Ausgabe 
5.5.1903 Zweites Blatt
 
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Ausland.

Loudon, 4. Mai.Reynolds Newspapier" zufolge hat die englische Regierung beschlossen, den Som all fe lozug einzustellen und keine weiteren Opfer an Menschen und Tieren zu bringen. Dasselbe Blatt bringt eine Nachricht über die Deso rganisationiuderArmee. Es heißt, daß die meisten Regimenter nicht vollständig sind und daß es an Offizieren und Mannschaften fehle. So sollen die Miliztruppen, die auf 131 737 Mann geschützt werden, nur 49 703 betragen. Das Blatt fordert ein Mitglied des Parla- wents auf, die Regierung darüber zu interpellieren.

Paris, 4. Man Infolge der schritte, die mehrere Senatoren, Deputierte und Generalräte des Departements Hautes Pyrenees getan haben, versprach Ministerpräsident Combes, die Basilika in Lourdes jetzt nicht schließen zu lassen, damit die wirtschaftlichen yntereffen des Bezirkes nicht geschädigt würden. Wie aus Lnnecy gemeldet wird, hat Präsident Loubet den Bürgermeister von La Roche sur Foron seines Amtes enthoben, weil er jich geweigert hatte, die Behörden anläßlich der Ausweisung der Kapuziner zu begleiten.

Budapest, 4. Mai. Im Kveroes-Belovarer Bezirke und Stadt üoeroes in Slaoonien wurde das Standrecht wegen Ruhestörungen, Auflehnung gegen die politischen Be­hörden und Gefährdung des Eigentums verhängt.

Petersburg, 4. Mai. Zu Ehren des deutschen Ge­sandten in Peking, Freiherrn Mumm v. Schwarzen­stein, gab der Minister Graf Lamsdorff gestern ein Tiner, zu bem der deutsche Botschafter Gras Alvensleben, der chinesische Gesandte Hoo-Wei-Ten und oie Direktoren und die Räte des Ministeriums des Aeußern geladen waren. Der Finanzminister entsendet in den nächsten Tagen eine Expedition unter Führung des Chinareisenden Gruchimai- low nach der Südmongolei, um sich über die Erzeugnisse des Landes und über den dortigen Handel zu unterrichten.

Buenos-Ayres,4. Mai. Die Botschaft zur heutigen Kon greßerössnun g sagt u. a.: Die Republik hat gegenwärtig keinerlei Mißverständnisse, Verwickelungen, keine Gefahren nach innen oder außen zu fürchten. Sie entwickelt sich kräfttg. In seinem glücklichen, blühenden Zustande ist daß Land voll Vertrauen auf bie eigene Kraft. Die Botschaft hebt mit Genugtuung die Wiederherstellung des argentinischen Kredits auf ben europäischen Märkten hervor, ferner die Erholung der industriellen, kommerziellen und sinanziellen Verhältnisse sowie den großen Aufschwung der Einfuhr und das bisher unbekannte Maß, welches die Ausfuhr erreichte. Es werden wetter die guten Be­ziehungen zu allen Staaten festgestellt und die Note er­wähnt, welche Argentinien in der Venezuela-Angelegenhett an die Vereinigten Staaten sandte, und bie nicht den Zweck hatte, um Schutz für die Republik nachzusuchen, sondern nur die Gefahr auseinandersetzte, welche für die ameri­kanischere ytationen in dem Grundsatz liege, wonach Staaten für bie Schulder: verantwortlich gemacht werden, bie Privat­leute ohne Wissen des Staates kontrahieren. Die Ein- nahnren aus Poft und Telegraphie ergeben 1903 schätzungs- rveise sechs Millrvnen Piaster in Papier. Das Defizit, das 1902 auf 20 108 431 Papierpiaster ausgenommen wurde, ist gedeckt.

Lkozctz ZSotff vor Dem Serwaltuogsgertchtsyos.

(Originalbericht von unserem R. B.-Korrespondenten.) IV.

Darmstadt, 4. Mai.

