Ausgabe 
4.6.1903 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

widerspiegelt, die seit 30 Jahren nichts als dieVossische Ztg." gelesen hat und sich ausschließlich durch die Tienst- mädchengespräche iqrer Kaffeefreundinnen bcfruchten ließ". Eugen Richter oder derjenige seiner Tintenadjutantcn, der die Mitschuld trägt, habe auf den Titel eines Ehren- und Meisterfälschers der kapitalistischen Partei der gerechtesten Anspruch" usw.

Tie klerikaleKöln. Volksztg." schreibt dazu:

Wenn dergleichen von Partei wegen ge­druckt wird, darf man es wahrlich den Ge­nossen im Lande nicht allzusehr zum Vor­wurf machen, wenn sie in der Oeffentlich- feit immer roher und brutaler sich be­nehmen und sich in wilden Beschimpfungen gegendiepersönlicheEhrepolitischAnders- gesinnter ergehen.

Politische Tagesschau.

Vom Tabaktrust.

In den Kreisen der Tabakinteressenten fehlte es ur- prünglicü nicht an Stimmen, die bie Befürchtungen hin- rchtlich der durch den amerikanischen Tabaktrust drohen- )cn Konkurrenz als übertrieben bezeichneten. Tas ge­schäftliche Auftreten des Trusts in Teutschland dürfte diese optimistische Auffassung arg ins Wanken gebracht haben. Der Trust bedeutet für Deutschlands Tabakindustrie und Handel tatsächlich eine Gefahr, und zwar infolge der beispiellos niedrigen Preise, zu denen die Trustfabri- fate angeboten werden, und infolge der geschickten, mit demPrämien Iiabattsystem" arbeitenden Reklame. Die Trustware hat schon in einer Reihe von Detailgeschästen Eingang gesunden; der Zusammenschluß der deutschen Ta- bakinteresseiiten scheint also nicht vollkommen zu sein. s)lad) derVoss. Ztg." ist aber eine Gegenbewegung gegen den Trust im Gange, in die Wege geleitet durch amerika­nische Firmen, die dem Trust nicht angehören. An Kapital­kraft dürste es auch dieser Organisation nicht fehlen, und so eröffnet sich die Aussicht, dag die deutsche Tabatindustrie den gefährlichen Konkurrenten mit amerikanischer Hilfe los wird.

Deutsches Keich.

B e r l i n, 3. Juni. Für den Kaiserbe such in Ham­burg am 20. Juni zur Enthüllung des Kaiser-Wilhelm- Tenkmals sind umfangreiche Absperrungen in Aussicht ge­nommen. Ter Kaiser wird die Nacht vom 20. auf den 21. Juni in Hamburg bleiben und auf der Hohenzollern verbringen. Tie Kaiseryacht werden einige Torpedoboote und ein Llviso begleiten, die gleichzeitig mit ihr im hiesigen Hafen eintresfen. Der Senat hat zur Bestreitung der Kosten des Kaiserbesuches von vornherein 225 000 Mk. verlangt, der Budgetausschuß der Bürgerschaft hatte zu­nächst nur 175 000 Mk. bewilligt. Die fehlende Summe ist jedoch nachträglich noch bewilligt tporden.

Der schwedisch-norwegische Minister des Aeußeren von Lager he im ist gestern abend für einige Tage hier eingetroffen.

Mannheim, 3. Juni. Am Pfingstmontag hat hier in der Wirtschaft des Sozialdemokraten Wagner unter scharfer Ueberwachung ein zahlreich beschickter Anar­chisten kongrcß getagt. Da an demselben Tage das badische Grvßhcrzogspaar anläßlich, des badischen Sängcrbundesscsles in Mannheim weilte, waren um­fassende Vorsichtsmaßregeln getroffen. Der hiesigen Po­lizei war die Abhaltung des Kongresses von der Wiener Polizei avisiert worden.

Karlsruhe, 3. Juni. Die Tagung der deutschen Kolonialgesellschaft wurde eingeleitet durch einen Hcrrenbcgrügungsabend, dem die Spitzen per Regierung, der städtischen und militärischen Behörden anwohnten. Hof­rat Professor v. Lcchelhäuser begrüßt namens der Karls­ruher Abteilung die Gäste. Vorsitzender Herzog Johann Albrecht zu Mecklenburg dantt für den Willkomm. Die Karlsruher Abteilung habe eine hervorragende Ausstell­ung der Völkertunde geboten, die reichste Anregung bringen iverdc. Was die Verhandlungen betreffe, so sei wohl mancher Zündstoff vorhanden, doch hoffe er, daß auch hier die einzelne Meinung sich der allgemeinen Ansicht untcrordne. Dann werde auch diese Tagung einmütig aus- klingcn. Redner schließt mir einem Hoch auf das Badncr Land und den Großherzog.

