Ausgabe 
5.8.1903 Zweites Blatt
 
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Betrugs und Diebstahls bereits vorbestrafte Hausiererin Christine I. aus Karlsberg (Pfalz) hatte gegen ein Urteil des Schöffengerichts Schlitz, welches auf drei Monate Ge­fängnis wegen Betrugs lautete, Berufung eingelegt, um ihre Freisprechung zu erlangen. Die Angeklagte, deren Mutter vor drei Jahren gestorben ist und deren Vater im Krankenhause liegt, hat auf ihren Geschäftsgängen sich fälschlich als oie Tochter einer Hausiererfamilie ausge­geben, welche in dem betreffenden Bezirk viele Kunden besitzt. Klagend erzählte sie, wie ihr zur Last gelegt wird, ihre Mutter, nämlich die bekannte Hausiererin, sei vor einigen Wochen gestorben (in Wirklichkeit lebt ihre Mutter nocl)j, und sie müsse nun den Warenvorrat ausverkaufen. Sie glaubte, wenn sie sich als die trauernde Tochter der beliebten Hausierersamilie ausgebe, werde sie mehr Mit­leid erregen und leichter ihre Waren absetzen können. So ist es ihr auch gelungen, einer Frau eine Anzahl Tisch­tücher zu verkaufen, welche diese nach ihrer Zeugenaussage . sonst nidjt oder nicht so teuer gekauft haben würde. Da zum Tatbestand des Betrugs auch die Vermögensschädigung eines andern gehört, jo war noch festzustellen, ob jemand infolge des Verhaltens der Angeklagten eine solche erlitten hat. Das Gericht führte in der Urteilsbegründung aus, daß weder eine Schädigung des Vermögens der Abnehmer fest­gestellt sei, noch auch eine solche der genannten Hausierer- mmilie, da ja deren Kunden nicht so sicher sein könnten, daß sie nur von chr abkaufen würden. Das Gericht gab daher der Berufung der Angeklagten statt, sprach sie von Strafe und Kosten frei und belastete die Staatskasse mit den Kosten beider Instanzen. Ter Taglöhner Georg H. von Westhausen trat kürzlich als Hausburjche in ein dttru- heimer Geschäft ein; er hatte dabei offenbar von vorn­herein verbrecherische Zwecke im Auge, denn bereits nach einer Woche brach er um Mitternacht in den Laden seines Herrn ein, indem er von außen ein Kellergitter umbog und durch den Kellerschacht über eine Leiter in den Laden ein­drang. Hier erbrach er mittels eines Schraubenziehers eine Registrierkasse und entnahm ihr hundert Mark, außerdem entwendete er aus dem Laden noch eine Reihe Wertgegen­stände. Der Angeklagte ist in vollem Umfang geständig. Das Urteil lautete wegen Einbruchsdiebstahls auf 1 Jahr 4 Wochen Gefängnis unter Einbeziehung einer zurzeit noch nicht verbüßten, vom kgl. Schöffengericht Stuttgart wegen Diebstahls und Urrterschlagung erkannten Gefängnis­strafe von sechs Wochen. Der bereits wiederholt wegen Diebstahls mit Zuchthaus vorbestrafte Erdarbeiter Ernst M. gus Duisburg'war heute, nachdem er beinahe zehn Jahre lang sich straffrei gehalten hatte, wieder des Dieb­stahls in wiederholtem Rückfalle angeklagt. Er hat im Juni 1901 auf der Russeuhütte bei Nauheim ein einem Mitarbeiter gehöriges Paar Stiesel über Nacht aus der gemeinsamen Schlasstelle entwendet. Der Angeklagte, der sich mit Trunkenheit entschuldigte, wurde zu 4 Monaten Gefängnis, auf welche ein Monat erlittener Unter­suchungshaft ausgerechnet werden soll, und in die Kosten verurteilt. Wegen gelegentlich der Gauturnsahrt zu Nieder-Florstadt ohne obrigkeitliche Genehmig­ung veranstalteter Ausspielung von Geb'rauchsgegenständen mit einem Drehwürsel wurde der wegen desselben Delikts bereits früher vorbestrafte Händler Jakob St. zu Frankfurt am Main mit einer Geldstrafe von 15 Mk. event. Drei Tagen Gefängnis belegt. Die von dem Taglöhner PH. Sch.

von Trais-Horloff gegen ein ihn wegen Sachbeschädia- un g verurteilendes Erkenntnis des Gr. Schöffengerichts Stufung wurde wegen unentschuldigten Ausbleibens des Angeklagten sofort durch Urteil verworfen.

