Donnerstag 4. Juni 1903
153. Jahrgang
Zweites Blatt.
Are heutige Dummer umfaßt 8 Seiten.
Holz
und
icn
Deutschl. Frankr.
19
22
26 680 13 360
568
1920
und Iuslizpflege werden
übertroffen
11
13 400
344
Bier, Wein und SchnapS
Tabak
124,5
1,5
2,5
Italien
21
© 000
600
Oester.-Ung.
10
18 600
1430
Anzahl der Universitäten Studenlen
einfache Postsendung.
Gleichzeitig roirb Tugfahrt zur Wahl, Vereidigung Einsetzung des GenoffenschastsoorstandeS auf
Mittwoch, 17. Juni L I., abends 7,7 Uhr, im Gemcindehaufe zu Langd anberaumt und die
Generalversammlung
zum Zwecke der Vorstandswahl hierzu einberufen.
Gießen, den 3. Juni 1903.
GrotzhcrzoMches Kreis amt Gießen.
I. B.: Dr. Kranzbühler.
96,2 64,2 fit
0,68 1,7 Rg.
0,6 0,9 ,
WaS die Ernährung des deutschen Volkes betrifft, sc sind folgende Ziffern von Jntereffe:
ES verzehren jährlich und pro Kopf der Bevölkerung an Getreide und Fleisch in Kilogrammen:
Deutschland Frankreich England Italien Oesterreich-Ungarn
252,8 273 218 187 216
Hier also wird beim Verzehren der krästegebenden Nähr» ungSmittel Deutschland lediglich von Frankreich übertroffen; allen anderen Kulturstaaten steht eS weit voran.
Betrachten wir nun die Genuß mittel und ihren Konsum jährlich und pro Kopf der Bevölkerung.
Deutschl. Frankr. England Italien Oester-Ung,
dreistigkeit, schäbiges Handwerk betreibe er. In seiner komischen Plattheit sei er der einfältigste aller Sozialistentöter und treibe mit Tasch - spielersiückchen tolle Konfusion. Eugen Richters Hirn sei unlöslich im Kapitalismus verkapselt. Vorzuhalten sei ihm ein Fanatismus böswilliger Erfindung. Er begeistere sich für den individuellen Kochtopf und kaue an dem Süßholz der Interessenharmonie. M.an sollte ernsthaft die Frage der Entmündigung des Freisinns erwägen. „T o bs u ch t", „Aberwi tz" beherrschen Eugen Richter, diesen „Großinquisitor des Kapitalismus". In seiner „Verratstaklik" habe er „schmählichen Wa hlschacher" getrieben und eine „ebenso bornierte wie infame Zolltaktik". Lächerlich rückständig" sei er in dem Glauben an das absolutistische Gottesgnaden- tum beliebiger FabrUanren, dieser „gemeingefährliche Gaukler des Kapitalismus". Unlöslich sei „sein Hirn im Kapitalismus verkapselt"; wenn er die Grammatik der sozialistischen Zukunftssprache zu lehren sucht, „mauschele er den kapitalistischen Jargon der Gegenwart". Etwas hübscher ist schon die Ausführung, daß Eugen Richter von Dem „Eigensinn eines wilogcwor denen Kalkulators beherrscht" werde und daß er „als Nationalökonom die. Wahnoorstellungsn einer Berliner Kanzleirätrrr
„Weise" sozialdemokratische Kampfesweise.