_ Bayreuth, 3. ^mii. Bei der gestrigen Hoftafel im schlosse brachte der Prinz Leopold von Bayern euren Toast auf beit P r in zenAlbrechtvon Preußen aus, worauf dieser dankte und mit einem Trinkspruch auf den Prinzregenten erwiderte. Nach der Tafel begaben sich die Fürstlichieiten mit Gefolge zur Markgrafen-Reit- bahn, loo Reiterspiele begannen. Diese boten in drei wirk­ungsvoll zusammengestellten Gruppen eine Uebersicht über die Uniformierung des Regiments und die Entwicklung seiner Reitfertigleit und endeten mit einer gemeinsamen Huldigung aller drei Gruppen vor der Fürstcnloge. Nach Beendigung der Reitet fi>,p.ele schlossen sich die ehemali- gcn Angehörigen des Rcgunents zu einem Faüelzuge zu­sammen. Nach einer Parade fand im tönigl. Schlosse eine Frühstückstafel statt, worauf die Prinzen Albrecht und Leopold nach dem Schloß Renntage fuhren. Prinzregent Albrecht schenkte dem Regiment einen prächtigen goldenen Pokal, der von der Figur eines Landsinechres mit der balgerischen Standarte überragt wird. Turm fand ein Fest­essen statt, bei dem der Regimentskommandeur auf den Prinzregenten toastete.

München, 3. Juni. Bezüglich der M ain-Kanali- srerung sind die Bestrebungen der maßgebenden baye­rischen Kreise zunächst aus ben Abschluß eines Vertrags in rt Preußen und Hessen wegen der Fortführung der Kanalluue von Offenbach bis Aschaffenburg gerichtet. Die Verhandlungen, die längere Zeit ruhten, dürften demnächst wieder ausgenommen werden.

Hccr und Flotte.

Graf Waldersee wird, wie wir bereits mitieilten, als General Inspekteur der 3. Armeeinspektion vom 8. bis ein­schließlich 17. d. M. die Truppenteile des 16. Armeekorps in einzelnen Garmionorten inspizieren. Am 7. b. trifft Graf Waldersee tn Mainz ein und besichtigt dort am 8., und 10. Juni die Truppen der Mainzer Garnison toroie die dort auf dem Exerzierplätze weilenden -Truppenteile atrswärliger Garnisonen. Am 12. Ium inspiziert Graf Waldersee m Worms, am 13. und 15. in Darmstadt, am 16. in Frank­furt a. M. und am 17. Ium in Gießen. Von h^er aus reift Graf Waldersee nach Hannover zurück.

Ausland.

Paris, 3. Juni. Im Auftrage des deutschen Kaisers sprach der Botschafter Fürst Radolin den Ministern Teleassö und Pellet an persönlich Dank für die der Amazon e" gewährte Hilfeleistung aus. Ter deutsche Marineattachs Kontreadmiral Siegel begiebt sich morgen nach Brest, um im Auftrage des Kaisers den Marinebehörden aus dem gleichen Anlässe zju danken.

Wie aus zuverlässiger Quelle verlautet, stößt die Festsetzung des Tatums der Reise König Viktor Ema­nuels nach Paris und London auf ernste Schwie­rigkeiten, aus Rücksichten auf den augenblicklichen Ge­sundheitszustand König Eduards. (??;

Tie Blätter verzeichnen das Gerücht, wonach die englische Regierung die französische in Kenntnis ge­setzt habe, daß sie nichts dagegen einzuwenden habe, daß Frankreich das Gebiet von Figig im Hinter- lande Algeriens annektiere. Andererseits verlautet, Frankreich werde die Wirren dazu benutzen, um den Sultan von Marokko zu bewegen, das Protektorat Frank­reichs über Marokko zu aeceptieren. An amtlicher Stelle heißt es, bie Beschießung von Figig habe noch nicht begonnen, sondern werde erst in 23 Tagen erfolgen. Berichten aus Zenaga zufolge sammeln sich die Berager Stämme sowie Anhänger der Stämme von Figig zwecks Verhängung des heiligen Krieges gegen die Franzosen. Tie bereits zahlreich versammelten Stämme befinden sich in der Ortschaft Qued-Aibar.

