Ausgabe 
6.6.1903 Zweites Blatt
 
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Indem sie auf der einen Seite das Brustbild JahnS mit prachtvoller Umfassung und entsprechender Ueberschrist zeigt, ist die Rückseite mit dem deutschen Turnerwappen geziert. Beide Seiten der Fahne sind wirklich künstlerisch auSgcführt.

M. Climbach bei Beuern, 5. Juni. Dem hiesigen Bürgermeister Stein fiel vor ca. 14 Tagen die Feder vom Schreibtisch in den Fuß, woraus Blutvergiftung ent­standen ist und zwar derart schlimm, daß an seinem Auf­kommen gezweifelt wird.

Trais-Horloff, 6. Juni. In der Brikett-Fabrik GrubeFriedrich" ereignete sich gestern Abend gegen 8 Uhr em schwerer Unglücks fall. Ter im Ofenhaus am 6. Trockenofen beschäftigte 31 Jahre alte und verheiratete Ar­beiter Philipp Diessenbach aus Berstadt geriet auf unaufge­klärte Weise in die Transmission, wurde vom Riemen er­faßt und zu Tode geschleudert. Der Riemen fiel herunter und verwickelte sich mit dem Körper derart, daß an der Welle eine formlose Fleischmasse hing. Niemand mar Zeuge des Unfalles, sodaß dessen Hergang unaufgeklärt bleiben wird und man wurde erst darauf aufmerksam, als der Kohlen­schipper gewahrte, daß der Ofen nicht mehr zog und nach der Ursache sah. Bei dem tosenden Geräusch in der Fabrik konnten auSgestoßene Hilferufe nicht gehört werden. Der Ver­unglückte kann etwa 5 bis 10 Minuten gerädert worden sein. Er war seit 3 Wochen zum zweiten male verheiratet und hinterläßt außer der Witwe ein Kind von 5 Jahren aus erster Ehe, denen sich daS allgemeine Mitleid zuwcndet. Das Gericht mit Herrn Medizinalrat Dr. Rouge als Gcrichtsarzt begab sich noch gestern Abend zur Unglücksstelle. (H. L.-P.)

Bad-Nauheim, 5. Juni. Bis zum 4. Juni 1903 find 6368 Kurgäste angekommen, wovon an genanntem Tage noch 4618 anwesend waren. Bäder wurden bis zum 4. Juni 56 036 abgegeben.

-k Bad - Nauheim, 5. Juni. Am 4., 5. und 6. Juli feiert der älteste hiesige Männergesangverein »Frohsinn" sein 60jähriges Stiftungsfest, verbunden mit Fahnenweihe. Gelegentlich des Festes findet ein Gesang- Wettstreit mit Klassen- und Ehrcnprcissingen statt, wozu sich zahlreiche Vereine gemeldet haben. Der Großherzog hat einen Ehrenpreis in der Form eines prächtigen goldenen Pokals gestiftet. Die Stadt hat einen Ehrenpreis von 150 Mk., die Badedirektion einen anderen zur Verfügung gestellt.