Das Gießener sozialdemokratische Wahl- ko mite hat gestern abend wieder einmal ein Flugblatt, diesmal sogar m zwei Exemplaren vor jede Haustür GießenS gelegt und cs mit Füßen tteten lasten. Es ist nachgerade das dritte während der jetzigen Wahlkampagne. Die Gießener Sozialdemokratie scheut also, um eine beliebte ReporterredenS- art zu gebrauchen, weder Kosten noch Mühe. Das gestrige Blatt gibt dabei em höchst charakteristisches Pröbchen der von dieser Partei allgemein geübten Tonart. Worte wie »ganz gemeine und niederträchtige Verläumdung", „Unverschämtheit" und „gemeiner Schwindel', „Angstmeier" 'c. 'c., das sind so die Hauptblülen dieses famosen Wisches. Sich 'mit emer Gesellschaft, die solche Worte für nötig, nützlich, angenehm und postend hält, emzulasten, wäre allerdings ein Vergnügen eigener Art! Die Herren Sozialdemokraten haben m ihren Versammlungen, wie sie erzählen ungebundenste Redefteiheit beobachtet. Ja, quod licet bovi, non licet Jovi! Eines schickt sich nicht für alle'. Auch der Furchtlose meidet die Mißachteten, die sich nicht genieren mit den derbsten Schimpfworten zu jonglieren und obendrein noch sich damit zu brüsten, daß sie früher nicht die geringsten Störungen ihreii Gegnern zu teil werden ließen! Bei den Sozialdemokraten heißt's eben mehr als in anderen Kreisen: Andere Zeiten, andere Sitten, bezw. Unsitten! Die Fähigkeit, gröblichste Störungen hcrbeizuführen, beweist aufs schlagendste eben dieses neueste Flugblatt, das so nebenbei auch noch eines der angesehensten und bebeuienb|ien Blätter
121,6 123,5
0,8 0,67
Kaffee, Tee 2,5 1,8 2,5
Im Bier-, Wein- und SchnapSttmkcn steht Deutschland allen anderen Ländern voran, den meisten leider wett voran,
mäßig größte Anzahl von Volksschülern. Der Kostenaufwand für eiucn Volksschüler beträgt pro Jahr in Mark: Deutschland Frankreich England Italien Oesterreich-Ungarn 35,4 31,6 48,32 16,28 23,72
England, das erheblich weniger Volksschulen hat, als Deutschland, erscheint nur deshalb mit einer größeren Summe, weil die in England vorherrschende Privatschule selbstverständlich teurer ist, als die Staatsschule!
Auch in bezug auf Universitäten steht Deutschland an erster Stelle. Es beträgt die
Deutschl. Frankr. Engl.
Nr. 1Z8
»rscheint tLzltch außer Sonntag».
Dem Gießener Anzeiger «erden im Wechsel mit dem Kesffsche» tonbölrt die Gießener Kamillen- blätter viermal in der Woche deigelegt.
Rota non-druck u. vertag der Brü h l'schen Untverl.-Buch- u.Siein- druckerri (Pietsch Erden) «edaknon. «rvedinon und Druckerei:
Schulffraße 7.
vdrelle für Depeschen: «azetger Gießen.
FrrmprkchanlcklußAr 51.
sämtliche Schweine in der Gemeinde heim unter Ortssperre gestellt worden.
Gießen, den 3. Juni 1903.
Großherzogitu-es Kicisami Gießen.
3. 93.: Dr. Kranzbühler.
im Tabakgenuß nimmt eS die zweite Stelle ein.
Aus dieser Zusammenstellung geht hervor, daß Deutsch» land bei niedrigster Belastung seiner Bevölkernng durch Steuern und Zölle den höchsten Aufwand für die materielle Lebenshaltung, für die Schulbildung und für sonstige Kulturaufgaben leistet. Es geht daraus hervor, daß die Schilderung der heimischen Zustände in sozialdemokratischen Blättern Phantasiegemälde sind- dazu bestimmt, die Bevölkerung unzufrieden und mißtrauisch zu machen. • •
Zum Schluß noch ein niedliches Pröbchen des sozial- demokrattschen „guten" Tones in allen SebenSlagen! Eugen Rich ter pflegt von allen Parteien, auch von denjenigen, die mit ihm gründlich auf Kriegsfuß stehen, ernst genommen und als ernster Gegner behandelt zu werden. Eine Ausnahme macht dieSozialdemokra tie und sie weiß warum. Sie hat chm seine besondere Haltunc bei den Zolltarifverhanülungen noch lange nicht vergessen und nun hat er durch seinen Sozia list en spiegel erst recht das Bier verschüttet. Allerdings gehört er zu dem Unangenehmsten, was der Sozialdemokratie jemals vorae halten worden ist, aber deshalb brauchten die Genossen der Herren Singer, Stadthagen usw. doch nicht zu tun, als sei der kluge Führer der Freisinnigen Bol'spartei ein boshafter Idiot. Nachdem der „Vorwärts" schon Hervor ragendes im Schimpfen geleistet, erscheint jetzt eine sozialdemokratische Gegenschrift, über die Richter in der „Freis. Ztg." wohlgefällig quittiert.
