Ausgabe 
6.1.1903 Erstes Blatt
 
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Erstes Matt.

153. Jahrgang

Dienstag 6. Januar 1903

ES

53

Nr. 4

Grschei«!

oufeet SonnlagS. Dem Biehener Anzeiger werden im Wechsel mit dem keffifchen Landwirt die Siebener Familien, blätter viermal in der

Woche beigelegt.

MotationSdruck u. Ver­lag der Brühl 'schon !Untvers.-Buch- u.Stein- £ ruderet (Pietsch Erben» Redaktion, Expedition und Druckerei:

Schulstratze 7.

Adresse für Depeschen:

Anzeiger «letzen.

FrrnsprechanschlußNr.öl.

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GletzenerAnzelgerW

General-Anzeiger SS

A-vT i . den polit. u. all gern. Teil

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Stehen

_______________________________________ ____ ________ zeigenteil: HanS Beck.

KrKanntmachung.

Betreffend: Vorträge über Obstbau.

Der Obstbautechniker des Oberheff. Obstbauoereins, Herr Wiesner auS Friedberg, beabsichtigt, die nachbenannten Orte des Kreises Gießen zu besuchen, um Borträge über Obstbau ju halten, und an Obstbäumen praktische Unterweisungen zu erteilen.

Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag, SamStag, Sonntag, Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag, SamStag, Sonntag,

In Alten-Buseck, Staufenberg, Weitershain, Stangenrod and Ober-Beffingen finden Gratisverlofungen von einigen Obstbäumen an erschienene Mitglieder statt. Den Herren Bürgermeistern und Obmännern gehen hierüber besondere Mitteilungen zu.

Zahlreiche Beteiligung ist erwünscht.

Gießen, den 5. Januar 1903.

Der Vorsitzende des Vereinsbezirks Gießen des Oberheffischen Obstbauvereins:

Dr. Heinrichs.

den

12. Januar

in

Alten-Buseck. Verlosung.

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Staufenberg. Verlosung.

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Lollar.

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Allendorf a. b. Lumda.

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Weitershain. Verlosung.

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Lumda.

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Geilshausen.

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Beltershain.

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Stangenrod. Verlosung.

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Göbelnrod.

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Lauter.

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Grünberg.

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Ettingshausen.

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Ober-Beffingen.

Bekanntmachung.

Betr.: Ausführung des Reichsgesetzes vom 28. Mai 1894 über den Schutz der Brieftauben und den Brief­taubenverkehr im Kriege.

Gemäß § 8 Abs. 2 rubr. Gesetzes bringen wir hiermit die Namen der Mitglieder des Brieftauben-Klubs Gießen, welch letzterer dem Verbände deutscher Bneftauben-Liebhaber- Vereine angehört und somit seine Tauben der Militärverwal­tung zur Verfügung gestellt hat, zur öffentlichen Kenntnis­nahme.

Gießen, den 6. Januar 1908.

Großherzogliches Pottzeiamt Gießen.

Hechler.

1. Möser, Wilhelm, Mühlenbesitzer, Rodhennerstraße 18.

2. Forbach, Georg, Bäckermeister, Marktstraße 11.

3. Neuling, Karl, Weißbindermeister, Steinstraße 72.

4. Hecker: Johannes, Schuhmachermeister, Wolkengaffe 20.

5. Schwan, August, Weinhändler, SelterSweg 64.

6. Schlitt, Johannes, Zugführer, Mittelweg 2.

7. Rosenbaum, Fr., Schreinermeister, Löwengaffe 10.

Kus dem neuen Neichshausßatts-Ktat.

Der Etat deS allgemeinen Pensionsfonds weist an fortdauernden Lkusgaben in der Verwaltung des Reichs­heeres auf 62 720525 Mk. (mehr 2111530); davon ent­fallen auf Preußen 55 771900 Mk. (mehr 1944 600), Sachsen 4 084 850 (mehr 129 970), Württemberg 2 863 775 (mehr 36 960) Mark. Das Reichsmilitärgcricht erfordert 4377 Mk. (mehr 3858), die Marine 4 819 454 Mr. (mehr 426 500), die Zivilverwaltung 2050884 Mk. (mehr 202 274). An sonstigen Bewilligungen sind 90 000 Mk. (mehr 40 000) zu Beihilfen für ehemalige französische Militärpersonen und deren Hinter­bliebenen eingesetzt. Die Gesamtausgaben belaufen sich dem­nach auf 69 685 240 Mk. (mchr 2 780823).