R. B. Darmstadt, 5. Juni. Der bekannte Staats­und Kttchenrechtslehrer Geh. Justizrat Prof. Dr. Wilhelm Kahl, der auf Veranlassung des Evangelisch-sozialen Kon- aresses hier am Donnerstag einen Vortrag über die Reform des deutschen Strafrechts hielt, hat am selben Tage vor tiner großen Volksversammlung seine warnende Stimme zu den Reichstagswablen erhoben, und in sehr eindring­lichen Worteri die Wählerschaft auf die Wichtigkeit der Ent­scheidung am 16. Juni hingewiesen. Wir brauchten keine ausoktroyierte Wahlparole, denn diese leuchte mit Flammen- schrist allen bürgerlichen Parteien entgegen: Alle Mann auf zum Kampfe gegen die vaterlandslose Sozialderno- kratie! Er müsse bei näherer Betrachtung sagen, daß nirgends in der Welt die Sozialdemokratie so vaterlands­los, so unwahrhaft und so terroristisch-geistesknechtend sei, wie oie deutsche. Die Sozialdemokratie lügt den Wählern vor, die allein berufene Vertreterin des Arbeiterstandes zu sein. Aber sie hat in der mehr als 30 jährigen Ver­gangenheit im Reichstag sich stets gegen alle Arbeiterschuh- und Fürsorgegesetze gewandt und absolut nichts auf wird- schriftlichem oder sozialpolitischem Gebiete geleistet. Sie hat auch gegen die Handelsverträge unb gegen die Ar- bLiterversicherung im Reichstag gestimmt, aus Grund deren k. B. allein im Jahre 1902 den Arbeitern über 200 Mill. Mark an Entschädigung auö den Taschen der Nichtversicher- ten gezahlt wurden. Die Sozialdemokratie tritt das In­teresse der Arbeiter mit Füßen, ihr Lebensprinziv sei die Erregung von Unzufticdenheit und daher auch die fort­gesetzte wüste Verhetzung der Massen. Die Sozialdemokratie vernichtet auch die persönliche Freiheit. Sie ist in Wahr­heit die Partei der rücksichtslosesten Despotie, der Ver­gewaltigung Vieler durch einzelne Wenige. Sie betreibt die syftenmtifche Vernichtung der individuellen Selbständig­keit. Der Genosse darf seine Meinung frei sagen aber nur die Meinung, die die Führer wollen. (Lebh. Zustimm­ung.) Den Terrorismus in der Partei hat Bebel in Breslau so schön poetisch ausgedruckt.' Wer sich nicht füat, der fliegt! (Heiterkeit.) Die Sozialdemokratie ge­fährdet aber auch die Freiheit und die Sicherheit des Vaterlandes; sie bekänrpft die Entwickelung unserer geisti­gen Kraft und hemmt die persönliche Freiheit, sie hindert die Entfaltung unserer wirtschaftlick)en Kraft uiib sie be­kämpft auch die Entwickelung unserer physischen Kraft in Armee und Marine. Wie werden doch die Sozialdemo­

kraten in Deutschland beschämt durch das nationale Ver­halten ihrer Genossen in Frankreich, England und Amerika? Tie Sozialdemokratie vergiftet auch die politische und öffentliche Moral. Der Redner ruft mit Emphase: Deutsche Männer, wendet euch mit Ekel ab von dem vaterlandslosen Treiben solcher Gesellen! In welch schmählicher Weise die Sozialdemokratie das öffentliche Leben vergiftet, geht dar­aus hervor, daß sie in Parlament und Presse für einzelne, von allen bedauerte Vorgänge die ganze bürgerliche Ge­sellschaft verantwortlich macht und ausruft:Seht Ihr, so sind sie Alle!" Die Sozialdemokratie beschmutzt auch unsere nationalen Heiligtümer fortgesetzt in empörendster Weise, indem sie unsere großen Ideale und die gewal­tigen Errungenschaften unserer Vorfahren in den Staub zieht und alles begeifert und verspottet, was uns Deut­schen lieb und wert sein muß.

-k- Mainz, 6. Juni. (Eigener Drahtbericht des Gieß. Anz.) Der wegen vielfacher Diebstähle inhaftierte Wein groß Händler Kern hat sich im Gefäng­nis erhängt.

Frankfurt a. M., 5. Juni. Nach den neuesten Mel­dungen ist eS ausgeschlossen, daß die kaiserliche Familie nach Homburg geht. Der Kaiser und die Kaiserin kehren von Wiesbaden aus Sonntag abend nach Potsdam zurück.