Spörtz

»Leiter gegen Rad. Wie uns mitgeteilt wird, wird nächsten Sonntag, den 10. August, nachmittags 4 Uhr, auf dem Sportplatz a. d. Hardt eine Vorstellung, Pferderennen gegen R a d f ah r er statisrnden. Jedoch wird es diesmal noch spannen- der werden, da ^.exas-^ex einen guten Gegner, nämlich Herrn Andreas Grm aus Frankfurt a. Dl., Atelsterschaitsfahrer von Deutschland, hat. Das Rennen geht diesmal auf 10 Kilometer.

handelt sich dabei um einen Ehrenpreis im Werte von 300 Mk, bestehend aus goldener Uhr und Kette, welche bei Herrn Schwab, Plockstraße, ausgestellt ist.

C o w e s, 4. Aug. Tie Y a ch t des deutschen Kaisers, /Meteor", gewünn bei der Regatta des königlichen Nachtklubs den vom König gestifteten Ehrenbecher.

Kanöwirtschast.

Grünberg, 2. Aug. Der V o g e l s b e r g e r G e f l ü q e l- un° Vog elzuchtvereln unternahm heilte einen A u s f'l u q zwecks Besichtigung der größeren Züchtereien der im Kreise Alsfeld wohnenden Mitglieder. Trotz der ungünstigen Witterung hatten sich etwa 40 Herren eingefunden, welche, von regem Interesse durchdrungen, auch die Ungunst des Wetters nicht scheuten. Von ^"^"Zell-Romrod ging die Fahrt per Wagen zunächst nach der am Waldrande mmckten eines schönen Wieseiitales herrlich ge­legenen Eichmühle bei Romrod. Der Besitzer G. Lang ist Züchter chwarzer Minorka, und er konnte einige recht schöne Tiere zeigen Von hier aus ging es nach Strebendors, wo zunächst die Züchl'erei des H. Lpt besichtigt wurde. Dann ging es zur Besichtigung der Zuchterel G. H. Kerl, der rebhuhnfarbige und gesperberte Italiener- gelbe Wyandottes und Zwerg-Cochin zeigen konnte. Auch die zweckmäßige Einrichtung seiner Fallennester wurde ams genaueste betrachtet. Es ist dies eine äußerst praktische Nestvorrichtung, in­dem das Nest durch die eigene Schwere der legenden Henne durch einen Schieber geschlossen wird, der sich nach Beendigung der Lege­tätigkeit, sobald das Huhn aus dem Neste schlüpft, wieder in die Höhe hebt. Herr I. Werte konnte auch recht schöne rebhuhnfarbige Italiener, Silber-Wyandottes, Emdener Gänse und Aylesbury- Enten ausweisen, während I. Korell' schöne schwarze Italiener zeigte Voii da ging es nach Ober-Breidenbach, wo die rebhuhnfarbigen Italiener des H. Euler sehr gefielen und allgemeinen Beisall sanden. Hiermit war der offizielle Teil des Programmes erlediat. Bei Gastwirt Wenzel blieben in gemütlicher Stimmung die Teilnehmer noch eine geraume Zeit beisammen. (Gr. Anz.)

Hande! und Verkehr. Vollibwitlschast.

Berliner Börse vom 3. August 1903.

(Mltgeteick von der Bank für Handel und Industrie, Gießen.)

