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4.11.1903 Erstes Blatt
 
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153. Jahrgang

Erstes Blatt

General-Anzeiger **

Amts- Md Anzeigeblatt für den Ureis Gießen

die Post Mk.L. Dtenel* jäbrl auöschl. iÖefieüg. Annahme von Anzeigen in ort Lag es nnmmer jifl oormtltagH 10 Uhr, tzeUenprelSr lokal IS Pf^ au&rodrti HO Ptg.

4J«(a«ii»»<tHdb tihr ben poltt uni aufltnte LeU. P. Sittko- tüt .Stadl anb tanb4 and ,iLerrchiLsaal"i August Götz, für ben An­zeigenteil: Hans Beck.

Mittwoch 4. November 1903

Bezugspreis» monaUicd75Pt^ viertel-

iährlich Mk. 120; durch

Abhole- u. Ziveigstelleu monatlich 6o Pf.; durch

Ihr d a u k b a r sr ergebener Wilhelm.

ballali) l

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*

Die Profefforeusrage vor der preußischen Geueralsynode.

Der wichtigste Gegenstand, der die diesmalige Tagung der preuß. Geueralsynode beschäftigt hat, war die Profes- sorenfrage, d. h. die Frage einer Beteiligung des General- synodalvorstandes an der Anstellung der theolo­gischen Dozenten. Eine Resolution, die der Referent über der: Gegenstand, Professor Haupt aus Halle, in Vor­schlag gebracht hatte, ging der orthodoxen Mehrheit der

Valilische Tagesschau.

Wilhelm L und Graf Roon.

Soeben erläßt ein Gießener Lokal-Komitee einen Aufruf zur Beisteuerung von Beiträgen für ein Roon-Denk maL Angesichts dessen werden ein paar soeben veröffentlichte Briefe Kaiser Wilhelms I. an den verstorbenen KriegSminister Grasen von Roo,n hier bedeutendes Intcreffe erregen. Sie bekunden, wie tief die Herzensgüte des ersten deutschen Kaisers war. Vor dem Kriege von 1866 gab es manche Meinungs­verschiedenheit zu überwinden. In dieser Zeit fühlte sich der Kriegsminister einmal so verletzt, daß er seinen Abschied nehmen wollte. Da erhielt er von seinem Könige folgenden Bries:

.AuS Ihrem Schweigen während des zweiten Teils der heutigen Beratungen muß ich leider entnehmen, daß Sie sich ver­stimmt fühlen über meine gereizten, nervösen Aeußerungen. Werm ich Sie damit verletzt habe, so war das natürlich nie meine Ab­sicht, da ich ja Ihnen zu unendlich viel verdanke! Es tut mir dies aufrichtig leib, und bitte ich von Herzen dieserhalb um Vergebung. Umsomehr verwunderte mich Ihr Schweigen, da wir über die Sache, die Formation quest einig sind und nur nicht über die Verwendung derselben, die mir sehr bedenklich erscheint. Doch bis dahin ist noch Zeit, uns zu berateri und zu überlegen, i^te wissen es ebensogut ivie ich, was Nervosität ist, also h a b e n S i e 9t a ch s i ch t mit mir! Denn meine Nerven sind seit drei Wochen

