Ausgabe 
4.8.1903 Erstes Blatt
 
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aber nur in Flaschen, wo Plakate aushängen.

Universitäts-Nachrichten.

Stuttgart, 3. Aug. Finanzmini st er von Zeyer wurde von der Universität Tübingen inner Hinweis auf seine Verdienste um die vor Ostern zum Abschluß gebrachte Steuerreform zum Ehrendoktor ernannt.

Arbeiterbewegung.

Odessa, 3. Aug. Am Donnerstag brach hier der General- treik aus. Militär und Polizei sind machtlos. Die Volksmenge verhinderte die Abfahrt der Eisenbahnzüge. Das Eigen­tum ist nirgends gefährdet. Am Freitag wurde der Belagerungs­zustand erklärt. Die Straßen sind von Truppen besetzt.

Gesellschaft, die häufig in ihre Kontrakte die Klausel aufnehme, daß nur Marconi-Apparate verwendet werden dürfen, werde jetzt gefährdet. Es sei auch vom geschäftlichen Standpunkte aus unbillig, ein solches Ansinnen an die Marconi-Gesell- schaft zu stellen. Das wäre gerade so, wie wenn man einer Telephon-Gesellschaft mit einer großen Zahl von Abonnenten den Anschluß mit den Abonnenten jeder neuen Gesellschaft, die in demselben Bezirke Geschäfte machen wolle, aufzwingen wollte. Zum Schluß gesteht aber die Marconi-Gesellscha : selbst ein, daß sie sich »über natürlichen Wettbewerb" gestell hat und dieses Vorteils nicht beraubt werden will.

* Der Siegeszug der Frau. Aus London wird berichtet: Das Arbeitsfeld der Frau vergrößert sich in Eng­land mit jedem Tag. Soeben hat die Admiralität von dem Direktor des Arsenals von Pembrock einen Bericht über die Vorteile der Verwendung von Frauen in den Bureaus der Zeichner und in den Möbelwerkstätten gefordert. Falls der Bericht günstig ist, wie man annimmt, wird eine große Zahl von Tapezierern und Polierern durch Frauen ersetzt werden. Wenn es so weitergeht, wird bald eine Zeit kommen, wo man nach neuen Arbeitsgebieten für die Männer suchen muß. Man zählt jetzt schon nicht weniger als 44 Berufe, die früher ausschließlich dem starken Geschlechte vorbehalten waren, in denen die Frau dem Manne eine jedes Jahr größere Konkurrenz macht. Wer hätte wohl geahnt, daß es auch weibliche Schmiede giebt, und daß in einem einzigen Bezirk, Cradley-Heath, mehr als tausend von ihnen damit beschäftigt sind, Kettenringe zu schmieden. Erst vor kurzem wurden die Frauen zu der medizinischen Fakultät zugelassen, und jetzt haben bereits über 500 ihr Examen abgelegt, allein in London zählt man 92 weibliche Aerzte.

* Ein Konkurrenzkampf belustigender Art hat sich dieser Tage zu Magdeburg am Breiten Wege zwischen zwei Warenhäusern abgespielt. Das eine offerierte Kirschen erster Güte, das Pfund zu 12 Pfennig. Darauf bot der schräg gegenüber arbeitende Konkurrent seine eigene hoch­feine Qualität sofort zu dem Ausnahmepreise von 9 Pfennig an. Das durfte sich die erstgedachte Firma natürlicherweise nicht gefallen lassen, sie ermäßigte den Preis der süßen Frucht flugs auf acht Pfennig. Sofort verschwand gegen­über die Tafel mit dem Angebot zu 9 Pfennig, um einige Minuten darauf wieder zu erscheinen; die 9 Pfennig waren m einen Minimalsatz von fünf Pfeni g umgearbeitet. Dieser Unterbietungsrekord wurde nicht mehr geschlagen, wohl aber strömten jetzt Kinder, Frauen und Männer in dichten Ko­lonnen zu den billigen Kirschen. Der Vorrat der schmack­haften Saisonfrucht schien aber rasch vergriffen zu sein. Gegen Mittag war das 5 Pfg.-Schild verschwunden, und gegenüber kosteten die Kirschen wieder, wie am Morgen, 12 Pfennig das Pfund. _______________

Kunst und Wissenschaft.

Göttingen, 3. Ang. In Corvey wurde gestern unter zahlreicher Beteiligung der literarischen Kreise ein Denkmal für Hoffmann v. Fallersleben enthüllt. Der Feier wohnte Professor Hoffmann-Berlin bei. Die beutfcfye Turnerschaft ließ am Denkmal einen Kranz nieder­legen.

Christine Nilson, die schwedische Nachtigall, feierte gestern, Montag, ihren 60. Geburtstag. Sie erblickte am 3. August 1843 im Kirchspiel Wederslöf bei Wexio das Licht der Welt, wurde in Stockholm und dann! in Paris aus­gebildet und betrat am 27. Oktober 1864 am Th42.tr e Ly- rique zum erstenmal die Bühne. Ihre bedeutendsten Rollen waren die Violetta in VerdisTraviata", die Ophelia in Tbomasturntet" und Marguerite in GounodsFaust". Nachdem ihr erster Gemahl, der Pariser Bankier Rouzaud, gestorben war, vermählte sie sich im Jahre 1887 mit dem spanischen Kammer Herrn Grafen Miranda, mit dem sie zu­meist in Paris lebt. Ihre Stimme, die ein ungewöhnlich Heller und voller Sopran war, hat sich noch bis vor wenigen Jahren sehr gut erhalten.

Sport.

ElfGebotefürRad-Touristen. 1. Mache nie eine Radreise mit einem, der viel besser oder schlechter fährt als Du. 2. Nimm kein überflüssiges Lot Gepäck mit! Jedes ersparte Lot ist ein Kilo Reisebequemlichkeit mehr! 3 Vergiß aber andrerseits nicht, daß auch an den Radfahrer gewisse Ansprüche in bezug auf äußere Erscheinung gestellt werden. Gott sieht freilich das Herz --aber auch nur Gott, darum sorge, daß auch die Menschen was Anständiges sehen l 4.;Frühmorgens ist die Welt am schönsten. Darum früh aufs Rad und früh herunter, dann schläfst Du gut und bleibst hübsch munter. 5. Trage zum Radeln keine wärmere Unterkleidung, als Du sie gewöhnlich trägst; aber eine wärmere Ueberhülle mußt Du stets bei Dir haben. 6. Ruhe nach jeder Mahlzeit eine halbe Stunde. 7. Trinke nur zu den Mahlzeiten; je weniger desto besser. Gegen den Durst nimm eine Zitrone mit, bohre ein kleines Loch hinein und sauge daran. 8. Vergiß nicht, daß ein Bad oder eine Abreibung nach der Radtour 'das beste Stärkungsmittel ist. 9. Eine Viertelstunde, die Tu am Abend oder Morgen auf das gründliche Nachsehen Deines Rades verwendest, spart Dir vielleicht einen unfreiwilligen Aufenthalt von vielen Stunden. 10. Wenn Du abends in lustiger Gesellschaft kneipst, hast Du den nächsten Tag verloren. 11. Lies nicht nur diese Ratschläge, sondern befolge sie auch!! I

es unter Inff en hntte, Truppen heranzuziehen, ist in eine schwierige Lage geraten. Der Gerichtshof hatte verschiedene Ausständige aus der Umgegend von Henneöont abzu- urteilen. Im Gerichtssaal waren Angehörige der Streikenden versammelt. Dieselben protestierten be­reits bei Beginn der Verhandlung, sodaß der Saal geräumt werden mußte. Als die draußen stehende Menge das Urteil, durch das die Angeklagten zu je zwei Monaten Gefängnis verurteilt wurden, erfahren y-atten, nahm sie eine drohende Haltung ein. Sie versuchten das GeritchKgebäude zu stürmen und schließlich mußten sich Richter und Gendarmen verbarrikadieren, da die Demonstranten durch wei­tere Streikende Verstärkung erhielten. Es begann eine förmliche Belagerung, nachdem sämtliche Fenster des Gerichtsgebäudes eiugeworfen worden waren. Zweimal stürmten die Ausstirdischen mit roten Fahnen an der Spitze das Gebäude und suchten die Türen einzurennen. Schließ­lich gelang, es dem Prokurator, welcher ebenfalls in dem Gerichtsgebäude anwesend war, ein Telegramm an den Prä­fekten zu senden. Um 8 Uhr abends waren die Richter immer noch eingeschlossen. Aus der Straße fanden ver­schiedene Zusammenstöße unter der Menge statt. Fort­während hörte man Todesruse gegen Polizei und Gen­darmen ausstoßen. Um 9 Uhr abends trafen endlich zwei Kompagnieen Infanterie ein, aber auch diese waren ohn­mächtig, die nach Tausenden zahlende Menge zu zerstreuen. Um halb 10 Uhr traf eine Abteilung reitende Artillerie em, welche Geschütze auffuhr. Um 10 Uhr konnten die Richter aus ihrer schlimmen Lage befreit und die Demon­stranten zerstreut werden. Die öffentliche Meinung ist über die Nachlässigkeit der Behörden sehr aufgebracht. Die Unruhen dauerten noch W ganze Nacht fort.

Madrid, 4. Aug. Der geplante Generalausstand ist gescheitert. Die Regierung hat von vornherein die Freilassung der gefangen gehaltenen Teilnehmer früherer Ausstände beschlossen.

Rom, 4. August. Von gut unterrichteter Seite wird demVerl. Tagedl." telegraphiert, daß im Konklave drei Strömungen vorzuherrschen scheinen. Tie Ita­liener sind zwischen Rampolla und Vanutelli geteilt, die Ausländer, abgesehen von den Franzosen, sind für Kopp. Von ausländischer Seite sei darauf hingewiesen worden, daß die Zeit gekommen sei, einen Ausländer auf den Stuhl Petri zu setzen, trenn auch die Mehrzahl der Ita­liener für eine solche Auffassung nicht zu haben sei. Nach einer Pariser Depesche dementiert derTemps" das Gerücht, daß Frankreich sein Veto gegen die Wahl Oreglias geltend machen wolle. Weder Spanien noch Frankreich gedenken von ihrem Vetorechte Gebrauch zu machen. Wie demLok.-Anz." berichtet wird, wurde die Klausur des Konklave aufgehoben, um den General- Vikar Martmi an das Krankenbett des Kardinals Ferrero y Espinosa zu geleiten. Der Kardinal, der mit den Sterbe- Sakramenten versehen wurde, liegt im Sterben. Eine hochstehende vatikanische Persönlichkeit versicherte, daß die Anhänger Nampouas den Freunden Serasino Vannutellis den Vorschlag machten, einen neutralen Kandidaten zu suchen. Wie verlautet, einigte man sich auf den Namen des Kardinals Sarto, des Patriarchen von Venedig, um so die deutsche Kandidatur des Kardinals Kopp zu beseiti­gen, die von dem Amerikaner Gibbons, der eine Reform des Klerus verlangt, vorgeschlagen wurde.

Agram, 4. Aug. In Molovin ließ eine Bäuerin auf dem Hose die Wiege mit einem Säugling unbewacht stehen. In der Abwesenheit der Frau warfen die Schweine die Wiege um und fraß en d en Säugling.

Belgrad, 4. Aug. Der Nachlaß des ermordeten serbischen Königspaares ist nunmehr genau fest­gestellt. Alexander hinterläßt 250 000 Francs 'Baargeld und Staats-Papiere im Nennwerte von 150 000 Francs als P^v^Egeutum und ferner das jetzige gesamte Mobiliar des Königs-Palastes und die überaus kostbar gearbeiteten Silber gerate des Palastes. Doch sind Schulden un Betrage bon 500 000 Francs zu bestreiten. Königin Draga hinter­laßt ohne ihren Schmuck, der 150000 Francs wert fein soll, ein Vermögen von 250 000 Francs, welches ihre Schwestern erben.

Saloniki, 4. Aug. Auf der Linie Saloniki-Monastir wurden von Verbrecherhand alleTelegraphen-Leitungen zerstört und die Schienen mehrfach gelockert, so daß der Verkehr für einige Zeit gestört war. Die militärische Bewachung dieser Bahn wurde erheblich verstärkt.

Odessa, 4. Aug. döachdem in einer von 50000 Per- onen besuchten Versammlung der Generalstreik be- chlossen worden war, wurden sofort alle Fabriken und Backereien zur Einstellung der Arbeit und die Kaufleute zur Schließung der Läden gezwungen. Da die ganze Be- völkerung ihrer Sympathie für die Streikenden Ausdruck gibt, tonnten Polizei und Militär nichts ausrichten.

Ottawa, 4. Aug. Die canadische Regierung dementiert das Gerücht, daß die Verhandlungen über die ~ariffragc zwischen Deutschland und Canada wieder ausgenommen seien. Dian glaubt hier jedoch allgemein, daß ie binnen kurzem wieder beginnen werden.

^ltt/ere tm Großherzogtum Hessen, Bayern, Königreich Sachsen, Schlesien, Braunschweig, «Lchleswig-Holstenr, Pommern, Provinz Sachsen, Hannover- mittlere bis geringe in Hessen-Nassau, Baden, Württemberg, Westfalen, Westpreußen; geringe in der Pfalz, Etsaß- Lothrmgen, Rhemprovinz, Ostpreußen; gute bis mittlere in Bran­denburg. Nüsse: mittlerer Ertrag in Hessen-Nassau, Baden, Bayern, Königreich Sachsen, Westfalen, Schlesien, Braunschweig, Westpreußen, Brandenburg, Provinz Sachsen; mittlerer bis geringer un Großherzogtum Hessen, Württemberg, Schleswig-Holstein; ge­ringer in der Pfalz, Elsaß-Lothringen, Ostpreußen, Hannover.

Singen, 2. Aua. Allenthalben findet man schon an den Hausplanken sich färbende F r ü h t r a u b e n; sogar in be­vorzugten Gemarkungsteilen sind solche zu sehen.

Zundel un- Verkehr. Volkswirtschaft.

Von einem brasilianischenKaffeetrust" sind in der letzten Zeit Mitteilungen durch Zeitungen gegangen. DieserKaffee traft" sollte angeblich von Belgien aus angeregt, auch mit belgischem Geld unterstützt werden. Der Ursprung dieser Nachrichten wird vermutlich der Wunsch sein, der, wie schon früher, auch jetzt in Antwerpen sich geltend macht, das Kaffeegeschäft von Havre oder einen Teil dessen an sich zu ziehen. Es scheint, daß man in Belgien den gegenwärtigen Zeitpunkt dafür geeignet hält, weist die zollpolitischen Abmachungen zwischen Frankreich und Brasilien vor einer Aenderung stehen. Frankreich will den Zoll auf Kaffee um 20Frs. erhöhen; darum hofft man in Belaien, daß alsdann der Kaffeehandel mehr von Havre ab und nach Ant­werpen sich hinwenden wird. Wie nun diese Hoffnung sich ver- wirklichen soll, ist allerdings fraglich; denn der erhöhte Kaffeezoll trifft ja nur den in Frankreich verbrauchten Kaffee, nicht aber den Kaffee, der nach Havre für Ordres geht und von dort weiter verschifft wird. Selbst wenn der Kaffeeverbrauch in Frankreich durch den erhöhten Zoll verringert werden sollte, so könnte das doch die Stellung von Havre als Weltmarkt für Kaffee nur in un­erheblichem Maße beeinträchtigen; man hat es also, dem Anschein nach, bei jenen Meldungen mit starken Gebilden der Einbildungs­kraft zu tun, welche den Wunsch zum Vater haben.

Effeu a. d. Ruhr, 3. Aug. Kohlenmarkt. Der Markt für Jndustriekohlen war ftetig, Hausbrandkohlen begehrter.

Washington, 3. Aug. Aach dem Ackerbaubericht beträgt der Durchschnittsstand der Baumwolle 797.

Markte.

Gießen, 4.August. Marktbericht. Auf heutigemWockenmarkt kosteten: Butter pr. Pfd. 1,001,20 Mk., Hühnereier 1 St. 00 Pfg., 2 Stck. 1315 Pfg., Gänseeier 1112 Pfg^ Enteneier?8 Pfg., Käse vr. Stck. 58 Pf Käsematte 2 Stck. 56 Pfg., Erbsen pr.Liter 21 Pfg., Linsen pr. Lüer 32 Pfg., Tauben pr.Paar 0,800,90Mk., Hühner pr. St. 1,302,20 Mk., Hähne pr. Sttick 0,651,70 Mk., Enten pr. Stück 1,702,00 Mk., Gänse pr. Pfd. 5460 Pfg., Ochserisleifch pr. Pfund 6878 Pfa Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 6066 Pfg^ Schweine­fleisch pr. Pfund 6676 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 80 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfd. 6874 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 5674 Pfg., Kartoffeln pr. 100 Kgr. 8,009,00 Ack., Weißkraut per Stück 0000 Pfg., Zwiebeln pr. Zerttner 9,0010,00 Mk., Mllch per Liter 18 Pfg. Kirschen per Psd. 3g-40 Pfg., Aepfel per Pfd. 000 Pfg., in Körben 0000 Pfg. Trauben 0000 Pfg.

Die Gießener Biehnrärtte sind für das Jahr 1904 wie folgt bestimmt: 5. und 9. Januar, 9. und 23. Februar, 15., 16., 29. und 30. März, am 16. März Frühjahrs-Pferdemarkt, 19. und 20. April, 10., 26. und 27. Mai, 2., 3., 16. und 17. August, 6., 7., 28. und 29. September, am 7. September auch H e r b st - Pferdemarkt, 11., 12., 25. und 26. Oktober, 22. und 23. No- vember, 13. und 14. Dezember. An den zweitägigen Märkten ist auf Oswaldsgarten am zweiten Tage Krämermarkt vorgesehen, der auch abgehalten wird, wenn der Viehmarkt wegen Seuchen- gefahr etwa ausfällt.

Schöne weiße Hände sind eine fesselnde Zierde des Weibes, schöne weiße Hände sind auch ein mäch­tiger Empfehlungsbriei. Diese einschmeichelnden Attribute weiblicher Schönheit zu erlangen, empfehlen sich ganz besonders täglich öftere Waschungen mit . . , _ ,E ^oermgs Eulen-Seife. Der zarte fettreiche Schaum dieser Seife wirkt überaus günstig auf die oberen Hautlagen und giebt ihr jene sammtweiche Zartheit und das anmutige Kolorit, ohne das eme schöne Hand doch nie schön ist. Preis per Stück 40 Pfennig. r 2310

Landwirtschaft.

hdl. Rheingau, 23. Juli. Die Weinberge bieten ge­genwärtig mit ihrem tiefdunklen Grün einen prachtvollen Anblick. Die Rebenblüte nahm, obwohl etwas verspätet, bei der herrschen­den günstigen Witterung den raschesten und besten Verlauf. Mit Anfang Juli war sie überall beendet und die Stöcke zeigen jetzt sehr schönen und reichen Behang. Durch den schnellen Verlauf der Blüte konnte der Heuwurm dieses Jahr nur in einzelnen Gemark­ungen und ungünstigeren Lagen einigen Schaden an den Blüten anrichten. Aus Lorch wird berichtet, daß auch der Sprmgwurm durch sein massenhaftes Auftreten dieses Jahr sehr geschadet hat, sodaß ganze Stöcke, ja ganze Weinberge fast kahl dastehen. Lttich die so sehr gefürchteten Pilzschädlinge Peronospora und Oidium über die spater ausführlich berichtet wird sind wieder da und beginnen sich auszubreiten. Also Feinde ringsum! Doch sieht diesem Treiben der Feinde der rheinische Winzer nicht mehr wie früher untätig zu. Er tjat den Kampf gegen die Rebenschädlinge auf der ganzen Luiie und in vollem Umfange aufgenommen. Lieber 900 000 Motten des Heuwurms wurden allein im Rheingaukreise gefangen und den beiden Pilzschädlingen rückt man mit Bordo- laeser Brühe und Schwefel tüchtig zu Leibe. Wenn das Wetter andauernd so günstig bleibt und der Kochmonat August seine Schuldigkeit tut, so ist auf eine reiche uni) gute Ernt wohl zu hoffen.

e. O b ft e r n t e-A u s s i ch te n. Nach den bei der Geschäfts­stelle des Oberhessischen Obstbauvereins eingegangenen Nachrichten sind gute Ernten an Obst in keinem Teile Deutschlands zu erroartem Aepfel versprechen vorwiegend eine Mittelernte, eine geringe ^rnte nur in Baden, mittlere bis geringe in der Pfalz, in Württem-- berg, der Rheinprovinz, Westfalen, Braunschweig. Birnen zeigen mittleren Behang in Bayern, Baden, Königreich Sachsen, Schlesien, Schleswig-Holstein, Hannover; mittleren bis geringeren in Hessen- Nassau, Großherzogtum Hessen, Württemberg, Rheinprovinz, Braun­schweig, Westpreußen, Pommern, Brandenburg; guten bis mitt­leren in der Provinz Sachsen, geringeren in der Pfalz, in Elsaß- Lothrmgen, Westfalen, Ostpreußen. Pflaumen und Zivetschen: mittlere Ernte un Großherzogtum Hessen, Bayern, Königreich Sachsen, Schlesien, Schleswig-Holstein, Westpreußen, Pommern, Brandenburg, Hannover; mittlere bis geringe in Hessen-Nassau, Baden, Württemberg, Ostpreußen; gute bis mittlere in Braun­schweig, Provinz Sachsen; geringe in der Pfalz, Eljai; Lothringen, Rhemprovinz, Westfalen. Mirabellen: mittlere Ernte im Großherzogtum Hessen, Bayern, Königreich Sachsen, Schlesien, Braunschweig, Schleswig-Holstein, Pommern, Provinz Sachsen, Hannover ; mittlere bis genüge in Hessen-Nassau, Baden, \-'3;iruem«- berg, Westfalen, Westpreußen; gute bis mittlere in 'Brandenburg; geringe in der Pfalz, Elsaß-Lothringen, Ostpreußen. Reineclauden:

Aäder.

H o m b u r g v. d. H., 3. Aug. Der HerzogvonCam- b r i d g e ist heute abend zum dreiwöchentlichen Kurgebrauch hier eingetroffen.

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Neueste Meldungen.

Originaldrahtrneldurrgen des Gießener Anzeigers.

Rom, 4. August. Kardinal Sarto wurde zum Papst gewählt.' Wir erhalten das Telegramm gerade bei Nedaktionsschluß. Sarto ist der 67 Jahre alte Patriarch von Venedig. Soeben wird uns noch zngetragen:

Nom, 4. Aug. Der neue Papst nahm den Namen Pius X. au. Kardinal Mazzhi verkündete nm 11 Uhr 50 Min. von dem äußeren Balkon der Peterskirche herab die Papstwahl und fügte hinzu, daß Sarto den Namen Pius X. annehme. Die Truppen ans dem Petersplatze präsentierten. Aus dem Platze find viele Tausende versammelt. Das Wetter ist prächtig. Pius X. er- chien um 12 Uhr 10 Min. aus dem inneren Balkon der Peters- irche und segnete die Menge, die in begeisterte Zunise aus- brach. ________

Berlin, 4. Aug. Aus Posen wird gemeldet: Eine polnische Volksversammlung in Schroda beschloß gestern bei Anwesenheit des Abgeordneten Jadzewsri für die Medcreinsührnng des polnischen Schreib- und Lese- Unterrichts in der Volksschule zu wirken.

Berlin, 4. Aug. Tas 4. Turnerfest des beut* chen Turner-V er eins wurde gestern abend mit einem Kömmers beendet, nachdem auch das Wett-Turnen abge- chlosscn war. Heute wollen die Festgäste noch eine Reihe von Ausflügen in die Umgebung Berlins machen.

Lorient, 4. Aug. S e h r e r n ft e Zwischenfall e ereigneten sich hier gestern abenp. Der Proturator, der