Die Geschäftslosigkeit nahm heute noch zu, da London feierte und vom Jndustriebezlrke Anregungen kaum vorlagen. Die von Paris abhängigen Renten komcken sich ausgezeichnet behaupten, Italien war wieder als Käufer seiner Bahnen am Markt und sür russische Banken stimulierten die günstigen dortigen Jndustrie- berichte, aber auch amerikanische Werte scheinen Boden gesunden zu haben, wenigstens giebt New-York keine Bonds mehr ab und die spekulativen Werte wie St. Louis uild Francisco Boiids er- reuen sich andauernder Kauflust des deutschen Publikums. Der Jndustriemarkt war abbröckelnd durch die vollständige Geschüsts- losigkeit, nur elektrische Werte bemerkenswert höher. Eine aber­malige Kursbesserung erfuhren Dynamit Trust Shares, da über den Geschäftsgang der Gesellschaft bessere Berichte vorliegen. Am->

fallend ift bie Knappheit des täglichen Geldes, was naturgemäß die Lustlosigkeit der Spekulation verstärkte.

Privat-Diskont 3% Prozent.

Anfangs- u. Schlußkurse.

Gelt. Kredit .... 208.10 208.12

Deutsche Bank . . . 212.40 212.37

Darmstädter Bank . . 136.25 136.25

Bochumer Guß . . . 178.00 178.30

Harpener Bergbau . . 178.80 178.87

Schluß-Tendenz: ziemlich fest.

. .. Berlin, 4. Aug. Die internationale Konferenz sur unkentelegraphie trat heute mittag zusammen. Ver­treten stnd Deutschland, England, Frankreich, Italien, Oesterreich- Ungarn, Rußland, Spanien und Ainerika, durch insgesamt etwa 40 Herren. Staatssekretär Krätke begrüßte die Teilnehmer. Unterstaatssekretär v. S y d o w hat den Vorsitz. Die Konferenz trat m die Erörterung der deutschen Vorschläge zur internationalen Regelung der ^unkentelegraphie ein. In seiner Begrüßungs­ansprache wies Staatssekretär Krätke darauf hin, daß die Funken- telegraphie trotz ihrer Mängel schnell eine hohe Bedeutung sür deu Verkehr der Seeschiffe unter einander und mit der Küste erlangt habe. |ei das Ergebnis der gemeinsamen Geistesarbeit von Mannern säst aller an der Konferenz vertretenen Länder. Das neue Verkehrsmittel möge sich unter Beiseitesetzung aller Sonder- mterenen zum gemeinsamen Wohle der seesahrenden Völker enl° wickeln. Vies könne nur durch das eiiimütige Zusammenwirken dieser Staaten erreicht werden.

Leipzig, 4. Aug. Laut Beschluß der Leipziger Börse'werden die A k l i e n d e r Leipziger Bank von morgen ab an der Leipziger Börse nicht mehr notiert.

London, 4. Aug. Wie jetzt amtlich bekannt gegeben wird, ersolgt die Rückzahlung der 1890er und 1891er Transvaal- Eisenbahnbonds am 16. Oktober mit 1125 holl. Gulden für 1000 Gulden.

Meteorologische Beobachtungen

der Station Gießen.

August 1903.

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Wetter

1 Sonnenschein Bed. Himmel bew. Himmel

Höchste Temperatur am 3.-4. Aug. 20,1u C.

Niedrigste 3.-4. 12,4" C.

Für bie Redaktion: I. V. August Götz.

Miwrhflfh (Hessen) zw. Darmstadt u. Heidelbg. Hotel z. Krone. Pens. XlUUUUUl n. Mk. 3.50 ab. Prospekt u. Führer gratis. G. Diesenbach.

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Der Arbeitsnachweis hat die Aufgabe, zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern (Arbeitern jealtcher Art, Dienstboten und Lehrlingen) unentgeltlich Arbeit zu vermitteln.

An den Werktagen von 8 bis 1 Uhr und von 3 bis S Uhr geöffnet.

