Ausgabe 
7.2.1903 Zweites Blatt
 
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so entgegenkommend, UNZ Herrn Jlliger AU senden. Die erste der drei Zugabevorstellungen, die der Theater­verein jedes Jahr zürn Benefiz der Direktion veranstaltet, ivird am Montag, den 9. d. M., auch dem hier immer gern gesehenen jugendlichen Liebhaber des Darmstädter Theaters, Willy Löhr, Gelegenheit zum Auftreten geben. Wahrend nämlich, wie schon lange festgesetzt, die vom vorigen Winter aus ihrem Gastspiel alsZwillingsschwester" be­kannte erste Liebbaberin des Wiesbadener Hoftheaters, Luise Willig, die Titelrolle inMonna Ban na" gibt, wird Herr Löhr die Rolle des Princivalli übernehmen.

* * Gießener Ruder-Gesellschaft. Wie an3 dem Inseratenteil ersichtlich, veranstaltet die Ruder-Gesell­schaft am Samstag vor Fastnacht ein MaskenkränAchen; damit ist, nachdem die diesjährige 26. Stiftungsfeier .Herrenabend" abgehalten worden ist, auch den Damen der Gesellschaft Gelegenheit gegeben, einen fröhlichen Abend im Kreise der Ruderer zu verleben. Bestimmte, einem beson- dereu Festcharakter entsprechende Kostüme sind in diesem Jahre nicht vorgeschrieben, wodurch die Beteiligung er­leichtert und ein recht zahlreicher Besuch des Maskenkrän^ chens gewährleistet sein dürfte.

* * Besitzwechscl. Der in der Moltkestraße gelegene Bauplatz des Architekten Seuling wurde an K. MLolaus, Weißbindermeister, verkauft.

* * Die bekannten Leipziger Quartett -und Fonzertsanger unter Direktion der Herren Eyle und Schmidt, die am Dienstag hier konzertieren werden, ver­anstalteten kürzlich' in Braunschweig einen humoristi­schen Abend. Die Braunschw. N. N. schreiben darüber:Der gute Ruf der hier stets gern gesehenen Sänger hatte seine Anziehungskraft nicht verfehlt. Der große Saal des Eta­blissements war bis auf den letzten Platz gefüllt, ja, es mußten sogar viele, ohne die Leipziger gehört zu haben, wieder heünkehren. Das ausgestellte Programm wies durch­weg sehr gute Nummern auf, und die Säuger mußten bei jeder Nummer Zugaben gewähren."

* * Berliner Buntes Theater. Wir wollen nicht unterlassen, nochmals aus die beiden Gastspiele des Dir. Fritz Unger mit seinem Berliner Bunten Theater am morigen Sonntag und am Montag im Theater der Turn­halle aufmerksam zu machen. Firtz Unger mit seinem En­semble hat sich im vorigen Jahre durch seine Gastspiele hier derart vortrefflich eingcführt, daß uns eine weitere Empfehlung vollständig überflüssig erscheint.

* Heilstättenverein für das Großherzogtum Hessen. An die Mitglieder ist soeben die Einladung zur ordentlichen Mitgliederversammlung ergangen auf den 20. Februar. Die Versammlung findet im Sitzungssaals des Rathauses zu Darmstadt statt. Da die Bewilligung der Mittel für die Errichtung einer Hellstätte für weibliche Lungenkranke auf der Tagesordnung steht, ist zahlreiche Beteiligung an der Ver­sammlung zu erwarten.

ts. Großen-Linden, 6. Febr. Einen sehr günstigen Jahresabschluß hat der hiesige Konsumverein zu verzeichnen. Die Akuva betragen 8186 Mk., der Kassenvorrat 1610 Mk., der Reservefonds 1096 Mk. und die Dividenden 2775 Mk. Die Zahl der Mitglieder des Konsumvereins ist von 138 auf 147 gestiegen.

[J Bersrod, 6. Febr. Bei unserer heutigen Bürger­meisterwahl wurde der Landwirt Reuschling mit 42 Stimmen gewählt. Der Gegenkandidat, Landwirt Schmitt, erhielt 41 Stimmen. Beide Kandidaten standen sich auch ber der vorigen Wahl, die kassiert wurde, gegenüber. Da­mals hatte Schmitt die Mehrheit der Stimmen erhalten.

