Hntm Ufer, sowie ein schädlicher ßkückstau bei Hochwasser utmuWbleibTicb sind, itnifontclrr als unterhalb deö Neubaues der lUnflutiiroben einwündet, der olmehiu schon bei Hoch- Wasser einen Rückstau int eigentlichen Bachbett bewirkt. DaS GVrofU). Ministerien deS Innern wies durch Entscheidung vom 3. SIX'(ir3 1 >D3 die erhobene BesclUverde als unbegründet znrüch Die Rechtfall nullte Justizrat Hirschhorn und Men d eis ob n zu Gießen erhoben namenS des Kett Rekurs an den Provinz,ialausschinß mit dem Anträge, die an- <tefixl)<teite Verfügung aufzuheben, da diese Verfügung als Polizeibefehl im Sinne des Vitt. 80 der Kreis- und Pro- vinzialordnuug anzusehen sei und deshalb nicht das Ministerium des Innern, sondern der Provinzialausschinß zu entscheiden habe. Die Sache wurde sodann heute vor dem Provinzialausschuß verhandelt, welcher dahin entschied, daß die Entscheidung auszn sehen sei.
3>ct Arojcß wegen Kindesunterlchjel'ung gegen die Kräfin Kwilecki.
VII.
Berlin, 4. Nov.
Die Schwägerin der Hedwig AndruszewSka, Valentine, bestätigt, daß die Hedwig im Sommer 1901 sich wiederholt über schlechte Behandlung beklagte und von einem Geheimnis erzählte, woraus die Zeugin an die Gräfin schrieb und bessere Behandlung unter Andeutung des Geheimnisses ihrer Schwägerin verlangte. Bei einer Anwesenheit in Wroblewo hatte die Zeugin den Eindruck, nian wolle sie verhindern, ausführlich mit Hedwig zu sprechen. Sie gibt sodann zu, daß Hedwig anläßlich eines gegen die Zeugin resultatloS geführten Prozesses wegen falschen OffenbarungS- -ideS zweimal log und erklärt auf Befragen, Hedwig fei veder schwachsinnig, noch dumm, aber nervös.
Eine andere Schwägerin HedwigS, Stefanie A n c d r u s z e w S k a , bekundet, öfter Briefe für ihre Schwieger- mutter empfangen und an diese weiter befördert zu haben. Sie öffnete versehentlich einen Brief aus Warschau, in welchem eine Frau sich nach dem Verbleib des Kindes erkrindigte und eine Belohnung verlangte. Auf die Frage nach der Bedeutung des verdächtigen Briefes erwiderte ihre Schwiegermutter, der Brief betreffe ein Dienstmädchen vom Lande; sie versicherte unter Hand» schlag die Gräfin komme dabei nicht in Betracht. Die Zeugin bezeichnet Hedwig als nervös; als ^Schwindlerin kenne sie dieselbe nicht.
Droschkenkutscher Wilke erinnert sich, kurz vor Kaisers Geburtstag 1897 zwei verschleierte, gebrochen deutschsprechende Damen von der Kaiserin Augustastraße nach dem Schlesischen Bahnhof zurückgefahren zu haben. Bei der Hinfahrt trug die eine etwas unter ihrem Mantel, während die andere ohne den Koffer zurückkehrte, den sie bei der Hinfahrt hatte; Zeuge erklärt, die Knoöka sei keine dec Damen, die EhwiatkowSka möglicherweise.
Die Arbeiterfrauen von Wroblewo stellen der Hedwig AndruszewSka ein schlechtes Leumundszeugnis auS; eine behauptet, die AndruszewSka äußerte gesprächsweise, der Knabe sei ein Kind der Gräfin und sehe ihr ähnlich wie ein Ei dem andern.
Kaufmann H e ch e l 8 k i bekundet über seine Nachforschungen dasselbe wie Graf Hektor Kwilecki und hebt hervor, eine gewiße RadawanSk aus Krakau sagte auS, sie habe bei dem Kinde als Amme auf der Reise nach Berlin gedient. HechelSki behauptet ferner, vom Grafen Hektor nur Mk. 8000 für seine Bemühungen und Auslagen, bestreitet aber, irgendwelche Versprechungen erhalten zu haben.
Kriminalkommiffar Schultz- Posen stellt dem Zeugen ein gutes Leumundszeugnis auS, worauf die Verhandlung -auf morgen vertagt wird.
Aus Stadt und Kaul».
