 6, 13. Emil Röhrig, T.-V. Wetzlar, 57 % 14. Heinrich Hamel, T.-V. Gießen, 57, 16. Richard Osterburg, T.-V. Friedberg, und Georg Bücking, T.-V. Alsfeld, je 56%, 16. Karl Hyroniemus, T.-V. Friedberg, 66%, 17. Karl Wenzel, T.-V. Gießen, 56, 18. Karl Gries, T.-V.
I Bad-Nauheim, 662 6, 19. Karl Möller, T.-V. Lauterbach, 551/ 20. Johannes Rößner, T.-V. Marburg, und Franz
Riegel, T.-V. Wetzlar, je 64%, 21. Heinrich Sommer, T.-V. Ufingen, 54%, 22. August Nicolai, T.-V. Ufingen, 53%,! 23. H. Wagner I., T.-V. Großen-Linden, 53%, 24. Fnedr.
1 Agbler T.-V. Lauterbach, 53%, 26. Ernst Koch, T.-V. Alsfeld, Emil Schulz, 2>V. Wetzlar, und Heinrich Weber, T.-V. Klein-Linden, je 53, 26. Karl Burgmann, T.-V. Wetzlar, und Louis Löwe, T.-V. Marburg, 62%, 27. Wilh. Reeh, T -V Krofdorf, 52%, 28. Karl Wack, T.-V. Bad-Nauhemi, Karl Schneider, T^V. Wetzlar, und Georg Gonder, T.-V. Wetzlar, je 61%, 29. Heinrich Rutz, T.-V. Kirchhain, 51%, 30. Georg Häuser, TD-V. Butzbach, 61, 31. Albert Völzing, T.-V. Nidda, 60%, 32. Max Höpsncr, T.-V. Gießen,^ 60%, 33. Heinrich Schnepp, T.-V. Krofdorf, 50%, 34. Heinrich Schneider, T.-V. Wetzlar, 50 Punkte.
(t) Neuhof b. Leihgestarn, 6. Juki. Heute feierte der
Der Ptipft plauderte mit feinem Neffen. Wiederholt erklärte er, er werde ruhig scheiden im Bewußtsein, seine Pflicht für daS Wohlergehen der Kirche getan zu haben.
Die Aerzte gaben saft alle Hoffnun g. au s, daß der P^ipst die fdyiuere Krisis überstehen könne. Die Nahr- ungSausnabrne ist völlig ungeiiügend. Die Herztätigkeit, die auSzusefien droht, ist nur durch Reizmittel aufrecht zu erhalten. Der Zustand der Lunge ist uiiveräiidert.
Am Sonntag diktierte der Papst dem Sekretär Angell einige lateinische Verse und bat diesen, sie sofort in die Druckerei des Vatikans zu fdjacfci^ well er den Korrektur ab zu g sehen wolle. Der Vapst äußerte, cs wären die lebten Verse seines Lebens und er wolle sie vor seinem Tode veröffentlicheii. Diese Verse atmen tiefe Melanck-vlie und enthalten unter Anrufnng des Erlösers mit) der heiligen Jungfrau den Abschied von allen Christen. c.
D^m Vernehmen nach verließ Kardmalkammerer Oreglla gestern seine Wohnung, um in den Vatikan über* zujiedeln. Der Kardinal hatte eine längere Besprechung mit seinen Sekretären. (St gibt Anordnungen über alle Papiere, die er in den Vatikan mihummt. Im F-ulle, dap ein Konllave Zusammentritt, wird Oreglia durch den Vize- kämrnerer Pasjerini unterstützt. DaS für daS Konklave zu deft>lgende Zeremoniell geht den Kardinalen nicht gedruut zu, sondern wird vom Zeremonienmeister geschrieben aul der Grundlage deS alten Z^emoniells, wenn iiidjt Leo XIII. über das Konklave eine Bulle verfaßt hat, von der er|t nach seinem Tode Kenntnis genommen werden darf.
GerichlC'snal.
Q Gießen, 4. Juli. Strafkammer. Mit einer faubereu Musterkarte von llebellätern hatte sich unsere Strafkammer m ihrer letzten Sitzung zu befassen. Ein Landstreicher war uberluhrt worden, in Rebgeshaili aus dem Schulhause einen Ehorrock nebst dazu gehörigem Barett gestohlen zu haben, den er, da er mit den Gegenständen doch nichts beginnen konnte, auf dem -liege naa) Ulrichstein fein säuberlich im Ehausseegraben, lvorm er genächtigt, hatte liegen lassem Der Mann ist hausig wegen Diebstahls Bettelns und Landstreicherei vorbestraft, weshalb der Staatsanwalt 1 Jahr Zuchthaus beantragte. Der Gerichtshof erkannte auf 5 Monate Gefängnis. - Ein 56 Jahre altes Männchen, seines 1 Zeichens Schirmflicker, war in der Gegend bei Herbstem bettelnd anaetroffen worden und hat außerdem bei einem Wirt etne Zeche von 16 W vergessen zu bezahlen. Der Angeklagte welcher wegen Zechprellerei und Bettelns schon mehrfach bestraft ist, war halb und halb geständig. Tas Urteil gegen ihn lautet auf 3 Monate Gefängnis und 2 Wochen Haft. — Em unverbeslerlicher Zechpreller ist em Knecht, der einer guten Familie in Wald* ainncs entstammt. Er ist schon vielfach vorbestraft und hat bereits ein Jahr im Zuchthaus verbracht. Neuerdings hat er in Oppers- yoseu einen Wirt lucgcn einer Zechschuld von 77 Psg. ^eingelegt. Allerdings war er so anftänbig, beim Fortgehen aus der Wirtschast der Wirtin zuzurufen, daß et kein Geld habe und am anderen -lag (der aber nicht kam) die Schuld begleichen wolle. Das Gericht erkannte auf 4 Monate Gefängnis. .
