Ausgabe 
5.2.1903 Zweites Blatt
 
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Warenbestände in nur idita n, Schlafröcke, Kinder inche, Buxhn, Kammgarn 2

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Dein Gießener Anleger werden tm Wechsel mit dem yeifljche, tanörnirt die Steßener LamUleo- Witter viermal tot bet

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GchNlßrckß, f. «dteile tüx Depesche«;

«»zetger Gieß«. Aernlptrchanschlutz Nr 51.

Zweites Blatt.

158. Jahrgang

Donnerstag 5. Februar 1008

GietzenerAnzeigerS

W General-Anzeiger ST

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen WZ

jijimuf.«äj***-.JU-nujieRiiujj.ea«?.yiiijiwyjl ._ ---------------------------------------- aetqenteil: Han« veck.

3>te heutige Kummer umfaßt 10 Seiten.

Aus Stadt und Land.

Gießen, bat L. Februar 1008»

- Kaiserliche Eprude. Am 27. Ian vor, a» an seine« fietartBtage, hat der Kaiser, wie wir erst hevtt erfahr«, auch de« Offt-ierkorps bei hiesig« 116. Infanterie- Äigtmeetl dal ja bekanntlich seinen Samen trägt eine Spende toi 26 00 0 Mark -a Teil werden lassen mit dem anldrÜLklichen vnheiiastell«, daß die Summe nach dem titewi ArmeAea del Ofstzterkvrpl verwendet werd« laüi.

w Zur ReichatagSwahl. Angesichts der bevor­stehenden Reichstagswahlen, die jo allem Anschein nach früher, als man anfangs erwartete, stattfinden werden, kommen aufl allen Gegend« Deutschland? Nachrichten über die Aufstellung von Reichstagskandidaten. Auch in unserer Stadt wird die Trage eifrig erwogen, wem das Mandat unseres Wahlkreises «wird anzuvertrauen sein. Die ländliche Bevölkerung wird ja 'unzweifelhaft cm Henn Köhler-LongSdorf festhalten, von dem «nr wist«, daß er unter allen deutschen RelchStagSabgeord- neten derjenige ist, der am allerseltensten sich im Reichs- Parlamente einfindet und der sich wohl selber nicht für einen Peißig« Vertreter unseres Wahlkreises hält, besten Mittel- punft eine aufstrebende UniversitätS- und Industriestadt ift TS versteht sich von selbst, daß ein gemeinsames Marschiere« der städtischen Wählerschaft mit den Bauern- dündlern em Ding der Unmüglichkett ist. Die Stadt Gießen, sowie die meisten Wähler in den anderen Städten unseres Wahlkreises, und ebenso sehr viele auf dem Lande wünschen sich einen Abgeordneten von ausgesprochen liberaler Ge­sinnung. ES kann keine Frage sein, daß unser Vertreter im Landtage, daß der Justizcat Dr. Gutfleisch die Stimmen der Angehörig« aller Partei« in Stadt und Land, mit einziger Ausnahme der dauerndündlerisch« und der sozialdemokratischen, amf sich vereinig« würde. Dr. Gutfleisch ist ein Mann von fieljührig«, gründlich« praktischen Erfahrung« auf dem Gebiete der gesamt« Wirtschaftspolitik, ei« Mann von un- eafchütterlicher UeberzeugungStreue, von weitem Blick, von Scharfsinn und einer wahrhaft unermüdlich« Arbeitskraft nnb Arbeitslust. Findet er sich zur Annahme des Reichs» tcigsmondates bereit, so ist sehr wohl die Möglichkeit vor­handen, daß uns der bevorstehende ReichstagSrvahlternmr einen Abgeordnet« beschert, der seine Pflichten im Sinne der weit- auS überwiegend« Mehrzahl der Bewohnerschaft der Prooinzial- h-aupt- und UnioerMtSstaüt Greß« wie des gesamt« Wahl­kreises erfüllt.