fc. Wächtersbach, 5. Juni. Fürst Ferdinand Maximilian zu Psenburg-Büdingen hat heute ftüh durch einen Unglücksfall sein Leben eingebüfct Durch Qualm, der aus dem Schlafzimmer des Fürsten drang, auf­merksam gemacht, öffneten einige Diener die Tür. Zu ihrem Schrecken schlugen ihnen Flammen entgegen. Nachdem man ihner einigermaßen Herr geworden war, fand man den Fürsten entseelt vor seinem Bett liegen. Er war erstickt. Man nimmt an, daß er ein Licht angezündet hat und daß ihm dieses aus der Hand geglitten ist, wodurch dann die Stosse Feuer fingen. Der Fürst hatte am 24. Oktober v. I. in körperlicher und geistiger Irische sein 78. Lebensjahr voll­endet. Er war ein hochgebildeter Manu, ein Aristokrat vom Scheitel bis zur Sohle, em echter Grandseigneur. Nachdem er in Heidelberg studiert hatte, trat er, kaum 23 jährig, nach der Abdikation seines Vaters, des Grafen Adolf, die Ver­waltung des Fideikommisses seines Hauses an, die er mit Umsicht und Tattraft leitete. 1849 vermählte er sich mit Gertrud, Prinzessin von Hanau, der ältesten Tochter des letzten Kurfürsten von Hessen. Um die Polckik seines Schwieger­vaters, dem erder liebste Schwiegersohn" war, hat er sich nie gekümmert, und mit Unrecht wurde der Fürst, als er im Oktober 1853 auf dem Friedrichsplatz in Kassel den hessischen Ministerpräsidenten Hassenpflug etwasunsanft" zur Rede stellte, wegen dieses Renkontres alshyperliberal" von den Anhängern Hassenpflugs bezeichnet. Der Fürst hatte sich nur durch die Einmischung des Preniiers in seine privaten Ver­hältnissen gereizt so weit hinreißen lassen. An seinem letzten Geburtstage, den der Kurfürst im Hessenlande verlebte, also am 20. August 1865, verlieh er seinem Schwiegersohn den Fürstentitel. Erwähnt verdient noch zu werden, daß der Fürst schon vor 50 Jahren sozialpolitisch wirkte, z. B. durch Er­richtung von Arbeiterwohnungen, Erbauung einer Steingut­fabrik in Schlierbach und andere Maßnahmen. In den är­meren Orten am Südabhange des Vogelsberges wird man das Andenken des Fürsten in hohen Ehren halten. Die Beerdigung findet Montag, den 8. d. M., vormittags 111/i Uhr dahier statt.

Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Am 4. d. M. wurde mit den formellen Geländeabtretungen bezw. -Ankäufen für die Butzbach Licher Bahn begonnen. Medizinalrat Dr. Rvuge in Hungen wird in den nächsten Tagen sein 50jähriges Jubi­läum als Arzt feiern. Von feiten der Stadt sind Vor­bereitungen getroffen worden zu einer am 15. Juni im .Traube" - Garten abzuhaltenden größeren Feier. In Offenbach wird seit dem zweiten Pfingstfeiertage der zehn­jährige Knabe Eschbach vermißt, der sich am genannten Tage von Hause entfernte, ohne daß bisher über seinen Verbleib etwas ermittelt werden konnte.

EinStückchen" Frauenfrage.

Ein Art »Lösung der Frauenfrage" (wenigstens in einer Beziehung) will die »Münchener Schulkommission" gefunden haben. Ein Erlaß dieser Lokal-Schulkonimission stellt die beiden Geschlechter auch in den äußeren Höflichkeitsformen auf die gleiche Stufe:

»Es ist bei unS wiederholt Klage geführt worden, daß einzelne Lehrerinnen, wenn sie auf der Straße, in Trambahn­wagen, in öffenllichen Gebäuden, ja selbst in Schulhäusern

einem Vorgesetzten begegneten, eS wiederholt und absichtlich unterlaßen haben, ihm den schiildigen Gruß entgenzubnngen. Wir müssen das als eine grobe Ungehörigkeit bezeichnen und werden in Wiederholungsfällen unbedingt strafend^ gegen ein derartiges Benehmen einschreiten. Es ist eine völlige Ver­kennung der Verhältnisse, wenn Lehrerinnen einen Begrüß­ungsmodus erwarten, der mit den Regeln der Disziplin nicht in Einklang gebracht werden kann".

