Nr. 81
tS-ttch außer Sonntag-.
Dem Gießener Anzeiger werden tm Wechsel mit dem vesfischeu Landwirt die Siebener Kamille«' blfltter viermal bi der Woche beigetegL
Rotatwtftraid tu Bet- lofl bei v r ühl'ichea Untveif.-Vuch- u,6tetw btuefetti (Pietsch ürbe*) Reboftum. ttrpebuwt unb Drucke reit
Ech»lftratze 7.
Adresse für Depesch«, Anzeiger «tefcou
Kernsprrchanlidlutz Nr 5L
Zweites Blatt.
158. Jahrgang
Freitag 6. Februar 1908
GietzenerAnzeiger
** General-Anzeiger v
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
Vezugspretsi m»nall»ch7b P1^ viertet» jährlich Mt. 1120, durch Abhole- il flroetgfteflen monatlich 65 Ps.^ durch biePost Mk.2.— mettel- sährl. anöschl. vestellg. Annahme von Anzeige« für bte TageSnummer btt wonttlogt 10 Uhr, ßrtUnprrti; lokal 17 Pß, aetrpdrtl 80 Psg. verantrooeilich, für den polil u. öligem, xetl. P Witiko: Mr »Stadt unb Canb" und .DerichtSsaal^ tuet Plato. Mi den An- ietqenieil: £>ant Beck.
Ale ynttige Kmumer mosaßt 12 Setten.
Dolttische Tagesschau.
Die »eueste Nummer bei ,Melier» Organs des B. d. L, feine »Korrespondenz", widmet der ReichSreglerung folgendes emgehende« Mißtrauensvotum:
Heute wird das von diesen unb auch von konservativen Obrem von der Bedeutung des Herrn v. Kröcher gehegte Mißtrauen in den weitesten Kreisen der deutschen Landwiri- schasl vollkommen geteilt. Da geht u. a. deutlich aus zahlreichen Zuschriften hervor, wetche an unseren Bundesvorstand, besonders auch an Dr. Hahn, anläßlich seiner klaren und deutlichen Aussprache im Adgeordnetenhauje gelangt sind. So schreibt z. B. ein Landmann au5 Westpreußen:
»Ich bm ein alter Agrarier noch von deS seligen Niendorf Reiten her, habe aber in der langen Zeit niemals eine solche Senugtuung unb Freude empfunden als jetzt, da eS durch Ihre Rede endlich dahin gekommen ist, das Laseltuck -wischen unS und dieser »unglaublichen" Regierung zu trennen.
ES wird mm wohl endlich auch in weiteren Kreisen die Aera der ewigen Höflichkeiten und Andeutungen von .Erschütterungen des Vertrauens" rc. gebrochen sein. Nein, ein Bettrauen besteht schon lange bei keinem halbwegs mit gesundem Blick begabten Landwirt. Es ist alles ein unwürdiges Hinhalten und bewußtes „Heber den Löffel barbieren", das mit unS getrieben wird. Daß dies endlich klipp und klar der Regierung gesagt wurde unb mit solcher Wirkung, dafür werden Ihnen Hunderttausende dankbar fein.
Wir können nur dann etwas erreichen, wenn die Regierung Furcht vor unS bekommt. Daß wir mit Loyalitäts-Versicherungen und scheinbarem Aufrechterhalten des Verttauens nichts erreichen, ist doch nun endlich offenbar."
Wir haben uns bemüht (fähtt die „Korrespondenz" sott), aut dem Briefe die größten Scharfen auszuschneiden, obgleich wir überzeugt sind, daß der Verfasser auch in Bezug auf diese schärfsten Aussälle recht hat, wenn er zum Schlüsse behauptet: „Biele Tausende empsillden das, ehe es einer niederschreibt 1"
Recht hübsch; namentlich die Offenherzigkeit, daß die Loyalitätsversicherungen ein-ustellen seien, da man mit ihnen doch nichts erreiche.
»Der Fall Krupp."
