Ausgabe 
6.4.1903 Erstes Blatt
 
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Dem Mvhrtng undO Frühlinaszeit" von Paul Polstet be­stimmt. Heber einen weiteren Chor mit Orchester beschließt der im Derbst stattfindende Sängertag. Mit einem brausen­den Doch auf denLcchntal-Sängetbund" fanden die Ver­bandlungen ihren Abschluß. Seibert-Wetzlar dankte dem Vorsitzenden für die umsichtige Leitung, die mühevolle Umarbeitung der Satzungen und wünschte, daß er noch lange an der Spitze des Bundes stehe und schloß mit einem kräftigen Hoch auf ihn.

Unfall. Bei Zug 623 nach Fulda fiel am SamS- tag morgen hinter Wallenrod der Heizer vom Zuge. Glücklicherweise soll derselbe sich nicht erheblich verletzt haben. Er mußte indeß in Lauterbach die Fahrt unterbrechen.

* Erhöhung der Brandsteuer. Für das ab- gelausene Jahr wird nach derFranks, Ztg.^ eine nicht un­wesentliche Erhöhung der Bcandsleuer erfolgen, während 1901 eine Brandsteuer von 7 Pf. für je 100 Mk. Umlagekapitak erhoben wurden, werden jetzt 10 Pf. zu erheben fein. Die bedeutenden Ausgaben für Brandschäden haben diese Er­höhung veranlaßt.

* * Bauernregeln für April. Wenn der April bläst in sein Horn, so steht es gut um Heu und Korn. Wenn der April Spektakel macht, giebts Heu und Kvrn in voller Pracht. Aprilerr-Megen bringt stets uns Segen. April kann rasen, nur der Mai halt Maßen. Frösche zu Anfang Avril bringt der Teufel ins Spiel. Maikäfer, die im April scywirrcn, müssen im Mai erfrieren. Avril dürre, macht die Hoffnung irre. Nasser April verspricht der Früchte viel. Der dürre trockne Avril ist nicht der Bauern Will, aber des Aprilen Regen ist ihnen gar gelegen. Sind die Reben um Georgi noch blind, so erfreut sich Mann und Kind. Bläst der Avril mit beiden Backen, gibts genug zu jäten und zu hacken. Heller Mondschein in der Aprilnacht schadet leicht der Bäume Blütenpracht. Der April ist ein Freiherr, er gibt Regen und Schnee her. Ist der April auch noch so aut, so streut er dem Schäfer doch Schnee aus den Hut. April hat seine dummen Mucken, er will, daß die Bauern nach dem Weller gucken. Sankt George (23.) und St. Marcs (25.) die drohen uns viel Args. So lange die Frösche vor Marci geigen, Jo lairge müssen sie nach Marci schweigen. Ist Ambro,ius (4.) schön und rein, wird St. Florian (4. Mai) dann wilder feilt Bleibt der April recht sonnig warm, macht es dem Bauer auch nicht arm. Gedeihn die Schnecke und die Nessel, fülln sich der Speicher und das Fasset Ist der April sehr trocken, geht dann der Sommer nicht aus Socken. Wenn die Grasmücken fleißig singen, werden sie zeillgen Lenz uns bringen. Bauen im April schon Schwalben, giebts viel Fuller, ftom und Kalben. Jetzt muß der Hol­lunder munter sprossen, sonst wird des Bauern Mien' ver­drossen. Kommt Aprilsturm schon bei Zeiten, ist das Ende wohl zu leiden. Je früher im April der Schlehdorn blüht, desto früher der Schnitter zur Ernte zieht. Des Aprils Lachen verdirbt des Landmanns Sachen. Besser Wassersnot im April, als der Mäuse lustiges Spiel!

- f- Krofdorf, 4. April. Dem 16jährigen Sohne beS Briefträgers Möller, der im Februar einen Knaben, der auf dem Eise eingebrochen war, vom Tode des Ertrinkens errettete, wurde vom Bürgermeister eine silberne Uhr

überreicht.