Mainz, 4. Juli. In dem Prozeß gegen die 19 Emwohnet von Gaubickelheim wegen der Vorgänge bei der Grabred e des freireligiösen Predigers wahrend der Beerdigung eines Einwohners von Gaubickelheim eUaimte das Gericht bei vier Angeklagten aus Freisprechung, die anderen wurden des Unfuges aus § 166 schuldig befunden, dagegen von der Anklage, eine gottesdienstliche Handlung gestört zu haben, fieigesprochen. I Im Einzelnen wurden die Angeklagten von 3'/r -lonat bis zu 13 Tagen Gefängnis verurteilt. Ausschlaggebend war die l>e- I leiligung der einzelnen Angeklagten an den i.umultszelien aus uetn Friedhöfe sowie ihre Vorstrafen.
Köln, 4. Juli. Der 38jahtige Gattenniorder Ma^ Breuer, welcher vor etlichen Mo,laten seine 26jahr,ge Frau aus , bestialische Weise ermordete, ist nach dreilagiger ^chwuigetichls- I Verhandlung zu 16 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehroerlust ' üerurteilt worden. Der Staatsanwalt hatte die -lodesstrate be-- ' antragt. .
In einem ,Mutbllck" überschriebenen Leitarllkel be- . klagt die „Nordd. Allg. Ztg." die Spaltung und Un-L einigleit der bürger lichen Parteien, die fid)1 L bei den Stichwahlen nicht zum einmütigen Vorgehen geg<m die Sozialdemokratie zusammenzufinden vermochten. Nichtsdestoweniger giebt sie der lleverzeugung Ausdruck, daß vom Standvunkte einer gedeihlichen Fortführung der Gesetzgebung aus betrachtet, die Verschiebung in der Zusammensetzung der Volksvertretung, die in einem Anwachfen der sozialoemokratisch-en Fraktion zum Ausdruck gelange, keineswegs so erheblich sei, daß man von vornherein ein ersprießliches Wirken des neuen Reichstages als ausgeschlossen betrachten müßte. Weiterhin schreibt das affiziöse Blatt: „Tie eingetretene Verschiebung hat sich in der H<mptiache auf die Verhältnisse innerhalb der bisherigen Minderheit des Reichstages beschränkt. Die rote Flut der Sozialdemokratie ist, wie sich ein Blatt plastisch ausdrückt, aus ihrem Bett getreten, und.hat die ilLachbargebiete der Freisinnigen Vollspartei und der Freisinnigen Vereinigung zum teil verschlungen. Was Polen und Welfen an Zuwachs gewonnen haben, ist unbedeutend. Die Parteien der' Rechten, das Zentrum und die Nationalliberalen sind sämtlich ohne nennenswerte Schmälerung । ihres Mandatsbeftandes aus den Wahlen hervor gegangen, und deshalb halten wir für a lle nationalen Fragen eine sichere Mehrheit des Reichstages als ge-1 geben. Für die nächste große Aufgabe, die Handels-! vertrage, kann die Situation sogar durch das Aus- sckeiden des radikalen Flügels der Konservativen als gebessert betrachtet werden. Wenn Bebel in Karlsruhe erklärt hat: „Wir wollen keine Handelsverträge, es sei denn daß die Tarife revidiert werden, wir sind stack genug, um im Reichstage die Revision zu erzwingen", so wird diese Ankündigung einer erneuten Obstruktion von feiten der Sozialdemokratie hoffentlich nur dazu beitragen, die Mehrheitsparteieu von vornherein einem fetten a es chlosseuen Aus treten LU veranlassen. Für die notwendigen Forderungen zur Sicherung des Reiches wie für eine besonnene Fortführung der Sozialpolitik ift an neuen Reichstage ohne Frage ebenso eine Mehrheit vorbanden, wie es im allen Reichstage ü^ Ul war.
Taß die Diätenlosigkert des Reichstages stch kaum mehr werde aufrecht erhalten Ülffen, dwse /uttafjung gewinnt nach der „Post" anch bei den konscr- oanr n latwi.n, insbesondere auch rnnerhalb der Rerchs- mehr und mehr an Boden. Diese ^fung g-> .mnn: eine wirksame Unterstützung tn dem Um stände daß