Unter diesem Titel ist soeben in München eine Broschüre erschienen, die wah-rscheinlich den ReichstagSabg. v. Bollmar -um Verfasser hat. Sie beklagt zunächst die bekannten Eingriffe des Grafen Ballestrem im Reichstag bei v. Vollmars Rede und giebt dafür, daß die Broschüre in München erschienen ist, als Grund an, der „Vorwärts" wolle nicht in eigener Sache das Wort führen» es scheine ihm richtiger, bei der großen Kaltblütigkeit >er süddeutschen Rechtsprechung sich an das Münchener ozialdemokrätische Organ zu wenden. Das Buch enthält in echs Kapiteln nichts wesentlich bemerkenswertes. Im ersten Kapitel wird die „Härte" des § 175 deS St.^.-B. besprochen, im zweiten der Fall Krupp chronologisch behandelt, im dritten erzählt, wie falsche Freunde Knrpp in eine unhaltbare Lage gebracht hätten, um chn namentlich mit dem Kaiser, der eben erst gewisse Verstimmungen überwunden hätte, wieder zu entfremden. Im vierten Kapitel wird erzählt, daß Krupp selbst Hand an sich gelegt habe: ein hervorragendes Mitglied einer staatserhaltenden Partei des Reichstages habe offen erklärt, Krupp hatte sich erschossen. Das letzte Kapitel behauptet, in dem angebahnten Verfahren gegen den „Vorwärts" hätte nicht der Ober-Staatsanwalt Zsenbiel die aktive Rolle gespielt, die ihm von einigen Juristen und einem Teil der ^reffe zugeschrieben sei.
Bo« der klerikale» Studnttruschast in Heidelberg spricht folgende Mitteilung der „Allg. Ztg.":
Die Kundgebung der Heidelberger Studentenschaft gegen die Angriffe des erzbischöflichen Ordinariats in Freiburg L Br. und der ultramontanen Presse auf die freie Wissenschaft und deren Vertreter soll gegen Ende dieser Woche dem Senate der Universität übermittelt werden. Ultramontane Studenten gaben sich in Verbindung mit einigen untergeordneten Organen des Universitätssekretariats alle erdenkliche Mühe, um die Adresse zu Hintertreiben. Die betreffenden Anschläge am schwarzen Brett der Heidelberger Universität wurden von diesen „Mujensöhnen" herabgerissen, bespuckt und beschmiert. Es half aber alles nichts; die unabhängigen Studenten sammelten nur um so eifriger Unterschriften, und so wird schon in den nächsten Tagen die Heidelberger Studentenschaft dem Beispiele der Karlsruher Kommilitonen folgen.
Ein neuer polizeilicher Uebergriff
tvird dem „Vorwärts" aus Ac a n n h e t ni gemeldet, wieder in der bekannten Form einer Gerichtsverhandlung, in der das Opfer des Uebergrisss aus der Anklagebank fernen Platz hatte, während der später durch das fteisprechende Erkenntnis für schuldig erklärte Steamte als Zeuge auftrat. Es heißt im „Vorwärts":
Ein schwerer Pol.zei-Uebergrifs fand am Montag vor dem hiesigen Schöffengericht seine Rektifikation. Vor einigen Wochen sistierte der Schutzmann Zeller aus der Neckarbrücke die auf einem Geschäftsgang befindliche Frau des Schuhmachermcifters Rhey unter der Anschuwigung der wiederholten Bettelei und führte sie zur Wache ab. Alle Unschulosbeieuerungen der g.äugstigttn Frau, deren Mann seit bald zehn Jahren ein eigene* Geschäft betreibt und in geordneten Verhältnissen leb., halfen nichts, der Schutzmann ließ sich int Gegenteil noch zu untätigen Redensarten hinreißen, die sich auf ihre bald zu er
wartende Niederkunft bezogen. Auf der Wache hiell man die Sistierte einige Zell zurück, bis es ihrem unterdessen auf Requisition eines Bekannten herbeigeeilten Ehemann gelang, ihre Entlassung zu erreichen. Die schwer gekränkten Eheleute suchten sich durch eine Beschwerde gegen den Schutzmann Zeller für die ihnen widerfahrene Un- bill Genugtuung zu verschaffen. Die Folge war eine polizeiliche Strafverfügung von drei Tagen Haft gegen Frau Rhey wegen Bettelns, und zwar wurde die Höhe dieses Sttafmaßes ausdrücklich mit ihrem „hart- näcki gen Leugnen (!) begründet. Gegen diese Verfügung, die mit dem Ergebnis der polizeilichen Nachforschungen, die die Unhaltbarkeit der Angaben des Schutzmanns nachwiesen,durchaus unvereinbar waren,appelliertL Frau Rhey an das ordentliche Gericht und erzielle damit vor den Schöffen nach kürzester Verhandlung ihre glatte Freisprechung unter Ueberbürdung der Kosten auf die Staatskasse. Alle Behauptungen des Schutzmannes wurden von den vereidigten Zeugen aufs schärffte widerlegt und sein Vorgehen gegen die Frau damit als schwerer Uebergriff charakterisiert.
