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Nermischies.
* Köln, 5. Aug. Nach einer Meloung der „Köln. Ztg." soll in Belgrad ein Generalstabsoffizier verhaftet worden sein, weil er angeblich einem Militär-Attache eines Nach^- barstaates Spionsdienste geleistet hat.
* Köln, 5. Aug. Während der Abwesenheit seiner Eltern spielte ein 18 Monate altes Knäbchen mit Streichholz ern, wobei die Kleider des Kleinen Feue!r fingen. Noch ehe Hilfe gebracht werden konnte, war das Kind an den erlittenen schweren Brandwunden verstorben.
* Hamburg, 5. Aug. In der heutigen Sitzung des Aussichtsrates der Dampfschiffsreederei von 188 9 ist nach der „Neuen Hamburgischen Börsenhalle" beschlossen worden, der zum 20. August einzuberufenden Generalversammlung die Verteilung einer Dividende von 91/2 Prozent vorzuschlagen und die Li quidat io n der Gesellschaft zum 31. August zu beantragen.
* Port Arthur, 5. Aug. Aus Tschifu wird gemeldet: Ein Platzregen richtete hier großes Unglück an. Von den Bergen herabjließende Wassermassen überschwemmten die Stadt, zerstörten viele Häuser und schwemmten Menschen und Brücken fort. Heber* 700 Personen sind umgekommen, über 2000 ohne Existenzmittel.
* Von der Nordlandfahrt des Kaisers be- cichtet die in Bergen erscheinende Annonee-Tidende eine hübsche Episode, die sich bei einem Besuche des Monarchen in der Villa Eriksen bei Laxevaag abspielte. Der Kaiser kennt die Familie Eriksen; und da er alte Bekanntschaften bei Gelegenheit gern wieder auffrischt, benutzte er auch die diesmalige Nordiandsahrt dazu, die Villa aufzusuchen. Die zu dem Grundstück führende Privatbrücke war abgesperrt. Kurz entschlossen nahm der Kaiser den Weg über eine Anzahl von Booten, indem er von Kahn zu Kahn stieg und endlich sein Ziel erreichte. In Eriksens Heim lvar man über die Visite um so überraschter, als der Hausherr nicht anwesend war. Der Kaiser bedauerte dies sehr und ließ sich das Versprechen geben, daß ihn Eriksen mit Familie bei seiner Rückkehr in zehn Tagen an Bord der Hohenzollern besuchen werde. Der Unterhaltung folgte der Kaiser mit gespannter Aufmerksamkeit; er versteht Norwegischs wenn es klar und langsam gesprochen wird, und auch sein Begleiter, Graf Molrte, ist der Sprache leidlich mächtig. Aufmerksam blieb der Kaiser vor seinem Bilde stehen, das er in kostbarem Rahmen vor Jahren der Familie geschenkt hatte. Launig bemerkte er, daß an dem Bilde der Rahmen das Schönste )ei. Frau Eriksen erwiderte abwehrend, wenn man dies auch, von vielen Bildern sagen könne, so treffe es doch in dem vorliegenden Falle nicht zu. Einen kleinen zweijährigen Knaben der Familie nahm er aus den Schoß und fragte scherzerw, was er denn einmal werden wolle. „Kaiser!" war die prompte Antwort. „Und in welchem Lande denn?" „In Deutschland!" „Das mag schpn möglich sein, wenn dort der Kaiser auf Reisen gegangen ist", versetzte der Monarch lachend. Er verweilte etwa zwei Stunden in der Villa -nd nahm als Erfrischung einige Glas Fruchtwein an.
* Heber die päpstliche Flagae und andere Abzeichen des hl. Stuhls spricht Dr. Eo. Hahn-Berlin in einem Aufsatz über den „Sonnenschirm als Königssymbol usw.", den das Internationale Archiv für Ethnographie veröffentlicht. Nachdem dort dargestellt ist, wie bei den asiatischen Despoten uiad im Buddhismus der Sonnenschirm althergebrachtes Symbol der höchsten Herrscherwürde war, heißt es weiter: Jedenfalls ist in Rom der Sonnenschirm noch einmal zu Ehren gekommen, die nur hinter denen im Reiche des Buddhismus Zurückbleiben. Vertritt er dort den Vermittler mit der Gottheit, so vertritt er hier den Statthalter Gottes. Leitend ist, wie gesagt, für meine Auffassung, daß der Sonnenschirm nicht früher (als im späten Mittelalter) hierher gekommen ist, der Hmstand, daß die Heraldik nichts mit dem Sonnenschirm anzufangen weiß. Von der päpstlichen Standarte sagt z. V. Siebmachers Wappenbuch: „welche einen ausgespannten aus blauen und weißen Streifen zusammengesetzten, mit goldenen Quasten und der Weltkugel gezierten Schirm an goldener Lanze vorstellt." An anderer Stelle heißt es von diesem Zeichen: „eine Art Sonnenschirm von blauer Farbe mit goldenen Fransen und Stange, insgemein die päpstliche Standarte genannt." Man sieht, die Heraldiker von Fach bringen dem Gegenstände gerade fein großes Interesse und keine große Freudigkeit entgegen. Hnd dabei entsprang die Notwendigkeit der letzten Beschreibung dem Hmstande, daß Paul III. seine Nepoten, die Herzöge von Parma, besonders zu ehren