Ausgabe 
4.6.1903 Erstes Blatt
 
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Schwimmbad 5381 Männer, darunter 1120 zu 10 Pfg.,

1356 Frauen,

Wannenbäder 1. Klasse 364 Männer, 124 Frauen,

2.

676

989

»er

de de-

e m i ( e t gclcgciuiidi - »en ivir iolgenbcä : iu) der Jayrliuttderl- gc'iiitei worden ist,

Anfangs- u. 210. 209.75 136.75 175.50

und den und sich

^'ttneldm 4105

Schlußkurfe. 209.90 209.75 136.75 176. 180.75

Von Her schastsbank geselljchast Zulaßung i zahlbare t verschreibt schast zu L bis 1400, Börse eingei

Franks

Oest. Kredit. Deutsche Bank Darmstädter Bank Bochumer Guß .

Tie große Volksversammlung im Anschluß an den Kongreß heute abend füllte wiederum Saul und Tribüne

Harpener Bergbau . . 180.75

Schluß-Tendenz: fest.

Das er kann innert ächtet wert

Zahlt

Wir btii zur Echebm Kommunal eines jeden des Unterze- schwerden g der ersten; entweder b hier vorgeb Veschwerder

Gießen, Der Vorst

Der Gewinn dco Konsortiums für die neue 3proz. Reichsanleihe beträgt, wie verlautet, 0,25 pCt. Das ist roemg genug. Für die Erwerber der Anleihe ergibt sich indes bei einem Vergleiche des Subjkriptionskurses mit dem jetzigen Kurse sogar ein Verlust von 0,20 pCt.

Märkte.

Limburg a. d. L., 3. Juni. Fruchtmarkt. Durch­schnittspreise pr. Malter. Roter Weizen 14.23 Mk., Weißer Weizen 00.00 Alk., Korn 11.10 Mk., Gerste 9.00 Mk., Hafer 6.90 Mk., Erbsen 0.00 Mk., Kartoffeln 0.00 Alk.

» der geichait

Personen büßten hierbei ih r Leben ein. Tie chilenische BarkeChivilingo" und da» Baggerschifi landa" und einige Schaluppen erlitten ebenfalls schaden. Der Dampfer der Pacific CompanyA r c q u i p a" ist untergegangen, da mehrere Leichen an das ^and geschwemmt wurden. TieArequipa" hatte 80 Personen an Bord. Ter Kapitän, seine Frau, die Offiziere und der größte Teil der Mannschaft sind um gekommen.

ÄlLereorologlscye ^veovi»chiu»gen der Station Gießen.

t

Kreitag Di vecheitznl der Siams Tchcim, zwangsivehe a bestand, aus herrührend, al eine gr Porzelli ferner:

1 Lloß Ter Verl

297 10

11759 Bäder verabreicht gegen 7140 im April 1903 8502 im Mai 1902 oder im Durchschnitt auf ganzen Badetag 413 Bäder gegen 286 im April 1903 315 im April 1902. Der Besuch im einzelnen hat wie folgt verteilt:

Stabcis Lsenroi Ogdenei

6, 5 C ^olo ^usgebot. A

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Aus Ztadl und Land.

Gießen, 4. Juni 1903. Gießener Volksbad. Im M a i wurden

Düttgemiltel, welches der Londivirlschnu > oiieilen unabhäiigia vorn Auslände eitdjlici

Vers

Lamsta werden in d zu Grünberi Gegenstände

16 dir maschn Kessel, ca. 151

Montag

werden in d< zu Grünbcra

Solont,

Al

Dampf- und Heißluftbäder, sowie Massage zusammen 91 Männer und 28 Frauen, Brausebäder 2367 Männer und 383 Frauen. Die Personenwage wurde von 280 Per­sonen benutzt. Das Bad wurde von 13 Personen besichtigt.