§ Krofdorf, 7. Febr. Der ca. sieben Jahre alte Sohn des Bürgermeisters Lichtenthäler wagte sich gestern abend auf die dünne Eisdecke des Dorfteiches und brach ein. Der etwa löjührige Sohn des Briefträgers Müller bemerkte den Unfall uni) wollte den Unglücklichen retten, brach aber ebenfalls ein. Erft mehreren hinzugeeilten Er­wachsenen gelang es, die beiden Knaben mit Stricken zu retten Der jüngere hatte bereits das Bewußtsein verloren, doch waren die angestellten Wiederbelebungsversuche von Erfolg.

)( R o d h e i m v. d. H., 5. Febr. Es war im September 1901 al* eine große Feuersbrunst unsere kleine Kirche nebst etwa 15 Hofraiten zerstörte. Die teilweise stehen geblie­benen Mauern wurden beim Aufbau wieder benutzt. Der frühere hölzerne Kirchturm ist bis auf die letzten acht Meter aus massivem Sandsteinmauerwerk erbaut. Der Rohbau war bereits im vergangenen Herbst fertig; der innere Ausbau dürfte nicht vor Frühjahr oder Pfingsten d. Js. fertig sein, um welche Zeit auch die Einweihung vollzogen werden soll. Die Kosten für den Wiederaufbau des Gotteshauses werden sich auf etwa 50 bis 60 000 Mk. belaufen.

() Nidda, 6. Febr. Sicherem Bernehmen nach soll das hiesige Stationsgebäude im Laufe dieses Jahres einem größeren Umbau unterzogen werden, und zwar soll an der Nord- und Südseite je ein Flügel angebaut werden. Die beiden Wartesäle sollen, um dem gesteigerten Verkehr zu entsprechen, bedeutend vergrößert und derart verlegt werden, daß sie sich, wie das bei anderen Bahn­höfen schon lange der Fall ist, zu beiden Seiten des Restauratlonsbufsetts besinden. Tie Vergrößerung der Wartesälc wird vom vorhandenen Publikum gewiß mit Freuden begrüßt werben, denn der seitherige Zustand war bei dem immer mehr zunehmenden Verkehr unhaltbar. Hoffentlich entschließt sich die Bahnverwaltung auch dazu, wie das in Gießen geschehen ist, zu den einzelnen Schienen­geleisen Ueberführungen anzulegen, damit das reisende Publikum ungefährdet zu den Zügen gelangen kann. Ter jetzige Zustand ist für das reisende Publikum sehr gefährlich. Wie im vergangenen Jahre, wird auch diesmal von dem Lehrer Käfer wiederum ein Lehrkursus in der Stenographie abgehalten werben. Bis jetzt haben sich acht Teilnehmer angemelbet.

M a i n z, 6. Febr. Wegen T a r i f b e g iinfti g u n g der Norbseehäfen hat der preußische Arbeitsminister der hessischen Regierung mitgeteilt, sie wolle das Interesse der rheinischen Hafenstädte möglichst mit den Gesamtinteressen in Einklang halten.

Mainz, 6. Febr. Die Kommission zur Hebung des Fremdenverkehrs in Mainz hat zur Erlangung eines Plakates von Mainz, welches in Bahnhöfen, Restaura­tionen, Hotels usw. ausgeyängl werden soll, einen Wett­bewerb für hessische Künstler im In- und Auslände aus­geschrieben. Es sind Preise im Betrage von 200 Mark und 100 Mark ausgesetzt. Außerdem wurde in Aussicht ge­nommen, weitere Entwürfe zum Preise von 50 Mark anzukaufen Die Entwürfe sollen nach der Prämiierung acht Tage lang öffentlich ausgestellt werben und müssen bis zum>. März 1903, abends 6 Uhr, bei bent Direktor I. Will, Große Bleiche, eingeliefert jein. Ein g r ä ß - licher Unglücks fall ereignete sich l;vuie in do. Rahe

des Zollhafens. Ein Mann, der bei den Notstandsarbeiten beschäftigt ist, geriet unter einen Rangierzug und wurde entsetzlich verstümmelt. Das Gesicht wurde bis zur Unkennt­lichkeit entstellt und ein Bein wurde ihm abgefahren. Der Tod trat alsbald ein. Der Verunglückte hinterläßt eine Frau und ein Kind.