Tie Kolonialgrupve des Senats besprach mit dem Ministerpräsidenten Eombes die Ereignisse in Süd- Oran. Combes erklärte, die Regierung ergriff alle nötigen Maßnahmen. Trei Kolonnen seien gebildet, um von drei verschiedenen Seiten vorzugehen und eine energische U nt erdrück ung zu sichern. Im Bedarfsfälle würde man die Streitkräfte in Süd-Oran noch verstärken und neue Militärposten errichten. Tie Regierung beabsichtigt in keiner Form neue Gebietsteile zu gewinnen, aber sie» sei ge­willt, den Status qno und die Sicherheit der französischen Besitzungen in Algerien aufrecht zu erhalten.

Madrid, 3. Juni. Hier verlautet, daß Frankreich eine Note an Spanien und England gerichtet habe, worin es die Notwendigkeit eines militärischen Vorgehens gegen F i g i g zu rechtfertigen unternimmt. Frankreich versichert in dieser Note angeblich, daß es keine definitive Beisetzung maroktanischen Gebietes beabsichtige.

Budapest, 3. Juni. (Abgeordnetenhaus.) Abg. Benedek (Kvssuthpartei) interpellierte in Sachen einer gegen Professor Felix Somlo der Groß-Wardeiner Rechtsakademie gerichteten Eingabe, in der Professor Somlo von fünf Professoren der Rechtsatademie beschuldigt wirb, >urch einen auf Grundlage der Herbert Speucerschen An- chauungen gehaltenen Vortrag die Agitation gegen >ie Familie, Eigentum und die Religion ge­billigt und den strafrechtlichen Rechtsschutz, den diese Institutionen genießen, als einen unrecht­mäßigen Ueb ergriff des Staates bezeichnet zu (laben. Unterrichtsminister v. Wlassics erklärt, Professor Somlo habe evolutionistische Theorien bargelegt, möge dabei im Ausdruck vielleicht übertrieben gewesen sein, doch könne desweaen nicht die Freiheit der Wissenschaft und die Lehrfreiheit eingeschränkt werden. Männern ta Wissenschaft könne nicht verwehrt werden, daß sie als soziologische Forscher öffentliche Institutionen zum Gegenstand der Kritik machen. Der Minister billigt nicht den Weg, den die fünf Professoren durch die Eingabe gewählt haben, erklärt jedoch, daß kein Grund vorliege, wegen jener Eingabe gegen die Professoren vorzugehen.

Petersburg, 3. Juni. Tie heutige Gesetzsammlung veröffentlicht in Abänderung des Gesetzes vom Jahre 1882 eine Liste von 101 Ortschaften, in denen Juden das freie Wohnrecht und Gr und er werbungsrecht zuge- ichert wird. Andererseits wird den Juden temporär verboten, außerhalb des Gebietes, wo ihnen die Ansiedlung gestattet ist, Grundkäufe abzuschließen.

Der Sänger-Wettstreit in Icanstfurt a. M.

Frankfurt, 3. Juni.

Schluß aus dem Ersten Blatt.,

Während die vor dem Hauptportal der Festhalle aus­gestellten Kapellen des 120. Württembergischen Infanterie- Regiments aus Ulm und des 116. he ssischen I n fa n - terie-Regiments aus Gießen die Nationalhymne spielten, umfuhr der Kaiserzug das große Boskett und hielt vor dem Kaiserportal, wo der Hauptausschuß und das Ortskomitee das Kaiserpaar empfingen und in ihre Ge­mächer leiteten.

Voll Spannung hatten inzwischen die Besucher der Fest­halle das Erscheinen der Ndajestären erwartet. Als diese )ie Loge betraten, setzte der ans 1700 Sängern bestehende Sängerchor (der Frankfurter Sängerbund und die Frank- urter Sängervereinigung), begleitet von dem auf 130 Musiker verstärkten Lpernliausorchester unter Leitung des Tirektors Maximilian Fleischer mit dem markigen Vegrüß- ungSchorTem Kaiser Heil" ein, den die kaiserlichen Gäste ebenso wie die Besuck)er stehend anhörten, und dem der gemeinschaftliche Gesang der Nationalhymne folgte. Tann nahmen die Majestäten ihre Platze ein, das Publikum eben- aUs, und mit kurzen Pausen wurde bas umfangreiche Programm abgewickelt.

