Ausgabe 
5.12.1903 Drittes Blatt
 
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Nr. 28G

Drittes Matt. 153. Jahrgang

Samstag 5.Dezember 1803

Erschein: täglich mit Ausnahme des Sonntags.

Dtöicfoctu Familienblätter'" werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der »Hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal.

Gieße«? Anzeiger

Verantwortlich für den allgemeinen Teil: P. Witt ko; für den Anzeigenteil: H. Beck.

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen Universitätsdruckerei (Pietsch Erben), Gießen.

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für Len Ureis Sietzen.

Kas alte Kiehener Regiment

v. Tr. K a r l E b e l.

(Nachdruck verboten.)

Bor kurzem ist im Berlage von A. Barch in Berlin eineGeschichte des Jnsanterie-Leibregiments Großherzogin (3. Großh. Hessisches Nr. 117^ unb seiner Stämme 1677 bis 1902 von A. Keim, Generalmajor a. T." erschienen, die für uns Gießener ganz besonderes Interesse hat. Ist doch das Regiment ursprünglicv ein Oberhessisches gewesen, und hat es doch 124 Jahre lang, von seiner Errichtung bis 1821 in unserer Stadt garnisoniert. Mit großem Fleiße hat der Bersajjer aus Archiven und Privatbesitz sein Material zusammengetragen und, soweit es überhaupt möglich war, für die Kriegsgeschichte des Regiments Boll- ständigkeit erreicht. Mag dies für einen Offizier das Wich­tigste sein, so interessiert andere Leser z. B. auch das Leben in der Garnison, das Verhältnis der Truppe zur Bürger- schäft und Aehnliches. Diese Seite der Regimentsgeschichte ist aber in dec Darstellung zu kurz gekommen. Wir hören nur ganz wertig von dem Auseüthalt der Truppe in der Garnison und haben fast den Eindruck, als ob sie über­haupt kaum zu Hause gewesen sei, was doch nicht der Fall ist. Ein weiterer Mangel des Buches, der oft störend wirkt und der ganz leicht hätte beseitigt werden können, sind die vielen Druckfehler. So heißt der Kommandeur des Regiments von 17491753 von Rodenhausen, wie in der Liste der Offiziere auch richtig angegeben ist; im Texte aber erscheint er überall als Bodenhausen (S. 66, 67, 68). lieber die Methode des Verfassers kann man verschiedener Meinung sein. Das Buch ist nicht systematisch gegliedert, sondern chronikalisch angelegt. Infolgedessen wird der Fluß der Erzählung von den Talen des Regiments des öfteren unterbcochen durch die Darstellung organisatorischer Vor- gänge, der Uniformierung, des Exerzierreglements ujw. Marr wird aber dem Verfasser zugeben müssen, daß er für die Wahl dieses Weges feine guten Gründe gehabt hat, denn das Eine ist meist vom Anderen kaum zu trennen, ja oft zu dessen Illustrierung notwendig.

Was nun den Inhalt des Buches angeht, so macht die Darstellung den Eindruck der Zuverlässigkeit. Von der gedruckten Literatur ist das Wichtigste offenbar benutzt, obgleich die Nachprüfung durchs den Mangel an Nach­weisen erschwert wird. Daß der Verfasser in der Kriegs­geschichte Vollständigkeit erreicht, habe ich schon bemerkt. Seine Schilderung gewinnt aber an Lebcndrgteit dadurch, daß er oft die Quellen selber zu Worte kommen läßt und Berichte von Augenzeugen im Texte abdruckt. Hier­durch wird das Buch ganz besonders wertvoll. Alles in allem darf das Regiment zu seiner Geschichte beglück- kvünscht werden.

Im folgenden will ich versuchen, aus dem Inhalt des Werkes das für die Leser desGießener Anzeiger'' besonders Interessante hervorzuheben, und am Schlüsse einige Mittelungen aus den Akten des städtischen Archivs unb mir bekannt gewordener gedruckter Literatur machen.

L

Die Stammtruppen des am 10. Jüni 1697 errichteten Regiments sind: 1) Drei Kompagnien, die im Verbände des 1. Oberrheinischen Regiments zu Fuß einen Teil des hessischen Kontingents der Reichsarmee bildeten, mit dem Regiment während der Jahre 16771697 15 Jahre im Felde gestanden und an der Donau gegen die Türken in den Schlachten von Wien und bei Mvhacz, dann am Rhein und in den Niederlanden in den Belagerungen von Mainz und sJcamur gekämpft hatten. 2; Drei in den Jahren 1693 und 1691 errichtete Kompagnieen des Regi­ments von Sehrautenbach (fe^t 115), die dieses Regiment an das neu zu bildende abgab. 3) Zwei neu errichtete Kompagnieen. , .