** Prof. Bethe. Der ordenü. Profestor d« klassisch« Philologie m Basel, Prof. Dr. Erich Bethe, hat, wie wir bereits meldeten, den Ruf au die Universität Gieß« als Nachfolger br8 nach Heidelberg übersiedelnd« Prof. A. Dieterich an­genommen. Prof. Bethe ist geborener Stettiner und steht im 40. Lebensjahre (geb. 2. Mai 1863). Er studierte in Bonn, Greifswald und Göttingen Philologie und Kunstgeschichte, wurde an der letztgenannten Universität im Jahre 1887 zum Dr. phil. promoviert. Von 1891 tuS 1893 war er als Pnvatdozent in Bonn tätig, wurde 1898 als Extraordinarius aach Rostock und 1897 als Ordinarius nach Basel berufen, öo er seither wirft. Von den Schrift« BetheZ sind zu nenn«

8. Sitzung Großh. Handelskammer Gießen, Mr die Lretse Gieße«. Msfeld und Lcurterbach.

Protokoll-Auszug.

Geschäftsbericht ist Folgendes urtt-

zuteilenr

Gießen, d« 3. Februar 1903.

Anwesend sind die Herren: Kommerzienrat Koch, Vor­sitzender, Kommerzienrat Heichelheim, Balser, Grünewald, Hoos, Jhring, Latz, Mall, Nvwack, Ramjpeck, Rinn, Rohr, Schirmer, Wallach Zur buch sowie der Syndikus Dr. ftnipper nnb Gerichtsassessor Wtllenbücher. Entschuldigt fehlen die Herr« Dürbech Schnall und Steinecke.

a) Bei dem Kaiserl. Postamt Gleßeu ist die Zulassuua Mm Fernsprechverkehr mit mehrer« fran- Mscheu Ort« beantrag worben. Gleich-eilig hat sich )« Kammer für Fernsprecher!-indungen mit bayrischen, MvMerisch« und belgisch« Plätzeri ausgesprochen.

b) Der am L Januar d. I. in Kraft getretene Aus­nahmetarif für Grubenhölzer von mehr als 20 Zentimeter bLS Ku 60 Zentcheter Zopfstärke und bis zu fünf Dieter Lange stift nur für die Barsen düng von bestimmt« Lohleuaruben- Anschußstation« des RnhrbeztrkZ und die dortig« Som- mollagerstatton«. Die Kammer beantragte die Ausdehnung deü> Tarifs auf die Station« der Lönigl. Saargrub« und ans einzelne Stationen t» Hessen-Nassau.

<) Bei dem Deutsch« Handelstaa wurde die Einstellung erwärmter Güterwagen durch die Etsenbahnverwaltung zur Beförderung von Wein während der WenLrmonatc befür­wortet.

d) Die geltenden Lisenbcchntarifc erschwer« den ober- hessischen Eisenerzgrubeu d« Absatz nach dem Rbeiuisch- ! Lestsälisch« Judustriebezirk und demSiegerttulto Die Kammer hat über die WsatzverhLltnisse der hiesigen Grube» Erhebungen veranstaltet und wird die Anlehnung a» eine Eingabe des Berg- und Hüttenmännisch« Vereins

außer der Distertatio».' ..Quacetionee Diodorine mytho- grapb*« die 1891 erschienen« .Thebanisch« Helb«lietor^, , Prolegomena zur Geschichte des Theaters int klassisch« Altertums (1896), .Polluri 0noma8ticonu (1900), .Homer und die Heltonsage-' (1902). Außerdem hat Bethe die Er- gebntfie seiner Studi« in zahlreich« Aufsätzen in verschied«« Zeitschrift« niedergetegt.