Es können eingestellt werden:

7 Pferdeknechte, 2 landwirtschaftliche Arbeiter, 1 Cementmüller, 1 Kunstschlosser, 1 Bauschlosser, 1 Tapezierer, 4 Schreiner, 1 Drechs­ler, 2 Spengler, 2 Glaser, 1 Weißbinder, 2 Handlanger, 4 Haus­burschen, 2 Kellner, 1 Restaurattonsköchin, 18 Dienstmädchen gegen hohen Lohn sür hier und auswärts, 1 besseres Kindermädchen, 1 Laufmädchen, 2 Lauffrauen, 1 Weißzeugnäherin, 1 Plätterin nach auswärts, 1 Büglerin od. Flickerin, 1 Waschfrau.

ES suchen Arbeit:

12 Pferdeknechte, 6 Arbeiter, 2 Kutscher, 3 Spengler oder In­stallateure, 1 Schlosser, 2 Schmiede, 1 Maschinist oder Heizer, 3 Buchbinder, 1 Gerber, 7 Schreiner, 1 Backer, 1 Lackierer, 2 Weiß­binder, 2 Glaser, 1 Küchenchef, 6 Hausburschen, 2 Schreibgehilsen, 6 Laussrauen, 1 Lausmädchen, 3 Dienstmädchen, 1 Kindermädchen, 1 Stütze der Hausfrau, 1 Büglerin oder Flickerin, 1 Weißzeug- flickerin.

Lehrlinge:

1 Schreiner sür auswärts. ______________________________6014

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Donnerstag den 6. August d. I., abends 8 :/2 Uhr

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Gießen, am 1. August 1903. 5916

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sollen Montag den 17. August

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Iergeöung von Schlösseraröeit.

Die bei Anbringung von eisernen Fensterläden im Universitäts - Äauzleigebäude dahier erforderliche Schlosserarbeit wird hierdurch zur Vergebung auf dem Submissionsweg ausgeschrieben.

Die Ausführungsbedingungen, Zeichnungen und Arbeits­beschreibungen liegen in unserem Amtslokal zur Einsicht offen und können letztere daselbst auch zum Selbstkostenpreis in Elnpfang genommen werden.

Angebote sind bis zum 10. August d. I., vormittags 10 Uhr, versiegelt und mit entsprechender Aufschrift portofrei

Der Bau soll dieses Jahr bis zur Sockelhöhe und nächstes Jahr vollständig sertiggestellt werden.

Wetterfeld, den 4. August 1903.

Großh. Bürgermeisterei Wetterfeld.

an uns abzugeben.

Zuschlagssrist 2 Wochen.

Gießen, den 30. Juli 1903.

Großh. Hochbauamt Gießen.

Neuling.

Aergebung von Aauarbeiten.

Die zum Bau eines einklassigen Schulhauses mit Lehrerwohnung erforderlichen Arbetten und zwar:

. d. I., vormittags

11 Uhr, im Gemeindehaus dahier öffentlich versteigert werden.

Voranschlag, Pläne und Bedingungen liegen zur Einsicht der Interessenten bei unterzeichneter Stelle offen.

Zuschlagsfrist 14 Tage.

1. Erd- und Maurerarbeiten .

10714.24

2. Steinmetzarbeiten:

a) Lungsteinwerkstücke .

1142.05

b) Sandsteinwerkstücke .

1830.36

3. Zimmerarbeiten

1976.78

4. Dachdeckerarbeiten (Schieferdach)

1173.98

5. Spenglerarbeiten

242.80

6. Blitzableiteranlage . . .

250.

7. Schlosserarbeiten . . .

603.05

8. Glaserarbeiten ....

911.67

9. Scheinerarbeiten . .

2709.41

10. Weißbinderarbeiten . . .

1475.34

11. Eisenlieferung ...

894.75

12. Tapezierarbciten

65.

Volks- u. Augendfest 1903

Wir biiten, alte aus dieses Fest bezughabenden Rechnungen innerhalb 3 Tagen an den Borsitzenden des Fest-Ausschusses, Herr» K. Wagner, Ebelstratze 32, 2. Stock, abzugeben. 6012

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