Der Etat für das Reichsschatzamt weist an Ein­nahmen 4 404 580 Mk. (minus 312 670) auf; die fort­dauernden Ausgaben sind auf 548 718 600 Mk. (minus 15 529 400), die einmaligen Ausgaben auf 1300 Mk. (minus 13 710) berechnet. Die Ueberweisungen an die Bundes- staaten sollen 542 092 000 Mk. (minus 14143 000) betragen, und zwar 354 928000 Mk. (minus 10 883) aus dem Ertrage der Zölle und Tabaksteuer, 108 667 000 (minus 1925 000) auö dem Ertrage der Verbrauchsabgabe für Branntwein und Zuschlag dazu 78 497 000 Mk. (minus 1335 000) aus dem Ertrage der Reichsstempelabgaben.

Der Etat des Reichsmilitärgerichts erfordert an fortdauernden Ausgaben 518 700 Mk. (21026 Mk. mchr als im Vorjahr), abzüglich der von Bayern allein zu tragen» dm bayerischen Kosten. Ein Teil der Mehrausgaben ist aus die Umwandlung einer außeretatsmäßigen in eine etats- mähige Stelle zurüctzuführen.

Der Etat für das preußische Reichsmilitärkon- tin gen t und die in preußische Verwaltung übernommenen übrigen Kontingente weist für 1903 auf: ordentliche Ein­nahmen für Rechnung der Bundesstaaten ausschließlich Bayerns 11445 052 Mk. (mehr 1408135 Mk.), für Rech­nung der Gesamtheit aller Bundesstaaten 866 8v6 Mk. (mehr 158 791), an außerordmtlichen Deckungsmitteln, namentlich aus dem Berkaus von Festungsgelände 4 565 959 Mk. (mehr 309 773 Mk.). Die fortdauernden Ausgaben belaufen sich aus 448160 814 Mk. (mehr 5 451 773 Mk.). Bei KapitelGeld­verpflegung" wird bemerkt: Die aus Mangel an Kavallerie bei einzelnm Verbänden sich ergebenden Mißstände be­nötigten unbedingt Abhilfe, um durch Zusammmfassung der vorhandenen Eskadrons Jäger zu Pferde den dringensten Notstand beseitigen. Es solle aus fünf Eskadrons in Posen ab April 1903 ein Regiment und aus den Eskadrons Nr. 117 ab Oktober ein Detachement in Graudenz wie 1900 in Langensalza gebildet werden. Auch habe sich die Errichtung von vier Fußartilleriekompagnien ab Oktober 1903' infolge weiterm Ausbaues des Landesverteidigungs- systems als unaufschiebbar erwiesen. Zur weiteren Ent­wicklung des Selbstsahrerwesens, dessen Verwendbarkeit für Militär erwiesen ist, roerben 100000 Mk. gefordert. Beim Militürbildungswesm werden 103 000 Mk. für eine mili­tärische Hochschule verlangt. Diese Forderung wird in einer Denkschrift begründet. M> 1906 werden die dauernden Kosten