§ Butzbach, 5. April. Der hiesige Turnverein leierte gestern abend imGambrinirs" unter zahlreicher Beteiligung sein 57jähriges Bestehen. Seit zwei Jahren besitzt unser Turnverein die Rechtsfähigkeit im Sinne des B. G.-B. durch Eiillrag in das gerichtliche Vereinsregister. Die Mitgliederzahl beträgt etwa 350. Heftiger Sturm, zeüwcise begleitet von Schneegestöber und Regengüssen, herrschte heute in hiesiger Gegend.

8 Hoch-Weisel, 5. April. Unser Mitbürger Mohr, Musikus, und seine Frau geborene Wächtershäuser, begingen heute ihr goldenes Ehejubiläum bei körperlicher und aeisliger Rüstigkeit. Die nämliche Feier konnten in Merz­hausen heute der Landwirt I. Nöll und Frau geb. Nöll begehen. !

L Friedberg, 6. April. Der ortsübliche Tage- /ohn für städtische Arbeiter über 16 Jahre wurde vom Stadtvorstand auf 2.50 Mk. festgesetzt.

* Alsfeld, 4. April. In Eifa feierte der Förster <Dg. H. Büttner in voller Rüstigkeit fein bOjährigeS Dienstjubiläum. Er ist seit Jahren Präsident des Kriegervcrcins.

Darmstadt, 2. April. Auf der ordentlichen Haupt­versammlung des Evangelischen Kirchenbau- Frau en--Vereins wurde u. a. beschlossen, $um Besten der zu erbauenden Pauluskirche im nächsten Herbst eine Verlosung kunstgewerblicher Gegenstände zu veranstalten. Tie Verlosung wird sich von anderen ähnlicher Art dadurch unterscheiden, daß sic nur Gegenstände, die einen gewissen künstlerischen Wert darstellen, enthalten soll. Der Frauen- Kerein wendet sich deshalb an alle Frauen und Jungfrauen Darmstadts mit der freundlichen Bitte, ihm zu diesem Zwecke Kunsterzeugnisse aller Art (Bilder, Brandmalereien, Schnitzereien, Handarbeiten, Kunstgegenstände, am liebsten felvstgearbeitete) zur Verfügung stellen zu wollen. Mehrere außerordenllich schöne Arbellen sind bereits geschenkt worden.

R. B. Darmstadt, 6. April. (Eigener Draht- bericht.) Die in hiesigen nationalliberalen Kreisen verbrellete Ansicht, daß sich alle nick)itsozialdcmokratischen Kreise zu einer gemeinschaftlichen Kandidatur zu- sammenfchlicßcn würden, beställgt sich nicht. Die Frei­sinnigen lehnten eine Beteiligung ab mit dem Bemerken, daß sie in erster Linie nicht die Bekämpfung der So­zialdemo kralle, sondern die der Reaktion als Ziel im Auge hätte. Landgcrichtsrat Bus f hat sich Bereit er­klärt, die Kandidatur für Darmstadt an-unehmen. Als zweiter Kandidat kommt noch Herr Hcinr. Müller in Betracht.

5t>. Darmstadt, ö. April. Eine sehr gefährliche Acetylen-Explo fion fand gestern abend 10 Uhr im Gasthaus zur ftronc in Büttelborn statt. Als die Dis­kussion über einen von dem Generalagenten Möser- Darmstadt über Haftpflichtversicherung gehaltenen Vor- trag begonnen halle, erloschen plötzlich unter donnerähnlichem Krachen sämtliche Gaslichte, und eS wurde alsbald fcftaeflellt, daß der in einem Nebenraum des HauseS ausgestellte Acetylenapparat explodiert war, als der Sohn des Wirtes demselben mit einer brennenden La­terne nahe kam. Er soll nicht unbedenkliche Verletzungen und Brandwunden erlitten haben. Der entstandene Schaden ist ein übrigens sehr bedeutender und das ganze HauS hat Sprünge. Eine acht Meter lange Giebelwand im zweiten Crock wurde eingedrückt, sämtliche Fenster in beiden Stock­werken find durch die Gewalt des Druckes gesprungen. Einzelne Türen sind eingedrückt, andere auS den Fisch- bLudern gesprungen. Ein Lurchzug wurde vom Anker ob-

gerkfsen, kurz die Verheerungen sind unglauvllche, und es ist ein großes Glück, daß Menschenleben nicht getroffen wurden. DaS Laus wird kaum erhalten bleiben können. Ter Umstand zeigt wieder, wie notwendig gerade bei Acetylen die größte Vorsicht ist. Auch im Saal harte ein­zelne Gäste das aus den Flammen he raus sch lag ende Feuer Die Gesichter gestreift.

