Ausgabe 
5.11.1903 Erstes Blatt
 
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lchaft, bte die Herrscher der beiden starken Nachbarmächte verknüpft, segensrcick)^ Folgen für die Wohlfahrt der Völ­ker hervorgehen mochten, deren Förderung und Pflege das erhabene Ziel beider Majestäten ist."

Es mag eine Aeußerlichkell sein, daß diese kurze Notiz Nicht, wie in der Regel bei Herrscherbesuchen, durch den Druck hervorgehoben ist; aber da stets von denjenigen amt­lichen Stellen, die dieNord-d. Allg. Ztg." zum Sprachrohr wählen, die Form der Wiedergabe ausdrücklich bestimmt wird, kann es sich um keine Zufälligkeit handeln. Die Kundgebung scheint, wenn man sie wiederholt liest, sehr sorgsam Wort für Wort abgewogen. Von der schwungvollen Redeweise des Grafen Bülow den man als Verfasser betrachten darf ist wenig zu bemerken. Das Freund­schaftsverhältnis mit Rußland, die Unterstützung, die Deutschland den russischen Zielen angedeihen läßt, wird, und das ist das Interessanteste an der Kundgebung, aus -Europa begrenzt. Diese Begrenzung des Zusammen­wirkens ist in dem Satz enthalten, der davon spricht, daß ^ich die politische Tragweite der Zusammenkunft und des diplomatischen Meinungsaustausches in der Richtung gel­tend machen werde, den Frieden unseres Weltteils vor Er­schütterungen zu bewahren und etwaigen, aus die Störung des Friedens gerichteten Entwickelungen entgegenzuwirken. Täs heißt klipp und llar: im nahen Orient ist Deutschland zurMitwirkung im Interesse der Aufrechterhaltu ng des Friedens bereit; im fernen Orient, in Ostasien, bekümmern wir uns um Rußlands Pläne nicht. Diese Scheidelinie ist also festgestellt vor den Besprechungen zwischen dem Grafen Bülow und dem Grafen Larnsdorsf. Nach einer Wiener offiziösen Auslassung wird im Hinblick auf die für den 9. November anberaumte Fortsetzung der deutsch-russi­schen Handelsvertragsverhandlungen auch hier­über ein Meinungsaustausch erwartet. Die Kundgebung in derNordd. Allg. Ztg." erwähnt zwar diese Verhand- -lungen mit keinem Wort. Glp-tchwohl liegt die Frage zu nahe, als daß sie un erört ert'bleiben könnte. Einstweilen ist die Zahl der Differenzpunkte noch beträchtlich. Rußland stößt sich keineswegs nur an der Erhöhung der deutschen Getreidezölle; dieganze Richtung" der land­wirtschaftlichen Zölle paßt ihm nicht. Man rechnet in Berlin aber damit, daß der Wille des Zaren, mit Deutschland zum Vertragsschluß zu gelangen, die Gefahr einer dllchteinigung ausschließe.

Wir fügen einige Preßstimmen zur Kaiserbegegnung an. TieVoss. Ztg." schreibt u. a.:Die deutsche Nation begrüßt den Selbstherrscher aller Reußen mit der Achtung, die dem Oberhaupt eines mächtigen und großen Staats­wesens gebührt, aber auch mit dem Gefühl der Befriedig­ung, daß sich die deutsche Politik nicht in fremde Dienste zu stellen braudjit Deutschland und Rußland verkehren mll einander auf dem Fuße der Gleichberechtigung." Das Berl. Tagebl." erblickt in der Begegnung eine erneute Besiegelung der schon bestehenden Verständigung Deutsch­lands und Rußlands in t^n akuten Fragen der inter­nationalen Politik. Von der agrarischenDeutschen Tggesztg." wird die allmähliche Besserung der deutsch­russischen Beziehungen darauf zurückgesührt, daß die eng­lischen Versuche gescheitert seien, Deutschland in eine gegne­rische Stellung zur russischen Politik in der Mandschurei zu bringen.