8. Wiegand, Frz., Schreinermeister, Neuenweg 81.

9. Henkel, Heinr., Metzgermeister, Wallthorstraße 27.

10. Rüger, Max, Friseur, Wallthorstraße 6.

der Hochschule auf 311000 Mk. veranschlagt. Das Jahr 1904 würde 400000 Mk. erfordern. DaS Wiffensaebiet der Militärtechnik werde auf den bestehenden Hochschulen un­genügend behandelt; die Heeresverwaltung müsse einen ent­scheidenden Einfluß auf das Studium der Offiziere aus­üben Tonnen. Die Dauer des Studiums wird aus Drei Jahre bemessen, für den Unterricht sollen drei Abteilungen ge­bildet werden, eine Abteilung für Waffen und Munition, eine Abteilung für Ingenieurrvesen, eine Abteilung für Verkehrswesen. Tie erste Abteilung solle im dritten Jahre in eine Konftruktions- und eine ballistische Abteilung ge­trennt werden. Die Schule soll in Berlin ihren Sitz haben. Tie Eröffnung ist im Oktober 1903 im Gebäude der Ar­tillerieschule geplant. Tie einmaligen Ausgaben des Ordi- nariums belaufen sich auf 34 064 608 Mk., weniger 5 868 879.

Unter den Kasernen-Neubauten werden eine erste Rate von 500 000 Mk. für die Kaserne des Eisenbahn- Regiments in Schöneberg und eine solche von 100000 Mk. sür Ersatzbauten in Glogau infolge der Auflassung der Stadt­umwallung, ferner erste Raten für eine Kaserne in Mühl­heim, das Generalkommando in Frankfurt a. M, eine Ka­valleriekaserne in Rosenberg für die vorläufige Unterkunft einer Eskadron Jäger in Graudenz verlangt. Die ein­maligen Ausgaben der Artillerie erfordern mit 11600800 Mark gegen das Vorfahr 1479 227 Mk. weniger. Für (Sai­ni ton bauten in Elsaß)-Lothringen sind 4198 700 ML, weniger 866 120 Mk., an gesetzt. Im Extraordinarium werden 23 246 900 ML, mehr 4 661050 ML, gefordert Der Etat des sächsischen Kontingents weist an Einnahmen für Rech­nung der Bundesstaaten ausschließlich Bayerns 353 135 ML und an fortdauernden Ausgaben 4 224 681 ML auf, mehr 832 497 ML, an einmaligen Ausgaben des OrdinartumS 6 468 573 ML, weniger 2 095 089 ML, des ExtraordinariumS 406 531 ML, weniger 206 115 Mk. Ter Etat des württem- bergischen Kontingents weist an Einnahmen für Rechnung der Bundesstaaten außer Bayern wie im Vorfahre Iw 515 Mark an fortdauernden Ausgaben, 21299 479 ML, mehr 216 800 ML, an einmaligen Ausgaben deS Ordincrriums 1407 540 ML, weniger 181825 ML, auf. Der Marine-Etat für 1903 weist wie im Vorjahre 578 927 ML Einnahmen auf. Die Summe der fortdauernden Ausgaben ist ver­anschlagt auf 93 396 340 ML. gegen das Vorjahr mehr 6 536 937 ML, darunter für Geldverpflesung ber Marine­teile 20972019 ML, mehr 1482 873 ML, Jndiensthaltunaen 23951621 ML, mehr 1983 143 ML, Instandhaltung der Flotte und Wersten 24072354 ML, mehr 1269 187 ML

Im Reich smarineamt soll ein KvristruktionA-De- hartem ent und Waffendepartement neu errichtet werden. Ter Etat führt aus: Die Personalvermehrung beträgt ebenso wie in den beiden Vorjahren etwa y* mehr als die ur der Begründung des FlottengesetzeS ermittelte TurchschnittS- quote. Außerdem ist ein Zugang von 120 Köpfen für FunLn- telegraphie erfvrderlüch Tie Gründe für die anfänglich stärkere Personalbermehrung enthalt die Begründung des Flottengesetzes auf Seite 11. Neu gefordert werden 115 Seeoffiziersstellen, darunter 1 Vizeadmiral, 24 JNgenieur- ftellen, 11 Sanitätsoffiziere. Unter den einmaligen Aus­gaben erscheinen neben einer Anzahl weiterer bezw. Echluß- raten für begonnene Schiffe folgende erste Raten: für die Linienschiffe M und N je 2 600 000 ML, den großen Kreuzer

Aas Elternhaus von Kerman» Kelmholtz.')