Tie heutige Verhandlung begann schon um 8i/3 llhr. Ms erster Zeuge wurde Oberregierungsrat Hölzinger aufgerufen, welcher auch die Untersuchung in der Tiszipli- n ar fache Wolfs geführt hat. Zeuge war von 18931900 Kreisamtmann in Offenbach und sagt aus, daß er während dieser Zeit teilten Grund hatte, über die Amtsführung Wolffs zu Hagen:; er habe ihn auch stets als glaubwürdig unb gewissenhaft befunden und Eeiute ihn nicht als einen Mann, der mit leichtfertigen oder obseönen Redensarten uni sich wirft. Seine über den Verwalter Schiff angestellten Ermittelungen hätten ergeben, daß dieser in den achtziger Jahren als Lehrer in Mederrad tätig war und dort gegen den Pfarrer Tenunziationen erhoben habe. Ter Oberbüraer- meister Brinck unb der Beigeordnete Wolff feien zwar bia- uietral entgegengesetzte Charakere, sie hätten auch grund­verschiedene Anschautnigen über Verwaltungswesen, Kom­petenzen 2C. Während Brinck in seiner Amtsführung mehr leger verfahren, sei Wolff sehr diensteifrig gewesen, auch bureaukratisch und streng nah dem Buchstaben handelnd, und dadurch habe er sich viel Feinde geschaffen. Hinsichtlich der vom Zeugen geführten Unterfudjung sagt derselbe, daß Wolfs über alle Punkte derselben und die dabei in Bettacht kommenden Schriftstücke genau informiert worden fei. Zeuge Medizin al rat Tr. Köhler war von 18861894 Oberarzt, seit diesem Jahre ist er Direktor des städtischen Kranken­hauses zu Offenbach. Er sagt auS: Wolfs hatte bei seinem Dienstantritt ein eifriges Interesse daran, die städtischen Finanzen möglichst günstig zu gestalten. 9hm fand Wolff das Budget env er Wallung, die ihm unterstellt war,

stark belastet mit den Verpslegungskosten für mittellose Kranke. Ter Zustand verschlechterte sich noch nad) Fertig­stellung des neuen Krankenhauses, das mehr mit Kranken der Armenverwalttnlg belegt wurde, und damit die Un­kosten noch vergrößerte. Wolff wünschte deshalb durchaus den VerpflegungSstrtz herabzusetzen, und da das nicht nur des Zeugen Widerspruch l>erausforderte, sondern auch nach den tmisachlichen Verhältnissen nicht angängig war, so ver- suchte es Wolff auf andere Weise, nämliH dadurch, baß bie Einweisungen dieser Kranken möglichst erschwert und der Aufentl^ilt im ötrantenhause möglichst verkürzt wurde. Zeuge habe durch persönliche Rücksprache Wolff zu beweisen gesucht, daß dies Verfahren zum 'Nachteil der stranEen aus- schlagen müsse, er habe aber bei Wolff kein Verständnis dafür acfuuben, er sagte nur: Wenn die Verpflegung billiger wird, dann bekommen Sie auch mehr Kranke. Wolff hatte tta . die sehr schwer empfundene Bestimmung getroffen,, daß der Kranke, der ins .'Krankenhaus gewiesen war, von dort noch einmal den »4 stündigen Weg nach dem Stadthaus machen mußte, um dort noch eine Bescheinigung zu holen. Zeuge versuckno diese Bestimmung zu beseitigen und jagte zu Wolfs: ES kann leicht vorkommen, daß ein fülltet Kranker, der sich mühsam dorthin schleppt, auf dem Wege liegen bleibt und stirbt. Ta l)abe Wolff erwidert: 9hm, dann lassen Sie ihn liegen, ich übernehme bie Verant­wortung. Wolff habe überhaupt ein Gefühl großer Wert- sckfätzung ftir seine Person im Amte an den Tag gelegt, während er im Verkehr mit anderen Behörden unb nament- lich mit städtischen Angestellten eine auffallende Gering­schätzung bekundete. Auch der nrankenhaustn'rwaltung warf er Lässigkeit vor, unb )pater ging er soweit, ihm, dem Zeugen, Freil-eitsberaul'ung einer Kraute 1 und Untreue vor- zuwersen. Er ftcUc auch fest, daß Wolf, m seiner BroslMe

