Erstes Blatt.
Montag 5. Oktober 1903
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SLdrefie für Depefchear «nzetger Gieße«.
Ferujprechanfchluß Str. 61.
153. Jahrgang
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Nr 233
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GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen
Volttische Wochenschau.
Gieße«, 5. Oktober.
Die deutsche Städtenusstetlung in Dresden rsttn ber nerg an gen en Woche geschlossen worden. Kurz zuvor hat ihr noch Reichskanzler Graf Bülow einen Besuch abgestattet mtb dabei eine recht schöne Rede gehalten über bte Bedeutung der Städte und über Oberburaer» meister als Minister. Zweifellos paßt nicht jedes Stadtoberhaupt auf einen Ministersessel, nicht jeder eignet srch für erne selbständig leitende höchste Verwaltungsstelle. In entern seiner Briefe an Otto v. Manteuffel entwirft Bismarck einmal ein Btld von einem bayrischen Minister, dessen Befähigung, Charakter, Gründlichkeit und ^-lmß er rühmt, dessen Offenheit ihm gefällt, dessen Recht- yaberet aber „einem leichteren Fortgang der Geschäfte hemmend entgegentrttt", und dessen sehr reizbares Naturell rym manchen argen Streich spielt. Mer so w'e wir in Hessen bereits die allerbesten Erfahrungen mit Oberbürgermeistern als Ministern gemacht haben, so» würde vielleicht auch in Preußen dadurch ein frischer unL> freier Zug in die stagnierende Regierungspolitik kormnen und man würbe viel- leicht gar bald mit den sich der Kanalvorlage ent- gegenstehenben Schwierigkeiten fertig werden. Neuerdings wird der „Weserztg." bestätigt, daß die wasserwirtschaftliche Vorlage mit dem Mittalland-Kanal in diesem Winter neu eingebracht wird. Ter Kaiser habe unbedingt an dem Mittelland-Kanal festgehalten.
Daß die Sozialdemokratie als Partei bei den preuß. Landtagswahlen erhebliche Erfolge erzielen und irgendwie nennenswerten Einfluß auf die Konstellatton der Parteien im Berliner Abgeordnetenhause gewinnen könnte, ist nicht anztmehmen. Einmal ist die entschieden ablehnende Haltung der freisinnigen Parteien ihrem Liebeswerben gegenüber dtrrch den Anschluß der Nationalliberalen nur noch gefestigt, zum! amderen aber hat der Verlauf des Dresdener Parteitages und nicht weniger dessen Nachklänge in der Presse doch wohl Teile t>er Arbeiterschaft stutzig gemacht. Wenn man bte Situation, wie sie sich innerhalb der Partei Bebels jetzt darstellt, überschaut, dann muß man feststeHen, daß eigentlich niemand zufrieden und die Erregung der „Genossen" fast noch größer ist, als sie in Dresden war. Die Saat, die dort ausgestreut wurde, beginnt jetzt, aufzugehen; die langp Reihe von Angriffen, von Verteidigung- und Rechtfertigungsversuchen, die die Auseinandersetzungen auf dem Parteitage zur Folge gehabt haben, offenbarte die innere Schwache des sozialdemokratischen Gedankens besser, wie die eingehendsten theoretischen Betrachtungen das zu tun vermögen, und die Nachwirkung wird nicht ausbleiben. Mag sie atrch noch etwas aus sich warten lasten, kommen wird sie ganz sicher, und die Mandatsniederlegung Göhre s und anderer Herren von der äußersten Linken in Nord und Süd, diese neueste Erscheinung auf dem „genossenschaftlichen" Kampfplätze, erscheint uns als der erste Ankäufer. Mag Göhre seinen Schritt auch mit dem Mißtrauen begründen, das ihn innerhalb der Partei umgebe, in WirklichLit wird es doch das Mißbehagen sein, als Vertreter der zügellosesten Parteileidenschaft sich vor dem Volke zu präsentieren, das ihn zür seinem Verzicht drängte. Göhre müßte kein gebildeter und anständiger Manu sein, wenn er nach der Behandlung, die ihm zu teil geworden, nicht allmählich ganz
wieder verschwinden würde ans der sozialdemokratischen Bewegung. Und nach Göhre und Hildcnbrandt werden vielleicht die anderen folgen, die Heine, Braun, Maurenbrecher, Bernstein, Bernhardt, David (vgl. unsere heutige Kvrre- spondenz aus Mainz) und wie sie alle heißen, wenn auch nur, um sich wbseits zu stellen von der Vasallemnaste des Diktators Bebel und ihre Aufklärungsarbeit und Reform- tättgkett frei vom Joch der „Genossen" fortzusetzen. Jedenfalls ist an Frieden innerhalb der Sozialdemokratie nicht zu denken, so lange der Revisionismus in ihr fortwirkt. Am Revisionismus wird sie gesunden oder zu Grunde gehen.