Hoffentlich erfährt die Oeffentlichkeit bald, wie die vorgesetzte Behörde den Schutzmann, der eine ehrsame Frau ganz grundlos als Bettlerin bezeichnet und beschimpft hat, also für fein Amt völlig untauglich ist» bestraft und unschädlich gemacht hat.
Deutsches Reich.
Berkin, 5. Febr. Der Kaiser empfing heute den östreichisch-ungarischen Militär-Attachee zur Ueberreichung deS Militär-Schematismus und hörte darauf die Vorträge des Kriegsministeriums, des Generalinspekteurs der Festungen, des Chefs des Generalstabes bei Armee und des Chefs des Militärkabinetts.
— In der heutigen Sitzung des Bundesrats wurde den Ausschußanträgen betteffend Ergänzung und Abänderung der S ch a u m w e i n st e n e r - Ausführungsbestimmungen Zustimmung erteilt.
— Dem „Berl. Tagebl." wird aus Kiel telegraphiert: Für die Stichwahl tm 3. schleswig-holsteinischen Reichs- taKswahlkrei.se empfiehlt der antisemitische Kandidat seinen Wählern Stimmenthaltung. Der national- liberale Kandidat überläßt es seinen Wählern, Stimmenthaltung zu üben, oder chre Stimme für ben freifinnigen Kandidaten gegen den der Sozialdemokraten abzugeben.
— Die Abgg. Frhr. v. Hehl und Trimbor«, von Nationalliberalen und Zenttum unterstützt, beantragen zum Etat des Reichsamts des Innern: Der Reichstag wolle beschließen: den Reichskanzler zu ersuchen, dem Reichstage alsbald einen Gesetzentwurf vorzulegen, wonach der Titel 7 der Gewerbe-Ordnung wie folgt abgeändert wird: 1. der 8 (L35 Absatz, 3 erhält folgende Fassung: Junge Leute zwischen 14 und 18 Jahren dürfen in Fabriken nicht länger als zehn Stunden beschäftigt werden. 2. Der § 137 Abs. 2 erhält folgende Fassung: Die Beschäftigung von Arbeiterinnen über 18 Jahre darf die Dauer von zehn Stunden, an den Vorabenden der Sonn- und Festtage die Dauer von neun Stunden nicht überschreiten. 3. .Hinter den § 137 wird ein geschattet: § 13- 1. Jugendlichen Arbeitern und Arbeiterinnen darf Arbeit nach Hause nicht mit gegeben werden.
— Der erste Sozialdemokrat im Elsaß-Lothringischen Landesausschuß, Abg. Emmel, hat dieser Tage den Eid der Treue dem Kaiser und der Verfassung geleistet.
— Die Nationalliberalen, Konservattven, Deutschsozialen und der Bund der Landwirte im 18. Wahlweise des Königreichs Sachsen (Zwickau) haben die Re ichstags kan d i- datur dem Grafen Paul v. Hoensbroech angeboten. Ob Graf Hoensbroech die Kandidatur annehmen wird, dürfte zweifelhaft sein, da gegenüber dem sozialdemokratischen Kandidaten, der in der letzten Wahl nnt 7000 Stimmen Mehrheit durchkam, so gut wie keine Aussicht vorhanden ist.