t Großen- Linden, 2. Juni. Während des Ge­witters, welches heute über unseren Ort zog, schlug der Blitz in die Halle der Braunfchen Zementsabrik, sowie in ein Nachbargebäude ein, ohne zu zünden und ohne großen Schaden anzurichten. Eine Taube, welche auf dem Hause saß, fiel betäubt zu Boden.

t. Leihgestern, 2. Juni. Einer hiesigen Frau fiel unvorsichtigerweise ein großes Fleischermesser auf den Fuß, sodaß die Spitze tief in denselben eindrang und sofort ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden mußte.

b. Groß-Felda, 3. Juni. Dekan Wörißhoffer, der seit 24 Jahren die hiesige Pfarrei versieht, wurde heute aus sein Ansuchen zum Pfarrer der Gemeinde Pohl- Gons ernannt. Die Gemeinde sieht den wegen seiner ge­wissenhaften Amtsführung und friedfertigen Gesinnung atl- gcinein beliebten Geistlichen mit Bedauern aus ihrer Mitte scheiden und begleitet ihn mit den besten Wünschen für sein und seiner Familie ferneres Wohlergehen.

(?) Arnsburg, 3. Juni. Eine der schwierigsten Stellen der sonst leicht zu bauenden neuen Bahn Lich- Butzbach ist wohl die Unterführung an der Chaussee zwischen Lich und Arnsburg. So wird denn Tag und Nacht gearbeitet, um den mächtigen Tamm zu durchbrechen, was jetzt zur Hälfte geschehen i)t. Damit der ziemlich rege Ver­kehr auf die,er Straße nicht unterbrochen wird, ist gestern eine Notbrücke darüber gebaut worden, welche allerdings nur von.Fuhrwerken bis zu 50 Ztr. Gewicht passiert werden darf.

H.Z. Egelsbach, 2. Juni. Hier ist vor einiger Zeit eine gemeinnützige Baugenossen schäft gegründet worden. In einer zahlreich besuchten Versammlung, welcher der LandeswohnungsinspeLwr beiwohnte, wurden die Woyn- ungsverhältnisse im Ort besprochen und hierbei allgemein anerkannt, daß dieselben sehr verbesserungsbedürftig seien, sodaß eine Baugenossenschaft sehr Ersprießliches leisten kann. Diese ist nunmehr zustande gekommen, wobei das von dem hessischen Zentralverein für Errichtung billiger Wohnungen empfohlene Musterstatut als Grundlage gedient hat. Die Genossenschaft hofft, von der Gemeinde in der im Wohn- ungsfursorgegesetz vorgesehenen Art unterstützt zu werden.

Vermischtes.

Bergt stet! In Dünkirchen und Umgegend er­krankten 20 Personen unter Vergiftungserscheinungen nach dem Genüsse von verdorbenem Pferdefleisch, das von auswärts eingebracht wurde. Drei Personen sind be­reits g e st o r b e n.

* Ein furchtbarer Brand ist in Neapel aus- gebrochen. Durch denselben wurde das in der Altstadt ge­legene städtische Leihhaus, das einen Wert von 11 Millionen repräsentiert, gänzlich zerstört. Auch das Staatsarchiv war bedroht, ebenso das Kloster San Philippo. Tie einge­schlossenen Nonnen, etwa 100 an der Zahl, konnten nur mit Mühe gerettet werden, nachdem man die Torgitter und Fenster zertrümmert hatte. Zwei Feuerwehrleute sind ge­tötet und vier schwer verwundet worden. Durch den Brand werden zahllose arme Leute, die ihre Habe im Leih- hause hatten, schwer geschädigt. Der kleine Glocken türm der anstoßenden Kirche stürzte ein.

