• Die Schicksalsiragödie des Graudenzer Geselligen. Das Graudenzer Blatt berichtete kürzlich von einer Untat, wie zu Schaky bei Nuss. Neustadt die eigenen Eltern, russische Bauern, den unerkannt bei ihnen einkehrenden Sohn, dessen Besitz an Geld sie bei ihm sahen, ermordeten. Sollte, so fragt jetzt die Allg. Ztg., diese Geschichte sich wirklich jetzt im August ereignet haben und nicht vielleicht schon früher einmal am 24. Februar? Hieß der alte Bauer nicht vielleicht Kunz Karuth und seine Frau Trude, der junge Bauer Kurt und ist nicht die ganze Untat aus Zacharias Werners berühmter Schicksals- tragödie für die saure Gurkenzeit präpariert? Denn abgesehen davon, daß im Graudenzer Geselligen die Mutter tötet und der Vater abratet, während am 24. Februar der Vater Lötet und die Mutter sich zu dem Unbekannten hingczogen fühlt, ist die Handlung ganz die gleiche. Die nach dem Graudenzer Geselligen verhaftete Mutter kann dann deklamieren:
Wohlan — in Gottes Namen
Ich büße gern das, was ich schwer verdient!
Ich geh zum Blutgericht und geb die Mordtat an! Wenn ich durchs Henkerbeil bin abgetan, Dann mag Gott richten! ihn: ist alles bewußt, Das war ein vierundzwanzigster August!
Ein Tag ists! Gottes Gnad ist eiuig 1 Amen! — Sollte aber die Geschichte sich wirklich in Nußland zugetragen
haben und nicht zu Schwazenbach auf dein wilden Gemini--
passe, jo kommt die vergessene Handlung der deutschen
chicksalstragödie neuerdings zu fürchterlichen, Ehren.
Kunst und Wissenschaft.
München, 4. Sept. Generalmusikdirektor Zumpe ist heute früh im Alter von 73 Jahren an einem Schlaganfall gestorben.
Berlin, 4. Sept. Ueber die deutsche Südpolarexpedition liegt folgende telegraphische Nachricht vor: Die Expedition ist von St. Helena abgereist. Alle wohl. Abreise Ponta Delgada „Drysgaski".
Universttäts Nachrichten.
Der bei der Anwesenheit des Kaisers' in der Provinz Sachsen zum Wirklichen G e h e i in e u R a t mit dem Prädikat Exzellenz ernannte ordentliche Professor der Universität Halle, Geh. Oberregierungsrat Julius Kühn gehört zu bcu hervorragendsten Landwirtschaftslehrern und hat sich ilisbesondere um den Zuckerrübenbau hohe Verdienste erworben. Kühn ist 1825 geboren, steht also bereits im 78. Lebensjahre. Er studierte in Poppelsdorf und Bonn und wirkte dann als gräflicher Güterdirektor in Niederschlesien. Sein Rus als ausgezeichneter Land- wirt und seine literarische Tätigkeit bewirkten, daß er 1862 als Professor der Landwirtschaft an die Universität Halle berufen wurde, wo aus seine Veranlassung 1863 das landwirtschaftliche Institut gegründet wurde. Zu diesem mit eigenem Laboratoriuin aus- gestatteten Institute traten später ein ausgedehntes Versuchungs- feld, ein Haustiergarten, eine Prüfungsstation für landwirtschcnr- liche Maschinen und Geräte u. a. Seit 1892 war Professor Kühn Geheimer Oberregierungsrat mit dem Rang der Räte II. Klasse.
Braunschweig, 4. Sept. Professor Rudolf B e n e k e am hiesigen herzoglichen Krankenhause hat einen Ruf als ordentlicher Professor der pathologischen Anatomie und allgemeinen Pathologie und als Direktor des pathologischen Instituts nach Königsberg r. P r. erhalten und denselben angenommen.