Bingen, 6. Febr. Im katholischen Vereinshause fand eine Versammlung der Vertrauensmänner der Zen-, trumspartei des Wahlkreises Bingen-Alzey statt. Die Versammlung, welche größer war, wie je eine in den letzten Jahren, beschloß, bei der nächsten Reichstagswahl im ersten Wahlgange einen eigenen Kandidaten aufzustellen.

-i- Bensheim, 6. Febr. Donnerstagnacht zwischen 12 und 1 Uhr trug sich im Zechenhäuschen der Kupfer­erzgrube Reichenbach i. O. ein schwerer Unglücks­fall zu. Die Arbeiter nahmen gerade ihr Nachtessen ein. Dabei legten sie, trotz wiederholten Verbotes und der ihnen wohlbekannten Anweisung über die Behandlung des Dyna­mits im Auftauapparat, das Sprengmaterial unter den im Zechenhäuschen stehenden eisernen Ofen, in dein Feuer brannte. Das Dynamit explodierte und zwei Arbeiter wurden lebensgefährlich verletzt, hauptsächlich durch die herum­fliegenden Ofenteile, ein dritter, der ledige Taglöhner Adam Stein mann, geb. 1875, durch Verletzungen an der Brust und Herzgegend sofort getötet. Der eine der Verletzten ist der ledige Bergmann Joh. Lauter aus Elmshausen, der die rechte Hand verloren, den rechten Arm mehrfach gebrochen und Wunden am Kopfe und sehr starkem Blutverlust er­litten hat. Der gebrochene Arm ist bereits im hiesigen Kranken­hause amputiert worden. Der andere Verunglückte ist der Nacht- schichtensiihrer Bergmann Leonhard Reeg aus Elmshausen, geb 1868, verheiratet. Er erlitt namentlich Verletzungen an den Beinen und am Unterleib, sowie Arm- und Kopfwunden und wurde gleichfalls nach dem hiesigen Krankenhause ge­bracht. Zwei andere Arbeiter kamen unversehrt davon.

Frankfurt, 7. Febr. Freitag abend gegen 8 Uhr sprang von der Alten Brücke ein Mann in den Main. Auf die Zurufe des Publikums machten sich zwei Schiffer an die Rettungsarbeit und es gelang ihnen, den Lebens­müden am Fahrtor ans Ufer zu bringen. Der Mann war bewußtlos. Die Freiwillige Rettungsgesellschaft stellte Wiederbelebungsversuche an, die Erfolg hatten. Der Ge­rettete, der ins städtische Krankenhaus kam, ist ein Tape­zierergehilfe aus Darmstadt. Er gab an, er sei am Donners­tag nach Frankfurt gekommen und habe mit einigen Kollegen in einer Wirtschaft der Altstadt einen erheblichen Geld­betrag verbraucht. Nach Verlassen der Wirtschaft sei er überfallen und des Restes seiner Barschaft, die noch aus etwa 200 Mk. bestand, sowie der Uhr nebst Kette beraubt worden. Da er nun ohne alle Mittel gewesen sei, habe er den Entschluß gefaßt, sich zu ertränken.

Hanau, 5. Febr. Ein vom Magistrat in der heutigen Stadtverordnetenversammlung gestellter Antrag auf Bewtll- liflung von 50000 Mk. zum Umbau des Stdatthea- ters wurde abgelehnt, dagegen die Bauverwaltung ersucht, einen Plan für Herstellung einer neuen Tdeppen- anlage vorzulegen. Weiter wurde dem Magistratsantrag auf Verlängerung des Tbeaterpachtvertrages mit den Direktoren Iaritz und O p P m a r auf drei Jahre (seit­her zwei Jahre), laufend vom 1. Mai 1904 an, zugestimmt

1'Marburg, 6. Febr. Die Einrichtung einer Pferde­bahn in unserer Stadt ist nun definitiv genehmigt, denn in der heutigen Stabtverordnetensitzung beschloß man ein­stimmig, einem diesbezüglichen, mit dem Fuhrunternehmer Hebbel abgeschlossenen Vertrage zuzustimmen, unb stellte auch 65000 Mk. in den Etat ein. (Die Einrichtung einer elektrischen Bahn hätte den Zeitverhältnissen wahr­scheinlich besser entsprochen. D. Red.) Bei der gleich­zeitig erfolgten Feststellung des städtischen Haushaltungs­etats kamen folgende Ziffern heraus: Ordinarium 790 000 Mark, Extraordinarium 607 257 Mk., Summa 1397 257 Mk. Die Einkommensteuer beträgt 112 Prozent, die Betriebs- unb Gewerbesteuer 117 Prozent, die Grundsteuer 137 Proz.

Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Die Handelskammer zu Darmstadt und eine in Frankfurt stattgehabte Versammlung des Zentraloerbandes der Handlungsgehilfen und der -Gehilstnnen Deutschlands stimmte einer Resolution zu, die sich mit dem Gesetzentwurf über die Kaufmannsgerichte im wesentlichen ein­verstanden erklärt. Für den Oberlandesgerichtsbezirk Frankfurt soll im Laufe dieses Jahres eine größere Zahl Anwärter für das Gerichtsschreiberamt angenommen werden. Gesuche um Annahme sind an den Oberlandesgerichtspräsi­denten zu richten.

Vermischtes.

* Heidelberg, 6. Febr. Dienstag nachmittag fand sich hier auf Einladung des Fürsten von Löwenstein-Rosen­berg eine Anzahl hervorragender Männer aus Heidelberg, Mannheim, Karlsruhe, Baden-Baden :c. zusammen zum Zwecke der Gründung einer badischen Gruppe in der Anti-Duell-Liga. Nachdem infolge der eingehenden Darlegungen des Fürsten und nach längerer lebhafter Dis­kussion die Gründung der genannten Gruppe beschlossen war, wurde einem Aktionskomitee die Weiterführung der Angelegen- heit überlassen.

*Eine gute Tat findet stets ihren Lohn" unter dieser Ueberschrist wird aus dem Städtchen Olpe be­richtet: Ein hiesiger Gutsbesitzer hat kürzlich ein beträcht­liches Kapital zur Errichtung eines Krankenhauses gespendet. Die braven Sauerländer beabsichttgten zunächst, dem Wohl­täter der Gegend einen Fackelzug darzubringen; doch aus inneren Gründen" kamen sie wieder davon ab und be­schlossen, den Gutsbesitzer, der durch diesen Schenkungsakt seine guten Vermögensverhältnisse so deutlich gezeigt hatte um

Universitäts-Nachrichten.

DeinElsass. Bolksb." zufolge wird Unioersitätsprofessor Dr. Paul Beiter aus Tübingen der Berufung an die katholisch-theologische Fakultät Straßburg keine Folge geben. Temsetben Blatte zusolge ist dieser Tage den Professoren Tr. Eugen M ülle r und L a n g aus Straßburg, sowie dein Profeffor Tr. F a h r n e r die definitive Berufung als Professor an die katho­lisch-theologische Fakultät zugestellt worden.

Kunst und Wissenschaft

Die Auslösung des Pachtvertrags^ Kölner Theater- direttors Hofmann hat in einer dortigen Stadtverordnelen-Ber- saminlung ihre Zustimmung gefundeit. Tie vereinigten Stadttheater werden demnach, wie schon gemeldet, im Juli an Direktor O. Purschian-Graz übergehen, und zwar aus die Dauer von fünf Jahren. Tie bisherige Pachtsumme von 50 000 Mk. ist auf 40 000 Mk. jährlich ermäßigt worden. Ter Vertrag bestimmt u. a., daß den Studiereiiden der Handelshochschule und des Konservatoriums Plätze zu ermäßigten Preisen zu überlassen sind.

Berlin, 6. Febr. Max Dreyers von der preußischen Zensur verbotener SchwankDas Thal des Lebens" wurde bei der Ailssührung des Deutschen Theaters vor einem geladenen Publikum mit starkem Beisall ausgenommen. Dreyer Hal die Heu­chelet im Namen der Keuschheit, nicht die Tilgend verspottet. Weder die Handlung noch die reichlich eingestreuten Scherze sind gewagter, als man es auf der Bühne gewohnt ist. Die ironische Grundidee ist geschickt durchgeführt, doch ist die Laune etwas dümtflüssig, die Eharakterislik farblos. Die Aufführung verdiente alles Lob.