Als Garnison wurde dem neuen Regiment Giegen, damals die stärkste Festung des Landes, angewieseti. Sern erster Inhaber war der vierjährige Prinz Karl Wilhelm, der zweitälteste Sohn des Laudgrasen Ernst Ludwig. Ter kleine Prinz bezog das Gehalt eines Obersten und eines Kompagniecyess, denn es war üblich, daß der Regiments- Jnhaber, der Kommandeur und die übrigen Stabsoffiziere neben ihren Stellen auch noch die Stelle eines K'ompagnie- chess versahen und das entsprechende Gehalt dafür er­hielten Rcgnnenlsvommandeur wurde Obristleutnant Hart­mann Samuel Hoffmann (.päter als Hoffmann v. Lowen- seld) geadelt) vom Regiment Schrautenoach, ein tapperer und begabter Offizier. (Hoffmann stammte aus Grunberg. Er selber oder sein Sohn taufte sich in Burkhardsfelden an, wo man heute noch das stattliche Herr;chaftshaus zeigt. Auch andere Erinnerungen an die Familie finden sich in dem Ort.) Die acht Kompagnien des Regiments zählten 24 Offiziere, je einen Lleglmentsquarbiermeister, Adiutanten uno Feldscheer und 574 Mann. Den Dienst des Feldpredigers ver;ah der Garnisonsprediger Profeftor Gernand. Die Uniform bestand aus dunkelblauem Rock mit weißem Kragen, weißen Aufschlägen und Knöpfen. Tie Aermelweste war gleichfalls weiß. Die Hosen waren dunkelblau und eng, die Strümpfe hellmau und die Schuhe lederfarben. Die Bewaffnung Mio eien Stemfchloßgewehr und Degen, der an naturbraunem Lederzeug geiragen wurde, Die Kleiduna der Offiziere war ähnlich, aber nicht gleichförmig. Ihre Bewaffnung bestand bei Kapitän, Leut­nant und Fähndrich in Spomon und Degen. Die Unter­offiziere führten statt der Gewehre Hellebarden. Jede Kompagnie besaß eine Fahne von weißer Favbe mit dem blau und rot gestreiften hessischen Löwen in der Mitte.

Bald nach der Errichtung, 1698 und 16^9, wurde der Bestand der Truppe um drei Kompagnien und die Släcie der übrigen Kompagnien, die im Augup 169, je 100 Mann betragen hatte, auf je 74 Mann herabgesetzt, aber im folaeiwen Jahre wieder auf die alte Stärke erhöht.

Tas Regiment führte den Namen seines ^nl-abers Vrin-r Karl Wilhelm", erhielt aber 1702 die Bezeichnung "Zas Oberrheinirche Hessen-Darm.Dorische Kreisregiment", ein Name, der ihm bis ins 18. Jahrhundert hinein ver- blieb. In der Garnison versah es den Wach-tdienst, doch bildete es nicht allein die Besatzung, vielmehr yatte Gießen noch einige besondere Garnisontompagnien. Dafür gab