* Valparaiso, 3. Juni. Während des Sturmes ist die britische BarkeFoyledale"gesch eitcrL Zwölf

der Gegenwart und der jüngst vergangenen Jahrhunderte; eine der dringendsten Ausgaben wäre eine Grammatik unserer eigenen lebenden Sprache. Kommt eine solche zur Vollendung, dann bietet sie den Ausgangspunkt zil Folgerungen für die Sprachrichtigkett. Tas Sprachamt ichreibt keine Lehrbücher, aber andere werden cS tun. Während die Verfasser von Lehrbüchern bis jettt vielfach auS ungenügender Erfahrung geschöpft haben, werden sie dann einen Stoff von ganz unvergleichlichem Reichtum zur Verfügung haben. Tas Relchsamt gicbt ferne Gesetze. Niemand soll einen Zwang erleiden, niemand soll gestört werden, der sich berufen fühlt zum Ausleben seiner sprachlichen Eigenart. Wer aber gewillt ist, nach Gesetz und Regel zu leben, dem bieten die Sammlungen des Reichs­amts die sichere Grundlage, wenn er wissen möchte, wie die Besten geredet haben, inwieweit ein einheitlicher Gebrauch die Erschein­ungen durchzieht oder gewisse Füguugen gleichberechtigt nebeuemader Nehen." Zum Schluß verkündigte Pros. Pietsch-Berlin die vom Sprachverein gestellte Preisaiügabe: Eine Flugschrift über daS Tema: ,Wte ist die Sprachoerderbnis ,m deutschen Handelsstande zu bekämpfen?"

München, 3. Juni. Ter ungarische Maler Franz Ei sen­il u t ist gestern hier g e st o r b e n.

Würzbnrg, 3. Juni. Tie Deutsche zoologische Gesellschaft wählte Tübingen als nächsten Ver­sammlungsort.

Felil Weingartner verlobt. Die man aus Aluuchen telegraphiert, siiid vor dem dortigen StandeSamte als Verlobte outgeboten: Kapellmeister Felix Weingartner, Edler von -'.unflerg und Feodora Freiin von Trerfus, die fuuqste Tochter des 1890 in München verstorbenen Großhändlers Baron -rrenus. Wemgarmers erste Ehe (mit einer 2ocf)tcr des Buch- oruckereibesitzers Juillerat in Mannheim) wurde vor eiiikger -seit grd toben. Tie Braut ist die jüngste Tächter eines 1899 verstorbe­nen, icbi reichen israelitischen Großindustriellen, Baron Theodor -r dc. österreichischer und sächsischer Konsul m München war ecnc aitrtc Tochter ist d,e Gemahlin des Wiener Malers ">uliu4 Rrtter von Maas, c

oem Wunsche, daß diese Wissenschaft zum Heile der Menschheit immer tiefer eindringen möge in das Wesen der Elemente, gestärkt durch den unerjchütterlicheii Glauben, daß der forschende Geist schließlich doch die Materie meistert. Hieraus führte Kullusmunster Tr. Stu dl aus, die deutsche chemische Industrie erzeuge jährlich für 1 Milliarde Mark Werte, er gedachte der gediegenen wissenschaft­lichen Grtindlage, die aus Universitäten und technischen Hochschulen für so bedeutende Leistungen gelegt werden. Bürgermeister R e i cf e begrüßte die Teilnehmer im Namen der Stadt Berlin. Tann fprachen deutsche und ausländische Professoren und die Vertreter der fremden Stationen. Am Schluß der Vormittagssitzung gab Präsi- oent W i 11 nach Aussprache des Tantes für alle dem Kongreß gewordenen Ehrungen eine kurze Vorgeschichte des Kongresses. So­dann wurden die bisherigen Präsidenten und Vizepräsidenion dnrch Akklamation m ihren Ehrenämtern bestätigt. Geheimrat Winkler- Freiberg wurde zuin Ehrenpräsidenten und außerdem eme große Anzahl zu Ehren Vizepräsidenten proklamiert. Heute nachmittag hielten alle 13 Sektionen Sitzungen ab. In der Sektion 7, land- rotrtf chaü 11d)e Ehemte, sprach Tr. Frank-Eharlottenburg über die Nntzbarmachnng des freien Sliekstosfes der Luft für d i e La ndwi rtj chas t und Jndu str , c. Frank fand ein «ocnabrcn, unter Benutzung des auf elektrischem Wege gewoiiueneii Karbids von der Luit ciuiiommencn -ctidftoft in Amid- und Cyan- vett'iudungci, ubcrzuiülnen, welche das Rohinaictial für die Fal ri- katton von Ammoiiialialzen, Laugefalz iiud tinanfulien lieferte«. Ter jo hergestellte Kalksticknoss erwies siep als ein bei vor tagendes