Einer Meldung aus Rom zufolge schreibt derP o Polo Romano": Cs sei unzutreffend, die Zusammenkmist der beiden Kaiser als eine Art Antwort auf den Höf­lichkeitsaustausch zwischen Frankreich, Eng­land und Italien anzusehen. Deutschland wolle nur beweisen, daß es auch außerhalb des Rahmens seiner formellen Verträge die selb st loseste Freundschaft pflegen könne. Wer hinter der Prunk- Ent fallung in Wiesbaden etwas Geheimnisvolles vermute, > täusche sich

BoMische Tagesschau.

Republik Panama.

Nach einem Telegramm aus Varrama ist am Montag -abend die Unabhängigkeit des Departements Panama der Republik Kolumbien verkündet worden. Eine große Volksmenge zog zu den Hauptquartieren der Regier­ungstruppen, wo man die Generale Tovar und Amaya, die am Morgen eingetroffen waren, eingekerkert hatte.

Tie Lostrennung des Isthmus von Kolumbien ist danach als vollzogen zu betrachten.

Tie Lolumbischen Offiziere des Heeres und der Flotte sind gefangen genommen. Es soll eine Re­gierung mit drei Konsuln und einem Kabinett gebildet werden. Ein ähnlicher Ausstand wie in Panama wird in Colon geplant. Das Marrnedepartement der Bereinigten Staaten beorderte mehrere Schiffe nach Panama und Colon mit der Weisung für die Aufrechterhaltung des Verkehrs mit und aus dem Jschmus zu sorgen. Auch alle Beamten der Behörden in Panama sind gefangen gesetzt. Alle kolom- bianischen Kreuzer im Stillen Ozean sind aufgebracht. Der Vizekonsul der Vereinigten Staaten in Panama, Ehrman, telegrafierte, das kolumbische KriegsschiffBogota" habe die Stadt beschossen, wodurch elf Chinesen getötet wurden. Ehrman ist angewiesen, gegen die Beschießung zu protestieren.

Bon dem KriegsschiffBogota" ist ein Ultimatum an die Ausfländischen gesandt worven, in welchem ihnen eine Frist von drei Stunden zur Wiedereinsetzung der kolurn- Lischen Regierung gegeben ist. Das Schrss begann jedoch die Beschießung, ohne eine Antwort abzuwarten. Die Forts der Stadt und das KanonenbootPavllllr" erwiderten das Feuer. Nach einiger Zell ging dieBogota" wieder in See.

Tre Regierung der Vereinigten Staaten erhielt ein Telegramm aus Panama, in dem sie ersucht wird, die neue Regrerung anzuerkennen. Sollte der Protest des ame- rllanrschen Vizekonsuls in Panama gegen die Beschieß­ung der Stadt durch das kolumbische Kriegsschiff nicht genügen, so soll das jetzt auf dem Weg nach Panama befindliche »KriegsschiffBoston" das kolumbische Karwnen- boot mit Beschlag belegen. Tie Tatsache, daß der eine End­punkt der Panama-Eisenbahn von den Regierungstruppen, der andere von den Aufständischen besetzt ist, macht die Lage noch komplizierter. Tie amerikanischen Seestrellkräfie sind angewiesen, die amerikanischen Interessen in allen Punkten zu schützen. Es ist auffällig, daß die Ver> einigten Staaten jetzt erst mll einemmale entdeckt haben, daß in allen mittelamerckanischen Staaten Aufruhr und Erregung herrschen soll! Diese Ent­deckung hatte den Bortell, die Entsendung von Kriegsschiffen in die Nabe des Isthmus zu rechtfertigen, und daraus kam es wohl an.

Kirche und schule.

Berlin, 4. Nov. Die Generalsynode nahm heute einstimmig den § 2 des Toleranzantrages be­treffend die religiöse Erziehung der Kinder aus Mischehen an und wurde dann geschloffen.

Kolonialpost.