das Regiment stündige Kommandos nach Ädainz (2. Komp.) bis 1736 und nach der freien Reichsstadt Worms (1. Komp, bis 1732 ab. Bei einer Besichtigung, die von einer Kom Mission zur Musterung der Kreisrruppen vorgenommen wurde, trat unser Regiment in Gießen 1726 mit 8 Kom pagnien an; eine davon war aber nur eine Garnison- tompagnie, die ihm vom Stadtkommandanten für diesen Taggeliehen" worden war. Indessen sand die Kom­mission das Regiment in tadelloser Berfaffung und lobte besondersdaß es durchweg aus lauter großen auserlesenen schönen Leuten in gleichem Wuchs bestände, die alle egal armirt und montirr sehen." Gleich gut fiel eine zweite Besichtigung im Jahre 1752 aus, infolge deren der Kreis beschloß, Me Kreis-Kontingente nach demExerzier-Usus" des Hessen-Tarmstüdtischen Regiments emzuüben. Chef und erster Obrister" war damals seit 1736 Prinz Georg Wil­helm, nach dem das Regiment (oft auch kurz als Prinz Georg^Regiment) benannt wurde. Der Bruder des Prinzen, Erbprinz Ludwig, war ein Bewunderer Friedrichs des Großen und stand in dessen Kriegsdiensten. Seinem Ein­fluß ist die 1752 erfolgte Einführung der preußischen Montur und des preußischen Exerziriums bei den hessischen Truppen zuzuschreiben. Als Lehrmeister wurden die Offi­ziere unseres diegiments mit der Einüburrg des Regiments Erbprinz" (früher v. Schraudenbach- betraut, ein Beweis für ihre hervorragende Tücktigkeit. Nach dem Regierungs­antritt Ludwigs IX. (1768) wurde abermals eine Aenderung der Uniformen nach preußischem Schnitt vorgenommen, wo- bei die weiße Farbe der Kragen, Auffchläge und Klappen der ziegelvoten weichen mußte. Auch wurde das preuß sche Exerzierreglement jetzt vollständig eingefichrt. Ter Sohn dieses Landgrasen, Ludwig X., fand bei dem Tode seines Vaters vier Jnsanterie-Regimenter vor, von denen zwei nur aus je einem Bataillon zu fünf Kompagnien bestanden. Ties waren unser Regiment und oas Regiment Landgraf, die der Fürst nunmehr zu einem Regiment vereinigte. Tas Kreisregiment bildete das 2. Bataillon der neuen Formation, blieb aber das matrikelmäßige Kontingent der Reichsarmee und behielt auch seine Garnison Gießen bei.

Nach den Geüietsveränderungen des Jahres 1803 (Ver­lust der Grafschaft Hanau-Lichtenberg, Zuwachs durch das Herzogtum Westfalen, kurmainzische und kurpfälzische Ge­bietsteile, sowie durch die Reichsstädte Friedberg und Wimpfen) wurde die hessische Armee in Brigaden zu je zwei Musketier-Bataillonen und einem Füsilir-Batailbon eingeteilt. Zu dem Regiment Landgraf trat der größte Teil des aufgelösten Leib-Grenadier-Bataillons. Beide bil­deten nunmehr dieBrigade Landgraf". Der Stab und die beiden Musletier-Bataillone garuisonierten in Gießen, von dem Füsilier-Bataillon wurden zwei Kompagnien mit dem Stab nach Alsfeld, die beiden anderen Kompagnien nach Gränberg gelegt. Die Benennung wurde indessen schon 1806 wieder geändert, indem die beiden Gießener Ba­taillone 1. und 2. Bataillon Leibregiment, das Füsilier- Bataillon 2. Leib-Füsilier-Bataillon, die ganze Brigade Leib-Brigade" genannt wurhe. Der Brigade-Verband wurde 1812 tatsächlich aufgelöst und die beiden Bataillone rückten als ,^eib-Regiment" in den russischen Feldzug. Seither ist die Bezeichnung denn auch geblieben; es traten nur geringe Veränderlmgen ein, die mit der Atilitär- konvention mit Preußen im Zusammenhang standen.

Im Jahre 1821 mußte das Regiment seine bisherige Garnison Gießen infolge von Zwistigkeiten mit der Stu­dentenschaft mit Worms vertauschen, wo es heute noch gar­nisoniert.

Tie Kämpfe, an denen diese ausgezeichnete Truppe teilgenommen hat, sind sehr zahlreich. Auf allen Kriegs­schauplätzen Europas haben sich die tap-feren Hessen aus­gezeichnet. Unser Regiment als Kreis kontingent hatte hierzu in ganz besorrderem Acaße Gelegenheit. Wir sahen schon, daß die Stammtruppen zum Teil an der Donau gegen die Türken, später am Rhein fochten. Der erste Krieg, in den das neue Regiment zog, war der spanische Erb­folgekrieg 17021713. Im August 1702 rückten die hessi­schen Truppen zur Belagerungsarmee von Lmidau ab, die von demTürkenbezwinger" Markgraf Ludwig von Baden kommmidiert wurde. 5sier vor Landau holte sich unser Regiment seine ersten Lorbeeren. Es verlor bei der ersten Betagerung dieser Festung, die im ganzen 600 Tote kostete, 75 Tote. Nach der Einnahme blieb es als ein Teil der Besatzung in La^rdau, das es unter seinem talseren Oberst Hoffmann gegen Tallard bald rühmlich verteidigen halff Nachdem alle Vevteidigungsmittel erschöpft waren, mußte die Festung gegen jrcien Abzug den Franzosen übergeben werden. Die Verluste des Regiments waren so groß, es im Januar 1704 nach Gießen zurücklehren mußte. Aber schon im August desselben Jahres rückte es von neuem vor Landau. Die zweite Belagerung dieser Festung ist be­rühmt durch die Heerführer, die an ihr teilnaljmen. Es waren der Markgraf Ludwig von Baden, Prinz Eugen von Savoyen, Marl^rough, Fürst Leopold von Dessau u. a. m. Unsere Truppen standen unter dem Feldmarfchall von Thüngen, fochten in den meisten Kämpfen mit und halfen die Festung zum zweitenmale den F-ranzosen zu entreißen. Tas Kreisregiment blieb nach der Uebergabe neun Jahre als Teil der Besatzung in Landau. Dort wurde sein Oberst Hoffmann Generalmajor, daim 1706 Kommandant der Fest­ung, als welcher er 1709 starb. Im Jahre 1713 wurde die so heiß umstrittene Stadt abermals den Franzosen über­geben, nachdem die letzte Patrone ver;chossen war, unb unser Regiment tarn nach Besamen in Kriegsgesangenschaft, aus der es aber bald nach der Heimat ansbrechen konnte; 1713 war es wieder in Gießen. Die Verluste des Regiments in und vor Landau beliefen sich auf mehr als 1000 Mann.

