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6.11.1903 Erstes Blatt
 
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Tr^chetut täglich anbei Sonnlag-

Derr, Giehenei Anzeiger werden tm Wechsel mit dem Kesfifchrn Landwirt bie Gtetzener Kamllien« blättct viermal in der Woche beigelegt.

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Ulbvelh tüt Develcheni Anzeiger iSietzen.

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Erstes Blatt.

153. Jahrgang

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger

diePosl 'Dit. 2 viertel- )äbrl aueld)L Beltellg. Annahme von Anzeigen fül OH lageflnuminct bis po rin Mag- 10 Uhr.

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Freitag 6. November 1V03

Ve»a gsp reis» monatlich 7b'Vtn viertel" jährlich Ml 2.20, durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Ul.; durch

Amts- und Anzetgeblatt für den Kreis Gießen MMZ

Xj <y ' -eiaenleN t»an< Beck.

Ale MonarcheujusamMeuliunst.

(Eigener Bericht des Gieß. Anz.)

Wiesbaden, 5. Nov.

Der Kaiser erledigte heute vormittag Rogierungs- geschäste, ging nachher mit dem Grafen v. Bülow längere Zeit ün Stchohgacten spazieren und fuhr sodann unter lebhaften Abschiedskundgebungen der Bevölkerung nach dem Tamrusbahnhof, von wo er mit dem Reichskanzler und den übrigen Herren der Gefolgschaft 11 Uhr 25 Min. nach Darmstadt abreiste. Der Kaiser hörte aus der Fahrt den Vortrag des Reichskanzlers.

Kaiser Nikolaus verlieh anläßlich der Begegnung mit Kaiser Wilhelm dem Staatssekretär des Auswärtigen Amtes Frhr. v. Richthofen den Alexander-Newskiorden, dem Unterstaatssekretär des Auswärtigen Amtes Dr. von Mühlberg das Großkreuz des Annenordens, dem Reichs tagsabg. Frhrn. Heyl zu Herrnsheim das Großkreuz des Stanislausordens, dem General v. Lindequist das Großkreuz des Alexander-Newskiordens, Staatsminister Frhc. v. H a m m e r st e i n und General v. Kessel das Groß- kreuz des Weißen Adlerordens, General v. Sch oll die Brtllanten zum Aitnenorden, Oberpräsident v. Windheim und Generalmajor v. Löwenseld das Großkceuz des Annen­ordens. Dem Chef des Zivilkabinetts v. Lucanus, des Militärkabinelts v. Hülsen-Hüseler und des Marinekabinetts v. Senden-Bibran vierlieh dec Zar wertvolle Dosen mit dem kaiserlichen Namenszug.

Nachdem die zur Spalierbildung hier zuscunmen- gezogenen Regimenter bereits in der vergangenen Nacht wieder in ihre Garnisonen abgingen, haben die Pader­borner Husaren heute mittag unsere Stadt über Rückers­hausen wieder verlassen. Die Husaren brauchen zu ihrem Heimritt elf Tage. Die Kaiser Alexander-Gard e-Grenadicre, die heute eine Rheinsahrt nach Rüdesheim unternahmen, kehrten heute abend von hier wieder nach Berlin zurück. Für die Einquartierung der Truppen hat die Stadt Turschchnitt 3 Mark pro Mann und Tag bezahlt, während sich die Entschädigung für die Einquartierung der Offiziere nach der Höhe der Chargen richtete. Die zur Spalierbilduna hier zusammengezogenen Truppen sind von der hiesigen Militärbehörde verpflegt worden.

Egelsbach, 5. Nov.

Ueber die Ankunft des Kaisers in Egelsbach mit dem tzoszuge und über den Empfapg durch den Zaren, den Großherzog von Hess en und den Prinzen Hein­rich von Preu gen haben wir bereits gestern nach einem Darmstädter Telegramm berichtet. Der Zar trug die Uni- sorm seiner Bonner Husaren, der Kaiser trug russische Uni­form. Egelsbach prangte in Flaggenschmuck; ein Landhaus, das dem früheren englischen General Weston gehört, hatte die britische Fahne ausgezogen.

Der Kaiser unterhielt stch mit den Herren Kreisrcck v. Hombergk und Oberstallmeister M. v. Riedesel, während der Zar einige Herren aus dem Gesolge des Kaisers ins Gespräch zog. Der Großherzog fuhr mit Prinz Heinrich dem hohen Gaste voraus, der mit dem Zaren in einem Wagen folgte und von der zurzeit als Ehreri- wache in Egelsbach stationierten Eskadron des Dragoner- Regiments M. 24 unter Leitung des Rittmeisters v. Macken­sen kommandiert wurde. In lebhaftem Trab ging es unter brausenden Hochrusen nach dem nahen Wolfsgarten, woselbst die Zarin und Prinzessin Heinrich Se. Rtajestat begrüßten. Iw dritten Wagen folgte Generaladlutant von Scholl mit Oberstallmeister v. Riedesel.

Um 1 Uhr nahmen die Herrschaften rn W)lfSgarten das Frühstück, an welchem außer Se. Majestät teil»

nahmen: das Zarenpaar, der Großherzog, Prinz und Prin-1 zesjin Heinrich, Prinz Friedrich Karl von Hessen nebst Ge-1 mahlin, Prinz Andreas von Griechenland nebst Gemahlin, Prinz und Prinzessin Schaumburg-Lippe, General v. Scholl, Gras Heyden, Exz. M. v. Niedesel, sowie der Adjutant de§ GroßherzogS Hauptmann Frhr. v. Scheffer-Bernstein. Die Musik stellte das Jnj.-Negt. Nr. 116 unter Musikdirektors HÜge Leitung.

Die Fürstlichkeiten, so berichtet dieFrkf. Ztg.", spa­zierten nach Tisch ein wenig int Park; auch eine Tennis­partie kam zu stände, obwohl die Witterung ein wenig rauh geworden war. Die Prinzessin Elisabeth, die leb­hafte Tochter des Großherzogs, hält mit den Zarentöchtern vergnügte Spielkameradscyaft; ein Sportwägelchen mit einem klugen Esel davor ist das Lieblingsfuhrwerk der Kinder. Tie großen Herrschaften unterhielten sich zur Ab- wechslung zuweilen mit Holzfällen. Ländliche, ein­fache Vergnügungen süßen Regierungsgeschäste und höfischen Zwang.

R. B. D a r m st a d t, 5. Nov.

. Ter kaiserliche Ertr azug, der deute mittag, wie berichtet, den Kaiser nach Station Egelsbach führte, fehle von dort aus seine Fahrt nach Darmstadt fort, wo im Rejideuzschlotz für das Gesolge beider Majestäten und die hessischen Hofbeamten Marschalltasel stattsand. Reichs­kanzler Gras Bülow wurde am Bahnhos vom Prinzen Ho hen l o h e-Oehringen empfangen und begab sich zuerst zur Begrüßung der Sperren des Gefolges ins Resioenzschloß und dann ins alte Palais, wo er Quartier nahm. Balo daraus folgte er der Einladung des Grasen Lamsdorss zu einem diplomatischen Diner mit 26 Gedecken im Hotel Britannia, wo der Minister seit seiner Anwesenheit in Darm­stadt logiert. An dem Essen nahmen noch der Adjutant des Reichskanzlers, Graf jEulenburg, Prinz Hohenlohe-'Oeh- ringen, Exzellenz v. Sawinsky, Fürst Kudaschefs, Staats­minister Dr. Rothe, Exz. v. Westerweller, Rittmeister Krämer, Oberleutnant v. Riedejel, Oberst v. Röder, Ordenskanzler Oberstkammerherr Frhr. v. Riedesel, Kammerherr v. Bellers­heim, Geh. Kabinettsrat Römheld, Exz. v. Lucanus u. a. teil.

Nach dem Essen begann das wichtige Ereignis der Konferenz des Grafen La ms dorff mit dem deutschen Reichskanzler, welche ohne Zeugen stattsand und bis 51^ Uhr dauerte. Bon bckd sechs bis halb sieben Uhr sah man hierauf den Grasen LamSdorff durch die Staßen der Stadt passieren mit den lebhaften Augen das bunte Treiben beobachtend, während Graf Bülow den Staats­minister Dr. Rothe empfing. Abends 7 Uhr verließ der kaiserliche Sonderzug mit beit vielen Gästen in ihren glän­zenden Uniformen Darmstadt wieder und führte sie nach Wolfsgarten, wo die Grasen Bülow und Lamsvorsf und die Herren des Gefolges an der Hoftasel teilnahmen.

Egelsbach, 5. Nov.

Tie Grafen Bülow und L a m s d o r f s kamen mit etwa zwanzig Begleitern 7.22 Uhr abends mit einem Sonderzuge hier an. Ein Duhend offener Wagen stand bereit, man stieg nach der Rangliste eines Hofbeamten ein. Diener breiteten Decken über die Füße der Fahrgäste und so-vt Lings zum Nachtmahl nach Schloß Wolfsgarten.

Bei der Hoftafel zu 43 Gedecken in Wolfsgarten saßen die beiden Kaiser nebeneinander, gegenüber beiden der Großherzog, rechts vom Kaiser Wilhelm saßen die Kaiserin von Rußland, Prinz Heinrich von Preußen, Prinz Andreas von Griechenland, links vom Kaiser Niko­laus die Prinzessin Andreas und Prinz Friedrich Karl. I Rechts vom Großherzog hatten Platz genommen Prinzessin

Heinrich, der Reichskanzler, Baron Fredericks und Staats­minister Dr. Rothe; links anschließend: Prinzessin Friedrich Karl (die Schwester des Kaisers), Gras LamSdorff, Hofdame Frl. von Grancy, Chef des Zivilkabinetts v. Lucanus ci. Das Menu bestand wie folgt: Consomm6 ä la rögence, Croustades ä la S6oign6, Chautroix de soles a la russe, Filet de bout ä la Godard, Parfait de foie ä la royole, Dindon rötis, salade, Gardens ä la moelle, Glace ä la maltaise; Reden wurden nicht gehalten. Kurz vor 9 Uhr war die Tafel beendet und es zogen sich die Herrschaften noch zu gemütlichem Zusammen­sein bis a/t10 Uhr zurück, woraus nach herzlichem Abschied von der Zarin und Prinzessin Heinrich die Abfahrt des Kaisers mit dein Zaren nach Station Egelsbach erfolgte. Die Ehreneskorte stellte wieder die Dragonerabteilung des Regts. 9kr. 24., diesmal mit Fackeln.

Bald nach 9 Uhr abends belebte sich der Bahnhoss- platz von Egelsback> Der Mond stieg klar heraus, der Abend war wie der Tag kühl und ttocken. Man wartete aus die Absal)rt des Kaisers. Aus dem Bahnsteig lag ein Stapel von Handkoffern und Aktenmappen, bewacht von einem sechs Fuß hohen Leibgendarmen, bereit zur Ver­packung im Hoszug. *"

Uw dreiviertel zehn Uhr trafen die beiden ersten Wagen aus Wolfsgarten ein. Sie brachten einige Herren vom Gefolge. Rafa) folgten mehrere. Der Hoszug ist mitt* lerwecke vovgejahren. Graf Bülow steigt ein. Eine Gruppe Offiziere von der kaiserlichen Suite postiert sich am kaiserlichen Wagen. Kurz vor zehn' Uhr erscheint der Wagen mit den beiden Kaisern. Borans zwei Dra­goner mit Fackeln, dazwischen ein Trompeter, ein Zug Dragoner, dann der Wagen mit dem Kaiser und dem Zaren, beide in Mantel und Mütze, wieder zwei Fackel­dragoner und der Rest der Schwadron. In der Zuschauer- jchalt beginnt manHeil Dir im Siegerkranz" zu fingen. Ein paar Minuten blieben der Kaiser und der Zar int Martefälchen, dann nahmen sie aus dem Bahnsteig Ab­schied. Der Kaiser richtete in französischer: 2opr ache verbindliche Worte des Dankes an den Zaren und schüttelte ihm die Hand. Dann umarmte und küßte er den Großherzog von Hessen, sie schieden mit dem gegenseitigen Gruß: Waid m a n n s h e i ll" Zum Schluß jagte der Kaiser seinem Bruder aus englisch:Good bye!" Der Prinz erwähnte, da'ß in acht Tagen sein Urlaub abgelausen sei. Ter Kaiser, der schon eingeftiegen war, erzählte noch, er habe bei der Aiarine einen Ehausfeur für sein Auto­mobil bestellt.Tas ist vortrefflich", erwiderte Prinz Heinrich,wir haben bei der Marine sehr geeignete Leute Dafür." Inzwischen hatte der Zar mehreren Herren des Gefolges die Hand gereicht und ihnen aus deutschGute Nacht!" gewünscht. Punkt zehn Uhr meldete der Sta­tionsverwalter die Abjahrtsbereitsü)ast, die Maschinen zogen an, der Kaiser grüßte mit winkender Hand durchs Wagenfenster, der Zar dankte, und mit Hurrah dampfte der Zug ab.