Dazu bemerkt derb aber treffend die »Rheinisch-Weslf. Zeitung":

»Man sieht, wie der Autoritäts- und Disziplindünkel die Köpfe verwirren kann: wollen jene selbstbewußten Herren, die die Leute nur nach Vorgesetzten und Untergebenen unter­scheiden, die alte doch so völlig harinlose Gewohnheit der galanten Höflichkeit umstürzen. Diese Anbeter deS herrlichen Vorgesetztentums sind au§ demselben dürren Holz geschnitzt wie jene Leutnants, die im Zivil eine Art Untermenschentum sehen. Billigen werden diesen hochweisen Erlaß nur die Frauenrechtlerinnen radikalster Observation, die sich auch gegen den Unterschied der Bezeichnung Frau und Fräulein aufregen und die dem Mann eine Höflichkeit und Galanterie gegen die Parität verstoßend übelnehmen. Bel anderen aber wird diese Schulbehörde mit ihrer vorgesetzten' stolzen Opposition gegen das »Ehret die Frauen" fein Verständnis finden!"

Sport.

Rudersport. Die Zurückforderung des Lahnpokals seitens des Deutschen Rudcrverbandes, über die wir kürz­lich berichteten, hat nicht nur unter den Mitgliedern der Gießener Rudergesellschaft, sondern auch in weiteren wasser- sportlichen Kreisen cm gewisses Aufsehen erregt Man miß billigt allgemein diese Maßnahme, die man als kleinlich bezeichnen muß, weil damit die beim letzten Rudertag in Frankfurt a. 9Jc. hervorgetretene Neigung zu einer Spaltung innerhalb der deutschen Ruderwelt neue Nahrung erhält. Abgesehen davon, daß der Stifter des Lahnpokals bei Her­gabe desselben nicht die Bedingung daran tnüpfte, daß dieser Wanderpreis alljährlich auszufahren sei, ist auch das Eigene tumsrecl)t an dem Pokal du ich die Stiftung an sich auf den Gießener Verein übergegangen. Laut B.^chluß des Aus­schusses vom 4. Oktober 1885 (Hamburg) werden ein für alle Male Wanderpreise durch Stiftung Eigentum der be­treffenden Vereine, denen sie gestiftet werden und müssen nur dann an den Verband zurückgegeben werden, wenn der Verein sich auflöst. Hiernach ist das Verlangen des Ver­bandes, den Wanderpreis zurüüzuerhalten, unberechtigt und die ablehnende Haltung der Rudergesellschaft vollkommen legal. Trotzdem hat die letztere sich bereit erklärt, falls der Verband darauf bestehen sollte, den Lahn-Pokal in diesem Jahre aus gefahren zu sehen, des lieben Friedens willen um diesen Wanoerpreis allein starten zu lassen. Wenn die Gießener Rudergesellschaft dabei beharrt, in diesem Jahre die Regatta auslallen zu lassen, so ist dafür außer andern' Gründen maßgebend, daß am letzten Sonntag im Juli, an welchem sonst die Veranpaltung auf dem Gießener Wasser, wie in jedem anderen Jahre gehalten werden würde, heuer in Mainz die Jubiläums-Regatta stattsindet, der man doch durch eine gleichzeitige Regatta in Gießen keinen Abbruch machen soll. Wenn man davon absicht, später bei uns eine Regatta zu veranstalten, so liegen die Gründe dafür für eben, der die Verhältnisse des Ocudersports kennt, klar auf )er Hand. Tie Mannschaften, welche dem Training bereits eit Anfang Mai obliegen, können, ohne körperlichen Schaden zu leiden, sich demselben übet dem Juli hinaus ernstlich nicht hingeben, deren Styl würde, falls sie wirklich am Start erschienen, nur ganz minimal sein. Tie am nächsten an einer Gießener Veranstaltung beteiligten Rudervereine billigen die Gründe, welche dafür sprechen, daß in diesem Jahre das Rudern bei uns ausfällt. Ter vorjährige Sieger um den Lalm-Pokal der Mainzer Ruderverein ist bereits um dessen Rückgabe gebeten und erhält dafür den ihm zukommenden Ehrenschild unb wird 1904 ben Preis zu verteidigen haben. Wenn von gewisser Seite in letzter Zeit englische Verhältnisse im Rudersport bei uns in Deutsch- land zur Nachahmung empfohlen werben, wonach Haupt- regatten in unmittelbarer Nähe der Hauptruderplätze und auf den Rennstrecken der kleineren Vereine, wie z. B. in Gießen, Regatten 2. Ordnung stattfinden sollen, so Über­sicht man dabei ganz, da,ß dadurch das Kind mit dem Bade ausgeschüttet wird. Haben doch bisher auch kleine Ruder- vererne und speziell Gießen sportlich Bedeutendes geleistet und sich um den Rudersport wohlverdient gemacht. Hatte doch auch Gießen bereits sogar zweimal die Ehre, den Meister von Teutschland stellen zu können, und mancher kleine Verein verfügt in sportlicher Hinsicht über Gnnridjtt- ungen, mit denen er sich getrost an die Sette größerer Renn­plätze stellen kann.

