Ausgabe 
5.5.1903 Zweites Blatt
 
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Die heutige Wrmmer umfaßt 8 Seiten.

Zwei Wahlaufrufe.

Die Balkan-Unruhen.

Heer und Flotte.

Ubrtfie für Depeschen: ««leiftr «teße«.

Kernwrrchanfchluß Nr. 5L

legte.

Schwetz a. d. Weichsel, 4. Mai. Der kgl. Domänen- fiskuS hat die ungefähr 8000 Morgen große Herrschaft Sternbach im Kreise Schwetz angekaust. Somit ist das von den Polen viel umworbene Gut dem Deutschtum erhalten geblieben.

Posen, 4. Mai. Der frühere Oberpräsident v. Bitter nahm die Aussichtsratsstelle der gräflich Henkel-DonnerSmark- fchen Hüttenwerke mit einem Jahreseinkommen über 20000 Mark und dem Sitz in Berlin an.

Dresden, 4. Mai. König Georg stiftete anläßlich seiner Rückkehr nach Dresden 10000 Mark für die Armen.

Wie einst im grauen Altertum sich sieben Städte stritten um den Vorzug, den Vater Homer zum Sohn zu haben, so streiten sich jetzt sieben Städte um die Garnison des vielleicht zu errichtenden Jägerbataillons beim 18. Armee­korps und zwar Alsfeld, Bensheim, Friedberg, Grünberg, Usingen, Weilburg und Bad Nauheim. Zur Not lassen sich

Nr-. 104

Erscheint täglich außer SonntagL.

Dem Gießener Anzeiger werden hn Wechsel mit dem vefsflchea Landwirt die Gießener Zamillev. blätter viermal in der Wach« beigelegt

-io tationSdruck u. Ver­lag der Brühl'schen Unwert-Buch- u. St ein- bxudertt (Pietsch (trben)

oorckommen sollten. Die Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung sei. gesichert. Ta- Kriegsgericht ist in Aktion getreten, (feine aus Konstantinopel eingewoffene Spezial-

Kommission stellte den Umfang der an der Cttomanbanf Quä) ^iese sieben Städtenamen als Hexameter lesen, angerichteten Verwüstungen fest, (fein Teil des Archivs I - ' : :n

konnte gerettet werden. Die Geschäfte bey: Bant wurden wieder aufgenommen. Außer den bereits eingetroffenen Kriegsschiffen werden noch vier östreichische Kreuzer und ein italienisches Panzerschiff in Saloniki erwartet. Auch da- bevorstehende Eintreffen eines russischen und eines l englischen Geschwaders wurde signalisiert

Zur Entdeckung der Urheber der Bomben­attentale in Saloniki wird über Wien gemeldet, daß die Entdeckung einer Italienerin zu verdanken ist, bei der ein gewisser Georg Jourdan wohnte, und welcher kürz­lich Leute mit schweren Paketen beladen empfing. Als plötz­lich das Haus vom Militär umzingelt wurde, und ein! Offizier nach ihm verlangte, trat er auf den Balkon und warf eine Bombe auf die Straße. Die Soldaten feuerten, worauf Jourdan noch zwei Bomben hinabschleuderte. Hierbei zog er sich eine Verletzung am Arme bei, worauf er sich eine Kugel in den Kopf schoß. Ein Kumpane von ihm, der gleichfalls Bomben geworfen hatte, beging gleichfalls Selbst­mord durch Erschießen. Mit dem Rufe:So sterben Bul­garen!" verschied er. Die anderen Genossen hatten sich auf das Dach des Hauses begeben, um von dort Bomben zu werfen; sie wurden von den Soldaten herabgeschossen Tie Attentäter hatten sämlliche kompromittierenden Schriften

Deutsches Reich.