Gießen, 5. November 1903.
** Vortrag des KriegervereinL. Der neue Saal- ban war gestern abend von Angehörigen der hiesigen militärischen Vereine außerordentlich gut besucht. DaS interessante Thema eines Vortrags „Der Krieg der Zukunft", der durch Lichtbilder illustriert werden sollte, hatte diese große Anziehungskraft auSgeübt. Oberamtsrichter Wiener, der Vorsitzende des KriegervereinS, begrüßte die Gäste dieser Vereinsveranstaltung, die nur als MonatSversammluug zu gelten habe, und schickte dann dem Vortrag deS früheren HosschauspielerS Dr. Richard FeldhauS aus Basel voraus, daß, wenn auch der genannte Herr in seinem Vortrag sich als Anhänger der Friedensidee bekenne, doch nichts merkwürdiges darin liege, daß der Vortrag in einem Kriegerverein stattfinde. Man erstrebe den Frieden, werde aber nicht etwa durch einseitige Abrüstungen daS Vaterland in Gefahr bringen wollen. Wie eS im Kriegerverein üblich ist, klangen seine Worte auS in einem Hurra für Kaiser und Großherzog. Herr Richard FeldhauS knüpfte seinen Vortrag an an daS große Werk des ruffischen StaatSratö v. Bloch, über den „Krieg der Zukunft", für deffen Behauptung, daß der zukünftige Krieg zu einer totalen Erschöpfung auf beiden Seiten ohne Entscheidung führen werde, auch er diesen Abend den Beweis führen wolle. Neue Gedanken, sogar ganz ungefährlich auSsehende, hätten, wie die Geschichte bewiese, stets schwer Eingang gefunden — er erinnerte u. a. an die Einführung des Anbaues der Kartoffel in Frankreich und bei unS, an die Anfänge der Stenographie, die einmal von einem höheren Schul- manne als Spitzbubenhandschrift bezeichnet worden fei, u. a. m. — und so hoffe er auch, daß die heute noch vielfach angefeindete FriedenSidee doch in nicht zu langer Zeit zum Siege gelangen werde. Der Redner schilderte all die Schrecken deö Krieges, daß seit Jahrhunderten auf 1 FriedenSjahr 13 Kriege fielen, daß bei der Verbefferung der Waffen heute von Geivehr- fiitter statt von Kanonenfutter gesprochen werden müße, und kam auf daS Wort MoltkeS zu sprechen: „Wenn die Rüstungen nicht mehr zu ertragen sind, dann wird der Krieg den Krieg abschaffen." Darüber, wie eine Schlacht in Zukunft sic.) abspielen werde, könne man sich kein Bild machen; (Serie» rc,l v. d. Goltz sagte einmal, daß sie eine Sphinx sei, deren Rätsel niemand zu lösen vermöge. Nicht mehr schnellere Mobilisierungen und daß Geschick der Feldherren entschieden die Kriege der Zukunft, sondern die ökonomischen Verhält- niffc. Der Redner schilderte die Erschütterungen, die der zukünftige Krieg aus dem Geldmärkte Hervorrufen werde, das Versagen der Verkehrsmittel zu Waffer und zu Lande, das
eine unerträgliche Verteuerung der Lebensmittel und Hungersnot zur Folge haben werde. Es gebe, um Kriege zu vermeiden, nur einen Ausweg: das Schiedsgericht. Schon habe sich in mancherlei Hinsicht ein Wandel der Anschauungen vollzogen. Der Redner schloß seine Ausführungen mit den Worten des großen Pasteur: „Die Wiffenschaft und der Friede werden triumphieren über Unwiffenheit und Kriegs. — Nach einer kleinen Pause begann der Vortragende, feinen Vortrag mit einer Reihe guter Lichtbilder zu unterstützen. Er illustrierte die Verbesserung der Schießwaffe, zeigte Schlachtenbilder, auch auS dem TranSoaalknege, erklärte an mehreren Abbildungen die verheerende Wirkung der modernen Geschoße u. dergl. m. und führte zum Schluß eine Galerie bekannter Friedensfreunde vor, sowie eine Anzahl von Bildern, die die Friedensidee glorifizieren. — Oberamtsrichter Wiener dankte zum Schluß dem Redner für feine interessante Darstellung.