* Krematorium in Mainz. In der Generalver­sammlung des Vereins für Feuerbestattung in Mainz teilte der Vorsitzende mit, daß die Eröffnung des Krematoriums in der letzten Hälfte des April stattfinden werde. Für die Erbauung des Kremawriums find bis jetzt 85 031 Mk. ein­gegangen, die Kosten des Baues belaufen sich auf 103000 Mark, sodaß noch etwa 1820000 Mk. zu beschaffen seien, die aber bald aufgebracht sein dürften. Die Zahl der Mit­glieder des Vereins habe sich im Laufe des Jahres sehr vermehrt, und von sehr vielen auswärtigen Städten, Köln, Frankfurt a. M., Wiesbaden rc. seien bereits Urnennischen angekauft worden.

Sponsheim, 3. April, lieber die Person des er­mordeten Frl. Steimer wird noch wie folgt berichtet: Fräulein Steimer kam vor ca. 14 Jahren hierher, um sich, obschon völlig fremd, in hiesiger Gemeinde dauernd nieder- znlasien. Die überaus stille, in ihrem ganzen Auftreten sehr feine Dame erwarb sich bald bei allen Einwohnern die größte Sympathie und Hochachtung. Stets ging dieselbe schwarz gekleidet und war namentlich in Krankenzimmern ein oft und gern gesehener Gast. Von ihren Verwandten aus Frankreich erhielt sie oft Besuch, zog sich aber so viel als möglich von diesen zurück, well dieselben sie, rote man hier glaubt, oft mit Geldunterstützungen in Anspruch nahmen. Namentlich der mutmaßliche Mörder soll Frl. Steimer hierin viel geplagt haben.

Worms, 2. April. Der Vorstand und Ausschuß des deutschen Vereins für K n a b e n y an d a r b e i t hat ein* stimmig beschlossen, die deutschen Schulverwaltungen aus die seit fünf Jahren durch SchulInspektor Scherer in Worms an der Volksschule unternommenen Versuche auf­merksam zu machen, die erziehliche Knaben Hand ar beit mit wesentlich vereinfachten Mitteln als Unterrichtsfach durch alle Klassen durchzuführen. Vom 8.10. Juli wird am Seminar des deutschen Vereins für Knabenhandarbeit in Leipzig ein Jnformationskursus und im Jahre 1904, wo die Schererschen Versuche rum vollen Abschluß gelangt sein werden, in Worms ein allgemeiner deutscher Lbongreß ab­gehalten werden, um die Schulverwaltungen und Schul­aufsichtsbehörden mit den Schererschen Bestrebungen be­kannt zu machen.

fc. Frankfurt a. M., 5. Aplll. Die hiesige Gast­wirteinnung beschloß in ihrer letzten Sitzung, fortan alle Firmen, welche mit Wirten in geschäftlicher Verbindung stehen und sich ferner an der Eröffnung von Automaten­restaurants mit Kapital beteiligen, zu boykottieren.

Vermischtes.

* Berlin, 4. April. Ein Studierender der hie­sigen Hochschule für die bildenden Künste hatte durch den Dialer Professor Saltzmann eine freie Studienreise auf einem Dampfer der Hamburg-Amerika-Linle vermittelt erhalten und hat auf dieser Reise die Mannschaften der Schiffe zur Meu­terei gegen die Offiziere aufgehetzt. Er wurde deswegen mit dauerndem Ausschluß von der Hochschule bestraft.

Brüssel, 5. Aplll. In Bawichove bei Brügge ent- stand gestern ein Brand, dem zwei Häuser zum Opfer fielen. Eine taubstumme Frau kam in den Flam­men um.