Synode nicht wert genug, sie überwies daher die Resolution trotz des Widerspruchs der Liberalen einer Kommission von 21 Mitgliedern. In ihr wurde die Haupt'sche Resolu­tion fallen gelassen, und mtt 13 gegen 7 Stimmen ein Antrag Stöcker angenommen, der ein offenes Mißtrauensvotum gegen die Theologie-Pro­fessoren enthielt und die Beteiligung desGene- ralsynodalvorstandes an der Besetzung der theologischen Lehrstühle forderte. Ueber diesen Antrag ist dann zwei Tage lang im Plenum der General­synode verhandelt worden. Der Vertreter der konfessionellen Gruppe, Frhr. v. Manteuffel, stellte ityxn den ab ge­schwächten Antrag entgegen, die Generalsynode möge er­klären, sie vortraue, daß nur gläubige Männer zu Pro­fessoren der Theologie ernannt werden. Eine scharfe Er­klärung gegen den Kommissionsantrag, gab im Namen mehrerer Professoren und anderer Mitglieder der General- synode Professor Kaw er au-Breslau ab. Er erklärte den Stöckerschen Antrag für eine kirchliche Zensurierung theolo­gischer Richtungen und seine praktischen Forderungen für unannehmbar. Durch die Forderung einer Mitwirkung des Generalsynodalvorstandes werde nicht nur die bisher aus­geübte Tätigkeit deS Oberkirchenrats diskreditiert, sondern auch die ebenbürtige Stellung derTheologie-Pro- f e s s o r e n i m G e s a m t L ö r p e r d e r U. n i v e r s i t ä t en gefährdet. Die zweitägige Besprechung hatte nun zwar das Ergebnis, daß der Kommiss io nsan trag abgelehnt wurde. Dafür wurde der Antrag Manteuffel angenommen mit einem Zusatz v. d. Goltz, worin dem Oberkirchenrat der Dank der Generalsynode dafür ausgesprochen wird, daß er sich mit dem Kultusminister in Verbindung gesetzt hat, uni diesen zu einer Unterstützung von jüngern Geist­lichen, die sich in dem Dozenteuberuf versuchen wollen, zu bewegen. Außerdem gelangte aber auch! gegen eine erhebliche Minderheit ein Antrag v. Wartensleben- Graf Hohenthal zur Annahme, der den Stöckerschen Kommissionsantrag faji völlig wiederherstellte. Nach diesem Antrag spricht die Generaljynode die Ueberzeugung aus, daß die Freiheit der wissenichaftlichen Forschung mit der Gebundenheit an die Tatsack),en des Heils in Einklang stehen müsse. Die Kirche könne es nicht ertragen, daß der Grund­satz der Gleichberechtigung der verschiedenen Richtungen so­gar auf den Gegensatz der riaturalistischen und der christ- ttchen Weltanschauung ausgedehnt werde. An dem Wunsche einer Mitwirkung des Generalsynodalvorstand es bei der Begutachtung der zu berufenden Dozenten halte die Ge­neralsynode fest. Die Gesamtheit der drei Anträge wurde in n amentlich^r Abstimmung mit 127 gegen 57 Stimmen

Tie Geueralsynode beriet am Dienstag 200 Petitionen betr. Einspruch gegen §2 des Jesuitengesetzes, stimmte mir großer Mehrheit dem Antrag der 2. Kom­mission zu, sprach dem Oberkirchenrat für sein Eintreten zu Gunsten der A u f r e ch t e r h a l t u n g dess § 2 wärmsten Dank aus, und bat, auch fernerhin an geeigneter Stelle dafür einzutreten. Die Synode bespricht die soziale Frage und die dazu eingegangenen Kommissionsanträge. Hiach Schluß der Generaldistusjion wird der Entwurf betr. die Verstärkung der Hilfsfonds für land es kirchliche Zwecke an die um drei Mitglieder vermehrte Finanzkommission ver­wiesen. Der übrige Teil der Kommissionsanträge wird angenommen.