alles bas wider besseres Wissen von neuem behauptet habe. Gegen biefe Bemerkung protestierten Wolff unb sein Ver­teidiger, unb verlangten zunächst eine Voruntersuchung, was das Gericht jedoch ablehnte. Wolff habe, wie der Zeuge toeiter befunhet, in einer öffenllichen Sitzung ber Stadt- vervrdneten, wie später auch Abg. Ulrich in abgeschwächter Form, behauptet, es sei im Kranken Hause Geld verschwun- >en unb zwar durch bie Schuld ber Verwaltung; bann wollte eine Ehefrau die hinterlassenen Kleider ihres ver- torbenen Mannes zurück haben, die ebenfalls nicht zu inden waren. Deshalb habe die Verwaltung 25 Mk. Ent­schädigung zahlen müssen. Zeuge legt nun bie einzelnen, ihm von Wolff zum Vorwurf gemachtenVergehen" näher )ar, so namentlich auch bie Geschichte mit ber Freiheits­beraubung und den angeblichenGeheimfonds" des Krankenhmises, der nur in der Phantasie des Beigeordneten epftiere. Ms Letzterer gegen die Art ber Darstellung ber einzelnen Fälle protestiert, bemerEt Ministerialrat Best, daß keineswegs nur einzelne Vorfälle, sondern das ganze dienstliche Verhalten der Gegenstand des Tisziplinarver- ahrens bUbeten. Bei ber Klagebehörde habe überhaupt kein Bebürfnis bestanben, hier noch Zeugen vorzuführen; erst als Wolff mit einem großen Zeugencchparat auftrat, habe auch sie ihre Zeugen Vorbringen müssen, unb denen könne >och jetzt nicht einfach der Mund verboten werden. Zeuge Stadtverordneter und Fabrikant Böhm war derjenige, ber in der Stadtverordnetenversammlung ben Antrag auf Ein- eitung des Disziplinarverfahrens gegen Wolff stellte. Zeuge agt aus, er habe dies nicht allein wegen des Falles Schiff getan, sondern dieser sei nur noch das letzte Dtttiv mit ge­wesen, dadurch sei der Stein ins Rollen gekommen. Wolff Hase auch später noch ttotz eines ausdrücklichen Verbots der vorgesetzten Behörde Protokolle über angebliche Verfehl­ungen aufgenommen. Taß sich Wolff von Schiff tausend Mark leihen wollte und von diesem auch seine Viktualien- rechnungen bezahlen ließ, könne er nicht für ordnungsmäßig halten. Hiermit ist bie Zeugenvernehmung zunächst zu Ende. Der Präsident vertagt die Sitzung bis nachmittag 31/2 Uhr.

Die Nachmittagssitzung, die um 31/2 Uhr begann und bis V26 Uhr anbauerte, wurde vollständig mit ber Ver- esung der dickleibigen Aktenstöße ausgefüllt. (£5 tarnen mrch Oberlanbesgerichtsrat Dr. Langen ber Reihe nach >ie verschiedensten Schriftstücke über die einzelnen (Streitig* ''eiten zum Vortrag, die den Gegenstand der Anklage bilde. Inzwischen war auch Assessor Emmerling aus Offen- xxd) erschienen, um noch eine genaue Schilderung über >ie Vernehmung des Verwalters Schiff zu geben, ber über )ie Beschimpfung Wolffs:Sie sind ein elender Lügner, wenn Sie behaupten, daß sich die Schwestern beschwert hätten", protokollarische Angaben machte. Tann wurde in )er Verlejung der Aktenstücke, Zeittrngspolemiken unb öffent- lichen Erklärungen fortgefahren. Allgemeines Interesse er­regte ein Protokoll von Oberamtsrichiter Bauer, das sich Mit dem Fall Kost beschäftigte. Der Oberamtsrichter, ber bamals bie Sache bearbeitete, befreitet entschieden, baß er irgend welche Beschuldigungen des Kost festgestellt habe, während Wolff in seiner Broschüre behauptet, Bauer habe eine Ausführungen darüber als richtig bestätigt. Sehr mergisch war auch der Protest der Ortsgerichtsmänner, die ich gegen die Vorwürfe verwahrten, daß sie 500600 Mk. alljährlich in die Tasche steckten und nur einmal wöchentlich eine Sitzung abhielten, in der sie nichts weiter als ein >aar Unterschriften zu leisten hätten; fie entzögen sich der gesetzlich vor geschriebenen Arbeit und lleßen andere auf Kosten ber Stabt für sich arbeiten. Zum Schluß der Sitzung kam es noch zu einer recht erregten Szene infolge eines in den Elften aufgefunbenen Schkift- tückes, das möglicherweise eine tiefer greifende Einwttk- ung auf den Verlauf des Prozesses gewinnen könnte. Wir .»erichlen morgen näheres darüber.