London, 5. Juni. Tie Automobil-Wettfahrt

übrigens dessen Vorsitzender, geschmückt mit der Kaiser- Preiskette, zur Linken des Dttigentenpodiums Aufstellung genommen.

Dem Nachmittags-Wettstreit wohnte nur der Kaiser nebst Gefolge bei, da die Kaiserin mit den Prinzen nach Beendigung des Frühstücks nach Wiesbaden zurückgekchrt war. Der Kaiser folgte wieder nebst seiner Schwester, der Prinzessin Friedrich Karl von Hessen, mit regem Inter­esse den einzelnen Wettaesänaen unb spenbete wiederholt lebhaften Beifall. Auch Der Großherzog von Hessen verfolgte die Wettgesänge in der staifcrloge mit lebhaftem Interesse.

Tie 4. Gruppe, bic am Nachmittag dieses zweiten Tages fang, vermochte nicht eine gewiße Abspannung zu beseitigen, wenigstens bis vor den Berlinern. DerBarmer Sängerchor" (Dir. kgl. Musikdirektor Karl Hopse) nahm den PrciSchor ziemlich rasch unb fang einen formvollendeten Chor Rheinbergers:Rolands Horn" mit gutem Ausdruck. Ta wir fürchten, mit einer eingehenden Würdigung der einzelnen Vorträge etwas zu ermüden, seien h ute die Leistungen der Gesangvereine kurz nur besprochen, umso- mehr, als dieser Nachmittag, wie erwähnt, nur am Schluß Außergewöhnliches brachte. DieSolinger Lieder­tafel" verfügt über nicht übles Material, fang aber am unreinsten von allen, und zwar auch den selbstgewählten Chor:Grust der Heimat" von Rauchenecker. Die Würz­burger Lredertafel", der einzige erschienene Gesang­sangverein Süddeutschlands (137 oanger , nuanciert gut, manches kam auch stimmungsvoll, nainenllich im Chor ihres Dirigenten -des bekannten Meyer -OberSleben): Volkers Schwanenlied". Das Werk selbstllinat" für Männergesang, ist aber sonst ivenig originell unb etwas »l^ch. DerCasseler Licberverein" (Sir. Esser, 138 Sänger) vermochte weder mit dem PrciSchor noch) mtt demLcr- sturm" von Zerlett zu interessieren. DerWiesbadener