** Kre iSrat D r. W a I I a tu In unserer gestrigen Notiz ist durch technisches Versehen ein unverständliches Tohuwabohu entstanden. ES muß richtig heißen: Dr. Wallau hätte in Bensheim denselben Rang und dasselbe Gehalt wie in Lauterbach gehabt, von einer event. Nen - w a h l hätte also keine Rede fein können. Wohl aber hätte der Wahlkreis Lauterbach - Schotten - Alsfeld durch den Wegzug Dr. Wallau'S einen erheblichen Verlust erlitten, denn selbstverständlich ist ein Abgeordneter, der seinen Wohnsitz im Wahlkreise selber hat, in ganz anderer Weise im stände, die Jntereßen seiner Wähler zu vertreten, als ein fern vom Wahlkreise Domizilierter, wie etwa Herr Bindewald oder der KreiSrat von Bensheim.
Frankfurt a.M., 4. Nov. Die Stadtverordneten beschloßen mit 38 gegen 13 Stimmen: Stadtverordnete, Mitglieder des Magistrats und der Aemter, letztere für ihren Amtsbereich, sind von Arbeiten und Lieferungen für die Stadtgemein de ausgeschlossen. Ausnahmen kann der Magistrat zulaßen, wenn er eß im Interesse der Stadt ür geboten erachtet.
Wiesbaden, 4. Nov. Als der Kaiser beim Spaziergang gelegentlich der Ausfahrt gestern Nachmittag das Nerotal passierte, begegnete ihm einDrei-Eselgespann. Sichtlich amüsiert, trat der Kaiser an das Gefährt heran und unterhielt sich leuselig einige Minuten mit den Insassen, einem alteren Ehepaar. Als der Kaiser hierbei einem der Grautiere daS Fell streichelte, schien sich dieses der hohen Ehre doch nicht ganz bewußt zu fein, denn unmutig feuerte eß nach feinem kaiserlichen Bewunderer auS. Lachend setzte odann der Kaiser, der nur vom Generaladjutanten General ä la suite von Löwenfeld begleitet war, seinen Weg fort.
(ßrriditsIrtflL
a. Marburg, 3. Nov. Die Strafkammer deö hiesigen Landgerichts verwarf heute die Berufung deS vormligen Redakteurs der konservativen Obers;. Ztg. Freiherr von Wangenbein» gegen daS ihn wegen öffentlicher Beleidung zu 50 Mk. Geldstrafe verurteilende Erkenntnis deS Schöffengerichts vom 28. August. ES handelt sich hier um ein Nachspiel der letzten N e ich S t a g S >v a h l. Am 20. Juni erschi n in der Cbertü Ztg. ein auS Wangershausen (Kreis Frankenberg^ datierter Artikel, in dem der Assistent an der hiesigen agrikulturck)emischen Versuchstation, Dr. Göffel, verdächtigt wurde, eine amtliche D t e n ft - reise dazu benutzt zu haben, für den n a t i o n a l s o z i a l e n Kandidaten von Gerlach zu agitieren und Stimmzettel zu verbreiten. Jedenfalls, hieß eS bann weiter, dürfte eS anbracht sein, daß falls zu derartigen .Dienstreise»»" deS Dr. G. auch auS landwirtschaftlichen Kreisen fließende Gelder bewilligt würden, diele betr. Kreise einmal zu einer derartigen Verwendung der für landwirtschaftliche Zwecke aufgebrachten Gelder Stellung nähmen. Da nun die Versuchsstation der Landwirtschaftskammer in Kassel untersteht und ihrem Kuratorium auch der von konsevativer Seite als Reichstagskandidat aufgestellte von Pappenheim angehört, so war die Tendenz mehr als durchsichtig. Dr. G. strengte' eine Beleidigungsklage au, die, da die Beweisaufnahme die völlige Grundlosigkeit der erhobenen Verdächtigungen ergab, zur Verurteilung W. führte.