Petersburg, 1. April. Der rätselhafte Mord in Dabossary beschäfttgt fortgesetzt die hiesige Presse, ohne daß es bisher gelungen wäre, wirklich zuver­lässiges über den Vorgang zu ermitteln. Heute verösfenL- licht dieNow. Wr." die Zuschrift eines Herrn Govodetzki, wonach der Großvater des Knaben Rybalenko seinerzeit keineswegs als der Urheber der Legende vom Ritual­mord erscheint. Er hat den Behörden nur angezeigt, daß sein Enkel mit anderen Knaben spazieren gegangen war, daß die letzteren ohne ihn zurückgekehrt sind und erzählt haben, R sei beim Eislauf in eine offene Stelle geraten und ertrunken. Vier Tage später wurde der Leichliam in einem Garten am Ufer des Dnjestr gefunden, in derselben Kleidung, in der R seinerzeit das Haus verlassen halle, aber mit Blutspuren. Die Legende vvm Ritualmord kam erst später <tiuf; daraufhin wurde in Gegenwart des Ge­hilfen des Staatsanwalts des Odessaer Bezirksgerichts eine abermalige gerichtlich-medizinische Besichtigung bezw. Sek­tion vorgenommen, welche 18, durch die Kleidung hindurch mit einem eisernen Instrument (offenbar einer eisernen Gabel) beigebrachte Wunden feststellte. Die Wunden ver­teilen sich ganz unregelmäßig; es sind innere Organe, wie Leber, Niere, verletzt und es hat eine starke innere Blutung stattgefunden. Zugenähte Wundöffnungen wurden nickt kon­statiert. Der Gehilfe des Staatsanwalts eröffnete daraus der erregten Bevölkerung, daß die Absicht, Blut zu rituellen Zwecken zu gewinnen, nicht maßgebend gewesen sein könne und daß mithin kein Ritualmord vorliege. Was das Auf­kommen einer solchen Version betrifft, so hieß es, daß die Juden von Dubossary einen geistesgestörten Volksgenossen hätten verschwinden lassen, weil sie fürchteten, daß dieser ihr Verbrechen verraten könnte. DaS beruht jedoch auf einer Lüge. Es gab in D. allerdings einen Verrückten, der sich auf den Straßen herumtrieb und unzusammenhängenoes Zeug redete; doch ist derselbe auf Verfügung des Jspraw- niks im Jrrenhausc untergebracht worden. In Bezug auf die eigentlichen Motive der Tat läßt sich nichts bestimmtes aussprechen; es heißt aber, daß ein Testament zu Gunsten des Knaben R. bestanden habe, durch welches andere Erb­berechtigte übergangen wurden ic. Trotz dieser beachtens­werten Zuschrift und obwohl auch eine von der Rufs. Tel. Agentur übernommene Mitteilung der ZeitungJug" den obigen Sekllonsbcfund bestätigt, bringt dieNow. Wr." auch heute wieder eine Depesche aus Dubossary, worin die Verdächtigung des Ritualmords aufrechterhalten und offen­sichtlich gegen die jüdische Bevölkerung Stimmung gemacht wird.

Unterschlagungen. Wie der ,Frkf. 3tg.e au5 Lang ewiesen (Thüringen) berichtet wird, betragen die Unterschlagungen des früheren KaffiererS des bortigen Spar- und DarlehnSkaffenoeremeS, Lehrer Reinhardt, 121475 Mk.

Auf einen Aprilscherz ist auch der .Rcichsbote* hcrcingefaUen. Ihm ist ein »streng vertrauliches" Rund- schreiben eines .Zentralwahlkomitees der Zentrumspartei" in Duisburg auf den Tisch geschmuggelt, worin et heißt, daß

,btt Gnadt Sr. Eminenz ves hocywurvignen perm ©enerat der Jesuiten* durch Breve vom 25. Februar ,20 Redner deS DrbenS* bestimmt habe, welche jeden Tag bereit seien, öffentlich aufzutreten, ,um den Blödsinn der gegnellschen An­klagen aufzudecken". Der gute .Reichsbote" versichert, an eine Mystifikation sei nicht zu denken, und schreibt entrüstet: .WaS unS an dem Schreiben interessiert, ist die Mitteilung, daß der General deS Jesuitenordens in Rom dem deutschen Zenllalwahlkomitee der Zentrumspattei 20 Jesuiten als Wahl­redner zur Verfügung stellt."