Hamburg, 5. Febr. Wie der „N. H. B." aus Tsingtau telegraphiert und auf Nachfrage an zuständiger Stelle als richtig bestätigt wird, begründete die Hamburg-Amerikalinie mtt Rücksicht auf die Entwickelung ihres oftasiati- schen Dienstes Anfang nächsten Monats in Tsingtau eine eigene Niederlassung.
Heer und Flotte.
Die französische Militärbekleidungskom- mission, die unter dem Vorsitz des General Gillain, Direktors des Generalstabs der Kavallerie, seit längerer Zeit über eine zweckmäßige Umgestaltung der französischen Uniformen beratet» wird alsbald ihre Besprechunaen beendet haben. Ein Mttglied der Kommission hat sicy dahin ausgesprochen, daß zunächst die Abschaffung aller Metallknöpfe vorgeschlagen wird und daß diese durch Hornknöpfe ersetzt werden sollen, um sich dadurch dem Feinde gegenüber möglichst unsichtbar zu machen. Aus dem gleichen Grunde sollen die roten Hosen völlig beseitigt werden, sobald der vorhandene Vorrat an rotem Tuch aufgebraucht ist; an ihre Stelle sollen blaueHosen in oer Farbe der jetzigen Marinejacken treten, und zwar gleichzeing in der ganzen französischen Armee. Außerdem will die Kommission eine Reihe Einrichtungen Vorschlägen, die dazu dienen sollen, die mechanischen Arbeiten der Mannscyaft zu erleichtern. Die neue Uniform soll so einrach wie möglich und für alle Waffengrade gleich gehalten fein. ________________________
Auslaut».
London, 5. Febr. 2vie man aus Bloemfontein erfährt, hat Gvrdon Sprigg mitgeteilt, daß er bei seiner
Rückkehr noch Kapstadt die Liste der augenblicklich im Gefängnis schmachtenden Rebellen veröffentlichen und eine allgemeine Amnestie Vorschlägen werde. Nur gemeine Verbrecher würden davon ausgeschlossen.
— Eine Anzahl betonter Amerikaner gründete eine Flotten-Liga in den Vereinigten Staaten, deren Präsident der frühere Marinestaatssekretär Tracy ist.
Antwerpen, 5. Febr. Der seit einiger Zett flüchtige Sozialistenführer und Präsident der hiesigen Dockarbetter- schast Boy ist aus Holland, wohin er geflüchtet war, wieder zurückgekehrt und hat sich freiwillig den Behörden gestellt. Er erklärt, er sei von seinen Anhängern verlassen worden und mittellos; er wolle lieber wieder ins Gefängnis .wandern, als diesen Zustand länger ertragen.
B u d a p e st, 5. Febr. Biel besprochen wird die heutige Rede des Grafen Julius Andrassy über die Wehr- oorlagen im Abgeordnetenhaus. Es kam während dieser Rede zu stürmischen Unterbrechungen; als Graf Andrassy die deutsche Dienstsprache in der Armee in Schutz nahm, ertönten die Rufe: „Schämen Sie sich! Ein An«, drassy gegen die ungarische Sprache! Ziehen Sie nach Wien in den Reichsrat! Ihr Vater hätte nicht so gesprochen. Der Avfel ist wett vom Baume gefallen! Das ist der Weg zum Ministerpräsidium!" Graf Andrassy verwahrte sich gegen die Verunglimpfung seines Ungartums und richtete unter abermaligem Lärm an die Opposition die Mahnung, von der Obstruttion abzustehen; im vorliegenden Falle sei dies ein Mißbrauch der Geschäftsordnung, der die Gefährdung des Parlamentarismus bedeute. Die Rede Anbrassys hatte zwei Ehrenaffären zur Folge, die jedoch bei* gelegt wurden.