Herr Achterberg bot als Erbprinz Karl Heinrich eine recht anerkennenswerte Leistung. Namentlich gelang ihm mit Frl. Hellberg als Kathie die ALschiedsszene und der nach- haltige Trennungsschmerz sehr gut. Er hat uns von allem, was wir bisher von ihm sahen, in dieser Rolle am besten gefallen, und wenn er kleine Eigentümlichkeiten seiner Sprechweise, an die allerdings sein Talent gefesselt zu sein scheint, zu mildern wüßte, könnte man an seinem Spiel als Erbprinz hohe Freude haben. Frl. Hell berg als Käthie war reizend. Die Figur dieser kleinen, braven Wienerin ist ja ür dem Stücke selbst nicht bis in alle Einzel­heiten vollkommen ausgebildet; hier und da ist nur flüch- tig etwas hingewvrfen, dessen Ergänzung dem kundigen Zuschauer überlassen bleibt, aber die Trauer des Aiädchens um' den Scheidenden wurde von Frl. Hellberg so wahr und ehrlich! gespielt, daß die vom Dickster, wenn wir chn so nennen dürfen, beabsickstigte Wirkung nickst ausblieb. &err Linzen als Dr. Jüttner war ebenfalls sehr erfolgreich Er lieh dieser unwayrscheinlichsten Rolle des Stückes solche Farben, die über die Dränget der Eharakterzerchnung des Doktors Hinwegtäuschen konnten. Herr Tamke löst seine Aufgabe immer gut. Er spielte Lutz, den- noblen Kammer­diener, mit sicherem GesckM. Es war überhaupt mit Freude zu konstatieren, daß keiner und keine der Miüoirkenden einen Mißerfolg hatte. Dies stellt nicht zum Geringsten auch dem Bemühen der Direktion das beste Zeugnis aus. Herr San- d o r f f war in der dankbaren Rolle des Grafen von Aster­berg eine artgenchure, naturwahre Erscheinung, und auch die übrigen Korpsstudenten gaben sich redlich Mühe. Rüder, der GaAvirt, bem alles§u viel für'n Eiuzelnm" ist, seine und Tante Dörssel lebten in die Bewillkommnung des Prirrzen die gern#? herzliche Heiterkeit, die verlangt wird, und die DarsuÄlenden, .Herr Gronert, Fran Fischer und Frau Jenny erl-alten verdientes Lob. Herr Haag als Stturtsmiu^ier und Herr Conradi als Keller- mann, der seine gemütlichen, realen Iarwressen nicht ver- säurnt, standen nicht zurück. Kurz, die wiederholen stürmi- sck)en Hervorrufe der Darsteller waren berechtigt, und das Theaterpersonal hat dem gefüllten Hause gezeigt, daß es in gutes Zusammenspiel immer befser hineinwächst.

Gießener Stadttheaier.

Mr-Heidelberg,

Schauspiel in 5 Auszügen von Wich Meyer-Förster.

Ein großes Maß von sentimentalen Erinnerungen hat der Verfasser uns zugedacht; da läßt er gleich den Doktor Jüttner vor uns konunen und wie aus einem großen Sack den ganzen Inhalt des Stückes vor uns ausMtten mit dem Rührton, aus dem das ganze Drama ausgebaut rst: Heidelberg! o schöne Zeit der Burschenherrlichkert! Sonst hat mau vom Tranra verlangt, daß es von Anbeginn Per­sonen und Handlung sich entwickeln lasse. Das kommt bei Alt-Heidelberg" nickst in Betracht und braucht nrcht in Betracht zu kommen; wir nehmen das Gute, Sck)öne vorweg wie aus einer Erzählung und wünschen nur beim Anblick der Menschen, die da vor uns auftretwt, daß eurer einmal ein schlichtes, herzliches Wort sagen möchte. . . .

Freilich ist das Gedenken an eine schöne, liebe Studien­zeit in der Stadt am Neckar ein köstlicher Besitz. Man läßt sich gern daran erinnern, lind man sieht däbei gern bunte Mützen, sidele, kneipende Burschen, sesche Mädels, und findet es sehr in der Ordrmng und angerrelM zuzusehen, wie auch ein'. Erbprinz mit vollen Zügen die S-Mderrtenherrlichkert genießt und, ins knöcherne Hofleben zurückgekehrt, den Zauber des studentischen Kneip- und Liebeslebens nicht zu vergessen vermag. Und in einer. Universitätsstadt gübt man sich solchen Betrachtungen mit erhöhwrn Vergrrüden und Interesse hin. So war denn gestern der Theaterfaal fast vollständig besetzt obwohl das Stück in Gießen wol)l sckstm ein Dutze.idnral in Szene gegangen ist und außeroiDient- licher Beifall gab sich jedesmal nach dem Senken des Vor- Hauges kund.

Mun konnte mit der Darstellung wirklich sehr zufrieden /ein. Wenn auch manchmal in Kleinigkeiten unverschuldete kleine Störungen vortamen, das Lickst funktionierte nid)t f.anz tadellos, sodaß, als über das schöne Diockargeftlde such allmählich Dunkelheit legen sollte, es etwas zu uu:ratürlick> plötzlich geschah so waren doch alle Requisiten und das Wert der Regie sehr lobenswert. Das herrliche dleckartal war wirklich in der Illusion gegeben. Und ixe vielen Kenner im Publikum werden das studentrsch-e Leben unb Treiben im allgemeinen als lebenstreu gefunden haben.