Aus Statt und Land.

Gießen, am 4. Mai 1903.

Personalien. Regierungsassessor Dr. Reitz in Darmstadt wurde mit Aushilfeleistung bei dem Sekretariat des Großh. Ministeriums des Innern, Regierungsassessor ^irnbeeger in Groß-Gerau mit Aushilfeleistung bei dem Großh. Kreisamt Darmstadt beauftragt

" Gegen die Jesuiten. Wie derDarmst. Tägl. A nz." aus zuverlässiger Quelle erfähtt, hat die Großh. Hessische Staatsregierung ihren Vettreter im Bundesrate an- gewiesen, gegen die geplante Aufhebung des § 2 des Jesuitengesetzes zu stimmen.

* * Besitzwechsel. Die Gebäude der Hoftaithe des Kohlenhändlers Georg Unverzagt, Kaplansgasse 5, sind vom Bauunternehmer H. Wmn gegen Tausch mit dem rüher Bleicher Schmallschcn Besitztum im großen Steinweg erworben worden. Winn wird dem Vernehmen nach die alten, für Wohnzwecke nicht mehr brauchbaren Unverzagtschen Häuser an der Kaplansgasse nicht stehen lassen.

Aus dem Theaterbureau. Für die heutige Benesiz-Vorstellung des Oberregisicurs Siegfried Bruck zeigt sich in allen Kreisen großes Jnteresie. Morgen Mittwoch findet auf allgemeines Verlangen eine Wiederholung der bei der ersten Aufführung mit so großem Beifall auf* genommenen Novität .Das süße Mädel" statt.

Der Vorstand des hessischen Bauernbundes hat, wie die »Volkswacht" schreibt, beschlossen, den Bauern­vereinen den Anschluß an die GenossenschaftS- b ero egung, in der die Zukunft der Landwirtschaft liege, anzuraten. Es sollen in nächster Zett in allen Ortschaften Versammlungen abgehalten werden mit der Tagesordnung: Gründung einer Einkaufs- und Verkaufsgenossenschaft für Oberhessen und Anschluß an den GenossenschaftSverband.

Tie Baugenossenschaft deS eoang. Arbeiter­vereins, cmgett. Genoff. mtt befchr. Haftpflicht in Gießen, hielt am vorigen Samstag Abend, den 2. Mai l. Js., ihre diesjährige ordentliche Generalversammlung ab unter dem Vorsitz von Kommerzienrat Heyligenstaedt hier, dem Vorptzcnden des Llufsichtsrats. Nach Begrüßung ber leider nicht sehr zahlreich erschienenen Genosien erstattete der Direktor der Genossenschaft, Rendant Doering, Bericht über die Tätigkeit ber Genossenschaft seit ber letzten Versammlung, (rnbe 1902 waren 100 Mitglieber vorhanden mit einem ein* gezahlten Geschäftsanteil von 10 445.02 Mk. und einer Hast- summe von 21 900. Mk. Tie im vorigen Jahre erbauten 5 Einzelhäuschen unb baß große Mietshaus sind sämtlich an Genosien abgegeben, bezw. vermietet. Wegen Vermietung eines habens schweben noch bie Verhandlungen. Tic Ge­nossenschaft Hai nunmehr 3 größere Mietshäuser mtt je 6 Wohnungen, 13 Toppelhäuschen unb 9 EinzelwohnhäuScheu

