Ausgabe 
5.10.1903 Erstes Blatt
 
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Veranstaltung des evangelischen Arbeitervereins hat deut­lich gezeigt, daß für solche Abende ein großes Bedürfnis vorhanden ist und daß man gern bald wieder etwas Aehnliches haben möchte.

** Gießener Volksbad. Im September wurden 9597 Bäder verabreicht gegen 8883 im August 1903 und 7291 im September 1902 oder im Durchschnitt auf den ganzen Vadetag 307 Bäder gegen 312 im August 1902 und 260 im September 1902. Aer Besuch hat sich wie folgt verteilt:

Schwimmbad 3865 Männer, darunter 898 zu 10 Pfg., 1459 Frauen, , 361 , 10 r

Wannenbäder 1. Klasse 256 Männer, 110 Frauen, , 2. , 551 , 430

Dampf- und Heißluftbäder, sowie Massage zusammen 91 Männer und 13 Frauen, Brausebäder 1559 Männer und 263 Frauen. Die Personenwage wurde von 200 Per­sonen benutzt, das Bad von 9 Personen besichtigt.

Darmstadt, 3. Okt. Die ,D. Ztg." schreibt: Die fortwährenden Beschädigungen undVerunstaltungen des Goethedenkmals im Herrengarten und des Mar­rn orbrunnens am Olbrichhaus stellen dem Kunstsinn der hiesigen Einwohner, welche solche Verunglimpfungnn verüben, ein schlechtes Zeugnis aus. Man sollte die Schaffung solcher Kunstwerke zur Verschönerung unsrer denkmalsarmen Stadt freudig begrüßen, sie schützen und nicht durch so lächerliches Benehmen weitere Schöpfungen im öffentlichen Interesse er­schweren oder gar unmöglich machen! Besonders müßten die Eltern auf ihre Kinder einwirken, daß diese nicht, wie es leider geschehen ist, die Denkmäler verunzieren. Man erhofft von dem Gemeinsinn unsrer Einwohner Unterstützung unsrer Anregung.

Mainz, 3. Okt. Die hiesigen Sozialdemokraten hielten jüngst eine Versammlung ab, in welcher der Par­teitag irr Dresden besprochen wurde. Der Delegierte Weiß wandte sich lebhaft gegen Mehring und verurteilte den s ch u l m e i st e r l i ch e n Ton Bebels und die Be­handlung Göhres durch Bebel. Frau Dr. David, welche bekanntlich an Stelle chres Mannes vou den Mainzer Ge­nossen nach Dresden geschickt worden war, wandte sich eben­falls gegen Dtehrirrg und die ungerechte Behand­lung Göhres durch Bebel zu Gunsten Mehrings. Die Vizepräsidentenftage hätte man am besten der Frattions- entscheidung überlassen, die aber Bebel gefürchtet hätte. Tie Resolution Bebel-Kautsky unterstelle den Revisionisten unwahre Ab sich t en. Die neue Gesellschaft könne nicht im Sturme erobert werden, sie sei vielmehr das Werk eines längs amen, zähen Ringens und eines organischen Aufbaues in opfervoller Kleinarbeit. Besonders beachtenswert ist aber die Versammlung deshalb, weil in der nunmehr folgenden Diskussion auch der in Dresden nicht anwesend gewesene Reichstagsabgeordnete und Revisionist Tr. David das Wort zu einer längeren Rede ergriff. Nach der Mainzer Volksztg. führt er aus: Der Dresdener Parteitag sei ein wenig erfreuliches Nachspiel nach dem glänzenden Wahlsieg vom 16. Juni, den Revisionisten und Radikale einträchtig errungen hätten. Einige Olympier hätten es für notwendig gehalten, ein peinigendes Gewitter" zu arrangieren Die Mitarbeiterschastsfrage und die BLzepräswentenfta.ge hätten das Material zu einer großen Mion gegen die Revisionisten abg^en müsserr. Es sei unwahr, daß die Revisionisten die Partei von ihrem historischen Boden des proletarischen Klass en kampfes ad- drängen und dem bürgerlichen Liberalismus angliedern wollten. Aus den erfreulicherweise kräftigen Antworten der Genossen v. Vollmar, Bernstein, Auer usw. sollten Behel, Kantsky u. o. die Lehre ziehen, der Einsicht, dem Charakter und der Ehre andersdenkender Parteigenossen dieselbe Acht­ung entgegcnzubringen, die sie für sich, selbst beanspruchen. Mau habe so von ober: herab von den Akademikern ge­sprochen; er müsse verlangen, daß seine Ehre als geistiger Arbeiter ebenso.anerkannt werde wie die jedes anderen Arbeiters. In der Diskussion hatte Genosse Liebmann vor den verkrachten Existenzen aus dem bürgerlichen Lager gewarnt. Dr. David belehrte ihn, daß diese Leute in ihrem Berufe gerade deswegen nicht vorwärts gekommen seien, weil sie schon Sozialdemokraten gewesen seien. David ging es bekanntlich so. Er war, wie männiglich bekannt, zuletzt Lehramtsassess or am Gymnasium zu Gießen. Weiter meinte David, cs habe den Anschein, als ob jeder