Ter polnische Thronlolgetrwg (173336; führte die tapferen Musketiere loieder ins Feld. Ihr' Operations- gevret war der Mittelrhein, von dem sie 1736 ohne sonder­lich xm Gefecht gewesen zu sem, nach der Garnison zu­rückkehrten.

Aehulich erging es den Truppen in dem Feldzug am Niederrhein (174749), an dem sie infolge eines vom Landgrafen zu Gunsten des Karsers mit den Generalstaaten abgejufioffenen Subsidienvertrags teilnehmen mußten. Tie beiden hessischen Regunenter hatten hier nur Gelegenheit,

unter schwierigen Verhältnissen ihre Mannszucht zu be­währen.

Anders war es im siebenjährigen Krieg. Als einziger Teil der hessischen T-nwpe^r rückte das viegiment Prinz Georg ins Feld, als Kontingent der Reichsarmee. Beim Ausmarsch! am 2. Juni 1757 betrug seine Stärke 32 Ossi- ziere, 900 Mann und 2 Stone neu. Auf dem Sammelplatz und später noch niußte es Offiziere und Unteroffiziere zur Ausbildung der übrigen Kreis Kontingente abgeben. In Gotha erregten die stattlichen Leute beim Aufziehen der Wache Aufsehen. In der Schlacht von Roßbach rettete, unser Regiment die Ehre seiner Fahnen; nach tapferer Gegenwehr verließ es als letztes das Schlachtfeld und übernahrn die Nachhut der geschlagenen fliehenden Armee. Tie Urteile über sein Verhalten gegenüber dem der übrigen ReickMarmee" sind höchst ehrenvoll.

Von weiteren Schlachten dieses Krieges sind die von Torgau unb Kunersdorf für unser Regtment gleich rühm­lich verlaufen. Ueberail zeichnete es sich durch Manns­zucht, Mut und Schneidigkeit aus.

In den Kriegen gegen die französische Republik blieb zunächst das 2. Baiaillon in den Jahren 1792 und 1793 als Besatzung in Gießen, während sich das 1. Bataillon unter der Operationsarmee des Königs von Preußen und besonders bei der Belagerung von Mainz auszeichnete. Nach dem Falle dieser Festung, wurde das in Gießen zurück­gebliebene Bataillon zur Verstärkung der Besatzung dort­hin beordert.

Im Feldzug der Jahre 179397 focht das 1. Bataillon anfänglich unter englischem Oberbefehl in den Nieder­landen und rückte dann nach Istrien und Kroatien aus. Bon hier aber wurde es vom Landgrafen aibberufen und und unter j)ie kaiserliche Führung an den Ober- und Mittelrhein geschickt, wo es mit dem dort kämpfenden 2. Bataillon für einige Zeit vereinigt wurde. Tiefes hatte unterdessen meist aus Vorposten gestanden und sich be­sonders gegen Hoche bei Lembach, Weißenburg, Kaisers­lautern und bei der Verteidigung von Mainz ansgezeicynet. Unter dem Oberbefehl des Erzherzogs Karl verteidigte es jm Juni 1796 Limburg und beteiligte sich mit zwei Kompagnien an der Wiedereroberung von Runkel.