Zunächst brachte das Programm Szenen ausrZrithjof" von Max Bruch. Tie Partie ber Jngeborg sang Frl. Jo­hanna Tietz, die des Frithjof Herr Adolf Müller; dann den Walbchor ausTer Rose Pilgerfahrt von Schumann, Gold marcksFrühlingsnetz",Tas stille Tal", Volkslieb anö dem 18. Jahr Hunde et von Böhme, das schwäbische Volks­liedLiebcssche»" von Silcher, den Chor der Smarwachc auS der OperTie beiden Geizigen" und zum Schluß da- VolksliedPrinz Eugen, der edle Ritter" von Kremser

Tie Akustik der Halle envies sich hierbei als ausge- zeichnet. Vom gewaltigen Alussenchor bis zum zartesten Pianissimo herab kamen die feinsten Schattierungen aufs Beste zur Geltung. Tie Vortrage ernt;.en reichen Beifall an dem sich auch die Majestäten beteiligten.

Nach Beendigung des Konzerts erfolgte bie Abfahrt nach dem gleichen E^remonicll, wie die Ankunft.

Ein geradezu wunderbares Bild bot bie Illumina 11 o n an den Villen und tn den Gürten vom Schaumain - quai ..... d.n aus dem Main Itcgcnbcn Schiffen, auf denen rouiuii. aas «chauipwihaus erstrahlte von oben bts unten

c. i. a. prächtig illuminiert und die Hotels am nahnhos jeigten eine geradezu feenhafte Beleuchtung. 9.36 Uhr er­

folgte bie Ankunft bes Kaiserpaares am Hauptbahnyo'f. Die kaiserlichen Herrschaften begaben sich auf Perron 1, wohin der dofzug umrangiert worben war. Bor bem kaiser­lichen Salonwagen unterhielt sich ber Kaiser noch 5 Minuten mit Oberbürgermeister Abickes, welchen er auch bat, ber Frankfurter Bevölkerung für die prachtvolle Illumination seinen herzlichsten Tank auszusprechen. Auch das Prinzen­paar Friedrich uart von Hessen, General v. Lindequist, Stadt­kommandant Stülpnagel waren zum Abschied erschienen. Nachdem das Kaiserpaar sich noch in herzlicher Weise von letzteren wie von den übrigen Erschienenen verabschiedet hatte, fuhr der Zug unter den brausenden Hochrufen der Anwesenden nach Wiesbaden weiter, von wo das Kaiserpaar morgen gegen 9i 2 Uhr vormittags wieder hier eintrifft.

Aus Stadl uiiü £and.

Gießen, 4. Juni 1903.

Empfänge bei Hofe. S. K. H. der Großherzog empfingen am 3. Juni u. A. den Landgerichtsdirektor Dr. Güngerich von Gießen und den Prof. Dr. Bet he von der Landesuniversität Gießen.

Personalien. S. K. H. der Großherzog haben dem Hauptmann und Batteriechef im 3. Gatde-Feldart.-Regt. Frhrn. v. Tin ckläge das Ritterkreuz 1. Kl..des Verdienst­ordens Philipps des Großmütigen, den Berufskrankenpfleger­innen des Alice-FrauenvereinS für Krankenpflege im Groß- Herzogtum Hessen, Schwester Johanna Grein und Schwester Josefine Hisgen, beide zu Offenbach, das Dienstauszeich. nungskreuz für Krankenpflege in Silber verliehen. Ter Gehilfe des Generalstaatsanwalts, Karl Lein m Darmstadt, wurde 5unt Oekonomen an der Zellenstrafanstalt Butzbach er­nannt. Durch Entschließung Großh. Ministeriums der Justiz ist der Gerichtsvollzieher-Aspirant Kornelius Franz Pfau in Mainz beauftragt worden, die durch den Tod des Gerichtsvollziehers Rlibe in Mainz erledigte GerichtSvollzieher- slelle bis zu deren Wiederbesetzung zu versehen.

* Eisenbahnunfall. Bei Zug 82 von Hagen, der 9.05 Uhr nachmittags in Gießen eintrifft, fiel gestern gleich nach der Einfahrt vom Schlußmagen em Wagenwärter, während er anscheinend die Schlußlaterne abhängen wollte. Der Gestürzte, der zunächst besinnungslos liegen blieb, wurde in die Klinik verbracht.

Wählerversammlung. Die heute abend 8 % Uhr im Neuen Saalbau stattfindende Versammlung wird auch darum von hohem Interesse sein und große Anziehungskraft ausüben, weil außer unserem Reichstagskandidaten Heyl i gen- staedt, auch Handelskammersyndikus Schloßmacher auf Offenbach und Justizrat Dr. Gut fleisch zu den Wählern sprechen werden.