j;r, Berlin, 4. Mai. Um die Mitte diese« Monats wird der' Kaiser in den Reichslanden wellen Dieser Besuch kurz vor den Neuwahlen zum Reichstag wird seine festigende Wirkung auf daS Deutschtum in Elsaß-Lothringen nicht verfehlen. Die dortigen Wähler haben jetzt Gelegenhell, über die im vorigen Jahre vom Kaiser bewirkte Aufhebung deS Diktaturparagraphen durch die Unterstützung reichstreuer Kandidaten zu quittieren. Der Kaiser gab durch die Aus­zeichnung des bisherigen national gesinnten Abgeordneten lBaron de Schmid (Ernennung zum Reserve-Rittmeister im rheinischen Kürrassierregiment) zu erkennen, wie e§ ihn fteut, wenn das Reichsland reichstreue Vertreter mS Parlament entsendet. Baron de Schmid will wieder kandidieren, ebenso Herr Schlumberger, der politisch mehr lmks steht, aber >m Reichstag sich im nationalen Sinne betätigt hat. Die Neuwahlen werden überdies dartun, inwiewell die Verwaltung des Staatssekretärs v. Köller in den Reichslanden dem Deutschtum förderlich gewesen ist. Der Staatssekretär wird dem Kaiser diesmal den Wunsch der gesamten reichsländischen Bevölkerung nach Verleihung bundesstaatlicher Rechte an Elsaß-Lothringen unterbreiten, also nach staats- rechtlicher Gleichstellung mit den übrigen Bundesstaaten, bez. nach Verleihung aller Rechte eines Landtags an den Landes- ausschuß von Elsaß-Lothringen. Bei der jetzigen Stellung des Landesausschusses erscheint er der reichsländischen Bevöü' I kerung als ein Scheinparlament, als die Dokumentierung eines UeberbleibselS aus der Zeit der Diktatur, wovon die Verhandlung über den Antrag Kraft im LandeSauSschuß aus Verleihung bundesstaatlicher Rechte unlängst Zeugnis ab*

Partei proklamiert. . . , , Qr, .

R B Darmstadt, 4. Mat. In einer heute Abend stattaehabten und äußerst zahlreich besuchten öffentlichen Wählerversammlung legte der Kandidat der National- liberalen, Rechtsanwalt 2)r. Stein, m kurzen Zügen fern Programm dar. Die Rede wurde von der großen Mehrhell der Versammlung mit lautem Beifall aufgenommen, doch blieb da eine ziemlich starke Abteilung©enoffen* mit m der Versammlung war, auch die Opposition gegen manche treffende, gegen die Sozialdemokratie gerichtete Aeußerung nicht aus. In der an den Vortrag angeknüpften Debatte sprachen sich Geh. Justizrat Osann, Oberlehrer B ad e S u. A. in lebhafter Weise für die möglichst einmuthige Wahl des Tr. Stein aus. Die Verhandlung schloß mit einem drei­maligen Hoch auf das deutsche Vaterland.

Nürnberg, 4. Mai. Eine konservatio-bündlerischk Bauernversammlung beschloß einstimmig, die natio­nalliberale Kandidatur des Grafen du Mo ul in für |ben Wahlkreis ErlangenFürth abzulehnen.

9ebU&j der Wahlaufruf des Z-ntrums ist «° ri;. , nrirb darin weise Sparsamkeit verlangt.Zu und Marin- barf ine Steuer-

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- Ueber das I esuiteng -s-k wird gejagt:Die Er- fialtuna des Zentrums ist insbesondere unbedingt Nbtirendtg für bfc Kathoiilen Deutschlands; nirgends anders finden ibre berechtigten Interessen genügendes Ber;randnis und tatbereite Vertretung Lerne Stimme dar, oerloren gehen.

Frankfurt a. M 4. Mai. In der heutigen ge> schlossenen Mitgliederversammlung des Demokratischen Vereins wurde die Aufstellung des Reichstagskandi­daten vorgenommen. Stadtv. Dr. Rößler berichtete über den Beschluß des Wahlkomitees, der Rechtsanwalt Dr. Ludwig Bruck als Kandidaten der demokratischen Partei für die Reichstagswahl in Vorschlag bringt. Die Fortschritts­partei hat sich mit dem Vorschlag einverstanden erklärt, die N at i o n a ls o z i a l e n haben sich wmpatisch für die Kandi- datur ausgesprochen und werden voraussichtlich schon ersten Wahlgang für Dr. Bruck eintreten. Nach kurzer Debatte l wurde Dr. Bruck einstimmig als Kandidat der demokratischen

' Wie aus Hannover berichtet wird, ist der Kommandeur der 18. Brigade, Generalmajor von Pawlowski, zum Kommandant von Straßburg ernannt worden.

Jaeschke, Lt. üi der Ostasiat. Feldart.-Abtell. der OsLasiat. Besatzungs-Brig., ist aus dieser Brigade ausae- schieden und im 1. Großh. Feldiart.-Regt. Nr. 25 (Großh. Astt^Korps) angestellt.

Wahl-Bewegung.

njefche für die Sicherung unserer Stellung abgegeben werden I famT Auch in den Wahlkreisen, in welchen die Zentrums- Wähler eine Minderheit hüben, müssen sie vor allem durch ihre Abstimmung gegen die Fortdauer des ungerechten JesuitenaesetzeS protestieren: kein Kandidat darf eine Zen- trumsstimme erhalten, der nicht mindestens soviel Gcrechtig- kettssinn besitzt, daß er sich, wie die hervorragendsten Führer der konservativen, der nationalliberaten und der I fteisinnigen Fraktion im Reichstag für die Aufhebung des tz 2 des Jesuitengesetzes erklärt. Recht muß Recht bleiben.