Im Juli finden wir die fünf hespschen Bataillone wie­derum als Teil der Besatzung von Mainz, das Ende Oktober des Vorjahres durch Clerjeit entsetzt worden war. Kaum waren die Hessen in Mainz eingerückt, als auch die Stadt abermals von der französischen Revolutions­armee, diesmal urrter Mareeau, eingeschlossen wurde. Unterdessen war Hessen von den eigenen Truppen entblößt in die Hände der Franzosen gefallen, die Festung Gießen am 8. Juli von Hoche besetzt worden. Nach dem Frieden von Eampo Formio (17, Ott. 1797) blieb das Regiment bis 1799 in Tarmstadt, während jein Kommandeur, Ge­neralmajor Graf v. Wittgenstein als Kommandant der Festung in Gießen weilte. Hier waren immer noch die Franzosen, die Oberhessen besetzt hielten, um den Land­grafen zum Abschluß eines Separatftiedens zu zwingen. Dies gelang im März 1799.

Auf Seite 157 seines Buches Macht Keim der Universität Gießen den Vorwurf, daß sie ein charakteristisches Zeichen für die damaligen Zustände in Sachen unseres ^Nationalstolzes Bernadotte zum Toetor Phil, promoviert habe, um ihm ein Zeichenihrer Anerkennung" zu geben. Er vergißt aber zu bemerken, daß Bernadotte der Uni­versität in jener schweren Zeit hervorragende Dienste ge­leistet hat. Während 5)oche den sogen,eommissaires de gouveunement" unbeschränkte Vollmacht zur Plünderung der Universitäts-Bibliothek erteilte, schützte Bernadotte die Bibliothek in ihrem Bestand und schenkte ihr obendrein zwei sehr wertvolle damals neu erschienene mehrbändigen Werke mit Kupfern und Karten. Außerdem hat er sich im Gegensatz zu seinen Vorgängern gegen die Bürgerschaft sehr human gezeigt unb damit ein lebhaftes Dantgefühl hervorgerufen. Wenn nach alledem in so schwerer Zeit dieses Gesühl vielleicht ein wenig überschwenglich ge­äußert wurde, so ist das zu begreifen und zu entschuldigen. Uebrigens sollten wir auch heutzutage nicht so sehr mit unserem Nationalstolze renommieren, denn noch immer machen wir Bücklinge vor dem Ausland. Wir sprechen in unserem Lande mit dem Franzosen ftanzösisch und Mit dem Engländer englisch Keinem von diesen fallt es ein, uns in entsprechendem Falle die gleicheHöflichkeit" zu erweisen, roe'nn er unserer Sprache auch mächtig ist.

Freilich war damals eine traurige Zeit, aber es sollte bald noch viel trauriger tommen. Deutschlands Söhne fochten unter fremder Fahne gegen ihre Brüder. Napoleon zwang die Fürsten, wo sie nicht fteiwillig folgten, zum Gehorsam. So auch un;eren Laudesherrn. Es begann für uns die jammervolle Zeit, da das Herz des Patrioten auf der Seite des Feindes stand, der unser Bruder war. 2llrer ihrem Eide treu kämpften unsere Soldaten tapfer. Bei Aspern hielt das 2. Bataillon des Leibregiments sechs Stunden lang zusammen mit der Kompagnie Weller von der Leiv Garoe-Brigabe das Dorf Aspern. Bei Wagram verlor die Leibbrigade 50 Prozerit ihrer Mannschaft, ein Zeichen ihres opferwilligen Mutes.

Tann kam der Feldzug nach Rußland mit seinen Greueln unb Schrecken. Es ijt bekannt, was dort gelitten wurde, und kann deshalb hier übergangen werden. Unser Leibregiment hat in allen Sagen im Gegensatz zu der Zügellosigkeit der französtswen Acarmschäft seine straffe Mannszucht bewahrt uno rühmlich sind die Beispiele der Treue, die der Gemeine seinem Offizier und urngekehrt hielt. Ans der Schlacht bei Krasnoi kehrte das Regi­ment mit 12 Offizieren und 65 Mann zurück. Um den 25. November war nie ganze Tivision Delaborde, der die hessische Brigade zugeteftt war, zu einem schwachen Ba­taillon formiert loorden; die Hessen bildeten darin eine Konipagnie zu 100 Gewehren, 25 gehörteil davon dem Leibregiment an. In Wilna setzte Prinz Emil die Vereinig­ung aller hesjischeii Truppen, die b^s dahin getrennt unb verteilt waren, durch und sammelte so ein Korps von 300 Mann um sich. Tie Hessen waren die einzigen, die ihre Batterie von 6 Geschützen wieder ganz über den Stirnen zurückbrachten. Schließlich wurde das hessische Kontingent