Salzburg, 4. Sept. Theodor Mommsen sandte air die Leitung der F e r i a l h o ch s ch u l k u r s e folgendes Begrüßungsschreiben: Als einer von Vielen, die tm Deutschen Reiche dessen bewußt sind und bewußt bleiben werdeii, welcher Segen allen: Zusani mengehen der Reichsdeutschen mit den Deutschen Oesterreichs auf dem dafür noch offenen Gebiete hüben und drüben entströmt, blicke ich mit aufrichtiger Freude auf die Salzburger Gemeinschaft und rechne auf ihre Datier.
Gerichtsfaal.
sj Marburg, 4. Sept. Der seltene Fall, daß sich ein Verurteilter herzlich bedankt und mit fröhlicher Miene den Gerichtsfaal verläßt, ereignete sich heute auf dem hiesigen Landgericht. Im Dorfe Niedergrensebach wohnte die Maurers- frau Dinges bei der Bäuerin Wiegarid auf Miete. Aus irgend einem Grunde sollte die erstere ausziehen und als sie dennoch wohnen blieb, drang die Hausherrin eines morgens in der Mieterin Wohnung und hob ihr einfach die Ferrster aus. Bei der Gelegenheit soll sie gegen die letztere auch noch tätlich geworden sein. Als heute nach einem heftigen Wortgefecht zwischen der: beiden Schwälmerinuen die wegen Mißhandlung, Nötigung und Hausfriedensbruchs arigeklagte Wiegand zri 15 Alk. Geldstrafe verurteilt wurde, bedankt sie sich freudestrahlend in unverfälschtem Schwälmer Dialekt rrnd versichert, daß sie mindestens auf 2—3 Jahre Zuchthaus, wie man ihr vorgemacht, gefaßt gewesen sei. Vergnügt lachend ging sie dann zum Gerichtssaale hinaus.
Paris, 4. Sept. Baron H e n r i R o t h s ch i l d ist gestern wiederum wegen Uebcrschreittiny der gesetzlich erlaubten Fahrgeschwindigkeit für Automobile vom Gericht zu eine in Tage Gefängnis und 10Francs Geldstrafe verurteilt ivc.den. Der Baron wird seine Strafe absitzen müsseii.
Kauiiwirtschast.
Budapest, 4. Sept. Der amtliche Saaten st ands- bericht des Ackerbaumtnisteriums vom 31. August klagt über tropische Hitze im letzteii Drittel des August. Weil jedoch die Nächte kühl waren un6 ausgiebiger Tau fiel, litten Hackfrüchte weniger. Die Aussichten für die Maisernte sind wohl geringer, aber noch befriedigend. Zuckerrübe steht gut. Hülsenfrüchte, Kraularten, Weiden, Wiesen unt> Tabak lieferten befriedigende Erträgnisse. Weinstock und Obstland sind gut und die Qualitäten vielversprechend.
Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.
Berliner Börse vom 4. September 1903.
(Mitgeteilt von der Baiit für Halidel und Industrie, Gießen.) Privcu-Dislont 3*,2 Prozent.
Anfangs- u. Schlußkurse. »
Oest. Kredit . 202.50 202.60
Deutsche Bank . . . 210.75 211.12
Darmstädter Bank . . 136.40 136.37
Bochumer Guß . . . 185.10 185.75
Harpener Bergbau . . 180.25 180.62
— Biehmartt. Tie Märkte waren im Laufe der Berichtswoche sehr stark frequentiert, der Handel konnte sich jedoch nicht in der gewünschten Weise entwickeln. Prima großes Schlachtvieh war ra,ch abgesetzt, auch mittlere Qualitäten verhältnismäßig besser gehandelt. Der Umsatz hierin ist als ein gut mittelniäßiger zu bezeichnen. Infolge begrenzter Zuflthren gestaltete sich der Kälber- Handel sehr flott, es war rasch ausverkauft, teilweise fomue der Bedarf nicht voll gedeckt werden. Die Preise sind innner nod) sehr hohe zu nennen. Fette Schweine gut gefragt und stark abgejetzt, doch blieb hierin euvas Ueberstand.