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Christ' schreibt 1 * aufb das imG-u heitr.ohne dem Enver

Alle M bilben habe" ttM*® xottl«1 ®iri'

Gießen,

mit Rücksicht aus die Verhandlungen, welche der Vorstand mit der großherzoglich hessischen Regierung wegen der U e b c r n a b m e des alten Liebigschen Laboratoriums in Gießen d ii r ch d e n V e r e i n deutscher C h e m i k e r zur Zeit sührt gestellt worden war: Der Haupwerein wolle eine historische o a m m l u n g von chemisch enGeratschasten und ver- ivandte Zubehör, sowie von historisch wichtigen M a n u s k r i p t e n anlegen.

Breslau, 3. Mai. In der Festsitzung des Allgemei­nen deutschen Sprachvereins hielten die Professoren Behaghel»Gießen und Geheimrat Felix Tahn-Breslau Fest- vorträge. Geh. Hofrat Behaghel sprach über bte Frage der Er­richt tt n g eines Reichsamts für deutsche Sprache Ter Vortragende schildert zunächst die Einrichtung der französischen Akademie unb zeigt sodann, daß die Ueberttagung dieser Emricht- ung auf deutsche Verhältnisse die schwersten Bedenken erwecken muß. Nicht nur das Schrifttum, sondern auch die Sprache be- dürfen der freien Bewegung; ihre Veränderungen vollziehen sich mit geschichtlicher Notwendigkeit und lassen sich durch keinen äußeren Zivang aiifhalten ; »auf das Schärfste lehnen wir ab eineZwang-- reglenicntierunfl" der Sprache". Tas Ziel muß sein ; nicht Regeln der Sprache, wndem Wifjenschast von der Sprache. Tas Leben der beiiüdicn Sprache stellt eme Reihe von Aufgaben, die noch kanm in Angriff genommen sind, zumal die Sprache der Gegen­wart und der lüngst vergangenen Jahrhundene. Tic deutschen Akademien haben ivcing zur Lösung dieser Aufgaben beigetrageu und cs ist kaum Aussicht^ auf Aenderung ihres Verhaltens. Tte wifsenjchasiliche Forschung fami aber auch von großer vraklijcher Bedeutung fern- die Lehren der Sprach- richtigkeu zum Beispiel ergeben sich nicht au5 schulmäßigen Erivägungen, sondern aus einer umfassenden Feststellung des cprndi- get vav.ch«, n ie sie eben Aufgabe der Wissenschaft ist. .Was wir erstreben, m em Reichsamt für deutsche Sprache, eine Anstalt, Oer da - Re>d) ciieui uiid Lr rrlianlkeit fidiert, un übrigen durchaus ielbfiänbig, rein der Wiscnscha't huigegeden, gcleuci von Männern der Wifienjchajt." Ihre Ausgaben lagen vor allem in der Sorache

bis auf den letzten Platz. Oberlehrer Kissinger brachte nach kurzer Begrüßung ein dreimaliges Hoch auf Kaiser und Großherzog aus und Prof. Tr. T e l b r ü ck-Berlin be­leuchtete in höchst treffender Weise unsere heutigen politi­schen Verhältnisse angesichts der Reichstagswahlen. Auch Prof. Tr. Ha r n a ck-Berlin hielt eine gedankenreiche An­sprache, ebenso Pfarrer Le h m an n-Hornberg. Ter Haupt­teil des Abends war der Geselligkeit gewidmet und wurde durch Vorträge evangelischer Gesangvereine verschönt. Nach dem Hoch auf Kaiser und Grotzherzog sang die Versamm­lung das alte Lutherlied und zum Schluß nach einem Toa st auf das geeinte deutsche VaterlandDeutschland, Deutschland über Alles."

