Ausgabe 
5.8.1903 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt.

153. Jahrgang

Mittwoch 5. August 1803

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Nr. 181

Erscheint täglich außer Sonntags.

Dem G.ebener Anzeiger werden im Wechsel mit dem VeMfchen Landwirt die Siebener Kamilien» blätter viermal In der Woche beigelegt.

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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

LinikmjmMUAi.jjLLLLnm.-i. . * zetqentetl: Pans Beck.

Bekanntmachung.

Wegen Vornahme von Kanalisationsarbeiten wird hier­mit der Durchgangsverkehr über den Markt-, Kirchen-, und Lindenplatz von der Marktstraße bis zur Wetzsteingasse für Fuhrwerke und Radfahrer gesperrt.

Durch diese Sperre wird auch der Verkehr durch die Kaplanei- und Schloßgasse unterbrochen.

Gießen, den 5. August 1903.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen

Hechler.

Mus L.

Gießen, 5. August.

Ueberraschend schnell hxir das Konklave beendet und die Meldungen, die das voraussagten, aber wegen der abso­luten Inhaltslosigkeit nur Kopfschütteln erregen konnten, haben, freilich wohl nur zufällig, Recht behalten. Ueber die Persönlichkeit des Neugewählten und über seine Auf­fassungen des Kirchenreiches weiß man nicht viel. Er ist nach den Mitteilungen, die uns vorliegen, der ehrwürdige, einfache und beliebte Patriarch von Venedig, der, da er bis zu seinem 40. Jahre nur ein gewöhnlicher Pfarrer war, seither auf dem Boden der einfachen menschlichen religiösen Bedürfnisse und schlichter Frömmigkeit sich bewegte und« an den Schachzügen der Politik sich nicht leidenschaftlich beteiligt zu haben scheint. Ob er jetzt ein Programm, d. h. ein politisches Programm mitbringen wird? Man weiß darüber nicht viel.

Es ist der Kardinal-Erzbisckvf und Patriarch von Ve­nedig, Giuseppe Sarto, der oen Namen Pius X. an­genommen hat. Sarto ist am 2. Juni 1835 in Treviso geboren. Er wurde 1884 Bischof von Mantua und 1893 Kardinal und Patriarch von Venedig. In manchen Kreisen galt Sarto schon längst als papabile, aber er selbst tat nichts dazu, diese Meinung zu verbreiten, was vielleicht das Klügste war. Die Urteile über ihn gehen einigermaßen ausein­ander. Den Einen gilt er als gemäßigt und modernen An­schauungen zugeneigt, während andere seine Schroffheit hervorheben. Er soll für eine Aussöhnung mit Italien sein, aber politisch sich sehr zurückhalten. Einmütig rühmt man an ihm seinen selbständigen Charakter. Den -eigte er, als König Humbert mit Kaiser Wilhelm in Venedig zusammentraf.' Von Rom aus erhielt Sarto den Winfi den König nicht zu besuchen, aber er befolgte den Wink nicht, sondern besuchte den König und zwar mit so viel Aussehen wie möglich Das wurde ihm in Rom lange nicht vergessen. Ein französischer Diplomat hat vor kurzem im Figaro" folgendes über ihn geschrieben:

Sarto hat keine Feinde, was zuweilen eine Art ist, keine Freunde zu haben. Doch genießt er allgemeine Acht­ung; seine Güte, seine Milde, seine Einfachheit und sein guter Humor haben ihn sehr beliebt gemacht. Er kommt fast nie nach Rom und ist kein Streber. Leo XIII. hatte ihn gern und soll sogar in chm seinen Nachfolger gesehen haben. Bei seinem Besuchs den Sarto dem Papst machte, soll er diesem von der großen Verehrung der Venetianer sür ihn gesprochen haben; sie beteten sehr eifrig für ihn und wünschten ihm recht langes Leben; darauf erwiderte Leo:Ach, wir haben das Gefühl, daß wir bald den Ruf des Herrn erhalten werden; aber wir werden ohne Trauer einem Würdigeren die schwierige Ehre hinterlassen, die Autorität Gottes auf dieser Welt zu repräsentieren. Uebri- gens", fügte er bei,werdet Ihr unser Nachfolger sein". Sarto nahm dieses Kompliment mit aufrichtigem Staunen hin und erwiderte, diese Aufgabe gehe über seine Kräfte, worauf Leo sagte:Wir wissen, daß Ihr der Kirche große Dienste erweisen könnt, denn Ihr habt Eigenschaften, die für sie sehr wichtig sind."