~ Tabak. Im Laufe der Berichtswoche lag das Geschäft ziemlich ruhig, es kamen nur sehr wenige Abschlüsse zu Stande. Jetzt, nachdem man schon einen Ueberblick über die 1903er Ernte machen kann, )d)emt festzustehen, daß Die 1900er und 1901er Tabake bedeutend besser sind; die Fabrikanten treten auch viel ivilliger an diese Jahrgänge heran. Wenngleich Die kommende Ernte qualitativ leicht aussallen wird, so weist dieselbe durch Rost, ersoffene oder blattarme Pflanzen re. re. doch auch sehr viele Mängel auf, sodaß diese Ware wohl nur als Einlage gekauft und verwendet werden dürfte. Für neue Sandgrumpetl wurden 6—9 Psg. per
Mk.
Mais.
M.
per
Höck)ste Temperatur am 3.-4. Sept. 24,9'0.
Niedrigste
16,4" C.
Gerste. Hafer.
17,00 -17,25 14.25—14,50 15,25—16,50 13,75—14,50
100 Kilogramm frei hier.
an- Jn ge-
I Pfund angelegt, dieselben sind sehr braun, dürften jedoch bei haltend trockener Witterung in Farbe sich etwas bessern, losen Pfalzer Rippen geschästslos, lose feine 11—12.50 Mk., bündelte 12—13 Mk.
3. „ 4.
Roggen, „ Braugerste,, Hafer, badischer Der Getreideinarkt
bleibt unverändert fest. Je mehr sich das diesjährigen Weltweizenernte überblicken
Kansas II
Ulka-Weizen 9 p. *7M
„ 10 p.
Rumänischer, 80/81 Kilo
„ 79/80 ,
78/79 ,
Meteorologische Beobachtungen
der Station Gießen.
Familien Nachrichten.
Gestorben: Frau Heinrich Anton Harf Witwe, geb. Eller in Büdingen. — Frau Lehrer Wagner, Witwe, in Darmstadt. — Emil von Eordier, Kgl. Preuß. Major a. D., in Mainz. — Friedrich Karl Wallau III in Gonsenheim. — Frau Dekan Eva Fltting Witwe, geb. Bauer, in Alzey.
136—137 138—139 129—130 132—133 135-137 132—134 130—131 103—105 871/2-88 100—102 104—109 103-104
95—00
endgiltige Resultat der , , „
läßt, desto mehr macht sich die Ueberzeugung gellend, daß der gegenwärtige Preisstand durchaus gerechtfertigt ist und daß mid)
Roggen. Russischer 9 p. 16/20
Rufs. Futtergerste 60/61 Kilo Kilo
Kirchliche Nachrichten.
Katholische Gemeinde.
Samstag, den 5. September 1903.
Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur ht. Beichte.
Sonntag, den 6. September.
14. Sonntag nach Pfingsten.
S ch u tz e n g e l f e st.
Vormittags von 6 V, Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beicht.
„ um 7 Uhr: Die erste heil. Messe, vor und in derselben Austeilung der heil. Komlnunion.
„ um 8 Uhr: Die zweite heil. Messe.
„ um 9 7a Uhr: Hochamt mit Predigt.
Nachmittags um 27, Uhr: Andack)t.
vorübergehende Abschwächungen daran nichts ändern werden. Tas Angebot von deutschem Weizen ist etwas reichlicher, aber immer noch nicht belangreick) zu nennen. Amerika stellt nach wie vor solch hohe Forderuiigen, daß sie hier nicht bewilligt werden fönnen. Die russischen und rumänischen Offerten sind ziemlich unverändert. Feine Sorten sind eher knapper imb teurer. Roggen bleibt fest. Tas Angebot von Rußland ist sehr schwach. Gerste: Für Braugerste zeigt sich wieder mehr Interesse; Futtergerste ist dagegen eher matter. Hafer: wenig Geschäft. Mais: etwas schwäck)er.