Klleratur.

Süd- und Mittelamerika. Zweite, neubearbellete Auflage. Von^Pros. Dr. W. S i e v e r s in (Sieben. Mit 145 Abbildungen im Text, 10 Kartenbeilagen und 20 Tafeln in Holzschnitt, Aetzüng und Farbendruck. (AllgemcineLänderkunde, Hl. Teil.) 14Lteferuiigen zu je 1 Mark. Leipzig, Bibliographisches Institut. Rührig ist der Verlag am Werke, die ztvelte Auflage seinerAllgemeinen Länderkunde" weiter zu fördern. Schon beginnt als III. TeilSüd­amerika" zu erscheinen, das diesmal, ebenso wieNordamerika", in hochanzuerkennender Würdigung der Bedeutung beider Kon­tinente als selbständiger Erdteile, in einem besonderem Pand dar- geboten wird. Mittelamerika und Weslindien sind, wie ,vir dem Prospekt eitlnehmen deshalb bei Südamerika mit behandelt, um die beiden Bände attf gleichen Umfang zu bringen. Derselbe Prospekt verrät uns auch die Einteilung des BandesSüd- und Mittel- amerika". Getreu dem Programm der zweiten Auflage derLän­derkunde" Anordnung des Stoffes nach natürlichen Landschaften wird der Band außer den einleitenden AbschnittenErsorschungs- geschichte" undAllgemeine Uebersicht" folgende Kapitel enthalten: Tas ungesaltete Land des Ostens" mit den Unterabteilungen: Guayana, Tie Llanos, Antazonien, Brasilien, Die La Plata-Länder und Patagonien -Tas gefaltete Land der Westens" mit den Unter­abteilungen : Tie südlichen Eordilleren, Die mittleren Cordilleren, Die nördlichen Eordillererr (peruanische, ekuatorianische, kolombia- nisch-veuezolauische), Das übrige Venezuela und die Inseln der Nordküste;Westindien" undZentralamerika". Wie das 1. Heft beweist, ist der Stofs vollständig umgearbeitet und von dem als Südameritaner" rühmlichst bekannten Autor W. Sievers auf den neuesten Stand der Forschung gebracht. Wir behalten uns vor, nach Erscheinen des ganzen Werkes einen eingehenderen Bericht zu bringen.

Neues Land betitelt sich ein Werk, welches Kapitän Svcrdrup, den bekannten treuen Begleiter Nansens ans seinen Polarreisen, zum Verfasser hat. Aus Nansens SchissFram", ivelches -Lverdrup erst kurz vorher aus der dreijährigen Hast des Eises be­freit hatte, mar er aus eine neue Forschungsreise ausgewogen, auf welcher er der Entdecker ganz neuer hochinteressanter Länder wurde. Sein Bericht beginnt soeben mit der ersten Lieferung zu erscheinen im Verlag von F. A. Brockhaus in Leipzig, der Firma, welcher wir die hervorragendsten Forschungswerke der Neuzeit verdanken, die Werke von Stanley, Nordenskiöld, Schliemann, Slatin, Hedin und besonders Nansens klassisches ^,Jn Nacht und Eis". Frisch und fröhlich versetzt uns der kühne Seemann mitten hinein in das Leben an Bord und in die Reise längs der Westküste Grönlands. Es fehlt nicht an humoristischen Vorfällen und interessantenSchildeinngen von Land und Leuten. Tas erste Separaibild, der Brand der Fram", gibt eine furchtbare Episode wieder, bei welcher wenig fehlte, daß die ganze Expedition ein grauenhaftes Ende gefunden hätte. Es folgen drei Vertreter der nördlichsten Menschen, mit welchen die Expedition in Freundschaft verkehrte, und eine Landschaft, beten unbekannte^Berge uns in dieser Gegend erstaunen.

Mit Spannung sehen wir den iiächsten Lieferungen entgegen. Wir empfehlen unseren Leserii das Werk, welches sehr interessant zu werden verspricht, aufs angelegentlichste und iverden noch auf das­selbe zurückkommen. Es erscheint in 36 Lieferungen zu 50 Pfg.