Der am Sonntag in Berlin adgehallene national- liberale Delegiertentag hat mit allen gegen zwei Stirn-1 men seinen Wahlaufruf seslgestellt. Er beginnt mit den! Worten: Der ReiäMag habe Tage tiefer Erniedrigung erd lebt als eine rücksichtslose Minderheit den Versuch unter­nahm, die Mehrhett zu tyrannisieren, ja die parlamentarische

Tätigkeit überhaupt unmöglich zu machen. Der Aufruf hebt! hervor, daß der Reichstag von Beginn an unter dem aus­schlaggebenden Einfluß des Zentrums stand, und daß der Liberalismus nicht die ihm gebül)rende Geltung hatte. Er betrachtet ben Zolltariftrotz aller ihm seiner Entstehung nach anhaftenden Mängel" alsdas notwendige Rüstzeug zum Abschluß neuer, uns günstiger langfristiger Handels­verträge/durch welche zugleich ein besserer Schich der Landwirtschaft gewährleistet wird". Tie Verabschied­ung von Handelsverträgen bilde in den nächsten Jahren eine der Hauptausgaben der deutschen Polittk und Gesetzgebung. Der Wahlaufruf tritt ein «für die Durchführung der Sicherung der Bauforderungen, für einen Ausbau des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb, um den Auswüchsen des Ausverkaufs- und Auktions- wesenS wirksam entgegenzutreten, für eine Revision der Militärpensionsgesetze, für die Einführung von Kaufmannsgerichten, für eine weitere Verbesserung bet sozialpolitischen Gesetzgebungunter Berücksichtigung der | praktischen Verhältnisse des Wirtschaftslebens unb des aus- ländischen Wettbewerbs". Als Ziel soll bie Versicherung der Witwen und Waisen festgehallen werden. Unter ben idealen Forderungen, welche der neue Reichstag zu erfüllen hat, zählt der Wahlaufruf auf:die Pflege und Wttter- dildung unserer freiheitlichen Emrichtnngen und Kullur- errunflenfdiaften, die Aufrechterhaltung des bestehenden Reichstagswahlrechts und der Koalitionsfrei» heit" .Große Gefahren bedrohen die in diesem Geiste tätigen Kräfte und verlangen schärfste Abwehr." Gegen bas Zentrum roenbet sich der Wahlaufruffolgendem Satz- Das Bestreben, die Staatsgewalt, die Schule, Kunst!! und Wissenschaft, das gesamte Vollsten ultramontanen Macht gelüsten zu unterwerfen, wirkt immer Verhängnis- voller." Gegen ben Bunb der Landwirte ist fol­gender Passus gerichtet:Die verschiedenen Berufsklassen werden durch Uebertreibung von o n d er in tere s s e n gegen einander aufgewühlt, als seien sie nufjt alle | eines Volkes. Heber die Reform der Börsen- gesetzgebung heißt es:Soweit die Börsengesetz- aebung dahin geführt hat, Treu und Glauben im Handels­verkehr zu untergraben, ist eine zweckmäßige Reform not-!

1DenSieNational-Zeitung" befürchtet von demWord-! reichtum" des Aufrufs einegewisse Beeintr^htigung feiner Wi^ng und Werde kraft". Wir schließen uns diesem Urteil an Eine Wahlaufruf mut die Zukunft ins sassiu, was aefchehen soll, darauf liegt der Accent, und das ver­lang? I>er Wähler zu wissen. Ein Rückblick auf dw Ver- gEnh2,^s bie^altukg der Partei, faßt bem, b« mit ^oliHf sich beschäftigt, nichts neues. Die Ziele der Partei I konnten niit wenigen Worten und ohne Deko^io^iwerk aufaeftelll werden. Es soll zuviel untergebracht werden in einem solchen Wahlaufruf, man will möglichst keine der vielgestaltigen Interessen, die sich rmerw^nt Lasten, dadurch kommt es zu. einer Häufung des ^ie eher

verwirrt, als au Märt. Ein nationalliberaler Wahlaufruf muPt?aud) darin stehen wir auf bem Stmidpuntt der ^at&nahta" drei Punkte scharf hervorheben: die Ab- " 5, ß/'Sviialdemokratie, Mtramontanisnius

Aarariertum. Aber dieser Eindruck drängt sich L Äp^lls^i die Wähler durchaus auf.