Mivrilttüts Uachrichteti.

Eisenad), 2. Ium. In grovererZahl als sonst haben dieS Jahr die D e u t s ch e u B u r j ch e n j ch cr j t e r Einkehr gehalten in der Warlburgsiadl. Etwa 150 Aktive, Vertreter aller deutfchen Universitäten und sämtlicher Burscheuschasteu, sowie viele Alte Herren, sind zum Konvent erschienen. Tie Verhandliingen wurden heute emgelctter mit einer Feier am Burschenschastsdenlmal. Unter Dem Vorantritt einer Musitfapelle begaben sich diectubenten nach der windumbrausten aussichlsreichen Göpelskuppe, auf bereit Höhe das Burfchenfchaüsdenkmal errichtet tfu Tas unlängst enthüllte Bismarckdenkmal wurde mit einem Lorbeer franz nut jchwarz-rot- golbncr Schleife durch einen Leipziger Germanen geschmücki. Unter­halb des Burschenfchaftsdeufmals machte man an einem frijchge- pflanzien Eichenhain halt. An jedem der 61 Eichenbaume nahm ic em Vertreter der Burschenschaft Aufstellung. 'Mit dem Gesang des Liedes:Frei und tmerjchütterlich stehen unsre Eichen!" nahm die Feier der Weihe dieses Hains ihren Anfang. Medizmalrat Tr. Wedemanii-Eijenach erinnerte w feiner Festrede die Versammlung an den Vorschlag, den bei der vorjährigen Tenfmalweihe der Stadtpsaner Tr. Obert-Kronstadl (Stebenbüraen) m seiner Fest­rede gemacht, daß durch die verschiedenen Burscheuschauen eine Eichenpslauzung um das Tenfmal erstehen möge. Alan habe seinen Vorid;lag beherzigt. 'Mit Sinnsprüchen jedes BurjchenjckMilsvertreters wurde an ;edes Stämmchen von demselben eme Schausei Erde getan und mit dem Gesänge:Ich hab' mich ergeben V* die Feier geschlossen. Am Denkmal selbst entwickelte sich noch cm bumbe- roegtes Bild studentischen Lebens. Neben verschiedenen anderen Feftlichkeiten veranstalten die Burschenschafter u. a. auch eine Wart­burgfeier. Altem Braud)e gemäß legten sie auch am Grabe Fritz Reiiters einen Lorbeerkranz mit farbiger Schleife nieder. In der Pnngstwoche tagen hier auch dieW i n g o 1 f 11 e n", die stets in einer Stärke von mehreren Hunderten hier eintrefsen und mit ihrer Tagimg einen Gang burd) ben Thüringerwalb vorbinben. Auch ihre Verhandlungen betreffen interne Angelegenheiten. Ceffcnthdie Feiern veranstalteten sie an ihrem Denkmal und aus der Wartburg. Zailörl ünö Uerkelfr. 5i)iluiuiLlfdjafL

Berliner Börse vom 3. Juni 1903.

(Mltgeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Gießen.)

Tie beruhigte Haltung, welche der Schluß der gestrigen New- Porter Börse zeigte, übertrug sich auch voll unb ganz auf unseren 'Markt. Trotzdem man bereits auf allen Gebieten m fester Tendenz eröffnete, zogen im weiteren Verlauf die Kurse noch wesentlich au, da die Berichte aus den heimischen Jndusiriebezirken weiterhin günstig lauten, unb sich die Kontremme zum Tecken veranlaßt fühlt. Das flottantc Material ist ziemlich gering, die Stimmung im all­gemeinen beruhigter, die Positionen wesentlich verringert, mithin nur leucht erklärlich, wenn irgend ein besonderer Umstand Anlaß z»i einer neuen Aufwärtsbewegung gibt. So genügte heute der Hinweis auf die Ouartalssitzung der Laurahütte, um den Kurs einige Prozente emporjchnellen zu laffen, wodurch naturgemäß der gesamte 'Montanmarkt beeinflußt wurde. Die Haltung der jonsttgen Märkte kann ebenfalls nur als fest bezeichnet werden, wenn auch die Umsätze »roch immer ziemlich kleine sind. Besonders ist die Haltung der spanischen 4prozcntigen Exterieurs zu erwähnen, welche anhaltend von Paris gekausi werden. Türkenwerle fest auf die Aieldung, daß das Jrade betreffs der Unifikatwn nun definitiv erlassen ist. Auf dem Kassaindustriemarkte ivareii ebenfalls fast durchwegs Kursausbesserungen wahrzunehmcn.

Privat-Tisfont 3 Prozent.

Apanagen für dieselben aufgehört. Es muß nun verlangt werden, daß auch jeder Einzelne streng nach Gesetz und Verordnung den Interessen der Allgemeinheit gerecht werde. Eine Verkürzung liegt z. B. vor, wenn der Vater sein schon über 10 Jahre altes Kintz, das von der Natur etwas j'ttefmütterlich behandelt worden ist, auf der Eisenbahn noch zum Ktnderfahrpreis fahren läßt, oder wenn unsere Damen auf der Reise nicht aus eigenem Antriebe alles Zollpflich­tige vorzeigen, oder wenn der Kapitalist trotz der genauen gesetzlichen Vorschriften nicht seine vollen Einkünfte dekla­riert. Deutschland gilt mit Recht als das ehrlichste Land der Welt, aber ob in Steuersachen die Ehrlichkeit immer streng geübt wird, steht sehr dahin. Redner geht nun auf die geschichtliche Entwickelung des Steuer- und Finanz­wesens naher ein und bespricht dann die Pflichten bcc Neuzeit auf diesem Gebiete. Schärfer, kühler und präziser habe noch nie ein Finanzpolitiker sein soziales Programm aufgestellt, als es in der Botschaft Kaiser Wilhelms I. vom 10. Nov. 1881 geschehen fet Tie Forderungen, die wir heute zu Gunsten der articitenbcn Klassen der Bevölkerung erheben, sind durchaus diesem hehren Werk entsprechend, und wenn man uns Nationalökonomen, von denen diese Forderungen unterstützt werden, Sozialisten nennt, nun bann war auch Kaiser Wilhelm I. ein Sozialist unb fein großer Kanzler erst recht. So notwendig die Fänanz- polilik aber auch ist, voran geht ihr doch die Politik zu Gunsten des Heeres und der Flotte, durch welche Deutsch­lands Machtstellung in der Welt begründet ist. Ohne diese ist keine gesunde Finanz- und Sozialpolitik zu betreiben. Es muß dabei betont werden, daß das große mächtige deutsche Heer von allen Armeen der Welt das ver­hältnismäßig woblfeilste ist. Wir sind auch um so eher in H«er Lage, diese Heereslast zu tragen, als wir nicht, wie Frankreich und andere Staaten, große Staats­schulden zu verzinsen haben, denn die jetzigen Schulden sind fast ausschließlich Eisenbahnschulden, die sich durch die reichen Eintünfte von selbst verzinsen. Es ist durchaus richtig, daß der Staat auch rentable große Betriebe besitzt, aber wir tonnen nun nicht gleich alles