---l. ............. 4 llnioersilüts-llachrichirn.

D a r m ft a b t, 5. April. An der hiesigen Technischen Hoch­schule ist, bem Beispiel anderer Hochschulen folgend, em student­is ch e s Arbeitsamt gegründet worden, das bie Vermilielung von Arbeit ober Stellung zwischen Stubenlen der Hochschule und Arbeitgebern übernimmt. Tie Technische Hochschule hat dem Slaaismmister Tr. Rothe, joioie dein Flnanzmuuster Tr. G n a u 11) bie Würbe eines Doktor-Ingenieurs ehren­halber verlieheir.

Ter bisherige a. o. Professor in der evangelisch-rheologischen Fakultät der Universität Bonn, Tr. I. 2)1 e i n h o l b, ist zum o. Proieffor ernannt worben. An der Hlnnt und Polcklmck jur Syphilis und Haulkrankhcuen der Uiiioerfitäl Bonn i|t der dritte Aiilslenzarzt Tr. I. Menzen m die Stelle des ausgeschrebenen zweiten Assistenzarztes Tr. F. B r r i n g e r getreten. Zum brüten Assistenzarzt ist der Assistent vom pathologischen Jnftitut Dr. B. Fischer unb zu besscn Nachfolger am pathologischen Institut Dr. Ä.Kohl eruannt worben. Tr. 2L Hirsch, Hilfslehrer für höhere Mathematik am Polytechnikum in Zürich, ist zum o. Proieffor ernannt worben. Tie Zahl ber Stubierenben an ben oller- reichlichen Universitäten im Winterjerneiter 1902,03 be­trug insgesamt 20035 Hörer. Ter Verein beutjcher Stubenlen in Berlin beabsichtigt, vonr 20. bis 22. April eine O st m artenfahrt zu unternehmen, um (einen Mitgliedern unb Freunden eine praktische Auichauuug von dem grogeit Sied- lungswcrte zu verschasseu. Es sollen dabei die Städte Posen und Gueieu soivie zwct verschiedenartige, zu den größten gehörige An- stedlungskomplexe in der Umgebung von Gnefen, ivo die Sied», lungsarbetten am weitesten vorgeschritten sind, besichtigt werden.

Kunst und Wssenschnsl.

Eine Besprechung von Künstlern und Kuustgclchrteu über bie O r g a n i j a 11 o n d e r d e u t f ch e n K u n st a b l e i i u n g g u f der Weitaus st elung in S t. L o u i s hat bteser Tage in Berlin slatkgefuuben. Zu der Befprcchimg waren u. a. auZ Darmstadt die Professoren Habich und Olbrich erfchtenen.

Landwirtschaft.

Ein Riesen ma st schwein, dessen Bauch aus der Erde schleppte und dessen Backen so ausgetrieben sind, daß die Augen förmlid) zugequollen sind, wurde unlängst in den großen Schlacht­häusern zu Eincmnati vom Leben zutu Tode befördert. Sein Ge­wicht betrug 340 Kilo, wovon 290 Kilo allein auf das Schlacht- gcwlcht gerechnet werden konnte. Hebet bie Raffe bieses dicken Borstentiers ist nichts bekannt, wohl aber über seine nreßlufef innerhalb der zehn Wochen zähleiiden SDiaft, wahrend welcher cs pro Tag im Turchfchultt um 2,5 Kilo an Gewicht zuuahnr. $a- milienjorgen hatte bas brave Tier nie kennen gelernt, ba es nicht zur Zucht verwendet worden war und formt fein ganzes Tun und Lasten auf Fressen und Sausen nutzbringeud beschrankte. Qm All­gemeinen gilt das Fleisch derartig übermasteter Schweine für nicht schmackhaft, zur Ehrenrettung dieses Tieres aber sei fonfuuiett, daß es eme ganz vorzügliche Oualuat brachte und dast auch der Speck von durchaliS zarter und nicht traniger Beschaffenheit war.