Nach einer Kapslädler Meldung der Londoner Daily Mail berichtet ein aus Warmbad in D e u t s ch - Südwest- Afrika dort eingetroffener deutscher Missionar zu den unter den dortigen Eingeborenen ausgebrochenen Unruhen, daß der aufstündige Stamm der B o n d e l s z w a r t s , der zu dem Nama-Stamme gehöre, gegen 1OOOO Krieger zählt. Am 31. Oktober erhielten die Ausständigen durch Zuzug Verstärkungen. Die Lage wird als kritisch geschildert. Von Windshock wurden Truppen nach Warmbad gesandt. Die Kap-Negrerüng trifft Maßregeln, um die aufständischen Einge­borenen am Eintritt in die Kap-Kolonie zu verhindern.

Ausland.

London, 4. Nov. Drei Armenier, deren Namen Eregorian, Szmician, Karapellan angegeben werden, gingen im armenischen Viertel Teckham spazieren, wo kürzlich der Armenier Segouni ermordet wurde. Plötzlich feuerte ein mit zwei Revolvern bewaffneter Mann, der auch ein Armenier sein soll, gleichzeitig auf Gregorian und Szmician Schüsse ab, die tot niederfielen, und dann aus Karapetian, der verwundet wurde. Der Mörder ver­übte Selbstmord. Es heißt, daß die Opfer Mitglieder des hiesigen armenischen Zentralkomitees seien.

Budapest, 4. Nov. Im Abgeordnetenhause gestaltete sich die heutige Sitzung überaus stürmisch. Es kam zu riesigen Lärmszenen. Das neue Ministerium betrat unter starkem Applaus der liberalen Partei und Abzug­rufen der Opposition den Saal. Es erhob sich nun ein minutenlang anhaltender Riesenlärm, wäyrend dessen Gras Tisza durch einen Saaldlener ein königliches Handschrei­ben überreichen ließ. Der Diener trug es in der Brust­tasche versteckt auf die Tribüne zum Präsidenten. Die Opposition sprang von den Sitzen aus und versuchte unter furchtbarem Skandal und den RusenSchweinerei!" Niedertracht!" die Verlesung des Handschreibens über die Ernennung des neuen Kabinetts zu verhindern. Die liberale Partei wies indessen energisch das Auftreten der Opposition zurück und das Handschreiben wurde trotz des ohrenbetäubenden Lärms verlesen. Graf Tisza diktierte sodann einem Stenographen eine kurze Ecllärung, wonach er seine Programmrede, da das Abgeordnetenhaus nicht in der Stimmung sei, ihn anzuhören, im Magnatenhaus halten werde. Die Opposition tobte, da sie sich so gänzlich ausgeschaltet sah. Sodann trat unter großer Erregung eine neuerliche Pause ein. Nach Wiederaufnahme der Sitzung erhoben mehrere Redner der Opposition energisch Einspruch gegen das Vorgehen der Regierung. Gegen 4 Uhr wurde sodann die Fortsetzung der Beratung aus morgen vertagt.

In seiner heutigen Rede im Magnatenhause, in der Graf Tisza sein Programm entwickelte, wies er auf die schwere andauernde Störung der parla­mentarischen Arbeiten hin und führte aus, den Ausgangs­punkt dieser Störung habe der Widerstand gegen die Er- yöhurrg des Rekrutenkontingents gebildet. Später sei die ungarische Kommandosprache gesordert worden, doch sei die gesamte Nation einig, daß sie die Erfüllung dieses Wunsches nicht unter Aufopferung der Harmonie zwischen der Krone und der Nation fordern dürfe. Es werden, fuhr Tisza fort, nunmehr bezüglich der Geltendmachung des Ungar tu ms in der gemeinsamen Ar m e e so bedeutende Reformen vorgeschlagen, daß gehofft werden kann, daß eine Beruhigung eintreten werde. Die Herstellung normaler parlcunentarijcher Verhällnisse ist umso notwendiger als mir bei einem Wendepunkte der internationalen Wirt- jchaftspolllik angelangt sind, der auch von feiten Ungarns eure Stellungnahme erfordert. Tisza erllärt weiter, er werde für die unveränderte Annahme der Ausgleichsvor­lagen eintreten. Die Regierung werde bemüht sein, daß bei den Verhandlungen über die Handelsverträge die landwlltschaftlichen und wirtschaftlichen Interessen im ge­rechten Verhältnis berücksichtigt werden.