erbaut, bie sämtlich bewohnt find. Davon liehen 6 Einzek Häuschen unb 5 Doppelhäuschen in ber Landmannstraße 3 EinzelhäuSchen, 8 Doppelhäuschen unb 3 große Micts Häuser in ber Hillebranb- und Crednerilraße, bezw. am Mittel weg. Es wirb Mittettung gemacht, baß etne SatzungS änberung, welche wegen in Aussicht gestellten Mitteln auf Reichsfonbs nötig würbe, ins Genosienschastsregister einzu. tragen sei. Die am 26. März l. I. oorgenommene Besich. tigung beS ganzen Besitzes in Gemeinschaft mit bem Lanbes- Wohnungsinspektor unb eines Vertreters bes KreiSamtS und ber LanbeShypothckenbank fei zu vollseitiger Befriebigung aus­gefallen. Es würbe fobann bie Rechnung verlesen, welche mi einer Einnahme von 272 590.13 Nlk. unb einer Ausgab von 271 789.84 Mk. unb einem Rest von 800.29 Mk. abschließt Der Reingewinn betrug 1599.64 Mk., von welchem auf Vorschlag bes Aufsichtsrates zunächst 4 Prozent Tivibenb« ©erteilt, 10 Proz. bem Reservefonb überwiesen unb fobanr ber Rest zu gleichen Teilen zwei Spezialreservefonbs zugetett' würbe. Dem Rechner erteilte bie Versammlung Entlastung. Den eingehenb erstatteten Rechenschaftsbericht verlas bei Direktor unb gab noch bie gewünschten Erläuterungen. Es wirb sodann Genehmigung erteilt zur Errichtung eines Doppelhäuschens und dreier größerer Mietshäuser mtt einem Kostenaufwand von rund 107 000 Mk. am Wetzlarer Weg und Mittelweg. In einem ber größeren Mietshäuser wirb eine Kleinkinderschule errichtet. Nach Jettigstellung der dies­jährigen Neubauten wohnen auf bem ber Genossenschaft ge­hörigen Terrain am Seltersberg 56 Familien. Die Not- wenbigkeit einer solchen Schule wirb beshalb keiner weiteren Begrünbung bedürfen. Der Vorstand wirt) ermächtigt, bie nötigen Gelber für bie Neubauten im Wege ber Kapital­aufnahme zu billigem Zinsfüße zu beschaffen (Lanbeskrebit- kasie, Landeshypothekenbank re.). Es folgen bann noch bie Wahlen. In ben Vorstanb würbe neu gewählt Herr Jacob Ritsert unb in ben Aufsichtsrat Oberbriefträger Carl Beck. Nachbem noch ber Vorsitzenbe allen Herren bes Vorstands und Aufsichtsrats den Dank für ihre erwiesene Tätigkeit aus­gesprochen hatte, schließt er die Versammlung.

" Bekämpfung ber Lungentuberkulose in Hessen. Aus Darm stabt wirb uns geschrieben: Die ber Jnvalidenversichcrungsanstalt Großh. Hessen gehörige Emst- Ludwig-Heilstätte bei Sanbbach i. O. hat im Monat April 48 (feit 1. Januar 1903: 162) lungenkranke Männer neu ausgenommen unb 37 (fett 1. Januar 1903: 137) im gleichen Zeitraum wieber entlassen. Enbc April befanden sich noch 100 Personen in Pflege. Wegen zu starker Inanspruchnahme dieser Heilstätte wurde die Männerstation in Ebcrbach bei Reichelsheim i. O. im März wieder eröffnet und in diese bisher zehn lungenkranke Männer eingewiesen. Die Jn- validenoersicherungsanstalt läßt ihre weiblichen Lungenkranke in Reichelsheim i. O. (Pension Göttmann) verpflegen. Es wurden vom 1. Januar bis 30. April 1903 dort 41 weib­liche Lungenkranke in Pflege genommen und 32 wieder ent­lassen. Ende Aprtt befanden sich noch 31 Frauen und Mäd­chen bort in Behandlung. Es kann nicht eindringlich ge­nug betont werben, baß der gewünschte Kurerfolg nur bann erzielt wird, wenn bie Lungenkranken sich schon bei Beginn ber Krankheit ber Anstaltskur unterziehen. Solche, bei benen bie Krankheit schon wett vorgeschritten ist unb bie bettlägerig sind, können überhaupt in diesen Anstalten feine Aufnahme finden. Wir weisen noch darauf hin, daß in diesen sämt­lichen Anstalten auch minder bemittelte Personen, bie ber reichsgesetzlichen Jnvalibenfürsorge nicht unterliegen, gegen mäßige Pensionssätze Aufnahme finben können.