Zar, Großherzog und Prinz bestiegen ihren Wagen, bie Borreiter fiocherten ihre Fackeln zu hellerem Schein auf, und im Reitergeleit ging die Wagenfahrt nach Wo'lss- garten zurüch

*

Die Petersburger Blätter besprechen alle in ausführlichen Artikeln den Besuch in Wiesbaden. Die Deutsche Petersb. Ztg." weist dabei auf die Besuche des Kaisers Mkolaus in Wien und des Grasen Lamsdorss in

Wem äyuelt das Kind?

Kon 8L Seid» (Berlin).

(Nachdruck verboten.)

Was wird iridjt alles von her «Archen Wissenschaft verlangt, wenn es sich darum handelt ^was Licht m bwilte AngeläenlMen zu bringen, die der Scharfsinn d«^Rechts, kundigen nicht aufzuhetsen vermag Die der Kindes- nn teriebiebuna bezichtigte polntsche Gras in gibt sich der Hoffnung hin, die gegen sie erhobene Anschuldigung dadurch entkräften zu können, daß sre von hervorragenden ärztlichen Sack>verständigen die nach ihrer Behauptung uii^ verkennbare Aehnlichlkeck zwischen ihr und dem angeblich untergeschobenen Kinde besmttgen laßt. sich erinnert, dnü es heutzutage für die mit den einschlägigen Unter- suckmnasversichren^ vertrauten Stornier der Wissenschaft eine KÄnch^ ich die Herkunft eines Wutfleckctxns zu er­mitteln oder die JÄstlMng eines SchriftMcks ausMdecken, der hält es vielleicht durchaus für möglich, daß es einem mit Zirkel und Anchropometer bewaffneten Arz^e gelingt, die Kng el^eTKindes auf Grnnd der Aehnli^ feit mit den Eltern allen Zweiflern zum Dwtz festzu- stellen Denn nichts ist uns geläufiger, als dre Borstell- una daß die Müder in ihrem Aeußeren .eine mehr oder minder große Uebereinsttmmung Mit ihren, Ettern aus­weisen Ich gehe wohl nicht fehl, wenn ich die Vermuttrng ausfpr'eche, daß die meisten der mit Indern gesegneten Leser schon aus dem Munde der Freunde imb ^wandten bie Beteuerung vernommen haben, daß chre Sproßlinge ihnen wie aiL den Augen geschnitten feien. Vielleicht schenken mir einige von denen, die es angeht, ein wenig G wenn ich einmal, untersuche was von solchen B^ hauirtunacn zu hatten ist unb was e^> mit der als die Regel geltenden Aehnlichkett zwischen Eltern und Kindern für eine Bewandtnis hat.

Dio Frage der erblichen Heb ernt üte hing der korf^r- lidnen Eigentümlichkeiten von den Eltern auf die Kinder ist weck verwicketter, als es auf den ersten Blick schämen