M än n er ge sang verein", 136 Sänger unter Leitung bes Prof. Franz Mannstädt, schloß ben Preischor richtig in E-dur. Im allgemeinen phrasiert er gut unb singt mit Geschmack, nur sind feine Tenörc etwas schwach. Im SchubertschenRuhe schönstes Glück der Erde" störte das plötzliche Forte am Schluß die sonst gut getroffene Stim­mung. Die beiden am Schlüsse sinkenden Vereine:Ober* barmer Sängerhain" (Dir. Hirsch, 183 Sänger) und derBerliner Lehrergesangverein" (Dir. Prof. Felix Schmidt, 224 Sänger) fangen außer dem Preischor auch HegarsKaiser Karl in der Joyannisnacht" nach- einander. Während der erstere sich durch zu manirierten Vortrag um eine tiefere Wirkung brachte, war die Leistung der Berliner geradezu hervorragend. Das schnelle, flotte Tempo des Preischors war durchaus richtig, er wurde außerdem mit überzeugender, urwüchsiger straft unb Frische, ohne zu viel Tetatts vorgetragen unb erweckte spontanen, langanbaucrnbcn Beifall, Der sich nach ben mit künstlerischem Empfinden gefangenen unb aufs feinste aus­gearbeiteten Hegarschen Chor wieberholte.

Der Kaiser kehrte naaj Schluß des Wettsingens um 4.35 Uhr wieder nach Wiesbaden zurück. Ten Cölnern ist also eine scharfe Konkurrenz erwachsen. Erwähnt sei, daß Prof. HeinnchZöllner aus dem Preisrichter­kollegium ausgetreten unb bereits abgcrcift ist, nachdem der Kaiser seinen Austritt genehmigt chatt Die Gründe sind noch nicht belannt. Man erzählt sich der Frkf. Ztg" zufolge, daß einige Kollegen ihm über seine Kritik des PreisckpirS Vorhaltungen machten unb er bes- halb gegangen sei. Man spricht aber auch von anberen Crüntait. Er hatte gegen bie Anordnung protestiert, die ben Leipziger Sängern verbot, den Preischor in einem Konzert kurze Zeit vor dem Sängei>Wcltstrett vorzutragsn.

In ben letzt sn Tagen wurden nahezu 50 Personen.

verhaftet, unter denen sich Leute befinden, bie in der Trunkenheit Majestätsbeleibigungen ausge- stoßen hatten. Der größere Teil ber Verhafteten hat Taschendieb stähle ausge führt.

Zu morgen vormittag hat der Kaiser die 34 Dirigenten ber wettsingenben Vereine zu sich entboten zu einer Besprech­ung über bic Einzelleistungen unb bic beim hiesigen Wett­streit gewonnenen Erfahrungen. Unb ber morgige Tag bringt auch bic Entscheibung!

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Wiesbaben,5. Juni. Um 5.40 Uhr traf bet Kaiser wieber in Wiesbaben ein. Die Kaiserin, welche bereits früher hier eingetroffen war, machte nachmittags mit ber Prinzessin Adoii zu Schaumburg-Lippe unb dem Herzog von Sachsen-Eoourg-Gotha einen Ausflug zu Wagen in bie Waldungen von Neroberg und besuchte bie Leichtweiß- 3ur Abendtafel bei den Majestäten im königlichen schlosse war^außer ben hier anwesenden Herrschaften die Fürstin von Schaumburg-Lippe geladen. Nach ber Rückkehr ber Kaiserin nach WieSvaben fuhr sic direkt bei ber Villa Germania." vor, wo sie ben seit längerer Zeit zur Äur hier weilenben Fürstlich Wiedschen Herrschaften einen Öe)ud) abftattete. Prinz Ettel Friedrich, Prinz Abalbert, ber Herzog von Sachsen-Eoburg^Gotha, sowie Prinz unb Prinzessin Aböls von Schaumburg-Lippe fuhren beim Koni von Dänemarks vor, um einen Besuch abzustatten. Da ber Äonig einen Spaziergang unternommen hatte, gaben sie nur ihre Karten ab. Am zweiten Feftspielabenb erlebte BoioldieusWeiße Dame" unter Professor Mannstäbts -citung mit Naval unb Frl. Destinn in den Hauptrollen eine künstlerisch sehr erfolgreiche Aufführung. Das Kaiser­paar wohnte ber Vorstellung bis zu Gnbe bet