ginnt nunmehr seine Fürsorge auf die? Gebiet zu erstrecken. Zunächst haben die königlich sächsischen Amtshauptmann­schaften, denen die Verwaltung der industriellen Gebiete obliegt, Polizeiverordnungen bett. die Beaufsichtigung von Mietwohnungen, sowie der zum Aufenthalt von Dienst­boten, Gewerbegehilfen, Lehrlingen und Arbeiter bestimmten Räume erlassen. Die unter den Erlaß fallenden Miet­wohnungen und Schlafstellen sind in regelmäßigen Zwischen- räumen darauf zu untersuchen, daß ihre innere Einrichtung die Sicherheit, Gesundheit und Sittlichkeit der Bewohner ilicht gefährdet; andere Wohnräume und die zum Aufenthalt von Dienpboten, tz^ewerbegehilsen, Lehrlingen usw. be­stimmten Räume sind in besonderen Füllen und zwar namentlich dann zu revidieren, wenn bekannt wird, daß aus ihrer Benutzung hygienische oder sittliche ^Nachteile zu befürchten sind.

Aus Stadt unö AanS.

Gießen, 5. Oktober 1903.

* Ludwig Richtcr-Ab end. Mehrere Hundert Kinder urrd Erwachsene begrüßten gestern abend Ludwig Richter, den Maler und Zeichner, der am 27. September vor 100-Jahren das Licht der Welt erblickte. In ärmlichen Ver­hältnissen wuchs er als Sohn eines einfachen Zeichners und Kupferstechers in einer Vorstadt Dresdens auf. Wie sich In ihm ftüh das Talent regte, wie er in der Schule statt seiner Rechenexempel Zeichnungen auf die Schiefer­tafel kritzelte, wurde von Pfarrer Euler, der dies kleine Lebensbild vortrug, hübsch erzählt. Als Zwanzigjähriger kam Richter rrach Rom in die Strömung der Nazarener, wo er sich besonders Schnorr 'tarn Carolsfeld anschloß, yiach Jahren kommt er in die Heimat zurück und krankt an Heimweh nach Rom Als armer Zeichenlehrer in Meißen projektiert er eine neue Reise nach dem Süden; das Geld dazu muß er sich. geradezu erhungern. Ta erkrankt feine Frau, mit) seine ersparten Mittel reichen nur zu einer Elbwanderung nach dem Mittelgebirge. Hier gehen ihm dre Augen auf über die Schönheit seiner deutschen Heimat; voll Lust und Freude schafft er Bilder, die ihn dem deutschen Hause unvergeßlich machen. In seinem großen Fleiß schickte er unzählige Bilder in die Welt. Als Lehrer an die Dres­dener Akademie berufen, hat er dann im Leben viel Freuden, aber auch viel Leiden gehabt. Er wurde später beinahe blind, aber feinen frischen Sinn und sein Gottvertrauen bewahrte er sich bis an sein Ende. Eine große Anzahl ferner Bilder wanderten gestern abend an uns vorüber. Er ist wirrer der gemütstiessten deutschen Maler. Er malt nicht große L^ensmomente, er philosophiert nicht über Probleme, er gibt uns fchlickcke, liebe Bilder aus dem deut­schen Haus und der deutscher: Heimat und erinnert uns mit seinen Holzschnitten aus den Märchen an unsere Jugend. Eine große Famllie, die sich aus dem evangelischen Arbeiterverein zusammengetan hat und die große Turnhalle bis auf den letzten Platz füllte, lauschte gestern den Klängen dieser Kunst. Viele Kinder, blondlockige, groß­äugige Linder, wie sie Richter so gern malte, wurden von ihren Wern in die Höhe gehoben und schauten sich ver­wundert um Die kleine Well fühlte sich sehr heimisch und gemütlich. Ein kleiner Bengel, auffallend er­weise mit langem Säbel angetan, war zu be­obachten, wie er im Saale umherstrich, vou einem guten Platz, zu einem anderem Die Vorführung der Lichtbilder wurde in ihrer Wirkung gehoben durch ent­sprechende Gesänge und Dellaumtionen, zumeist aus Kinder­munde, die Gesäuge unter dem Dirigenten Herrn Gern­hardt. Tn kam ein Bildchen, wie ein lleiner, frischer Junge, mit 'ner Bretzel in der Faust, vergeblich ficE), bemüht, die Tür zu öffnen, auf die das pausbäckige Ännemariechen die-Arme stützt und herunterguckt auf den Bretzelbesitzer. Das gefiel den vielen anwesenden Kleinen ausnehmend, sie klatschten stürmisch in die Hände, und der Kinderchor mußte wiedMoll singen:

^Annemarie komm' komm' komm'. Laß wich doch mal ein, Hab'ne Bretzel krumm krumm krumm, Ist auch Butter drein."

Die Bilder nach Maus Groth's llcinen Dichtungen wur­den alle mit Jubel ausgenommen. Mehrmals ertönten auch die feierlichen Klänge des Harmoniums und schöne Gesänge des gemischten des Vereins. Am Sck)luß wurde das Bildnis Ludwig Richters gezeigt, des allen, prächtigen Mannes mll dem langen Kuustlerhaar. Die

willkommen sei, wenn er sich nur recht radikal zeige, waA jedoch keinen Mut erfordere. Die Radikalen sollten herum lieber ihre unschönen Angriffe lassen. Die Resolütion Bebel- Kautsky-Singer treffe, was anzuerkennen sei, nur denprak­tischen Revisionismus", den theoretischen, das Prinzip der voraussetzungslosen wissenschaftlichen Selbstkritik lasse sie unangetastet. Der praktische Revisionismus sei aber nur ein Phantasie Produkt der Verfasser der Resolution. Der Parteitag wäre besser Molkenbuhr gefolgt und hätte auf eine Abstimmung über die Resolution ver­zichtet. Er hätte mllNein" gestinrmt, weil einige ultra- radikale Genossen mit der Resolution eine Anzahl bewährter und verdienter Genossen als unsichere Kantonisten verdächtigen wollten, die Resolution auch prakttsch un­haltbare Amendierungen enthalte. Nur durch einmütigen Kampf gegen die Jnteressenpolitik bei; herrschenden Klasse und durch Arbeit an der Besserung der wirtschaftlichen und sozialen Lage könnten die 81 Abgeordneten das Vertrauen der drei Millionen Wähler rechtfertigen. Trotz abweichender Meinungen über einzelne theoretische und praktische Fragen sollten sich alle als gute Kampfgenossen achten. Die Volks­zeitung verzeichnet am Ende lebhaften Beifall und Hände­klatschen.