-Für unsere Hausfrauen! Geg« rauhe Hände gebraucht man Citrvnensast. Mit warmer Milch und Wasser kann man Oeltuch ohne Seife reinigen. Line heiße Sck-aufel, Über Möbel grhaltrn, uimntt weiße Flecke davon weg. Streue Sassafrasriude unter getrocknete Lichte, um die Würmer davon abzuhalten. Eine Hand­ball Heu mit Wasser tu einen neu« Eimer getan, nimmt den Geruch der Farbe mit fort. Tintenflecke auf Seid«-, Wall- und Baumwollstoff« lass« sich mit Terpentin ent' fernen. Macke saure Gurk« nie In ein« Topf ein, in welchem Schmalz gewesen ist. Line Mischung von Bienen­wachs und Satz macht alle Bügeleisen so glatt wie Glas. Fische lassen sich viel besser abschupp«, wenn man sie einen Augenblick in heißes Wasser hält. Zähes Fleisch kocht ebenso weich wie anderes, wenn man dem Wasser ein wenig Essig jufügt Um das Weiße von Eiern schnell -u lKag« tue eine Messerspitze voll Salz hinein; je kühler die Lier sind, desto schneller geb« sie Schaum!

ß. Leihgestern, 4. Febr. Der hiesige Turnverein feiert am 21. Juni l. IS. sein IvjährigeS Stiftungsfest, Ver­bund« mit Fahnenweihe.

für die Lahn-, Dill- und benachbarten Reviere in Wetzlar die Einführung deß 1 Pf.^aristz für alle Empfangsstation« beantragen.

e) Auf eine Umfrage des Deutschen Handelstages sprach sich die Handelskammer für die Ausdehnung der Haftung der Zollverwaltung für Waren in öffentlich« Niederlagen aus. Es i|t wünschenswert, daß die Zollverwaltung gesetz- lich verpflichtet tvird, für Waren in öffentlich« Nieder­lagen dieselbe Verantwortlichkeit zu übernehmen, die für den Lagerhalter auf Grund des Handelsgesetzbuchs besteht.

f) Bei dem Großh. Ministerium der Finanzen wurde eine Aenderung der Bestimmung« über die Hinterlegung Don Wechseln von Privatbankiers als Sicherheit für ge­stundete Zölle beantragt.

g) Auf Veranlassung des Hessischen Handelskammer» tags sind Erhebung« über die Organisation und Leistungs­fähigkeit der Kaufmännisch« Fortbildungsschulen des Be­zirks eingeleitet worden.

h) Dem Reichsstatistischen Aint sind durch Vermittlung der Kammer von einzeln« Firmen die Durchschntttswerte der ein- und ausgeführt« War« im Jahr 1902 mit» geteilt worden.

i) Auf Grund einer Verfügung des Preußischen Mi­nisters der öffentlichen Arbeiten und des Handels Ministers sind von den preußisch« Gewerbeaufsichts- und Kreist)au­ch eaml« Erhebung« eingeleitet Word«, ob und inwieweit ibie Bleiweißfarbe durch andere Farben ersetzt werd« kann. Sie Bleisarben-Jndustrie und der Handel mit Bleiweiß be- fürcht« von einem Verbot des Bleüveißes eine Schädigung ihres Gewerbes. Die Kammer hat sich im Interesse der Farbenhändler des hiesigen Bezirks geg« ein Verbot der Verwendung von Dleiweiy ausgesprochen.

k) Das Kaiserliche Patentamt teilte der Kammer mit, day es sich mit Rücksicht auf etwaige spätere Freizeichen­vermittelung« für die Fabrikanten empfehle, auf Proftrek- t«, Katalog« usw. stets ton Zeitpunkt der Ausgabe auf» zudrucken.

2. Vo r st an d sw ahl. Die N«wahl« der Kammer sind durch Großh. Ministerium bestätigt Word«. Bei der Neuwahl des Vorstandes wurden Herr Kommerzienrat F. (L B. Koch als Vorsitzender und Herr Kommerzwnrat S. Herä)elheun als stellv. Vorsitzender einstimmig wieder- gewählt. Beide Herr« nehm« die auf sie gefallene Wahl dankend an.