Das Titelbild ist geziert mit einer fratzenhaften Abbildung von Eugen Richter, der mit zwe Nachttöpfen in de rHand gegen die Sozialdemokratie anstürmt. Als „Spiegelfechter der Reaktion" wird Eugen Richter schon in der Einleitung begrüßt, sein Sozialisten- spiegel fei ein Arsenal von Fälschu ngen und ein Sammelbecken von Albernheiten. Man habe anfangs nicht die Absicht gehabt, den Sozialistenspiegel einei Widerlegung zu würdigen, weil man niemand zumute, durch das Elend solcher geistigen und moralischen Niederungen zu waten. Tas sind ja allge- gemein die beliebtesten sozialdemokratischen Schlagwörter! Aber well der Sozialistenspiegel zur Wahlbibel der bürget- lichen Parteien geworden fei, hätte im Interesse der öffentlichen Gesundheit die unbehagliche Reinigung Vorgenom men werden müssen. Eine solche „geistige Abstumpfung und moralische Verwilderung wie im Sa zialistenspiegel hatte man doch nicht für möglich gehalten". In der Broschüre wird Richter als ein beschränkter Spießbürger von geistiger Verkalkung be zeichnet, dessen Schreckgemälde über die Sozialdemokratte nichts seien wie Ausgeburten eines traurig beschränkten Kopfes und des besinnungslosen Eigen nutzes des kapitalistischen Unternehmertums. Als quäkender Phonograph, als Verleumder der Sozialdemokraten, als Klopffechter des Kapitalismus wird Eugen Richter bezeichnet. Er schmachte wahrhaft bejammernswert im geistigen Zuchtbaus des Ausbeutungssystems in seiner Abgestumpftheit. In seiner einfältigen Sozialiftenfrefserei kämpfe er wie ein Verzweifelter und wie ein Bankerotteur um seine Kunden. Turch Zollverrat- habe er sich verkauft. Richter sei der Sancho Pausa, der Stierkämpfer des Kapitalismus. Gemeine Fälschung, Infamie, Tu mm-
Prosesioren
Für die Sicherheils
ausgegeben pro Kopf der Bevölkerung in Mark:
Deutschland Frankreich England Italien Oesterreich-Ungarn
6,09 4,93 7,86 5,32 4,5
Hier wird Deutschland nur von England um weniges
Gie ßen, den 2. Juni 1903.
Bett.: Ausführung des Reichsfleischbeschaugesetzes.
Das Groschcrpgliche Kreisamt Gießen au die Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinde« de» Kreises.
Soweit Sie mit Erledigung unseres Ausschreibens vorn 9. v. MtS. (Kreisblatt 3tr. 51) im Rückstände sind, werden Sie hiermit entsprechend erinnert
I. B.: Dr. Heinrichs. •
Dctrauutinachuug.
Betr.: Schweinepest
In dem Gehöfte des Heinrich Ernst Engel in Holzheim ist die Schweinepest festgestellt worden. Für das genannte Gehöft ist Gehöftsperre angeordnet Gleichzeitig sind
der freisinnigen Partei, den „Fränkischen Courier' in Nürnberg, anrempelt, ein Blatt, dessen ruhige und vornehme Ton» art wett und breit bekannt und anerkannt ist, indem er als „bekanntlich durchaus unzuverlässig' bezeichnet wird. Ob der „Fränk. Cour.' oder das dagegen mit reklamehaster Wohlgefälligkeit auSgespielte Zentralorgan der Sozialdemokratie, der „Vorwärts', zuverlässiger ist, diese Frage beantwortet jeder von selbst Der alte Sophokles hat einst von den Frauen gesagt, nicht mitzuhaffen, sondern mitzulieben sind sie da. Umgekehtt die Sozialdemokraten; sie sind nur da, um mitzuhaffen und mitzuhetzen. Wer nicht lieben kann, wer überall nur finsteren Schatten und kein gleißend Licht sehen will ttotz blendender Fülle, der bleibe uns fern!
Auch die früheren Flugblätter der sozialdemokratischen Partei seien ein wenig niedriger gehängt. In ihnen allen, den in Gießen und auswärts verbreiteten, kann man nichts als recht trübselige Schilderungen unserer deutschen Zustände lesen. Wenn man diesen Schwarzmalereien Glauben schenken wollte, so müßte man annehmen, bei uns zu Lande lebe der größte Teil der Bevölkerung höchst jämmerlich, die Kulturaufgaben würden grenzenlos vernachlässigt 2C. 2C. Schon der Augenschein aber belehrt die verständigen Flugblattleser eines befjeren; denn sie müssen sich selbst sagen, daß es sich in unserem Vaterlande doch noch recht gut leben läßt, und daß wir hinter dem Auslände in keiner Weise zurückstehen.
Auf die Tatsache, daß Deutschland in sozialpolitischer Hinsicht an der Spitze aller Länder steht, daß seine Arbeiterschutzgesetzgebung, seine private und staatliche Ar- bellersürsorge, fein großartiges Arbeiter-Versicherungswerk von keinem Lande der Welt erreicht worden ist, braucht hier nicht Wetter eingegangen zu werden. Tiefe Tatsache ist längst anerkannt und wird selbst in Arbeiterkreisen nicht geleugnet, wenn auch das neulich in Gießen in allen Häusern verbrellete Flugblatt der sozialdemokratischen Fraktion des Reichstages von dem kalten Abtun der notwendigsten sozialen Reformen spricht.