Sarto ist beinahe in den Kreisen des niederen Klerus verblieben. Mit vierzig Jahren war er noch einfacher Pfarrer von Saljano. Bischof von Mantua war er nur kurze Zeit. Seine Berufung cntf den Patriarchensitz von Venedig gab Anlaß zu einem Konflikt mit der italienischen Regierung, die als Nachfolgerin der Republik Venedig das Recht der Ernennung zum Patriarchen beansprucht. Der Papst nahm darauf keine Rücksicht und die Folge war, daß Sarto das Exequatur nicht erhielt. Später erfolgte ein Kompromiß, dessen Kosten die französischen Lazaristen, in Ethiopien tragen mußten; diese wurden nämlich durch ita­lienische Franziskaner ersetzt und dafür erhielt Sarto das Exequatur. Sarto ist bei den Benetianern außerordentlich beliebt wegen seiner Bescheidenheit, Liebenswürdigkeit und Heiligkeit seines Lebenswandels. Er hat stets die Hand erhoben, nicht zum Schlagen, sondern zum Segnen.

Der römische Korrespondent desTemps" sagt von dem früheren Kardinal:Man schätzt in ihm den Mann der Kirche, den guten Hirten ohne weiten politischen Horizont, und er wird einen ausgezeichneten Bischof von St. Peter abgeben." Nach derTribuna" nahm Sarto, als vor einiger Zeit der Grundstein zum neuen Campanile gelegt wurde, die Feierlichkeit der Einsegnung vor, obgleich an derselben der italienische Unterrichtsminister Nasi, ein Hauptwürdenträger der Freimaurer, und der französische Unterrichtsminister Chaumie, der Mitarbeiter desDiocle- tiau" Combes, in amtlicher Eigenschaft teilnahmen. Unter Sarto hat die klerikale Partei in Venedig große Fort­schritte gemacht; sie hat sich kräftig organisiert und bei der GemeindewaU wiederholt erfolgreich eiugegriffen. Sarto trat seine Mutter noch, die er sehr liebt; er besucht sie häufig in dem bescheidenen Riese bei Treviso.

Warum Sarto den Namen Pius X. gewählt hat, läßt sich nicht leicht beantworten. Pius IX. war ein politischer Papst. Vielleicht geschah die Annahme dieses Namens nur

aus Beweggründen persönlicher Art, vielleicht aus Gründen einer historischen Hinneigung, die mit Programmen nichts zu tun hat. DieFranks. Ztg." läßt sich in einem Tele­gramm berichten, die Wahl des Namens Pius und die Tatsache, daß er seinen Segen im Innern der Kirche gab, wird von den Italienern dahin gedeutet, daß Sarto ein Intransigent sei, doch gehörte er nicht zur Gruppe Ram- pollas, seine Wahl ist vielmehr ein <5ieg der Antirampol- tianer und auch ein Zeichen, daß die religiöse Richtung siegte, da Sarto, der stets als guter Zandpfarrer bespöttelt wurde, als frommer Priester berühmt ist und den veneziani­schen Klerus reformierte. Als Papst wird er dekorativer sein, als Leo XHI.