3. Welt-Ausstellung in St. Louis IRX Der Vorsrtzende berichtete über ein« Vortrag welch« der deutsche Reichskommissar für die Weit-ÄuSstellung am L Februar in Darmstadt gehall« hat. Nach toss« Aus­führung« sei die Lage von St. LouiS inmitten eines in­dustriell und landwirtschaftlich hochentwickelt« Gebietes für eine Ausstellung sehr geeignet, und bei der Aufnahme­fähigkeit dieser Lander striche sei die Einleitung von Ge­schäftsverbindung« mit deutsch« Firm« zu erwarten, ! den Absatz kam« abgesehen von anderen, die Jn- tereffen des hiesigen Bezirks nicht berührenden Artikeln in Betracht: Werkzeugmaschinen, llnterrichtogegensränto Einrichtungen von chemisch« Laboratorien, astronomischen tuit) bakteriologischen Jnstttut«. Es sei zu erwart«, daß Ausstellung« der letzt« Art von amerikanischen Hoch. chulen glatt überuomm« würton.

4. Reservefonds der Berufsgenossenschaf. :en. Das Gewerbe-Unfallversicherungsgesetz vom 30. Juni 1900 enthalt in § 34 eine Bestimmung, welche ton Berufs- )«off«schäft« die Ansammlung außerordentlich hoher Reservefonds vorschreibt und das seitherige UnUaae- )erfahren zum Teil durch das Kapitaltockungsverfah^r wsetzt. Begründet wurde diese Aenderung gegenüber dem

Gießener Theaterverekn.

Die Tüdi« von Toledo

Worisches Trauerspiel j.n 5 Auszügen von Grillparzer.

Wer sich mit Grillparzers Dramen, die das große Publikum noch immer in der Mehrzahl kaum dem Namen kennt, näher beschäftigt die bei Cotta erschienene DuUße Ausgabe, in vier Markbände gebunden, giebt dazu ^leg«heit, d« wundert es, daß sie nicht samt und Mders Heimatrecht auf der deutschen Bühne gefunden toben. Ihre Bühnenwirksamkett ist machtvoll, ihre künst- Qualität« sind groß, und die Anregungen, die Idjes dieser Werke bietet, dürft« hundertfältig und von immer neuem, reizvollem Zauber sein. Dabei ist Grill- ^Q,,r^e1 bm feiner Psychologe, der mit einer Treffsicherheit, l)er intimsten Kenntnis seelischer Regungen, mmlschliche Charattere zu schildern weiß, die ja freuirf) mberer. Jag« wir: übertünchterer Art ist als die der r unserer Tage, und einem Teile

imifered ^^19« Publikums, selbst manchem All« unter mi^ nufit mehr recht behagt; man bevorzugt vielfach die Pnoblemdich ung« unserer Zeit, SeellnanLys« bieten gc- mngeres Jnteres e. So nannte vor etwa -Wahres fritt als to« und die Triesch gemeinsam ttiFraukchrtch tor ^illdm von ^vledo"' gastierten, Dr. F. Mamroch, der ße^nfent derFrankfurter Zeitung", diese Dich- hmig ^das unerfreulichste von all« Dram« Srnllparzers mtt seiner Erzwungenhett und seiner gutlle von Trivialitäten." Das sagt Diamroth trotz der |un jeden Kunstfuhlend« so außerortontlich« Durchsich- hgjeit der Höhenluft, die wir hier atmen, trotz der toun- dMvollen, gedankentiefen Verse dieses Dramas, in dem mr der Dichter starken Arms hinaufhebt auf 'eine Hobe Laute, von der er auf Welt und Mensch« uns nieoer- ilioiten läßt und uns Rätsel der At«schenseele deutet, die Mrdings Geistern von mathematischer Nüchternheit" und Itzüiermelserscharsem Sarkasmus ewig unergründlich bleiben

Der zweifellos allein richtig« ^ifsassung der Tra­gödie, die in Alfonso und nicht in der Jüdin diese be­herrscht den König und so wohl mittelbar, aber nicht unmittelbar die Handlung die tragische Hauptfigur sehen will, kam die Aufführung wesentlich zu Hilfe; im Vorder- grund stand mit erdrückender Wucht der stotze Kastiliauer und die Rolle der Jüdin wurde zur Episode. Grillparzer h<ll sein geniales Drama, das vielleicht sein interessan­testes ist, allerdings ganz merkwürdig aufgebaut; er hat es verschmäht, eineregelrecht" gebaute Handlung zu kon­struier« und ein« Trauerspielheld« zu schaffen. Er schuf dafür aber einen Mensch«, ein« echt« Menschen von Fleisch und Blut, voll wilder Leidenschaft und großer Schwächen. König Alfonso ist, wenn man so will, ein schlimmer Bub", ein unreifer, leicht aufbrausender, fahri­ger Jüngling.