Zur Vorbeuge der Mäuseplage. Aus ver schiedcnen Gegenden des Großherzogtums Hessen mchceu sich die Anzeichen für eine neue Mäufeplage. Der Hessische Landwirtschaftsrat hat daher auf eine einfachere unb billigere Art des Lofslerschen Jnfektionsverfahrens, das durch einen Sachverständigen in der landwirtschaftlichen Praxis geprüft wurde und sehr günstige Resultate Lieferte, in feinem amtlichen Organ aufmerksam gemacht. Das In- fektionsmateriab wird in Flaschen versandt und kaiin von der Mllchwirtschastlichen Versuchsstation des Verbandes der Hessischen landwittschaftlichen Genossenschaften, Darmstadt, bezogen werden. Die Wirksamkeit des Jnfektionsverfahrens hängt in erster Linie von der richllgen Ausführung ab,- und da erfahrungsgemäß hierin in ber landwirtschaftlichen Praxis vielfach Fehler gemacht worden sind, stellt der Hess. Landwirtschuftsrat Einzelbesitzem und Gemeinden zur Durchführung und Anleitung dieses Verfahrens einen Sach­verständigen unentgeltlich zur Verfügung. In einigen Gegenden des GroAerzogtums haben sich die Feldmäuse zur Ucberwinterung hauptsächlich auf die Bahndämme zu­rückgezogen unb verwüsten von dort aus das anliegcitde Ackergclänbe. Ter Hessische Landwirtschaftsrat hat daher die zuständigen Eisenbahndirekllonen ersucht, geeignete Maß­nahmen dagegen zu ergreifen. Die Eisenbahndirektion Mainz h<ll sich bereit erklärt, sich an der Vertilgung der Feldmäuse zu beteiligen, sobald Anträge ber betroffenen Gemeinden bei ihr eiugegangen sind. Es ist zu wünfchen, daß dies in recht zahlreichen Fällen möglichst bald geschieht, da ber Kmnps gegen die Müuseplage um so erfolgreicher ist, je früher derselbe in Angriff Genommen wird, und je größer die Fläche ist, auf welcher derselbe gemeinsam oor- genommen wird. Die geeignetste Zeit sind die Monate Marz und Aplll. Bei günstigen Witterungsverhältnissen fdjrcmit bie überwinterten Feldmäuse in dieser Zeit 5u.r ung. Nach vierwöchiger TrächttgkeitSdauer crfcheinen bie ersten jungen Mäuse, Welche nach secks bis acht scheit bereits wiäer fortpflanzungsfähia ist, sodaß im Herbst von einem einzigen überwinterten Mäusepaar ca. 200 9ladjr kommen vorhanden sein kön tcn. Mit Der Vernichtung ober größtmöglichen Verminderung der überwinterten Feld­mäuse kann die Gefahr als beseitigt gelten. Vorbeugen ist aber wirksamer und billiger als der Kampf gegen die cin- getrctenc Plage. Tie Landwirte sollten daher in den ge­fährdeten Gegenden ungesäumt an das Vertilgen der Feld­mäuse gelten. Jetzt ist bie geeignetste Zeit, da Die Feldmäuse sich noch nicht vermehrt haben, die mit Fnfektionsstüssigkeit getränkten Brvtwürfel bei dem noch bestehenden NahrunaS« mangel gern genommen werden und die Mauselöcher bei dem gegenwärtigen Stand der Vegetation leicht aufzufinden sind. Das Verfahren hat sich auch gegen Hausmäuse aus­gezeichnet bewährt Tie Mäuse nehmcn_daS mit Milch her­gestellte JnfekllonSmalerial auch in Speisekammern sehr gern unb waten in 812 Tagen verschwunden.

(ßrriditsfflfll.

Wien, 4. Aplll. Ter roegen Spionage mit 5 Jahren Kerker vorbestrafte ehemalige Oberleutnant Paul Bart­mann war gestern und heute vor dem hiesigen Landesgericht des Verbrechens der Erp reff ung an der lleeresocrwaltung an- qeklaqt, dadurch begangen, daß er in einem Brille an den Ehll des Geueralstabs, Baron Beck, verlangte, daß ihm feine Tenkjchrift über die Kräftigung und den organifatorlfchen Au-bau der osler- reid)ifd)-ungnrifd)cn Wehrmacht abgekauü werde, widriaenfalls er Rußland wieder Kuudichasterdienste leisten wurde. Aartmamr