Sofia, 4. Nov. In macedonischen Kreisen ist die Meldung verbreitet, daß Georgi Petrow, einer der macedo nischen Hauptagitatoren, aus dem Gebiete von Mv- nasrir zurückkehrend, bei Köprülü am Wardeflusse, von Türken nied er gern acht worden sei. Einem Teil des Monastirkreises gelang es, nacn Montenegro zu entkommen.

K o n st a n t i n o p e l, 4. Nov. Die A n t w o r t n o t e der Pforte aus die macedonische Reformnote Oesterreich- Ungarns und Rußlands lautet ab l e hn e n d. Die Pforte bestreitet Punkt für Punkt und bringt für ihre Ablehnung Gründe vor. Die Folge der Haltung der Pforte wird sein, daß ihr nunmehr von den Ententemächten ein bestimmter Termin zur endgiltigen Entscheidung gestellt und ihr möglicherweise die Anwendung von Zwangsmaßregeln an­gedroht wird. Frankreich unterstützte vorgestern die Aktion der Ententemächte durch einen von dem Botschafter Constans unternommenen Schritt. Dies ist ein Erfolg der Reise des Grafen Lamsdorss nach Paris.

Washington, 4. 9iov. Ein Schneider namens Lewis Vronjtein aus Bvoollin, der den Präfidenten Roosevelt zu sprechen wünschte und einen Re v o lv e r bei sich trug, wurde verhastet.

N e w y o r k, 4. Nov. Nam den letzten Berichten über die Wahlen in den Staaten erlangten die Republikaner in Pennchlvanien eine Mehrheit von über 200 000 Stim­men. Zum Gouverneur von Ohio wurde der republikanische Kandidat mit einer Mehrheit von über 100 000 Stimmen gewählt. In Massachusetts erlangten die Republikaner eine Mehryell von 3,000 Stimmen. Berichte aus Maryland ergeben den Sieg der Demokraten. Nebraska wählte voll­ständig die republikanische Kandidatenliste. Kentucky dürfte demokratisch gewählt haben. In Virginia errangen die Demokraten, wie gewöhnlich, einen vollitändigen Sieg. An verschiedenen Orten in Kentucky sind gestern Wahl­tumulte vorgekommen. Sieben Personen wurden er­schossen, zehn verwundet. In Virginien wurden zwei Personen getötet.

Z>yuoöe des Fekauats Kietzen.

D. S. Gießen, 4. Nov.

Tie Synode wurde eröffnet durch einen Gottesdienst in der Johannestircye, bei welchem Pfarrer Glück aus Heuchelheim auf Grund von Apostelgesch 19, 1820 über die Gründe des großen Erfolges der Apopelpredigte. Er sand sie in deren Preoigtwesse und in dem Eindruck ihrer ge­samten Perjönlichteit, und schilderte dann den Erfolg selbst,