Zweibrücken, 4. Nov. Vor dem Schöffengericht stand Metzgermeister und Wurstfabrikant Friedrich Om- p h a l i u § wegen Vergehens gegen § 10 des NahrungSmittelgesetzeS. Dem Angeklagten wurde zur Last gelegt, längere Zeit hindurch, bcfotiberS in einigen festgestellten Fällen anfangs deS JahreS 1902 fortgesetzt zum Zwecke der Täuschung im Handel und Verkehr Nahrungsmittel durch Verwendung von Hoden und Ruten zur Herstellung von Würsten verfälscht zu haben. Der Angeklagte selbst beftritt die ihm zur Last gelegte unappetitliche Tat; er wurde aber besonder-S durch die bestimmten Angaben seines früheren langjährigen Gehilien vom Schöffengericht als überfuhrt angesehen und zu 60 Mk. Geldstrafe eventuell 20 Tagen Gefängnis, den Kosten deS Verfahrens und Publikation dnS Urteils verurteilt. Der chemische Sachverständige Prof. Dr. Halenke auS Speyer bezeichnete die Handlungsweise des Angeklagten, der solche unappetitliche, ekelerregende Bestandteile, die sonst immer weggeworfen würden und die, wie ein Schlachthofaufseher au8- agte, sogar oft von Hunden, denen sie vorgeworfen wurden, o e r s ch m ä ht werden, zur Wurstfabrikation verwendet hat, als eine „bodenlose S eh ro c i n e r e i". Die betr. Bestandteile feien allerdings zwar nicht direkt gesundheitsschädlich, jedoch könne jemand, der erfahre, daß er so was gegeßen, vorEkelSchaden an s e in er Gesundheit nehmen. Der medizinische Sachverständige Medizinalrat Dr. Ullmann schloß sich diesem Gutachten an.
Essen a. d. R., 4. Nov. Am 12. d. sollte, wie schon früher gemeldet wurde, vor dem Landgericht Eßen als erster Instanz die Verhandlung stattsiuden über eine Verletzungsklage der R h e i n i - ch e n Metall waren- und M a s ch i n e n f a b r i k <E h r - hart» t) contra Friedrich Krupp A.-G. betreffend daS deutsche Reichspatent 95336. Die klägerische Firma (Ehrhardt) hat jedoch unter der Begründung, daß daS Reichsgericht die Ansprüche ihres Patentes durch daS Urteil vom 28. Oktober geändert habe und unter diesen Umständen die Verhandlung nicht möglich sei, vielmehr die nähere Begründung deS Reichsgerichtsurteils abgewartet werden müffe, die beantragte Verhandlung vertagt.
Wie amerikanische Richter über das Redaktion 8 ge h e i m n i S denken, geht hervor ans einem Versuch, der kürzlich durch den Staatsanwalt in Detroit (Michigan^ gemacht wurde, einen Journalisten zum Zeugnis zu zwingen, der sich auf sein Ehrenwort, Verschwiegenheit zu beobachten, berufen hatte. Ein Reporter hatte ein ^Interview" mit einem Geschworenen -rlangt, der ihm über gewiße Vorgänge in der sog. »Grand Jury", die über Erhebung oder Zurück,veistmg von Anklagen zu beschließen hat, indiskrete Mitteilungen machte. Der Staatsanwalt eröffnete nunmehr ein Meineldsverfabren gegen Unbekannt, weil der betreffende Gewährsmann dttrch sein Platidern seinen Eid gröblich verletzt habe. Der Reporter verweigerte aber die Auskunft, weil ihm alles nur unter der Bedingung verraten witrde, feinen Gewährsmann nicht preiszugeben, es sich mithin für ihn um ein Berufsgeheimnis bandle, dessen Preisgabe feinerfeitS geradezu eine Ehrlosigkeit einkchlöße. Auch der Geistliche, der Arzt oder der Advokat könnten unb müßten auS analogen Gründen alles verschweigen, waS sie von ihren Klienten erfahren hätten; der Beruf deS Journalisten fei aber ebenso wichtig wie der der eben Genannten und müße von den Gerichten entfpred)enb behandelt werden. Ta5 BundeSkreiSaerickt von Detroit hat sich dieser Auf-
faßung deS Jounialisten angeschloßen unb die sofortige Freilassung de« Verhafteten angeordnet. Danach kann also, wenii dieses Urteil durch keine höhere Instanz etwa umgestoßen wird, sich in Amerika jeder Redakteur der Aufforderung, seinen Gcwä'hi-Smann den Gerichten preiszugeben, unter dem Hinweis entziehen, daß von ihm eine unmoralische Handlung, die Verletzung deö RedaktionSgeheim- nißeS, verlangt wird.
Handel und Uerlretzr. UalliLwutschast.
Märkte.