.... Helmholtz wurde, nachdem er bei der wissenschaft­lichen Prüfungskommission in Berlin fein Examen abgelegt, an das Gymnasium zu Potsdam berufen und erhielt am 1. Oktober 1820 seine Bestallung als Oberlehrer, Ostern 1827 als Subrektor und im Februar 1828 das königliche Patent als Professor.

Unmittelbar nachdenr er seine Stellung am Gymnasium angetreten, heiratete er am 5. Oktober 1820 Fräulein Karo- line Penne, die am 22. Mai 1797 geborene Tochter eines hannoverischen Artillerie-Offiziers in mämrlicher Linie von dem bekannten amerikanischer: Bürger William Penne, von dem der Name Pennsylvanien herrührt, in weiblicher aus einer zum Refuge gehörigen Familie Sauvage ab­stammend, mit der er in glücklichster Ehe bis zum Jahre 1854 vereint lebte, und die in treuer Erfüllung ihrer Pflichten als Mutter und Gattin ihrem Manne den schweren Beruf erleichterte, der durch Pflicht und eigene Gewissen­haftigkeit auf ihm lastete.

.... Sein Beruf war schwer, denn gar strenge herrschte in Preußen das Regiment der Vorgesetzten. Noch ist uns die für die strenge Disziplin im preußischen Beamtenstande und für den Geist, in dem die l-eranwachsende Jugend erzogen wurde, charakteristische Antwort des Konsistoriums erhalten auf die in einer Eingabe ausgesprochene Bereit­willigkeit des jungen Lehrers, der allgemeinen Witwen­kasse beizutreten:

Ihre Eingabe ist dem Inhalt nach ungenügend und rücksichtlich der Form höchst tadelnswert. Es lag Ihnen ob, bestimmt zu erklären, und sich dadurch zu verpflichten, daß Sie Ihre künftige Gattin bei der allgemeinen Witwen- versorgungsanstalr zu einer Pension von wenigstens 100 Talern ein kaufen würden, daher die Erklärung, daß Sie entschlossen wären, sich zum Einkauf Ihrer Gattin zu ver-

Mir veröffentlichen hier, mit gütiger Erlaubnis der Verlagsbuchhandlung, einen Auszug aus dem ersten Kapitel einer -Biographie von Hermann v. Helmholtz, die sein Schüler und Freund, der Professor der Mathematik an der Universität Heidelberg Leo. Koenigsberger verfaßt hat und deren erster Band in diesen Tagen (im Verlage von Friedrich Viekoeg und Sohn in Braunschweig) erschienen ift SX Red.

pflichten, einleuchtend nicht genügt. Jene Erklärung er­warten wir also noch binnen 8 Tagen. .... Was die Form betrifft, so mußte es Ihnen bekannt sein, oder wenigstens das Schicklichkeitsgefühl Ihnen sagen, daß eine offizielle Erklärung ober Eingabe an ein Landes ko l le gium nicht auf einem ettizelnen Blatte, sondern auf einem ganzen Bogen abgefaßt sein muß. Das von Ihnen eingereichte Blatt trägt die Beweise der größten Unaufmerksamkeit und der Vernachlässigung der Ehrerbietung, welche Sie Ihrem vorgesetzten Landeskollegio und dessen Chef, von welchem der Bescheid vom 3. d. M. ausgegangen war, schuldig sind. Wir können nicht umhin. Sie hierauf der Folgen wegen aufmerksam zu machen und Ihnen die Beobachtung der Anständigkeit und des Dienswerhältnisses wohlmeinend an­zuraten."