Mmi sollte meinen, die Ereignisse waren damuh cmgetan aeiDefen um eine deutlichere Sprache S" führm gegen dieMatadore der Maßlosigkeit". ^^^^Ä^Agra- nommen worden auf die bekannten "K^ibn^en rier, namentlich bei uns m Heisern ^.das Zugchwnonw ton ilt die Stage. Aber die vorsichtige «ehantong BrsrÄff&arä>< « E'Aväss s s Ausführung, mag sie immerhin authentisch bezeichnet ,em, c Ä nuÄid>lieRlich an die von der gesamten Partei, d^ch^de^n Delegierte, zum Beschluß erhobene Kund-

Derbrannt

Politische Tagesschau.

Ein neuer Erfolg.

(fein Berliner Mitarbeiter schreibt uns unterm

4. Mai: , . c

Wie wir erfahren, darf schon fetzt darauf gerechnet wer­den, daß der Erneuerung des Handelsvertrags zwischen Teutschlond und Italien sich keine Schwierigkeit^ ernstlicher Art entgegenstellt. Zn Unterredungen des Grasen Bülow mit Ministerpräsident $ an ar belli unb dem neuen Minister des Auswärtigen Morin, dem Nach­folger Prinettis, soll sich ein volles Einvernehmen ergeben haben. Es bedarf kaum der Hinzufügung, daß die Ver­ständigung nicht das Werk des Augenblicks und des persön- ttchen Erscheinens des Reichskanzlers ist, sondern daß ein längerer Meinungsaustausch zwischen Berlin und Rom vorausgegangen ist. Licherlia) aber hat die herzliche politische Stimmung, wovon die bedeutsamen ^tvcvV

Die neuesten Konsularmelbungen aus Saloniki be­sagen übereinftüumenb, daß die Zivil- unb Militärbehör­den eifrig mit Nachforschungen nach den Komiteemitglie- bem unb ihren Helfershelfern beschäftigt seien und daß zu diesem Zwecke Haussuchungen und zahlreiche Verhaft­ungen stattfluden. In einigen Fällen wurden Dy nam 11- Patronen sogar bei Frauen und Kindern ver-I borgen gefunden. Seit den ersten Ereignissen wurden einigemale Dynamitbomben oder Patronen geworfen, ohne Schaden anzurichten. Aus den bis- berigen Ergebnissen der Untersuchung ist zu ersehen, daß die Uebeltäter größtenteils Bulgaren aus Ma- I cedonien und Bulgarien sind. Einige verhaftete Bulgaren aus Saloniki fdeinen Helfershelferdienste geleistet zu haben. Tie Nachricht, daß der bulgarische Handelsagent in Salo­niki kompromittiert sei, fand keine Bestätigung. Entgegen Derf'diiebenen Meldungen über grobe Ausschreit­ungen der türkischen Truppen konstatiert eine Meldung des östreichisch-ungarischen Konsulats, daß zwar Befürchtungen in dieser Beziehung vorhanden waren, daß jedoch keine flagranten Fälle in Wirklichkeit konstatiert > wurden. Tie Vorfälle überhaupt scheinen aufgebauscht zu' fein. Ebenso erhielten die Nachrichten, daß türkische Zivll- personen unbeteiligte Bulgaren angegriffen hätten, feine vertrauenswürdige Bestätigung. Tie Bewachung der Stadt durch Truppen, welche nachts bedeutend verstärkt wer­den, funktioniert tadellos unb ist genügend. Die Heber» wachung der Bahnlinien ist abermals verstärkt worden. Tie lleberwachung der Orientbahn erfolgt durch Polizei und Gendarmene. Ein verwundeter Italiener ist ge-

ftorben. Am 3. Mai wurde ein neuer Anschlag auf die türkische Post in Saloniki verübt. Ter Täter wurde getätet Tie Professoren des bulgari- scheu Gymnasiums, welche, wie man sagt, die Be-! I roegung leiten, wurden alle verhaftet Ter Bali zeigt sich -u Fuß in ben Straßen. Gleich nach seiner Ankunst ließ Edib-Pascha überall in ber Stadt bekannt machen, daß der Sultan ihm den Auftrag gegeben habe, die Schuldigen streng zu bestrafen. In Hesküb hielt die Pollzei Haus­suchung bei Bulgaren ab, wobei sie einen Vorrat von Dy­namit sand. In diplomatischen Kreisen herrscht Erbitterung über die anarchistische Tätigkeit des Komllees. Gleichzeitig glaubt man aber, daß durch verschärfte, um­fassende Niaßregeln weitere größere Vorfälle in Saloniki

spräche Zeugnis oblegen, viel dazu beige tragen, für Gvaf Bülow diesen neuen Erfolg einer Fahrt nach bem Süden zur raschen Reife zu bringen.

Zwrit-S Blatt. 18». Jahrgang Dienstag S. Mai l»«»

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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis