Ausgabe 
4.9.1903 Zweites Blatt
 
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LS8 JahrgMrg

Freitag 4. September 1908

Gchnlftraße 7.

Adresse für Depeschenr «uzeiger Gießen. Kernsprechanschluß Nr. bl.

Giehemr Anzeiger

Seneral-Auzeiger v

Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen

Nr. TO7

Srschetnt LLgttch außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Siegener Familien- blätter viermal in der Woche beigelegt.

KotattonSdruck iu Ver» lag der Brühl'schen Untvers.-Buch- u. Stein- drucke rei (Pietsch Erben)

Teil: P. Wtttko: für .Stadt und ßcmb* und .GertchtLsaal*! August Götz; für den An­zeigenteil: Han« Deck.

ve»«gspretsr monatlich 7üPs^viertet- iäbrlich M.SL0; durch Aohole- u. Zweig stell«: monatlich 65 Pf.; durch die Post Mk.2.viertel- jährl. ausschl. Besteig. Annahme von Anzeigen ür die Tagesnummer ^tS vormittags 10 Uhr.

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Fi« Heutige Mmmer ««paßt 8 Seite«.

Fer Kaiser ta der Arovirrz Sachse«.

Der Kaiser traf am Donnerstag morgen um 9ys Uhr ans einer Haltestelle unweit Erfurt ein und begab sich nach dem Abschreiten der Ehren kompagnie an der Spitze der FaHnenkompagnie nach dem Paradefeld. In zwei derZügen trafen die übrigen Fürstlichkeiten ein. Die Kai- ferm fam um 9 lUhr 46 Minuten vormittags in Erfurt an. Kurz vor 10 Uhr begann die Parade des 11. Armeekorps unter dem Kommando des Generals v. Wittich. An der­selben nahmen, teil: Der Kaiser, die Kaiserin, König Georg von Sachsen, der Herzog von Aosta, der Großherzog von Sächsen-Weimar, der Herzog von Sachsen- Koburg und Gotha, der Herzog Karl Theodor in Bayern und der Erbprinz von Hohenlohe-Langenburg. Der Kaiser setzte sich an der Haltestelle an die Spitze der Fahnen- kompaguie, führte die Fahnen vor die Front des Armee­korps und übergab diese den Truppenteilen mit einer kurzen Ansprache. Er ritt darauf mit den Fürstlichkeiten die Fronten ab, die Kaiserin folgte im Wagen. Beim Vor­beimarsch führten der Großherzog von Sachsen-Weimar, der Herzog von Sachsen-Koburg und Gotha' und Herzog Karl Theodor in Bayern ihre Regimenter vor. Nach dem zweiten Vorbeimarsch machte die Kaiserin eine Rundfahrt längs der Reihe der Kriegervereine und Zuschanertribünen. Auch, der Kaiser ritt, nachdem er eine kurze Kritik gehalten hatte, die Front der Krieger- und Militärvereine ab. Dann begaben sie sich zum Kaiserpavillon an der Haltestelle zurück, von wo um 121/? Uhr die Abreise nach Merseburg angetreten wurde.

Das Kaiserpaar traf dort am Nachmittag unter Glockengelüute ein. Auf dem Btahnhose, wo eine Ehren- kompagnie ausgestellt war, sand großer militärischer Emp­fang statt. Das Kaiserpaar fuhr sodann unter Mkorte der Seydlitz-Mrassiere nach dem Schloß. Die Fürstlichkeiten, welche an dem Manöver teilnehmen, nahmen in Halle Wohnung. Im Schlosse zu Merseburg fand großer Zivil- empfang statt. Abends 7 Uhr gab der Kaiser im Stände­haus ein Diner für die Provinz Sachsen. Den Majestäten gegenüber saß der Oberpräsident v. Bötticher, nichts vom Kaiser folgten der Herzog von Aosta, Prinz Leopold von Bayern, der Herzog von Sachsen-Koburg, der Erbprinz von Reuß j. L. Links von der Kaiserin saßen der Großherzog von Sachsen-Weimar, Prinz Eitel Friedrich, Herzog Karl Theodor in Bayern und bex Erbprinz von Hohenlo He-Lcmgenburg.

Eine Lutherrede de8 Kaisers.

Der Kaiser brachte bei der Tafel folgenden Trink­spruch aus:

Ich heiße die Vertreter der Provinz Sachsen und der Altmark von Herzen willkonunen. Ihre Majestät bte Roiferin und ich freuen uns von Herzen, einmal wieder hier zu sein. Wie sollte es auch anders sein! Spricht doch Merseburg unser Herz an als ein gutes Stück ewiger deutscher Erde. Und der Empfang, der uns heute seitens der Merseburger zu teil geworden ist, hat die guten, warmen, patriotischen Gefühle iu lohenden Flammen zum Ausdruck gebracht. Erinnerungsreich ist der Boden, den die Herren bewohnen und bebauen, und ertragreich zugleich. > Sehen aus der einen Seite von den Hügeln Tangermündes die kaiserlichen Türme herab auf den Wasserspiegel, als Zeugen des Anfanges eines großen Ge­dankens eines hellen Kopfes unter den deutschen Kaisern, so grüßw auf der anderen Seite die Türme Wittenbergs den Strom, wo der größte deutsche Mann für die ganze Welt die größte befreiende Tat getan hat und die Schläge seines Hammers ausweckend über die deutschen Gefilde erschallen ließ. Es kämpfte hier der erste deMsche König Heinrich L gegen den Ueber- mut seiner östlichen Nachbarn, hier wurde er in seiner schlichten kernigen deutschen Gestalt der Begründer der deutschen Ritterlich­keit. So grüßt uns von ferne das goldene Kreuz der Wart­burg, auf der eine der herrlichsten deutschen Frauen erblüht ist, die je den Kranz der deutschen Frauen geziert hat. So ist es wohl erklärlich, daß in den Herzen der Bewohner dieser Provinz die Ge­schichte eine große Rolle spielt, daß die Gefühle für deutsches Wesen und deutsche Art und für das Königshaus von Geschlecht Lu Geschlecht sich forterben. Ich wünsche der Provinz von ganzem Herzen fortschreitendes Blühen rmd Gedeihen in ihrer Entwicke­lung, helle, klare und zielbewußte Köpfe unter ihren Bewohnern und Gottes Segen zu ihrem Gedeihen und Blühen. Sachsen und die Altmark hurrah! hurrah! hurrah!

DerReichsanzeiger" veröffentlicht eine Reihe Dr* ven saus zeichn ungen, bie vom Kaiser anläßlich der Herbstmanöver in der Provinz Sachsen verliehen wurden. Unter anderen erhielt der bekannte Nationalöfimom Geh- Rat Pros. Conrad-Halle den Roten Adlerorden 2. Klasse mit Eichenlaub. Den Kronenorden 2. Kl. mit Stern erhielt der Präsident des Abgeordnetenhauses v. Kröcher. Der König v.rüeh dem berühmten Direktor des Landwirtschaft­lichen Institutes zu Halle, Geh. Oberregierungsrat Kühn, den Charalter als Wirklicher Geheimer Rat mit dem Prädikat Exzellenz. Nach demStaatsanz/" berief der König den General der Kavallerie z. D. Grasen Hermann Wartensleben Karow auf Lebenszeit ins Herren­haus.

Oberpräsident v. Boetticher erhielt vom Inifer dessen Bild.

Aie soziale« Aufgabe« deutscher Städte.

Oberbürgermeister Adickes (Frankfurt a. M sprach über diese allgemein interessierende Frage, wie wir bereits kurz mitteilten, auf dem deutschen Städtetage zu Dresden. Er hrte ungefähr folgendes aus:

Tie soziale Strömung, in der wir jetzt treiben, sei in Wirtlichkeit allumfassend, und die politischen Parteien wer­den immer bewußter zu Trägern politischer Forderungen. Tie Zeit des Polizeistaates, in der die Freiheit des Einzel­nen gegenüber der Zusammenfassung der Gefamtkräste des Staates völlig zurücktrat, ist vorüber, und die Gegenwart wird beherrscht durch die Forderungen nach weitgehen- derrechtlrcherFreiheitunbGleichheit des In­dividuums. Ueberall ertönt der Ruf nach sozialer Re­form, der sich für die Stadtverwaltungen in folgende Fra­gen zusammenfassen läßt: 1. Mas können die Gemein­den nach Zusammensetzung und Beschäftigung ihrer Be­völkerung tun, um eine den gegenwärtigen Verhältnissen entsprechende Abtrennung des öffentlichen und privaten Eigentums herbeizuführen? 3. Welche Mittel sind anzuwenden, um in den Ko n kurr enztampf schützend Eund mildernd einzugreifen? 3. Wie kann die Gemeinde einen Ausgleid) zwischen den Verschie- denen Klassen herbeiführen? 4. Wie kann sie die Stellung der Arbeiterschaft heben und bessern? 5. Welche Forderungen ergeben sich für die gerechte Ordnüng der Steuern? v

Ter Vortragende beschäftigte sich apch mit dem Muni­zipalsozialismus und ging zur Erörterung der Stellungnahme der sozialdemokratischen Partei zu den einschlägigen Fragen über. Tie sozialdemokratische Par­tei hat sich er§t sehr spät der Aufstellung eines kommunalen Programms zugewandt Im Städtebau und Wohnungs­wesen hat .sie die Forderungen aufgestellt, die int wesent­lichen den Forderungen der bürgerlichen Politiker ent­sprechen. Dringend geboten erscheint jedenfalls ein ob - tektives Verhalten zum sozialistischen Programm Manche gesunde soziale Entwickelung ist, wie das Genossen­schaftswesen, aus der .sozialistischen Anregung herausge­wachsen. Eine Zurückweisung der sozialistischen Gedanken nur ihres Ursprungs wegen kann daher für die Stadtver­waltungen ganz und gar nicht in Betracht kommen. (Lebh. Beifall.) Wohl abU muß nach allen Seiten hin stets eine gründliche Prüfung erfolgen, da eine nach Ausgleich und Versöhnung gehende Linie sonst zu leicht in ein hrÜloseS Schwanken gerat (Sehr richtig) Der Erfolg der meisten Funktionen ist ganz abhängig von dem Gebrauch, der davon gemacht wird. Ein Arbeiteransschuß kann segens­reich wirken, wenn er sachllch arbeitet; seine Tätigkeit ist erfolglos, wenn er zu einem terroristischen Agitations­instrumente wird. Wohin die sozialistische Agitation treibt, geht deutlich aus der Ueberwachung des gesamten politischen Gemeindegebauens hervor, die auf eine richtige Nebenregiekr- ung hin treibt.

Bei uns P glücklicherweise die kapitalistische Unter­nehmung nie so hervorgetreten wie in London, und das Prinzip der Verstaatlichung ist bei uns in stetem Fortgang. Es empfiehlt srch die Schaffung städtischer Kredit- organisatronen zunächstfür Wohnungszwecke. Eine Verstaatlichung des Wirtschaftserwerbes mag zunächst phantastisch erscheinen. Sie hat sich aber in Gothenbürg bewährt, und man wird der Frage näher treten können, wenn die ungeheuere Schädigung der wirtschaftlichen und moralischen Gesundheit unseres Volkes durch den Alkohol im Volke selber besser erfartnt wird. Eine Verstaatlichung des gesamten Grundbesitzes erscheint unausführbar, dagegen snrd zu erproben zur Bekämpfung der Spekulation Erb- bauverträge und bllliger Verkauf unter Sicherung des Rück­kaufrechtes durch die Gemeinden. Die Erbbauverträge in Frankfurt scheinen sich zu bewähren. Hinzuarbeiten ist natürlich auf möglichste Einschränkung des Privatbesitzes und zunehmende Verstadtlichung der Grmndstücke, doch soll der solide Hausbesitzer keinesfalls hierdurch getroffen wer­den. AbLelehnt werden muß die Forderung auf Be­schaffung von Wohnungsgeleg enheit durch die Stadt, well sie unäusführvar ist. (Sehr richtig.)

Referent wendet sich gegen das pceuß. Wohn­ungsgesetz. Es müsse Die Schaffensfreudigkeit der Städte gesteigert und nicht durch unnötige staatliche Eingriffe ge­lähmt werden Der Entwurf geht im generellen Eingriff des Staates viel zu well. IM Konkurrenzkampf ist überall strenge Neutralität zu bewahren. Dagegen wiro die o b l i - gatorischeReichsversicherung gegen Arbeits­losigkeit zu fordern sein, desgleichen die Möglichkeit einer guten kaufmännischen und sozialen Ausbildung für jeden, damit er im Wettbewerb erfolgreich bestehen karm. Wir brau^l eine erweiterte Volksbildung. Im Gegensatz hu den höheren Kreisen ist das Volk von einem wahren Bildungshunger erfüllt, der üble Auswege nimmt, wenn er nicht in richtige Bahnen gelenkt wird. Frellich wird der Mäntel der UnentgeMichkell häufig nur umge­hängt, um den Charakter der Unterstützung zu verdecken. Es muß um fo mehr eine Beschränkung des un­entgeltlichen Genusses eintreten, als sonst zahl­reiche Eltern von Kosten bestell werden, die sie sehr wohl zahlen können und häufig sogar wollen (Zustimmung.) Zu verwerfen ist der sozialistische Satz der für alle gleichen, obligatorischen Volksschulen. Durch solchen Radikalismus werden die Gegensätze nur verschärft. Auch bezüglich der Besteuerung verwirft Referent die absolute formale Gleich­heit, da sie gerade häufig falsch und ungerecht sein würde. Das Verständnis für die soziale Reformarbeit unb die Opferwilligkeit habe in der Bürgerschaft erfreulich zu­genommen, so daß das Erreichte zu werteren Fortschritten berechtigt. Die Mitarbeit der Sozialisten kanrr hierbei nur erwünscht sein unter der Devise einer Politik der Ver­

höhnung und der Zusamnrenarbell aller Kreise in einem neutralen Friedensbezirk. Dann werden wir in der Offen­sive ein Gemeindeprogramm herausbilden, welches dem sozialistischen entgegengestellt werden kann. Getragen von dem Glauben an dre Zukunft unseres Volkes, wollen wll arbeiten und nicht verzweifeln. (Stürmischer Beifall.)

Oberbürgermeister Beutler -Dresden"bemerkte als Korreferent: Ich kann den Ausführungen des Vorredners nicht vollständig beipflichten. Ich halte dafür, die städti­schen Verwaltungen haben bei Losung ihrer sozialen'Auf­gaben nicht bloß die Lohnarbeiter, sonoern alle Berufs­stände, zum mindesten ebenso den gewerblichen Mit­te l st a n d zu berüchsich.ttgen. Der HarrdWerker, der Beamte, das Ladenfräulein usw erheischen ebenso der sozialen Für­sorge, wie der Lohnarbeiter. Ich bin auch der lleberzeug- ung, daß, wenn selbst alle Forderungen'der Sozialdemo­kraten betteffs der sozialen Aufgaben der Stadtverwall- ungen erfüllt werden, dies die soziale Unzustiedenheit aus der Welt schaffen würde. Me Arbeitslosenversicherung und der Arbellsnachweis gehören nicht zu den sozialen Aufgaben der Städte. Dagegen ist der 'Volksbildung vollste Auftnerksamkell zuzuwenden. Ganz besonders ist der F ach- und Fortbildungs-Unterricht zu fördern, und damit die deutsche Familie wieder zu Ehren gelange, sind für die Vlädchen H a u s h a l t u n g s s ch, u l e n zu errichten. Ganz besonders muß auf die Erhaltung des gewerbllchen Mittelstandes durch Verbesserung des Sub­missionswesens, Stärkung der Innungen, ins­besondere aber durch Gründung von Dar lehn s-. Un­ter st ü tz u n g s k a ss e n usw. Bedacht genommen werden. Es müßen außerdem Lesehallen allerorten errichtet und dem Wohnungswesen volle Aufmerksamkell zugewendet wer­den. Auch das ko mmunale Wahlrecht muß eine ge­rechtere Gestaltung erhalten. Dadurch wird es möglich sein, den wirtschaftlich Schwachen zu helfen und einen Aus­gleich der sozialen Gegensätze zu schaffen

* e

Am Donnerstag vormittag eröffnete Oberbürgermeister Kirschner-Berlin den zwellen Sitzungstag des Städte- tages. Professor Wuttke-Dresden hiell einen längeren Vorttag über die Ergebnisse der deutschen Städteausstell­ung am diachmittag und fand eine Festfahrt mit Sonder- schiff nach Aieißen zur Besichttgung des Domes, der Albrechtsburg und der kgl. Porzellanmaturfaktur statt. Der Städtetag beschloß, alle drei Jahre einen" solö^n einzuberufen, die Geschäfte führen bis dahin Oberbürger­meister Kirschner - Berlin, Bürgermeister Back-Straßburg, Oberbürgermeister v. BorschtEünchen und Oberbürger­meister Beuller - Dresden Der Städtetag wurde hiQmuf durch den Oberbürgermeister Kirschner in der Hofinung geschlossen, daß feine Verhandlungen zum Segen der Städte und des Vaterlandes gereichen mögen.

stvangeltscher Aiuuo.

(Spezialbericht des Gießener Anzeigers.) n.

Groß-Umstadt, 3. Sept. 1903.

Auch der Hauptfesttag der hessischen Landesversamm­lung des Evangelischen Bundes, der 2. September, war vom herrlichsten Wetter begünsttgt. Schon in aller Frühe ertönte Festgeläute und Choralmusik vom Kllchturm, und bereits um halb 8 Uhr sammelten sich die Mitgliek^r der verschiedenen Ausschüsse und Vertrauensmänner des hessi­schen Hllssausschusses zur Unterstützung der evangeli­schen Bewegung in Oesterreich. Der Bericht über den derAelligen Stand dieser Bewegung ergab ein stetes Fortschrellen und Auswachsen. Tie Zahl der bisherigen Uebertrllte wurde auf 34000 angegeben. Es sei dies das sichtbare Ergebnis der Saat der letzten Jahre und treuer, mühe s am er Arbeit. An etwa 120 Orten, die in der Refor­mationszeit zum größten Teil durchaus evarigelisch waren, sind jetzt nach jahrhundertlanger Pause wieder evangelische Prediger tätig, werden regelmäßige Gottesdienste gehalten, etwa 100 Predigtstationen sind geschaffen, davon in Steier­mark 29. In ben letzten 4 Jahren wurden in neu erstande­nen Gemeinden 22 Kirchen eingeweiht, im Jahre 1903 in 6 Gemeinden der Grundstein gelegt; an 40 Orten haben sich Kirchenbauvereine gebildet.

Um halb 10 Uhr riesen die Glocken in die festlich ge­schmückte Stadtkirche zum Festgottesdienst. Den Worten des Festpredigers (Pfarrer Walter-Worms) über Matth. 7, 2427 lauschte andächtig die das stattliche Gotteshaus bis auf den letzten Platz füllende Gemeinde. Direkt an den Gottesdienst schloß sich eine erhebende Feier besi dem an der Kirche stehenden Kriegerdenkmal an, bei der Pfarrer Sic. Waitz eilte packende Ansprache an den dort auf gestell­ten Kriegerverein und die zahlreiche Menge der Versammel­ten hielt. Mit dem Liede:Deutschland, Deutschland über alles" schloß diese wechevolle Morgenfeier.

Um 11 Uhr begann die nichtöffentliche Mit-- g l i e d e r v e r s a m m l u n g. Der Vorsitzende begrüßte die Erschienenen, insbesondere den Vertreter des Zenttalvor- standes Lic. Bräun lich-Halle, sowie die Herren Dechant e. Vorneman n von Frankfurt und Seitz-Fliesbach (Baden) als Vertreter des Frankfurter und Badischen Hauptvereins und erstattete den Rechenschaftsbericht für 1902. Darnach beträgt die Mitgliederzahl des Evang.Bundes etwa 170 000, davon in Hessen wohnend 9609. Tie Zahl der Letzteren ist in 1902 um 639 gestiegen. Es wurden ein­gehende Vorschläge erörtert, wie die Zahl der Zweigvereine zu vermehren und die Mitgliederzahl zu heben sei. Im Laufe der Versammlung lief aus das jchon tags vorher an Se. Königl. Hoheit den Grogherzog gerichtete Be­grüßungstelegramm die Antwort ein:

Für Ihr Huldigungstelegramm sage ich, herzlichen Dank. Ernst Ludwig.