Gießen, 6. Nov. Marktbericht. Auf hetltigem Wocbenmarkt kosteten: Mutter pr. Pfd. 1,00—1,10 Mk., Hühnereier 1 St. 7-9 Pfg., 2 Stck. 00-00 Pfg., Gänseeier 00— 00 Pfg., Enteneier8—0 Pfg., Ztafe vr. Stck. 5—8 Ps., .uäfematte 2 Stck. 5—6 Pfg., Erbsen pr. Liter 21 Pfg Linsen pr. Liter 32 Pfg., Tauben ur.Paar0,70—09,0Mk., Hühner pr. St. 1,30—1,80 Mk., Hähne pr. Stück 0,70—1,60 Akk., Enten pr. Stt'ick 1,70—2,20 Mk., Gänse pr. Pfd. 56—60 Pfg., Ochsensleifch pr. Pfund 68—78 Pfg., Kuh- und Rindsteisch pr. Pfund 62—66 Pfg., Schweine- sieisch pr. Pfund 66—76 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 80 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfd. 70—76 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 65—74 Pfg., Kartoffeln pr. 100 Kgr. 5,00-5,50 Alk., Weißkraut per Stück 5—7 Pfg., per Zentner 1.30—1.60 Mk., Zwiebeln pr. Zentner 4,50—5,00 Mk., Milch per Liter 18 Psg., Aepsel per Zentner 16 bis 20 Mk., in Körben 00-00 Pfg., Zwetschen Mk. 7.00-9.00 pr. Etr., Trauben 00—00 Pfg.
Limburg n. b. L.. 4. November. Fruchtmarkt. Durchschnittspreise pr. Malter. Roter Weizen 13.52 Mk., altes Korn 00.00 Mk., neues Kon» 10.05 Mk., Gerste 0.00 Mk., Hafer 7.20 Mk. ne»,er Hafer 6.30 Mk., Erbsen 0.00 Mk., Kartoffeln 0.00 Alk,
Gingtsundt.
(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
Hochgeehrter Herr Redakteur!
Vorschläge von solch sublimer Größe, wie sie in Ihrer Nr. 255 vom 30. Oktober 1903 seitens Ihres medicinischen Dlitarbeiters gemacht werden, dringen auch noch heute in dieser ideal- und glaubenslosen Zeit in mein Elysium. Ihr Herr Mitarbeiter hat mit seinen» sarkastischen Vorschläge eine solche Fülle des reinsten HerzenSh»»morS, der unübertrefflichsten Menschenliebe und Tier- sreundlichkeit, deS erhabenste,» Mitleids bewiesen, daß es ein Jammer wäre, wenn dieser (ntnianftc aller bisher geäußerten Gedanken unbeachtet, unanSgesührt bliebe. Aber um daS zu verhüten, erlauben Sie mir, den Gedai»ken auszubauen und seine Brauchbarkeit dar- -ulegen, damit nicht einer Ihrer Leser ihn für bloße Satire nehme.
Schon in meinem .Faust" habe ich vor einigen 75 Jahren gedichtet:
.Hier »var die Arzenei, die Patienten starben, .Und niemand fragte: wer genas?
»So habe»» »vir, mit höllischen Latwergen, .fjn diese»» Thälern, diese»» Bergen, .Weit schlin»,ner als die Pest getobt.
^Jch habe selbst den Gist an Tausende gegeben: »Sie welkten hin, ich milß erleben, .Daß man die frechen Mörder lobt/
Die größte Schwäche beS Vorschlags, den zum Tode ver- ilrteilten Mörde»m sreizilstellen, ob sie lieber geköpft sein ober zu Versuchen für medicinische Zwecke sich hergebeii wollen, liegt?a wohl darin, daß zu wenig Mörder verurteilt werden imd daß die Ve»mrteilter» kaum so idealistisch veranlagt sein dürsten wie Ihr medioinischer Mitarbeiter. Allein dem roäi'c ja ganz einfach ab- znhelfen: Man führe nur den § 211 unseres neuen Reichsstraf- gesetzbucheS strenge durch und verurteile alle jene als Mörder zum Tode, die ich oben in der Fauststelle als Alörder bezeichnet habe. Da nur ganz wenig Mediziner bisher den Gift nicht an Tausende gegeben haben, im Gegenteil diese Aei'a der Sera eine neue höllische Latwerge zii den Mixturen und Pillen der Vergangenheit hinzu- aefügt hat, deren 93 er trieb ein glänzendes Geschäft für die Latwergenfabrikanten gewesen ist und noch ist, so werden wir bald einige Ta»lfend Todesurteile haben und darunter zumeist Pente von jenem glänzenden Idealismus, wie er voii Ihrem THtarbcüer an den Tag gelegt worden ist; er wird sich doch sicherlich unter den ersten Verurteilten befinden nnd denselben mit löblichem Beispiel vorangehen. So hätten wir dann ein reiches Vivisektionsmaterial allererster Qualität: Denn diese Versuchsobjekte der dreimal heilige,» Wiffenschaft Mediz,»» brauchte,» bei den betreffenden Versuchen ja niemals chloroformirt zu werden, sodaß eine der größten Fehlerquelle»» aller Versuche sortfiele; soviel Idealismus muß man diesen Heroen dcr Wiffenschaft, die es seither über sich gewannen, arme Tiere, Geschöpfe ohne den Begriff: JdealiL»nus, und die corpora vilia der armen Kranken in den Krankenhäusern mitleidslos z»t peinigen, ttotzdem sie so reich an humanem Geiste sich fühlen, doch wohl zutrauen. Vor allem aber könnten sich diese Versuchsmenschen bei ihrer wissenschaftlrcheu Vorbildung ja vortrefflich während der an ihnen vorgenomn»e»»e»» Vei-suche selbst beobachten nnd ihre Gr- fahrungen den liebenswürdigen Kollegen, die sich der humanen Arbeit, die Versuche zu machen, unterziehen, auf baS beste mitteilen.
Möchten meine Anremmgen ja auf recht fruchtbaren Boden fallen, wie das ja in dieser Zeit deS glänzendsten Medizin- aberglaubenS gar nicht anders fein kam». Ihr Herr Mitarbeiter bat ja so recht! Wie kam» man dem» nn Schutzpockenimpsimg, Diphtherieheilserum, Tuberkulin rc. rc. gla»«ben, ohne ein begeisterter Fürsprecher für den Tier- unb Menschenversuch zu sein?! Und die Armen am Geiste, die nun mal von der ganze,» unseligen G,ftn»ischerei mchtS wiffen wollen, die sind ja nur dann»» zu bedauern, daß sie an falsch diagnosticirten Krankheiten genesen, an- tatt an richtig diagnostieirten in wiffenschastlicher Behandlung »,»S bessere Jenseits befördert z»» werden! Und wenn man dann noch bedenkt, wie herrlich eS sich doch hier auf Erden leben ließe, wenn man allen Genüffen früh,»en, bei einem genügend zahlungsfähigen Geldbeutel nichts z»» lernen brauchte, der lieben Gedankenfaulheit Ich hingeben, anderer schwere Arbeit ausnutzen könnte, weil gegen cde Krankheit eine Latwerge da wäre, die nur bezahlt und ge- chluckt oder eingespritzt zu werden braucht, um wieder kerngesund Alt werden, oder gar um gefeit zu sein wider alle jene tückischen Bazillen rc. rc., ja'dann ist eS doch geradezu um die Wände heraufzulaufen, daß eS noch so bomirte Dickschädel giebt, die von alle dem nichts wiffen »vollen!
Ich gebe mich also der Hoffming hin, geehrter Herr Redakteur, daß Sie und ich noch durch Ihre,» ärztlichen Mitarbeiter dereinst unsterblich werden, da ich es bisher durch meine Dichterei noch n»cht mit aller Sicherheit dahin gebracht habe.
Ihr ganz ergebener
I. W. v. Goethe, Geheimrat a. D.•)
*) Wege»» Raummangels verspätet.
Jeder, der die Kupferberg'schcn Sektkellereien jemals belicht hat, ist über daö riesige Flaschenlager erstaunt gewesen. Gegenwärtig lagern daselbst nahezu 4 Millionen Flaschen. Die Firma Kupferberg hat eS für nottvendig gehalten, ihren Bestand auf die Höhe zu bringen, weil sie dadurch in der Lage ist, nur gut abgelagerten Sekt in den Handel zu bringen. Die Erfahrung hat gelehrt, daß der Sekt aus der Höhe seiner Entwickelung sich befindet, wenn er nach der Dosierung und dem endgültigen Verschluß noch ca. 6 Monate lagert, bevor er getrunken wird. In solchem Alter, d. h. in völlig auSgereiftem Zustande wird die Marke .Kupferberg Gold" zum Versand gebracht und damit ein weiterer Beweis geliefert, daß nichts unterlaße»» wird, um einen nur erstklassigen Sekt zu bieten. Kupferberg Gold" als deutsches Erzeugnis steht an Qualität unerreicht da. 7987
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