Die hunbertjährige Wiederkehr des Stift­ungstages des II. Bataillons feiert unser Regiment am Sonnabend, den 6. Juni d. Js. Das Regiment wird den Tag in Gießen festlich begehen. Alle ehemaligen An­gehörigen des Regiments, Offiziere, SanttätSoffiziere und Beamten, Unteroffiziere und Mannschaften, welche an ber Feier teilnehmen wollen, werben gebeten, ihre Abreffe unter Angabe ber Dienstzeit balbmöglichst an baß Geschäftszimmer des Regiments gelangen zu lassen. Das Regiment wird sich erlauben, alsdann den Teilnehmern wettere Nachricht zugehen zu lassen.

u. Lollar, 4. Mai. Angesichts ber bevorstehenden Bürgermei st erwähl glaubt man, daß der seitherige Bei­geordnete Zimmermann, ber sich in feiner Geschäfts­führung bewährt hat, zum Oberhaupt von Lollar gewählt werben wirb.

I. Friebberg, 3. Mai. Der diesjährige Obstbau» kursus für Geistliche, Lehrer unb sonstige Freunbe bes Obstbaues würbe gestern beendet; er war von 12 Herren besucht. Ein Repetitionskursus findet im Sommer statt. An ber Bahnunterführung am Fauerbachertor sind die Arbeiten bereits bedeutend vorgeschritten; der Durchstich unter den Geleisen ist begonnen. Die Kosten werben sich auf etwa 90 000 Mk. belaufen.

A Bab-Nauheim, 4. Mai. Der gestrige schöm Maitag brachte zum erstenmale für dieses Jahr baß rege Leben unb Treiben ber Saison. Nachbem am Freitag baß neue Kurochester in Tätigkeit trat, konzertierten gestern nach­mittag bie Hanauer Ulanen auf ber Terrasse. Die Kurgäste sinb trotz beß seither ungünstigen Wetters bereits zahlreich eingetroffen. Gestern war ber Anbrang auß ber Umgegenb, befonberß auß Friebberg, sehr stark; Straße unb Prornenab- nach Friebberg glichen einem Menschenstrom.

n. Ulfa, 4. Mai. In ber vergangenen Nacht ereig­nete sich hier eine fonberbare Diebsgeschichte. Der Lanbwirt Johannes Lubwig III., ein recht begüterter Mann, war mit seiner ganzen Familie auf ber Kinbtaufe bei seinem Schwager. Als zwei seiner größeren Kinber am späten Abenb nach Hause gingen, um ihr jüngeres Schwesterchen zu Bette zu bringen, fanben sie baß nach bem Hofe führenbe Fenster weit offen, währcnb auf bem Tische ein Zettel folgenben wört­lichen Inhaltes lag:Lieber Hannes! Welch einen Schreck habe ich Dir bereitet, aber sei nur ruhig, baß nicht so em Dorsgespräch giebt, beim ich werbe Dir Dein Gelb auf un­gesehene Welse wieberbringen, fobalb es nur möglich ist. Ich bin in größter Not, sonst hätte ich bieß nicht getan, also sei nur ruhig unb sage nichts weiter. Besten Gruß Dein guter Freund.* Zitternd eilte nun baß eine der Kinber zu seinem Vater, um ihm bie Schreckenßmär zu verkünben, unb in wenigen Minuten war bie kurz vorher noch so fröhliche Kindtaufsgefellfchaft an bem Schauplatz ber frechen Tat ver-