Auf das Gebiet der hohen Politik übertragen, könnte man diesen letzten Satz, um noch die Situation, die die letzte Woche im Auslande gestaltet hat, kurz zu streifen, auch auf den Balkan Miwenden. Auch dort kann der Revisionismus, in seiner reformierenden Bedeutung verstanden, nur noch den einen oder anderen Effekt haben. Sind die Reformen, die Rußland und Oesterreich durchsetzen wollen, nicht gründlicher Natur, dann werden auch die Balkan- Volker sich in gegenseitiger Zerreibung verbluten. Im anderen Falle könnte es wohl gelingen, für absehbare Zeiten die Gefahr zu bannen, die dem europäischen Frieden von dort her ständig droht. Erfteulicherweise hat der Besuch, den in der vergangenen Woche von Darmstadt aus der Zar dem Kaiser Franz Josef abstattete, die Gewißheit gefestigt, daß beide Monarchen entschlossen sind, all ihren Einfluß zur Banmmg der vom Balkan her drohenden Gefahr aufzubieten. Die Trinksprüche, die beide Herrscher wechselten, ebenso wie die letzten Meldungen über die nun beendeten polittschen Konferenzen von Mürzsteg lassen darüber keinen Zweifel; das rechtfertigt die Hoffnung, daß in Müeedonien endlich Zu stände geschaffen werden, die geeignet find, die Bevölkerung zu beruhigen und Mord utti> Totschlag, Raub und Plünderung, die noch immer an der Tagesordnung sind, zu bannen. — Offiziös wird bestätigt, daß bei den Besprechungen zwischen den Grafen Lambsdorff und Golnchowsky eine Erweiterung des Reform-Programms stattgefunden hat. Vor allem soll, wie eS heißt, eine internationale Ueberwachungs-Kommission geschaffen werden, welche die Durchführung der vvn den Mächten im Frühjahr gemachten R»form-Vorsch5äge zu kontrollieren hat und dafür sorgen soll, daß die Repatriierung der bulgarischen Flüchtlinge sowie die Wiederherstellung der von den Türken zerstörten Wohnstätten vollzogen wird. Der Wiener „N. Fr. Pr." zufolge werden Oesterreich-llngarn und Rußland auf Grund der Beschlüsse der Mürzsteger Konferenzen der Pforte und Bulgarien identische Vtoten überreichen. Der Zar ist absolut für Ausrechterhaltung des Friedens und gegen jede Intervention. Auch die Frage der Zurücksend- ung der aus der Türkei nach Bulgarien geflüchteten Mazedonier ist in Mürzsteg zur Sprache gekommen.