Vermischtes.

* Fähnrich Hüsseuer erllärte, wie aus Kiel be­richtet wird, die ihm zudiktterte Festungsstrafe in Magde­burg verbüßen zu wollen. Darauf wurde seine Abführung dorthin verfügt.

* Panik in einer Synagoge. In dem galizischen Städtchen Strzeliska Nowo bei Bvbrka entstand am jüdi­schen Versöhnungstage in der Synagoge aus die Nachricht, daß im Orte .Feuer ausgebrochen sei, eine furchtbare Panik. Hunderte von Frauen, die auf der Galerie beteten, stürzten nach dem Ausgang. In dem engen Treppenhause fielen sie haufenweise.übereinander und ver­rammelten die Ausgangstür mit ihren. Körpern. Um Raum zu schaffen, mußte eine Zwischenwand im 1. Stockwerke der Synagoge niedergerissen werden. Drei Frauen sind tot oder lebensgefährlich verletzt, viele andere erlitten leichtere Verletzungen.

* Ein Pistolenduell zwischen Bauern. Wir lesen in derN. B. Landesztg.": Zwischen den Bauern Alois Toty und Josef Harmath in Kis-Telek fand ein Pistolenduell statt. Tie beiden sind Nachbarn und seit längerer Zeit verfeindet. Am Samstag abend trafen sie sich auf dem Felde und ge­rieten in einen Wortwechsel, der so erregt wurde, daß sie ihn mit Waffen auszutragen beschlossen. Jeder lief in seine Wohnung und holte sich eine Pistole Sie ttafen sich gleich darauf, und ein Verwandter des Harmath machte den Un­parteiischen. DerUnparteiisch^ kommandierte für beide gleichzeitigFeuer!" Hrmath wurde am Arm^ schwer verletzt, sein Gegner stürzte mit einem Schuß in den Unterleib zusammen. Als Harmath dies sah, lief er trotz seiner Verwundung davon; der andere wurde in seine Wohnung gebracht und liegt im S t e r b e n. Harmath wurde verhaftet.

Gerichtssaal.

Leipzig, 2. Okt. Das Reichsgericht verwarf die Revision des Rechtsanwalts Max Liebling I und des Agenten Raphael Coro, die wegen versuchter Erpressung am 23. Juni er. vom Langericht i in Berlin zu Gefängnis verutteill worden waren; ferner wurde die Revision des Kaufmanns Wilhelm Bethke und des Maurernneisters, jetzigen Rentiers Friedrich Brandt verworfen, welche wegen Beleidigung des Grafen Douglas in Sachen der Brandtschen Millionenerbschast, begangen durch eine Broschüre, vom Landgericht I Berlin am 19. Dezember 1902 zu Gefängnis verurteilt worden waren.

Budapest, 4. Okt. Gestern wurden in Komorn ungefähr 50 Soldaten, die sich weigerten weiter zu dienen, zu Strafen von 8 bis 12 Monaten Kerker und zu strafweiser Abdienung verurthellt.