* Fest-Konzert im Neuen Saalbau. Das Musik­korps des 2. Württ. Infanterie-RegimentsKaiser Wilhelm", König von Preußen, Nr. 120 aus Ulm unter Leitung seines tüchtigen und beliebten Dirigenten G. Stork, welches an­läßlich des II. Deutschen Sängerwettstreites am 5. Juni vor Sr. Majestät dem Deutschen Kaiser in Frankfurt a. M. kon­zertiert, ist von der Direktion desNeuen Saalbau" engagier« worden und wird dort am kommenden Samstag, den 7. Juni, in einem Nachmittags- und einem Abendkonzert das Festprogramm zu Gehör bringen. Die Kapelle, deren Leist- ungen als vorzüglich gerühmt werden, besteht aus 44 Mann, darunter ersten Solisten. Man darf somit diesem interessanten Konzert mit Spannung entgegensetzen. Die Konzerte finden bei jeder Witterung statt; bei schlechtem Wetter im Konzert­saal. Der Eintrittspreis ist auf 50 Psg. festgesetzt worden.

* * Erster Preis. Ter vomBauerschen Gesang- verein" beim Gesangs-Wettstreit in Homburg v. d. H. in Klasse 2a errungene 1. Preis ist seit heute im Schaufenster ber Gebr. Jmheuscr zur Ansicht ausgestellt.

Eine lustige Entführungsgeschichte wird uns berichtet. Vor einigen Tagen begleitete em Kindermädchen eine Mutter, die abreifen wollte, nach einer Station der Oberhessischen Bahn. Das Mädchen ließ den Kinderwagen mit dem darin liegenden Baby stehen, um an den Wagen jeranjutreten, in dem die Mutter Platz genommen hatte. Aber o Unglück! Der Kinderwagen, der vor dem Pack­wagen stand, wurde indessen für Eilgut angesehen und etwav eilig, ohne daß man den darin schlummernden kleinen Mitbürger bemerkte, in den Zug verbracht. Dieser fuhr ab, ohne daß die fürsorgliche Wärterin den Verlust gleich be­merkte. Zwischen Gießen und Großen-Buseck erst gewahtte der Packmeister, daß das Reiscgut nicht bezettelt war. Aber erst, als infolgedessen das Wägelchen in Großen-Buseck aus- gcK'tzi wurde und zugleich ein stürmisches Telegramm einlief, merfte man, daß in dem Kinderwagen auch ein kleines Menschenkind ruhte. Tie Rückreise verlief dann ebenso glück­lich wie die Herfahrt, und die treubesorgte Bonne, die üb- ngenS den Tag zu den bedeutungsvollsten ihres Lebens zahlen wird, wurde unter mancherlei Kundgebungen von allen weiten, nicht zum Geringsten von den Eltern deS Kindes, aus das Wärmste beglückwünscht.

-o- Lollar, 4. Juni. In den hiesigen Sprechver- kehr wurden die Orte Fauerbach v. d. Höhe, Niedermorlen, Pohlgons, und Ziegenberg (Hessen) einbezogen.

8. Vetzberg, 2. Juni. Schon früher wurde an dieser stelle darüber Klage gefühtt, in welch' trauriger Ver­fassung sich der Vetzberg befinde. Nicht nur, daß die we­nigen Re,le der Rume dem gänzlichen Verfall preis- gegcbcn finb, eS führt auch kein passierbarer Weg bis zum Gipsel des Berges. In erfreulicher Weise hat man nun von einflußreicher Stelle aus eine kleine Verbesserung angebracht indem zum einstweiligen Aufstieg m den Berg- rneö eine Leiter angebracht morden ist. (Eine Leiter? DaS D R d )m bewährtes großartiges Ersteigungsmittel l

Ma lnz, 3. Juni. Die Berichte, die über daS gestrig* unro ett er auS der Provinz einlaufen, lauten sehr betrübend. z.c berühmten Weinorte Nackenheim und Nierstein sind ' .ra,C schädigt. Ganze Straßen waren unter Wasser gelegt, -lauern wurden umgerissen usw. In Nieder-Olm wurden zwei Gebäude durch den Blitz eingeäschett. In Blödes- yeun wurden drei Häuser durch den Blitz zerstört, tn Lampert- nerni (ctarfenburg) wurden m einem Hause drei Personen ®h5 getroffen -_$er um 2 Nhc 38 Mm. m.ttogä von -tannheim kommende Schnellzug überfuhr bei Gcrns- 1)^1"! unc ,yrau, die den Bahndamm entlang qmq Die Unglückliche wurde förmlich tn Stucke zerrissen/ 9