Auch in Marokko scheint sich die Situation ihrer Lösung und Klärmrg zuwenden zu wollen; allerdings ihrer gewaltsa men Lösung. Die allgemeine Ausweisung aller Europäer durch den Sultan dürfte der französischen Regierung den letzten Anstoß gegeben haben zur Ausführung ihrer lärrgst schon gehegten Absicht, mit bewaffneter Hand-in dem nordasrikonischen Kaiserreich zu intervenieren und es dadurch für alle Zeit dem Einflüsse der europäischer Kultur offen zu hatten. Zwar leugnet man in Paris noch
das Vorhandensein dieser Absicht, aber die Vorbereitungen, die seitens der Militärverwaltung getroffen werden, die Ausrüstung der in Algier und Tunis stehenden Truppen, der Aufkauf aller irgendwie aufzutreibenden Kamele und manch anderes mehr lassen erkennen, was es mit diesen Ableugnungen für eine Bewandtnis hat. Frankreich wird sich binnen kürzester Zeit seinen Einfluß in Marokko für immer gesichert haben. Der Ministerpräsident CombeS wird es schon verstehen, alle die Hindernisse zu beseitigen, die ihm bei diesem Plane im Wege stehen. Er will durch die Marokko-Expedition die Aufmerksamkeit der durch die Kulturkampf-Gesetze empörten gläubigen Menge von dem nrneren Hader ablenken und steht bereits, wie der Pariser „Jntrcmsigeant" soeben versichert, int Begriff, sich von drei seiner Minister-Kollegen zu trennen, nämlich vom Kriegsminister Andrä, dem Unterrichtsminister Chaumier und dem Handelsminister Maruejols. Nachfolger werden wohl ein paar Herren werden, die dem neuen afrikanischen Aben- teiier sympathischer gegenüb ersteh en als die drei genannten.
Volttische Tagesschau.
Tas neue bayerische Laudtagswahlgesetz.
Der der bayerischen Kammer der Abgeordneten zua^ gangene Entwurf eines neuen Landtags-Wahlgesetzes bestimmt, daß im Turschnitt auf je 38000 Einwohner ein Abgeordneter zu wählen ist, und zwar nach dem Ergebnis der amtlichen Volkszählung vom 1. Dezember 1900. Die Gesamtzahl der Abgeordneten ist auf 163 festgesetzt. Wahlberechtigt ist jeder bayerische Staatsangehörige, der das 25. Lebensjahr zurückgelegt hat, seit mindestens einem Jahre die bayerische Staatsangehörigkeit besitzt und mindestens seit einem Jähre direkte Steuern zahlt. Die Ausübung des Wahlrechts ist bedingt durch die Leistung des Verfassungseides. Für die Wählbarkeit zum Mgeordneten ist außerdem die Zurücklegung des 30. Lebensjahres erforderlich Die Wähl ist direkt und geheim und erfolgt durch relative Mehrheit der abgegebenen Stimmen mit der Einschränkung, baß der Gewählte wenig st enseinDrittel der abgegebenen Stimmen aus sich vereinigen muß. Der Gesetzentwurf, der ttn ganzen 40 neue Artikel enthält, soll schvg für die nächsten Wahlen in Kraft treten. Einen integrierenden Bestandteil des Gesetzes bildet die Einteilung der Wahlkreise. Für 30 Wahlkreisesind je zwei Abgeordnete, für 103 Wahlkreise nur je ein Abgeordneter vorgesehen. Unter der imteren Grenze von 32000 Einwohnern eines Kreises für einen Abgeordneten und 64 000 Einwohnern für zwei Abgeordnete bleibt kein Wahlkreis zurück. Die obere Grenze mit 44 000 bezw. 88 000 Einwohnern wird nur von wenigen städttschen Wahlkreisen um ein wenig überschritten. Oberbayern erhält 34, Niederbayern 18, die Pfalz 22, die Oberpfalz 15, Oberfranken 16, Mittelfranken 21, Unter franken 18, Schwaben 19 Abgeordnete. München Stadt und Land erhält statt 9 jetzt 13, Nürnberg statt bisher 4 jetzt 6 M- geordnete.
Zur Frage der Wohuungsaufficht
nehmen jetzt auch die anderen Bundesstaaten in um» fassender Weise Stellung, nachdem Hessen auf diesem Gebiete bahnbrecheno vorgegcmgen tst. Sachsen be-
Gießener Stadttheater.