«

In vatikanischen Kreisen war das Gerücht verbreitet, der Papst sei schon am Montagabend gewählt worden. Anlaß dazu gab die Beobachtung, daß an oiesem Tage kurz nach der letztenSsumata" an einem kleinen Fenster der Kouklave-Räumlichkeiten eine Person mit der Hand irgend­welche Zeichen zu geben schien. Man berichtete auch sofort diesen Vorgang, der eben bei Augenzeugen die Ueberzeugung entstehen ließ, der Papst sei gewählt. Indessen wurde die bestimmte Nachricht auch unter den maßgebenden Persön­lichkeiten erst Dienstag früh um halb 11 Uhr bekannt. Gegen elf Uhr wurde die Nachricht an den Drehbrettern bestätigt. Groß war die Freude besonders bei der Diener­schaft des gewählten Kardinals Sarto. Um elf Uhr befahl der Konklavemarschall Fürst.Chigi, alle Drehbretter mit Ausnahme desjenigen des Sekretärs des heiligen Kolle­giums, Merry del Val, zu schließen. Sie wurden dann erst wieder um 4 Uhr geöffnet. Gegen 112/4 Uhr gestern er­schien ein fgroßes Truppenaufgebot auf dem Peters- platze. Auf der äußeren Loggia der Peterskirche entsteht Bewegung. Um 11 Uhr 50 Min. treten Arbeiter hervor und hängen große Teppiche über die Balustrade. Die Menge auf dem Petersplatz ist in höchster Erregung. Auf der Loggia erscheint ein großes Kreuz. Sofort prä­sentieren die Truppen. Kardinal Macchi, angetan mit der violetten Soutane und der roten Mozzetta und umringt von Zeremoniern, tritt hervor und verkündet mit lauter Stimme, daß Kardinal Sarto zum Papst gewählt ist. Die Menge bricht in Jubelrufe aus. Kardinal Macchi giebt mit bet Hand ein Zeichen, damit die Menge schweige, und verkündet dann, daß Sarto den Namen Pius X. angenom­men habe. Die Menge giebt wertere Kundgebungen. Kar­dinal Macchi zog sich sodann zurück. Die Menge auf dem Petersplatze wird immer größer. Wagen und Trambahnen treffen in großer Anzahl ein. Die Menge begiebt sich in die Basilika. Papst Pius X. erscheint aus der inneren Loggia der Peterskirche und segnet die Menge, die ihm beigeistert zujubelt. Alle Glocken läuten. Sogleich nachdem dem Volke die Papstwahl verkündet war, mache der Sekretär des Konklave dem an einem der Drehbretter harrenden Konklavemarschall amtlich Mitteilung von der Papstwahl und gab bekannt, daß das Konklave um 4 Uhr geöffnet und der Konklavemarschall als erster zum Fußkuß beim Papste zugelassen werden soll. Im Innern des vatikani­schen Palastes, dessen Eingänge sorgfältig bewacht wurden, zeigte sich bald lebhafte Bewegung. Kürz nach 12 Uhr sah die in andächtiger Spannung in der Peterskirche har­rende Menge, wie der Papst, in weißer Soutane mit rotem Ueberhang und roter Stola, auf der inneren Loggia der K'.i r ch e erschien. Ein Kreuzträger schritt voran, Kardinäle und andere Würdenträger begleiteten ihn. Nach den vorgeschriebenen Gebeten segnete der Papst die Menge. Gewaltiger Jubel und begeisterte Hochrufe aus den Papst erfüllten das gewaltige Gewölbe der Kirche. Der Papst zog sich alsbald zurück, und die lebhaft erregte Menge verließ langsam die Basilika, den Platz davor und die ganze Umgebung mit gewaltigem Leben erfüllend. Menschen und Wagen drängten sich unaufhörlich. Die Glocken von Sankt Peter und von allen anderen Kirchen Roms erklangen in festlichem Geläute.

Ueber den Verlauf des Konklaves sind noch keine vollständigen Nachrichten zu verzeichnen. DieTri­buna" meldet: Bei der ersten Abstimmung fielen auf Nampolla 24 und auf Vannutelli 15 Stimmen, die übrigen verteilten sich auf Pietro, Götti und Oreglia. Sarto er­hielt keine Stimme. Am Montag fielen, weil die ausländischen Kardinäle eine schnelle Lösung forderten, auf Sarto 31 Stimmen, aber auch Pietro hatte eine große Anzahl Stimmen für sich. Am Abend äußerte dann Pietro, er würde aus Gesundheitsrücksichten eine auf ihn fallende Wahl nicht annehmen, worauf bei der Mstimmung Diens­tags Sarto Zweidrittelmehrheit erlangte. Dem Verneh­men nach soll in einer der ersten Sitzungen des Konkla­ves ein östreichischer Kardinal erklärt haben, Oesterreich würde gegen die Wahl Rampollas Einspruch erheben. RamPolla soll daraufhin erklärt haben, er würde glück­lich sein, wenn ihm die schwere Aufgabe des Pontifikats erspart bleibe. Als Kardinal Sarto sah, daß die Stimmenzahl für ihn sich vermehrte, bat er die Kardi­nale wiederholt, von seiner Wahl abzustehen und ent­schloß sich erst auf Bitten seiner Freunde, eine eventuelle Wahl anzunehmen.