Herr Jlliger vom Hostheater zu Karlsruhe, der an Stelle deS den Mitgliedern tos Theatervereins in Aussicht gestell­ten Lhristians'schen Gastspiels, den König in gewisser Weise im Kainzstil gab, erwies sich als em zielbewußler Schau­spieler, der mit seinen Kräften haushälterisch umzugehen und die Steigerung der bedeutend« Rolle verständig anzulegen und sicher durchzuführen weiß jedoch wohl allzu sicher und allzu verständig. Der große, einheitliche Zug, das Hoheits­volle, das auch in d« irrenden König immer noch zum König stempelt, trat mit einer bewußten Sieghaftigkeit hervor, die alle Klügelei« und Nuancen verschmähte. Trotzdem blieb er immer ein Mensch mit heißen Sinnen und mächtig pul- sierendem Blut. Was da fehlte, das war keineswegs das Auf­gehen in den einzelnen Stimmungen, sondern jenes Nachfühlen­lassen des Träumerischen und Phantastischen der jungenhaft sinnlichen Regung. Alfonso ist selbstbewußt und selbstherrlich, aber wie ein Knabe eigensinnig, innerlich noch ganz unfertig, lebensunklug und menschenuntündig, wenn auch scharfsichtig' unschlüssig, launenhaft trotz bester Anlagen des Geistes und.

tor im Grunde besten Absichten. Herrn JlligerS Alfonso da­gegen war fast ein reifer, abgeklärter Mann, ein Mann von feiner Dialektik und scharfem Verstände. Ganz kainzisch war der Schwung seiner beflügelten Reto, die Kraft, jedes Wort mit Empfindung zu erfüllen und mit adeligem Sinn, die Kunst, einen Seelenkampf sichtbar vor unsere Sinne zu zau­bern und m Ton und Miene bald Leidenschaft und Liebe, bald Haß und Verachtung zu schildern, lebendig vorzuführen und mitzuteilen. Wie jedes rasch aufflackernde Gefühl dies« König für den Augenblick ganz besitzt, um dann einem ganz anderen zu weichen, das ließ das vornehme Spiel von.Herrn Jlliger gleichsam miterleben.

Die Aufführung war sonst offenbar gut vorbereitet und alle Darsteller mit Eifer bei der Sache. Eine sehr achtens­werte Leistung gab Frl. Feige in der Titelrolle, die der Sorma in Berlin mit Recht größere Triumphe eingetragen hat als der Triesch. Frl. F. wußte ersichtlich, worauf in dieser Rolle ankam und setzte ihre ganze Kraft dafür ein, es recht in die Erscheinung treten zu lassen. Es liegt bei ihr in Wesen und Erscheinung, daß sie das verwöhnte, kapriziöse, spielende Kind und nicht das ungestüme, d« Augenblickslaunen blind folgende Naturell gab. So war sie denn ein verführerisches toledanisches Kätzchen, das niedlicheRachelchen" ihres Vaters, ein buntschillernder Schmetterling voll spielerischer Harems­launen, nicht eine geistvoll gedachte Studie aus dem Orient mit den glänzenden, brennenden lebhaften Farben aus Tausend und einer Nacht. Wenn sie z. B. auch das kokette Spiel mit Garceran im 3. Akt, um d« König zu reiz«, wesentlich glutvoller und raffinierter hätte gestatten können, so hat Irl. F- die tiefe Rolle doch nut redlichstem Streben in sehr an- zuerkennender Weise bewältigt. Klar und einfach gab Frl. Württemberg die Königin, ohne im 4. Akt die Jnnerlich- teit des Schmerzes vermissen zu lasten. Nur eignet dieser ©eftaU dock wobl mehr Derbheit, mehr Kälte, starke, un-