namenma) im xmer aus Die vevornryenoen zorLnuTunungeri über das Lesebedürfnis des Voltes. Tie Veryandlungen sanden im Konfirmandensaal statt. Nach dem gesprochenen Cingangsgebet von Pfarcer Haacke aus Steinbach gedackte Telan Strack aus Leihgestern der in ganz ungewöhnlicher Zahl im verslossenen Jahre verstorbenen Mitglieder der Synode, Dekan a. D. Wahl, Pfarrer D e i ch e r t, Psarrer Schönhals, Psarrer Dr. Grein, Bürgermeister a. D. Brückel aus Lang-Göns und Kirchenvorsteher Opper aus Treis a. d. Lumoa, zu deren Andenten sich die Syno­dalen erhoben. Zu Schriftführern wurden Pjr. Schwabe und Bürgermeister Benner aus Treis a. d. Lda. berufen. Psarrer Schlosser überbringt den Dank des Geh. Kirchen­rats Professor Dr. K a 11 e n b u s ch, für die ihm zum heuti­gen Gedächtnistage seiner jährigen Wirksamkeit in Gie­ßen im Namen der Dekanatschnode wusgeiörocheiien Glück­wünsche. Der Namensaufruf stellt die Änwesenheit Von 45 Mitgliedern fest. Die vollzogenen Wahlen wurden geprüft und bis auf die von zwei Stellvertretern ge­nehmigt. Den Jahresbericht über die Tätigkeit des Deta- natsausschusses und den kirchlichen und sittlichen Zustand des Dekanates im Jahre 1902 erstattete der Stellvertreter des Dekanates, Pfarrer Tr. Naumann. In 6 Sitzungen beschäftigte sich der DekanatSausschuß außer mit den lau­fenden Geschäften ganz besonders mit den Werken der inneren Mission. Aus dem über das kirchliche Leben der Gemeinden berichtete sei folgendes hervorgehoben: die Regelung des Eigentumsrechts an Kirche und Pfarrhaus, wie sie durch das neue hessische Ge,ey in Gang gebracht ist, hat sich in Steinbach und Albach bereits in vollem Einverständnis in Frieden vollzogen. In Beuern ist von der Kirchengemeinde selbst eine kleine Kcnderschule errichtet, in Wieseck von der bürgerlichen Gemeinde eine Diakonissin als Gemeindepslegerin angestellt woroen. Kirchenvisita- tionen wurden in Leihgestern, Rödgen und Annerod, auch in Treis a. d. Lda. gehalten. Kirchliche Feste für äußere und innere Mission fanden in verschiedenen Gemeinden statt. Das religiöse und sittliche Leben zeigt in seinen günstigen und uilgünstigen Zügen ziemlich das gleiche Bild. Besonders die Klage über die Zuchtlosigkeit der Jugend und böse Wirtshaussitten dauert fort. Die Zahl der Kir­chenbesucher in allen Gemeinden betrug an den drei offiziellen Zähltagen 27 667 Erwachsene und 16 371 Kinder, ^umma 38 638 (gegen 39 528 in 1901), die Zahl der Abend- mahlsgäste im öffentlichen Gottesdienst 1/433 Männer und 26 212 Frauen, privatim 129 Männer und 426 Frauen, Summa 38 200 (456 mehr als 1901). Im ganzen wohnten im Dekanat 53 686 Evangelische (1901: 51 710 , Trauungen fanden statt 460 (gegen 484j, getauft wurden 1465 (1460), konfirmiert wurden 968 Kinder (940), beerdigt 683 Ge­meindeglieder (654). An milden Gaben für kirchliche und Vereinszwecke gingen ein 32 334 Mark, an Kirchentollekten 2002 Mk., an Bücysengeldern bei Trauungen und Taufen <512 Mk., an sonstigen Sammlungen 56<8 Mk., Summa 47 608 Mark. Es schließen sich die Berichte der Synodal­vertreter für innere und äußere Mission an. Pfarrer Weber aus Lang-Göns berichtet zunächst über die innere Mission im allgemeinen, besonders über die Errichtung der Trinkerheilanstalt auf dem Durgbergerhos bei Bieber. Turch den Erziehungsbeirat wurden neun Pfleglinge unter­gebracht, 2 Tienstmädchen, 4 schulpflichtige Knaben, 1 schul­pflichtiges Mädchen, 2 kleinere Kinder. Leider gelang es ,aft in keinem Fall, auf Ansuchen der Verwaltungsbehörden Lehr- und Dienpstellen für Zwangspfleglinge auszumachen, lieber die Tekanatskrantenpflege berichiet Pfr. Schwabe. Tie drei Schwestern leisteten 587 Tagpflegen, 105 Nacht- lvachen und 1100 Pflegebesuche; davon entfallen auf Süiwesker Eelisabeth Sclwfer ch Großen-Linden 260 Tag^- pslegen, 57 Nachtwachen und 117 Pf le gebe suche, auf Schw. Philippine Bück in Annerod 132i/2 Tagpflegen, 583/4 Nacht­wachen, 950 Pflegeöesuche, Schw. Elisabeth Grölz in Mainz­lar 194 Tagpflegen, 19 Nachtwachen, 18 Pflegebesuche. An Pflegegeldern gingen ein 510 Mark. Eine vierte Schwester wird in Steinbach angestellt. Ueber Heid enmissio n re­ferierte Pfarrer Guß mann aus Kirchberg. Die Missions- beiträge in den Gemeinden des Dekanates betragen pro Kopf 9 Psg., während sie sich in ganz Deutschlano aus 14 Pfennig belaufen. Sie schwanken dabei von 60 Psg. in einer Gemeinde bis zu 0,6 Pfg. in einer anderen.