Das Datum der Krönung ist nach derTribuna" der 9. August. Die Krönung erfolgt jedenfalls abweichend von der Leos, die in der Sixtina abgehalten wurde, in der Peterskirche, um einem größeren Publikum den Zugang zu gewähren. Als bei der vormittags vorgenommenon Abstimmung im Konklave die. Prüfung der Stimmzettel ergab, daß Sarto gewählt sei, ordnete der Dekan des Kollegiums sogleich alle Zeremonien an, um den Papst in seine Würde einzusetzen. Die Häupter der drei Kardinals- ordnunoen traten vor den Sitz des Papstes und der Dekan

fragte:Acceptasne electionem in summum pontificem?" (Nimmst Du die Wahl zum Papst an?" Der Neugewählte erwiderte, daß er so hoher Würde unwert sei, aber da es Gott gefallen habe, die Stimmen des Kollegiums auf ihn zu lenken, so beuge er sich seinem Willen, auf seine Hilfe vertrauend. Sodann fragte der Dekan:£hu> modo vis vocari?" (Wie willst Du genannt sein?) Der Papst antwortetePius X." Sodann wurden die Baldachine von den Sitzen der Kardinäle, ausgenommen von dem des Papstes, entfernt, alle Kardinäle knieten vor dem Papst nieder, und er segnete sie zum ersten Male. Der aposto­lische Pronotar nahm über die Annahme der Wahl eine Urkunde auf. Der Papst vertauschte dann in der kleinen Sakristei der Sixtinischen Kapelle das Kardinalskleid mit den päpstlichen Gewändern und ließ sich, zur Kapelle zurückgekehrt, in die auf der Altarstaffel stehende Sedia geftatoria nieder rmd empfing hier die erste Adoration, die erste Huldigung des heiligen Kollegiums. Jeder Kardinal kniete nieder und küßte dem Papst den Fuß und die Hand und erhob sich und küßte ihm beide Wangen, woraus er vom Papst eine Umarmung und den Friedenskuß empfing. Danach ließ der Papst sämtliche Konklavisten zum Fußkuß zu und begab sich auf die innere Loggia der Peterskirche, um das Volk zu segnen. Ter erste Akt des neuen Papstes war, daß er, wie üblich, den Sekretär des Konklave, Merry del Val, durch Auffetzen seines roten Käppchens zum Kardinal machte. Wie dieFrkf. Ztg." sich berichten läßt, scheint Sarto selbst mit der Möglichkeit der Wahl gerechnet zu haben. Als er kurz vor seinem Eintritt in das Konklave mit Freunden zusammensaß und die Rede darauf kam, wer den schönsten Papstkopf unter den Kardinälen habe, sagte Sarto:Ich!" Als er später in das Konklave einzog, rief der Kardinal Boschi, Erz­bischof von Ferrara:Das ist unser neuer heiliger Vater!" Das Volk findet auch, daß Sarto physisch eine große Ähn­lichkeit mit Pius IX. habe, nur mit etwas weniger Embonpoint. In Venedig sagte Sarto bei seiner Abreise zum Domkapitel:Ihr werdet mich Wiedersehen, lebend oder tot!" Das wird darauf gedeutet, daß Sarto später in. Venedig begraben zu sein wünscht. Auch eine Prophe­zeiung ist entdeckt worden, die besagt: Bor Jahren ist Sarto verkündet worden, er würde neun Jahre Kardinal und neun Jahre Papst fein. Tatsächlich ist der jetzige Pius X. neun Jahre Kardinal gewesen.