Wer derartige Zurechtweisungen nahm der junge preußische Beamte mit der ihm angeborenen Achtung vor den Anordnungen der vorgesetzten Behörden ruhig hin. Er ergab sich mit Liebe und Freude seinem Lehrerberuse, unterrichtete im Deutschen und in der Philosophie, über­setzte und interpretierte seinen Schülern Plato, die Odyssee, Ooid und Virgil, selbst der mathematische und physikalische Unterricht wurde ihm in den oberen Klassen vier Jahre hin­durch aiw er traut, und er widmete sich auch diesem, wie der damalige Direktor Blume ausdrücklich der Behörde gegen­über bezeugt hat, mit regem Eifer und voller Hingave, und trotz dieser fast erdrückenden Beschäftigung behielt er noch hinreichende Zeit, um sich ber Malerei zu widmen, ohne je darin Unterricht genauen zu haben, philosophische Studien zu treiben und eine Reihe von wissenschaftlich interessanten Programmabhandlungen zu verfassen:lieber die erste Entwickelung der Hellenen",Die Wichtigkeit der allgemeinen Erziehung für das Schöne",lieber die ge­schichtliche Aufgabe des nächsterr Jahrhunderts" undDie Araber, geschildert aus der Hamasa", welche später auch die volle Anerkennung hervorragerider Phcko-logen gefunden haben.Er besitzt eine vortreffliche ästhetische Bildung, die sich auf umfassende literarische Studien stützt, ist von allgemeinem wisreirschaftlichem Interesse beseelt, sein Unter­richt ist anregend und fordernd, und er zeigt durchweg eine gebildete innerliche Individualität", so lautet der offi­zielle Direktorialbericht, und es wird darin weiter sein wohltätiger Einfluß auf die Gesinnung und das Streben der Schüler nicht minder dervorgehoben. als es jetzt aus

dem Munde von noch lebeirden Sckülern geschieht, von denen sich viele in den angesehensten Lebensstellungen befinden.

DaS Brotstudiunr, wie er selbst seine Philologie be­zeichnete, scheint, soweit es das Latein betrifft, in der Tat nur ein solches gewesen zu fein, hingegen war er em be­geisterter Hellenist und wirkte auf seine E^mnafiasten da­durch kräftig ein, daß er sie ytm Erfassen der poetischen Schönheiten anzuregen suchte, anstatt die bloß gram­matische Seite zu kultivieren. Daß er mit Vorliebe der griechischen Sprache sich hingab, währerrd er den ge­wünschten, schon von seinen Lehrern im Frieü-richK-Gym- nasium bei ihm vermißten Ciceronianischen Stil sich nie anzueignen vermochte, suchte er später häufig, den An­schauungen feines großen Sohnes folgend, dadurch zu er­klären,daß auch oas' Sprachtalent nicht ein einiges sei, sondern, wie alle anderen geistigen Funktionen, eine Addi­tion verschiedener Summanden".

. . . Aber neben aller Gewissenhaftigkeit des Pädagogen brach doch noch oft der Feuereifer des begeisterten FreihettS- kämpsers durch. Auf Bitten der Schüler ließ er sich einmal verleiten, drei Stunden des deutschen Unterrichts, den er als Ordinarius in der Sekunda gab, dazu zu verwenden, den Schülern eine Schilderung der geistigen Erhebung zu geb«:, welche vor 1813 im preußischen Volke herrschte; in Begeisterung jubelten ihm alte zu. Mer der Direktor erfuhr davon, und der so beliebte Lehrer erhielt einen Verweis, sowie Androhung sofortiger Entlasfung, wenn etwas Aehn- liches noch einmal vorkonunen soUte. Es war die Zeit in der Mitte der 40er Jahre, in welcher der Druck kirchlicher und staatlicher Zteattion schwer auf dem preußischen Volke lastete, die in Potsdam vornehmlich den sogenannten Treu­bund als Frucht zeitigte, dem auch der Direktor der Anstalt und mehrere Lehrer derselben angehörten.

. . . .So entrollt sich allmählich vor uns ein Bild von Ferdinm:d Helmholtz, das es uns verstehen läßt, lvenn sein bester Freund, mit dem er ein langes Leben hindurch in stetem Briefwechsel gewesen und gemeinsam so manche Reise unternommen, Im. Herm. Fichte, der Sohn von Joh. Gottlieb Fichte, und seit 1842 Professor der Philosophie in Tübingen, später in fast überschwänglicher Weise es auS« spricht,nm wie unverwelklicher, stets gesteigerter Liebe er ihm zugethan sei, und daß ihre gegenseitige Liebe für ihr beiderseitiges Leben von den wichtigsten Folgen ge- blieben ist"-