Der blinde Passagier.
Lustspiel von Blumenthal und Kadelburg.
„Wir fuhren allein nn dunklen Postwagerr die ganze Nacht, Wir ruhten einander am Herzen, Wir haben gescherzt und gelacht. Doch als es morgens tagte, Mein Kind, wie staunten wir! Denn zwischen uns saß Amor, Der blinde Passagier/
Aus Heinrich Heine's .Heimkehr^ Die Verse haben Blumenthal und Kadelburg zu einem neuen Titel verhalfen, unter den ein vorgeblich neues Stück gellebt wurde. Für viele ist heute nicht mehr das Land, wo die Zittonen blühen, des Lebens größte Sehnsucht. Seit Ibsen in ,Brand" und „Peer Gynt^, und Björnson in den meisten seiner zahlreichen Werke vom geheimnisvollen Zauber der nordischen Natur uns kündeten, übt sie ihre Macht auf eine stattliche Zahl der modernen Kulturmenschen, sie soll Erholung und neue Kraft zum Kulturgenuß geben und zum willigen Ausharren in der Tretmühle der Alltagsarbeit. Doch nicht jedermanns Sache ist es, sich Fährlichkeiten auszusetzen oder gar sich schiffbrüchig zu denen zu gesellen, „die grollend ausgeworfen das Meer", wie's jüngst einem Gießener Ehepaare dort oben ergangen sein soll; nicht jeder hat Zeit und Geld zu einer Nordlandsreise und möchte ttotzdem die Mode ein wenig mitmachen. Nun hat er bequeme Gelegenheit z" einer. Seeuntüchtigen besonders empfehlenswerten Vergnügungsfahrt nach den Lofoten und der Mitternachtssonne auf der „Viktoria Luise", wenn auch einer bestimmten Klasie von Sommertouristen, denen, die in Minne reisen, nicht viel daran gelegen ist, daß um Mitternacht die Sonne scheine. Diese Reisegelegenheit ist wenigstens ^ganz unstrapaziös und dabei für manchen nicht minder fruchtbar als Nord- oder Südlandsfahrten, die mit Nundreise- heften und dem Bädeker oder Meyer in der Tasche aus den Flügeln des Dampfes unternommen werden, um ein neues Stück Welt mitsamt seinen Wundern im Fluge kennen zu
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lernen. Und bte Herren Blumenthal und Kadelburg find gewiß auch weit weniger langweilig als offizielle Fremdenführer. Das haben fie schon in dem mit ,weißen Rößln" gesegneten Salzkammergut bewiesen.
Der Götterknabe Amor schleicht sich heute nicht mehr in alte Postkutschen. Da unsere Gegenwart und Zukunft (einem hohen on dit zufolge) auf dem Wasser liegen sollen, scheint ihm ein mit allem Eomfort der Neuzeit auSgestatteter Ver- gnügungßdampfer eher standesgemäß. Mit der „Victoria Luise" also verlaflen wir im ersten Alle Hamburg, im zweiten haben wir festen norwegischen Boden unter den Füßen, im dritten vertreiben wir uns die Fahrt nach Tromsö mtt einem Ball an Bord. Der Effekt des Schlußaktes, zumal für alle Mittellandratten, ist klar. Der zweite Akt ist effektfrei. Der erste hat die Findigkeit der 311 Lande und zu Wasser treu alliierten Herren Verfaffer zu sehr ausgesogen. Zunächst ist die Dekoration selbst ein Effekt. Der Rauchsalon des Dampfers, die Schiffskapelle musiziert, das Schiff zieht schaukelnd durch die Wellen, fidulin — „Thalatta, Thalatta, sei mir gegrüßt, du ewiges Meer". Diese Szene in ihrer Lebendigkeit feffelte da§ Sonntagspubliklun aufs lebhafteste und sie war ganz vorzüglich ansgestattet. Dabei taumelt die Reisegesellschaft seekrank drircheinander, am drastischsten ganz vorn am Souffleurkasten Herr Conradi mit so verdächtigen Grimaffen, daß in der ersten Parkettreihe zu sitzen ftiufer Mannesmrtt gehört, bis er am Arm des Steward in seine Kabine stürzt, vermutlich um Heines Vorbild zu folgen: „Ich aber fitze und kaue verdrießlich einen alten Hering, den salzigen Tröster in Katzenjammer und Hundettübsal".