Gerichtslaat.

t. Gießen, 6. Febr. Gewerbegericht. Den Vorsitz führr Oberbürgermeister Mecum. Als Beisitzer sind tätig: Hoftraiteur Jean Kirch und Bierbrauer Holtberg. Ter Konditor Heinrich B. hat gegen den Konditor A. Klage auf Zahlung rückständigen Lohnes und Entschädigung wegen gründ- und kündigungsloser Entlassung erhoben. Der Beklagte erklärte int ersten Termin, wegen des rück­ständigen Lohnes in seinen Büchern nochmals nachsehen zu wollen; im übrigen beantrage er jedoch Abweisung der Klage, weil ihn Kläger gröblich beleidigt habe. Nachdem Beweisaufnahme statt­gefunden und Beklagter den rückständigen Lohn mit 2.73 Alk. dem Kläger bezahlt hatte, zog dieser seine Klage zurück. Die Arbeiter Wilh. B. aus Lollar und Johannes H. aus Steinbach haben gegen den Unternehmer Heinrich W. auf Entschädigung wegen verfrühter Entlassung Klage erhoben. Es kam Vergleich zu stände.

Danzig, 6. Febr. Der Besitzer Stanke aus Großzünder, der am 5. November 1902 den Dobberstein a uf der Jagd fahrlässig erschossen hat, wurde von der Strafkammer fr eigespr och en.

Wien, 6. Febr. Das Oberlandesgericht wies die von den Verwandten der verstorbenen Hofratswitwe Puschmann im Erb­schaftsprozeß eingelegte Berufung zurück. Die Leipziger Uni­versität gelangt nunmehr in den Besitz der 1'/, Millionen betragenden Erbschaft.

Kandel und Uerliehr. Volkswirtschaft

Mainz, 6. Febr. Aus dem Vorstände der Lederwerke, vorm Mayer, Michel u. Denrnger ist der Geh. Kommerzienrat Stephan Karl Michel ausgeschieden.

Märkte.

Gießen, 7. Febr. Marktbericht. Aus dem heutigen WochenmarN kosteten: Butterpr.Pfd. 0,801,00 Mk., Hühnereier 1 St. 79 Pfg., 2 Stck. 0000 Pfg., ©änjeeier 0000 Pfg., Enteneier OOPfg., Käse vr. Stck. 58 Pf., Käsematte 2 Stck. 56Pfg., Erbsen pr.Liter 21W-, Linsen pr. Liter 32 Pfg., Tauben pr.Paar 0,801,10 Mk., Hühner pr. St. 1 001,50 Ack., Hahnen pr. Stück 0,902,40 All., Enten pr. Stück 2,002,50 SDK., Gänse pr. Pfd. 5460 Pfg., Ochsenfleisch pr. Pfund 6176 Pfg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 6066 Pfg., Schweine­fleisch pr. Pfund 6676 Pfg., Schiveinefleisch, gesalzen, pr. Psuiid 80 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfd. 6672 Pfg., Hammelfleisch pr. Plund 507o Pfg., Kartoffeln pr. lOO Kgr. 6,OO7,OO Mk., Weißkraut per Stück OOOO Pfg., Ziviebeln pr. Zentner 5,006,00 9)IZ., Milch per Liter 18 Pfg. Aepiel per Pfd. 000 Pfg., in Körben OOOO Pfg. Trauben OOOO Pfg.

Submisstons-Kalender.

9. Februar. Main z, Städt. Hochbauamt, Lieferung ver­schiedener Mobilien für das Polizeiamt. Bedingungen gegen Ver­vielfältigungsgebühren. IO. Februar. Darmstadt, Bautech­niker W. Heinrich Weber, Alexanderstr. 11. Vergebung der Arbeiten zur Erbauung von vier Arbeiterwohnhäufern 'für Den Vanverein Daheim". Bedingungen durch Obigen. 10. Februar. M a i n z, Sigl. und Großh. Eisenbahn-Direktion. Lieferung des Bedarfs an Brückenschwellen, Bohlen und Pfosten. Bedingtingen für 0.50 Mk.

Arbeiterbewegung.

Bremen, 6. oebr. Tie Arbeiter der Werft desVulkans" antworteten auf die Aussperrung oon 500 Arbeitern mit Verhängung der Sperre über die ganze Wern. -iic zircftion ließ die Schließung der Werft verkündigen, falls bis Lwnnabeno die Sperre nicht aufgehoben fei.