— Petroleum. Der September brachte eine Erhöhung von 10 Pfennigen. Trotzdem nahmen die Eindeckungen ihren ungehemmten Fortgang.
Märkte.
Gießen, 5. S pt. Marktbericht. Auf heutigemWocbenmarkt kosteten: Butter pr. Pfd. 1,10—1,20 Alk., Hühnereier 1 St. 7—0 Pfg., 2 Slck. 00-00 Pfg., Gätiseeierl2—13 Pfg., Enteneier8—0 Pfg., Käse vr.Stck. 5—8 Pf., Käsematte2Stck.5—6Pfg., Erbsen pr.Liter 21 Pfg., Linsen pr. Liter 32 Pfg., Tauben pr.Paar0,70—l,00Mk., Hühner pr. St. 1,30—1,80 Mk., Hähne pr. Stück 0,70—1,50 Alk., Enten pr. Stück 1,80—2,40 Ack., Gänse pr. Pfd. 00—00 Pfg., Ochsenfleisch pr. Pfund 68—78 Pfg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 60—66 Pfg., Schweinefleisch pr. Pfund 66—76 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 80 Psg., Kalbfleisch pr. Pfd. 68—74 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 56—74 Pfg., Kartoffeln pr. 100 Kgr. 5,50—7,50 Alk., Weißkraut per Stück 00—00 Pfg., Zwiebeln pr. Zentner 5,50—6,50 Mk., Milch per Liter 18 Pfg. Kirschen per Pid. 3q—40 Pfg., Aepfel per Pfd. 0-00 Pfg., m Körben 00-00 Pfg. Trauben 00-00 Pfg.
— Getreide. Die heutigen Notierungen sind: Weizen. Red Winter II
Russischer 47/48
„ 50,51
mixed Laplata r. t. Weizen, Pfälzer
1903.
C'-~>
2
Wetter
Sonnenschein HellerHimmel Sonnenschein
September i|5o
750,2
749,3
748,9
24,9
29,5
16,2
65
94
93
4.
5.
NE.
N.
N.
15,2
15,9
12,7
226
92&
Ncnejle Wewnngeu.
OrrginaldrayLmeLdungetl des Gießener Anzeigers.
Berlin, 5. Sept. Wie an hiesiger wohlunterrichteter Stelle verlautet, besteht das Ergebnis der deutschrussischen Handels - Vertrags-Vorbesprechungen vorläufig nur in der protokollarischen Ausnahme der von beiden Seiten geltend gemachten Auffassung über die verschiedenen zur Sprache gebrachten handelspolitischen Fragen, ohne daß sich vorerst abseyen läßt, auf welcher Grundlage weiter gearbeitet wcroen könne. Tie Protokolle werden einer eingeheltden Prüfung unterzogen und von dieser wird es abhängen, wie weiter operiert werden soll.
Berlin, 5. Sept. Tas neue Linienschiff L., das am 18. d. M. auf der Germaniawerst in Kiel vom Stapel laufen und dessen Taufe der Großherzog von Hessen vornimmt, wird den Namen „£> esse n" erhalten.
Berlin, 5. Sept. Gegen den Staatsanwalts- s e k r e t ä r B a g a n z ist das Hauptverfahren eröffnet worden. Die Anklage richtet sich noch gegen folgende Personen: Administrator Hörmann, Kommerzienrat Eduard Sanden, den im Sanden-Prozeß ebenfalls mitangeklagt gewesenen Direktor Puchmüller, Justizrat a. D. Raetzel, Direktor Polzin und den Goldwarenhändler Aufrecht. Baganz ist geständig, in fünf Fällen in schwebenden Strafsachen beteiligten Personen aus den Akten Mitteilungen gegen Entgelt gemacht zu haben. Tie übrigen Angeklagten haben sich wegen Beihilfe resp. wegen Bestechung zu verantworten.