Auch 1870 kam es in Versailles zu manchen Differenzen. Der König hatte darüber geklagt, daß man seine Befehle ,esk anrotiere". Der Kriegsmmtster hatte diesen Ausdruck auf sich bezogen und sich schriftlich dagegen verwahrt. Er erhielt vom Könige eine Antwort, die mit folgenden Sätzen beginnt:

^Das Gefühl, das Ihnen am gestrigen Tage die Feder in die Hand gab, um mir zu schreiben, kann kaum unangenehmer ge­wesen sein als das meinige, daß ich dazu die Veranlassung gab. Weit war ich entfernt, Sie zu verletzen, noch weniger, Sie zu verdächtigen. MeineAeußerung: ^nicht Eskamotieren 1" war, wie mein Blick in dem Moment hinreichend bewies, nicht an Sie gerichtet, dahrr auch nicht aus Sie zu be­ziehen, sondern auf den Oberst

Im weiteren Verlaufe des Schreibens setzt der König auseinander, wen er damit gemeint habe, und schließt sein Schreiben folgendermaßen:

,^Zch habe diese Geschichtserzählung für nötig erachtet, um meine eingangs gemachte Aeußerung, daß ich Sie mit jenen ominösen Worten weder verletzen noch verdächtigen konnte oder wollte, was ich hiermit nochmals auf das bestimmteste wiederhole, zu rechtfertigen. Ich autorisiere Sie, diese Zeilen denjenigen Personen mitzuteilen, von denen Sie wünschen müssen, daß bie- selbert erfahren, wie ich diese Angelegenheü zivlschen uns geschlichtet habe denn als geschlichtet hoffe ich, iverden Sre dieselbe nun­mehr auch betrachten, ivas von Herzen wünscht

Ihr ergebener Wilhelm."

Der nikderösterreichische Landtag mrd die Vivisektioa.

Der Rektor der Wiener llniversität richtett- an den niederösterreichischen Landinarschall Schmoll eine Zuschrift, in der er erklärt, der Landtag sei nicht das Forum, wo in sachkundiger Weise die Fragen des inneren Unterricksts und dc,Z wissenschaftlichen Betriebes erörtert werden könnten. Dessenungeackstet wäre der Rektor bereit gewesen, auf die Angriffe, welche im Landtag am 20. Oktober vorgebrackst wurden, zu antworten. Die Reden aber, welche in der letzten Sitzung am 30. Oktober ge­halten wurden, entzögen dem Rektor die Hoffnung, durch rein sachliche Argumente erfolgreich gegen die Anseiirdungen ankämpsen zu können. Der Rektor sei daher genötigt, sich aus den prinzipiellen Standpunkt zurückzuziehen. Er ver­zichte daraus, in den Fragen der Wissenschaft und des Unterrichtsbetriebes au den Landtag das Wort zu richten, solange er nickst voraussehen könne, daß die Uni­versitäten und chre Interessen im» niederöperreichischen^ Landtage die Würdigung finden, deren sie sich in allen Kulturländern erfreuen.

Im Einlauf des Landtags besüidet sich eine Interpella­tion der Mgg. Lind heim nick» Genossen an den Statthalter, worin unter Hinweis auf den alten vorzüglichen Rus der Wiener Universität und die allezeit bewahrte aufopfernde Hingabe und Pflichttreue des Wiener Aerzte- standes an den Statthalter die Frage gerichtet wird, ob er geneigt sei, die gegen einzelne Wiener Klüriken und Aerzte, erhobenen schweren Beschuldigungen noch in dieser Landtagssession gründlich zu beleuchten, damit die Ehre und der Ruf der medizinischen Fakultät und desAerzte st an desüber hauptwie derrein und fleckenlos da st ehe. Der Abg. Bielohlawk ruft dazu aus:Die Wissenschaft tastete niemand an! Das ist eine Lüge der Juden blätter!"