glaubte, indem er ihnen 1547 das Amt als Erb- gonsaloniere, als Erbbannerträger des Papstes übertrug, und so den Sonnenschirm ins Wappen von Parma brachte. Jedenfalls muß um diese Zeit der Sonnenschirm im höchsten Ansehen gestanden haben, denn während ich ihn z. B. bei der feierlichen Krönung Karls V. auf den vielen Platten Hogenbergs noch nicht habe entdecken können, hat ihn Rubens in seinem großen und bedeutungsvollen Bild der triumphierenden katholi,chen Kirche (Ecc»e,ia triumphans per eucharistiam) als Siegeszeichen auf den Prunkwagen gesteckt. Auf dem Tuche des Schirmes balancieren dabei in ziemlich verwegener Stellung die beiden schweren metallenen Schlüssel, die ja das päpstliche Wappen darzustellen pflegen. Es hat übrigens noch bis in die allerletzte Zeit der Selbständigkeit des Kirchenstaates die sogen, päpstliche Standarte, d. h. eben unser Sonnenschirm mit den beiden Schlüsseln, den Kirchenstaat auf Münzen und Siegeln vertreten müssen, wenn bei der sogen. Sedisvakanz kein Papst vorhanden war. Im übrigen ist allerdings die Aussicht recht gering, daß unser Symbol hier jemals wieder eine hervorragende Bedeutung gewinnen könnte. Einmal ist es Sitte geworden, wenigstens bei uns im katholischen Deutschland, bei Kirchenfesten mit den sogen, päpstlichen Farben, d. h. gelb und weiß zu flaggen resp. zu dekorieren. Diese Farbenzusanunenstellung, ursprünglich die sogen. Landes- sarbe des Kirchenstaates, ist wie die anderen Landesfarben in napoleonischer Epoche entstanden und so unhe-alvisch wie möglich; gedacht. Gelb und weiß, also Gold und Silber, dürften als sogen. Metalle niemals zusammenstehen. Natürlich wird auch der Nachweis, daß die sogen, päpstliche Standarte allerdings ein uraltes .Herrschaftssymbol, aber eben ein Sonnenschirm ist, einer verstärkten Bedeutung und
Verwendung kaum förderlich sein. Der Sonnenschirm, und um den handelt es sich hier, würde als Symbol des Hltrcv montanismus den Feinden und den Spöttern nur allzuviel und nillzu günstige Gelegenheit zu Angriffen geben!"
* Die Eigenschaften eines guten Käses. Aus einer alten, dem 15. Jahrhundert entstammenden Handschrift der Stiftsbibliothek von Schlägl drückt der Bibliothekar Gottfried Vielhaber in den „Mitteilungen des öftere. Bibliothekvereins" ein Distichon ab, in dem der alte Schreiber an der Hand der biblischen Berichte über die Eigenheiten verschiedener Heiliger, biblischer und antiker Personen die Eigenschaften eines guten Käses ableitet. Die Verse lauten: Non abacuk lazarus, nec mathusel magdalena, non cignus argus, caseus is te bonus. Das heißt nun: Der gute Käse darf nicht sein 1. wie Habakuk, jener jüdische Prophet, der dem Daniel sein rulmentum als Speise in die Löwengrube brachte, d. h. er soll nicht breiartig sein, er darf aber auch nicht sein 2. wie Lazarus, dessen übler Geruch Johann. 11, 39 vermerkt wird. Er darf auch 3. nicht alt sein wie Mathusel, der nach Genesis 5, 27 ein Alter von 969 Jahren erreichte, auch 4. nicht wässerig wie die thränenreiche Magdalena. Weiters nicht wie Argus, d. h. voller Augen und 6. non cignus, er darf nicht schneeweiß sein, sondern schön gelb. Eine andere Fassung dieser Verse legt auf die Farbe weniger Gewicht und setzt statt Non cignus, argus, Non Argus largus. Der gute Käse soll nicht wie Argus sein, wohl aber largus, d. h. möglich vorhanden.
* Die Rache der Geliebten. Zeugen einer eigen» artigen Szene waren die Passanten der Gitschinerstraße zu Berlin. Unter dem Viadukt der Hochbahn promenierte in langsamem Schritt ein elegant gekleidetes Paar. Beide schienen sich in heftigster Weise zu zanken, denn sie führten einen so erregten Wortwechsel miteinander, daß wiederholt Straßenpassanten stehen blieben und mehr oder weniger unpassende Bemerkungen über das sonderbare Pärchen machten. Plötz- lich schrie der Herr laut auf, griff wiederholt nach Stirn und Augen und warf sich, rasend und besinnungslos vor Schmerzen, zu Boden, während die junge Dame mittelst einer Droschke sich von bannen machte. Passanten brachten den Herrn, dem von einer ätzenden Flüssigkeit, die ihm seine Ge- liebte in's Antlitz geschleudert hatte, Augen und Gesichtshaut arg verbrannt waren, zur Wohnung eines in der Nähe befindlichen Arztes. Wie die ungeliebten Ermittelungen ergaben, handelte es sich um einen Offizier a. D. und eine Kellnerin, welche letztere von ihrem Geliebten, der sich im Mai verlobt hatte, nicht lassen wollte und deshalb den Racheakt unternahm.
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