Brieg, b. Sept. Tie Strafkammer verurteilte den Pfarrvirar Mak Klaus aus Peislcrwitz wegen Siüt- lichkeitsvergehen zu drei Monaten Gefängnis.
London, o. Sept. Eine Anzahl gefährlicher Verbrecher, die im Gefängnis zu Birmingham in Alabama gefangen saßen,s p r e n g t e nach einer Meldung der „Daily Mail" aus Newyork einen Teil des Gefängnisgebäudes mittels Dynamit in die Luf.l und benutzte die dadurch entstandene Panik zu einem Fluchtversuch. Tie Gefangenwärter feuerten aus die Fliehenden, die Tynamitpcllronen gegen ryre Verfolger schleuderten. Vier oer Sträflinge wurden verwurrdet, darunter zwei schwer; einer entkam.
London, 5. Sept. Die Morgenblätter beschäftigen sich noch immer mit den Enthüllungen über den Transvaalkrieg. Sie führen aus, daß der Ausschuß tröst der Absicht, die Untersuchung nicht zu Ende zu führen, doch genügend dargetan habe, welche Unfähigkeit Militär- und Zivilbehörden an den Tag gelebt haben und daß dies genüge, die öffentliche Meinung in Unruhe zu versetzen. Die Zollreformen Chamberlains treten in den Besprechungen der Blätter vollständig in den Hintergrund, v,a die gesamte Presse sich mit dem Resultate der Enquete-Kommission befaßt. Ter Bericht ist als Broschüre herausgegeben und hat in den Buchhandlungen einen so raschen Absatz gefunden, daß die erfte Auslage bereits vergrissen ist und eine zweite in Druck gegeben wurde.
Prag, 3. Sept. In der Versammlung des Klubs der „Freisinnigen tschechischen Nationalpartei" der Jungtsche-- chen wurde einstimmig eine Resolution gesaßt, welche es als erste Pflicht der tschechischen Abgeordneten bezeichnet, auf den St u r z d er g e g e n w är t i g e n Regierung und Beseitigung des jetzigen Regierungssystems hinzuarbeiten. Ter Klub forderte die Abgeordneten auf, im Sinne der D e z e n t r a l i s a t i o n der Legislative und Exekutive und der Turchführung des gleichen Rechtes für die Völker Oesterreich-llngarns Be- jchlüfte zu fassen und dahin zu wirken, daß die Maßnahme der 5zeeresverwaltung betreffs nicht Entlassung der im dritten Jahre dienenden Mannschaften als in das Rekrutenbewilligungsrecht und die Legislative eingreifend nicht durchgeführt sondern aufgehoben werden. Endlich wird verlangt, daß die Führer der Partei ihre Taktik festsetzen und Schritte unternehmen, um alle tschechischen Kräfte auf einer vereinbarten gemeinsamen Grundlage zu vereinigen.
Belgrad, 5. Sept. Man hat auch versucht, den Divisionär von Risch, General Jankowitsch, seines Postens zu entheben, doch weigerte sich dieser das Kommando abzugeben. Die Sachlage ist sehr ernst, zumal die aktionslustigen Offiziere die hauptsächlich an der Verschwörung beteiligt gewesenen Offiziere niedermetzeln wollen. Tas Bedenkliche der gegenwärtigen Lage wird auch durch die in Sofia umlaufenden Gerüchte über ein Attentat auf König Peter chara!- terisiert.
L. Newyork, 5. Sept. Infolge des Attentatsversuchs des Geisteskranken Weilbrunner gegen den Präsidenten Roosevelt ist der geheime Sicherheitsdienst um das Haus des Präsidenten in Oysterberg um das Doppelte seines bisherigen Umfanges verstärkt worden. Präsident Roosevelt selbst betrachtet den Vorfall ganz gleichgiltig. Seine Verwandten und Freunde jedoch dringen daraus, daß mehr für seine persönliche Sicherheit geschieht. Kaiser Wilhelm utld König Eduard beglückwünschten den Präsidenten telegraphisch zu seiner Erretung aus der Gefahr. — Der zweite Flugversuch des Professors Langley mit seinem lenkbaren Luftschiff mißlang infolge Versagens des Motors. Die Maschine ließ nur ein unheimliches Geräusch hären, ohne jedock^ zu arveiten. Sie erwies sich bereits vor einem Monat als unzuverlässig. Das Luftschiff stürzte damals nach kurzer Fahrt in den Potomac.