Das Mittel hilft. Im 2. Akte, in Odde, ist Herr Conradi sehr obenauf, und wa§ ihn im dritten, wieder an Schiffes Bord, drückt, ist Uebelbcfinben nicht infolge der schaukelnden Schiffsbewegungen, sondern infolge der Erkenntnis, wieder wie am ersten Abend als Dorfrichter Adam, hinters „Licht" geführt worden zu sein. Schade, daß die Herren Verfaffer uns am Schluffe nicht in Bremen landen lassen. Dann würden wir wieder §cui€§ Spuren folgen, bei der Rose der Rosen im Ratskeller uns zum Glauben der Liebe bekehren, auf das Wohl unserer bittersten Feinde trinken und — allen
schlechten Poeten vergeben. So aber werden wir in Awmsö ans Land gesetzt und entlaffen mit dem Gedankefi an — Lebertran. Mich schauderts, wie mein Vübkein. Mit Ernst — das Stück ist so äußerlich zusammengeflictt, daß man es mit kritischen Blicken nicht einmal streifen kann — sonst krachtS in allen Nähten. Aber die neue Direktton unseres Stadttheaters hat es so hübsch verbrämt, daß mir die Dauerhasttg- keit des Sonntagserfolges gesichert erscheint. Man wird zum „Blinden Paffagier" strömen, um die Wandeldekoration von HamlurrgS Hasen bis Blankenese und das sich schaukelnde Schiff mit seinem hoch eleganten Rauchsalon anzustaunen. Mit Berichten über Wafferwcmder mag'sich Reportage wohlgemut abgeben — die Kritik gehen sie nichts an; der sind hier die Pforten versperrt. Wollte sie ein ernstes Wöttlein wagen, würde es ihr — wieder ein Zitat von Heine — md Recht entgegendonnern: „Weg, Kritik, du fade, gelbe!"
Auch die Schauspieler finden und geben keine Anregung, obwohl sich ja unsere Darsteller auch auf solchen Spaß zu verstehen scheinen. An der Spitze stmid mit treffsicherem Humor der bereits erwähnte Herr Cvnradi, alias Herr Bellermann aus Genthin, eine zweite, entsprechend dem Stoff des Stückes, stark verwässerte Auflage des GM- strttmpffabrikanten Giesecke aus dem „Weißen Rößl". Dieser biedere Philister ist eine jener Reisefiguren, die sich durch ihre vermeintlich sehr gemütliche Zudringlichkeit den anderen Passagieren sehr lästig machen. Herr Sandorsf gab einem verliebten, in Scheidung lebenden Ehemanns, einem Abbilde des flotten Rechtsanwalts und treulosen Ehemanns aus der Herren Verfasser „Großstadtlustth mehr wohltuende Wärnw als rasende 'Ähnsucht. Während Herr Tamke als Steward ein sehr gutes Hamburgisch markierte, plauschte Herr Pichler als Staatskabmen-Friedel ein ganz famoses echtes Weanerisch, ganz- ohne Karikatur. Diese beiden Herren boten überhaupt die besten Leistungen des Abends. Sie gaben sich, beide, namentlich aber Herr Pichler, ganz ungezwungen, waren am freiesten und flottesten in Sprache und Bewegungen, von naiver Herzhaftigkeit und scheinbarer Spontaneität. Amüsant ist die Jagd nadj, diesem Herrn Friedel, den man für einen Krösus hält, weil er die Staatskabine inne hat und überhaupt am vornehmsten reist unb bem es auch gelingt, ein dickes Fischchen