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wegz«.schnuppen, obwohl er mir ein armes Hascher! ist, ein Eisenbahufchallerbeamter, der das Blllet zu der Ver­gnügungsreise in einer Lotterie gewonnen Hut! Auch das Schiffspersonal hatte in den wesentlicheren Rollen eine geeignete Vertretung gefunden, so war Herr Linz en ein prächtiger Kapitän und Exweib er feind, und Herr Engel- fchmid t ein hübsches Kontersei des Prinzen Heinrich; neben manchen darstellerischen Vorzügen ist ihm leider ein konse­quentes Sprechen ins Publittrm eigen, das auf die Dauer sehr störend wirkt, zumal er seine Worte nie an seinen Partner, sondern immer an den Sperrsitz richtete. Eine flüchtig verheiratet gewesene Dame, die in Berlin die Ehe­scheidung beanttagt hat und in Norwegen plötzlich Angst davor bekommt, daß sie wirklich geschieden lverden könnte, fand in Frl. Hohl eine elegante, liebenswürdige und anmutige Vertretung. Die Damen Hell berg, Lembach und Hagen und die Herren Teleky, Achterberg und Kna b e bekamen willkommene Gelegenheit verliebt zu sein. Und schließlich brachte es Amor auch zu Wege, daß vier Töpfchen chre Deckelchen kriegten, nachdem er die einen begünstigt, die anderen genarrt und viel Verwirrung an- gerichtet hatte. Er brachte wieder zusammen, was sich für immer trennen wollte; er führte zwei ahnungslose Herzen zusammen und sttafte den Eigennützigen, der thil miß­brauchen wollte, er kehrte sicy nicht an die Schiffsdisziplin, die dem liebenden Gatten nicht gestatten will,- seine junge Frau mitzunehmen, und rächce sich durch sie an dem theo­retischen Weiberfeind, und er schlug den leichtfertigen Jüng­ling, der ihn zu betrügen hoffte, in unauflösliche Mrnde.

Das Zusammenspiel ließ hier und da noch ein Weniges zu wünschen übrig, zeigte aber emsiges Streben auch bei Anfängern, denen es noch an Routine und. dem rechten Bühnenschliff mangelt. Docy^ um nochmals Heine zu bemühenwie der Winterwanderer des Abends sich sehnt nach einer warmen, innigen Tasse Tee", so toirb die Künstler schar nun, nachLiselott" und demblinden Passa- giett, sich höhere Aufgaben moderner Dramatik ersehnen, um ihre reichen Schätze vor einer dankbaren Hörerschaft auszubreiten, die die Hoffnung hat, den vergangenen Winter unseres theatralischen Mißvergnügens nun in glorreichen Sommer jW wandeln zu sehen. P. W.

u ftu s v o n L i e b i g", sein Leben und Wirken, auf Grund der besten unb zuverlässigsten Queller: geschildert von Dr. Adoll Ko Hut. Mit ungebruefteu Briesen Liebigs, zwei Briefen Liebigs in Faksimile unb 34 Origuralillustra- tionen. Gießen, Verlag von Emil Roth. Preis in Leinenbcmb 6 Mark. Das Buch kommt ja ein wenig post festum, ein halbes Jahr nach bes genialen Begrüubers her mobenten chemischen Wissenschaft 100. Geburtstage. Da­für aber berichtet es auch bereits in seinem letzten, 15. Kapitel sehr ausführlich über bie Hunbertjahrseiern in Tarmstabt, Gießen (hier unter wörtlicher Zitierung des Berichtes im Gieß. Anz. vom 12. unb 13. Mai d. I.), München, Frankfurt, Hannover, Karlsruhe, Berlin unb Wien. Dr. Kohut, ber fein Fachmann, aber ein gewanbter unb geschickter Compilator ist unb flott zu plaubern versteht, gibt hier eine im besten Sinne volkstüml ich. zu nennenbe Darstellung bes Lebens gang es Liebigs, so- bas stattliche Buch Anspruck barauf hat, ein wertvoller Schatz jebes ober hessisch en Bauern- unb Bür­gerhaus es zu werben. Hier in Gießen verbient bas Buch allgemeine Beachtung wegen feiner zahlreichen in­teressanten Reminisz enzen an bie Gießener Zeit um bieMitte bes vorigen Jahr hunderts. Tie Seiten 46236, bieten davon außerordentlich " viel Interessantes. Wir haben die Absicht, Biruchstücke daraus unseren Lesern mitzuteilen. Am liebster: fteilick) druckten wir das ganze Buch ab. Ta das aber bekanntlich uach> der deutschen Urhebergesetzgebung mit gutem Rechte ver­boten ist, so müssen wir uns darauf beschjrüuken, die Lektüre des Buches jedermann zu empfehlen. Tas 6. Ka­pitel dürste ganz besonders unseren Bauern lehrreich sein; es werden in ihm Liebigs große Verdienste um bie ruo- berne Lanbwirtschaft in allgemein verstänblicher Form bar­gelegt. Die zahlreichen vortrefflichen Jllusttattonen be­leben bas schöne Buch ungemein. Auch hier ist vieles geboten, was hier in Ob er Hessen besonders ansprechen dürfte. Die Ausstattung des vortresilicheu Buches vereint Gediegenheit mit feinem Geschmack. Es ist ein Geschenk'werk ersten Ranges unb sollte w ganz Oberchessen auf keinem Weihnachtstische fehlen.