An alle Kirch^entüren in Rom sind große Ma- kate angeheftet, die den neuen Papst begrüßen und dia Bürgerschaft auf fordern, heute atienb zu illuminieren. BalÄ nach, der Verkündigung der Papstwahl wurden auch vor­bereitete Flugblätter verteilt, in denen die Bevölkerung gebeten hrirb, abends die Häuser festlich zu beleuchten. Um 12 Uhr 45 Min. verbreiteten die Zeitungen Sonderausgaben mit der Lebensbeschreibung und dem Bildnis des Papstes. Sie sagen voraus, es werde in den Beziehungen zwischen Staat und Kirche keine Aenderung eintreten. Die Vatikan­blätterOsservatore Romano" undVoce della Verita/^ zeigten statt des Trauerrandes Blumenumrahmungen und sfnechen herzlichste Wünsche für den Papst aus. Ueber die Persönlichkeit des neuen Papstes schreibt die Germania", er sei mittelgroß, stattlich, die Haltung ge­beugt. Seine Züge sind nicht scharf geschnitten, tragen aber )en Charakter ruhiger Entschlossenheit. Die Gesichtsfarbe! ist gesund, wie die ganze Haltung die eines gesunden Mannes ist. Als er den Segen von der inneren Loggia aus er­teilte, bot er im weißen Hermelinkleide eine schöne ehr- nrchtgebietende Erscheinung. Er sprach mit stark bewegter, )och volltönender Sti-mme und bog sich weit vor, um von allen Anwesenden gesehen zu werden. 'Ster Vat eir deÄ Papstes war Magistratsbeamter; seine MMter starb vor zehn Jahren. Sein Bruder war früher Karabinier, jetzt ist er Weinhändler in Mantua. Von seinen vier Schwestern sind zwei bis jetzt bei ihin im Patriarchat in Venedig, die dritte heiratete einen Kirchendiener in Salzane, wo der Papst früher Pfarrer war. Die letzte S ch w e st e r ist an einen G a st w i r t in Riese, dem Geburts­orte des Papstes, verheiratet. Der neue Papst genießt den Ruf großer Geschicklichkeit und Festigkeit. Sarto beteiligte sich rege cm öffentlichen Leben Venedigs und der ganzen Provinz. Unter seinen Auspizien bildete^sich dort eine Liga, welche in der gemäßigten Partei in der Stadt und in der Zrovinz, sowie in der klerikalen Partei Anhänger gewann. Diese Liga gewann schließlich die Oberhand und maßgeben­den Einfluß im Stadtrat und Provinzialrat. Die Liga war auch im letzten Jahre siegreich. Ihre Anhänger bereitetein Sarto bei seiner Abreise vom Patriarchat eine Huldigung, ebenso im Augenblicke seiner ?lbreise nach Rom. Er sagte indessen, er rechne nicht darauf, zum Papst gewählt zu wer­den, und er nahm deshalb ein Retonrbillet. Der bisherige Kardinal Sarto hat die Gewohnheit, ein in Venedig unter dem Namen Tresette bekanntes Spiel zu spielen. Da zu dem Spiele vier Teilnehmer gehören, zog der Kardinal stets einige Personen von den italienischen Ortsbebörden zu dem Spiel hinzu. Mit Vorliebe sprich: der neue Papst venetia- nisches Patois. Er spricht es lieber, als die italienische Sprackie. Ein ehemaliger Redakteur des offiziösen Blattes des Vatikans meint, des neuen Papstes politisches Glau­bensbekenntnis entsprech^ dem, was man als christliche De­mokratie bezeichnet, die in Frankreich von Abb6 Lemire und in der Schweiz von Abbe Beck und von Deenrtius ver­treten werde. In Rom wird die Wahl jubelnd begrüßt, besonders in mild denkenden Priesterkreisen.Dies ist der Friede zwischen dem Va-ii..1 und dem Quirinal" hörte man nach demBert. Lok.-Anz." auf dem Petersplatz von Prälaten ausruf en.