Konstantinopel, 5. Febr. Die bulgarische Bande, welche letzthin in Ochrida im Vilajet Monasttt kämpfte, wurde keineswegs aufgerieben, sondern sie tritt oberhalb des Presba- und Ochrida-Sees wieder auf. Nachstehende Meldung betrifft wahrscheinlich dieselbe Bande: Samstag und Sonntag fanden Kämpfe zwischen einer Bande und einem türkischen Detachement bei Jsbitsche in Resrija statt, wobei auf beiden Seiten je fünf Mann getötet wurden. Die Bande ist wieder entfommen. Bei Goruttschewo befreite eine Bande drei von Gendarmen nach Monasttr eskortierte Bulgaren; auch bei Kastoria ist eine Bande angeblich unter Dawidow aufgetaucht. Das Bandenunwesen wächst zweifellos, doch müssen die diesbezüglichen Meldungen krittsch beurteitt werden, da eine leicht bewegliche Bande wiederholt angezeigt wird, die in verschiedenen Gestalten erscheint und außerdem sowohl die Bevöllerung und die Hokalbehörden als auch die Verfolgungsdetachements vielfach übertriebene Angaben machen
Tanger, 5. Febr. Die Gefangennahme Bu Hamaras ist seit 36 Stunden unbestätigt geblieben. Es toirb behauptet, daß er im letzten Augenblicke nach hef- ttgem Kampfe von Riatas befreit wurde.
Jui|e von Toscana.
♦ Aus der Umgebung der Kronprinzessin Luise wird mitgeteilt, daß Giron sich bemüht, die Prinzessin von ihrer beabsichtigten Reise nach Salzburg oder Dresden abzuhalten, da er befurchtet, sie werde in Deutschland verhaftet werden. Die Prinzessin soll Giron jedoch erklärt haben, ihre Mutterliebe übersteige alles. — Der Rechtsbeistand der Kronprinzessin, Rechtsanwalt Dr. Zehme, ist auf telegraphische Berufung nach Genf abgereist. — Das mit größter Bestimmtheit auftretende Gerücht, daß die Kronprinzessin am Krankenlager ihres Sohnes in Dresden eingetroffen sei, wird nach eingezogenen Erkundigungen als unzutreffend bezeichnet. — Man wundert sich, daß die Kronprinzessin und Giron in Genf in einem Hotel zweiten Ranges abgestiegen sind, anstatt ihre ftühere Wohnung im Hotel d'Angleterre zu beziehen. Als Grund hierfür wird angegeben, daß der Genfer Aufenthalt nur sehr kurz sein wird. — Lachenal hat täglich mit der Prinzessin und dem ehemaligen Erzherzog Leopold Ferdinand längere Unterredungen. Wie dem »Dr. Anz." zuverlässig mitgeteilt wird, wurde Lachenal in Genf vom sächsischen Hof verständigt, er solle der Kronprinzessin mitteilen, sie dürfe weder die sächsische noch die österreichische Grenze überschreiten.
Das soeben ausgegebene vierte Stück des Gesehverord^ nungsblattes für das Königreich Sachsen vom Jahre 1903 enthält eine königliche Verordnung vom 14. Januar 1903 über die Verzichterklärung der Kronprinzessin Marie Luise Antoinette Marie, sowie eine königliche Verordnung vom 27. Januar 1903 über eine Aenderung der Verordnung vom 30. Dezember 1902, die sich auf die fron- prinzliche Ehescheidung bezog.
Wie der Genfer Korrespondent der „Franks. Ztg." von zuständiger Seite erfähtt, hat die Kronprinzessin den Verzicht auf das Scheidungsverlangen noch nicht ausgesprochen, doch wäre dies möglich, da ihrer Heirat mit Giron immer größere Schwierigkeiten durch Dresden in den Weg gelegt werden und sie zu ermüdet ist, um diese ihr einzig möglich scheinende Lösung ihrer Angelegenheit durch völlige Aufopferung ihrer Gesundheit zu erkämpfen.
Der über den Zustand des Prinzen Friedrich Christian am 5. d. Mts. ausgegebene Krankenbericht lautet: In der vergangenen Nacht Hal Prinz Friedrich Christian sehr wenig geschlafen und lebhaft geträumt. Die Temperatur, ivelche sich im Laufe des gestrigen Tages in mäßigen Grenzen bewegt Halle, steigerte sich im Laufe bei Abendstunden und der Nacht so, daß mehrere gelinde