Ter Statthalter beantwortet mehrere Interpellationen! betreffend die Vivisektion und stellt fest, daß im Landtag nur die Abstellung von Mißbräuchen der Vivi­sektion , nicht aber die Abschaffung der Vivisektion selbst verlangt wurde. Die R e g i e r u n g st i m m e di e s e ui Standpunkte zu. Redner versichert, daß nach wie vor über jeden zur Kenntnis der Behörden kouunenden Fall von Mißbräuchen pslichtgemäß Erhebungen ange­stellt wer'den, und gibt das Resultat der Erhebungen über die jüngst vorgebrachten Mißbräuche bekannt. Der Statt­halter gibt weiter eine eingehende Darstellung des zwischen dem Direktor des Wiener Allgemeinen Krankenhauses und der Wiener Aerztekammer ausgebrochenen Konflikts und erklärt, er werde unentwegt das Ziel verfolgen, daß die Wiener Krankenanstalten wahre Humanitäts- an st alten bleiben. Der Statthalter glaubt, der gesamte Landtag werde mit ihm in der Ansicht iLereinstimmen, daß die Wiener medizinischeSchulemitRechtihren großen Ruf im In- und Auslande genieße.

Der Prozeß wegen Kmdesunter^chleöung gegen die Krafin KwilecKi.

VI.

Berlin, 3. NoV.

Der Sachverständige Professor Dührssen gibt die Möglichkeit zu, daß das Blut auf den der Portierfrau Bachmann zur Beseitigung übergebenen Sachen Schweine blut war.

In der Vernehniung der Hauptbelastungszeugin Hed­wig Andruszewska ist diese sehr konfus. Ihre Aus­sage ergibt, daß nach Mitteilung ihrer Mutter diese zwei­mal zur Besorgung des Kindes in Krakau war und mit dem Kind nach Berlin fuhr, wo sie zwei Stunden auf dem Bahnhofe wartete, bis die Chwiatkowska und Knoska das Kind holten, woraus die Mutter nach Wroblewo zurückkehrte und im März 1901 starb. Vor dem Tode teilte sie ihrer Tochter das Geheimnis mit aus Angst, im Grabe keine Ruhe zu haben, und befahl ihr, dem Grafen Hektor die Sache mitzuteilen. Die Zeugin bekundet ferner, sie fei schlecht behandelt worden, sodaß sie ihren Bruder m Posen um Hilfe bat, der brieflich der Gräfin andeutete, seine Schwester müsse im Besitze eines Geheimnissses sein. Tie Gräfin habe sie darauf angeschrien: Wenn Du erzählst, daß das Kind nicht das meinige ist, mache ichDich zu einerJrr sinnigen! Die Gräfin stellte chr trotzdem ein gutes Zeugnis bei ihrem Ab­gang aus.

Die Gräfin behauptet, das Zeugnis sei den Tatsachen entsprechend und leugnet, die Zeugin je schlecht behandelt zu haben.

In zwei dann verlorenen Briefen klagt die Zeugin über schlechte Behandlung, in einem dritten erklärt sie im Gegenteil, gut behandelt worden zu sein. Sodann wird ein Schriftstück verlesen, welches der Bruder der Hedwia nach deren Angaben über das Geheimnis aufgesetzt hat. Es heißt darin u. a.: Ihre Mutter Andruszewska habe ihr eines Tages, als sie vom Schlosse kam, mitgeteilt, die Gräfin sei gar nicht in anderen Umstän­den; ihre Dienerinnen, die Knvska und Chwiatkowska, hätten sich ihr gegenüber wegen der vielen Arbeit be­klagt; siemüßten dieGräfin d urch Wick e ln m it Tüchern immer so auspolstern und ihr Schrotbeutel zu beiden Seiten des Leibes hängen, daß sie wie eine Schw an gere aus­sehe und aixfy den schleppenden, schwerfälligen Gang einer solchen habe. Es wird dann in dem ^ck/riftstück von dm beiden Fahrten der alten Andruszewska rmch Krakau, von der Auswahl des Kindes, von der Fahrt nach Berlin und der Empfangnahme des Kindes durch die Knoska und Ehwiatkowska in der bekannten Weise berichtet und auch hervorgehoben, da^ vor der Llbreise der Gräfin nach Berlin auf deren Geheiß zwei Schweine geschlachtet werden