mag. Man muß sich stets gegenwärtig hatten, daß es sich nicht um ein einfaches Weitergeben von Eigenschaften han­delt, sondern daß ein Auseinanderwirken zweier verschie­dener Vererbungsrichtungen stattsindet, die sich gegenseitig bekämpfen. Es könnten also, wenn die erbliche Uebertrag- ung in der einfachsten und regelmäßigsten Weise vor sich ginge, die Nachkommen nicht einem der Vorfahren nack)- arten, sondern sie müßten zwischen den Eltern die Mitte halten. In der Tat finden wir auch daß das Kind stets seinen beiden Vorfahren, niemals nur einem von ihnen ausschließlich ähnelt. Lange Zeck hat man geglaubt, dem Vater einen größeren Einfluß auf die Bildung der Nach­kommenschaft einräumen zu müssen als der Mutter. Diese Annahme ist aber längst aufgegeben. Allerdings kommt es so gut wie niemals vor, daß die Aehnlichteit der Kiiider mit dem Vater der mit der Mutter die Wage hält; vielmehr ähneln die Kinder immer einem der unmittelbaren Vor­fahren mehr als dem andern. Um in den Kindern das voll­kommene Gleichgewicht der elterlichen Eigenschaften zu finden, wäre aus feiten der Eltern eine vollkommene Gleich­heit der Lebensttaft, des Mters, der Gesundheit und vieler anderer Umstände nötig, der wir niemals begegnen; folglich muß auch das Gleichgewicht des elterlichen Einflusses aus die Nachkoimnenfchast stets gestört sein. Aber das ist noch nicht alles. Tie unnckttelbaren Vorfahren eines Menschen sind verschiedenen Geschlechts; der Ausgleich in der Ueber» tragung der Eigenschaften geht aber unter normalen Ver­hältnissen niemals in der Weise vor sich, daß dabei auch die Geschlechtsunterschiede verwischt würden, baß also ein Mcktel- bing zwischen männlichem und weiblichem Wesen, ein Zwitter, entstünde, sondern es wird immer nur em Wesen geboren, das entweder männlichen ober weiblichen Ge­schlechts ist und das nur die seinem Geschlecht ent.prechenben körperlichen Eigentümlichkeiten von den Vorjayren erbt Nun scheint der Teck des EtternpaareS, der dem neuen Wesen ba$ Geschlecht überträgt, gewöhnlich m der Heber- tragung der sonstigen Eigeickünckichkecken hinter dem andern Teile zurückzutreten, sodaß also bei den Söhnen Aehnlick>-

keck mit der Mutter, bei den Töchtern Aehnlichkett mit dem Vater das Häufigere ist. Für die Richttgkeit dieser Ansicht spricht, daß schon die Alten es für eine gute Vorbedeutung hielten, wenn sich diese tteuzweise Erbliche keck zeigte.

So häufig aber auch die Erblichkeit entgegen dem Ge­schlecht sein mag, bie Regel ist sie keinestvegs. Es kommt sogar oft genug vor, daß von mehreren Kindern gleichen Geschlechts einige mehr dem Vater, andere mehr der Mutter nacharten. In manchen Familien muß ein Vorfahr eine sehr große Kraft der hebertragung hinsichtlich gewisser Eigen­tümlichkeiten besessen haben, denn anders ist es nicht zu verstehen, daß einzelne Züge trotz Heirat mit Frauen der verschiedensten S^erfunft immer wieder austauchen. In solchen Fällen haben wir dann die in dem Prozeß gegen die Gräfin Kwilecki so oft erwähnte Familienähn­lichkeit. Es giebt Familien von großem und Familien von fleinem Wüchse. Schon Hippokrates meinte, daß man von Giganten keine Pygmäen und von Pygmäen feine Ge- ganten ab stammen sehe. Wie die Leibes größe, so kann auch der Leibes u m j a n g, die Form des Brustkastens, dis Beckens, des Schädels eine Familieneigentümlichkeit bil­den. In manchen Familien herrscht Generationen hindurch eine Neigung zur Entwickelung in die Breite, in andern zur Schmächtigkeit. Von gleicher Beständigkeit sind nicht selten Abweichungen in den Proportionen. Es Kibt groß- und lleinköpsige, kurz<- und langbeinige, kurz- und lang- armige Familien. Eigentumlichkciten im Bau des Schädels und des Halses, in der Form der Sttrn, der Nase, des Kinns, der Wangen, der Kiefer, der Zähne, in der Beschaffen­heit des Mundes vererben sich in vielen Familien mit der­selben Treue. Es sei nur an die bekannten Familieneigen­tümlichkeiten gewisser er r scher Häuser, an bie Habsburger Lippe, die Bourbonennase, das Bonepartekiun erinnert Wie bei dem aus Knochen und Knorpeln beiieheuden starren Gerüst des Körpers, zeigt sich die Erblichkeit auch in der weichen Bekleidung, in der Muskulatur, im Fettansatz, in der Haut und im Haar. Allbekannt ist, daß schlaffe ober