Frankfurt a. M., 3. Ott. Herr Arthur Bauer beabsichtigt zum 1. Oktober 1904 aus dem Verbände des Frankfurter Schauspielhauses aus zu scheid em

Frankfurter Oper. Die dreiattige OperDie Meeresbraut" von Jan Blocks (Text von Nestor be Tiöre) wirb am 18. Oktober ihre erste deutsche Aus­führung im Frankfurter Opernhause erleben.

Im Kunst verein in Frankfu rt a. M. ist, wie man uns schreibt, gegenwärtig neben Werken einheimischer und auswärtiger Künstler eine größere Kollektion von Ge­mälden französischer Meister ausgestellt, in welcher Corot, Tagnan^Bouveret, Danvigny, Telpy, Dupro, Guig- narb, Rousseau u. a. m. vertreten sinb. Zu Anfang ber nächsten Woche wirb im Frankfurter Kunstverem eine große Souderausstellung von Franz Courtens-Brüssel eröffnet, bie zu (Silbe bieses Monats von der5. Jahresausstellung der Frankfurter Künstler abgelöst wirb.,

Berlin, 4. Okt. (Wagnerserer.) Heute mittag sanb in ber Singakademie ein geistlich es Kon z er t des königlichen Domchores unter Leitung des > Musikdirektors Prüfer unb unter Mitwirkung von Fräulein Jmnne Fla- ment-Brüssel und Fräulein 9lofa Olitzlä-Lonbon statt. Das Programm bilbeten Kompositionen von Palestr in a, Kuhnan, Bach, Bizet, Pergolese, Schreck-Leipzig, Menbelssohn, Brahms, Professor Flügel-Breslau unb Professor Albert Becker. Tie vollenbeteu Vortrüge bes Domchors ernteten lebhaftesten Beifall, namenttich ber Passionsgesang von Schreck, ber Feftspruch von Brahms, bas Weihnachtslied von Flügel unb das Chorlied von Becker.

Agnes S o r m a, die gestern ihr Gastspiel am Frank­furter Schauspielhaus begann unb am Donnerstag mit der Rolle besRautenbelein" beschließt, wirb von Wiesbaden aus, wo sie am Ende der Woche gastiert, nächsten M o n t a g, den 12. Oktober, hierher kommen, um auch hier als Rautendelein aufzutteten. Da die Vorstellung als erste Theatervereinsvors'tellung stattfinbet, in ber fast c.Lc Plätze (s. bie Bekanntmachung im heutigen Anzeigenteil) von den Mitgliedern des Vereins in Anspruch genommen sind, so ist sonstigen Theaterfreunden zu empfehlen, daß sie sich sogleich Plätze vormerken lassen. Wahrscheinlich werden wir die große Künstlerin zum letzten Male in Gießen sehen, da sie ihre Gastspiellättgkeit, wenn nicht ganz aufzugeden, so doch p hr einzuschränten und, wie wir bereits nutteüten, wieder in festes Engagement zu gehen beabsichttgt. Für die letzten drei Monate dieses Winters hat sie sich^ bereits dem Neuen Theater in Berlln verpflichtet.