Allein auch in Bezug ihrer Ausgaben für kulturelle Zwecke, für Kunst, Wissenschaft, Schulwesen, Rechtspflege, höhere Bildung steht die deutsche Nation anderen Kultur- nationen voran, während sie in Bezug auf ihre Belastung durch Steuern und Zölle Linke den Bewohnern anderer Länder zum Dell sehr erheblich zurücksteht. Wir lassen nach der „Bank- und Handelsztg." einige statistische Taten zum Beweise dieser Sachlage hier folgen:
An direkten Steuern jährlich pro Kopf der Bevölkerung in Mark zahlen:
Deutschland Frankreich England Italien Oesterreich-Ungarn 8,41 18,44 21,29 11,94 7,51
Hier steht Oesterreich nur um einige Pfennige hinter Deutschland, während die übrigen Staaten zwischen 2 bis 3 Mal so viel birette Steuern zahlen.
An indirekten Steuern — über diese klagt besonders das die Wahl des Herrn Krumm empfehlende Flugblatt — jähttich pro Kopf der Bevölkerung in Mark zahlen: Deutschland Frankreich England Italien Oesterreich-Ungarn 18,23 . 46,20 30,11 16,2 26,29 18,70
Im Zahlen von indirekten Steuern wird also Deutschland von allen anderen Staaten bei weitem übertroffen.
Die spezielle Getränkesteuer (Wein, Bier, Schnaps), über die das Krumm'sche Flugblatt auch ganz außerordentlich jammert, beträgt jährlich pro Kopf in Mark:
Deutschland Frankreich England Italien Oesterreich Ungarn
4,71 12,34 17,26 1,80 4,78 5,37
Auch diese Zahlen reden für sich selbst. Auch die Tabaksteuer ist in Deutschland am niedrigsten und wird es hoffentlich bleiben.
Nun sollen die Ausgaben für geistige Kulturzwecke folgen, die nach dem Flugblatt der sozialdemokratischen Partei ,bitter Not leiden!'
Ausgaben für Wissenschaft, Kunst, Unterricht jährlich pro Kopf der Bevölkerung in Mark:
Deutschland Frankreich England Italien Oesterreich-Ungarn 7,86 6,63 6,30 3,60 4,15
Ausgaben für den Volksschulunterricht jährlich pro Kopf dei^ Bevölkerung in Mprk:
Deutschland Frankreich England Italien Oesterreich-Ungarn 6,20 5,10 5,83 1,64 2,77
In den Leistungen für Vollsunterricht, höheren Unterricht, Wissenschaft, Kunst marschiert Deutschland an der Spitze aller Kulturstaalen! Ebenso hat Deutschland die verhälmis-
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JKSSfir ▼ . jährlich Mk. 2.20; durch
GiehenerAiiMger«
General-Anzeiger v «ä
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
Bekanntmachung.
Betr.: Schweinepest zu Grüningen.
In den Gehöften der Witwe Adam Christian JSheim und des Christian Leidig IV. in Grün ingen ist die Schweinepest ausgebrochen. Es ist Gehöftsperre angeordnet.
Gießen, den 3. Juni 1903.
Großherzogtiu.)es sueiSamt Gießen.
I. B .: Dr. K r a n z b ü h l e r.
Bekanntmachung.
Betr.: Bildung einer üffenttlchen Wapergenoffenschast zur Entwässerung der Fluren VI, Vill und IX der Gemarkung Langd, KreiS Gießen.
Nachdem das Großh. Ministerium deS Innern dem Statut für die öffentliche Waffergenoffenfchaft zur Ent- wäfferung von Flur VI, Vill und IX der Gemarkung Langd unterm 27. v. Mts. die Genehmigung erteilt hat, bringen wir nachstehenden Statutauszug gemäß Artikel 39 des Bachgesetzes unter dem Anfügen zur öffenttichen Kenntnis, daß das Statut mit dieser Veröffentlichung in Kraft tritt.
1) Name der Genoffenschaft: „Waffergenoffenschaft Haidfeld".
2) Sitz der Genossenschaft: Langd.
3) Gegenstand des Unternehmens: Entwässerung von Flur VI, VIII und IX der Gemarkung Langd.
4) Die von der Genoffenschast ausgehenden Bekanntmachungen werden unter der Bezeichnung „Waffer-- genoffcnschaft Haidfeld zu Langd" im Kreisblatt für den Kreis Gteßen, sowie in ortsüblicher Weise in der Gemeinde Langd veröffentlicht.
Die Benachrichtigung der Ausmärker erfolgt durch