verstaatlichen, wie es der extreme Sozialismus verlangt; ein Fortschreiteri auf diesem Gebiete tonnte nur ganz allmählich nach Maß­gabe der sich entwickelnden Technik erfolgen. Die indi­rekten Steuerbelastungen sollten möglichst nicht auf not­wendige Verbrauchsgegenstände, sondern auf andereKonsum- artifcl und Genüsse ausgedehnt werden, aber wir sollten den moralischen Mut haben, endlich eine ordentliche Wirts­hausgesetzgebung zu schassen, tote sie in England, Amerika uf'to. längst besteht. Zolle auf Wein, Bier, Branntwein und Tabak sind und bleiben immer die celatio gerechtfertigsten. Ten wilden fpekulativen Befitzwechscl in den Städten zu beseitigen, rcsp. den Gewinn daraus dem Staat oder der Gemeinde zuzuführen, d. h. den auf Konjunkturen beruhen­den Wert entsprechend zu besteuern, muß Aufgabe bei» Staates sein. 9Jtan hat in unserer ostasiatischen Kolonie Kiautschau schon damit den Anfang gemacht, indem man der Regierung das Vorkaufsrecht einräumte unb, wenn nicht davon Gebrauch gemacht wird, ein Drittel des Wertes als Steuer nimmt. Tie Börsensteuer sei durchaus gerecht­fertigt, aber vor allem sei die Offenlegung der Steue-r- liften und die möglichste Veröffentlichung der Steuerver­gehen notwendig, die nicht nur mit Geldstrafen geahndet werden sollten. Sehr richtig wäre die Einführung einer direkten Erbsch a f tssteue r und ihre Älusdehnung auf direkte Erb em Es sei doch sonderbar, tzaß in Teutschtantz nur 22 Millionen, in Großbritannien und Irland dagegen ca. 400 Millionen durch die Erbschaftssteuern gewonnen wür­den. Zum Schluß des fast zweistündigen Vortrags be­tonte der Redner, daß die deutsche Steuerverfassung für Staat und Gemeinde im allgemeinen die beste fei, die bis jetzt in der Kulturwelt existiert, aber sie könne und müsse von einer verständigen Regierung und Volksvertretung weiter ausgebildet werden. Gerade das kleine Hessenland könne dabei als leuchtendes Vorbild gelten. Hessen war das erste Land, das auf sein Phantom der Zollfreiheit verzichtete und sich dem großen, von Preußen ins Leben gerufenen Zollverein anschloß, und Hessen hat auch das große Verdienst, zur rechten Zeit ben Anschluß an die große preußische Staatseisenbahn vollzogen zu haben. In Hessen hat man neben Braunschweig den Mut gehabt, die Ein­kommensteuer mit Vermögenssteuer durchzuführen. Tas Großherzogtum sei stets des schönen Tichterwortes ein­gedenk gewesen:Immer strebe zum Ganzen; und kannst Tu selber kein Ganzes werden, als dienendes Gliejd schließ an ein Ganzes Dich an."

Tie ausgezeichnete Rede des berühmten Finanzpoli­tikers wurde von der Versammlung mit größter Spann­ung verfolgt und mit lange anhaltendem Beifall belohnt.

Nach einer längeren Debatte, an welcher Prof. Dr. Delbrück, Pfarrer Weber, Prof. R a t b g c n und Geh. Nat Prof. Wagner teilnahmen, schloß die zweite Ver­sammlung gegen 6 Uhr abends.

Udien Sttzmig im Verein deutsche i u feiner HauptoerfainnUuiig am Dienstag env ? te L i e big- T c n t m u n ; e, welche aniak feier des Geburtstages von Justus v. Liebig nnrd an Tehennrat Professor Tr. v. B a y e r - München, ben Vater ber Jndigosttttlheje, iur hcroorragenbe t>oiöcruiiq der angewandlen Ehemw verliehen. Von befoubcixm Jniereße durfte noch ein cm ftimmid angenommener Antrag des Beztrtsveretns Berlin fein, ber

Juni 1903.

Barometer auf 0° reduziert

Temperatur der Luft

Absolute Feuchtigkeit

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Wetter

3.

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