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Telephonischer Kursbericht«
jfc'rafikturt a. U., 5. September 1903
372°/o Reicheanleihe . . 101.55 30/u do. ... 98.60 3V,% Konsole . . . 101.40
3% do 89.75 372% Hessen .... 100.05 S72% Oberhessen . . . 99.20 4% Oesterr. Goldrente . . 102.30 4*z6 % Oesterr. Silberrente 100.40 4% Ungar. Goldrente . . 100.10 4% Italien. Rente . . . 102.80 41 2 % Portugiesen . . . 50.10 h°/ Portugiesen 30.70 156 0. Türken .... 33.90 Türkenlose 126.20
4°/o Grieoh. Monopol.-Anl. 42.80 4l/,% äussere Argentiner —.—
3% Mexikaner . . . 27.00
4%7o Chinesen ... 92.30
Electric. Scbuckert . . . 96.60
Nordd. Lloyd . . . . 10310
Kreditaktien .... 202.70 Diskonto-Kommandit. . —.—
Darmstädter Bank . . . 136.60 Dresdener Bank .... 146.30 Berliner Handelsges. . . 152.30 Oesterr. Staatobahn . . , 139.60 Lombarden 16.70 Gottbardbahn .... 189.00
Laurallütte ..... 228.30 Bochum ...... 185.70 Harpener ..... 180.00
Tendenz: ruhig.
Arbeitsnachweis der Stadt Gießen
Gartenftraße 2 (Burgermeistereigebäude) Zimmer Nr. 14.
Der Arbeitsnachweis hat die Aufgabe, zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern (Arbeitern jeglicher Art, Dienstboten und Lehrlingen) unentgeltlich Arbeit zu vermitteln.
An den Werktagen von 8 bis 1 Uhr und von 8 bis 6 Uhr geöffnet.
Cs können eingestellt werden: 6697
10 Pferdeknechte (darunter 6 für Landwirlschait), 3 landwirtschaftliche Arbeiter, 1 Schweizer, 1 landwirtsch. Magd, 1 Gartenarbeiterin, 1 Schlosser, 1 Schmied, 1 Schmiedelehrling, 1 Tapezierer, 1 Modellschreiner, 4 Schreiner, 1 Möbelschreiner, 1 Kiner, 2 Schubmacher, 1 Schneider, 1 Friseur, 5 Glaser, 2 Maurer, mehrere Erdarbeiter, 1 Arbeiter für die landivirtschaftl. Ausstellung, 1 Reslau- rationsköchin für auswärts, 1 Köchin, 19 Dienstmädchen gegen hohen Lohn für hier und auswärts, 2 Kindermädchen, 2 Stützen der Hausfrau, 1 Kindermädchen, 1 Flickerin, 2 Lauffrauen, 1 Waschfrau.
Es suchen Arbeit:
5 Pierdeknechte, 1 Taglöhner für leichte Arbeit, 1 Kutscher, 1 Zementinüller, 1 Spengler u. Installateur, 1 Spengler, 1 Schmied, 1 Maschinist oder Heizer, 2 Schlosser, 2 Buchbinder, 1 Bäcker, 3 Schreiner, 2 Glaser, 1 Fabrikarbeiter, 1 Küchenchef, 3 Hausburschen, 1 Schreibgehilfe, 3 Dienstmädchen, 2 Kindermädchen, 4 Lauffrauen, 3 Laufmädchen, 1 Büglerin, 2 Weißzeugnäherinnen, 2 Näherinnen, 1 Flickerin.