Bei den nun vorgenommenen Wahlen wurde zum Stellvertreter des Dekaus Pfarrer Dr. Naumann, zu weltlichen Mitgliedern des Dekanatsausschusses Laud- gerichtsrat Sandmann und Bürgermeister Krämer aus Steinbachs zum fünften Beisitzer Pfarrer Glück in Heuchel­heim, zu Stellvertretern: Pfarrer Hepding in Großen- Linden, Bürgermeister cl D. Kreiling in Heuchelheim gewählt.

Da die Zell vorgerückt ist, wurde die Verhandlung überdas Letebedürsnis des Volkes" vertagt und die Sy­node um i/22 Uhr geschlossen.

Aus Stuöt und Luud.

Gießen, den 5. November 1903.

* Der Reg.-Ass. Dr. Wilh. Reitz in Darmstadt ist, wie man aus Darmstadt drahtet, mit der Wahrnehmung der Dienstverrichtungen eines Kreisamtmanns beim Kreis­amt in Alsfeld vom 16. Dezember ab betraut worden.

* * Aus dem Bureau des Stadttheaters wird uns geschrieben: Nochmals sei auf die einmalige Aufführung von Friedrich Hebbels gewaltigem Trauerspiel Niaria Magdalena hingewiesen, das morgen, Freitag, den 6. November, als 6. Freitags-AbonnementsvorsleUung in Szene geht. Die Vorstellung ist sorgfältig vorbereitet, die Hauptrollen des Anton und der Clara liegen in den Händen des Herrn Linzen und des Fräulein Hohl. Der nächste Sonntag bringt als 4. Sonntags-Abonnementsvorstellung Albert Lindners lut Hochzeit", welche in poetischer Form das Hugenottenthema behandelt. Das überaus effektvolle Werk war Jahre lang Hauptrepertoirestück der Meininger auf deren Gastspielreisen. Wir entnehmen dieser Mitteilung, daß die neue Direktion fortan auch bestrebt zu sein scheint, die Sonntagabende litterarisch zu heben. Die Bluthochzeit stellte einst Lindner in die Reihe der befähigtsten deutschen Dramatiker. Die Dichtung hat einen Zug ins Große, und die Charakteristik owie das ganze historische Milieu zeugen von der Kraft eines echten Poeten. Voraussichtlich werden am nächsten Sonntag also auch die teuereren Plätze de§ Theatersaales besetzt sein.

* * ZurFlei sch Verteuerung. Aus verschiedenen Orten unserer Gegend kommen Nachrichten von Fleischver- teuerungen. Bemerkenswert ist, daß das sächsische Riini- terium des Innern Erhebungen darüber veranstaltet hat, ob die Konsumenten durch die Errichtung und den Betrieb von Schlachthöfen belastet würden. Das Ergebnis der Er-